Schriftbetrachtung

tägliche Schriftbetrachtung

von ew • 25. September 2026
Koh 11, 9 - 12, 8 Samstag, 25. Woche Freu dich, junger Mann, in deiner Jugend, sei heiteren Herzens in deinen frühen Jahren! Geh auf den Wegen, die dein Herz dir sagt, zu dem, was deine Augen vor sich sehen. Aber sei dir bewusst, dass Gott dich für all das vor Gericht ziehen wird. Halte deinen Sinn von Ärger frei, und schütz deinen Leib vor Krankheit; denn die Jugend und das dunkle Haar sind Windhauch. Denk an deinen Schöpfer in deinen frühen Jahren, ehe die Tage der Krankheit kommen und die Jahre dich erreichen, von denen du sagen wirst: Ich mag sie nicht!, ehe Sonne und Licht und Mond und Sterne erlöschen und auch nach dem Regen wieder Wolken aufziehen: am Tag, da die Wächter des Hauses zittern, die starken Männer sich krümmen, die Müllerinnen ihre Arbeit einstellen, weil sie zu wenige sind, es dunkel wird bei den Frauen, die aus den Fenstern blicken, und das Tor zur Straße verschlossen wird; wenn das Geräusch der Mühle verstummt, steht man auf beim Zwitschern der Vögel, doch die Töne des Lieds verklingen; selbst vor der Anhöhe fürchtet man sich und vor den Schrecken am Weg; der Mandelbaum blüht, die Heuschrecke schleppt sich dahin, die Frucht der Kaper platzt, doch ein Mensch geht zu seinem ewigen Haus, und die Klagenden ziehen durch die Straßen - ja, ehe die silberne Schnur zerreißt, die goldene Schale bricht, der Krug an der Quelle zerschmettert wird, das Rad zerbrochen in die Grube fällt, der Staub auf die Erde zurückfällt als das, was er war, und der Atem zu Gott zurückkehrt, der ihn gegeben hat. Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, das ist alles Windhauch. Halte deinen Sinn von Ärger frei. Manchmal, wenn wir uns aufregen, sagen wir sehr schnell: Der oder die ärgert mich! Aber eigentlich müsste ich sagen: Ich ärgere mich. Meine Gefühle gehören doch mir. Ich ärgere mich! Der andere bringt nur das in mir zum Schwingen, was schon da ist. Wäre ich mit mir ganz im Reinen, dann bliebe ich cool und würde mich nicht ärgern. Nicht der andere ärgert mich, sondern ich ärgere mich. Der ärgert mich. Eigentlich müsste ich „dem, der mich ärgert“ dankbar sein, denn er macht mich auf etwas aufmerksam, was in mir noch der Reifung bedarf. Wenn ich mich ärgere, dann stelle ich bei mir plötzlich fest, dass ich doch noch nicht so ausgeglichen bin, wie ich es gerne hätte. Die Kratzbürste Lieber Gott, bitte segne die Kratzbürste, "die mich ärgert", denn sie zeigt mir lediglich das, was in mir ist. Meine Gefühle gehören mir und nicht „dem, der mich ärgert“. Die Kratzbürste bringt also lediglich das zum Schwingen und fördert das an die Oberfläche, was in mir immer noch da ist. Die Kratzbürste zeigt mir, wie ich wirklich bin. Danke, liebe Kratzbürste. Bild: p exels-photo-7484876 /Antoni Shkraba
von ew • 24. September 2026
Koh 3, 1-11 Freitag, 25. Woche Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen, eine Zeit zum Töten und eine Zeit zum Heilen, eine Zeit zum Niederreißen und eine Zeit zum Bauen, eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz; eine Zeit zum Steinewerfen und eine Zeit zum Steinesammeln, eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit, die Umarmung zu lösen, eine Zeit zum Suchen und eine Zeit zum Verlieren, eine Zeit zum Behalten und eine Zeit zum Wegwerfen, eine Zeit zum Zerreißen und eine Zeit zum Zusammennähen, eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden, eine Zeit zum Lieben und eine Zeit zum Hassen, eine Zeit für den Krieg und eine Zeit für den Frieden. Ich sah mir das Geschäft an, für das jeder Mensch durch Gottes Auftrag sich abmüht. Gott hat das alles zu seiner Zeit auf vollkommene Weise getan. Überdies hat er die Ewigkeit in alles hineingelegt, doch ohne dass der Mensch das Tun, das Gott getan hat, von seinem Anfang bis zu seinem Ende wieder finden könnte. Alles hat seine Stunde. Wenn alles seine Stunde hat, dann hat auch Gott seine Stunde schon geplant, in welcher er beschlossen hat, sich Dir zu offenbaren. Vielleicht ist diese Stunde bereits angebrochen, jetzt, da Du diese Zeilen liest. Alles hat seine Stunde. Auch Gott hat seine Stunde. Alles hat seine Stunde. Die Stunden dieses Tages sollen heute nicht zu schnell an mir vorbeifliegen. Ich möchte wenigstens versuchen, die Stunden bewusst zu leben, damit ich Gottes Gegenwart wahrnehmen kann. Ich schreibe früh am Morgen und ich weiß schon jetzt, dass ein volles Tagesprogramm auf mich wartet. Aber irgendwo in den Stunden dieses Tages ist der Moment, in dem Gott auf mich wartet. Ich möchte diese Stunde nicht an mir vorbeirauschen lassen, sondern jenen Moment, jene Stunde, in der Gott mich berührt, genießen. Bild: pexels-photo-31884411. / Alexas Fotos
von ew • 23. September 2026
Koh 1, 2-11 Donnerstag, 25. Woche Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch. Welchen Vorteil hat der Mensch von all seinem Besitz, für den er sich anstrengt unter der Sonne? Eine Generation geht, eine andere kommt. Die Erde steht in Ewigkeit. Die Sonne, die aufging und wieder unterging, atemlos jagt sie zurück an den Ort, wo sie wieder aufgeht. Er weht nach Süden, dreht nach Norden, dreht, dreht, weht, der Wind. Weil er sich immerzu dreht, kehrt er zurück, der Wind. Alle Flüsse fließen ins Meer, das Meer wird nicht voll. Zu dem Ort, wo die Flüsse entspringen, kehren sie zurück, um wieder zu entspringen. Alle Dinge sind rastlos tätig, kein Mensch kann alles ausdrücken, nie wird ein Auge satt, wenn es beobachtet, nie wird ein Ohr vom Hören voll. Was geschehen ist, wird wieder geschehen, was man getan hat, wird man wieder tun: Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Zwar gibt es bisweilen ein Ding, von dem es heißt: Sieh dir das an, das ist etwas Neues - aber auch das gab es schon in den Zeiten, die vor uns gewesen sind. Nur gibt es keine Erinnerung an die Früheren, und auch an die Späteren, die erst kommen werden, auch an sie wird es keine Erinnerung geben bei denen, die noch später kommen werden. Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Kohelet hat vor Tausenden von Jahren diese Frage nach der Vergänglichkeit gestellt und diese Einsicht kann auch der Mensch im 21. Jahrhundert nachvollziehen. Die Welt um uns herum kommt und sie geht. Auch jene, die nach uns kommen, werden geboren, sie leben und sterben. Es ist ein stets gleicher Kreislauf, es gibt nichts Neues unter der Sonne. Kein Mensch kann diesen Kreislauf aufhalten. Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Ich stimme diesem Satz nicht zu. Wenn ich versuche, jeden Augenblick so zu leben, dass er sich öffnet auf Gott hin, dann kann Gott auch in jedem Augenblick in mein Leben einbrechen. Die Fragen der Welt werden kleiner, wenn Gott die Seele eines Menschen berührt. Darum kann es in jedem Augenblick etwas Neues unter der Sonne geben. Gott kann sich mir in jedem Augenblick neu und tiefer offenbaren. Bild: pexels-photo-18225483 / Kali Calitz
von ew • 22. September 2026
Spr 30, 5-9 Mittwoch, 25. Woche Jede Rede Gottes ist im Feuer geläutert; ein Schild ist er für alle, die bei ihm sich bergen. Füg seinen Worten nichts hinzu, sonst überführt er dich, und du stehst als Lügner da. Um zweierlei bitte ich dich, versag es mir nicht, bevor ich sterbe: Falschheit und Lügenwort halt fern von mir; gib mir weder Armut noch Reichtum, nähr mich mit dem Brot, das mir nötig ist, damit ich nicht, satt geworden, dich verleugne und sage: Wer ist denn der Herr?, damit ich nicht als Armer zum Dieb werde und mich am Namen meines Gottes vergreife. Ein Schild ist er. Je mehr der Mensch die Begrenztheit seiner Gotteserkenntnis einsieht, desto dankbarer ist er dafür, dass Gott sich ihm geschichtlich offenbart hat, und desto fester hält er sich an Gottes Wort. Je mehr der Mensch die Fülle Gottes erkennt, desto mehr fühlt er sich zu Gott hingezogen. Ein Schild ist er. Bei Gott kann man seine Fragen abgeben und Antworten empfangen, die weiterhelfen. Bei Gott kann man sich bergen und man wird erleben, dass Gott ein schützender Schild ist. Ein Schild gegen den beängstigenden Ansturm der Welt, ein Schild gegen die Vorwürfe der Spötter, ein Schild gegen die Verzweiflung. Füg seinen Worten nichts hinzu Eigentlich ist es ja nicht zu erwarten, dass der Mensch die Vermessenheit entwickelt, Gottes Wort etwas hinzuzufügen. Aber es gehört wohl zum Wesen des Menschen, dass er, sobald er wieder etwas Oberwasser hat, versucht, Gott gleich zu werden. Er interpretiert, ergänzt oder verwirft dann das Wort Gottes. Aber die Worte Gottes sind so anzuerkennen, wie sie von ihm gemeint sind. Füg seinen Worten nichts hinzu Es ist den Menschen jedoch nicht zu raten, Gottes Wort umzubiegen, denn Gott wird den Menschen zur Rechenschaft ziehen und ihn der Lüge überführen. Und dann steht jener, der eben noch weiser und klüger als Gott erscheinen wollte, als Lügner da. (Vergleiche: Wuppertaler Studienbibel, das Buch der Sprüche) Bild: pexels-photo-30875363 / Isabelle He r
von ew • 21. September 2026
Spr 21, 1-6.10-13 Dienstag, 25. Woche Wie ein Wasserbach ist das Herz des Königs in der Hand des Herrn; er lenkt es, wohin er will. Jeder meint, sein Verhalten sei richtig, doch der Herr prüft die Herzen. Gerechtigkeit üben und Recht ist dem Herrn lieber als Schlachtopfer. Hoffart der Augen, Übermut des Herzens - die Leuchte der Frevler versagt. Die Pläne des Fleißigen bringen Gewinn, doch der hastige Mensch hat nur Mangel. Wer Schätze erwirbt mit verlogener Zunge, jagt nach dem Wind, er gerät in die Schlingen des Todes. Das Verlangen des Frevlers geht nach dem Bösen, sein Nächster findet bei ihm kein Erbarmen. Muss der Zuchtlose büßen, so wird der Unerfahrene weise, belehrt man den Weisen, so nimmt er Einsicht an. Der Gerechte handelt klug am Haus des Frevlers, wenn er die Frevler ins Unheil stürzt. Wer sein Ohr verschließt vor dem Schreien des Armen, wird selbst nicht erhört, wenn er um Hilfe ruft. Wie ein Wasserbach ist das Herz des Königs Die Bauern konnten durch ein Bewässerungssystem nach Bedarf das Wasser dorthin leiten, wo es gebraucht wurde, damit das trockene Land fruchtbar wurde und die Pflanzen gedeihen konnten. Wie ein Wasserbach ist das Herz des Königs. Ein König hat dafür zu sorgen, dass sein Land gedeiht und dass es seinem Volk gut geht. So wie der Bauer das Wasser dorthin lenkt, wo es gebraucht wird, so möchte Gott auch das Herz des Königs lenken. Er soll die Not des Volkes sehen und eingreifen, wo es nötig ist. Ein König soll mit einem guten Herzen das Land voranbringen und Wohlstand und Frieden ermöglichen. Wie ein Wasserbach ist das Herz des Königs. Für mich ist es ein schöner Gedanke, dass Gott die Herzen der Menschen lenken möchte. Bitte Gott, lenke auch mein Herz. Wie ein Wasserbach sei das Herz von Pfarrer Edgar Wunsch in deiner Hand. Lenke es, wohin du willst. Wie ein Wasserbach ist das Herz von … Möchten Sie, dass Gott auch Ihr Herz lenkt? Wenn Sie Gott das Lebensruder übergeben, dann werden Sie selbst und die Menschen um Sie herum zufriedener, friedvoller und glücklicher. Bild: pexels-photo-712520 / Syab Nymur
von ew • 20. September 2026
Spr 3, 27-35 Montag, 25. Woche Mein Sohn, versag keine Wohltat dem, der sie braucht, wenn es in deiner Hand liegt, Gutes zu tun. Wenn du jetzt etwas hast, sag nicht zu deinem Nächsten: Geh, komm wieder, morgen will ich dir etwas geben. Sinne nichts Böses gegen deinen Nächsten, der friedlich neben dir wohnt. Bring niemand ohne Grund vor Gericht, wenn er dir nichts Böses getan hat. Beneide den Gewalttätigen nicht, wähle keinen seiner Wege; denn ein Gräuel ist dem Herrn der Ränkeschmied, die Redlichen sind seine Freunde. Der Fluch des Herrn fällt auf das Haus des Frevlers, die Wohnung der Gerechten segnet er. Die Zuchtlosen verspottet er, den Gebeugten erweist er seine Gunst. Die Weisen erlangen Ehre, die Toren aber häufen Schande auf sich Für drei Tage tauchen wir in der Lesung in die Welt des Buches der Sprüche ein. Die heutige Lesung möchte zu einem liebevollen Umgang miteinander anregen. Vers 27: Es wird nicht gefordert, dass man sich völlig verausgabt, aber man soll den Bedürftigen geben, was er braucht. Vers 28: Die Lesung wandte sich zunächst an Menschen, die geben konnten, aber nicht geben wollten. Nun sind jene angesprochen, die sofort geben könnten, aber erst später geben wollen. Vielleicht wollten manche den anderen demütigen, um ihm seine Abhängigkeit zu zeigen. Oder man hofft, dass er seine Not inzwischen bei anderen lösen konnte und man ihn durch den Aufschub auf bequeme Weise loswurde. Die Lesung aber sagt: Wenn du kannst, dann gib sofort. Vers 29: Gib auf deine Gedanken acht, denn aus Gedanken werden Taten. Vers 30: Nun soll verhindert werden, dass aus bösen Gedanken böse Taten folgen. Die Anklage ist frei erfunden. Irgendein Anklagepunkt wird sich aber schon finden. Wenn sich nichts findet, dann hat man den anderen wenigstens in Unruhe versetzt. Vers 31: Die Rücksichtslosen werden schnell reich. Die Lesung mahnt uns darum: Sei nicht neidisch. Wo nämlich der Neid auf den Gewalttätigen schielt, besteht bald die Gefahr, dass man selbst gewalttätig wird. Bild: pexels-photo-4654083 / Brett Jordan
von ew • 18. September 2026
1 Kor 15, 35-37.42-49 Samstag, 24. Woche Es könnte einer fragen: Wie werden die Toten auferweckt, was für einen Leib werden sie haben? Was für eine törichte Frage! Auch das, was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt. Und was du säst, hat noch nicht die Gestalt, die entstehen wird; es ist nur ein nacktes Samenkorn, zum Beispiel ein Weizenkorn oder ein anderes. So ist es auch mit der Auferstehung der Toten. Was gesät wird, ist verweslich, was auferweckt wird, unverweslich. Was gesät wird, ist armselig, was auferweckt wird, herrlich. Was gesät wird, ist schwach, was auferweckt wird, ist stark. Gesät wird ein irdischer Leib, auferweckt ein überirdischer Leib. Wenn es einen irdischen Leib gibt, gibt es auch einen überirdischen. So steht es auch in der Schrift: Adam, der Erste Mensch, wurde ein irdisches Lebewesen. Der Letzte Adam wurde lebendigmachender Geist. Aber zuerst kommt nicht das Überirdische; zuerst kommt das Irdische, dann das Überirdische. Der Erste Mensch stammt von der Erde und ist Erde; der Zweite Mensch stammt vom Himmel. Wie der von der Erde irdisch war, so sind es auch seine Nachfahren. Und wie der vom Himmel himmlisch ist, so sind es auch seine Nachfahren. Wie wir nach dem Bild des Irdischen gestaltet wurden, so werden wir auch nach dem Bild des Himmlischen gestaltet werden. Was für eine törichte Frage! Wir können uns nicht vorstellen, wie eine Auferstehung der Toten vor sich gehen soll. Wir können uns kein Bild der neuen Leiblichkeit machen, welche die Auferstandenen haben sollen, und darum können manche auch nicht an die Auferstehung glauben. Was für eine törichte Frage! Der Glaube an die Auferstehung der Toten passt nicht in unser menschliches Denken und in unsere menschliche Logik hinein. Darum benutzt Paulus einen Vorgang aus unserer Welt, den wir alle kennen. Er benutzt ein Gleichnis. Was für eine törichte Frage! Wenn wir zum Beispiel im Frühling Gurken- oder Tomatensamen in die Erde einpflanzen, so sehen diese kleinen Samenkörner völlig anders aus als die Gurke oder die Tomaten, die ich später ernte. Bei jedem Säen erleben wir es, dass der Same nicht bleibt, was er ist, sondern als Samenkorn enden und sterben muss, damit etwas Neues, die völlig anders gestaltete Pflanze, daraus wird. Wir säen nicht die künftige Pflanze selbst, sondern das Samenkorn. Was für eine törichte Frage! Die Wirklichkeit der Auferstehung der Toten zeigt tatsächlich Züge, die wir schon an Gottes Handeln in der Welt um uns herum wahrnehmen können. Wunder über Wunder stehen in der Natur vor uns. Und diesem Gott wollen wir nicht zutrauen, dass er auch der alten irdischen Existenz des Menschen eine neue überirdische Existenz und Lebendigkeit entgegensetzen kann? (Vergleiche: Wuppertaler Studienbibel, der Brief des Paulus an die Korinther) Bild: pexels-photo-11022636 / Ann H.
von ew • 17. September 2026
1 Kor 15, 12-20 Freitag, 24. Woche Wenn verkündigt wird, dass Christus von den Toten auferweckt worden ist, wie können dann einige von euch sagen: Eine Auferstehung der Toten gibt es nicht? Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos. Wir werden dann auch als falsche Zeugen Gottes entlarvt, weil wir im Widerspruch zu Gott das Zeugnis abgelegt haben: Er hat Christus auferweckt. Er hat ihn eben nicht auferweckt, wenn Tote nicht auferweckt werden. Denn wenn Tote nicht auferweckt werden, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos, und ihr seid immer noch in euren Sünden; und auch die in Christus Entschlafenen sind dann verloren. Wenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen. Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen. Eine Auferstehung gibt es nicht? Wir sind im vorletzten Kapitel des Korintherbriefes angekommen. Paulus hat bereits viele Fragen der Gemeinde durchgesprochen. Aber jetzt steht er vor einer Sache, die in das Zentrum des Glaubens hineinreicht. Einige aus der Gemeinde sagen, dass es keine Auferstehung der Toten gibt. Eine Auferstehung gibt es nicht? Paulus ist mehr als zuvor gefordert, den zusammengebastelten Glauben der Korinther wieder zurechtzurücken. Er muss zur Frage der Auferstehung einfach Stellung nehmen. Er muss dieser Frage gründlich auf den Grund gehen. Das ganze Kapitel 15 handelt darum von der Auferstehung der Toten. Eine Auferstehung gibt es nicht? Paulus ist es wichtig, aufzuzeigen, dass es sich in der Frage der Auferstehung nicht um eine beliebige Auffassung handelt, die verschieden sein könnte. Es handelt sich nicht um einen einzigen Lehrpunkt, in welchem man auch anders denken kann. Hier steht das ganze Evangelium und der ganze Glaube auf dem Spiel. Eine Auferstehung gibt es nicht? Jene, die heute noch großmundig eine Auferstehung der Toten und das ewige Leben leugnen, werden dann, wenn es so weit ist, einmal peinlich berührt sagen: „Sorry, wir haben uns getäuscht." Bild: pexels-photo-32085031 / Ann H.
von ew • 16. September 2026
1 Kor 15, 1-11 Donnerstag, 24. Woche Ich erinnere euch, Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen; es ist der Grund, auf dem ihr steht. Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet, wenn ihr an dem Wortlaut festhaltet, den ich euch verkündet habe. Oder habt ihr den Glauben vielleicht unüberlegt angenommen? Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf. Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen. Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln. Als letztem von allen erschien er auch mir, dem Unerwarteten, der „Missgeburt“. Denn ich bin der geringste von den Aposteln; ich bin nicht wert, Apostel genannt zu werden, weil ich die Kirche Gottes verfolgt habe. Doch durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und sein gnädiges Handeln an mir ist nicht ohne Wirkung geblieben. Mehr als sie alle habe ich mich abgemüht - nicht ich, sondern die Gnade Gottes zusammen mit mir. Ob nun ich verkündige oder die anderen: das ist unsere Botschaft, und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt. entschlafen Das Wort „entschlafen" erwähnen wir in jeder Heiligen Messe. Gedenke (aller) unserer Brüder und Schwestern, die entschlafen sind, in der Hoffnung, dass sie auferstehen. Nimm sie und alle, die in deiner Gnade aus dieser Welt geschieden sind, in dein Reich auf, wo sie dich schauen von Angesicht zu Angesicht. entschlafen Wir kennen im normalen, täglichen Umgang die Worte „schlafen“, „verschlafen“, „einschlafen“ … Das Wort „entschlafen“ verwenden wir in unserer Umgangssprache nicht. Im Hochgebet der Eucharistiefeier wird es verwendet, wenn wir an jene denken, die gestorben sind. Wer gestorben ist, ist nicht einfach verschwunden oder aufgelöst, er ist hinübergegangen in eine andere Wirklichkeit. Um diesen Prozess, das Hinübergehen in die neue Wirklichkeit, auszudrücken, braucht es auch einen neuen Begriff. „Entschlafen“ ist ein Hinübergleiten in eine andere, neue, himmlische Wirklichkeit. entschlafen Ich erinnere mich an die Sterbestunde einer Frau, die ich gut gekannt hatte. Wochenlang lag sie im Koma, schlafend im Bett. Die Augen waren geschlossen, es war nicht möglich, mit ihr auf irgendeine Weise zu kommunizieren. In der Sterbestunde konnte ich anwesend sein. Ich spürte, wie der Tod mit jeder Sekunde näher kam, und erlebte, wie im Moment des Todes ein Lachen über das Gesicht dieser Frau ging. entschlafen Die Augen öffneten sich und sie schaute in eine bestimmte Richtung. Es waren große, staunende Augen. Ich habe noch gesagt: „Was sehen Sie denn da? Kurz danach war sie gestorben, sie war entschlafen, hinübergegangen in die andere Wirklichkeit. entschlafen Wir alle gehen dieser Stunde, in der wir entschlafen, entgegen, und wenn Sie diesen Abschnitt zu Ende gelesen haben, dann sind Sie diesem wunderbaren Augenblick wieder ein paar Minuten nähergekommen. Bild: pexels-photo-8963669 / Ivan S.
von ew • 15. September 2026
1 Kor 12, 31 – 13, 13 Mittwoch, 24. Woche Strebt nach den höheren Gnadengaben! Ich zeige euch jetzt noch einen anderen Weg, einen, der alles übersteigt: Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke. Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts. Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte, und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts. Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf. Prophetisches Reden hat ein Ende, Zungenrede verstummt, Erkenntnis vergeht. Denn Stückwerk ist unser Erkennen, Stückwerk unser prophetisches Reden; wenn aber das Vollendete kommt, vergeht alles Stückwerk. Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind und urteilte wie ein Kind. Als ich ein Mann wurde, legte ich ab, was Kind an mir war. Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin. Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe. Den heutigen Abschnitt nennen wir oft das „Hohelied der Liebe“. Aber 1 Korinther 13 ist alles andere als ein süßes Gedicht. Mit einem Lied hat dieses Kapitel nichts zu tun. Hätte ich die Liebe nicht, so wäre ich nichts. In Kapitel 8,1 nannte Paulus das Wort „Liebe“ zum ersten Mal. Und jetzt in Kapitel 13 stellt er die Liebe noch einmal kraftvoll in die Mitte. Aber irgendwie scheint Paulus eine spürbare Scheu zu haben, von der Liebe zu sprechen. Vielleicht vermutet er, wie leicht dieses Wort missverstanden und missbraucht werden kann. Die „Liebe“, die Paulus meint, ist nicht das, was wir für gewöhnlich unter „Liebe“ verstehen. Ein Stück Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft bringt die Welt sehr gut auch ohne das Christentum zustande. Liebe oder Agape? Paulus wählt für „Liebe“ das Wort „Agape“, das in der Umwelt der Christenheit so gut wie gar nicht gebraucht wurde. Man kannte eigentlich nur den „Eros“, die verlangende Liebe. Mit „Agape“ jedoch meint Paulus eine Liebe, die nichts für sich will, sondern alles hingibt und opfert, auch für Feinde und für solche, die ihr nichts wiedergeben und ihr nichts wirklich danken können. Agape! Wir sollen nach dem streben, was in Gott ist. Wir sollen nach dem streben, was Gott ist. Pure „Agape“. Pure Hingabe, ohne etwas zu fordern oder zurückzuerwarten. Die Liebe hört niemals auf. Willst du in deinem Leben Ewigkeit haben, dann liebe. Alles andere bleibt nicht. Du bist nichts wert, weil du die Liebe nicht hast. So wäre ich nichts. Die heutige Lesung ist also kein liebliches Gedicht über die Liebe, sondern auch eine Art Gerichtswort über ein reiches und stolzes Gemeindeleben. Könnte es ein Gerichtswort sein, auch über unsere Gemeinde? (Vergleiche: Wuppertaler Studienbibel, der Brief des Paulus an die Korinther) Bild: pexels-photo-33515234 / Harri Hofer
von ew • 14. September 2026
1 Kor 12, 12-14.27-31a Dienstag, 24. Woche Wie der Leib eine Einheit ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: so ist es auch mit Christus. Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt. Auch der Leib besteht nicht nur aus einem Glied, sondern aus vielen Gliedern. Ihr aber seid der Leib Christi, und jeder einzelne ist ein Glied an ihm. So hat Gott in der Kirche die einen als Apostel eingesetzt, die andern als Propheten, die dritten als Lehrer; ferner verlieh er die Kraft, Wunder zu tun, sodann die Gaben, Krankheiten zu heilen, zu helfen, zu leiten, endlich die verschiedenen Arten von Zungenrede. Sind etwa alle Apostel, alle Propheten, alle Lehrer? Haben alle die Kraft, Wunder zu tun? Besitzen alle die Gabe, Krankheiten zu heilen? Reden alle in Zungen? Können alle solches Reden auslegen? Strebt aber nach den höheren Gnadengaben! Der erste Vers endet irgendwie seltsam. Eigentlich würde ich erwarten, dass Paulus schreibt: So ist es auch mit der Gemeinde. Aber schreibt: Ss ist es auch mit Christus. Was möchte Paulus hiermit sagen? Ihr aber seid der Leib Christi. Christus lebt nicht über den Sternen fern von einer selbstständigen Gemeinde auf der Erde. Die Gemeinde steht nicht nur in einer gewissen Beziehung zu Christus, sie ist sozusagen Christus selbst. Christus ist nicht ein Gegenüber zur Gemeinde, die Gemeinde ist Christus selbst. Ihr aber seid der Leib Christi. Wenn ich die Hostie in der Eucharistiefeier empfange, dann weiß ich, dass dies wirklich der Leib Christi ist. Ich muss noch tiefer betrachten, dass bei der Eucharistiefeier alle, die getauft sind, auch den Leib Christi bilden. Wie zart und ehrfurchtsvoll versuche ich mit der Hostie umzugehen, aber wie grob und unachtsam gehe ich manchmal mit den Menschen um, von denen Paulus sagt, dass sie auch der Leib Christi sind. Ihr aber seid der Leib Christi. Dieses Geheimnis kann man nicht tief genug betrachten. Welche Hoheit, welche Ehre, welche Heiligkeit und welche Würde besitzt auf diesem Hintergrund dann die Gemeinde. Wenn mir ein Gemeindemitglied begegnet, dann begegnet mir Christus - gigantisch! Bild: pexels-photo-31874011 / Helena Jankovičová Kováčová
von ew • 14. September 2026
Kor 11, 17-26.33 Montag, 24. Woche Wenn ich schon Anweisungen gebe: Das kann ich nicht loben, dass ihr nicht mehr zu eurem Nutzen, sondern zu eurem Schaden zusammenkommt. Zunächst höre ich, dass es Spaltungen unter euch gibt, wenn ihr als Gemeinde zusammenkommt; zum Teil glaube ich das auch. Denn es muss Parteiungen geben unter euch; nur so wird sichtbar, wer unter euch treu und zuverlässig ist. Was ihr bei euren Zusammenkünften tut, ist keine Feier des Herrenmahls mehr; denn jeder verzehrt sogleich seine eigenen Speisen, und dann hungert der eine, während der andere schon betrunken ist. Könnt ihr denn nicht zu Hause essen und trinken? Oder verachtet ihr die Kirche Gottes? Wollt ihr jene demütigen, die nichts haben? Was soll ich dazu sagen? Soll ich euch etwa loben? In diesem Fall kann ich euch nicht loben. Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis! Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt. Wenn ihr also zum Mahl zusammenkommt, meine Brüder, wartet aufeinander! Wollt ihr jene demütigen, die nichts haben Man kann nicht die Eucharistie feiern und sich an der innigen Gemeinschaft mit Christus freuen, aber zugleich die Schwester oder den Bruder missachten, für welche Christus auch gestorben ist. Mir gefällt was Rainero Cantalamessa in seinem lesenswerten Buch über die Eucharistie schreibt. Wollt ihr jene demütigen, die nichts haben? "Mein Bruder kann mir nicht länger gleichgültig sein, wenn ich Eucharistie feiere; ich kann ihn nicht zurückweisen, ohne Christus selbst zurückzuweisen und so mich selber aus der Einheit herauszulösen. Wer bei der Kommunion vorgäbe, in Liebe zu Christus zu entbrennen, nachdem er gerade einen seiner Brüder gekränkt oder verletzt hat, ohne ihn um Verzeihung zu bitten oder dies wenigstens fest vorzuhaben, gleicht jemandem, der nach langer Zeit einen Freund trifft, sich auf die Zehenspitzen stellt, um ihn auf die Stirn zu küssen und ihm so seine ganze Liebe zu zeigen, dabei aber nicht merkt, dass er ihm gleichzeitig mit seinen Nagelschuhen auf die Füße tritt! Die Füße Jesu sind die Glieder seines Leibes, insbesondere die Ärmsten und Geringsten unter ihnen. Er liebt diese seine Füße und jedem Menschen könnte er zurufen: Du ehrst mich vergebens." Bild: pexels-photo-5583070 / Polina Tankilewtch
von ew • 11. September 2026
1 Kor 10, 14-22 Samstag, 23. Woche Liebe Brüder, meidet den Götzendienst! Ich rede doch zu verständigen Menschen; urteilt selbst über das, was ich sage. Ist der Kelch des Segens, über den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi? Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi? Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot. Schaut auf das irdische Israel: Haben die, welche von den Opfern essen, nicht teil am Altar? Was meine ich damit? Ist denn Götzenopferfleisch wirklich etwas? Oder ist ein Götze wirklich etwas? Nein, aber was man dort opfert, opfert man nicht Gott, sondern den Dämonen. Ich will jedoch nicht, dass ihr euch mit Dämonen einlasst. Ihr könnt nicht den Kelch des Herrn trinken und den Kelch der Dämonen. Ihr könnt nicht Gäste sein am Tisch des Herrn und am Tisch der Dämonen. Oder wollen wir die Eifersucht des Herrn wecken? Sind wir stärker als er? Meidet den Götzendienst Ein Götze (im religiösen Sinn) ist im Ursprung eine Götzenstatue, ein Götzenbild oder ein falscher Gott, der anstelle des wahren Gottes angebetet wird. Das Wort „Götze“ klingt nach staubigen Statuen aus vergangenen Jahrtausenden. Meidet den Götzendienst Aber Götzendienst ist aktueller, als wir denken. Alles, was in unserem Leben den ersten Platz einnimmt – sei es Erfolg, Geld, Status oder die Erfüllung eigener Träume …, kann zu einem Götzen werden. Meidet den Götzendienst Paulus bittet uns heute um ein klares Entweder-oder. Man kann nicht mit dem einen Auge nach Christus sehen und mit dem zweiten mit anderen Religionen und Kulten liebäugeln. Meidet den Götzendienst Mache dir bewusst, worauf du deine Hoffnung oder deine Sicherheit stützt. Frage dich: Worüber freue ich mich am meisten? Worüber mache ich mir die größten Sorgen? Daran erkennt man oft, was im Leben den ersten Platz hat. Bild: pexels-photo-33461875. / Orlando S. 
von ew • 11. September 2026
1 Kor 9, 16-19.22b-27 Freitag, 23. Woche Wenn ich das Evangelium verkünde, kann ich mich deswegen nicht rühmen; denn ein Zwang liegt auf mir. Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde! Wäre es mein freier Entschluss, so erhielte ich Lohn. Wenn es mir aber nicht frei steht, so ist es ein Auftrag, der mir anvertraut wurde. Was ist nun mein Lohn? Dass ich das Evangelium unentgeltlich verkünde und so auf mein Recht verzichte. Da ich also von niemand abhängig war, habe ich mich für alle zum Sklaven gemacht, um möglichst viele zu gewinnen. Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten. Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an seiner Verheißung teilzuhaben. Wisst ihr nicht, dass die Läufer im Stadion zwar alle laufen, aber dass nur einer den Siegespreis gewinnt? Lauft so, dass ihr ihn gewinnt. Jeder Wettkämpfer lebt aber völlig enthaltsam; jene tun dies, um einen vergänglichen, wir aber, um einen unvergänglichen Siegeskranz zu gewinnen. Darum laufe ich nicht wie einer, der ziellos läuft, und kämpfe mit der Faust nicht wie einer, der in die Luft schlägt; vielmehr züchtige und unterwerfe ich meinen Leib, damit ich nicht anderen predige und selbst verworfen werde. Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde. Jemand, der in meinen Kontakten gespeichert ist, hat vor ganz kurzer Zeit eine WhatsApp-Statusnachricht veröffentlicht. Voller Freude postete er, dass er Nachwuchs bekommen hat. Er und seine Frau haben ein Kind bekommen und seine Freude ist nun riesengroß. Er muss es sofort posten und jedem mitteilen: Er ist Vater geworden! Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde. Wenn ich an Paulus denke, dann kann ich mir gut vorstellen, wie er jedem Menschen, den er traf, voller Freude die Botschaft des Evangeliums verkündete. Ein Zwang lag auf Paulus, die Freude musste raus, die gute Nachricht musste einfach jeder hören. Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde. Ich wünsche mir für die Kirche von heute, dass sie wieder zurückfindet zu einer inneren Freude am Christsein und nicht anders kann, als laut der ganzen Welt die Frohe Botschaft des Evangeliums zu verkünden. Aber die Kirche, so sagt es Mutter Teresa, das bin ich und das bist du. Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde. Also muss ich mich heute fragen (und Du musst dich fragen): Trage ich eine Freude am Evangelium in mir, die so groß ist, dass ich diese gute Botschaft einfach weitergeben muss. Wehe mir, denn ich platze, wenn ich diese Freude nicht an andere weitergebe. Bild: pexels-photo-4330070. / Wendy van Zyl
von ew • 10. September 2026
1 Kor 8, 1b-7.11-13 Donnerstag, 23. Woche Die Erkenntnis macht aufgeblasen, die Liebe dagegen baut auf. Wenn einer meint, er sei zur Erkenntnis gelangt, hat er noch nicht so erkannt, wie man erkennen muss. Wer aber Gott liebt, der ist von ihm erkannt. Was nun das Essen von Götzenopferfleisch angeht, so wissen wir, dass es keine Götzen gibt in der Welt und keinen Gott außer dem einen. Und selbst wenn es im Himmel oder auf der Erde so genannte Götter gibt - und solche Götter und Herren gibt es viele -, so haben doch wir nur einen Gott, den Vater. Von ihm stammt alles, und wir leben auf ihn hin. Und einer ist der Herr: Jesus Christus. Durch ihn ist alles, und wir sind durch ihn. Aber nicht alle haben die Erkenntnis. Einige, die von ihren Götzen nicht loskommen, essen das Fleisch noch als Götzenopferfleisch, und so wird ihr schwaches Gewissen befleckt. Der Schwache geht an deiner «Erkenntnis» zugrunde, er, dein Bruder, für den Christus gestorben ist. Wenn ihr euch auf diese Weise gegen eure Brüder versündigt und ihr schwaches Gewissen verletzt, versündigt ihr euch gegen Christus. Wenn darum eine Speise meinem Bruder zum Anstoß wird, will ich überhaupt kein Fleisch mehr essen, um meinem Bruder keinen Anstoß zu geben Liebe baut auf. Zum ersten Mal taucht jetzt das Wort "Liebe" im Kotintherbrief auf; in Kapitel 13 wird Paulus ausführlich darüber reden. Aber jetzt stellt er der Erkenntnis/dem Wissen/dem Intellekt die Liebe entgegen. Nicht jene, die meinen, alles von der Erkenntnis her regeln zu wollen, bauen eine Gemeinde auf, sondern jene, die aus Liebe handeln und das Wohl des anderen suchen. Liebe baut auf. Vielleicht kann man die heutige Lesung auf den Punkt bringen, wenn man sagt: Was für dich richtig ist, kann für deinen Glaubensbruder oder deine Glaubensschwester noch lange nicht richtig sein. Achte darum darauf, was den anderen zum Glauben und zum Leben hilft. Bild: pexels-photo-15959713 / Omran Soliman
von ew • 8. September 2026
1 Kor 7, 25-31 Mittwoch, 23. Woche Was die Frage der Ehelosigkeit angeht, so habe ich kein Gebot vom Herrn. Ich gebe euch nur einen Rat als einer, den der Herr durch sein Erbarmen vertrauenswürdig gemacht hat. Ich meine, es ist gut wegen der bevorstehenden Not, ja, es ist gut für den Menschen, so zu sein. Bist du an eine Frau gebunden, suche dich nicht zu lösen; bist du ohne Frau, dann suche keine. Heiratest du aber, so sündigst du nicht; und heiratet eine Jungfrau, sündigt auch sie nicht. Freilich werden solche Leute irdischen Nöten nicht entgehen; ich aber möchte sie euch ersparen. Denn ich sage euch, Brüder: Die Zeit ist kurz. Daher soll, wer eine Frau hat, sich in Zukunft so verhalten, als habe er keine, wer weint, als weine er nicht, wer sich freut, als freue er sich nicht, wer kauft, als würde er nicht Eigentümer, wer sich die Welt zunutze macht, als nutze er sie nicht; denn die Gestalt dieser Welt vergeht. Besser unverheiratet bleiben. Warum aber ist es so? Wo liegt denn der Grund, warum Paulus empfiehlt, unverheiratet zu bleiben? Offensichtlich gab es in der Stadt Korinth auch eine zunehmende Form der Christenverfolgung. Paulus meint darum, dass es besser sei, wegen der bevorstehenden Not unverheiratet zu bleiben. Besser unverheiratet bleiben. Unverheiratet zu bleiben, weil eventuell eine Not, eine Verfolgungszeit kommen könnte, ist zwar ein praktischer, aber kein hinreichender Grund, um ein zölibatäres Leben zu führen. Wenn jemand ein zölibatäres Leben führt, nur weil eine Verfolgungszeit kommen könnte, diese dann aber doch ausbleibt, so hätte er ja sein eheloses Leben umsonst geführt. Besser unverheiratet bleiben. Die einzige Motivation, die über die Jahre hinweg auch trägt und durchhält, sollte nichts anderes sein als die Liebe zu Gott. Gott aus Liebe zu dir schenke ich dir mein Leben ganz. Aus Liebe zu dir möchte ich ganz für dich da sein. Aus Liebe zu dir möchte ich meine Kraft und meine Zeit allein dir schenken. Besser unverheiratet bleiben. Die Haltung des Paulus ist den modernen Menschen fremd, weil wir nicht mehr erahnen, wie schön, wie tief und erfüllend es ist, sich Gott ganz zu schenken. Sich Gott ganz hinzugeben enthält eine Tiefe und einen Glanz, der die irdischen Dinge zwar nicht belanglos, aber zweitrangig macht. Bild: exels-photo-6276729 / Cottonbro studio
von ew • 7. September 2026
1 Kor 6, 1-11 Dienstag, 23. Woche Wagt es einer von euch, der mit einem anderen einen Rechtsstreit hat, vor das Gericht der Ungerechten zu gehen statt zu den Heiligen? Wisst ihr denn nicht, dass die Heiligen die Welt richten werden? Und wenn durch euch die Welt gerichtet wird, seid ihr dann nicht zuständig, einen Rechtsstreit über Kleinigkeiten zu schlichten? Wisst ihr nicht, dass wir über Engel richten werden? Also erst recht über Alltägliches. Wie könnt ihr dann jene, die im Urteil der Gemeinde nichts gelten, als Richter einsetzen, wenn ihr einen Rechtsstreit über Alltägliches auszutragen habt? Ich sage das, damit ihr euch schämt. Gibt es denn unter euch wirklich keinen, der die Gabe hat, zwischen Brüdern zu schlichten? Statt dessen zieht ein Bruder den andern vor Gericht, und zwar vor Ungläubige. Ist es nicht überhaupt schon ein Versagen, dass ihr miteinander Prozesse führt? Warum leidet ihr nicht lieber Unrecht? Warum lasst ihr euch nicht lieber ausrauben? Nein, ihr selber begeht Unrecht und Raub, und zwar an Brüdern. Wisst ihr denn nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Täuscht euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, weder Ehebrecher noch Lustknaben, noch Knabenschänder, noch Diebe, noch Habgierige, keine Trinker, keine Lästerer, keine Räuber werden das Reich Gottes erben. Und solche gab es unter euch. Aber ihr seid reingewaschen, seid geheiligt, seid gerecht geworden im Namen Jesu Christi, des Herrn, und im Geist unseres Gottes. Beim Lesen des Korintherbriefes enthüllt sich uns das Bild der christlichen Gemeinde jener Stadt und alles, was wir erfahren, gehört wie in einem großen Puzzlespiel zusammen. Alles beginnt damit, dass die Christen in Korinth offensichtlich ihre Einheit verloren haben und Paulus die Gemeinde aufruft, keine Spaltung unter ihnen zu dulden (1 Korinther 1,10). Kurz darauf wurde das Zeichen des Kreuzes von den Korinthern zugunsten einer höheren und besseren Weisheit aus der Mitte gerückt (1 Korinther 1,18). Im dritten Kapitel hören wir bereits, dass Streit und Eifersucht die Gemeinde zerreißen (1 Korinther 3,3). Schließlich wird die Autorität des Paulus, dem sie viel zu verdanken haben, verachtet (1Korinther 3,4). ·Gestern haben wir gelesen, dass die Christen in Korinth sittliche Missstände nicht nur duldeten, sondern sogar noch guthießen (1 Korinther 5,1) ·Da passt es heute gut ins Bild, dass die Christen in Korinth vor weltlichen Gerichten gegeneinander kämpften. Paulus muss in Korinth nicht primär eine Irrlehre bekämpfen. Die Not liegt an einer anderen Stelle. Den Christen in Korinth scheint es mit ihrer eigenen "Weisheit" ganz selbstverständlich, dass Christen miteinander streiten und Prozesse führen. Es geht erneut um das große Thema der „Liebe“ die man unter den Christen in Korinth offensichtlich nicht mehr findet. Der Untergang begann mit der Spaltung der Gemeinde in verschiedene Gruppierungen. Ist die Einheit nicht mehr gegeben, kann der Zerfall einer Gemeinde nur noch schwer aufgehalten werden. Dieses Bild der traurigen Gemeinde in Korinth sollte uns heutigen Christen eine ernste Warnung sein. Bild: : pexels-photo-8693379. / Towfiqu barbhuiya
von ew • 6. September 2026
1 Kor 5, 1-8 Montag, 23. Woche Übrigens hört man von Unzucht unter euch, und zwar von Unzucht, wie sie nicht einmal unter den Heiden vorkommt, dass nämlich einer mit der Frau seines Vaters lebt. Und da macht ihr euch noch wichtig, statt traurig zu werden und den aus eurer Mitte zu stoßen, der so etwas getan hat. Was mich angeht, so habe ich - leiblich zwar abwesend, geistig aber anwesend - mein Urteil über den, der sich so vergangen hat, schon jetzt gefällt, als ob ich persönlich anwesend wäre: Im Namen Jesu, unseres Herrn, wollen wir uns versammeln, ihr und mein Geist, und zusammen mit der Kraft Jesu, unseres Herrn, diesen Menschen dem Satan übergeben zum Verderben seines Fleisches, damit sein Geist am Tag des Herrn gerettet wird. Zu Unrecht rühmt ihr euch. Wisst ihr nicht, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert? Schafft den alten Sauerteig weg, damit ihr neuer Teig seid. Ihr seid ja schon ungesäuertes Brot; denn als unser Paschalamm ist Christus geopfert worden. Lasst uns also das Fest nicht mit dem alten Sauerteig feiern, nicht mit dem Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit den ungesäuerten Broten der Aufrichtigkeit und Wahrheit Übrigens hört man von Unzucht unter euch. Paulus sagt nicht, dass jemand seine Mutter geheiratet hat, sondern dass jemand mit der Frau seines Vaters lebt. Wahrscheinlich ist also, dass Paulus hier die Stiefmutter meint, die auch altersmäßig dem Sohn näherstehen konnte. Es handelt sich bei dem ganzen Vorgang nicht um eine Sünde im erotischen Rausch. Hier hat ein Mann bewusst mit seiner Stiefmutter die Ehe geschlossen. Und da macht ihr euch noch wichtig. Von der Frau und von dem Mann wird überhaupt nicht gesprochen, sondern von der Gemeinde und ihrem Verhalten. Die Gemeinde der Christen sieht und empfindet nämlich die Schwere der Sünde nicht mehr. Grobe sittliche Missstände werden in Korinth stillschweigend geduldet. Die Christen in Korinth waren tolerant und haben alles zugelassen. Sie waren offen für jedwede Form der Lebenspartnerschaft und vermutlich waren sie auch noch stolz auf diese Haltung. Paulus sagt (mit Kopfschütteln): Ihr macht euch auch noch wichtig. Zu Unrecht rühmt ihr euch. Wer heute nicht tolerant ist und alle möglichen Lebensentwürfe akzeptiert und für gutheißt, bekommt den vollen Druck der Gesellschaft, aber auch so mancher christlicher Freidenker ab. Vielleicht werden spätere Generationen über unsere Zeit ein anderes Urteil fällen, als wir es im Moment gerade tun. Vielleicht werden unsere Nachkommen aber auch einmal sagen: zu Unrecht habt ihr alles toleriert. Zu Unrecht wart ihr stolz auf eure Offenheit. Bild: pexels-photo-11587594 / Olena B ohovyk
von ew • 4. September 2026
1 Kor 4, 6b-15 Samstag, 22. Woche Damit ihr an uns lernt, dass der Grundsatz gilt: «Nicht über das hinaus, was in der Schrift steht», dass also keiner zugunsten des einen und zum Nachteil des andern sich wichtig machen darf. Denn wer räumt dir einen Vorrang ein? Und was hast du, das du nicht empfangen hättest? Wenn du es aber empfangen hast, warum rühmst du dich, als hättest du es nicht empfangen? Ihr seid schon satt, ihr seid schon reich geworden, ohne uns seid ihr zur Herrschaft gelangt. Wäret ihr doch nur zur Herrschaft gelangt! Dann könnten auch wir mit euch zusammen herrschen. Ich glaube nämlich, Gott hat uns Apostel auf den letzten Platz gestellt, wie Todgeweihte; denn wir sind zum Schauspiel geworden für die Welt, für Engel und Menschen. Wir stehen als Toren da um Christi willen, ihr dagegen seid kluge Leute in Christus. Wir sind schwach, ihr seid stark; ihr seid angesehen, wir sind verachtet. Bis zur Stunde hungern und dürsten wir, gehen in Lumpen, werden mit Fäusten geschlagen und sind heimatlos. Wir plagen uns ab und arbeiten mit eigenen Händen; wir werden beschimpft und segnen; wir werden verfolgt und halten stand; wir werden geschmäht und trösten. Wir sind sozusagen der Abschaum der Welt geworden, verstoßen von allen bis heute. Nicht um euch bloßzustellen, schreibe ich das, sondern um euch als meine geliebten Kinder zu ermahnen. Hättet ihr nämlich auch ungezählte Erzieher in Christus, so doch nicht viele Väter. Denn in Christus Jesus bin ich durch das Evangelium euer Vater geworden. Ihr seid schon satt, ihr seid schon reich geworden. Paulus klingt heute sehr sarkastisch, wenn er in der Lesung zu den Christen in Korinth sagt: „Ihr seid schon satt. Ihr seid schon reich. Ihr seid zur Herrschaft gelangt." Paulus möchte die Christen nicht beleidigen oder sich über sie lustig machen, aber er möchte ihnen bewusstmachen, wie egoistisch und selbstherrlich sie miteinander umgehen. Ihr seid schon satt, ihr seid schon reich geworden. Manche sind so sehr von sich selbst überzeugt, dass andere Meinungen kaum eine Chance haben. Es sind ehrenwerte und verdienstvolle Leute, die sich schon über viele Jahre hinweg für die Gemeinde eingesetzt haben. Sie sind stolz auf ihre Leistungen. Sie lassen sich gerne in der Öffentlichkeit ehren, aber wehe, man vergisst ein einziges Mal, ihnen zum Geburtstag zu gratulieren. Ihr seid schon satt, ihr seid schon reich geworden. Was Paulus schreibt, ist keine Beschreibung einer alten Vergangenheit, sondern manchmal traurige Gegenwart. Bild: pexels-photo-7594637 / Pavel Danilyok
von ew • 3. September 2026
1 Kor 4, 1-5 Freitag, 22. Woche Als Diener Christi soll man uns betrachten und als Verwalter von Geheimnissen Gottes. Von Verwaltern aber verlangt man, dass sie sich treu erweisen. Mir macht es allerdings nichts aus, wenn ihr oder ein menschliches Gericht mich zur Verantwortung zieht; ich urteile auch nicht über mich selbst. Ich bin mir zwar keiner Schuld bewusst, doch bin ich dadurch noch nicht gerecht gesprochen; der Herr ist es, der mich zur Rechenschaft zieht. Richtet also nicht vor der Zeit; wartet, bis der Herr kommt, der das im Dunkeln Verborgene ans Licht bringen und die Absichten der Herzen aufdecken wird. Dann wird jeder sein Lob von Gott erhalten. Verwalter von Geheimnissen Gottes. Wenn Paulus in 1. Korinther 4 sagt, wir seien „Verwalter von Gottes Geheimnissen“, stolpert man im Grunde schon über das erste Wort. Normalerweise verwaltet man Dinge, die greifbar sind: Geld, Immobilien, Termine oder Akten. Aber wie bitteschön soll man ein Geheimnis verwalten? Verwalter von Geheimnissen Gottes. Dem Verwalter von Geheimnissen Gottes ist Verantwortung übertragen. Er muss etwas bewahren, um es später an andere weitergeben zu können. Der Verwalter von göttlichen Geheimnissen muss etwas weitergeben, was größer ist als sein Verstand. Verwalter von Geheimnissen – Geheimnis des Glaubens In jeder Eucharistiefeier wiederhole ich unmittelbar nach der Wandlung den Satz. Geheimnis des Glaubens. Die Hl. Messe, aber auch die Feier aller Sakramente, sind Geheimnisse, die ich verwalten darf. Von Verwaltern aber verlangt man, dass sie sich treu erweisen. Paulus fügt in Vers 2 direkt hinzu: „Von einem Verwalter wird nur verlangt, dass er treu befunden wird.“ Das ist eine unglaubliche Entlastung. Es wird von mir nicht verlangt, dass ich das Geheimnis restlos erklären muss. Das Einzige, was verlangt wird, ist die Treue im Verwalten des Geheimnisses. Von Verwaltern aber verlangt man, dass sie sich treu erweisen. Darum feiere ich die Hl. Messe so, wie sie mir die Kirche vorgibt, zu feiern. Das habe ich dem Bischof bei der Priesterweihe am 19.5.1996 und damit natürlich auch Gott versprochen. Die Liturgie ist nicht mein Eigentum, das ich nach Belieben formen könnte, sondern das Eigentum der Kirche und des Herrn. Ich könnte nicht mehr in den Spiegel schauen, wenn ich hier untreu würde. Bild: pexels-photo-9841932. / Anton Kudryhashof
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Gedanken

Die hippen Missionare - mit Jesus gegen die Freiheit?

Predigt am Stephanstag 2025


Dass Stephanus gleich unmittelbar nach Weihnachten am 26. Dezember gefeiert wird ist kein Stilbruch, sondern eine Konsequenz aus der Weihnachtsbotschaft. Weihnachten darf man nicht romantisch aushöhlen, denn auf die Krippe fällt bereits der Schatten des Kreuzes. Das Kind, das wir in der Krippe sehen und anbeten, wird einst am Kreuz für unsere Sünden sterben.

Stephanus hielt vor dem hohen Rat eine lange Rede, geduldig haben ihm alle zugehört. Erst als er auf die wirklich wichtigen Themen des Glaubens zu sprechen kam, auf Himmel und Jesus, auf Gott und auf Erlösung da ging es rund. 

„Da erhoben sie ein lautes Geschrei, hielten sich die Ohren zu, stürmten einmütig auf ihn los, trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn.“

Christenverfolgung geschieht nicht nur da, wo Menschen wegen Ihres Glaubens getötet werden: Nigeria, Pakistan, Iran, Afghanistan und andere Länder.

Christenverfolgung geht auch subtiler bei uns in Europa.

Der Bayrische Rundfunk hat am 16.12 einen Fernsehbeitrag gesendet mit dem Titel „Die hippen Missionare – mit Jesus gegen die Freiheit?“

Gemeinschaften, welche das Evangelium ernst nehmen (Gebetshaus in Augsburg, die Loretto Gemeinschaft) wurden darin lächerlich gemacht. Auch Bischof Stefan Oster aus Passau wurde in ein evangelikales, radikales Licht gerückt.

Bischof Oster hat daraufhin geantwortet: 

„Wenn es dann um das Evangelium Jesu Christi geht, dann scheint auch dieses irgendwie positiv besetzt – aber nur solange es sich einfügt in die gängige Freiheitsauffassung einer liberalen, digital abgelenkten und weitgehend materialistischen Gesellschaft. Man pickt sich also aus den heiligen Texten jene Stellen heraus, die dem gesellschaftlich liberal gesinnten Menschen guttun: „Der liebe Gott hat dich lieb“. Was tatsächlich unbedingt stimmt!

Nur: Wenn damit nicht mitgesagt wird, wie das möglich ist, sich von Gott lieben zu lassen – und was da dazugehört, dann geht der Kern des Evangeliums trotzdem verloren. Dass nämlich die Liebe Jesu darin besteht, 

dass er gekommen ist, „um zu retten, was verloren ist“ (Lk 19,10); 

dass er dafür leidet, stirbt und aufersteht – und zugleich diejenigen, die zu ihm gehören wollen, ebenfalls zur Kreuzesnachfolge auffordert, das passt nicht wirklich rein. 

Dass er dann auch noch die Jünger in die Mission aussendet, um alle anderen Menschen auch zu seinen Jüngern zu machen, erst recht nicht. 

Dass zu alledem Umkehr, Vergebung der Sünden und das Hineinfinden in ein neues Leben gehören, natürlich auch nicht. 

Und dass mit diesem neuen Leben nun eine tiefere Freiheit gemeint ist, als eine Art vordergründiges Laissez-faire, trifft nun ganz offenbar auf weitgehendes bis völliges Unverständnis.“

Es gibt einen gewissen Trend

Ich habe eine größere Scheu von Verfolgung in Deutschland zu sprechen, aber es gibt einen gewissen Trend, der die öffentliche Sichtbarkeit des Christentums problematisiert und religiöse Ausdrucksformen aus dem öffentlichen Raum verdrängt.

Sie können die verrücktesten Sachen machen. Mit einem Seil von einer Brücke springen. Senkrecht an einem Seil die Hauswand runterlaufen: Houserunning nennt man das.

Aber wer das Christsein ernst nimmt, einfach nur katholisch sein möchten und sich eben auf Heilige Schrift, Lehramt und Tradition bezieht, der muss damit rechnen, mit den Begriffen wie Erz- oder Ultra, evangelikal oder konservativ abwertend in Verbindung gebracht zu werden.

Solange wir die Erzählung rund um den ersten Märtyrer Stephanus nur als eine Erzählung von vielen betrachten werden wir wahrscheinlich keine Konsequenzen für unser eigenes christliches Leben ziehen. 

Wie lebe ich als Christ

Erst wenn wir uns selbst fragen, ob wir unser eigenes katholisches Glaubensleben nicht doch intensivieren könnten werden wir beginnen zu erahnen was den Heiligen Stephanus bewegte sein Leben für seine Glaubensüberzeugung hinzugeben.

Das wäre also eine Frage für mich heute: 

Wie lebe ich als Katholik? 

Lebe ich, - wie es ein evangelischer Theologe gesagt hat - nur als angetippter Christ, oder bin ich auch von der Wahrheit des Glaubens an Jesus durchdrungen und überzeugt.

Heute habe ich einen Abschnitt aus dem Römerbrief gelesen, der folgende Gedanken in mir auslöste.


Röm 12, 5-16a Dienstag, 31. Woche   

Wir, die vielen, sind ein Leib in Christus, als Einzelne aber sind wir Glieder, die zueinander gehören. Wir haben unterschiedliche Gaben, je nach der uns verliehenen Gnade. Hat einer die Gabe prophetischer Rede, dann rede er in Übereinstimmung mit dem Glauben; hat einer die Gabe des Dienens, dann diene er. Wer zum Lehren berufen ist, der lehre; wer zum Trösten und Ermahnen berufen ist, der tröste und ermahne. Wer gibt, gebe ohne Hintergedanken; wer Vorsteher ist, setze sich eifrig ein; wer Barmherzigkeit übt, der tue es freudig. Eure Liebe sei ohne Heuchelei. Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten! Seid einander in brüderlicher Liebe zugetan, übertrefft euch in gegenseitiger Achtung! Lasst nicht nach in eurem Eifer, lasst euch vom Geist entflammen und dient dem Herrn! Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet! Helft den Heiligen, wenn sie in Not sind; gewährt jederzeit Gastfreundschaft! Segnet eure Verfolger; segnet sie, verflucht sie nicht! Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden! Seid untereinander eines Sinnes; strebt nicht hoch hinaus, sondern bleibt demütig!



Wir haben unterschiedliche Gaben, je nach der uns verliehenen Gnade.

Die heutige Lesung ist nicht so schwer verständlich und man braucht das, was Paulus sagt, eigentlich fast nicht zu kommentieren, die einzelnen Verse erklären sich von selbst. Ein Gedanke geht mir immer wieder durch den Kopf, der mir vor allem bei den vielen Debatten während des synodalen Weges in Deutschland gekommen ist. Dort haben sich immer wieder die gleichen Personen gemeldet, um einen Redebeitrag einzubringen. Alle waren sie rhetorisch geübt und gut geschult und waren in der Lage, das, was sie zur Debatte beitragen wollten, in geschliffenen, wohlformulierten Worten zu sagen.


Wir haben unterschiedliche Gaben, je nach der uns verliehenen Gnade.

Ich habe jedoch den Eindruck, dass so manche Redner nur die Gabe der Rhetorik, der guten Rede hatten, aber nicht zugleich auch die Gabe der Weisheit oder die Gabe der Erkenntnis. Sie haben nur ihre eigene Meinung kundgetan, aber nicht das, was Gott gefällt.


Wir haben unterschiedliche Gaben, je nach der uns verliehenen Gnade.

Die Gabe der Rhetorik hängt nicht automatisch zusammen mit der Gabe der Weisheit, der Erkenntnis oder der Gabe der Einsicht. Manchmal haben jene, die sich nicht überall als Wortführer hervortun und länger brauchen, um einen Gedanken zu formulieren, eine innere Empfindung, ein Gespür für einen richtigen Weg, ohne dies in sofort in Worte kleiden zu können. Solche Menschen bräuchten dann jemand, der ihre Erkenntnisse, ihre Einsichten in Worte fassen und aussprechen kann.


Wir haben unterschiedliche Gaben, je nach der uns verliehenen Gnade.

Nicht jeder hat alle Gaben, aber jeder hat eine. Wenn sich jene, die die Gabe der guten Rede haben, mit jenen zusammentun, die die Gabe der Weisheit haben, dann könnten wir in den Diskussionen bessere Ergebnisse erzielen, die dem Willen Gottes sicher mehr entsprechen.

Charles Haddon Spurgeon

Ein bekannter Prediger aus dem 19. Jahrhundert, Charles Haddon Spurgeon, sagte sehr treffend: «Wir sollen beten, wenn wir in einer Gebetsstimmung sind, denn es wäre Sünde, eine so gute Gelegenheit zu versäumen. Und wir sollen beten, wenn wir nicht in der rechten Stimmung sind, denn es wäre gefährlich, in einem so ungesunden Zustand zu verharren.»


Bischof Oster würdigt US-Bischof Barron, übt deutliche Kritik an Kirche in Deutschland Bild: https://de.catholicnewsagency.com


Von Martin Bürger

Redaktion - Dienstag, 29. Juli 2025, 13:00 Uhr.

Bischof Stefan Oster SDB hat am Sonntag deutliche Kritik an der Kirche in Deutschland geübt, als er seine Laudatio auf den US-amerikanischen Bischof Robert Barron hielt, der den Josef-Pieper-Preis der nach dem großen Philosophen benannten Stiftung in Münster erhielt. Barron gehört durch sein Medienapostolat „Word on Fire“ zu den bekanntesten Bischöfen weltweit.


Oster sagte am Sonntag: „Barron ist zuerst ein philosophisch gebildeter, systematischer Theologe, dem es wie wenig anderen gelingt, den Glauben ins Gespräch mit der Kultur der Zeit zu bringen. Und zu diesem Gespräch mit der Kultur gehört bei ihm wie selbstverständlich auch die katholische Soziallehre, die er ebenso verständlich zu erklären vermag wie die anderen Themen.“

Die Preisverleihung an Barron war von manchen Kreisen kritisiert worden, weil man dem US-amerikanischen Bischof eine Nähe zu Präsident Donald Trump unterstellte. Oster ging direkt auf die Vorwürfe ein und betonte, wenn er höre, „wie manche Stimmen in unserem Land versuchen, ihn reflexartig als rechts oder als Anhänger Trumps zu diffamieren, dann erzählt eine solche Einordnung, die in aller Regel sehr schnell geschieht, viel mehr über die urteilende Person und oft genug auch über das System Kirche und ihre medialen Prozesse in unserem Land als über die beurteilte Person selbst“.


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Handysucht

Auf meiner Radtour nach Medjugorje gönnte ich mir heute ein Mittagessen in Baska Voda. Das Fischangebot mit frischem Fang aus dem Meer war zu verlockend. Am Nebentisch nahm eine Familie Platz deren jüngste Sohn (ca. 6 Jahre) sofort sein Handy zückte und unablässig drauf herumtippte. Selbst als seine Mutter oder sein Vater ihn namentlich ansprachen, nahm, er davon keine Notiz, sondern schaute weiterhin auf sein Display. Einmal rüttelte ihn sein Vater sogar am Arm und nannte seinen Namen, aber er bemerkte dies nicht einmal – das Handy war ihm wichtiger. Er hob lediglich den Kopf, um seiner Mutter zu zeigen, was er im Internet gefunden hatte oder als der Vater ein Selfie von der Familie machen wollte. Selbst als das Mittagessen kam, zeigte er keine Reaktion das Handy war wichtiger als die Pommes. Schließlich nahm die Mutter eine Pommes nach der anderen und steckte sie einzeln in den Mund Ihres Sohnes, ohne dass dieser den Blick vom Handy nehmen musste. Als Mutter oder als Vater hätte ich dem Knirps schon längst das Handy weggenommen

Und ich
Ab und zu erscheint auf meinem Display eine Übersicht über meine eigene Handynutzung und ich kann dann sehen wie viele Stunden ich im letzten Monat am Handy verbracht habe. Nicht nur die Jungen verbringen viele Zeit mit einem Handy, sondern auch wir Alten.

Juli 2025


Freunde im syro malabarischen Ritus


Pater Jijo Sebastian ist Ordenspriester der Gemeinschaft der Hl. Teresia von Lisieux und ist im syro-malabarischen Ritus beheimatet. Seit zwei Jahren lebt und arbeitet er in der Kirchengemeinde Biet. Er organisierte ein Treffen mit seinen Ordensbrüdern in Neuhausen und feierte zusammen mit der ganzen Gemeinde in unserer Pfarrkirche die Eucharistie im syro-malabarischen Ritus.

Die syro-malbarische Kirche ist wie weitere 23 verschiedene Riten in voller Gemeinschaft mit der römisch-katholischen Kirche.


Zwölf Priester der indischen Ordensgemeinschaft der heiligen Theresia von Lisieux feierten am vergangenen Sonntag in unserer römisch-katholischen Kirche in Neuhausen die Eucharistie. Wie selbstverständlich nahmen mich die Priester der Ordensgemeinschaft in ihre Gemeinschaft auf und überreichten mir die liturgischen Gewänder für die heilige Messe im syro-malabarischen Ritus.


Der Ritus selbst war mir fremd und hier und da musste mir ein Pater sagen, was ich zu tun hatte, wohin ich mich wenden und was ich beten sollte. Und doch fühlte ich mich im syro-malabarischen Ritus zu Hause denn wesentliche Elemente waren dem lateinischen Ritus sehr ähnlich.


Zweimal in diesem Ritus wurde ich sehr hellhörig. Deutlicher als im lateinischen Ritus wird im syro-malabarischen Ritus um den Schutz vor den bösen Geistern gebetet.


Unmittelbar vor der Kommunion betet der Priester:

Herr, starker Gott des Erbarmens und unser Vater, wir bitten um deine Barmherzigkeit. Bewahre uns vor Versuchungen. Schütze uns vor bösen Geistern und ihren Scharen.

Die lateinische Kirche kann von der syro-malabarischen Kirche lernen wieder mutiger gegen die Unterwelt zu beten.


Am Ende der Eucharistiefeier betet die ganze Gemeinde:

Die Opfergabe, die ich von dir genommen habe, gereiche mir zur Vergebung der Schuld und zur Verzeihung der Sünden. Ich weiß nicht, ob ich nochmals kommen werde, um auf dir ein weiteres Opfer darzubringen.

Es stimmt: Wir wissen nicht, ob wir morgen noch einmal die Gelegenheit haben um dem Herrn in der Eucharistie zu begegnen. Darum hängt in der Sakristei in Neuhausen ein Schild welches mich daran erinnert: Feiere jede heilige Messe so als sei es deine Erste, eine Einzige und deine Letzte.


Gelebte Ökumene

Ich bin dankbar, dass ich im lateinischen Ritus der römisch-katholischen Kirche zu Hause bin. Ich bin aber auch sehr dankbar darüber, dass ganz verschiedene Riten innerhalb der römisch-katholischen Kirche als eine große Familie miteinander leben und beten können.

Juni 2025


Zweimal konnte ich bereits am „Marsch für das Leben“ in Berlin teilnehmen.   Es ist eine wichtige Veranstaltung. Tausende von Menschen ziehen schweigend, betend und singend durch die Straßen Berlins und stehen so ein für das Lebensrecht ungeborener Kinder. Am Straßenrand stehen jedes Mal die Gegner dieser Demonstration. Sie schreien die Lebensschützer an, spucken ihnen nach und verhöhnen Jesus unseren Gott.

„Hätt Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben“.

Der blanke Hass strömt den Christen entgegen, die nichts anders beabsichtigen, als Kinder zu schützen.

 

„Weltförmige“ Christen ernten keinen Hass, denn solche Christen hat die Welt gern. Je klarer und deutlicher die christliche Botschaft verkündet wird, desto größer ist auch der Stachel für die Welt

. Die Welt spürt die Fremdheit der christlichen Botschaft von der Liebe und reagiert mit Abneigung bis zum blinden Hass.


Das Evangelium zu verkünden bedeutet mit der Mittelmäßigkeit der Nachfolge zu brechen, um ganz für Jesu Liebe zu leben. Ich will es wenigstens versuchen. Tag für Tag, Schritt für Schritt.



Luthers fahrender Platzregen


Es ist wichtig, dass wir im persönlichen Leben, aber auch im Leben der Kirchengemeinde den richtigen Zeitpunkt erkennen. Wir erleben zurzeit eine tief greifende Neuorganisation der Erzdiözese Freiburg, von der auch die einzelnen Kirchengemeinden nicht unberührt bleiben. Wenn nicht verschiedene äußere Faktoren (Priester und Gläubigenmangel, schwindende finanzielle Ressourcen, …) uns zu dieser Neustrukturierung gezwungen hätten, so würden wir heute wohl noch so leben wie in den 70er oder 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts.

Unser kirchliches Leben mit seinen regelmäßigen Veranstaltungen verleitet uns aber immer noch zu der Meinung, es sei selbstverständlich immer Gottes Gnadenzeit da. In Wirklichkeit stellt Gott uns in Situationen, die so nie wiederkehren. Er führt Möglichkeiten herbei, die morgen schon verschlossen sein könnten.


Der Strukturwandel, in dem wir stehen, ist auch eine Gnadenzeit. Wenn wir jetzt nicht auf Gott hören und ihn fragen, auf welche Art und Weise wir uns äußerlich, aber vor allem auch innerlich neu aufstellen sollen, dann ist eines Tages diese „Gnadenzeit“ vorbei und wir machen weiter wie bisher.

Martin Luther soll einmal gesagt haben: „Das Evangelium, Gottes Wort und Gnade ist ein fahrender Platzregen, der nicht wiederkommt, wo er einmal gewesen ist, sondern die Sonne und Hitze lecken ihn auf.

Kauft und sammelt ein. Ihr Deutschen dürft nicht denken, dass ihr es ewig haben werdet.“ (1524), in: WA 15,32 1-13


Wir können uns nicht selber die Zeit aussuchen, in der Gott uns seine Gnade schenken möchte. Auch fehlende Entschlossenheit, Bequemlichkeit und mangelndes Vertrauen in Gott können einen „fahrenden Platzregen“ regekrecht auflecken.




Sternsinger nur mit weißer Hautfarbe?


Heute habe ich eine E-Mail empfangen deren Inhalt ich Ihnen anonym vorstelle.


"Beim heutigen Besuch der Sternsinger habe ich mit Überraschung und Erstaunen festgestellt, dass die Figur des Melchior in seiner traditionellen Weise mit dunkler Hautfarbe, nicht dargestellt ist. 

Da die Sternsinger seit Jahren- außer in der Coronazeit- bei uns vorbeikommen, war mir das unerklärlich. Im Gespräch mit den jungen Menschen, kam das Argument: „die dunkle Hautfarbe ist diskriminierend“.

 Mir stellen sich somit die Fragen: 


– was ist daran diskriminierend?

– sollte Melchior in der Weihnachtsgrippe auch ein neutrales Aussehen bekommen?

– welche Wertschätzung hat die katholische Kirche, Menschen dunkler Hautfarbe gegenüber?

– kann ich noch an die Weihnachtsgeschichte glauben?


Ich denke es ist ein Privileg für die Sternsinger- als auch für die christliche Gesellschaft- die „heiligen drei Könige“ darzustellen, wie es unser Brauchtum und unsere Kultur wiedergibt. Diskriminierend und ausgrenzend finde ich den Umgang der katholischen Kirche- wie in diesem Fall- mit Menschen anderer Hautfarbe. Die Bevölkerung der Welt ist vielschichtig. Überall leben katholische Christen, unterschiedliche Ethnien, egal welche Hautfarbe. Auch im Vatikan! Daher ist es für mich in keiner Weise nachvollziehbar, dass es diskriminierend ist, den Melchior nicht mehr dunkel darzustellen!"

Folgendes habe ich geantwortet.


Sehr geehrte ….


Sie sprechen mir aus der Seele!!! Ich halte es für diskriminierend lediglich die weiße Hautfarbe bei den Sternsingern zu bevorzugen. Eigentlich müssten Menschen mit gelber, roter, schwarzer und weiser Hautfarbe unter den Sternsingern zu finden sein, denn alle Nationen gehören zur Gemeinschaft der Kirche. 


Gegen manche dummen Geistesströmungen bin ich leider auch machtlos.


Vielleicht werden wir in unserer Gesellschaft in ein paar Jahren wieder normal.


Herzliche Grüße und segne ich Sie aus der Ferne, Edgar Wunsch, Pfarrer


Januar 2025