Schriftbetrachtung

Schriftbetrachtung

von ew 30. März 2026
Jes 42, 5a.1-7 Montag in der Karwoche So spricht Gott, der Herr: Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er bringt den Völkern das Recht. Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen. Das geknickte Rohr zerbricht er nicht, und den glimmenden Docht löscht er nicht aus; ja, er bringt wirklich das Recht. Er wird nicht müde und bricht nicht zusammen, bis er auf der Erde das Recht begründet hat. Auf sein Gesetz warten die Inseln. So spricht Gott, der Herr, der den Himmel erschaffen und ausgespannt hat, der die Erde gemacht hat und alles, was auf ihr wächst, der den Menschen auf der Erde den Atem verleiht und allen, die auf ihr leben, den Geist: Ich, der Herr, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen, ich fasse dich an der Hand. Ich habe dich geschaffen und dazu bestimmt, der Bund für mein Volk und das Licht für die Völker zu sein: blinde Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker zu holen und alle, die im Dunkel sitzen, aus ihrer Haft zu befreien Im Alten Testament wird immer wieder versucht, in Worte zu fassen, was der Plan Gottes mit dem Menschen ist. Sehr gut tun das die Lieder vom Gottesknecht beim Propheten Jesaja. Wir erkennen 4 Gottesknechtslieder. 1. Erstes Lied: Jes 42,1–9 2. Zweites Lied: Jes 49,1–6 (siehe Dienstag in der Karwoche) 3. Drittes Lied: Jes 50,4–9 (siehe Mittwoch in der Karwoche) 4. Viertes Lied (das wichtigste): Jes 52,13–53,12 Es sind besondere Texte im Buch des Propheten Jesaja, die vom sogenannten „Knecht Gottes“ sprechen – einer geheimnisvollen Gestalt, die von Gott erwählt ist, leidet und Heil bringt. Die christliche Tradition sieht in dem leidenden Knecht seit jeher Jesus Christus. Das 1. Gottesknechtslied Jes 42,1–4 beschreibt einen von Gott auserwählten Knecht, der in Demut und Sanftmut auftritt. Er wird von Gottes Geist erfüllt und bringt Recht zu den Völkern, ohne laut aufzutreten oder Gewalt anzuwenden. Der Knecht achtet auf die Schwachen und bricht das angeknickte Rohr nicht. Seine Aufgabe ist es, beständig und treu Gerechtigkeit auf der ganzen Erde aufzurichten. Jesus, der Knecht Gottes Die Gottesknechtslieder aus dem Buch Jesaja werden im Neuen Testament nicht einfach wiederholt, aber sie werden klar auf Jesus Christus bezogen und erfüllt gesehen. Jesaja 42,1–4 wird fast wörtlich zitiert in Mt 12,18–21. Dort heißt es über Jesus: „Siehe, mein Knecht, den ich erwählt habe …“ Bild: Edgar Wunsch
von ew 28. März 2026
Ez 37, 21-28 Samstag, 5. Fast Wo So spricht Gott, der Herr: Ich hole die Israeliten aus den Völkern heraus, zu denen sie gehen mussten; ich sammle sie von allen Seiten und bringe sie in ihr Land. Ich mache sie in meinem Land, auf den Bergen Israels, zu einem einzigen Volk. Sie sollen alle einen einzigen König haben. Sie werden nicht länger zwei Völker sein und sich nie mehr in zwei Reiche teilen. Sie werden sich nicht mehr unrein machen durch ihre Götzen und Gräuel und durch all ihre Untaten. Ich befreie sie von aller Sünde, die sie in ihrer Untreue begangen haben, und ich mache sie rein. Dann werden sie mein Volk sein, und ich werde ihr Gott sein. Mein Knecht David wird ihr König sein, und sie werden alle einen einzigen Hirten haben. Sie werden nach meinen Rechtsvorschriften leben und auf meine Gesetze achten und sie erfüllen. Sie werden in dem Land wohnen, das ich meinem Knecht Jakob gegeben habe und in dem ihre Väter gewohnt haben. Sie und ihre Kinder und Kindeskinder werden für immer darin wohnen, und mein Knecht David wird für alle Zeit ihr Fürst sein. Ich schließe mit ihnen einen Friedensbund; es soll ein ewiger Bund sein. Ich werde sie zahlreich machen. Ich werde mitten unter ihnen für immer mein Heiligtum errichten, und bei ihnen wird meine Wohnung sein. Ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein. Wenn mein Heiligtum für alle Zeit in ihrer Mitte ist, dann werden die Völker erkennen, dass ich der Herr bin, der Israel heiligt Sie werden nicht länger zwei Völker sein und sich nie mehr in zwei Reiche teilen. Eine große religiöse und gesellschaftliche Katastrophe ereignete sich im Volk Israel 931 v. Chr. Die Einheit des israelitischen Volkes brach in zwei Teile auseinander und das Volk Gottes teilte sich in das Südreich und in das Nordreich. Keiner dieser beiden Bereiche überlebte: Sowohl das Nord- als auch das Südreich wurden von fremden Mächten überrollt und eingenommen. Durch den Propheten Ezechiel lässt Gott nun den entmutigten Israeliten ausrichten, dass er das Volk, das sich schon verloren glaubt, wiederherstellen wird. Gott verspricht, die Einheit wiederherzustellen und das Volk Israel wieder zu einem einzigen Volk zusammenzuführen. Hoffnung für heute. Ich traue Gott auch in unserer Zeit zu, dass er die in viele Denominationen gespaltene Christenheit wieder zu einem Volk zusammenführen kann. Ich traue Gott zu, dass er auch den Riss, der innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland immer größer wird, wieder heilen kann. Rein menschlich gesehen habe ich keine großen Hoffnungen, aber Gott hat schon immer gezeigt, dass er immer noch eine Lösung hat, auch dort, wo der Mensch an eine Grenze kommt. Gott geht immer mit. Bitte lassen Sie den Kopf nicht hängen, wenn all das Durcheinander in unserer Kirche Sie beunruhigt. Schauen Sie nicht auf die Menschen, denn von Menschen werden Sie immer wieder enttäuscht. Schauen Sie auf Gott und vertrauen Sie auf seinen Rat und auf seine Führung. Auch wir haben die Zusage, die der Prophet heute den Israeliten gibt: Ich sammle sie von allen Seiten und bringe sie in ihr Land. Bild: AdobeStock_88021688
von ew 26. März 2026
Jer 20, 10-13 Freitag, 5. Fast Wo Jeremia sprach: Ich hörte das Flüstern der Vielen: Grauen ringsum! Zeigt ihn an! Wir wollen ihn anzeigen. Meine nächsten Bekannten warten alle darauf, dass ich stürze: Vielleicht lässt er sich betören, dass wir ihm beikommen können und uns an ihm rächen. Doch der Herr steht mir bei wie ein gewaltiger Held. Darum straucheln meine Verfolger und kommen nicht auf. Sie werden schmählich zuschanden, da sie nichts erreichen, in ewiger, unvergesslicher Schmach. Aber der Herr der Heere prüft den Gerechten, er sieht Herz und Nieren. Ich werde deine Rache an ihnen erleben; denn dir habe ich meine Sache anvertraut. Singt dem Herrn, rühmt den Herrn; denn er rettet das Leben des Armen aus der Hand der Übeltäter. Der Prophet Jeremia ist in einer schweren Situation. Wurde Jeremia ein paar Verse zuvor „nur“ ausgelacht, (Jer 20,7) so ist es nun die Bespitzelung, eine Kampfform, die erhöhte Wachsamkeit und zermürbende Vorsicht des Propheten erfordert. (Dieter Schneider, Der Prophet Jeremia, Bd. 29, Wuppertaler Studienbibel) Er erlebt: Misstrauen, Verrat, andere warten nur darauf, dass er einen Fehler macht. Er kann nur noch sagen. „Ich höre das Flüstern der Vielen: Schrecken ringsum!“ Doch der Herr steht mir bei Ich vermute, dass Jeremia hadert und zweifelt. In ihm überwiegen die Angst und die Sorge um seine Zukunft. Aber er entscheidet sich dennoch dafür, zu glauben. Jemand hat einmal gesagt: Glaube ist kein Gefühl, sondern das Festhalten an Gottes Hilfe auch dann, wenn ich nichts spü-re. Doch der Herr steht mir bei Äußerlich hat sich nichts an der Situation Jeremias verändert. Aber aus dem Grauen, das zu Beginn der Lesung erwähnt wird, wurde am Ende der Lesung dann ein Dank für die Errettung. Bild Edgar Wunsch - Kath Kirche Ahorn Brolzheim
von ew 26. März 2026
Gen 17, 1a.3-9 Donnerstag, 5. Fast Wo In jenen Tagen erschien der Herr dem Abram. Abram fiel auf sein Gesicht nieder; Gott redete mit ihm und sprach: Das ist mein Bund mit dir: Du wirst Stammvater einer Menge von Völkern. Man wird dich nicht mehr Abram nennen. Abraham - Vater der Menge - wirst du heißen; denn zum Stammvater einer Menge von Völkern habe ich dich bestimmt. Ich mache dich sehr fruchtbar und lasse Völker aus dir entstehen; Könige werden von dir abstammen. Ich schließe meinen Bund zwischen mir und dir samt deinen Nachkommen, Generation um Generation, einen ewigen Bund: Dir und deinen Nachkommen werde ich Gott sein. Dir und deinen Nachkommen gebe ich ganz Kanaan, das Land, in dem du als Fremder weilst, für immer zu Eigen, und ich will ihnen Gott sein. Und Gott sprach zu Abraham: Du aber halte meinen Bund, du und deine Nachkommen, Generation um Generation Abram fiel auf sein Gesicht Das Sich-Niederwerfen auf die Erde, sodass das Gesicht im Sand liegt, ist ein Ausdruck tiefer Beugung und hingebenden Vertrauens, aber auch der überwältigenden Freude. Wer sich auf sein Angesicht wirft, hört auf, sehend zu sein, wird bloß hörend, gibt also die materielle und geistige Selbständigkeit dem andern gegenüber auf. Karfreitag Zu Beginn der Feier vom Leiden und Sterben Christi am Karfreitag, darf ich mich – so wie Abraham damals – vor dem Altar auf den Boden niederwerfen. Auch am Tag meiner Priesterweihe am 19.05.1996 lag ich ausgestreckt auf dem Boden vor Gott. Die Haltung sagt ohne Wort e: Ich bin nichts vor Gott. Kein Auftreten, keine Worte, kein Anspruch. Nur Hingabe und Demut. Ich möchte am Karfreitag meine Hingabe erneuern. Totale Hingabe: Alles lege ich vor dich hin. Schuld, Versagen, Angst – nichts wird zurückgehalten. Aber auch meinen freien Willen, mein Leben, meine Zeit … Nichts wird zurückgehalten. Ich möchte es wenigstens mit aller Kraft versuchen.
von ew 24. März 2026
Dan 3, 14-21.49.91-92.95 Mittwoch, 5. Fast Wo In jenen Tagen sprach König Nebukadnezzar: Ist es wahr, Schadrach, Meschach und Abed-Nego: Ihr verehrt meine Götter nicht und betet das goldene Standbild nicht an, das ich errichtet habe? Nun, wenn ihr bereit seid, sobald ihr den Klang der Hörner, Pfeifen und Zithern, der Harfen, Lauten und Sackpfeifen und aller anderen Instrumente hört, sofort niederzufallen und das Standbild anzubeten, das ich habe machen lassen, ist es gut; betet ihr es aber nicht an, dann werdet ihr noch zur selben Stunde in den glühenden Feuerofen geworfen. Welcher Gott kann euch dann aus meiner Gewalt erretten? Schadrach, Meschach und Abed-Nego erwiderten dem König Nebukadnezzar: Wir haben es nicht nötig, dir darauf zu antworten: Wenn überhaupt jemand, so kann nur unser Gott, den wir verehren, uns erretten; auch aus dem glühenden Feuerofen und aus deiner Hand, König, kann er uns retten. Tut er es aber nicht, so sollst du, König, wissen: Auch dann verehren wir deine Götter nicht und beten das goldene Standbild nicht an, das du errichtet hast. Da wurde Nebukadnezzar wütend; sein Gesicht verzerrte sich vor Zorn über Schadrach, Meschach und Abed-Nego. Er ließ den Ofen siebenmal stärker heizen, als man ihn gewöhnlich heizte. Dann befa hl er, einige der stärksten Männer aus seinem Heer sollten Schadrach, Meschach und Abed-Nego fesseln und in den glühenden Feuerofen werfen. Da wurden die Männer, wie sie waren - in ihren Mänteln, Röcken und Mützen und den übrigen Kleidungsstücken - gefesselt und in den glühenden Feuerofen geworfen. Aber der Engel des Herrn war zusammen mit Asarja und seinen Gefährten in den Ofen hinabgestiegen. Er trieb die Flammen des Feuers aus dem Ofen hinaus. Da erschrak der König Nebukadnezzar; er sprang auf und fragte seine Räte: Haben wir nicht drei Männer gefesselt ins Feuer geworfen? Sie gaben dem König zur Antwort: Gewiss, König! Er erwiderte: Ich sehe aber vier Männer frei im Feuer umhergehen. Sie sind unversehrt, und der vierte sieht aus wie ein Göttersohn. Da rief Nebukadnezzar aus: Gepriesen sei der Gott Schadrachs, Meschachs und Abed-Negos. Denn er hat seinen Engel gesandt und seine Diener gerettet. Im Vertrauen auf ihn haben sie lieber den Befehl des Königs missachtet und ihr Leben dahingegeben, als dass sie irgendeinen anderen als ihren eigenen Gott verehrten und anbeteten Wir kehren wieder zurück zu jener Bibelstelle, die wir bereits am Dienstag, 3. Fastenwoche gelesen haben. (Dan 3, 25.34-43). Ist es wahr, Schadrach, Meschach und Abed-Nego . »Ist es wahr?« drückt Erstaunen aus. Spürt Nebukadnezar das egoistische Interesse der Verleumder? Ist er überrascht, dass so treue Diener angeklagt werden? Oder beides miteinander? … Ihr verehrt meine Götter nicht. Es steht einiges auf dem Spiel. Nebukadnezars Worte klingen fast so, als wolle er die jungen Juden retten und zur Besinnung rufen. »Meinen Gott« nicht zu verehren, versteht der Heide Nebukadnezar nicht, der doch alle Götter anbeten kann und selbst »euren Gott« angebetet hat. Und wie könnte Nebukadnezar erlauben, dass gerade »sein Gott« Marduk »nicht verehrt« wird! Er würde ja den Götterzorn über ganz Babylonien herabziehen! Ihr verehrt meine Götter nicht. Es ist eben nicht »egal«, was ein Mensch glaubt! Hier stoßen wir aber auch auf die Tatsache, dass der biblische Glaube in den Augen der Umwelt zu aller Zeit intolerant war. Für Nebukadnezar gibt es viele Heilswege – je mehr, desto besser. Für den biblischen Glauben gibt es nur einen Heilsweg – je weniger andere locken, desto besser. Ihr verehrt meine Götter nicht. Für biblisches Denken, Glauben und Bekennen ist eine Einheit der Religionen oder eine Ökumene der Religionen geradezu lästerlich. Darum werden die Leute Gottes die schlimmsten Störenfriede des Antichrist sein und unter den Boykott der gesamten Gesellschaft gestellt werden. Wenn ihr bereit seid... Nebukadnezar baut den drei Todgeweihten eine goldene Brücke. Dieser Augenblick ist der gefährlichste im ganzen Kapitel. Wenn man in Glaubensdingen mit Liebe und Wohlwollen kommt, wird es für uns viel schwerer, standhaft zu bleiben. Verführung ist immer gefährlicher als Verfolgung. Die Verführung steigert sich zur Versuchung. Denn die Wahl für die drei Freunde lautet: Äußerlich vollziehen, was Nebukadnezar verlangt und was man innerlich gar nicht bejahen muss, oder Feuertod. Hier hätten wohl manche der heutigen Bischöfe (und Priester) gesagt: »Fallt nieder! Ihr sollt euch ja nicht zum Götzendienst bekehren. Ihr sollt nur euer Leben retten und einen Staatsakt begehen, den die ganze Welt ohne weiteres begangen hat.« (vgl. Gerhard Maier, Der Prophet Daniel, Wuppertaler Studienbibel (Holzgerlingen: SCM R. Brockhaus, 2018 Bild: Edgar Wunsch
von ew 23. März 2026
Num 21, 4-9 Dienstag, 5. Fast Wo In jenen Tagen brachen die Israeliten vom Berg Hor auf und schlugen die Richtung zum Schilfmeer ein, um Edom zu umgehen. Unterwegs aber verlor das Volk den Mut, es lehnte sich gegen Gott und gegen Mose auf und sagte: Warum habt ihr uns aus Ägypten heraufgeführt? Etwa damit wir in der Wüste sterben? Es gibt weder Brot noch Wasser. Dieser elenden Nahrung sind wir überdrüssig. Da schickte der Herr Giftschlangen unter das Volk. Sie bissen die Menschen, und viele Israeliten starben. Die Leute kamen zu Mose und sagten: Wir haben gesündigt, denn wir haben uns gegen den Herrn und gegen dich aufgelehnt. Bete zum Herrn, dass er uns von den Schlangen befreit. Da betete Mose für das Volk. Der Herr antwortete Mose: Mach dir eine Schlange, und häng sie an einer Fahnenstange auf! Jeder, der gebissen wird, wird am Leben bleiben, wenn er sie ansieht. Mose machte also eine Schlange aus Kupfer und hängte sie an einer Fahnenstange auf. Wenn nun jemand von einer Schlange gebissen wurde und zu der Kupferschlange aufblickte, blieb er am Leben. Wenige Berichte des AT sind eindrucksvoller als dieser. Er wird von Paulus zitiert (1Kor 10,9). Noch wichtiger ist aber, dass Jesus ihn auslegt (Joh 3,14ff). Außer Jesus und Paulus nehmen auch Mose und Jeremia auf ihn Bezug (5Mo 8,15; Jer 8,17). Da schickte der Herr Giftschlangen Da sandte Jahwe die Schlangen unter das Volk. Klar ist von der gesamten Bibel her, dass Gott die Tiere jederzeit für seine Zwecke einsetzen kann, z. B. die Eselin Bileams (22,21ff), den Fisch bei Jona (Jon 2,1ff) oder den Hahn bei Petrus (Mt 26,74f). Kommunikationsschwierigkeiten treten nur beim Menschen auf. Die eherne (kupferne) Schlange Kein Christ kann Num 21,4ff lesen, ohne an Jesu Kommentar in Joh 3,14–16 zu denken. Auch Jesus wird »hoch aufgerichtet (erhöht)« - am Kreuz. Auch er hat eine »Signalstange«, ein Feldzeichen für den Gläubigen - das Kreuz. Auch er bedeutet »Leben« für die, die im Glauben auf ihn »schauen« - sogar ewiges Leben. Nach Jesu eigenen Worten ist also Num 21,4–9 eine Prophetie des Kreuzesgeschehens, und zwar eine Weissagung auf den leidenden Messias (vgl. Lk 24,44–46). (vgl. Gerhard Maier, Das vierte Buch Mose, Wuppertaler Studienbibel (Holzgerlingen: SCM R. Brockhaus, 2018), 288.) Bild. Edgar Wunsch
von ew: Bild: 22. März 2026
Dan 13, 41c-62 Montag, 5. Fast Wo In jenen Tagen verurteilte die versammelte Gemeinde Susanna zum Tod. Da rief sie laut: Ewiger Gott, du kennst auch das Verborgene; du weißt alles, noch bevor es geschieht. Du weißt auch, dass sie eine falsche Aussage gegen mich gemacht haben. Darum muss ich jetzt sterben, obwohl ich nichts von dem getan habe, was diese Menschen mir vorwerfen. Der Herr erhörte ihr Rufen. Als man sie zur Hinrichtung führte, erweckte Gott den heiligen Geist in einem jungen Mann namens Daniel. Dieser rief laut: Ich bin unschuldig am Tod dieser Frau. Da wandten sich alle Leute nach ihm um und fragten ihn: Was soll das heißen, was du da gesagt hast? Er trat mitten unter sie und sagte: Seid ihr so töricht, ihr Söhne Israels? Ohne Verhör und ohne Prüfung der Beweise habt ihr eine Tochter Israels verurteilt. Kehrt zurück zum Ort des Gerichts! Denn diese Ältesten haben eine falsche Aussage gegen Susanna gemacht. Eilig kehrten alle Leute wieder um, und die Ältesten sagten zu Daniel: Setz dich hier mitten unter uns, und sag uns, was du zu sagen hast. Denn dir hat Gott den Vorsitz verliehen. Daniel sagte zu ihnen: Trennt diese beiden Männer, bringt sie weit auseinander! Ich will sie verhören. Als man sie voneinander getrennt hatte, rief er den einen von ihnen her und sagte zu ihm: In Schlechtigkeit bist du alt geworden; doch jetzt kommt die Strafe für die Sünden, die du bisher begangen hast. Ungerechte Urteile hast du gefällt, Schuldlose verurteilt, aber Schuldige freigesprochen; und doch hat der Herr gesagt: Einen Schuldlosen und Gerechten sollst du nicht töten. Wenn du also diese Frau wirklich gesehen hast, dann sag uns: Was für ein Baum war das, unter dem du die beiden zusammen gesehen hast? Er antwortete: Unter einer Zeder. Da sagte Daniel: Mit deiner Lüge hast du dein eigenes Haupt getroffen. Der Engel Gottes wird dich zerspalten; schon hat er von Gott den Befehl dazu erhalten. Dann ließ er ihn wegbringen und befahl, den andern vorzuführen. Zu ihm sagte er: Du Sohn Kanaans, nicht Judas, dich hat die Schönheit verführt, die Leidenschaft hat dein Herz verdorben. So konntet ihr an den Töchtern Israels handeln, sie fürchteten sich und waren euch zu Willen. Aber die Tochter Judas hat eure Gemeinheit nicht geduldet. Nun sag mir: Was für ein Baum war das, unter dem du die beiden ertappt hast? Er antwortete: Unter einer Eiche. Da sagte Daniel zu ihm: Mit deiner Lüge hast auch du dein eigenes Haupt getroffen. Der Engel Gottes wartet schon mit dem Schwert in der Hand, um dich mitten entzweizuhauen. So wird er euch beide vernichten. Da schrie die ganze Gemeinde laut auf und pries Gott, der alle rettet, die auf ihn hoffen. Dann erhoben sie sich gegen die beiden Ältesten, die Daniel durch ihre eigenen Worte als falsche Zeugen entlarvt hatte. Das Böse, das sie ihrem Nächsten hatten antun wollen, tat man nach dem Gesetz des Mose ihnen an: Man tötete sie. So wurde an jenem Tag unschuldiges Blut gerettet. Die Geschichte von Susanna ist eine ergreifende Erzählung über Unschuld, und Verleumdung. Susanna, eine fromme und schöne Frau, wird von zwei Ältesten des Volkes belästigt und erpresst. Als sie sich weigert, ihrer Forderung nachzukommen, verleumden sie Susanna und bringen sie vor Gericht. Die Gemeinde glaubt den Ältesten – bis der junge Daniel eingreift, die Wahrheit ans Licht bringt und Susanna rettet. Die Ältesten werden schließlich für ihre Lüge bestraft. „Hut ab“ vor dem jungen Daniel Die zwei Ältesten waren angesehene und hochdekorierte Richter in jener Stadt, die meinten, ihr schändliches Tun mit einer Lüge aus der Welt schaffen zu können. Daniel dagegen ist kein mächtiger Richter. Er hat kein Ansehen in der Gesellschaft. Er ist ein junger Mensch. Aber er hat etwas Entscheidendes, das den Richtern fehlt: Er kann das Unrecht, das er beobachtet, nicht ertragen und er hat den Mut, nicht mit der Lüge mitzulaufen. „Hut ab“ vor dem jungen Daniel Daniel steht auf und fordert die Bewohner der Stadt auf, genauer, hinzuschauen. Die Wahrheit beginnt oft nicht mit großen Reden, sondern mit einem einfachen Schritt: Jemand stellt eine ehrliche Frage. Auch heute braucht es solche Menschen. Ich bin dankbar über Menschen, die nicht alles glauben, was alle sagen die hinschauen, statt wegzusehen, die für andere einstehen, auch wenn es unbequem ist. Bild: Edgar Wunsch
von Bild: Edgar Wunsch 20. März 2026
Jer 11, 18-20 Samstag, 4. Fast Wo Der Herr ließ es mich wissen, und so wusste ich es; damals ließest du mich ihr Treiben durchschauen. Ich selbst war wie ein zutrauliches Lamm, das zum Schlachten geführt wird, und ahnte nicht, dass sie gegen mich Böses planten: Wir wollen den Baum im Saft verderben; wir wollen ihn ausrotten aus dem Land der Lebenden, so dass man seinen Namen nicht mehr erwähnt. Aber der Herr der Heere richtet gerecht, er prüft Herz und Nieren. Ich werde sehen, wie du Rache an ihnen nimmst; denn dir habe ich meine Sache anvertrau t. Wenn sich Jeremia als zutrauliches Lamm bezeichnet, so will er damit nicht seine Harmlosigkeit ausdrücken. Vielmehr spiegelt sich in dieser ungewöhnlichen Selbstbezeichnung seine ganze Konzentration auf den ihm gegebenen Auftrag wider. Seine Person, wiewohl äußerst empfindsam und ganz hineingenommen in den Dienst für Gott, steht niemals so im Mittelpunkt, dass er etwa darauf geachtet hätte, wie er möglichst ungeschoren aus dem ganzen Zwist herauskam, den er heraufbeschworen hatte. So hat er nicht gemerkt, was sich gegen ihn zusammenbraute. (Dieter Schneider, Der Prophet Jeremia, Bd. 29, Wuppertaler Studienbibel (Holzgerlingen: SCM R.Brockhaus, 2018), 140. Seht das Lamm Gottes In vielen Bibelstellen wird Jesus als das Lamm Gottes beschrieben. (Joh 1,29, Joh 1,36, Offb 5,6–13, Offb 7,9–10, Offb 21,22–23, Jes 53,7, 1. Petr 1,18–19) Jesus war ebenfalls unschuldig und wurde von Menschen verfolgt und getötet, obwohl er nur Liebe und Heilung brachte. Wie Jeremia wusste Jesus, dass er leiden würde, aber er nahm dieses Opfer freiwillig auf sich. Bild. Edgar Wunsch, Kreuz in meiner Wohnung
von Bild: Edgar Wunsch 20. März 2026
Weish 2, 1a.12-22 Freitag, 4. Fast Wo Die Frevler tauschen ihre verkehrten Gedanken aus und sagen: Lasst uns dem Gerechten auflauern! Er ist uns unbequem und steht unserem Tun im Weg. Er wirft uns Vergehen gegen das Gesetz vor und beschuldigt uns des Verrats an unserer Erziehung. Er rühmt sich, die Erkenntnis Gottes zu besitzen, und nennt sich einen Knecht des Herrn. Er ist unserer Gesinnung ein lebendiger Vorwurf, schon sein Anblick ist uns lästig; denn er führt ein Leben, das dem der andern nicht gleicht, und seine Wege sind grundverschieden. Als falsche Münze gelten wir ihm; von unseren Wegen hält er sich fern wie von Unrat. Das Ende der Gerechten preist er glücklich und prahlt, Gott sei sein Vater. Wir wollen sehen, ob seine Worte wahr sind, und prüfen, wie es mit ihm ausgeht. Ist der Gerechte wirklich Sohn Gottes, dann nimmt sich Gott seiner an und entreißt ihn der Hand seiner Gegner. Roh und grausam wollen wir mit ihm verfahren, um seine Sanftmut kennen zu lernen, seine Geduld zu erproben. Zu einem ehrlosen Tod wollen wir ihn verurteilen; er behauptet ja, es werde ihm Hilfe gewährt. So denken sie, aber sie irren sich; denn ihre Schlechtigkeit macht sie blind. Sie verstehen von Gottes Geheimnissen nichts, sie hoffen nicht auf Lohn für die Frömmigkeit und erwarten keine Auszeichnung für untadelige Seelen. Es ist verblüffend wie exakt dieser Text aus dem Buch der Weisheit, der 100 Jahre vor Jesus geschrieben wurde das Schicksal Jesu beschreibt. Vers 12: Auch gegen Jesus schmiedeten sie Todespläne (vergleiche hierzu: Mk 3,2 + 6) Vers 13.18: Jesus behauptet, der Sohn Gottes zu sein (vergleiche hierzu: Joh 5,16-18) Vers 13: Jesus behauptet die Erkenntnis Gottes zu besitzen (vergleiche hierzu: Joh 8,55). Vers 14: Jesus ist ein lebendiger Vorwurf gegen seine Landsleute (vergleiche hierzu: Joh 8,12.34.46; 9,41); Vers 18. 20: Jesus wird wegen seines Gottvertrauens verhöhnt (vergleiche hierzu: Mt 27,43). Und doch sind diese Verse nicht nur eine Prophezeiung hin auf Jesus, sondern auch auf jene, die in unseren Tagen mit Überzeugung und Freude den katholischen Glauben bewusst leben. Aber warum sollte es dem Jünger anders gehen als dem Herrn? Bild: Edgar Wunsch Kreuz in der Kath Kirche Kupprichhausen
von ew 18. März 2026
Ex 32, 7-14 Donnerstag, 4. Fast Wo In jenen Tagen sprach der Herr zu Mose: Geh, steig hinunter, denn dein Volk, das du aus Ägypten heraufgeführt hast, läuft ins Verderben. Schnell sind sie von dem Weg abgewichen, den ich ihnen vorgeschrieben habe. Sie haben sich ein Kalb aus Metall gegossen und werfen sich vor ihm zu Bo-den. Sie bringen ihm Schlachtopfer dar und sagen: Das sind deine Götter, Israel, die dich aus Ägypten heraufgeführt haben. Weiter sprach der Herr zu Mose: Ich habe dieses Volk durchschaut: Ein störrisches Volk ist es. Jetzt lass mich, damit mein Zorn gegen sie entbrennt und sie verzehrt. Dich aber will ich zu einem großen Volk machen. Da versuchte Mose, den Herrn, seinen Gott, zu besänftigen, und sagte: Warum, Herr, ist dein Zorn gegen dein Volk entbrannt? Du hast es doch mit großer Macht und starker Hand aus Ägypten herausgeführt. Sollen etwa die Ägypter sagen können: In böser Absicht hat er sie herausgeführt, um sie im Gebirge umzubringen und sie vom Erdboden verschwinden zu lassen? Lass ab von deinem glü-henden Zorn, und lass dich das Böse reuen, das du deinem Volk antun wolltest. Denk an deine Knechte, an Abraham, Isaak und Israel, denen du mit einem Eid bei deinem eigenen Namen zugesichert und gesagt hast: Ich will eure Nachkommen zahlreich machen wie die Sterne am Himmel, und: Dieses ganze Land, von dem ich gesprochen habe, will ich euren Nach-kommen geben, und sie sollen es für immer besitzen. Da ließ sich der Herr das Böse reuen, das er seinem Volk angedroht hatte. Erneute Prüfung des Moses. Man muss den Text sehr aufmerksam lesen, um die Feinheiten herauszufiltern. „Gott sprach zu Moses: "Steig hinunter, denn dein Volk läuft ins Verderben.“ Haben Sie die Feinheit bemerkt? Gott sagt: Es ist dein Volk! Gott gibt das Volk an Moses ab. Gott hat genug von diesem störrischen Volk. Nun sollen sie nicht mehr Israeliten, sondern “Moseiten“. Gott schenkt das Volk also seinem treuen Diener Moses. (Vers sieben) Ein verlockender Vorschlag. In Vers 10 sagt Gott zu Moses: „Ich will dich zu einem großen Volk machen“ Moses bekommt die Chance seines Lebens, er kann dieses störrische Volk, das immer zu gegen ihn murrt, vergessen und zusammen mit Gott, seinem Freund einen Neuanfang wagen. Ich stelle mir vor, dass Moses in einem Moment der Schwäche über diesen Vorschlag Gottes nachgedacht hat. Moses könnte mit einem neuen Volk, das nicht immerzu murrt und fremden Göttern folgt, in das gelobte Land einziehen. Es ist Gottes Volk. Moses überwindet diesen Moment der Schwäche und erinnert Gott daran, dass es sein Volk ist: Warum, Herr, ist dein Zorn gegen dein Volk entbrannt? (Vers 10) Moses gibt Gott zu verstehen, dass das Volk immer sein Volk ist. Das Volk ist nicht nur dann Gottes Volk, wenn es seine Gebote erfüllt, sondern auch dann, wenn es auf Abwegen geht. Für uns. Ich finde, dass dies auch ein trostreicher Gedanke für uns alle sein kann. Wir sind immer Gottes Kinder! Auch dann, wenn wir auf komischen Wegen gehen. Bild. Pexel / Luis Quintero
von ew 15. März 2026
Jes 65, 17-21 Montag, 4. Fast Wo So spricht der Herr: Seht, ich erschaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde. Man wird nicht mehr an das Frühere denken, es kommt niemand mehr in den Sinn. Nein, ihr sollt euch ohne Ende freuen und jubeln über das, was ich erschaffe. Denn ich mache aus Jerusalem Jubel und aus sei-nen Einwohnern Freude. Ich will über Jerusalem jubeln und mich freuen über mein Volk. Nie mehr hört man dort lautes Weinen und lautes Klagen. Dort gibt es keinen Säugling mehr, der nur wenige Tage lebt, und keinen Greis, der nicht das volle Alter erreicht; wer als Hundertjähriger stirbt, gilt noch als jung, und wer nicht hundert Jahre alt wird, gilt als verflucht. Sie werden Häuser bauen und selbst darin wohnen, sie werden Reben pflanzen und selbst ihre Früchte genießen Seht, ich erschaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde Es muss offensichtlich eine neue Welt und ein neuer Himmel her, damit Gottes Erlösung endlich voll realisiert wird. Die alte Welt hat ihre Schranken und Grenzen. Das Neue kann offensichtlich nur dann kommen, wenn das Alte völlig abgebrochen wird. ICH erschaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde. Gott sagt, dass er selbst eine neue Schöpfung ins Leben gerufen wird. Gott sagt nicht, dass der Mensch dies tun muss. Gott selber wird handeln. Gott wird kreativ und schafft einen neuen Himmel und eine neue Erde. Die Kirche unserer Tage. Vielleicht kommt aus diesem Grunde die Kirche unserer Tage nicht mehr so richtig in Schwung. Wir wollen selber einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, mit eigener Kraft, mit unserer Kreativität, mit unseren Ideen. Ich stelle mir vor, dass Gottes Kreativität um ein Vielfaches größer und schöner ist. Daher hat für mich oberste Priorität: Zuerst die Hände falten, beten und auf das hören, was Gott sagt und dann erst ans Werk gehen. Wie ist es mit mir? Vielleicht sollte ich selbst auch damit anfangen, Gott zu bitten, dass er an einigen Punkten meines Lebens einen völligen Neuanfang schafft. Mit meinem eigenen Bemühen falle ich doch immer wieder in die eigenen Fehler hinein. Aber wenn Gott in meinem Leben einen Wendepunkt setzt und etwas Neues beginnt, dann werden meine Schranken und Grenzen aufgebrochen und ich brauche ich nicht mehr an das Frühere denken, sondern kann wirklich Neuland unter meine Füße nehmen. Bild: Pexel / Pixabay
von ew 18. November 2025
2 Makk 6, 18-31 Dienstag, 33. Woche In jenen Tagen war unter den angesehensten Schriftgelehrten Eleasar, ein Mann von hohem Alter und edlen Gesichtszügen. Man sperrte ihm den Mund auf und wollte ihn zwingen, Schweinefleisch zu essen. Er aber zog den ehrenvollen Tod einem Leben voll Schande vor, ging freiwillig auf die Folterbank zu und spuckte das Fleisch wieder aus. In solcher Haltung mussten alle herantreten, die sich standhaft wehrten zu essen, was man nicht essen darf - nicht einmal um des geliebten Lebens willen. Die Leute, die bei dem gesetzwidrigen Opfermahl Dienst taten und die den Mann von früher her kannten, nahmen ihn heimlich beiseite und redeten ihm zu, er solle sich doch Fleisch holen lassen, das er essen dürfe, und es selbst zubereiten. Dann solle er tun, als ob er von dem Opferfleisch esse, wie es der König befohlen habe. Wenn er es so mache, entgehe er dem Tod; weil sie alte Freunde seien, würden sie ihn mit Nachsicht behandeln. Er aber fasste einen edlen Entschluss, wie es sich gehörte für einen Mann, der so alt und wegen seines Alters angesehen war, in Würde ergraut, der von Jugend an vorbildlich gelebt und - was noch wichtiger ist - den heiligen, von Gott gegebenen Gesetzen gehorcht hatte. So erklärte er ohne Umschweife, man solle ihn ruhig zur Unterwelt schicken. Wer so alt ist wie ich, soll sich nicht verstellen. Viele jungen Leute könnten sonst glauben, Eleasar sei mit seinen neunzig Jahren noch zu der fremden Lebensart übergegangen. Wenn ich jetzt heucheln würde, um eine geringe, kurze Zeit länger zu leben, würde ich sie irreleiten, meinem Alter aber Schimpf und Schande bringen. Vielleicht könnte ich mich für den Augenblick der Bestrafung durch die Menschen entziehen; doch nie, weder lebendig noch tot, werde ich den Händen des Allherrschers entfliehen. Darum will ich jetzt wie ein Mann sterben und mich so meines Alters würdig zeigen. Der Jugend aber hinterlasse ich ein leuchtendes Beispiel, wie man mutig und mit Haltung für die ehrwürdigen und heiligen Gesetze eines schönen Todes stirbt. Nach diesen Worten ging er geradewegs zur Folterbank. Da schlug die Freundlichkeit, die ihm seine Begleiter eben noch erwiesen hatten, in Feindschaft um; denn was er gesagt hatte, hielten sie für Wahnsinn. Als man ihn zu Tod prügelte, sagte er stöhnend: Der Herr mit seiner heiligen Erkenntnis weiß, dass ich dem Tod hätte entrinnen können. Mein Körper leidet qualvoll unter den Schlägen, meine Seele aber erträgt sie mit Freuden, weil ich ihn fürchte. So starb er; durch seinen Tod hinterließ er nicht nur der Jugend, sondern den meisten aus dem Volk ein Beispiel für edle Gesinnung und ein Denkmal der Tugend. Darum will ich jetzt wie ein Mann sterben und mich so meines Alters würdig zeigen. Bei Sitzungen und Diskussionen gehöre ich oft zu den Stillen. Mein Verstand ist nicht so rege, dass er schnell auf jede Frage, auf jedes Argument eine Antwort findet. Oft muss ich lange nachdenken, bevor ich mich dazu durchringe, in der Diskussion einen Beitrag zu leisten. Darum will ich jetzt wie ein Mann sterben und mich so meines Alters würdig zeigen. Vergangene Woche hatten wir eine große zweitägige Sitzung, in der es darum ging, die Richtungen und die Eckpunkte für die künftige große Kirchengemeinde zu besprechen. Wortreich meldeten sich einige den ganzen Tag über. Gegen Ende der Tagung traute ich mich dann aber doch einen einzigen Satz zu der Debatte beizutragen. Ich sagte: „Für mich ist es wichtig, dass wir in der künftigen Kirchengemeinde ab 2026 auch in der Spur der katholischen Kirche bleiben und in Deutschland keine Sonderwege gegenüber der Weltkirche beschreiten“. Darum will ich jetzt wie ein Mann sterben und mich so meines Alters würdig zeigen. Kaum hatte ich ausgesprochen, erntete ich auch schon heftigsten Widerspruch. Das Wort „katholisch“ ist offensichtlich für manche wie ein rotes Tuch. Eleasar stand damals ganz alleine vor dem Tribunal der Schriftgelehrten. Ich erlebe in unseren Tagen etwas ähnliches. Wer in manchen kirchlichen Kreisen auch nur ansatzweise versucht katholisch zu denken, zu reden und zu leben, muss sich vor dem Tribunal des Zeitgeistes behaupten. Deren Vertreter prügeln zwar niemanden tot, aber ihre Worte treffen auch wie Stockschläge. Darum will ich jetzt wie ein Mann sterben und mich so meines Alters würdig zeigen. Wir werden heute immer wieder durch Worte usw. bedrängt, wir werden für altmodisch gehalten oder als komisch belächelt, wenn wir sagen, wir glauben noch an Gott, oder gar wir seien katholisch (dann wird es noch schlimmer!). Aber wir sind noch nicht bis aufs Blut verfolgt. Wenn es jedoch sein muss, Dann hoffe ich zur gegebenen Zeit den Mut wie Eleaser aufzubringen und wie er zu sagen: Darum will ich jetzt wie ein Mann (und wie ein Katholik) sterben und mich so meines Alters würdig zeigen.
von ew 10. Oktober 2025
Joel 1, 13-15; 2, 1-2 Freitag, 27. Woche Legt Trauer an, und klagt, ihr Priester! Jammert, ihr Diener des Altars! Kommt, verbringt die Nacht im Trauergewand, ihr Diener meines Gottes! Denn Speiseopfer und Trankopfer bleiben dem Haus eures Gottes versagt. Ordnet ein heiliges Fasten an, ruft einen Gottesdienst aus! Versammelt die Ältesten und alle Be-wohner des Landes beim Haus des Herrn, eures Gottes, und schreit zum Herrn: Weh, was für ein Tag! Denn der Tag des Herrn ist nahe; er kommt mit der Allgewalt des Allmächtigen. Auf dem Zion stoßt in das Horn, schlagt Lärm auf meinem heili-gen Berg! Alle Bewohner des Landes sollen zittern; denn es kommt der Tag des Herrn, ja, er ist nahe, der Tag des Dunkels und der Finsternis, der Tag der Wolken und Wetter. Wie das Morgenrot, das sich über die Berge hinbreitet, kommt ein Volk, groß und gewaltig, wie es vor ihm noch nie eines gab und nach ihm keines mehr geben wird bis zu den fernsten Geschlechtern Joel gehört zu den zwölf kleinen Propheten, deren Bücher am Ende des Alten Testaments angereiht sind. Es ist etwas schwierig, sein Buch zu finden, denn seine Botschaft besteht nur aus weni-gen Seiten mit insgesamt 73 Versen. Kein Wunder also, dass man Joel leicht übersehen kann, doch die Botschaft, die Joel weiter-gibt, verdient unsere ganze Aufmerksamkeit. Der Tag des Herrn ist nahe. Joel ruft die Ältesten und alle Bewohner des Landes dazu auf, in den Tempel zu kommen. Alle sind aufgerufen und beteiligt. Alle müssen in den Tempel kommen, um den HERRN anzurufen. Alle müssen um Befreiung aus der Not schreien. Der Ruf zu Gott muss ein nationaler Ruf sein, um das Unheil abzuwenden. Auch Jona, von dem wir Anfang der Woche gelesen haben, rief alle Einwohner von Ninive dazu auf, zu Fasten und Buße zu tun. Ich habe einen Traum. Darf ich einmal träumen? Ich träume davon, dass ein ganzes Dorf oder eine ganze Stadt oder sogar ein ganzes Land sich zur gleichen Zeit in ihren Gotteshäusern versammelt, um zu Gott zu beten und ihn zu bitten, das Land in eine gute, friedvolle Zukunft zu führen. Welche Kraft und welcher Segen würde von einem solchen nationalen Gebet ausgehen. Ich bin aber auch zuversichtlich, dass Gebet von lediglich zwei oder drei gläubigen Christen große Früchte bringen wird. Darum höre ich nicht auf, für das Wohl meiner Pfarrgemeinde und für das Wohl unseres Landes zu beten.
von ew 27. September 2025
Sach 2, 5-9.14-15a Samstag, 25. Woche Ich blickte hin und sah: Da war ein Mann mit einer Messschnur in der Hand. Ich fragte: Wohin gehst du? Er antwortete mir: Ich gehe, um Jerusalem auszumessen und zu sehen, wie breit und wie lang es sein wird. Da trat der Engel, der mit mir redete, vor, und ein anderer Engel kam ihm entgegen und sagte zu ihm: Lauf und sag dem jungen Mann dort: Jerusalem wird eine offene Stadt sein wegen der vielen Menschen und Tiere, die darin wohnen. Ich selbst - Spruch des Herrn - werde für die Stadt ringsum eine Mauer von Feuer sein und in ihrem Innern ihr Ruhm und ihre Ehre. Juble und freue dich, Tochter Zion; denn siehe, ich komme und wohne in deiner Mitte - Spruch des Herrn. An jenem Tag werden sich viele Völker dem Herrn anschließen, und sie werden mein Volk sein, und ich werde in deiner Mitte wohnen. Dann wirst du erkennen, dass der Herr der Heere mich zu dir gesandt hat. Wir wechseln heute zum Buch des Propheten Sacharja, dem Nachfolger von Haggai. Ich komme und wohne in deiner Mitte. Es gibt keine größere Freude für den Menschen als ein Leben in ungetrübter Gemeinschaft mit Gott. Was Gott hier durch den Propheten Sacharja ankündigt, hat sich in der Heilsgeschichte immer wieder verwirklicht. Ich komme und wohne in deiner Mitte. Die Bundeslade, die den Weg der Israeliten ins gelobte Land begleitete, war der Ort der Gegenwart Gottes. Das Allerheiligste im Jerusalemer Tempel war der Ort, an dem Gott mitten unter den Menschen wohnte. I ch komme und wohne in deiner Mitte. Gott nahm unter den Menschen Wohnung, als Christus in die Welt kam. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, sagt das Johannesevangelium (Joh1,14). 33 Jahre wohnte Gott sichtbar, fühlbar und hörbar mitten unter den Menschen. Einige haben dies erkannt und ihn angebetet, anderen war dies völlig egal. Ich komme und wohne in deiner Mitte. Bei der Feier des letzten Abendmahles am Gründonnerstag sagte Jesus: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird (Lk 22,19). Wenn wir die Eucharistie feiern, dann vollzieht sich jedes Mal das, was Jesus am Gründonnerstag gestiftet hat. Jesus kommt und wird gegenwärtig in unserer Mitte. Ich komme und wohne in deiner Mitte. In jeder katholischen Kirche brennt irgendwo ein kleines unscheinbares rotes Licht. Ganz in der Nähe dieses Lichtes steht der Tabernakel, in dem der kostbarste Schatz aufbewahrt wird, den es auf der Erde gibt. Im Tabernakel wird die Eucharistie aufbewahrt. Die Eucharistie, man kann das nicht oft genug erwähnen, ist kein gesegnetes Brot. Die Eucharistie ist nicht nur ein Symbol der Gegenwart Jesu. Die Eucharistie ist die Realpräsenz der Gegenwart Gottes. In der Eucharistie ist Gott gegenwärtig. I ch komme und wohne in deiner Mitte. Die Eucharistie ist die Mitte aller Sakramente. Die Eucharistie ist die Mitte der Kirche. Die Eucharistiefeier ist die Quelle und der Höhepunkt des gesamten christlichen Lebens. Es gibt nichts Größeres, was noch zu erreichen wäre.
von ew 20. September 2025
1 Tim 6, 13-16 Samstag, 24. Woche Mein Sohn! Ich gebiete dir bei Gott, von dem alles Leben kommt, und bei Christus Jesus, der vor Pontius Pilatus das gute Bekenntnis abgelegt hat und als Zeuge dafür eingetreten ist: Erfülle deinen Auftrag rein und ohne Tadel, bis zum Erscheinen Jesu Christi, unseres Herrn, das zur vorherbestimmten Zeit herbeiführen wird der selige und einzige Herrscher, der König der Könige und Herr der Herren, der allein die Unsterblichkeit besitzt, der in unzugänglichem Licht wohnt, den kein Mensch gesehen hat noch je zu sehen vermag: Ihm gebührt Ehre und ewige Macht. Amen. Erfülle deinen Auftrag rein und ohne Tadel. Am Schluss des ersten Timotheusbriefs steht eine eindringliche Mahnung an den Vorsteher. „Erfülle deinen Auftrag rein und ohne Tadel zum Erscheinen Jesu Christi unseres Herrn.“ Den „Auftrag“ habe ich bei meiner Priesterweihe bekommen. Bischof Oscar Saier stellte mir am 19.05.1996 folgende Fragen auf die ich alle mit „Ich bin bereit“ antwortete. Seid ihr bereit, das Priesteramt als zuverlässige Mitarbeiter des Bischofs auszuüben und so unter der Führung des Heiligen Geistes die Gemeinde des Herrn umsichtig zu leiten? Seid ihr bereit, in der Verkündigung des Evangeliums und in der Darlegung des katholischen Glaubens den Dienst am Wort Gottes treu und gewissenhaft zu erfüllen? Seid ihr bereit, die Mysterien Christi, besonders die Sakramente der Eucharistie und der Versöhnung, gemäß der kirchlichen Überlieferung zum Lobe Gottes und zum Heil seines Volkes in gläubiger Ehrfurcht zu feiern? Seid ihr bereit, zusammen mit dem Bischof im Gebet, das uns aufgetragen ist, Gottes Erbarmen für Seid ihr bereit, den Armen und Kranken beizustehen und den Heimatlosen und Notleidenden zu helfen? Christus, unser Hoherpriester, hat sich um unseretwillen dem Vater dargebracht. Seid ihr bereit, euch Christus, dem Herrn, von Tag zu Tag enger zu verbinden und so zum Heil der Menschen für Gott zu leben? Erfülle deinen Auftrag rein und ohne Tadel. Auf folgende Frage antwortete ich mit: „Ich verspreche es.” Versprichst du mir (dem Ortsbischof) und meinen Nachfolgern Ehrfurcht und Gehorsam? Ich habe also einen klaren Auftrag bekommen. Paulus sagt: Erfülle deinen Auftrag rein und ohne Tadel. Erfülle deinen Auftrag rein und ohne Tadel. Mein Auftrag für heute, Samstag, 20.09.2025 lautet: Stehe zeitig auf. Bete das Stundengebet (Lesehore, Laudes, Terz, Vesper, Komplet). Verbringe die Zeit von 9:00 Uhr bis 09:45 bei der Anbetung in Neuhausen. Beantworte Mails, die vom Vortag unbeantwortet geblieben sind. Gehe zum CHRHISP-Treffen nach Tiefenbronn. Halte einen (kurzen) Mittagsschlaf. Bereite die Predigt noch einmal vor. Stehe ab 18:00 Uhr für das Beichtsakrament in Neuhausen zur Verfügung. Feiere die Hl. Messe in Lehningen. Lade die Autos mit all den Dingen die am Sonntag für die Gewerbeschau in Neuhausen benötigt werden. Gehe zeitig in Bett - denn der Vater im Himmel freut sich, wenn sein Kindlein schläft.
von ew 31. Juli 2025
Ex 40, 16-21.34-38 Donnerstag, 17. Woche In jenen Tagen machte Mose alles, wie es der Herr ihm befohlen hatte. Im zweiten Jahr, am ersten Tag des ersten Monats, stellte man die Wohnstätte auf. Mose stellte die Wohnstätte auf, legte ihre Sockel hin, setzte ihre Bretter darauf, brachte ihre Querlatten an und stellte ihre Säulen auf. Dann spannte er das Zelt über die Wohnstätte und legte die Decke des Zeltes darüber, wie es der Herr dem Mose befohlen hatte. Dann nahm er die Bundesurkunde, legte sie in die Lade, brachte die Stangen an der Lade an und setzte die Deckplatte oben auf die Lade. Er brachte die Lade in die Wohnstätte, spannte die Vorhangdecke auf und verdeckte so die Lade der Bundesurkunde, wie es der Herr dem Mose befohlen hatte. Dann verhüllte die Wolke das Offenbarungszelt, und die Herrlichkeit des Herrn erfüllte die Wohnstätte. Mose konnte das Offenbarungszelt nicht betreten, denn die Wolke lag darauf, und die Herrlichkeit des Herrn erfüllte die Wohnstätte. Immer, wenn die Wolke sich von der Wohnstätte erhob, brachen die Israeliten auf, solange ihre Wanderung dauerte. Wenn sich aber die Wolke nicht erhob, brachen sie nicht auf, bis zu dem Tag, an dem sie sich erhob. Bei Tag schwebte über der Wohnstätte die Wolke des Herrn, bei Nacht aber war an ihr Feuer vor den Augen des ganzen Hauses Israel, solange ihre Wanderung dauerte. Heute sind wir im letzten Kapitel des Buches Exodus angelangt. Gott erfüllte mit seiner Gegenwart das Bundeszelt. Gegenwart Gottes erkannte man an der Wolke, die sich über das Heiligtum legte. Alle Israeliten konnten Anzeichen der Wolke erkennen, dass Gott mitten unter ihnen ist. Das rote Licht in der Kirche. Die Gegenwart Gottes in unseren katholischen Kirchen erkennen wir heute nicht mehr an einer Wolke, die sich über das Gebäude legt, sondern an der roten Lampe, die in der Nähe zum Tabernakel leuchtet. Der Tabernakel ist der Ort der Gegenwart Gottes. Kunst in der Kirche. In der wunderbaren Sankt Maria Magdalena Kirche in Tiefenbronn gibt es künstlerisch hochwertige Seitenaltäre, die eine große Beachtung finden und über die man schon Bücher geschrieben hat. Gegenüber diesen Altären steht der Tabernakel und daneben das rote Licht. Es tut mir in der Seele weh, dass Besucherscharen staunend vor den Bildern der Seitenaltäre stehen bleiben, aber ohne jedes Zeichen der Verehrung an Gott vorbeigehen, der in Tabernakel auf sie wartet.
von ew 16. Juli 2025
Ex 3, 1-6.9-12 Mittwoch, 15. Woche JK In jenen Tagen weidete Mose die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro, des Priesters von Midian. Eines Tages trieb er das Vieh über die Steppe hinaus und kam zum Gottesberg Horeb. Dort erschien ihm der Engel des Herrn in einer Flamme, die aus einem Dornbusch emporschlug. Er schaute hin: Da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht. Mose sagte: Ich will dorthin gehen und mir die außergewöhnliche Erscheinung ansehen. Warum verbrennt denn der Dornbusch nicht? Als der Herr sah, dass Mose näher kam, um sich das anzusehen, rief Gott ihm aus dem Dornbusch zu: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich. Der Herr sagte: Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden. Dann fuhr er fort: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Da verhüllte Mose sein Gesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen. Jetzt ist die laute Klage der Israeliten zu mir gedrungen, und ich habe auch gesehen, wie die Ägypter sie unterdrücken. Und jetzt geh! Ich sende dich zum Pharao. Führe mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten heraus! Mose antwortete Gott: Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehen und die Israeliten aus Ägypten herausführen könnte? Gott aber sagte: Ich bin mit dir; ich habe dich gesandt, und als Zeichen dafür soll dir dienen: Wenn du das Volk aus Ägypten herausgeführt hast, werdet ihr Gott an diesem Berg verehren. Der angepasste Moses. 40 Jahre lang war die Existenz des Mose grau und dürr wie die Wüste. Sein Tagesplan und Kalender, wie auch sein Weg waren fixiert, gegen alle Änderungen gesperrt: Er wachte immer zur selben Stunde auf, um die Schafe seines Schwiegervaters zur selben Weide zu führen, am selben Brunnen zu tränken und vor Sonnenuntergang im selben Stall einzusperren. Sein Leben war eintönig. Alles war vorprogrammiert, ohne Varianten und Überraschungen. Und diese Routine dauerte sehr lange Zeit. Mose hatte sich angepasst und eingerichtet, wenn auch in der Trockenheit und Einsamkeit einer undankbaren Wüste. Er, der 40 Jahre im Schatten der Pyramiden gelebt hatte, hat genauso viele Jahre unter dem Schutz des Zeltes seines Schwiegervaters verbracht. Mose hatte sich aufs Neue angepasst und lebte auf Kosten der anderen. Über die Steppe hinaus. Aber eines Tages hat sich alles verändert. Dieser Morgen war ganz anders als die anderen, weil er den Rhythmus seines Lebens zu brechen wagte und begann, mit den Schafen über die Steppe hinauszugehen. Müde vom immer Gleichen wagte er sich von seiner Monotonie zu deprogrammieren, indem er die Grenzen seiner eigenen Sicherheit überschritt. Und nur darum gelangte er zum Gottesberg Horeb und wurde von Gott mit seinem Namen gerufen. Und ich? Wir Katholiken sind träge geworden. Wir haben uns angepasst und wollen gar nicht mehr über die Steppe hinaus. Vielleicht hören wir darum auch die Stimme Gottes nicht mehr, die uns beim Namen ruft. Fragen Sie sich einmal: Lebe ich selber auch ein gut angepasstes bürgerliches Christentum oder bin ich bereit auch einmal über „die Steppe hinaus“ zu gehen, um etwas für Gott zu wagen.
von ew 18. Juni 2025
2 Kor 9, 6-11 Mittwoch, 11. Woche JK Brüder! Denkt daran: Wer kärglich sät, wird auch kärglich ernten; wer reichlich sät, wird reichlich ernten. Jeder gebe, wie er es sich in sei-nem Herzen vorgenommen hat, nicht verdrossen und nicht unter Zwang; denn Gott liebt einen fröhlichen Geber. In seiner Macht kann Gott alle Gaben über euch ausschütten, so dass euch allezeit in allem alles Nötige ausreichend zur Verfügung steht und ihr noch genug habt, um allen Gutes zu tun, wie es in der Schrift heißt: Reichlich gibt er den Armen; seine Gerechtigkeit hat Bestand für immer. Gott, der Samen gibt für die Aussaat und Brot zur Nahrung, wird auch euch das Saatgut geben und die Saat aufgehen lassen; er wird die Früchte eurer Gerechtigkeit wachsen lassen. In allem werdet ihr reich genug sein, um selbst-los schenken zu können; und wenn wir diese Gabe überbringen, wird sie Dank an Gott hervorrufen Ich gehe nicht gerne einkaufen. Für mich ist es ein mittleres Kreuz, wenn ich mir eine neue Hose oder einen neuen Anzug anschaffen muss. Nicht selten mache ich dann einfach nur "schnell-schnell", um rasch wieder aus dem Laden herauszukommen und merke erst später, dass die Hose eigentlich gar nicht gut passt. Dagegen gehe ich sehr gerne in den Baumarkt. Ich liebe es, zwischen den Regalen von Schrauben, Werkzeug, Dübeln und Brettern hindurch zu schlendern. Ich erinnere mich an einen Besuch im Baumarkt in Bad Säckingen an der Schweizer Grenze. Nach dem Einkauf sah ich auf dem Parkplatz einen Bettler. Zuerst wollte ich mich an ihm „vorbeidrücken!“, aber dann ging ich doch direkt auf ihn zu und gab ihm ein paar Münzen. Der Bettler nahm sie dankbar entgegen und sagte zu mir: "Vielen Dank, Gott segne Sie“. Das Segenswort des Bettlers hatte mich tief berührt und ich habe es bis heute nicht vergessen. Der Besuch im Baumarkt hatte sich wieder einmal gelohnt, ich wurde von einem Bettler gesegnet. Mittlerweile habe ich immer ein paar Münzen in der Hosentasche, wenn ich durch eine Stadt laufen muss. Sehe ich Musikanten oder Bettler am Wegesrand stehen, bekommen sie aus meinem Münzvorrat gerne etwas ab.The body content of your post goes here. To edit this text, click on it and delete this default text and start typing your own or paste your own from a different source.
von Edgar Wunsch 7. Juni 2025
Ich sende euch den heiligen Geist. Aber wie kann man den heiligen Geist vom unheiligen Geist unterscheiden. Anbei ein paar Kriterien. Der Heilige Geist Verstößt nie gegen die Liebe. Macht uns bereit zu uneigennütziger Liebe. Schenkt innere Ruhe, Kraft und Sicherheit. Erscheint nie forsch, fordernd oder ungeduldig. Setzt uns nicht unter Druck. Gebraucht nie Angst, Furcht oder Drohung. Strahlt Ruhe, Kraft und Sicherheit aus. Führt einen geraden, einsichtigen Weg. Gibt klare Anweisungen. Entscheidet nie sprunghaft. Gibt wichtige Anweisungen auch ein zweites Mal, wenn ich ihn darum bitte. Führt uns wie Kinder, die Hilfe brauchen. Lässt uns in Freiheit echte Kinder Gottes sein. Handelt nie gegen die göttlichen Gesetze. Lässt reifen und wachsen. Lässt uns Zeit. Bittet, regt an, führt zum gefestigten Nachdenken. Gibt uns Anstöße zum Tätigwerden. Weckt auf wenn wir trödeln oder bummeln wollen. Lässt uns mitwirken an der Schöpfung. Macht uns hellhörig für jede Sünde. Zeigt uns unsere Fehler und Schwächen so, dass wir uns gern ändern wollen. Schenkt uns neuen Mut und neue Hoffnung. Gibt uns befreiende Anweisungen. Weist uns zärtlich und liebevoll auf Ungerechtigkeiten, Unkorrektheiten, Unwahrhaftigkeiten und Lieblosigkeiten hin. Führt uns zu Jesus hin, nie von ihm weg. Erweckt echte Demut, das heißt: Mut zum Dienen an den Menschen und Mut zum Dienen für Jesus. Will keine außergewöhnlichen Leistungen, sondern vor allem Frieden, Liebe und Vertrauen Führt zum Handeln „aus Liebe zu Jesus“. Führt zur Vergebung und Versöhnung. Zeigt den Weg zur Befreiung aus Sünde und Schuld. Führt zur Versöhnung mit Gott in der Beichte. Macht feinfühlig für die Sorge der anderen. Führt zum Wesentlichen. Die Geister der Verwirrung Führen zu Hass, Neid, Eifersucht und Streit. Fördern Rechthaberei und Besserwisserei. Verstoßen gegen die christliche Liebe. Schaffen ein schlechtes, beunruhigendes Gewissen. Treten bewusst und fordernd auf. Erwecken einen falschen Leistungsdruck. Drohen Strafen und Versäumnisse an. Stellen Forderungen, die Unruhe, Unsicherheit oder Mutlosigkeit erzeugen. Wählen oft verworrene Zick-Zack-Wege. Drücken sich gern verwaschen und unklar aus. Ändern sehr oft ihre Meinung. Wollen Übereifer und damit Überforderung erzeugen. Geben oft widersinnige, unnatürliche Anweisungen. Bedrängen und stellen ultimative Forderungen. Weisen auf „schlimme Versäumnisse“ hin. Lähmen unser Handeln. Führen zu Passivität. Verharmlosen wichtige Aufgaben. Halten uns ab von notwendiger Mitarbeit. Machen uns rechthaberisch, lieblos, verbittert. Stellen unsere Fehler und Schwächen in ein so trübes Licht, dass wir hoffnungslos und passiv werden. Lassen uns unnütz und hilflos erscheinen. Erzeugen Angst und Furcht. Bewirken Hilflosigkeit, Ratlosigkeit und Verzweiflung. Führen uns von Jesus weg. Fordern außergewöhnliche Bußleis­tungen und besondere Gebete. Weisen auf „unsere Rechte“ hin. Führen zu Trotzköpfigkeit und Starrsinn. Zeigen uns, dass „auch wir“ ein Mensch sind, der einmal einen Anspruch stellen kann. Stellen unsere Fehler und Sünden als schlimme Vergehen hin, die nie mehr gutzumachen sind. Beharren auf unwesentlichen, unwichtigen Dingen
von Edgar Wunsch 6. Juni 2025
Zweimal konnte ich bereits am „Marsch für das Leben“ in Berlin teilnehmen. Es ist eine wichtige Veranstaltung. Tausende von Menschen ziehen schweigend, betend und singend durch die Straßen Berlins und stehen so ein für das Lebensrecht ungeborener Kinder. Am Straßenrand stehen jedes Mal die Gegner dieser Demonstration. Sie schreien die Lebensschützer an, spucken ihnen nach und verhöhnen Jesus unseren Gott. „Hätt Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben“. Der blanke Hass strömt den Christen entgegen, die nichts anders beabsichtigen, als Kinder zu schützen. „Weltförmige“ Christen ernten keinen Hass, denn solche Christen hat die Welt gern. Je klarer und deutlicher die christliche Botschaft verkündet wird, desto größer ist auch der Stachel für die Welt. Die Welt spürt die Fremdheit der christlichen Botschaft von der Liebe und reagiert mit Abneigung bis zum blinden Hass. Das Evangelium zu verkünden bedeutet mit der Mittelmäßigkeit der Nachfolge zu brechen, um ganz für Jesu Liebe zu leben. Ich will es wenigstens versuchen. Tag für Tag, Schritt für Schritt. Gott segne Sie Edgar Wunsch, Pfr
weitere

Gedanken

Die hippen Missionare - mit Jesus gegen die Freiheit?

Predigt am Stephanstag 2025


Dass Stephanus gleich unmittelbar nach Weihnachten am 26. Dezember gefeiert wird ist kein Stilbruch, sondern eine Konsequenz aus der Weihnachtsbotschaft. Weihnachten darf man nicht romantisch aushöhlen, denn auf die Krippe fällt bereits der Schatten des Kreuzes. Das Kind, das wir in der Krippe sehen und anbeten, wird einst am Kreuz für unsere Sünden sterben.

Stephanus hielt vor dem hohen Rat eine lange Rede, geduldig haben ihm alle zugehört. Erst als er auf die wirklich wichtigen Themen des Glaubens zu sprechen kam, auf Himmel und Jesus, auf Gott und auf Erlösung da ging es rund. 

„Da erhoben sie ein lautes Geschrei, hielten sich die Ohren zu, stürmten einmütig auf ihn los, trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn.“

Christenverfolgung geschieht nicht nur da, wo Menschen wegen Ihres Glaubens getötet werden: Nigeria, Pakistan, Iran, Afghanistan und andere Länder.

Christenverfolgung geht auch subtiler bei uns in Europa.

Der Bayrische Rundfunk hat am 16.12 einen Fernsehbeitrag gesendet mit dem Titel „Die hippen Missionare – mit Jesus gegen die Freiheit?“

Gemeinschaften, welche das Evangelium ernst nehmen (Gebetshaus in Augsburg, die Loretto Gemeinschaft) wurden darin lächerlich gemacht. Auch Bischof Stefan Oster aus Passau wurde in ein evangelikales, radikales Licht gerückt.

Bischof Oster hat daraufhin geantwortet: 

„Wenn es dann um das Evangelium Jesu Christi geht, dann scheint auch dieses irgendwie positiv besetzt – aber nur solange es sich einfügt in die gängige Freiheitsauffassung einer liberalen, digital abgelenkten und weitgehend materialistischen Gesellschaft. Man pickt sich also aus den heiligen Texten jene Stellen heraus, die dem gesellschaftlich liberal gesinnten Menschen guttun: „Der liebe Gott hat dich lieb“. Was tatsächlich unbedingt stimmt!

Nur: Wenn damit nicht mitgesagt wird, wie das möglich ist, sich von Gott lieben zu lassen – und was da dazugehört, dann geht der Kern des Evangeliums trotzdem verloren. Dass nämlich die Liebe Jesu darin besteht, 

dass er gekommen ist, „um zu retten, was verloren ist“ (Lk 19,10); 

dass er dafür leidet, stirbt und aufersteht – und zugleich diejenigen, die zu ihm gehören wollen, ebenfalls zur Kreuzesnachfolge auffordert, das passt nicht wirklich rein. 

Dass er dann auch noch die Jünger in die Mission aussendet, um alle anderen Menschen auch zu seinen Jüngern zu machen, erst recht nicht. 

Dass zu alledem Umkehr, Vergebung der Sünden und das Hineinfinden in ein neues Leben gehören, natürlich auch nicht. 

Und dass mit diesem neuen Leben nun eine tiefere Freiheit gemeint ist, als eine Art vordergründiges Laissez-faire, trifft nun ganz offenbar auf weitgehendes bis völliges Unverständnis.“

Es gibt einen gewissen Trend

Ich habe eine größere Scheu von Verfolgung in Deutschland zu sprechen, aber es gibt einen gewissen Trend, der die öffentliche Sichtbarkeit des Christentums problematisiert und religiöse Ausdrucksformen aus dem öffentlichen Raum verdrängt.

Sie können die verrücktesten Sachen machen. Mit einem Seil von einer Brücke springen. Senkrecht an einem Seil die Hauswand runterlaufen: Houserunning nennt man das.

Aber wer das Christsein ernst nimmt, einfach nur katholisch sein möchten und sich eben auf Heilige Schrift, Lehramt und Tradition bezieht, der muss damit rechnen, mit den Begriffen wie Erz- oder Ultra, evangelikal oder konservativ abwertend in Verbindung gebracht zu werden.

Solange wir die Erzählung rund um den ersten Märtyrer Stephanus nur als eine Erzählung von vielen betrachten werden wir wahrscheinlich keine Konsequenzen für unser eigenes christliches Leben ziehen. 

Wie lebe ich als Christ

Erst wenn wir uns selbst fragen, ob wir unser eigenes katholisches Glaubensleben nicht doch intensivieren könnten werden wir beginnen zu erahnen was den Heiligen Stephanus bewegte sein Leben für seine Glaubensüberzeugung hinzugeben.

Das wäre also eine Frage für mich heute: 

Wie lebe ich als Katholik? 

Lebe ich, - wie es ein evangelischer Theologe gesagt hat - nur als angetippter Christ, oder bin ich auch von der Wahrheit des Glaubens an Jesus durchdrungen und überzeugt.

Heute habe ich einen Abschnitt aus dem Römerbrief gelesen, der folgende Gedanken in mir auslöste.


Röm 12, 5-16a Dienstag, 31. Woche   

Wir, die vielen, sind ein Leib in Christus, als Einzelne aber sind wir Glieder, die zueinander gehören. Wir haben unterschiedliche Gaben, je nach der uns verliehenen Gnade. Hat einer die Gabe prophetischer Rede, dann rede er in Übereinstimmung mit dem Glauben; hat einer die Gabe des Dienens, dann diene er. Wer zum Lehren berufen ist, der lehre; wer zum Trösten und Ermahnen berufen ist, der tröste und ermahne. Wer gibt, gebe ohne Hintergedanken; wer Vorsteher ist, setze sich eifrig ein; wer Barmherzigkeit übt, der tue es freudig. Eure Liebe sei ohne Heuchelei. Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten! Seid einander in brüderlicher Liebe zugetan, übertrefft euch in gegenseitiger Achtung! Lasst nicht nach in eurem Eifer, lasst euch vom Geist entflammen und dient dem Herrn! Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet! Helft den Heiligen, wenn sie in Not sind; gewährt jederzeit Gastfreundschaft! Segnet eure Verfolger; segnet sie, verflucht sie nicht! Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden! Seid untereinander eines Sinnes; strebt nicht hoch hinaus, sondern bleibt demütig!



Wir haben unterschiedliche Gaben, je nach der uns verliehenen Gnade.

Die heutige Lesung ist nicht so schwer verständlich und man braucht das, was Paulus sagt, eigentlich fast nicht zu kommentieren, die einzelnen Verse erklären sich von selbst. Ein Gedanke geht mir immer wieder durch den Kopf, der mir vor allem bei den vielen Debatten während des synodalen Weges in Deutschland gekommen ist. Dort haben sich immer wieder die gleichen Personen gemeldet, um einen Redebeitrag einzubringen. Alle waren sie rhetorisch geübt und gut geschult und waren in der Lage, das, was sie zur Debatte beitragen wollten, in geschliffenen, wohlformulierten Worten zu sagen.


Wir haben unterschiedliche Gaben, je nach der uns verliehenen Gnade.

Ich habe jedoch den Eindruck, dass so manche Redner nur die Gabe der Rhetorik, der guten Rede hatten, aber nicht zugleich auch die Gabe der Weisheit oder die Gabe der Erkenntnis. Sie haben nur ihre eigene Meinung kundgetan, aber nicht das, was Gott gefällt.


Wir haben unterschiedliche Gaben, je nach der uns verliehenen Gnade.

Die Gabe der Rhetorik hängt nicht automatisch zusammen mit der Gabe der Weisheit, der Erkenntnis oder der Gabe der Einsicht. Manchmal haben jene, die sich nicht überall als Wortführer hervortun und länger brauchen, um einen Gedanken zu formulieren, eine innere Empfindung, ein Gespür für einen richtigen Weg, ohne dies in sofort in Worte kleiden zu können. Solche Menschen bräuchten dann jemand, der ihre Erkenntnisse, ihre Einsichten in Worte fassen und aussprechen kann.


Wir haben unterschiedliche Gaben, je nach der uns verliehenen Gnade.

Nicht jeder hat alle Gaben, aber jeder hat eine. Wenn sich jene, die die Gabe der guten Rede haben, mit jenen zusammentun, die die Gabe der Weisheit haben, dann könnten wir in den Diskussionen bessere Ergebnisse erzielen, die dem Willen Gottes sicher mehr entsprechen.

Charles Haddon Spurgeon

Ein bekannter Prediger aus dem 19. Jahrhundert, Charles Haddon Spurgeon, sagte sehr treffend: «Wir sollen beten, wenn wir in einer Gebetsstimmung sind, denn es wäre Sünde, eine so gute Gelegenheit zu versäumen. Und wir sollen beten, wenn wir nicht in der rechten Stimmung sind, denn es wäre gefährlich, in einem so ungesunden Zustand zu verharren.»


Bischof Oster würdigt US-Bischof Barron, übt deutliche Kritik an Kirche in Deutschland Bild: https://de.catholicnewsagency.com


Von Martin Bürger

Redaktion - Dienstag, 29. Juli 2025, 13:00 Uhr.

Bischof Stefan Oster SDB hat am Sonntag deutliche Kritik an der Kirche in Deutschland geübt, als er seine Laudatio auf den US-amerikanischen Bischof Robert Barron hielt, der den Josef-Pieper-Preis der nach dem großen Philosophen benannten Stiftung in Münster erhielt. Barron gehört durch sein Medienapostolat „Word on Fire“ zu den bekanntesten Bischöfen weltweit.


Oster sagte am Sonntag: „Barron ist zuerst ein philosophisch gebildeter, systematischer Theologe, dem es wie wenig anderen gelingt, den Glauben ins Gespräch mit der Kultur der Zeit zu bringen. Und zu diesem Gespräch mit der Kultur gehört bei ihm wie selbstverständlich auch die katholische Soziallehre, die er ebenso verständlich zu erklären vermag wie die anderen Themen.“

Die Preisverleihung an Barron war von manchen Kreisen kritisiert worden, weil man dem US-amerikanischen Bischof eine Nähe zu Präsident Donald Trump unterstellte. Oster ging direkt auf die Vorwürfe ein und betonte, wenn er höre, „wie manche Stimmen in unserem Land versuchen, ihn reflexartig als rechts oder als Anhänger Trumps zu diffamieren, dann erzählt eine solche Einordnung, die in aller Regel sehr schnell geschieht, viel mehr über die urteilende Person und oft genug auch über das System Kirche und ihre medialen Prozesse in unserem Land als über die beurteilte Person selbst“.


mehr

Handysucht

Auf meiner Radtour nach Medjugorje gönnte ich mir heute ein Mittagessen in Baska Voda. Das Fischangebot mit frischem Fang aus dem Meer war zu verlockend. Am Nebentisch nahm eine Familie Platz deren jüngste Sohn (ca. 6 Jahre) sofort sein Handy zückte und unablässig drauf herumtippte. Selbst als seine Mutter oder sein Vater ihn namentlich ansprachen, nahm, er davon keine Notiz, sondern schaute weiterhin auf sein Display. Einmal rüttelte ihn sein Vater sogar am Arm und nannte seinen Namen, aber er bemerkte dies nicht einmal – das Handy war ihm wichtiger. Er hob lediglich den Kopf, um seiner Mutter zu zeigen, was er im Internet gefunden hatte oder als der Vater ein Selfie von der Familie machen wollte. Selbst als das Mittagessen kam, zeigte er keine Reaktion das Handy war wichtiger als die Pommes. Schließlich nahm die Mutter eine Pommes nach der anderen und steckte sie einzeln in den Mund Ihres Sohnes, ohne dass dieser den Blick vom Handy nehmen musste. Als Mutter oder als Vater hätte ich dem Knirps schon längst das Handy weggenommen

Und ich
Ab und zu erscheint auf meinem Display eine Übersicht über meine eigene Handynutzung und ich kann dann sehen wie viele Stunden ich im letzten Monat am Handy verbracht habe. Nicht nur die Jungen verbringen viele Zeit mit einem Handy, sondern auch wir Alten.

Juli 2025


Freunde im syro malabarischen Ritus


Pater Jijo Sebastian ist Ordenspriester der Gemeinschaft der Hl. Teresia von Lisieux und ist im syro-malabarischen Ritus beheimatet. Seit zwei Jahren lebt und arbeitet er in der Kirchengemeinde Biet. Er organisierte ein Treffen mit seinen Ordensbrüdern in Neuhausen und feierte zusammen mit der ganzen Gemeinde in unserer Pfarrkirche die Eucharistie im syro-malabarischen Ritus.

Die syro-malbarische Kirche ist wie weitere 23 verschiedene Riten in voller Gemeinschaft mit der römisch-katholischen Kirche.


Zwölf Priester der indischen Ordensgemeinschaft der heiligen Theresia von Lisieux feierten am vergangenen Sonntag in unserer römisch-katholischen Kirche in Neuhausen die Eucharistie. Wie selbstverständlich nahmen mich die Priester der Ordensgemeinschaft in ihre Gemeinschaft auf und überreichten mir die liturgischen Gewänder für die heilige Messe im syro-malabarischen Ritus.


Der Ritus selbst war mir fremd und hier und da musste mir ein Pater sagen, was ich zu tun hatte, wohin ich mich wenden und was ich beten sollte. Und doch fühlte ich mich im syro-malabarischen Ritus zu Hause denn wesentliche Elemente waren dem lateinischen Ritus sehr ähnlich.


Zweimal in diesem Ritus wurde ich sehr hellhörig. Deutlicher als im lateinischen Ritus wird im syro-malabarischen Ritus um den Schutz vor den bösen Geistern gebetet.


Unmittelbar vor der Kommunion betet der Priester:

Herr, starker Gott des Erbarmens und unser Vater, wir bitten um deine Barmherzigkeit. Bewahre uns vor Versuchungen. Schütze uns vor bösen Geistern und ihren Scharen.

Die lateinische Kirche kann von der syro-malabarischen Kirche lernen wieder mutiger gegen die Unterwelt zu beten.


Am Ende der Eucharistiefeier betet die ganze Gemeinde:

Die Opfergabe, die ich von dir genommen habe, gereiche mir zur Vergebung der Schuld und zur Verzeihung der Sünden. Ich weiß nicht, ob ich nochmals kommen werde, um auf dir ein weiteres Opfer darzubringen.

Es stimmt: Wir wissen nicht, ob wir morgen noch einmal die Gelegenheit haben um dem Herrn in der Eucharistie zu begegnen. Darum hängt in der Sakristei in Neuhausen ein Schild welches mich daran erinnert: Feiere jede heilige Messe so als sei es deine Erste, eine Einzige und deine Letzte.


Gelebte Ökumene

Ich bin dankbar, dass ich im lateinischen Ritus der römisch-katholischen Kirche zu Hause bin. Ich bin aber auch sehr dankbar darüber, dass ganz verschiedene Riten innerhalb der römisch-katholischen Kirche als eine große Familie miteinander leben und beten können.

Juni 2025


Zweimal konnte ich bereits am „Marsch für das Leben“ in Berlin teilnehmen.   Es ist eine wichtige Veranstaltung. Tausende von Menschen ziehen schweigend, betend und singend durch die Straßen Berlins und stehen so ein für das Lebensrecht ungeborener Kinder. Am Straßenrand stehen jedes Mal die Gegner dieser Demonstration. Sie schreien die Lebensschützer an, spucken ihnen nach und verhöhnen Jesus unseren Gott.

„Hätt Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben“.

Der blanke Hass strömt den Christen entgegen, die nichts anders beabsichtigen, als Kinder zu schützen.

 

„Weltförmige“ Christen ernten keinen Hass, denn solche Christen hat die Welt gern. Je klarer und deutlicher die christliche Botschaft verkündet wird, desto größer ist auch der Stachel für die Welt

. Die Welt spürt die Fremdheit der christlichen Botschaft von der Liebe und reagiert mit Abneigung bis zum blinden Hass.


Das Evangelium zu verkünden bedeutet mit der Mittelmäßigkeit der Nachfolge zu brechen, um ganz für Jesu Liebe zu leben. Ich will es wenigstens versuchen. Tag für Tag, Schritt für Schritt.



Luthers fahrender Platzregen


Es ist wichtig, dass wir im persönlichen Leben, aber auch im Leben der Kirchengemeinde den richtigen Zeitpunkt erkennen. Wir erleben zurzeit eine tief greifende Neuorganisation der Erzdiözese Freiburg, von der auch die einzelnen Kirchengemeinden nicht unberührt bleiben. Wenn nicht verschiedene äußere Faktoren (Priester und Gläubigenmangel, schwindende finanzielle Ressourcen, …) uns zu dieser Neustrukturierung gezwungen hätten, so würden wir heute wohl noch so leben wie in den 70er oder 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts.

Unser kirchliches Leben mit seinen regelmäßigen Veranstaltungen verleitet uns aber immer noch zu der Meinung, es sei selbstverständlich immer Gottes Gnadenzeit da. In Wirklichkeit stellt Gott uns in Situationen, die so nie wiederkehren. Er führt Möglichkeiten herbei, die morgen schon verschlossen sein könnten.


Der Strukturwandel, in dem wir stehen, ist auch eine Gnadenzeit. Wenn wir jetzt nicht auf Gott hören und ihn fragen, auf welche Art und Weise wir uns äußerlich, aber vor allem auch innerlich neu aufstellen sollen, dann ist eines Tages diese „Gnadenzeit“ vorbei und wir machen weiter wie bisher.

Martin Luther soll einmal gesagt haben: „Das Evangelium, Gottes Wort und Gnade ist ein fahrender Platzregen, der nicht wiederkommt, wo er einmal gewesen ist, sondern die Sonne und Hitze lecken ihn auf.

Kauft und sammelt ein. Ihr Deutschen dürft nicht denken, dass ihr es ewig haben werdet.“ (1524), in: WA 15,32 1-13


Wir können uns nicht selber die Zeit aussuchen, in der Gott uns seine Gnade schenken möchte. Auch fehlende Entschlossenheit, Bequemlichkeit und mangelndes Vertrauen in Gott können einen „fahrenden Platzregen“ regekrecht auflecken.




Sternsinger nur mit weißer Hautfarbe?


Heute habe ich eine E-Mail empfangen deren Inhalt ich Ihnen anonym vorstelle.


"Beim heutigen Besuch der Sternsinger habe ich mit Überraschung und Erstaunen festgestellt, dass die Figur des Melchior in seiner traditionellen Weise mit dunkler Hautfarbe, nicht dargestellt ist. 

Da die Sternsinger seit Jahren- außer in der Coronazeit- bei uns vorbeikommen, war mir das unerklärlich. Im Gespräch mit den jungen Menschen, kam das Argument: „die dunkle Hautfarbe ist diskriminierend“.

 Mir stellen sich somit die Fragen: 


– was ist daran diskriminierend?

– sollte Melchior in der Weihnachtsgrippe auch ein neutrales Aussehen bekommen?

– welche Wertschätzung hat die katholische Kirche, Menschen dunkler Hautfarbe gegenüber?

– kann ich noch an die Weihnachtsgeschichte glauben?


Ich denke es ist ein Privileg für die Sternsinger- als auch für die christliche Gesellschaft- die „heiligen drei Könige“ darzustellen, wie es unser Brauchtum und unsere Kultur wiedergibt. Diskriminierend und ausgrenzend finde ich den Umgang der katholischen Kirche- wie in diesem Fall- mit Menschen anderer Hautfarbe. Die Bevölkerung der Welt ist vielschichtig. Überall leben katholische Christen, unterschiedliche Ethnien, egal welche Hautfarbe. Auch im Vatikan! Daher ist es für mich in keiner Weise nachvollziehbar, dass es diskriminierend ist, den Melchior nicht mehr dunkel darzustellen!"

Folgendes habe ich geantwortet.


Sehr geehrte ….


Sie sprechen mir aus der Seele!!! Ich halte es für diskriminierend lediglich die weiße Hautfarbe bei den Sternsingern zu bevorzugen. Eigentlich müssten Menschen mit gelber, roter, schwarzer und weiser Hautfarbe unter den Sternsingern zu finden sein, denn alle Nationen gehören zur Gemeinschaft der Kirche. 


Gegen manche dummen Geistesströmungen bin ich leider auch machtlos.


Vielleicht werden wir in unserer Gesellschaft in ein paar Jahren wieder normal.


Herzliche Grüße und segne ich Sie aus der Ferne, Edgar Wunsch, Pfarrer


Januar 2025