Willkomen bei
Pfarrer Edgar Wunsch
Unsere Angebote richten sich an Menschen, die Gott neu entdecken und sich auf das Abenteuer der Nachfolge einlassen möchten. Ein Leben mit Gott ist unheimlich schön und spannend. Ich hoffe, dass für Sie etwas dabei ist.
Pfarrer Edgar Wunsch und Team
tägliche Schriftbetrachtung

Ez 1, 2-5.24-28c Montag, 19. Woch e Am fünften Tag des Monats - es war im fünften Jahr nach der Verschleppung des Königs Jojachin - erging das Wort des Herrn an Ezechiel, den Sohn Busis, den Priester, im Land der Chaldäer, am Fluss Kebar. Dort kam die Hand des Herrn über ihn. Ich sah: Ein Sturmwind kam von Norden, eine große Wolke mit flackerndem Feuer, umgeben von einem hellen Schein. Aus dem Feuer strahlte es wie glänzendes Gold. Mitten darin erschien etwas wie vier Lebewesen. Und das war ihre Gestalt: Sie sahen aus wie Menschen. Ich hörte das Rauschen ihrer Flügel; es war wie das Rauschen gewaltiger Wassermassen, wie die Stimme des Allmächtigen. Wenn sie gingen, glich das tosende Rauschen dem Lärm eines Heerlagers. Wenn sie standen, ließen sie ihre Flügel herabhängen. Ein Rauschen war auch oberhalb der Platte, die über ihren Köpfen war. Wenn sie standen, ließen sie ihre Flügel herabhängen. Oberhalb der Platte über ihren Köpfen war etwas, das wie Saphir aussah und einem Thron glich. Auf dem, was einem Thron glich, saß eine Gestalt, die wie ein Mensch aussah. Oberhalb von dem, was wie seine Hüften aussah, sah ich etwas wie glänzendes Gold in einem Feuerkranz. Unterhalb von dem, was wie seine Hüften aussah, sah ich etwas wie Feuer und ringsum einen hellen Schein. Wie der Anblick des Regenbogens, der sich an einem Regentag in den Wolken zeigt, so war der helle Schein ringsum. So etwa sah die Herrlichkeit des Herrn aus. Als ich diese Erscheinung sah, fiel ich nieder auf mein Gesicht. Und ich hörte, wie jemand redete. Die Lesung schildert uns heute einen ersten Teil der Berufungsgeschichte des Propheten Ezechiel. Gott erscheint dem Propheten, aber Ezechiel kann es kaum in Worte fassen, was er sieht, erlebt und empfindet. Er kann eigentlich nur stammeln und in Vergleichen beschreiben, was ihm widerfährt. So etwa sah die Herrlichkeit des Herrn aus. • wie das Rauschen gewaltiger Wassermassen. • wie die Stimme des Allmächtigen. • eine Gestalt, die wie ein Mensch aussah. • etwas wie glänzendes Gold in einem Feuerkranz. • etwas wie Feuer und ringsum einen hellen Schein. • wie der Anblick des Regenbogens. Und dann endet er mit seiner Beschreibung: So etwa sah die Herrlichkeit des Herrn aus. So etwa sah die Herrlichkeit des Herrn aus. Ich habe gelesen, dass im Durchschnitt jeder Muttersprachler ungefähr 12 000 bis 16 000 Wörter als aktiven Wortschatz kennt. Unsere endlichen menschlichen Worte sind viel zu dürftig, um etwas Unendliches, um Gott zu beschreiben. Es bleibt Ezechiel nichts anderes übrig, als Vergleiche aus seiner damaligen Welt zurate zu ziehen, um Gott zu beschreiben. Er weiß, dass dies ungenügend ist. So etwa sah die Herrlichkeit des Herrn aus. Im Hochgebet der heiligen Messe bete ich jeden Tag: „ … wo wir dich schauen von Angesicht zu Angesicht.“ Eines Tages, wenn wir in den Himmel kommen, werden wir Gott sehen. Dann werden die Schleier fallen und wir brauchen keine menschlichen Vergleiche mehr heranzuziehen, um Gott zu beschreiben. So etwa sah die Herrlichkeit des Herrn aus. Aber ich bezweifle, dass wir auch dann, wenn wir Gott von Angesicht zu Angesicht sehen, sein Wesen ganz ergründen können. Wir werden sicher eine Ewigkeit brauchen, um Gott in seiner Tiefe und seiner Schönheit zu erkennen. So etwa sah die Herrlichkeit des Herrn aus. Wir werden, so hat es einmal jemand gesagt, Gott nicht immer besser erkennen, sondern immer weniger ungenügend. Das wenige, das ich heute schon von Gott erkennen darf, ist jedoch schon so schön, dass es sich lohnt, alles in die Waagschale zu werfen, um diesem Gott immer näherzukommen. Bild: pexels-photo-2530823 / Jorge Fakhouri Filho

Hab 1, 12 – 2, 4 Samstag, 18. Woche 1, 12Herr, bist du nicht seit Urzeiten, mein heiliger Gott? Gewiss werden wir nicht sterben! Herr, du hast sie dazu gerufen, an uns das Gericht zu vollziehen: Du, unser Fels, du hast sie dazu bestimmt, uns zu bestrafen. 13Deine Augen sind zu rein, um Böses mit anzusehen, du kannst der Unterdrückung nicht zusehen. Warum siehst du also den Treulosen zu und schweigst, wenn der Ruchlose den Gerechten verschlingt? 14Warum behandelst du die Menschen wie die Fische im Meer, wie das Gewürm, das keinen Herrn hat? 15Mit der Angel holt er sie alle herauf, er schleppt sie weg in seinem Netz und rafft sie fort in seinem Fischgarn; er freut sich darüber und jubelt. 16Deshalb opfert er seinem Netz und bringt seinem Fischgarn Rauchopfer dar; denn durch sie hat er reichen Gewinn und ein üppiges Mahl. 17Darum zückt er unablässig sein Schwert, um ohne Erbarmen die Völker zu morden. 2, 1Ich will auf meinem Wachtturm stehen, ich stelle mich auf den Wall und spähe aus, um zu sehen, was er mir sagt und was ich auf den Vorwurf gegen mich antworten soll. 2Der Herr gab mir Antwort und sagte: Schreib nieder, was du siehst, schreib es deutlich auf die Tafeln, damit man es mühelos lesen kann! 3Denn erst zu der bestimmten Zeit trifft ein, was du siehst; aber es drängt zum Ende und ist keine Täuschung; wenn es sich verzögert, so warte darauf; denn es kommt, es kommt und bleibt nicht aus. 4Sieh her: Wer nicht rechtschaffen ist, schwindet dahin, der Gerechte aber bleibt wegen seiner Treue am Leben. Warum siehst du also den Treulosen zu? Die Frage, warum Gott dem Unrecht und dem Leid in der Welt scheinbar tatenlos zuschaut, ist eine der schmerzhaftesten Fragen der Menschheit. Der Prophet Habakuk schreit zu Gott: Er sieht Gewalt und Unterdrückung und versteht die Welt nicht mehr. Gott schweigt und greift nicht ein. Er schaut nur zu und lässt das Böse walten. Warum siehst du also den Treulosen zu? Habakuk klagt Gott an. Er wirft ihm vor, wegzuschauen. „Warum siehst du also den Treulosen zu und schweigst, wenn der Ruchlose den Gerechten verschlingt?“ Der gläubige Mensch braucht das Unrecht nicht stumm erdulden. Er darf Gott klagen und er darf Gott auch anklagen. Warum siehst du also den Treulosen zu? Das Gebet darf auch ein Klagen über die Not und selbst ein Anklagen Gottes sein. Gott hält unseren Schmerz und unsere Wut über das Unrecht aus. Die Klage hilft dem leidenden Menschen und tröstet ihn – selbst wenn keine Lösung in Sicht ist. Warum greift Gott nicht ein? Wenn Gott allmächtig ist, müsste er doch jede Gewalttat und jedes Unrecht sofort auslöschen können. Gott könnte doch im Handumdrehen alle bösen Menschen auf dieser Welt sofort austilgen. Ja, aber dann hätten wir ein großes Problem. Dann gäbe es auch dich und mich nicht mehr, denn auch durch mich und durch dich geschehen hin und wieder böse Sachen. Warum greift Gott nicht ein? Gott hat den Menschen mit echtem, freien Willen ausgestattet. Liebe kann nicht programmiert werden; sie ist nur dort echt, wo auch die Fähigkeit zur Freiheit und damit leider auch zu Ablehnung und zur Sünde existiert. Warum greift Gott nicht ein? Wenn Gott bei jedem menschlichen Fehltritt, bei jeder Ungerechtigkeit sofort mechanisch eingreifen würde, gäbe es keine menschliche Freiheit mehr. Wir wären Marionetten. Warum greift Gott nicht ein? Das ungreifbare Schweigen Gottes ist also oft der Preis dafür, dass Gott uns ernst nimmt als eigenständige, freie Wesen – auch wenn wir diese Freiheit erschreckend oft missbrauchen. Bild: pexels-photo-6382710 / Liza S ummer

Nah 2, 1.3; 3, 1–3.6–7 Freitag, 18. Woche 2, 1Seht auf den Bergen die Schritte des Freudenboten! Er verkündet Frieden! Juda, feiere deine Feste, erfülle deine Gelübde! Denn der Unheilstifter durchstreift dein Land nicht mehr; er ist völlig vernichtet. 3Wahrhaftig, der Herr stellt die Pracht Jakobs wieder her wie die Pracht Israels; denn Verwüster haben sie verwüstet und ihre jungen Reben vernichtet. 3, 1Weh der Stadt voll Blutschuld; sie ist nichts als Lüge. Voll von Raffgier ist sie, vom Rauben lässt sie nicht ab. 2Knallen von Peitschen und Gedröhn rasselnder Räder, durchgehende Pferde und holpernde Streitwagen. 3Hochsteigende Reiter, flammende Schwerter, blitzende Lanzen, eine Menge Erschlagener, eine Masse von Toten, kein Ende der Leichen, man stolpert über ihre Leichen. 6Mit Kot bewerfe ich dich, gebe dich der Verachtung preis und mache dich zum Schaustück. 7Dann wird es geschehen Wer immer dich sieht, schreckt vor dir zurück und sagt: Verwüstet ist Nínive. Wer hat Mitleid mit ihr? Wo soll ich suchen einen Tröster für dich? Die Lesung verlangt mir heute einiges ab und wirft Fragen auf. Warum liest man in einem heiligen Buch von so viel Grausamkeit? Wie verträgt sich das mit einem Gott der Liebe? Verwüstet ist Nínive. Die Verse aus dem Buch Nahum gehören zu den gewalttätigsten Texten des Alten Testaments. Sie beschreiben den Untergang Ninives mit drastischen Bildern von Peitschenknallen, rasenden Wagen, Blut, Plünderungen und einer Masse von Toten. Verwüstet ist Nínive. Die Bibel blendet die dunklen Seiten des Menschen nicht aus. Assyrien war historisch für extreme Grausamkeit, Unterdrückung und Terror bekannt. Die Hauptstadt Ninive war das Zentrum eines brutalen Terrorregimes. Die Bibel beschreibt die Realität einer Welt, die unter Gewalt und Unrecht leidet. Verwüstet ist Nínive. Solche Texte schmerzen beim Lesen, weil sie uns mit der dunklen Seite der Menschheit und der Konsequenz von Schuld konfrontieren. Sie stehen in der Bibel, weil dieses Buch nicht nur ein „frommes“ Buch ist, sondern auch ein ehrlicher Spiegel der menschlichen Geschichte. Die Bibel heißt Gewalt nicht für gut, aber sie dokumentiert die Grausamkeit unter den Menschen. Verwüstet ist Kiew. Gestern Morgen habe ich in den Nachrichten gelesen: „Russischer Großangriff auf Region Kiew fordert 17 Menschenleben“. Die Mechanismen von Macht, Terror und Größenwahn haben sich über Jahrtausende hinweg kaum verändert haben. Ist unsere moderne Welt anders als die Zeit im 7. Jahrhundert vor Christus? Seht auf den Bergen die Schritte des Freudenboten! Er verkündet Frieden! Fast hätte ich den ersten Satz überlesen. Das Dunkle in der Lesung war stärker als die frohe Botschaft und überdeckte den ersten Vers. Schlechte Nachrichten übertönen oft die leisen Hoffnungszeichen. Erst als ich die Lesung zum dritten Mal las, bemerkte ich die Freudennachricht. Seht auf den Bergen die Schritte des Freudenboten! Er verkündet Frieden! Das Gute ist stärker – immer! Gott ist und bleibt ein Gott der Liebe, auch im Alten Testament. Das ändert auch die Tatsache nicht, dass Menschen seine Liebe ausschlagen und eigene Wege gehen, die dann ein solches Unglück auslösen können, wie die Lesung beschreibt. Wer Gewalt sät, wird an der eigenen Frucht untergehen. Das Gute ist stärker – immer! Wir dürfen uns von den negativen Nachrichten nicht irremachen lassen. Niemals! Gott hasst das Unglück, Gewalt und Lüge (sofern er überhaupt in der Lage ist zu hassen, denn Gott ist nichts anderes als Liebe). Am Ende triumphiert der Freudenbote, und der Unheilstifter durchstreift das Land nicht mehr. Bild: pexels-photo-15822314-8d0bd445 / Emirhan Emiroğlu

Jer 31, 31–34 Donnerstag, 18. Woche 31Siehe, Tage kommen – Spruch des Herrn —, da schließe ich mit dem Haus Israel und dem Haus Juda einen neuen Bund. 32Er ist nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern geschlossen habe an dem Tag, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen. Diesen meinen Bund haben sie gebrochen, obwohl ich ihr Gebieter war – Spruch des Herrn. 33Sondern so wird der Bund sein, den ich nach diesen Tagen mit dem Haus Israel schließe – Spruch des Herrn: Ich habe meine Weisung in ihre Mitte gegeben und werde sie auf ihr Herz schreiben. Ich werde ihnen Gott sein und sie werden mir Volk sein. 34Keiner wird mehr den andern belehren, man wird nicht zueinander sagen: Erkennt den Herrn!, denn sie alle, vom Kleinsten bis zum Größten, werden mich erkennen – Spruch des Herrn. Denn ich vergebe ihre Schuld, an ihre Sünde denke ich nicht mehr. Alle, vom Kleinsten bis zum Größten, werden mich erkennen. Es stellt sich mir sofort die Frage: Wie geschieht diese Gotteserkenntnis? Wie können Kleine und Große, also Kinder und Erwachsene, Gott erkennen? Bisher lief Gotteserkenntnis dadurch, dass man die Thora, also das Alte Testament, erforschte. Wer das Gesetz verinnerlicht hatte, kannte die Gebote und die Schriften und damit auch Gott. Denn ich vergebe ihre Schuld, an ihre Sünde denke ich nicht mehr Aber heute kommt die Wende: Die Erkenntnis des Herrn gründet auf der Erfahrung von Vergebung. Man erkennt den Herrn nicht an seinem strengen Richteramt, sondern in seiner barmherzigen, vergebenden Liebe. Erst wer erfährt, dass Schuld absolut und endgültig getilgt ist, begreift etwas vom Wesen Gottes. Denn ich vergebe ihre Schuld, an ihre Sünde denke ich nicht mehr Die Erfahrung von Vergebung ist kein theoretisches Wissen über Gott, sondern das existenzielle Erleben seiner Gnade. „Klein und Groß“, also jedes Individuum, unabhängig von Bildung, sozialem Status, Alter oder Vorwissen, hat den gleichen, unmittelbaren Zugang zu Gott. Jeder kann Vergebung gewähren und erfahren. Bild: pexels-photo-17066502 / Danik Prihodko










