Willkomen bei
Pfarrer Edgar Wunsch
Unsere Angebote richten sich an Menschen, die Gott neu entdecken und sich auf das Abenteuer der Nachfolge einlassen möchten. Ein Leben mit Gott ist unheimlich schön und spannend. Ich hoffe, dass für Sie etwas dabei ist.
Pfarrer Edgar Wunsch und Team
tägliche Schriftbetrachtung

Am 3, 1-8; 4, 11-12 Dienstag, 13 Woche 1 Hört dieses Wort, das der HERR über euch gesprochen hat, ihr Israeliten, über den ganzen Stamm, den ich aus Ägypten heraufgeführt habe: 2 Nur euch habe ich von allen Stämmen der Erde erkannt; darum suche ich an euch alle eure Sünden heim. 3 Gehen zwei den gleichen Weg, ohne dass sie sich verabredet haben? 4 Brüllt der Löwe im Wald, wenn er keine Beute hat? Lässt der junge Löwe seine Stimme aus der Höhle erschallen, ohne dass er einen Fang getan hat? 5 Fällt ein Vogel in die Klappfalle auf der Erde, wenn kein Köder für ihn da ist? Springt die Falle vom Boden auf, ohne dass sie etwas fängt? 6 Bläst man in der Stadt das Horn, ohne dass das Volk erschrickt? Geschieht ein Unglück in der Stadt, ohne dass der HERR es tut? 7 Nein, der HERR, mein Gott, tut nichts, ohne dass er seinen Knechten, den Propheten, seinen Ratschluss offenbart hat. 8 Der Löwe brüllt – wer sollte da nicht fürchten? Der HERR, mein Gott, spricht – wer sollte da nicht Prophet werden? 11 Ich habe unter euch eine Umkehrung angerichtet wie die Umkehrung von Sodom und Gomorra durch Gott; ihr wart wie ein Brandscheit, das man aus dem Feuer reißt. Aber ihr seid nicht umgekehrt zu mir – Spruch des HERRN. 12 Darum will ich so mit dir verfahren, Israel. Weil ich so mit dir verfahren will, mach dich bereit, deinem Gott zu begegnen, Israel! Darum will ich dir all das antun. Was bedeutet dieses „all das“? Wie will Gott mit seinem Volk verfahren? Amos lässt bewusst offen, wie dieses „all das“ zu verstehen ist, aber man spürt die Eindringlichkeit dieser kleinen Worte „all das“. Gott wird handeln. So oder so. Die Begegnung mit Gott ist unausweichlich. Darum will ich dir all das antun. Gerade, weil Amos nicht ausdrücklich sagt, was geschieht, wird dieser Vers so eindringlich. Amos nennt das konkrete Handeln Gottes nicht, aber gerade dadurch entsteht eine Spannung. Der Hörer fragt sich: Was wird Gott jetzt tun? Die Antwort lautet gewissermaßen: Das Entscheidende ist gar nicht was, sondern wer kommt. Jetzt kommt der Chef selbst! Mach dich bereit, deinem Gott zu begegnen. Dieser Satz am Ende der Lesung hat es in sich. Er meint nicht: „Überlege dir gut, wie du lebst, denn irgendwann stirbst du und musst vor Gottes Richterstuhl treten. Bekehre dich lieber jetzt!“ Gott meint vielmehr: Jetzt! Jetzt will ich dir begegnen. Mache dich bereit. Jetzt kommt der Chef selbst! Mach dich bereit, deinem Gott zu begegnen. Man spürt. Gott ist kein „Kuschelgott“, der zu allem Ja und Amen sagt. Wenn ein Volk blind für die Zeichen der Zeit ist und taub für die Propheten bleibt, dann bleibt am Ende nur noch die direkte, ungeschützte Konfrontation mit der Realität Gottes. Mach dich bereit, deinem Gott zu begegnen. Wenn wir den Schwerpunkt der heutigen Lesung auf diesen Satz legen, verliert Gott jede Harmlosigkeit. Er lässt sich nicht instrumentalisieren. Der Satz ist ein Aufruf, die eigene Lebensausrichtung radikal zu prüfen. Nicht morgen, sondern jetzt. Jetzt kommt der Chef selbst! Bild:

Am 2, 6-10. 13-16 Montag, 13 Woche 6 So spricht der HERR: Wegen der drei Verbrechen, die Israel begangen hat, wegen der vier nehme ich es nicht zurück: Weil sie den Unschuldigen für Geld verkaufen und den Armen für ein Paar Sandalen. 7 Sie treten die Geringen in den Staub der Erde und drängen die Gebeugten vom Weg ab. Sohn und Vater gehen zum selben Mädchen, um meinen heiligen Namen zu entweihen. 8 Auf gepfändeten Kleidern strecken sie sich aus neben jedem Altar; sie trinken den Wein der Bestraften im Haus ihres Gottes. 9 Und doch habe ich vor ihren Augen die Amoriter vernichtet, die so hoch waren wie die Zedern und so stark wie die Eichen; ich habe oben ihre Frucht vernichtet und unten ihre Wurzeln. 10 Ich war es auch, der euch aus Ägypten heraufgeführt und vierzig Jahre lang durch die Wüste geleitet hat, damit ihr das Land der Amoriter in Besitz nehmt. 13 Seht, ich lasse den Boden unter euch schwanken, wie ein Wagen schwankt, der voll von Garben ist. 14 Da nützt dem Schnellen keine Flucht mehr, der Starke kann seine Kraft nicht aufbieten und der Held rettet sein Leben nicht. 15 Der Bogenschütze hält nicht stand, der Schnellfüßige entkommt nicht und der Reiter rettet sein Leben nicht. 16 Selbst der Tapferste unter den Helden flieht an jenem Tag nackt – Spruch des HERRN. Amos redet nicht um den heißen Brei herum. Er klagt das Nordreich Israel auf dem Höhepunkt seines wirtschaftlichen Wohlstands an. Doch dieser Wohlstand war teuer erkauft: auf Kosten der Schwachen. „Sie verkaufen den Unschuldigen für Geld und den Armen für ein Paar Schuhe.“ Menschenwürde war zur Handelsware geworden. Das Problem: Wenn der Mensch Gott vergisst, verliert er auch den Blick für die Würde des Mitmenschen. Wo Gott keine Rolle mehr spielt, wird der Nächste zum Nutzenobjekt. Ich war es auch, der euch aus Ägypten heraufgeführt hat. Gott erinnert sein Volk an seine größten Taten: Befreiung aus der Sklaverei und Bewahrung in der Wüste. Israel verdankt seine Existenz der Gnade Gottes, doch im Luxus hat das Volk eine „kollektive Amnesie“ entwickelt. Sie genießen die Gaben, haben aber den Geber völlig vergessen. Die Tragik, die Amos anprangert, liegt darin, dass Israel nun genau das tut, wovor Gott sie gerettet hat: Sie versklaven und unterdrücken nun ihre eigenen Brüder und Schwestern. Seht, ich lasse den Boden unter euch schwanken Amos nutzt das Bild eines überladenen Erntewagens, der unter der Last seufzt. Am Ende hilft den Mächtigen weder ihre Schnelligkeit noch ihre Kraft. Die scheinbar sichere Festung des Wohlstands stürzt ein wie ein Kartenhaus. Gott überlässt die Gesellschaft den Konsequenzen ihres eigenen Tuns. Seht, ich lasse den Boden unter euch schwanken Eine Gesellschaft, die auf Egoismus, Ausbeutung und der Verachtung des Schwachen basiert, trägt den Keim ihrer eigenen Zerstörung bereits in sich. Sie verliert ihre innere Stabilität. Das Gericht ist das Offenbarwerden dieser inneren Fäulnis. Für heute. Amos ruft uns heute zu: Erinnert euch! Gottvergessenheit führt unweigerlich zur Menschenvergessenheit. Wenn wir vergessen, dass wir alles – unser Leben, unsere Freiheit, unsere Erde – als Geschenk aus Gottes Hand erhalten haben, werden wir gierig und blind für die Not der anderen. Die heutige Lesung ist kein moralischer Zeigefinger, sondern ein liebevoller, wenn auch drastischer Weckruf: Kehrt um zu Gott. Bild: pexels-photo-29584217 / aboodi vesakaran

Klgl 2, 2.10–14.18–19 Samstag, 12. Woche Vernichtet hat der Herr ohne Mitleid alle Auen des Jakob. Er hat in seinem Grimm niedergerissen die Festen der Tochter Juda, zu Boden gestreckt und entweiht das Königtum und seine Fürsten. 10 Stumm sitzen auf der Erde die Ältesten der Tochter Zion; sie haben Staub auf ihr Haupt gestreut, sich mit Sacktuch umgürtet. Es neigen ihr Haupt zur Erde die Jungfrauen von Jerusalem. 11 Meine Augen vergehen vor Tränen, mein Inneres glüht, mein Herz ist zu Boden geschüttet über den Untergang der Tochter meines Volkes, da Säuglinge und Kindlein verschmachten auf den Plätzen der Stadt. 12 Zu ihren Müttern sagen sie: Wo ist Brot und Wein?, während sie wie tödlich Verwundete verschmachten auf den Plätzen der Stadt, während ihr Leben aushaucht auf dem Schoß ihrer Mütter. 13 Was soll ich dir vorhalten, womit dich vergleichen, Tochter Jerusalem? Was soll ich dir gleichstellen, um dich zu trösten, Jungfrau, Tochter Zion? Denn groß wie das Meer ist dein Bruch. Wer kann dich heilen? 14 Deine Propheten schauten dir Trug und Schales. Sie deckten deine Schuld nicht auf, um dein Geschick zu wenden. Sie schauten dir Sprüche von Trug und Verführung. 18 Schreie laut zum Herrn, o Mauer der Tochter Zion! Lass Tränen fließen wie einen Bach Tag und Nacht! Gönne dir keine Ruhe, dein Auge lasse nicht ab! 19 Steh auf, klage in der Nacht beim Beginn der Nachtwachen! Schütte wie Wasser dein Herz aus vor dem Angesicht des Herrn! Hebe deine Hände zu ihm empor für das Leben deiner Kindlein, die vor Hunger verschmachten an allen Straßenecken! Die Lesung aus dem Buch der Klagelieder ist gut gewählt. Die vergangenen Lesungen haben uns vom Niedergang Jerusalems und der Deportation der Bevölkerung berichtet. Heute wird geklagt. Die Lesung gibt einen Raum für den Schmerz. Flüssiges Gebet Irgendjemand hat einmal vom flüssigen Gebet der Tränen gesprochen. Wenn wir Tränen als „flüssiges Gebet“ verstehen, verändert das unseren Blick auf die Trauer und den Schmerz komplett. Tränen sind dann keine Schwäche mehr und kein Zeichen dafür, dass wir nicht genug glauben. Im Gegenteil: Tränen sind die ehrlichste Sprache der Seele. Tränen brauchen keine Worte: Manchmal sind wir so erschöpft oder verzweifelt, dass uns die Worte fehlen. Gott zu bitten: „Lies meine Tränen“, nimmt uns den Druck, im Gebet „funktionieren“ oder kluge Sätze formulieren zu müssen. Tränen reinigen: Wie ein Bach, der Dreck und Geröll mitreißt, so schwemmen Tränen die aufgestaute Bitterkeit und den Druck aus uns heraus. Sie machen die Seele wieder weich, wo sie starr und verkrustet war. Gott sammelt sie: In den Psalmen gibt es diesen tröstlichen Vers: „Sammle meine Tränen in deinen Krug; ja, du hast sie gezählt“ (Psalm 56,9). Keine einzige Träne fließt unbemerkt an Seinem Herzen vorbei. Wenn das Herz voll ist und die Worte fehlen, ist der Bach der Tränen oft der direkteste Weg zu Gott. Er versteht diese Sprache fließend. Bild: pexels-photo-4584404 / Ketut Subiyanto

2 Kön 25, 1-12 Freitag, 12. Woche Im neunten Jahr der Herrschaft Zedekias, am zehnten Tag des zehnten Monats, kam Nebukadnezar, der König von Babel, mit seiner ganzen Streitmacht vor Jerusalem. Er belagerte es und sie bauten ringsum Belagerungswerke gegen die Stadt. 2 So blieb die Stadt belagert bis zum elften Jahr des Königs Zedekia. 3 Am neunten Tag des vierten Monats, als der Hunger in der Stadt drückte und das Volk des Landes kein Brot mehr hatte, 4 wurde eine Bresche in die Stadtmauer geschlagen. Da flohen alle Krieger in der Nacht auf dem Weg durch das Tor zwischen den beiden Mauern beim Garten des Königs, obwohl die Chaldäer die Stadt ringsum eingeschlossen hielten; und sie schlugen den Weg zur Araba ein. 5 Doch die Streitmacht der Chaldäer setzte dem König nach und sie holten ihn in den Steppen von Jericho ein; seine ganze Streitmacht aber hatte sich von ihm zerstreut. 6 Sie nahmen den König gefangen und brachten ihn zum König von Babel nach Ribla; dort sprach man das Urteil über ihn. 7 Die Söhne Zedekias machte man vor seinen Augen nieder; dann blendete man Zedekia, legte ihn in Bronzeketten und brachte ihn nach Babel. 8 Am siebten Tag des fünften Monats, das war das neunzehnte Jahr des Königs Nebukadnezar, des Königs von Babel, kam Nebusaradan, der Oberste der Leibwache, ein Diener des Königs von Babel, nach Jerusalem. 9 Er verbrannte das Haus des HERRN und das Königshaus und alle Häuser von Jerusalem; jedes große Haus verbrannte er im Feuer. 10 Und die ganze Streitmacht der Chaldäer, die beim Obersten der Leibwache war, riss die Mauern rings um Jerusalem nieder. 11 Den Rest des Volkes, der noch in der Stadt geblieben war, und die Überläufer, die zum König von Babel übergelaufen waren, und den Rest der Handwerker verschleppte Nebusaradan, der Oberste der Leibwache. 12 Von den Ärmsten des Landes aber ließ der Oberste der Leibwache einige als Weinbauern und Ackerbauern zurück. Die Lesung beschreibt einen der dunkelsten Tiefpunkte der biblischen Geschichte: Die Belagerung und den endgültigen Fall Jerusalems, die Blendung des Königs Zedekia nach der Ermordung seiner Söhne, die systematische Zerstörung des Tempels und den Beginn des babylonischen Exils. Nur die Ärmsten des Landes werden als Wein- und Ackerbauern zurückgelassen. Er verbrannte … alle Häuser von Jerusalem Jerusalem galt den Menschen damals als unzerstörbar – dort stand der Tempel, der Wohnort Gottes. Man wiegte sich in einer trügerischen Arroganz: „Uns kann nichts passieren, Gott ist auf unserer Seite.“ Doch die Mauern fielen. Er verbrannte … alle Häuser von Jerusalem Der Bericht von der Zerstörung Jerusalems zeigt mir: Wenn wir Gott auf ein Gebäude, auf starre Traditionen reduzieren, entfremden wir uns von der lebendigen Beziehung zu ihm. Gott lässt die Illusion unserer scheinbaren Sicherheiten einstürzen, damit wir wieder Ihn suchen und nicht nur Seine Gaben. Für Heute Wir leben in einer Zeit, in der viele Menschen erleben, dass vertraute Strukturen ins Wanken geraten: politische Unsicherheiten, Kriege, gesellschaftliche Spannungen, wirtschaftliche Sorgen oder persönliche Krisen. Viele fragen sich, was Bestand hat. Die Lesung aus dem Buch der Könige erinnert daran: • Kein menschliches System ist unerschütterlich. • Erfolg und Wohlstand sind keine Garantie für Sicherheit. Für Heute Die Lesung ist kein Text zum Wohlfühlen, sondern ein Weckruf. Er zeigt, dass Gott radikale Ehrlichkeit fordert. Wenn unsere äußeren Tempel und Mauern brennen, bleibt die Frage: Was trägt uns, wenn alles wegbricht? Die Antwort der Bibel lautet: Nicht unsere Macht oder unsere Institutionen, sondern allein die Treue Gottes, die selbst in den Ruinen mit den „Ärmsten des Landes“ wieder von vorne beginnt. Bild: pexels-photo-15070507 / Mehmet Turgut Kirkgoz










