Dan 1, 1-6.8-20 Montag, 34. Woche
Im dritten Jahr der Herrschaft des Königs Jojakim von Juda zog Nebukadnezzar, der König von Babel, gegen Jerusalem und belagerte es. Und der Herr gab König Jojakim von Juda sowie einen Teil der Geräte aus dem Haus Gottes in Nebukadnezzars Gewalt. Er verschleppte sie in das Land Schinar, in den Tempel seines Gottes, die Geräte aber brachte er in das Schatzhaus seines Gottes. Dann befahl der König seinem Oberkämmerer Aschpenas, einige junge Israeliten an den Hof zu bringen, Söhne von königlicher Abkunft oder wenigstens aus vornehmer Familie; sie sollten frei von jedem Fehler sein, schön an Gestalt, in aller Weisheit unterrichtet und reich an Kenntnissen; sie sollten einsichtig und verständig sein und geeignet, im Palast des Königs Dienst zu tun; Aschpenas sollte sie auch in Schrift und Sprache der Chaldäer unterrichten. Als tägliche Kost wies ihnen der König Speisen und Wein von der königlichen Tafel zu. Sie sollten drei Jahre lang ausgebildet werden und dann in den Dienst des Königs treten. Unter diesen jungen Männern waren aus dem Stamm Juda Daniel, Hananja, Mischaël und Asarja. Daniel war entschlossen, sich nicht mit den Speisen und dem Wein der königlichen Tafel unrein zu machen, und er bat den Oberkämmerer darum, sich nicht unrein machen zu müssen. Gott ließ ihn beim Oberkämmerer Wohlwollen und Nachsicht finden. Der Oberkämmerer sagte aber zu Daniel: Ich fürchte mich vor meinem Herrn, dem König, der euch die Speisen und Getränke zugewiesen hat; er könnte finden, dass ihr schlechter ausseht als die anderen jungen Leute eures Alters; dann wäre durch eure Schuld mein Kopf beim König verwirkt. Da sagte Daniel zu dem Mann, den der Oberkämmerer als Aufseher für ihn selbst sowie für Hananja, Mischaël und Asarja eingesetzt hatte: Versuch es doch einmal zehn Tage lang mit deinen Knechten! Lass uns nur pflanzliche Nahrung zu essen und Wasser zu trinken geben! Dann vergleiche unser Aussehen mit dem der jungen Leute, die von den Speisen des Königs essen. Je nachdem, was du dann siehst, verfahr weiter mit deinen Knechten! Der Aufseher nahm ihren Vorschlag an und machte mit ihnen eine zehntägige Probe. Am Ende der zehn Tage sahen sie besser und wohlgenährter aus als all die jungen Leute, die von den Speisen des Königs aßen. Da ließ der Aufseher ihre Speisen und auch den Wein, den sie trinken sollten, beiseite und gab ihnen Pflanzenkost. Und Gott verlieh diesen vier jungen Leuten Wissen und Verständnis in jeder Art Schrifttum und Weisheit; Daniel verstand sich auch auf Visionen und Träume aller Art. Als ihre Zeit zu Ende war und man sie vor den König bringen musste, wie er es bestimmt hatte, stellte sie der Oberkämmerer dem Nebukadnezzar vor. Der König unterhielt sich mit ihnen und fand Daniel, Hananja, Mischaël und Asarja allen anderen überlegen. Sie traten also in den Dienst des Königs. Sooft der König in Fragen, die Weisheit und Einsicht erfordern, ihren Rat einholte, fand er sie allen Zeichendeutern und Wahrsagern in seinem ganzen Reich zehnmal überlegen.
In der letzten Woche im Jahreskreis begleiten uns ausgewählte Lesungen auch dem alttestamentlichen Buch Daniel. Folgendes entnehme ich der Einleitung zur Lesung im Schott.
Kapitel 1-6: Hier lesen wir von Daniel und seinen Freunden, die unter Nebukadnezzar II. an den Hof von Babel kamen. Kapitel 7-12: Der zweite Teil des Danielbuches berichtet von apokalyptischen Visionen. Das ganze Interesse richtet sich auf die Zukunft: auf das, was geschehen wird.
Daniel bat darum, sich nicht unrein machen zu müssen.
Daniel und weitere junge Juden wurden im Auftrag des babylonischen Königs Nebukadnezar an den königlichen Hof in Babel verschleppt. Sie wurden vorbereitet, um später im königlichen Palast bestimmte Aufgaben übernehmen zu können. Hierfür sollten sie nicht nur die Bräuche der Babylonier kennen, sondern diese auch übernehmen. Sie sollten also umerzogen werden und ihren jüdischen Glauben aufgeben.
Daniel bat darum, sich nicht unrein machen zu müssen.
Aber es gab einen Punkt, an dem Daniel nicht über seinen eigenen Schatten springen konnte. Er war bereit, Kompromisse einzugehen, aber als von ihm gefordert wurde, nicht koschere Speise zu sich zu nehmen, weigerte er sich. Das Gebot Gottes war ihm wichtiger als der Befehl des Königs. Er suchte nach Lösungen, um seinem Glauben treu zu bleiben.
Daniel bat darum, sich nicht unrein machen zu müssen.
Daniels ist ein Vorbild auch für unsre Zeit. Er sonderte sich nicht von der Welt, in der er lebte ab, aber er blieb seinen religiösen Überzeugungen treu. Er bekannte Farbe! Er beugte sich nicht dem Druck seiner Umwelt.
Auch wir werden häufig bedrängt, unsere Maßstäbe aufzugeben und unseren Lebensstil dem unserer Umwelt anzupassen. Immer ist es die gleiche Frage: Was ist mir wichtiger? Meine Treue zu Gott, oder die Meinung der Leute. Wir müssen wie Daniel den festen Entschluss fassen, Gott zu gehorchen.
Dan 2, 31-45 Dienstag, 34. Woche
In jenen Tagen sagte Daniel zu Nebukadnezzar: Du, König, hattest eine Vision: Du sahst ein gewaltiges Standbild. Es war groß und von außergewöhnlichem Glanz; es stand vor dir und war furchtbar anzusehen. An diesem Standbild war das Haupt aus reinem Gold; Brust und Arme waren aus Silber, der Körper und die Hüften aus BronzeDie Beine waren aus Eisen, die Füße aber zum Teil aus Eisen, zum Teil aus Ton. Du sahst, wie ohne Zutun von Menschenhand sich ein Stein von einem Berg löste, gegen die eisernen und tönernen Füße des Standbildes schlug und sie zermalmte. Da wurden Eisen und Ton, Bronze, Silber und Gold mit einemmal zu Staub. Sie wurden wie Spreu auf dem Dreschplatz im Sommer. Der Wind trug sie fort, und keine Spur war mehr von ihnen zu finden. Der Stein aber, der das Standbild getroffen hatte, wurde zu einem großen Berg und erfüllte die ganze Erde. Das war der Traum. Nun wollen wir dem König sagen, was er bedeutet. Du, König, bist der König der Könige; dir hat der Gott des Himmels Herrschaft und Macht, Stärke und Ruhm verliehen. Und in der ganzen bewohnten Welt hat er die Menschen, die Tiere auf dem Feld und die Vögel am Himmel in deine Hand gegeben; dich hat er zum Herrscher über sie alle gemacht: Du bist das goldene Haupt. Nach dir kommt ein anderes Reich, geringer als deines; dann ein drittes Reich, von Bronze, das die ganze Erde beherrschen wird. Ein viertes endlich wird hart wie Eisen sein; Eisen zerschlägt und zermalmt ja alles; und wie Eisen alles zerschmettert, so wird dieses Reich alle anderen zerschlagen und zerschmettern. Die Füße und Zehen waren, wie du gesehen hast, teils aus Töpferton, teils aus Eisen; das bedeutet: Das Reich wird geteilt sein; es wird aber etwas von der Härte des Eisens haben, darum hast du das Eisen mit Ton vermischt gesehen. Dass aber die Zehen teils aus Eisen, teils aus Ton waren, bedeutet: Zum Teil wird das Reich hart sein, zum Teil brüchig. Wenn du das Eisen mit Ton vermischt gesehen hast, so heißt das: Sie werden sich zwar durch Heiraten miteinander verbinden; doch das eine wird nicht am anderen haften, wie sich Eisen nicht mit Ton verbindet. Zur Zeit jener Könige wird aber der Gott des Himmels ein Reich errichten, das in Ewigkeit nicht untergeht; dieses Reich wird er keinem anderen Volk überlassen. Es wird alle jene Reiche zermalmen und endgültig vernichten; es selbst aber wird in alle Ewigkeit bestehen. Du hast ja gesehen, dass ohne Zutun von Menschenhand ein Stein vom Berg losbrach und Eisen, Bronze und Ton, Silber und Gold zermalmte. Der große Gott hat den König wissen lassen, was dereinst geschehen wird. Der Traum ist sicher und die Deutung zuverlässig
Du sahst, wie ohne Zutun von Menschenhand sich ein Stein von einem Berg löste, gegen die eisernen und tönernen Füße des Standbildes schlug und sie zermalmte.
König Nebukadnezar hatte einen sehr beunruhigenden Traum. Er sah ein gewaltiges Standbild, das aus den verschiedensten Materialien gebaut worden war. Brust und Arme waren aus Silber, der Körper und die Hüften aus Bronze. Die Beine waren aus Eisen, die Füße aber zum Teil aus Eisen, zum Teil aus Ton.
Du sahst, wie ohne Zutun von Menschenhand sich ein Stein von einem Berg löste, gegen die eisernen und tönernen Füße des Standbildes schlug und sie zermalmte.
Niemand, keiner der Wahrsager und Traumdeuter seines Landes konnte den Traum deuten, nur Daniel war imstande, dem König diesen Traum zu deuten. Mit dieser Statue werden die großen Weltreiche beschrieben, alle keinen Bestand haben werden. Alle Reiche werden untergehen, aber ein Reich wird kommen, das in alle Ewigkeit besteht. Daniel sagt bereits das Kommen Christi voraus, der am Ende der Welt ein neues Reich schaffen und aufbauen wird.
Du sahst, wie ohne Zutun von Menschenhand sich ein Stein von einem Berg löste, gegen die eisernen und tönernen Füße des Standbildes schlug und sie zermalmte.
Die großen und gewaltigen Reiche der Perser, Griechen und Römer hatten nur kurze Zeit Bestand und verschwanden dann sang- und klanglos von der Bildfläche und von der Landkarte.
In den zurückliegenden Jahrzehnten habe ich immer wieder miterlebt, wie durch Kriege, aber auch durch friedliche Entwicklungen Staaten untergingen und Landesgrenzen sich verschoben. Denken wir an das ehemalige Jugoslawien. Denken wir an den Untergang Ostdeutschlands.
Du sahst, wie ohne Zutun von Menschenhand sich ein Stein von einem Berg löste, gegen die eisernen und tönernen Füße des Standbildes schlug und sie zermalmte.
Es bedarf nur einer kleinen Ursache und unsere schöne Ordnung wird durcheinandergewirbelt. Wir dürfen nicht annehmen, dass unsere jetzige politische und gesellschaftliche Situation für alle und ewige Zeiten Bestand haben wird. Auch die Zeit in der wir leben ist nur vorübergehend.
Einmal jedoch wird das Reich Christi auf dieser Erde errichtet, es wird ein Reich der Liebe und ein Reich des Friedens sein, ein Reich, das dann für alle und ewige Zeiten Bestand haben wird. Darauf freue ich mich.
Dan 3, 14-21.49.91-92.95 Mittwoch, 5. Fast Wo
In jenen Tagen sprach König Nebukadnezzar: Ist es wahr, Schadrach, Meschach und Abed-Nego: Ihr verehrt meine Götter nicht und betet das goldene Standbild nicht an, das ich errichtet habe? Nun, wenn ihr bereit seid, sobald ihr den Klang der Hörner, Pfeifen und Zithern, der Harfen, Lauten und Sackpfeifen und aller anderen Instrumente hört, sofort niederzufallen und das Standbild anzubeten, das ich habe machen lassen, ist es gut; betet ihr es aber nicht an, dann werdet ihr noch zur selben Stunde in den glühenden Feuerofen geworfen.
Welcher Gott kann euch dann aus meiner Gewalt erretten? Schadrach, Meschach und Abed-Nego erwiderten dem König Nebukadnezzar: Wir haben es nicht nötig, dir darauf zu antworten: Wenn überhaupt jemand, so kann nur unser Gott, den wir verehren, uns erretten; auch aus dem glühenden Feuerofen und aus deiner Hand, König, kann er uns retten. Tut er es aber nicht, so sollst du, König, wissen: Auch dann verehren wir deine Götter nicht und beten das goldene Standbild nicht an, das du errichtet hast. Da wurde Nebukadnezzar wütend; sein Gesicht verzerrte sich vor Zorn über Schadrach, Meschach und Abed-Nego. Er ließ den Ofen siebenmal stärker heizen, als man ihn gewöhnlich heizte. Dann befahl er, einige der stärksten Männer aus seinem Heer sollten Schadrach, Meschach und Abed-Nego fesseln und in den glühenden Feuerofen werfen. Da wurden die Männer, wie sie waren - in ihren Mänteln, Röcken und Mützen und den übrigen Kleidungsstücken - gefesselt und in den glühenden Feuerofen geworfen. Aber der Engel des Herrn war zusammen mit Asarja und seinen Gefährten in den Ofen hinabgestiegen. Er trieb die Flammen des Feuers aus dem Ofen hinaus. Da erschrak der König Nebukadnezzar; er sprang auf und fragte seine Räte: Haben wir nicht drei Männer gefesselt ins Feuer geworfen? Sie gaben dem König zur Antwort: Gewiss, König! Er erwiderte: Ich sehe aber vier Männer frei im Feuer umhergehen. Sie sind unversehrt, und der vierte sieht aus wie ein Göttersohn. Da rief Nebukadnezzar aus: Gepriesen sei der Gott Schadrachs, Meschachs und Abed-Negos. Denn er hat seinen Engel gesandt und seine Diener gerettet. Im Vertrauen auf ihn haben sie lieber den Befehl des Königs missachtet und ihr Leben dahingegeben, als dass sie irgendeinen anderen als ihren eigenen Gott verehrten und anbeteten
Wir kehren wieder zurück zu jener Bibelstelle, die wir bereits am Dienstag, 3. Fastenwoche gelesen haben. (Dan 3, 25.34-43).
Ist es wahr, Schadrach, Meschach und Abed-Nego
»Ist es wahr?« drückt Erstaunen aus. Spürt Nebukadnezar das egoistische Interesse der Verleumder? Ist er überrascht, dass so treue Diener angeklagt werden? Oder beides miteinander? …
Ihr verehrt meine Götter nicht
Es steht einiges auf dem Spiel. Nebukadnezars Worte klingen fast so, als wolle er die jungen Juden retten und zur Besinnung rufen. »Meinen Gott« nicht zu verehren, versteht der Heide Nebukadnezar nicht, der doch alle Götter anbeten kann und selbst »euren Gott« angebetet hat. Und wie könnte Nebukadnezar erlauben, dass gerade »sein Gott« Marduk »nicht verehrt« wird! Er würde ja den Götterzorn über ganz Babylonien herabziehen!
Ihr verehrt meine Götter nicht
Es ist eben nicht »egal«, was ein Mensch glaubt! Hier stoßen wir aber auch auf die Tatsache, dass der biblische Glaube in den Augen der Umwelt zu aller Zeit intolerant war. Für Nebukadnezar gibt es viele Heilswege – je mehr, desto besser. Für den biblischen Glauben gibt es nur einen Heilsweg – je weniger andere locken, desto besser.
Ihr verehrt meine Götter nicht
Für biblisches Denken, Glauben und Bekennen ist eine Einheit der Religionen oder eine Ökumene der Religionen geradezu lästerlich. Darum werden die Leute Gottes die schlimmsten Störenfriede des Antichrist sein und unter den Boykott der gesamten Gesellschaft gestellt werden.
Wenn ihr bereit seid
Nebukadnezar baut den drei Todgeweihten eine goldene Brücke.
Dieser Augenblick ist der gefährlichste im ganzen Kapitel. Wenn man in Glaubensdingen mit Liebe und Wohlwollen kommt, wird es für uns viel schwerer, standhaft zu bleiben. Verführung ist immer gefährlicher als Verfolgung. Die Verführung steigert sich zur Versuchung. Denn die Wahl für die drei Freunde lautet: Äußerlich vollziehen, was Nebukadnezar verlangt und was man innerlich gar nicht bejahen muss, oder Feuertod.
Hier hätten wohl manche der heutigen Bischöfe (und Priester) gesagt: »Fallt nieder! Ihr sollt euch ja nicht zum Götzendienst bekehren. Ihr sollt nur euer Leben retten und einen Staatsakt begehen, den die ganze Welt ohne weiteres begangen hat.« (vgl. Gerhard Maier, Der Prophet Daniel, Wuppertaler Studienbibel (Holzgerlingen: SCM R. Brockhaus, 2018
Dan 3, 25.34-43 Dienstag, 3. Fast Wo
In jenen Tagen sprach Asarja mitten im Feuer folgendes Gebet: Um deines Namens willen, Herr, verwirf uns nicht für immer; löse deinen Bund nicht auf! Versag uns nicht dein Erbarmen, deinem Freund Abraham zuliebe, deinem Knecht Isaak und Israel, deinem Heiligen, denen du Nachkommen verheißen hast so zahlreich wie die Sterne am Himmel und wie der Sand am Ufer des Meeres. Ach, Herr, wir sind geringer geworden als alle Völker. In aller Welt sind wir heute wegen unserer Sünden erniedrigt.
38Wir haben in dieser Zeit weder Vorsteher noch Propheten und keinen, der uns anführt, weder Brandopfer noch Schlachtopfer, weder Speiseopfer noch Räucherwerk, noch einen Ort, um dir die Erstlingsgaben darzubringen und um Erbarmen zu finden bei dir. Du aber nimm uns an! Wir kommen mit zerknirschtem Herzen und demütigem Sinn. Wie Brandopfer von Widdern und Stieren, wie Tausende fetter Lämmer, so gelte heute unser Opfer vor dir und verschaffe uns bei dir Sühne. Denn wer dir vertraut, wird nicht beschämt. Wir folgen dir jetzt von ganzem Herzen, fürchten dich und suchen dein Angesicht. Überlass uns nicht der Schande, sondern handle an uns nach deiner Milde, nach deinem überreichen Erbarmen! Errette uns, deinen wunderbaren Taten entsprechend; verschaff deinem Namen Ruhm, Herr!
Die Lesung berichtet nur vom zweiten Teil jenes Gebetes, das Asarja im Feuerofen gesprochen hat. Lesen Sie einmal nach: mitten im Feuer beginnt er ein Lobgebet, welches dann aber in ein Bitt- und Klagegebet übergeht.
Das Gebet des Asarja entsteht nicht nach der Rettung, sondern mitten in der Gefahr. Der Glaube spricht hier nicht aus der Sicherheit heraus, sondern aus der Krise.
Wir haben … keinen, der uns anführt
Der Grund für die Krise, in der sich das Volk befindet, wird in Vers 38 genannt: "Wir haben in dieser Zeit weder Vorsteher noch Propheten und keinen, der uns anführt." Asarja beschreibt im Gebet eine Situation radikaler geistlicher Armut. Alles, was früher selbstverständlich war – Tempel, Opfer, religiöse Ordnung – ist verschwunden. Der Glaube steht gewissermaßen nackt vor Gott.
Für heute
Ich erlebe heute etwas Ähnliches wie das, was Asarja beschreibt: Religiöse Selbstverständlichkeiten verschwinden, kirchliche Strukturen verlieren ihre Kraft, viele wissen nicht mehr, woran sie glauben sollen. In gewisser Weise lebt der Glaube heute wieder in einer Situation ohne Tempel und ohne Opfer – zumindest ohne die kulturelle Selbstverständlichkeit des Glaubens.
Für heute
Der Text aus Daniel zeigt: Gerade solche Zeiten können eine Reinigung des Glaubens sein. Wenn Tradition allein nicht mehr trägt, stellt sich die eigentliche Frage neu: Vertraue ich Gott – oder nur den Strukturen, die einmal um den Glauben herum entstanden sind?
Für heute
Der Feuerofen ist deshalb nicht nur ein Bild für Verfolgung. Er ist auch ein Bild für Läuterung. Feuer zerstört – aber es reinigt auch Metall von Schlacken. In der Bibel wird Gott deshalb oft mit einem „läuternden Feuer“ verglichen.
Das bedeutet: Wenn alle äußeren Formen zerbrechen, bleibt noch das Entscheidende – das Herz, das sich Gott neu zuwendet.
Für heute
Das Gebet des Asarja endet nicht mit Resignation, sondern mit Vertrauen. Er hofft nicht auf eigene Stärke, sondern auf Gottes Treue. Und genau darin liegt die eigentliche Hoffnung des Textes:
Nicht der Mensch hält Gott fest – Gott hält den Menschen fest, selbst im Feuer.
Dan 5, 1-6.13-14.16-17.23-28 Mittwoch, 34. Woche
In jenen Tagen gab König Belschazzar ein großes Gastmahl für seine Großen; es waren tausend Menschen, und zusammen mit den Tausend sprach er dem Wein zu. In seiner Weinlaune nun ließ Belschazzar die goldenen und silbernen Gefäße holen, die sein Vater Nebukadnezzar aus dem Tempel in Jerusalem mitgenommen hatte. Jetzt sollten der König und seine Großen, seine Frauen und Nebenfrauen daraus trinken. Man holte also die goldenen Gefäße, die man aus dem Tempel des Gotteshauses in Jerusalem mitgenommen hatte, und der König und seine Großen, seine Frauen und Nebenfrauen tranken daraus. Sie tranken Wein und lobten die Götter aus Gold und Silber, aus Bronze, Eisen, Holz und Stein. In derselben Stunde erschienen die Finger einer Menschenhand und schrieben gegenüber dem Leuchter etwas auf die weißgetünchte Wand des königlichen Palastes. Der König sah den Rücken der Hand, als sie schrieb. Da erbleichte er, und seine Gedanken erschreckten ihn. Seine Glieder wurden schwach, und ihm schlotterten die Knie. Daniel wurde vor den König gebracht, und der König sagte zu ihm: Du also bist Daniel, einer von den verschleppten Juden, die mein Vater, der König, aus Juda hierher gebracht hat. In dir, so habe ich gehört, ist der Geist der Götter, und bei dir fand man Erleuchtung und Einsicht und außergewöhnliche Weisheit. Doch du, so habe ich gehört, kannst Deutungen geben und schwierige Fragen lösen. Wenn du nun die Schrift lesen und mir deuten kannst, sollst du in Purpur gekleidet werden, um den Hals eine goldene Kette tragen und als der Dritte in meinem Reich herrschen. Daniel gab dem König zur Antwort: Behalte deine Gaben oder schenk sie einem andern! Aber die Schrift will ich für den König lesen und deuten. Du hast dich gegen den Herrn des Himmels erhoben und dir die Gefäße aus seinem Tempel herbeischaffen lassen. Du und deine Großen, deine Frauen und Nebenfrauen, ihr habt daraus Wein getrunken. Du hast die Götter aus Gold und Silber, aus Bronze, Eisen, Holz und Stein gepriesen, die weder sehen noch hören können und keinen Verstand haben. Aber den Gott, der deinen Lebensatem in seiner Hand hat und dem all deine Wege gehören, den hast du nicht verherrlicht. Darum hat er diese Hand geschickt und diese Schrift geschrieben. Das Geschriebene lautet aber: Mene mene tekel u-parsin. Diese Worte bedeuten: Mene: Gezählt hat Gott die Tage deiner Herrschaft und macht ihr ein Ende. Tekel: Gewogen wurdest du auf der Waage und zu leicht befunden. Peres: Geteilt wird dein Reich und den Medern und Persern gegeben.
Belschazzar ließ die goldenen und silbernen Gefäße holen
Das dieser Belschazzar hier in Daniel 5 tut, so etwas hatte selbst Nebukadnezar nie getan: Belschazzar hatte keinen Respekt vor heiligen Dingen, und in seiner Gottlosigkeit und Frechheit lässt er die heiligen Gefäße der Juden holen. Offenbar hatte er sich nach mehrfachem Genuss von dem Wein gehen lassen. Wenn der Wein seine Wirkung zeigt, dann brechen die Dämme in Bezug auf Sitte und Moral – und wie wir hier sehen auch im Blick auf religiöse Themen – sehr schnell.
Belschazzar ließ die goldenen und silbernen Gefäße holen
Dann kann es sehr schnell dazu kommen, dass gespottet und geschmäht wird über heilige Dinge (Ps 69,13; Spr 31,4). Allerdings sagt das Wort hier nicht, dass Belschazzar betrunken war, es heißt nur, dass der Wein ihm schmeckte, und das ist sicher eine Gefahr. Es wird ihm vollkommen bewusst gewesen sein, was er da tat, als er die heiligen Geräte des Tempeldienstes holen ließ. Und er wird auch vollkommen verantwortlich gemacht dafür. Nebukadnezar hatte diese heiligen Gefäße dem gottgemäßen Gebrauch entzogen, aber Belschazzar hatte sie dem frivolen Missbrauch preisgegeben.
Belschazzar ließ die goldenen und silbernen Gefäße holen
Für Gott waren diese Gefäße noch heilig; was die Menschen und sogar Sein eigenes Volk damit getan haben mochten – für Ihn waren das immer noch die heiligen Gefäße. In diesen Gefäßen war Gott gedient worden und Er war in diesem Dienst verherrlicht worden. Gott sieht das noch so! Und deshalb war es eine absolute Entheiligung, als dieser heidnische Monarch sich damit über den wahren Gott praktisch lustig machte.
Belschazzar ließ die goldenen und silbernen Gefäße holen
Belschazzar steigt gleichsam in den Ring und meint, er könne es mit einem anderen Gott aufnehmen. Aber das Gericht darüber kommt schnell und ohne Aufruf zur Buße, anders als bei Nebukadnezar. Gott nimmt die Dinge ernst und Er sieht die Gefäße als heilig an – auch in Tagen des Verfalls. (entnommen aus: www.bibelstudium.de/)
Belschazzar ließ die goldenen und silbernen Gefäße holen
Wir verwenden in der Feier der Eucharistie auch heilige Dinge. Der Kelch, die Hostienschalen, die Monstranz, der Tabernakel, das alles sind Dinge, die unmittelbar mit Gott in Berührung kommen. Wir können sie nicht für weltliche Dinge verwenden, sie sind ganz reserviert für den Dienst vor Gott. Ich möchte stets diese Gegenstände mit großer Ehrfurcht und großem Respekt behandeln und nicht zulassen, dass mit ihnen Schindluder getrieben wird.
Dan 6, 12-28 Donnerstag, 34. Woche
In jenen Tagen schlichen sich die obersten Beamten heran und fanden Daniel, wie er zu seinem Gott betete und flehte. Darauf gingen sie zum König und erinnerten ihn an sein Verbot; sie sagten: O König, hast du nicht ein Verbot unterzeichnet, nach dem jeder, der innerhalb von dreißig Tagen an irgendeinen Gott oder Menschen außer an dich, König, eine Bitte richtet, in die Löwengrube geworfen werden soll? Der König gab zur Antwort: Die Anordnung steht fest nach dem unwandelbaren Gesetz der Meder und Perser. Da berichteten sie dem König: Daniel, einer von den verschleppten Juden, achtet weder dich, König, noch das Verbot, das du unterschrieben hast, sondern verrichtet dreimal am Tag sein Gebet. Als der König das hörte, war es ihm sehr peinlich, und er dachte nach, wie er Daniel retten könne. Bis Sonnenuntergang bemühte er sich, ihn freizubekommen. Doch jene Männer bestürmten ihn und sagten: Bedenke, König, es ist bei den Medern und Persern Gesetz, dass jedes Verbot und Dekret, das der König erlässt, unabänderlich ist. Darauf befahl der König, Daniel herzubringen, und man warf ihn zu den Löwen in die Grube. Der König sagte noch zu Daniel: Möge dein Gott, dem du so unablässig dienst, dich erretten. Und man nahm einen großen Stein und wälzte ihn auf die Öffnung der Grube. Der König versiegelte ihn mit seinem Siegel und den Siegeln seiner Großen, um zu verhindern, dass an der Lage Daniels etwas verändert würde. Dann ging der König in seinen Palast; fastend verbrachte er die Nacht; er ließ sich keine Speisen bringen und konnte keinen Schlaf finden. früh am Morgen, als es gerade hell wurde, stand der König auf und ging in Eile zur Löwengrube. Als er sich der Grube näherte, rief er mit schmerzlicher Stimme nach Daniel und fragte: Daniel, du Diener des lebendigen Gottes! Hat dein Gott, dem du so unablässig dienst, dich vor den Löwen erretten können? Daniel antwortete ihm: O König, mögest du ewig leben. Mein Gott hat seinen Engel gesandt und den Rachen der Löwen verschlossen. Sie taten mir nichts zuleide; denn in seinen Augen war ich schuldlos, und auch dir gegenüber, König, bin ich ohne Schuld. Darüber war der König hoch erfreut und befahl, Daniel aus der Grube herauszuholen. So wurde Daniel aus der Grube herausgeholt; man fand an ihm nicht die geringste Verletzung, denn er hatte seinem Gott vertraut. Nun aber ließ der König die Männer herbeiholen, die Daniel verklagt hatten, und ließ sie mit ihren Kindern und Frauen in die Löwengrube werfen. Sie waren noch nicht am Boden der Grube angelangt, da stürzten sich die Löwen auf sie und zermalmten ihnen alle Knochen. Daraufhin schrieb König Darius an alle Völker, Nationen und Sprachen auf der ganzen Erde: Friede sei mit euch in Fülle! Hiermit ordne ich an: Im ganzen Gebiet meines Reiches soll man vor dem Gott Daniels zittern und sich vor ihm fürchten. Denn er ist der lebendige Gott; er lebt in Ewigkeit. Sein Reich geht niemals unter; seine Herrschaft hat kein Ende. Er rettet und befreit; er wirkt Zeichen und Wunder am Himmel und auf der Erde; er hat Daniel aus den Tatzen der Löwen errettet.
Daniel in der Löwengrube.
Ein neuer König kommt an die Macht. Die auf Daniel eifersüchtigen Hofbeamten, zetteln eine Intrige an. Daniel stand so auf verlorenem Posten. Obwohl er das Gesetz kannte, das Verbot, irgendjemand außer dem König anzubeten, betete er weiterhin dreimal täglich. Daniel betete weiterhin, weil er vom König nicht die Führung und Stärke erwarten konnte, die er in dieser schwierigen Zeit benötigte. Nur Gott konnte ihm geben, was er wirklich brauchte. Wir wollen nicht zulassen, dass unsere Gebetszeit durch irgendwelche Drohungen oder Zwänge beschnitten wird. Es ist wichtig, regelmäßig und ohne Rücksicht auf die Umstände zu beten, denn das Gebet ist unsere Lebensader, die uns mit Gott verbindet.
Daniel in der Löwengrube.
Löwen wurden eingesetzt, um Menschen hinzurichten. Aber Gott hat Mittel und Wege, um seine Leute zu befreien, die für uns unvorstellbar sind. Es ist immer voreilig, aufzugeben oder nachzugeben, wenn wir von Ungläubigen unter Druck gesetzt werden, weil Gott eine Macht hat, von der sie nichts wissen. Gott kann sogar Löwen das Maul verschließen.
Daniel in der Löwengrube.
Habt keine Angst, fürchtet kein Unheil, auch wenn die Umstände, unter denen ihr arbeiten müsst, widerwärtig sind, schlimmer vielleicht als bei Daniel in der Grube der hungrigen Raubtiere. Der Arm Gottes ist auch jetzt so mächtig wie einst und würde, wenn nötig, Wunder vollbringen. Bleibt treu! Habt eine liebende, bewusste, freudige Treue zur Lehre Christi und seid davon überzeugt, dass unsere Zeiten nicht schlimmer als die früheren sind und dass der Herr stets derselbe bleibt.
Daniel in der Löwengrube.
Ich habe einen alten Priester gekannt, der lächelnd von sich sagte: Ich bin immer ruhig, ganz ruhig. So soll es auch mit uns sein: inmitten der Welt, von hungrigen Löwen umgeben, und doch voll Frieden und ruhig, in Liebe, in Glaube, in Hoffnung, und ohne je zu vergessen, dass der Herr vielfache Wunder wirken wird, wenn es nottut. (Entnommen: https://jesusimpuls.de/)
Dan 7, 2-14 Freitag, 34. Woche
Ich, Daniel, hatte während der Nacht eine Vision: Die vier Winde des Himmels wühlten das große Meer auf. Dann stiegen aus dem Meer vier große Tiere herauf; jedes hatte eine andere Gestalt. Das erste war einem Löwen ähnlich, hatte jedoch Adlerflügel. Während ich es betrachtete, wurden ihm die Flügel ausgerissen; es wurde vom Boden emporgehoben und wie ein Mensch auf zwei Füße gestellt, und es wurde ihm ein menschliches Herz gegeben. Dann erschien ein zweites Tier; es glich einem Bären und war nach einer Seite hin aufgerichtet. Es hielt drei Rippen zwischen den Zähnen in seinem Maul, und man ermunterte es: Auf, friss noch viel mehr Fleisch! Danach sah ich ein anderes Tier; es glich einem Panther, hatte aber auf dem Rücken vier Flügel, wie die Flügel eines Vogels; auch hatte das Tier vier Köpfe; ihm wurde die Macht eines Herrschers verliehen. Danach sah ich in meinen nächtlichen Visionen ein viertes Tier; es war furchtbar und schrecklich anzusehen und sehr stark; es hatte große Zähne aus Eisen. Es fraß und zermalmte alles, und was übrig blieb, zertrat es mit den Füßen. Von den anderen Tieren war es völlig verschieden. Auch hatte es zehn Hörner. Als ich die Hörner betrachtete, da wuchs zwischen ihnen ein anderes, kleineres Horn empor, und vor ihm wurden drei von den früheren Hörnern ausgerissen; und an diesem Horn waren Augen wie Menschenaugen und ein Maul, das anmaßend redete. Ich sah immer noch hin; da wurden Throne aufgestellt, und ein Hochbetagter nahm Platz. Sein Gewand war weiß wie Schnee, sein Haar wie reine Wolle. Feuerflammen waren sein Thron, und dessen Räder waren loderndes Feuer. Ein Strom von Feuer ging von ihm aus. Tausendmal Tausende dienten ihm, zehntausendmal Zehntausende standen vor ihm. Das Gericht nahm Platz, und es wurden Bücher aufgeschlagen. Ich sah immer noch hin, bis das Tier - wegen der anmaßenden Worte, die das Horn redete - getötet wurde. Sein Körper wurde dem Feuer übergeben und vernichtet. Auch den anderen Tieren wurde die Herrschaft genommen. Doch ließ man ihnen das Leben bis zu einer bestimmten Frist. Immer noch hatte ich die nächtlichen Visionen: Da kam mit den Wolken des Himmels einer wie ein Menschensohn. Er gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn geführt. Ihm wurden Herrschaft, Würde und Königtum gegeben. Alle Völker, Nationen und Sprachen müssen ihm dienen. Seine Herrschaft ist eine ewige, unvergängliche Herrschaft. Sein Reich geht niemals unter.
Da kam mit den Wolken des Himmels einer wie ein Menschensohn.
Die ersten 6 Kapitel des Danielbuches berichteten von der Vergangenheit: Nun schildert Gott dem Propheten in einer Vision die künftigen Ereignisse. Daniel hatte eine ganz schaurige Vision, aber die Angst vor dem, was er sehen musste, wurde ihm bald genommen, denn in Vers neun wird berichtet, dass er einen Hochbetagten auf seinem Thron saß. Es ist unschwer zu deuten, dass Daniel hier Gott in seiner Herrlichkeit sehen durfte. Vor Gott braucht man niemals Angst zu haben.
Da kam mit den Wolken des Himmels einer wie ein Menschensohn.
Diese vier Tiere, die aus der Unterwelt aufsteigen, stehen symbolisch für die verschiedenen Reiche, die in der Weltgeschichte nacheinander die Macht auf der Erde übernehmen wollen. Es geht Daniel nicht um eine chronologische Abfolge der Weltgeschichte, sondern darum, aufzuzeigen, dass die Macht den dämonischen Herrschern genommen werden wird und der Menschensohn das Böse in der Welt besiegen wird. Es ist unschwer zu deuten, dass Daniel mit dem Menschensohn Jesus meint.
Da kam mit den Wolken des Himmels einer wie ein Menschensohn.
Egal was heute alles auf sie einströmen wird, denken sie daran, dass Jesus bei Ihnen ist und dass er letztlich der Sieger bleiben wird. Heute ist ja Freitag. Der Freitag ist der Tag, an dem Jesus das Kreuz schulterte. Vielleicht müssen sie heute auch ein Kreuz schultern, eine Erniedrigung, ein schiefes Wort, eine schwere Aufgabe. Wundern wir uns nicht, wenn uns gerade am Freitag ein Kreuz aufgelegt wird. Dann haben wir Anteil an den Leiden Christi. Aber der Menschensohn wird Ihnen beistehen. Jesus wird siegen.
Dan 7, 15-27 Samstag, 34. Woche
Ich, Daniel, war im Geist bekümmert, und was mir vor Augen stand, erschreckte mich. Ich wandte mich an einen der Umstehenden und bat ihn, mir das alles genau zu erklären. Er deutete mir die Vorgänge und sagte: Diese großen Tiere, vier an der Zahl, bedeuten vier Könige, die sich auf der Erde erheben werden. Das Königtum aber werden die Heiligen des Höchsten erhalten, und sie werden es behalten für immer und ewig. Dann wollte ich noch Genaueres über das vierte Tier erfahren, das Tier, das anders war als alle anderen, ganz furchtbar anzusehen, mit Zähnen aus Eisen und mit Klauen aus Bronze, das alles fraß und zermalmte, und was übrig blieb, mit den Füßen zertrat. Auch wollte ich Genaueres erfahren über die zehn Hörner an seinem Kopf und über das andere Horn, das emporgewachsen war und vor dem die drei Hörner abgefallen waren, das Horn, das Augen und einen Mund hatte, der anmaßend redete, und das schließlich größer als die anderen zu sein schien. Ich sah dieses Horn gegen die Heiligen kämpfen. Es überwältigte sie, bis der Hochbetagte kam. Da wurde den Heiligen des Höchsten Recht verschafft, und es kam die Zeit, in der die Heiligen das Königtum erhielten. Der Engel antwortete mir: Das vierte Tier bedeutet: Ein viertes Reich wird sich auf der Erde erheben, ganz anders als alle anderen Reiche. Es wird die ganze Erde verschlingen, sie zertreten und zermalmen. Die zehn Hörner bedeuten: In jenem Reich werden zehn Könige regieren; doch nach ihnen kommt ein anderer. Dieser ist ganz anders als die früheren. Er stürzt drei Könige, er lästert über den Höchsten und unterdrückt die Heiligen des Höchsten. Die Festzeiten und das Gesetz will er ändern. Ihm werden die Heiligen für eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit ausgeliefert. Dann aber wird Gericht gehalten. Jenem König wird seine Macht genommen; er wird endgültig ausgetilgt und vernichtet. Die Herrschaft und Macht und die Herrlichkeit aller Reiche unter dem ganzen Himmel werden dem Volk der Heiligen des Höchsten gegeben. Sein Reich ist ein ewiges Reich, und alle Mächte werden ihm dienen und gehorchen.
Was mir vor Augen stand, erschreckte mich.
Daniel darf in dieser Vision einen Blick in die Zukunft werfen, der alles andere als hoffnungsvoll aussieht. Furchtbare Tiere erheben sich und kämpfen gegen die Heiligen. Tiere mit furchtbaren Zähnen und Klauen, fressen und zermalmen alles, was ihnen in den Weg kommt.
Was mir vor Augen stand, erschreckte mich.
Was Daniel sah, lässt ihn nicht unberührt. Wir können uns selbst einmal fragen: „Bewirkt es etwas in mir, wenn der Herr mir zeigt, was in der Zukunft geschehen wird?“ Selbst ohne jegliche Kenntnis der Deutung ist Daniel schon tief beeindruckt. Die Dinge Gottes wenden sich nicht in erster Linie an unseren Verstand, sondern an unser Herz und Gewissen. Gott will, dass seine Mitteilungen etwas in uns bewirken. (Entnommen: www.kingcomments.com)
Was mir vor Augen stand, erschreckte mich.
Ich habe den Eindruck, dass immer mehr Menschen sehr besorgt in die Zukunft blicken. Kriege rücken näher an unserer Haustür heran und es gibt keine Garantie, dass nicht ein Flächenbrand in ganz Europa ausbricht. Schreckensbilder aus aller Welt sehen wir täglich im Fernsehen. Ich kann verstehen, wenn die Zukunftsangst zunimmt.
Sein Reich ist ein ewiges Reich, und alle Mächte werden ihm dienen und gehorchen.
Der letzte Satz der Lesung ist ungemein wichtig. Gott ist stärker und mächtiger als alle Unheilskräfte dieser Welt. Alles Unheil der Welt wird überwunden werden und Gottes Reich, das ein Reich der Liebe ist, wird triumphieren. Wir haben einen unwahrscheinlich großen und starken Gott und ich bin richtig stolz darauf, dass ich ihm dienen darf.
Dan 9, 4b-10 Montag, 2. Fast Wo
Herr, du großer und Furcht erregender Gott, du bewahrst denen, die dich lieben und deine Gebote halten, deinen Bund und deine Gnade. Wir haben gesündigt und unrecht getan, wir sind treulos gewesen und haben uns gegen dich empört; von deinen Geboten und Gesetzen sind wir abgewichen. Wir haben nicht auf deine Diener, die Propheten, gehört, die in deinem Namen zu unseren Königen und Vorstehern, zu unseren Vätern und zu allen Bürgern des Landes geredet haben.
Du, Herr, bist im Recht; uns aber steht bis heute die Schamröte im Gesicht, den Leuten von Juda, den Einwohnern Jerusalems und allen Israeliten, seien sie nah oder fern in all den Ländern, wohin du sie verstoßen hast; denn sie haben dir die Treue gebrochen. Ja, Herr, uns steht die Schamröte im Gesicht, unseren Königen, Oberen und Vätern; denn wir haben uns gegen dich versündigt.
Aber der Herr, unser Gott, schenkt Erbarmen und Vergebung. Ja, wir haben uns gegen ihn empört. Wir haben nicht auf die Stimme des Herrn, unseres Gottes, gehört und seine Befehle nicht befolgt, die er uns durch seine Diener, die Propheten, gegeben hat.
Das Buch Daniel ist ein Teil des Alten Testaments der Bibel. Es gehört im Christentum zu den sogenannten „großen Propheten“. Das Buch erzählt vom Leben des Juden Daniel, der im 6. Jahrhundert v. Chr. nach Babylon verschleppt wurde. Bekannte Ereignisse: Daniel in der Löwengrube, die drei Männer im Feuerofen, die Schrift an der Wand („Menetekel“). Im heutigen Abschnitt lesen wir das Sühne- oder Reuegebet Daniels.
Uns aber steht bis heute die Schamröte im Gesicht
Neben dem Dank-, Lob-, und Bittgebet kennt die Bibel auch das Reue- oder Sühnegebet, ein Gebet, in dem jemand Gott um Vergebung bittet und gleichzeitig Reue über eigene Schuld oder Sünde ausdrückt.
Uns aber steht bis heute die Schamröte im Gesicht
Ein Sühnegebet enthält meistens drei Elemente:
• Einsicht – „Ich erkenne, dass ich falsch gehandelt habe.“
• Reue – „Es tut mir leid.“
• Bitte um Vergebung und Erneuerung – „Vergib mir und hilf mir, es besser zu machen.“
Uns aber steht bis heute die Schamröte im Gesicht
Anstatt nach anderen Sündenböcken zu suchen, bekennt Daniel, dass er sich, zusammen mit dem ganzen Volk, von Gott angewandt hat. Das ist ein Zeichen seiner inneren Größe. Er sagt nicht: IHR habt gesündigt, sondern: WIR haben gesündigt. Er stellt sich in die Reihe der Sünder.
Uns aber steht bis heute die Schamröte im Gesicht
Es mag eigenartig erscheinen, dass ein Mann von der geistlichen Statur eines Daniel von Sündenbewusstsein überwältigt ist; aber je näher man Gott kommt, umso deutlicher wird einem die eigene Sündhaftigkeit.
Wenn Du meinst, dass Du keine Sünden hast, dann ist das eher ein Zeichen dafür, dass Du noch weit von Gott entfernt bist, als ein Hinweis auf Deine eigene Vollkommenheit.
Dan 13, 41c-62 Montag, 5. Fast Wo
In jenen Tagen verurteilte die versammelte Gemeinde Susanna zum Tod. Da rief sie laut: Ewiger Gott, du kennst auch das Verborgene; du weißt alles, noch bevor es geschieht. Du weißt auch, dass sie eine falsche Aussage gegen mich gemacht haben. Darum muss ich jetzt sterben, obwohl ich nichts von dem getan habe, was diese Menschen mir vorwerfen. Der Herr erhörte ihr Rufen. Als man sie zur Hinrichtung führte, erweckte Gott den heiligen Geist in einem jungen Mann namens Daniel. Dieser rief laut: Ich bin unschuldig am Tod dieser Frau. Da wandten sich alle Leute nach ihm um und fragten ihn: Was soll das heißen, was du da gesagt hast? Er trat mitten unter sie und sagte: Seid ihr so töricht, ihr Söhne Israels? Ohne Verhör und ohne Prüfung der Beweise habt ihr eine Tochter Israels verurteilt. Kehrt zurück zum Ort des Gerichts! Denn diese Ältesten haben eine falsche Aussage gegen Susanna gemacht. Eilig kehrten alle Leute wieder um, und die Ältesten sagten zu Daniel: Setz dich hier mitten unter uns, und sag uns, was du zu sagen hast. Denn dir hat Gott den Vorsitz verliehen. Daniel sagte zu ihnen: Trennt diese beiden Männer, bringt sie weit auseinander! Ich will sie verhören. Als man sie voneinander getrennt hatte, rief er den einen von ihnen her und sagte zu ihm: In Schlechtigkeit bist du alt geworden; doch jetzt kommt die Strafe für die Sünden, die du bisher begangen hast. Ungerechte Urteile hast du gefällt, Schuldlose verurteilt, aber Schuldige freigesprochen; und doch hat der Herr gesagt: Einen Schuldlosen und Gerechten sollst du nicht töten. Wenn du also diese Frau wirklich gesehen hast, dann sag uns: Was für ein Baum war das, unter dem du die beiden zusammen gesehen hast? Er antwortete: Unter einer Zeder. Da sagte Daniel: Mit deiner Lüge hast du dein eigenes Haupt getroffen. Der Engel Gottes wird dich zerspalten; schon hat er von Gott den Befehl dazu erhalten. Dann ließ er ihn wegbringen und befahl, den andern vorzuführen. Zu ihm sagte er: Du Sohn Kanaans, nicht Judas, dich hat die Schönheit verführt, die Leidenschaft hat dein Herz verdorben. So konntet ihr an den Töchtern Israels handeln, sie fürchteten sich und waren euch zu Willen. Aber die Tochter Judas hat eure Gemeinheit nicht geduldet. Nun sag mir: Was für ein Baum war das, unter dem du die beiden ertappt hast? Er antwortete: Unter einer Eiche. Da sagte Daniel zu ihm: Mit deiner Lüge hast auch du dein eigenes Haupt getroffen. Der Engel Gottes wartet schon mit dem Schwert in der Hand, um dich mitten entzweizuhauen. So wird er euch beide vernichten. Da schrie die ganze Gemeinde laut auf und pries Gott, der alle rettet, die auf ihn hoffen. Dann erhoben sie sich gegen die beiden Ältesten, die Daniel durch ihre eigenen Worte als falsche Zeugen entlarvt hatte. Das Böse, das sie ihrem Nächsten hatten antun wollen, tat man nach dem Gesetz des Mose ihnen an: Man tötete sie. So wurde an jenem Tag unschuldiges Blut gerettet.
Die Geschichte von Susanna ist eine ergreifende Erzählung über Unschuld, und Verleumdung. Susanna, eine fromme und schöne Frau, wird von zwei Ältesten des Volkes belästigt und erpresst. Als sie sich weigert, ihrer Forderung nachzukommen, verleumden sie Susanna und bringen sie vor Gericht. Die Gemeinde glaubt den Ältesten – bis der junge Daniel eingreift, die Wahrheit ans Licht bringt und Susanna rettet. Die Ältesten werden schließlich für ihre Lüge bestraft.
„Hut ab“ vor dem jungen Daniel
Die zwei Ältesten waren angesehene und hochdekorierte Richter in jener Stadt, die meinten, ihr schändliches Tun mit einer Lüge aus der Welt schaffen zu können.
Daniel dagegen ist kein mächtiger Richter. Er hat kein Ansehen in der Gesellschaft. Er ist ein junger Mensch. Aber er hat etwas Entscheidendes, das den Richtern fehlt: Er kann das Unrecht, das er beobachtet, nicht ertragen und er hat den Mut, nicht mit der Lüge mitzulaufen.
„Hut ab“ vor dem jungen Daniel
Daniel steht auf und fordert die Bewohner der Stadt auf, genauer, hinzuschauen. Die Wahrheit beginnt oft nicht mit großen Reden, sondern mit einem einfachen Schritt: Jemand stellt eine ehrliche Frage.
Auch heute braucht es solche Menschen.
Ich bin dankbar über Menschen, die nicht alles glauben, was alle sagen
die hinschauen, statt wegzusehen, die für andere einstehen, auch wenn es unbequem ist.

