Jeremia

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Jer 1, 1. 4-10 Mittwoch, 16 Woche  

  1 Worte Jeremias, des Sohnes Hilkijas, aus der Priesterschaft von Anatot im Land Benjamin. 4 Das Wort des HERRN erging an mich: 5 Bevor ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich erkannt, und bevor du aus dem Schoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt; zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt. 6 Da sagte ich: Ach, Herr, HERR! Siehe, ich verstehe nicht zu reden, denn ich bin noch zu jung. 7 Aber der HERR sagte zu mich: Sag nicht: Ich bin noch zu jung! Denn zu allen, zu denen ich dich sende, sollst du gehen, und alles, was ich dir gebiete, sollst du reden. 8 Fürchte dich nicht vor ihnen! Denn ich bin mit dir, um dich zu retten – Spruch des HERRN. 9 Und der HERR streckte seine Hand aus, berührte meinen Mund und der HERR sagte zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. 10 Siehe, ich bestelle dich am heutigen Tag über die Völker und über die Königreiche, um auszureißen und niederzureißen, um zu vernichten und zu zertrümmern, um zu bauen und zu pflanzen.

   

Wir gehen heute zum Propheten Jeremia über, der ein Jahrhundert nach Micha im Südreich wirkte. Die Worte, die Jeremia am Anfang seiner Berufung von Gott hören durfte, dürfen wir auch auf uns selbst beziehen:

 

 Bevor ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich erkannt.

Die Welt neigt dazu, dich an deiner Leistung, deiner Effizienz und deinem Nutzwert zu messen. Was bringst du? Was leistest du? Wie produktiv bist du? Aber wenn du dich nur durch das definierst, was du leistest, dann wirst du ständig mit Erwartungen konfrontiert, die du nie ganz erfüllen kannst. Es gibt immer noch mehr zu tun, noch jemanden, der schneller, besser, erfolgreicher ist.

 

Bevor ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich erkannt.

Bitte beziehe diesen Vers ganz persönlich auf dich selbst. Du bist kein Zufallsprodukt, keine Laune der Natur, kein Nebenprodukt von Umständen. Du bist gewollt – und von Ewigkeit her von Gott gedacht und geliebt, noch bevor du das geringste geleistet hast..

 

Bevor ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich erkannt.

Du bist gewollt, noch bevor du eine einzige Aufgabe erfüllt hast. Es gibt ein schönes Lied, das diesen Gedanken aufgreift. Vielleicht kennst du es, wenn nicht, kannst du einmal googeln. Es heißt: „Vergiss es nie“.

Jer 2, 1-3. 7-8. 12-13                   Donnerstag, 16 Woche

1Das Wort des Herrn erging an mich: 2Auf! Ruf Jerusalem laut ins Ohr: So spricht der Herr: Ich gedenke deiner Jugendtreue, der Liebe deiner Brautzeit, wie du mir in der Wüste gefolgt bist, im Land ohne Aussaat. 3Heilig war Israel dem Herrn, Erstlingsfrucht seiner Ernte. Wer davon aß, machte sich schuldig, Unheil kam über ihn – Spruch des Herrn. 7Ich brachte euch dann in das Gartenland, um euch seine Früchte und Güter genießen zu lassen. Aber kaum seid ihr dort gewesen, da habt ihr mein Land entweiht und mein Eigentum zum Abscheu gemacht. 8Die Priester fragten nicht: Wo ist der Herr? Die Hüter der Weisung kannten mich nicht, die Hirten des Volkes wurden mir untreu. Die Propheten prophezeiten bei Baal und liefen unnützen Götzen nach. 12Entsetzt euch darüber, ihr Himmel, erschaudert gewaltig! – Spruch des Herrn. 13Denn mein Volk hat doppeltes Unrecht verübt: Mich hat es verlassen, den Quell des lebendigen Wassers, um sich Zisternen zu graben, Zisternen mit Rissen, die das Wasser nicht halten.


2 Ich gedenke deiner Jugendtreue

Wie ein Verliebter ruft Gott seiner Braut zu: Weißt du denn nicht mehr, du warst meine Jugendtreue, du bist mir in die Wüste gefolgt. Gemeinsam haben wir Schwierigkeiten überwunden.


2 Du bist mir in die Wüste gefolgt

Die Liebe war so stark, dass sie die Unbequemlichkeit und die Herausforderung der Wüste ausgehalten hat. Gemeinsam stellte sich Gott mit seinem Volk allen Widrigkeiten.


7 Aber: Im Gartenland wurdest du untreu

Doch die Situation änderte sich dramatisch, als das Volk in das „Gartenland“ (Kanaan). Plötzlich war alles im Überfluss da, es gab feste Häuser und gefüllte. Es ist eine paradoxe Tragödie der Menschheitsgeschichte: Krisen schweißen zusammen, aber der Wohlstand entfremdet.


8 Die Priester fragten nicht: Wo ist der Herr?

Bemerkenswert ist, wen der Text konkret anklagt: die Priester! Es ist kein Versagen "des Volkes", sondern ein Versagen der geistlichen Verantwortungsträger. Entfremdung von Gott beginnt oft leise, an der Spitze, bevor sie sich in der Breite zeigt.


13 Gott, Quell des lebendigen Wassers

Gott bietet sich selbst als Quelle für alles Lebensnotwendige an. Man muss nur hingehen und kann dann mühelos daraus trinken.


13 Zisternen mit Rissen

Aber die Menschen brauchen die Quelle nicht, sie graben sich mühevoll Zisternen, die dazu noch rissig sind und das Wasser nicht halten können.


Quelle oder Zisterne?

Der Kontrast in der Lesung ist genau durchdacht:

  • Eine Zisterne muss man selbst in den Felsen hauen. Aber sie sammelt nur, was einmal hineinfließt. Bekommt eine Zisterne Risse, verliert man am Ende alles, trotz der ganzen investierten Mühe.
  • Eine Quelle sprudelt von selbst, ist Geschenk, erneuert sich ständig, man kann sie nicht besitzen, nur an ihr trinken.


Selbstgebaute Zisternen

Es ist nicht schwer herauszufinden, wo wir uns heute selbst Zisternen bauen. Das Bild lässt sich gut auf Dinge übertragen, die wir selbst bauen.

Die Zisterne: "ich bin, was ich schaffe". Hält eine Weile, bis Krankheit, Alter oder Scheitern kommen. Da sind aber auch jene Zisternen, die ständig neu befüllt werden müssen, weil sie nie wirklich sättigen: Konsum und Ablenkung …


Für heute

Wo merke ich aktuell in meinem Leben, dass meine „Zisterne“ Risse bekommt? Wo spüre ich die Erschöpfung, weil ich versuche, mir selbst Halt zu geben?

 


Jer 3, 14-17       Freitag, 16 Woche

14 Kehrt um, ihr abtrünnigen Söhne! – Spruch des HERRN –; denn ich bin euer Herr. Und ich will euch nehmen, einen aus einer Stadt und zwei aus einem Geschlecht, und will euch nach Zion bringen. 15 Und ich will euch Hirten geben nach meinem Herzen, die euch weiden mit Erkenntnis und Klugheit. 16 Und es wird geschehen, wenn ihr euch vermehrt und fruchtbar werdet im Land in jenen Tagen – Spruch des HERRN –, wird man nicht mehr sagen: Die Bundeslade des HERRN! Sie wird niemandem mehr in den Sinn kommen, man wird ihrer nicht mehr gedenken, sie nicht vermissen und eine neue wird nicht mehr hergestellt werden. 17 In jener Zeit wird man Jerusalem den Thron des HERRN nennen und alle Völker werden sich zu ihr versammeln wegen des Namens des HERRN in Jerusalem; und sie werden nicht mehr dem Starrsinn ihres bösen Herzens folgen.


Der Bundeslade wird man nicht mehr gedenken.

Das ist heute wirklich eine radikale Aussage. Die Bundeslade war doch der Ort der Gegenwart Gottes. Nun soll sie ihre zentrale Rolle verlieren.


Der Bundeslade wird man nicht mehr gedenken.

Und doch war die Bundeslade nur ein Gegenstand. Eine Truhe aus Holz, prächtig geschmückt und kostbar verziert. Aber letztlich doch nur ein Objekt.


Der Bundeslade wird man nicht mehr gedenken.

Die Bundeslade war an einen bestimmten Ort gebunden (erst im Zelt des Heiligtums, später im Jerusalemer Tempel). Gott kann man aber nicht nur an einem bestimmten Ort über ein bestimmtes Objekt anbeten. Jesus sagt später der Samariterin, dass wahre Anbetung weder an den Garizim noch an Jerusalem gebunden ist, sondern „im Geist und in der Wahrheit" geschieht (Joh 4,21-24)


Der Bundeslade wird man nicht mehr gedenken.

Gott möchte, dass sein Volk nicht nur einen Gegenstand anbetet, sondern eine echte Beziehung zu ihm aufbaut. Gott möchte uns begegnen von Herz zu Herz. Sicher gilt: Wenn Gott durch die Taufe in dir wohnt, dann wird dein Herz zum Ort der Begegnung mit Gott. Und dein Herz hast du überall und immer dabei.


Jer 7, 1-11            Samstag, 16 Woche   

1Das Wort, das vom Herrn an Jeremía erging: 2Stell dich an das Tor des Hauses des Herrn! Dort ruf dieses Wort aus und sprich: Hört das Wort des Herrn, ganz Juda, alle, die ihr durch diese Tore kommt, um euch vor dem Herrn niederzuwerfen! 3So spricht der Herr der Heerscharen, der Gott Israels: Bessert euer Verhalten und euer Tun, dann will ich bei euch wohnen hier an diesem Ort! 4Vertraut nicht auf die trügerischen Worte: Der Tempel des Herrn, der Tempel des Herrn, der Tempel des Herrn ist dies! 5Denn nur wenn ihr euer Verhalten und euer Tun von Grund auf bessert, wenn ihr wirklich gerecht entscheidet im Rechtsstreit, 6wenn ihr die Fremden, die Waisen und Witwen nicht unterdrückt, unschuldiges Blut an diesem Ort nicht vergießt und nicht anderen Göttern nachlauft zu eurem eigenen Schaden, 7dann will ich bei euch wohnen hier an diesem Ort, in dem Land, das ich euren Vätern gegeben habe von ewig und auf ewig. 8Freilich, ihr vertraut auf die trügerischen Worte, die nichts nützen. 9Was noch? Stehlen, morden, die Ehe brechen, falsch schwören, dem Baal opfern und anderen Göttern nachlaufen, die ihr nicht kennt – 10und ihr kommt und tretet vor mein Angesicht in diesem Haus, über dem mein Name ausgerufen ist, und sagt: Wir sind geborgen!, um dann weiter alle jene Gräuel zu treiben. 11Ist denn dieses Haus, über dem mein Name ausgerufen ist, in euren Augen eine Räuberhöhle geworden? Auch ich, siehe, ich habe es gesehen –Spruch des Herrn.

 

Bessert euer Leben und euer Tun.

Jeremia lebte im 6. Jh. v. Christus und damals schon mussten sich die Menschen die Aufforderung gefallen lassen: Bessert euer Leben und euer Tun.

Offensichtlich braucht der Mensch immer wieder eine Ermutigung zum rechten Tun. Zu leicht lässt man sich nämlich dazu verlocken, auch Dinge zu tun, die mir und dem Mitmenschen nicht guttun.


Bessert euer Leben und euer Tun.

Also: Nimm dir heute doch einmal einen Moment Zeit zum Nachdenken. Gilt diese uralte Ermutigung nicht vielleicht auch dir? Wo gibt es in deinem Leben einen Bereich, der nach Veränderung ruft?


Dann will ich bei euch wohnen.

Das Schöne ist: Die Frucht der Umkehr und des rechten Tuns folgt auf dem Fuße. Dann wird Gott bei dir wohnen. Ist das nicht wunderbar?



Jer 7, 23-28       Donnerstag, 3. Fast Wo

So spricht der Herr: Ich gab meinem Volk folgendes Gebot: Hört auf meine Stimme, dann will ich euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein. Geht in allem den Weg, den ich euch befehle, damit es euch gut geht. Sie aber hörten nicht und neigten mir ihr Ohr nicht zu, sondern folgten den Eingebungen und Trieben ihres bösen Herzens. Sie zeigten mir den Rücken und nicht das Gesicht. Von dem Tag an, als eure Väter aus Ägypten auszogen, bis auf den heutigen Tag sandte ich zu euch immer wieder alle meine Knechte, die Propheten. Aber man hörte nicht auf mich und neigte mir nicht das Ohr zu, vielmehr blieben sie hartnäckig und trieben es noch schlimmer als ihre Väter. Auch wenn du ihnen alle diese Worte sagst, werden sie nicht auf dich hören. Wenn du sie rufst, werden sie dir nicht antworten. Sag ihnen also: Dies ist das Volk, das nicht auf die Stimme des Herrn, seines Gottes, hörte und sich nicht erziehen ließ. Die Treue ist dahin, aus ihrem Mund verschwunden


Hört!

„Hört auf meine Stimme, dann will ich euer Gott sein.“ So einfach klingt es bei Jeremia. Und doch zeigt der Text: Die Menschen hören nicht. Sie gehen ihren eigenen Weg. Sie folgen ihren eigenen Plänen. Und Jeremia sagt sehr nüchtern: Nicht Gott ist fern – der Mensch hat sich entfernt.


Sie zeigten mir den Rücken

Auffällig ist: Es geht nicht darum, dass die Menschen Gott nicht kennen.

Sie kennen seine Gebote. Aber sie hören nicht darauf. Das ist ein wichti-ger Unterschied. Auch heute ist das Problem oft nicht Unwissenheit. Viele wissen sehr wohl, was richtig wäre, was gut für andere wäre, was dem Leben dient. Und trotzdem handeln wir oft anders.


Darum hören wir in der Fastenzeit so oft die Aufforderung zur Umkehr. Wir sollen Gott nicht den Rücken zeigen, sondern unser Gesicht.


Vielmehr blieben sie hartnäckig.

Der Mensch folgt dem „Starrsinn seines Herzens“. Das klingt hart, aber es trifft etwas Reales: Ich bleibe bei meiner Meinung, auch wenn sie nicht gut ist. Ich höre nicht zu, wenn jemand mich korrigiert. Ich ver-schließe mich vor dem, was mich verändern könnte. Das ist keine große Rebellion. Das passiert im Alltag – leise, Schritt für Schritt.

Jer 11, 18-20     Samstag, 4. Fast Wo     

Der Herr ließ es mich wissen, und so wusste ich es; damals ließest du mich ihr Treiben durchschauen. Ich selbst war wie ein zutrauliches Lamm, das zum Schlachten geführt wird, und ahnte nicht, dass sie gegen mich Böses planten: Wir wollen den Baum im Saft verderben; wir wollen ihn ausrotten aus dem Land der Lebenden, so dass man seinen Namen nicht mehr erwähnt. Aber der Herr der Heere richtet gerecht, er prüft Herz und Nieren. Ich werde sehen, wie du Rache an ihnen nimmst; denn dir habe ich meine Sache anvertraut.



Wenn sich Jeremia als zutrauliches Lamm bezeichnet, so will er damit nicht seine Harmlosigkeit ausdrücken. Vielmehr spiegelt sich in dieser ungewöhnlichen Selbstbezeichnung seine ganze Konzentration auf den ihm gegebenen Auftrag wider.

Seine Person, wiewohl äußerst empfindsam und ganz hineingenommen in den Dienst für Gott, steht niemals so im Mittelpunkt, dass er etwa darauf geachtet hätte, wie er möglichst ungeschoren aus dem ganzen Zwist herauskam, den er heraufbeschworen hatte. So hat er nicht gemerkt, was sich gegen ihn zusammenbraute. (Dieter Schneider, Der Prophet Jeremia, Bd. 29, Wuppertaler Studienbibel (Holzgerlingen: SCM R.Brockhaus, 2018), 140.


Seht das Lamm Gottes

In vielen Bibelstellen wird Jesus als das Lamm Gottes beschrieben. (Joh 1,29, Joh 1,36, Offb 5,6–13, Offb 7,9–10, Offb 21,22–23, Jes 53,7, 1. Petr 1,18–19)

Jesus war ebenfalls unschuldig und wurde von Menschen verfolgt und getötet, obwohl er nur Liebe und Heilung brachte. Wie Jeremia wusste Jesus, dass er leiden würde, aber er nahm dieses Opfer freiwillig auf sich.

Jer 13, 1-11       Montag, 17. Woche

So hat der Herr zu mir gesagt: Geh, kauf dir einen leinenen Gürtel, und leg ihn dir um die Hüften, aber tauch ihn nicht ins Wasser! Da kaufte ich, wie der Herr mir aufgetragen hatte, den Gürtel und legte ihn mir um die Hüften.

Nun erging das Wort des Herrn zum zweiten Mal an mich; er sagte: Nimm den gekauften Gürtel, den du um die Hüften trägst, mach dich auf den Weg an den Eufrat, und verbirg ihn dort in einer Felsspalte! Ich ging hin und verbarg ihn am Eufrat, wie mir der Herr befohlen hatte. Nach längerer Zeit sprach der Herr zu mir: Mach dich auf den Weg an den Eufrat, und hol den Gürtel zurück, den du dort auf meinen Befehl hin verborgen hast. Da ging ich zum Eufrat, suchte den Gürtel und holte ihn von der Stelle, wo ich ihn verborgen hatte. Doch der Gürtel war verdorben, zu nichts mehr zu gebrauchen. Nun erging das Wort des Herrn an mich: So spricht der Herr: Ebenso verderbe ich die stolze Pracht Judas und Jerusalems, wie groß sie auch sei.

Dieses böse Volk weigert sich, auf meine Worte zu hören, es folgt dem Trieb seines Herzens und läuft anderen Göttern nach, um ihnen zu dienen und sie anzubeten; es soll daher wie dieser Gürtel werden, der zu nichts mehr zu gebrauchen ist. Denn wie sich der Gürtel den Hüften des Mannes anschmiegt, so wollte ich, dass sich das ganze Haus Juda mir anschmiegte - Spruch des Herrn -, damit es mein Volk und mein Ruhm, mein Preis und mein Schmuck wäre. Sie aber haben nicht gehorcht.

 

Mach dich auf den Weg an den Eufrat

Jeremia musste zweimal von Jerusalem an den Euphrat reisen. Er muss etwas tun, was uns sehr absonderlich vorkommt. Er soll am Euphrat eine Felsspalte suchen und dort den Gürtel, den er trägt, vergraben. Kaum war er von dieser Reise zurück, musste er den mittlerweile verrotteten Gürtel wieder vom Euphrat zurückholen. 2000 km legte Jeremia zurück, ohne zu wissen, warum er das tun soll.

 

Mach dich auf den Weg an den Eufrat

Jeremia musste zweimal von Jerusalem an den Euphrat reisen. Er muss etwas tun, was uns sehr absonderlich vorkommt. Er soll am Euphrat eine Felsspalte suchen und dort den Gürtel, den er trägt, vergraben. Kaum war er von dieser Reise zurück, musste er den mittlerweile verrotteten Gürtel wieder vom Euphrat zurückholen. 2000 km legte Jeremia zurück, ohne zu wissen, warum er das tun soll.

 

Wie mir der Herr befohlen hatte

Ich bewundere das Gottvertrauen Jeremias, der einen Auftrag kommentarlos ausführte, ohne zu verstehen, ja sogar ohne verstehen zu wollen. Er vertraut Gott blind. Was Gott von ihm fordert, wird schon einen guten Grund haben.

 

Es soll daher wie dieser Gürtel werden

So wie Jeremia den Gürtel abgelegt hat, so hat Juda Gott abgelegt. So weit wie Jeremia den Gürtel tragen musste, so weit entfernt hat sich Juda von Gott. So wie der Gürtel verrottet ist, so zerstört ist auch das Verhältnis Judas zu Gott.

 

Ich wollte, dass sich das ganze Haus Juda mir anschmiegte

Es ist nicht das Bild eines rächenden Gottes, das uns hier gezeigt wird, eher die Botschaft von einem liebenden Gott, der es nicht verhindern kann, dass sein Volk sich von ihm löst und in der Ferne zugrunde geht.

 

Sie aber haben nicht gehorcht

Hüten wir uns, die Lesung nur auf die Zeit des Jeremias zu beziehen. Denken wir immer daran, dass auch wir gemeint sein könnten. Auch wir können uns schleichend und langsam von Gott entfernen, ohne dass wir es bemerken.


Jer 14, 17b-22                 Dienstag, 17. Woche    

Meine Augen fließen über von Tränen bei Tag und bei Nacht und finden keine Ruhe. Denn großes Verderben brach herein über die Jungfrau, die Tochter, mein Volk, eine unheilbare Wunde.

Gehe ich aufs Feld hinaus - seht, vom Schwert Durchbohrte! Komme ich in die Stadt - seht, vom Hunger Gequälte! Ja, auch Propheten und Priester werden verschleppt in ein Land, das sie nicht kennen.

Hast du denn Juda ganz verworfen, wurde dir Zion zum Abscheu? Warum hast du uns so geschlagen, dass es für uns keine Heilung mehr gibt? Wir hofften auf Heil, doch kommt nichts Gutes, auf die Zeit der Heilung, doch ach, nur Schrecken!

Wir erkennen, Herr, unser Unrecht, die Schuld unsrer Väter: Ja, wir haben gegen dich gesündigt.

Um deines Namens willen verschmäh nicht, verstoß nicht den Thron deiner Herrlichkeit! Gedenke deines Bundes mit uns, und löse ihn nicht!

Gibt es etwa Regenspender unter den Götzen der Völker? Oder ist es der Himmel, der von selbst regnen lässt? Bist nicht du es, Herr, unser Gott? Wir setzen unsre Hoffnung auf dich; denn du hast dies alles gemacht.

 

Meine Augen fließen über von Tränen bei Tag und bei Nacht

Der babylonische Feind steht vor den Toren Jerusalems, das Land leidet zusätzlich unter einer verheerenden Dürre, und die Menschen sind in Panik

Jeremia lässt seiner Trauer freien Lauf. Er verschließt die Augen nicht vor der Realität. Draußen liegen die Erschlagenen durch das Schwert, drinnen in der Stadt herrscht Hunger.

 

Gehe ich aufs Feld hinaus - seht, vom Schwert Durchbohrte

Jeremia klagt Gott sein ganzes Leid. Er weint, und benennt die furchtbaren Zustände, die er in der Stadt sieht. Er kann im Moment nur noch klagen und weinen.

 

Hast du denn Juda ganz verworfen

Jeremia klagt sogar Gott an. Gott, wo bist du, hast du uns vergessen? Hast du uns verworfen? WARUM? Jeremia verstellt sich nicht. Gott hält seine Ehrlichkeit aus.

 

Klagegebet

Die Klage ist die quantitativ größte Gebetsform in der Bibel. Mehr als ein Drittel aller Psalmen sind Klagepsalmen. Zudem ist die Klage oft der erste, ungefilterte Impuls des menschlichen Herzens in der Not. Wenn der Schmerz oder die Angst uns überwältigen, beten wir nicht zuerst mit Lobpreis, sondern mit einem Seufzer oder einem Aufschrei.

 

Klagegebet hat Vorrang

Ich glaube nicht mehr, dass es stimmt, was ich noch im Seminar gelernt habe. Nicht das Lobgebet steht am Anfang der Gebetszeit, auch nicht das Dank- oder das Bittgebet, sondern – wenn es Dir danach ist – das Klagegebet.

Der Mensch muss sich erst ausklagen, bevor er bereit ist, zu den anderen Gebetsformen überzugehen.

 

Klage, wenn es Dir danach ist

In der Bibel sieht man oft, dass Klagepsalmen mitten im tiefsten Jammer plötzlich umschlagen – nicht, weil die Krise schon vorbei wäre, sondern weil der Beter im Ringen mit Gott eine innere Wandlung erlebt hat. Der Dank am Ende einer Klage ist kein billiges "Alles-ist-gut", sondern ein errungener Durchbruch.

 

Wir setzen unsre Hoffnung auf Dich.

Erst nachdem sich Jeremia ausgeklagt hat, kann er sein Vertrauen wieder ganz auf Gott setzen. Seine Tränen, seine Klage haben etwas bewirkt. Nicht bei Gott, sondern bei ihm selber.

Darum, wenn es Dir danach ist: Klage. Klage auch Gott an und klage nicht mit wohlüberlegten Worten. Klage auf „Badisch“, ganz ungeschminkt, in der eigenen Sprache, direkt von der Leber weg.


Jer 15, 10.16–21             Mittwoch, 17. Woche

10Weh mir, meine Mutter, dass du mich geboren hast, einen Mann, der mit aller Welt in Zank und Streit liegt. Ich bin niemands Gläubiger und niemands Schuldner und doch fluchen mir alle. 16Fanden sich Worte von dir, so verschlang ich sie; dein Wort wurde mir zum Glück und zur Freude meines Herzens; denn dein Name ist über mir ausgerufen, Herr, Gott der Heerscharen. 17Nie saß ich im Kreis der Lustigen und nicht war ich fröhlich; unter der Macht deiner Hand sitze ich einsam; denn du hast mich mit Groll angefüllt. 18Warum dauert mein Leiden ewig und ist meine Wunde so bösartig, dass sie nicht heilen will? Wahrlich, wie ein versiegender Bach bist du mir geworden, ein unzuverlässiges Wasser. 19Darum – so spricht der Herr: Wenn du umkehrst, lasse ich dich umkehren und wieder vor mir stehen. Wenn du Edles hervorbringst und nicht Gemeines, darfst du wieder mein Mund sein. Jene werden umkehren zu dir, du aber kehre dich ihnen nicht zu! 20Dann mache ich dich für dieses Volk zur bronzenen, festen Mauer. Mögen sie dich bekämpfen, sie werden dich nicht bezwingen; denn ich bin mit dir, um dir zu helfen und dich zu retten – Spruch des Herrn. 21Ja, ich rette dich aus der Hand der Bösen, ich befreie dich aus der Faust der Tyrannen.


18Warum dauert mein Leiden ewig

Das Klagen geht weiter. Manchmal muss man lange klagen und jammern, bis die Seele wieder Luft schöpfen kann. Jeremia ist tief erschöpft und frustriert. Er klagt sein Leid, und das ist gut so. Bevor der Mensch fähig ist, Gottes Stimme zu vernehmen, muss er sich vor Gott „ausgeklagt“ haben.


10 Weh mir, meine Mutter, dass du mich geboren hast.

Jeremia ist grundehrlich. Er verharmlost seinen Schmerz nicht. Er verpackt seine Verzweiflung nicht in fromme Floskeln. Seine Klage geht bis an die Wurzel seines Lebens und er beklagt sogar, dass er einst geboren wurde.


18 Warum dauert mein Leiden ewig

Gott hält unsere Bitterkeit, unseren Frust und unsere Enttäuschung aus. Die Klage ist kein Mangel an Glauben, sondern ein Schrei aus der Tiefe der Beziehung – ein Eingeständnis: Ich halte es aus eigener Kraft nicht mehr aus. Gott, hilf mir endlich. Die Klage ist das Ventil, durch das der innere Schmerz entweichen kann.


Jer 17, 5-10       Donnerstag, 2. Fast Wo

So spricht der Herr: Verflucht der Mann, der auf Menschen vertraut, auf schwaches Fleisch sich stützt, und dessen Herz sich abwendet vom Herrn. Er ist wie ein kahler Strauch in der Steppe, der nie einen Regen kommen sieht; er bleibt auf dürrem Wüstenboden, im salzigen Land, wo niemand wohnt.

Gesegnet der Mann, der auf den Herrn sich verlässt und dessen Hoffnung der Herr ist. Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und am Bach seine Wurzeln ausstreckt: Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, unablässig bringt er seine Früchte. Arglistig ohnegleichen ist das Herz und unverbesserlich. Wer kann es ergründen? Ich, der Herr, erforsche das Herz und prüfe die Nieren, um jedem zu vergelten, wie es sein Verhalten verdient, entsprechend der Frucht seiner Taten.


Wir bleiben für einen weiteren Tag beim Propheten Jeremia, gehen aber ein Kapitel zurück: Jeremia hat eine harte Gegenüberstellung: Vertrauen auf Menschen versus Vertrauen auf Gott.


Auf Fleisch vertrauen.

Wer „auf Fleisch vertraut“, also seine letzte Sicherheit in menschlicher Stärke, Einfluss oder eigenen Fähigkeiten legt, wird mit einem Strauch in der Steppe verglichen – isoliert, ohne tiefen Halt, der das Gute kaum wahrnimmt. Menschliche Ressourcen sind begrenzt. Wer sie absolut setzt, steht am Ende leer da.


Auf den Herrn vertrauen.

Demgegenüber steht der, der auf den HERRN vertraut. Er ist „wie ein Baum am Wasser gepflanzt“. Das Entscheidende ist nicht, dass kein Leid kommt – Hitze und Dürre werden ausdrücklich genannt –, sondern dass die Wurzeln tief reichen. Vertrauen auf Gott bedeutet nicht Problemfreiheit, sondern innere Stabilität. Fruchtbarkeit entsteht aus Verwurzelung, nicht aus günstigen Umständen.


Auf das Fleisch oder auf den Herrn vertrauen.

Jesaja ruft zur Klärung unserer Lebensausrichtung auf. Worauf stütze ich mein Leben wirklich? Auf das, was vergeht – oder auf den, der trägt? Jeremia zeigt: Die Qualität unseres Vertrauens entscheidet über die Tiefe unserer Wurzeln.

Jer 18, 1-6         Donnerstag, 17. Woche

Das Wort, das vom Herrn an Jeremia erging: Mach dich auf, und geh zum Haus des Töpfers hinab! Dort will ich dir meine Worte mitteilen. So ging ich zum Haus des Töpfers hinab. Er arbeitete gerade mit der Töpferscheibe. Missriet das Gefäß, das er in Arbeit hatte, wie es beim Ton in der Hand des Töpfers vorkommen kann, so machte der Töpfer daraus wieder ein anderes Gefäß, ganz wie es ihm gefiel. Da erging an mich das Wort des Herrn: Kann ich nicht mit euch verfahren wie dieser Töpfer, Haus Israel? - Spruch des Herrn. Seht, wie der Ton in der Hand des Töpfers, so seid ihr in meiner Hand, Haus Israel.


Wie der Ton in der Hand des Töpfers, so seid ihr in meiner Hand.

Jeremia hat sich sicher gefragt, warum er zum Haus des Töpfers hinabgehen soll. Ohne zu zögern, tut er, was der Herr ihm sagt, und beobachtet den Töpfer eine Weile bei seiner Arbeit. Plötzlich muss ihm etwas aufgegangen sein. Plötzlich hat er verstanden, wie Gott arbeitet.


Wie der Ton in der Hand des Töpfers, so seid ihr in meiner Hand.

Selbst wenn wir Menschen dem ursprünglichen Plan Gottes nicht folgen, wenn unsere Schuld und unser Versagen die Pläne, die Gott mit uns hat, vereiteln, so ist Gott doch immer wieder in der Lage, einen neuen Plan für uns auszuarbeiten. Gott hat immer das Ende im Blick, und sollte uns ein Weg versperrt sein, oder verbauen wir uns selber unsere Wege, so hat Gott doch immer noch einen Plan B.


Wie der Ton in der Hand des Töpfers, so seid ihr in meiner Hand.

Etwas anderes geht mir an der heutigen Bibelstelle auf. An einer gewöhnlichen Arbeit des Töpfers erkennt Jeremia eine Eigenart Gottes. Als er der täglichen Arbeit des Töpfers zuschaut, versteht er Gott plötzlich tiefer. Ich möchte heute versuchen, über das Alltägliche nicht so hinwegzuhuschen, sondern auch im Gewöhnlichen tiefer zu blicken und Gottes Ruf an mich zu hören.


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Jer 18, 18-20     Mittwoch, 2. Fast Wo

Meine Feinde sagten: Kommt, lasst uns gegen Jeremia Pläne schmieden! Denn nie wird dem Priester die Weisung ausgehen, dem Weisen der Rat und dem Propheten das Wort. Kommt, wir wollen ihn mit seinen eigenen Worten schlagen und Acht geben auf alles, was er sagt.

Gib du, Herr, acht auf mich, und höre das Gerede meiner Widersacher! Darf man denn Gutes mit Bösem vergelten? Denn sie haben mir eine Grube gegraben. Denk daran, wie ich vor dir stand, um zu ihren Gunsten zu sprechen und deinen Zorn von ihnen abzuwenden.


Wenn das Gute verdreht wird

Jeremia steckt in einem Dilemma, das viele von uns kennen: Er meint es gut, er spricht die Wahrheit aus Sorge um seine Mitmenschen – doch die Reaktion ist pure Feindseligkeit. „Kommt, wir wollen Pläne gegen Jeremia schmieden“, sagen sie.

Es ist die schmerzhafte Erfahrung, dass Authentizität oft Widerstand provoziert. Wer gegen den Strom schwimmt oder unbequeme Wahrheiten ausspricht, wird schnell zur Zielscheibe.


Wenn das Gute verdreht wird - drei Impulse zur Vertiefung:

•      Vom Umgang mit Undankbarkeit: Jeremia klagt: „Wird denn Gutes mit Bösem vergolten?“ In der Fastenzeit dürfen wir uns fragen: Wo tue ich Gutes, nur um Bestätigung zu ernten? Jeremia lehrt uns, dass der Wert einer guten Tat nicht von der Applaus-Quote abhängt, sondern von der Treue zu Gott.

•      Die Versuchung der Bitterkeit: Jeremia ist menschlich. Er ist verletzt und bringt seinen Schmerz radikal vor Gott. Der Impuls hier: Friss den Ärger nicht in dich hinein. Bring die Enttäuschung über andere dorthin, wo sie hingehört – ins Gebet. Das bewahrt das Herz davor, hart und zynisch zu werden.

•      Standhaftigkeit im "Gegenwind": Die Leute wollen Jeremia mit seinen eigenen Worten schlagen (ihm die Worte im Mund umdrehen). Wer in Gott verankert ist, definiert seinen Wert nicht über das Gerede der Leute.


Wenn das Gute verdreht wird - Kernfrage für heute:

Bin ich bereit, das Richtige zu tun, auch wenn ich dafür keinen Dank, sondern Kritik ernte?


Jer 20, 10-13     Freitag, 5. Fast Wo        

Jeremia sprach: Ich hörte das Flüstern der Vielen: Grauen ringsum! Zeigt ihn an! Wir wollen ihn anzeigen. Meine nächsten Bekannten warten alle darauf, dass ich stürze: Vielleicht lässt er sich betören, dass wir ihm beikommen können und uns an ihm rächen. Doch der Herr steht mir bei wie ein gewaltiger Held. Darum straucheln meine Verfolger und kommen nicht auf. Sie werden schmählich zuschanden, da sie nichts erreichen, in ewiger, unvergesslicher Schmach. Aber der Herr der Heere prüft den Gerechten, er sieht Herz und Nieren. Ich werde deine Rache an ihnen erleben; denn dir habe ich meine Sache anvertraut. Singt dem Herrn, rühmt den Herrn; denn er rettet das Leben des Armen aus der Hand der Übeltäter.


Der Prophet Jeremia ist in einer schweren Situation.

Wurde Jeremia ein paar Verse zuvor „nur“ ausgelacht, (Jer 20,7) so ist es nun die Bespitzelung, eine Kampfform, die erhöhte Wachsamkeit und zermürbende Vorsicht des Propheten erfordert. (Dieter Schneider, Der Prophet Jeremia, Bd. 29, Wuppertaler Studienbibel)

Er erlebt: Misstrauen, Verrat, andere warten nur darauf, dass er einen Fehler macht. Er kann nur noch sagen. „Ich höre das Flüstern der Vielen: Schrecken ringsum!“


Doch der Herr steht mir bei

Ich vermute, dass Jeremia hadert und zweifelt. In ihm überwiegen die Angst und die Sorge um seine Zukunft. Aber er entscheidet sich dennoch dafür, zu glauben. Jemand hat einmal gesagt: Glaube ist kein Gefühl, sondern das Festhalten an Gottes Hilfe auch dann, wenn ich nichts spü-re.


Doch der Herr steht mir bei

Äußerlich hat sich nichts an der Situation Jeremias verändert. Aber aus dem Grauen, das zu Beginn der Lesung erwähnt wird, wurde am Ende der Lesung dann ein Dank für die Errettung.

Jer 23, 5-8          18. Dez

Seht, es kommen Tage - Spruch des Herrn -, da werde ich für David einen gerechten Spross erwecken. Er wird als König herrschen und weise handeln, für Recht und Gerechtigkeit wird er sorgen im Land. In seinen Tagen wird Juda gerettet werden, Israel kann in Sicherheit wohnen. Man wird ihm den Namen geben: Der Herr ist unsere Gerechtigkeit. Darum seht, es werden Tage kommen - Spruch des Herrn -, da sagt man nicht mehr: So wahr der Herr lebt, der die Söhne Israels aus Ägypten heraufgeführt hat!, sondern: So wahr der Herr lebt, der das Geschlecht des Hauses Israel aus dem Nordland und aus allen Ländern, in die er sie verstoßen hatte, heraufgeführt und zurückgebracht hat. Dann werden sie wieder in ihrem Heimatland wohnen.


Seht, es kommen Tage

Mit Kindern und Jugendlichen habe ich zahlreiche Freizeiten und Wallfahrten erlebt und organisiert. Besonders beliebt bei den Ministranten war dabei stets der Europa-Park in Rust – ein Ort voller Abenteuer und Freude. (Ich selbst genieße es übrigens auch sehr, dort Zeit zu verbringen).


Seht, es kommen Tage

Wenn wir im Herbst den Jahresplan für das kommende Jahr schmiedeten und ich verkündete, dass wir einen Tag im Europa-Park verbringen würden, brach unter den Ministranten ein freudiges Jubeln aus. Obwohl es noch ein halbes Jahr bis dahin war, leuchteten ihre Augen voller Vorfreude. Sie waren noch nicht da, aber sie hatten das Ziel bereits im Blick.


Seht, es kommen Tage

Auch ich blicke voller Freude dem Tag entgegen, an dem Jesus zurückkehren wird, um auf Erden Gerechtigkeit und Frieden zu schaffen. Dieser Tag ist noch nicht gekommen, doch er naht – bald schon wird er Wirklichkeit.


Seht, es kommen Tage

Noch nicht - aber bald. In dieser Spannung lebt ein Christ. Jesus kommt! Wenn nicht heute, dann sicher morgen.


Jer 26, 1-9         Freitag, 17. Woche

Im Anfang der Regierung Jojakims, des Sohnes Joschijas, des Königs von Juda, erging vom Herrn dieses Wort: So spricht der Herr: Stell dich in den Vorhof des Hauses des Herrn, und sag zu den Leuten, die aus allen Städten Judas kommen, um im Haus des Herrn anzubeten, alles, was ich dir ihnen zu verkünden aufgetragen habe; kein Wort sollst du weglassen. Vielleicht hören sie und kehren um, jeder von seinem bösen Weg, so dass mich das Unheil reut, das ich ihnen wegen ihrer schlechten Taten zugedacht habe. Sag also zu ihnen: So spricht der Herr: Wenn ihr nicht auf mein Wort hört und meiner Weisung nicht folgt, die ich euch gegeben habe, wenn ihr nicht auf die Worte meiner Knechte, der Propheten, hört, die ich immer wieder zu euch sende, obwohl ihr nicht hört, dann verfahre ich mit diesem Haus wie mit Schilo und mache diese Stadt zu einem Fluch bei allen Völkern der Erde. Die Priester, die Propheten und das ganze Volk hörten, wie Jeremia diese Worte vor dem Haus des Herrn vortrug. Als Jeremia alles gesagt hatte, was er im Auftrag des Herrn vor dem ganzen Volk zu verkünden hatte, ergriffen ihn die Priester, die Propheten und alles Volk und schrien: Jetzt musst du sterben. Warum weissagst du im Namen des Herrn: Wie Schilo wird es diesem Haus gehen, und diese Stadt wird verwüstet und entvölkert werden? Das ganze Volk rottete sich beim Haus des Herrn um Jeremia zusammen.


Böse Wege

Wenn Menschen Gutes tun, ohne an Gott zu glauben, ist das aus biblischer Sicht keineswegs wertlos, im Gegenteil. Wenn die Bibel jedoch von „bösen Wegen“ spricht, meint sie oft mehr als nur unmoralische Taten. Sie beschreibt damit den Weg eines Menschen, der sich von Gott entfernt und ohne ihn leben will.


Böse Wege

Stell dir einen Sohn vor, der freundlich zu allen Nachbarn ist und als vorbildlicher Bürger lebt. Gleichzeitig weigert er sich aber seit Jahren, mit seinem Vater zu sprechen oder ihn überhaupt anzuerkennen. Die Nachbarn würden sagen: „Er ist ein guter Mensch.“ Der Vater würde vielleicht antworten: „Ich freue mich über das Gute, das er tut, aber unsere Beziehung ist zerbrochen.“


Böse Wege

So ähnlich beschreibt die Bibel das Verhältnis zwischen Gott und dem Menschen. Sie würdigt gute Taten, sieht aber zugleich die Beziehung zu Gott als den Kern des Problems. Der Mensch hat sich von der Quelle des Lebens, welche ein Gott der Liebe ist, entfernt.


Böse Wege

Deshalb sind die "bösen Wege" in der Bibel nicht nur eine Liste unmoralischer Handlungen. „Böse Wege“ sind Wege, die den Menschen von Gott entfernen.

Wege, auf denen die Beziehung zu Gott einschläft und schließlich ganz zerbricht.


Frage.

Gibt es auch in meinem Leben Wege, die mich von der Liebe Gottes wegführen?


Jer 26, 11–16.24             Samstag, 17. Woche     

In jenen Tagen 11sagten die Priester und Propheten zu den Beamten und zum ganzen Volk: Jeremía hat den Tod verdient; denn er hat gegen diese Stadt geweissagt, wie ihr mit eigenen Ohren gehört habt. 12Jeremía aber erwiderte allen Beamten und dem ganzen Volk: Der Herr hat mich gesandt, damit ich als Prophet gegen dieses Haus und diese Stadt alle Worte verkünde, die ihr gehört habt. 13Nun also, bessert euer Verhalten und euer Tun und hört auf die Stimme des Herrn, eures Gottes, dass sich der Herr des Unheils gereut, das er euch angedroht hat! 14Siehe, ich selbst bin in eurer Hand; macht mit mir, was ihr für gut und recht haltet! 15Aber ihr sollt wissen: Wenn ihr mich tötet, bringt ihr unschuldiges Blut über euch, über diese Stadt und ihre Einwohner. Denn der Herr hat mich wirklich zu euch gesandt, damit ich euch alle diese Worte in die Ohren rufe. 16Da sagten die Beamten und das ganze Volk zu den Priestern und Propheten: Dieser Mann hat den Tod nicht verdient; denn er hat zu uns im Namen des Herrn, unseres Gottes, geredet. 24Áhikam, der Sohn Schafans, beschützte Jeremía, sodass man ihn nicht dem Volk auslieferte, das ihn töten wollte


13 Nun also, bessert euer Verhalten und euer Tun

Jeremia verteidigt sich nicht mit Ausreden oder Beschwichtigungen. Seine Worte sind ganz klar. Man braucht nicht zwischen den Zeilen zu lesen. Bessert euer Verhalten und euer Tun.


14 Siehe, ich bin in eurer Macht

Jeremia übergibt sich ganz in die Hände seiner Gegner. Jeremia ist innerlich ganz frei geworden. Er möchte nur noch Gott gehören und gehorchen. Genau in diesem Moment, wo alles verloren scheint, regt sich plötzlich das Gewissen seiner Gegner und sie widersprechen dem Todesurteil:


Zivilcourage

Geistlicher Widerstand stirbt nicht leicht. Oft reicht das Zeugnis eines standhaften Menschen aus, um in anderen das vergrabene Gewissen wieder wachzurufen. Ein Einzelner, der versucht, auf Gott zu hören und auf seinen Wegen zu gehen, kann viel bewirken.


Zivilcourage

Oft bricht ein Unrecht nur deshalb so schnell aus, weil alle mitmachen oder schweigen aus Angst. Es braucht meistens nur eine Stimme, die den Mut hat, innezuhalten und zu sagen: "Halt, so geht das nicht." Diese eine Stimme erinnert andere fast augenblicklich an ihr eigenes, verschüttetes Gewissen.


Zivilcourage

Wer nicht zwingend gewinnen oder um jeden Preis recht haben muss, strahlt eine Kraft aus, die andere irritiert und gleichzeitig beeindruckt. Jeremias’ Satz „Siehe, ich selbst bin in eurer Hand; macht mit mir, was ihr für gut und recht haltet!“ ist kein Ausdruck von Schwäche, sondern von seiner inneren Gewissheit, im Auftrag Gottes zu handeln. Er macht sich unangreifbar, weil er seine Würde nicht von der Gunst der Menge abhängig macht, sondern von Gott.


Zivilcourage

Zivilcourage beginnt dort, wo wir es nicht bei der bequemen Anpassung belassen, sondern das Rückgrat haben, für die Wahrheit oder für jemanden einzustehen, der gerade ungerecht behandelt wird.


Für heute

Bitte schwimme nicht mit der Menge, sondern höre auf Gott und zeige Zivilcourage, wenn es darum geht, Gott und seine Kirche zu verteidigen


Jer 30, 1–2.12–15.18–22             Dienstag, 18. Woche    

1Das Wort, das vom Herrn an Jeremía erging: 2So spricht der Herr, der Gott Israels: Schreib dir alle Worte, die ich dir gesagt habe, in ein Buch! 12So spricht der Herr: Arg ist dein Schaden, unheilbar deine Wunde. 13Niemand richtet dein Recht. Für das Geschwür gibt es keine Heilung, keine Genesung gibt es für dich. 14Alle deine Liebhaber haben dich vergessen, sie fragen nicht nach dir. Denn wie ein Feind schlägt, habe ich dich geschlagen mit harter Züchtigung wegen deiner vielfachen Schuld und deiner zahlreichen Sünden. 15Was schreist du über deinen Schaden und dein arges Leiden? Wegen deiner vielfachen Schuld und deiner zahlreichen Sünden habe ich dir das getan. 18So spricht der Herr: Siehe, ich wende das Geschick der Zelte Jakobs, seiner Wohnstätten erbarme ich mich. Die Stadt soll auf ihrem Schutthügel aufgebaut werden, der Palast auf seinem rechten Platz stehen. 19Lobgesang wird von dort erschallen und die Stimme von lachenden Menschen. Ich will ihre Zahl vermehren, sie sollen nicht weniger werden; ich will ihnen Ehre verschaffen, sie sollen nicht gering geachtet werden. 20Die Söhne Jakobs werden sein wie ehedem, seine Gemeinde wird vor mir bestehen bleiben, doch alle seine Unterdrücker suche ich heim. 21Sein Machthaber wird ihm selbst entstammen, sein Herrscher aus seiner Mitte hervorgehen. Ich gewähre ihm Zutritt, sodass er mir nahen kann; denn wer sonst dürfte sein Leben wagen, um mir zu nahen? – Spruch des Herrn. 22Ihr werdet mein Volk sein und ich werde euer Gott sein.


1Das Wort, das vom Herrn an Jeremía erging.

In der Bibel gibt es zahlreiche Erzählungen darüber, wie Gott zu Menschen spricht. Diese Begegnungen zeigen, dass Gott auf ganz unterschiedliche Weise kommuniziert – mal hörbar, mal durch Engel, in Träumen oder durch das Gewissen.


1 Das Wort, das vom Herrn an Jeremía erging.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Gott auch durch Gefühle oder durch Bilder zu einem Menschen sprechen kann. Ziemlich oft habe ich während der Feier der Heiligen Messe das Gefühl, dass es mich nach drüben, zu Gott zieht. Manchmal erscheint in meinem Inneren auch ein Bild, das mich dann sehr tröstet und einen inneren Frieden in mir hinterlässt

 

1 Das Wort, das vom Herrn an Jeremía erging.

Gott schenkt Bilder, weil diese in einem einzigen Augenblick mehr aussagen als gesprochene Worte. Gott benützt auch die Kraft der Bilder: Getreu dem Sprichwort „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ vermag Gott durch innere Bilder in einem einzigen Augenblick mehr auszudrücken als durch gesprochene Sprache.


1 Das Wort, das vom Herrn an Jeremía erging.

Ich glaube, dass wir wieder einen Perspektivenwechsel brauchen. Im Zentrum unserer Gebete sollte nicht das Formulieren von Anliegen, sondern eine bewusste innere Ausrichtung und Erwartungshaltung stehen, dass Gott sich meldet und dass ein Wort von ihm auch an mich ergeht. Wir sollten mehr hören – aber mit allen Sinnen – als sprechen.


1 Das Wort, das vom Herrn an Jeremía erging.

Der Begriff „hörendes Gebet“ bezeichnet eine Form der christlichen Spiritualität und Praxis, bei der das übliche Verhältnis des Betens auf den Kopf gestellt wird. Der Mund bleibt geschlossen, aber die inneren Sinne richten sich wie eine Antenne auf Gott aus, um seine Gegenwart und seine leisen Impulse wahrzunehmen.


Jer 31, 1–7 Mittwoch, 18. Woche 

1In jener Zeit – Spruch des Herrn – werde ich der Gott aller Sippen Israels sein und sie werden mein Volk sein. 2So spricht der Herr: Gnade fand in der Wüste das Volk, das dem Schwert entronnen ist; ich gehe mit, um Israel zur Ruhe zu führen. 3Aus der Ferne ist mir der Herr erschienen: Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt, darum habe ich dir die Treue bewahrt. 4Ich baue dich wieder auf, du wirst aufgebaut sein, Jungfrau Israel. Du wirst dich wieder schmücken mit deinen Pauken, wirst ausziehen im Reigen der Fröhlichen. 5Du wirst wieder Weingärten pflanzen auf Samárias Bergen. Die sie pflanzen, werden sie auch genießen. 6Denn es kommt der Tag, da rufen die Wächter auf Éfraims Bergland: Auf, lasst uns hinaufziehen nach Zion zum Herrn, unserem Gott! 7Ja, so spricht der Herr: Jubelt Jakob voll Freude zu und jauchzt über das Haupt der Völker! Verkündet, lobsingt und sagt: Rette, Herr, dein Volk, den Rest Israels!


Der Prophet Jeremia, oft als der weinende Prophet bekannt, schaut in eine Zeit tiefster Zerstörung, in der Israel vor den Trümmern seiner Existenz steht. Doch genau an diesem tiefsten Punkt öffnet sich in Jeremia 31 einer der tröstlichsten Horizonte des Alten Testaments. Kapitel 30 bis 33 werden auch das Trostbuch Jeremias genannt.


Wenn du auch Trost brauchst dann lass folgende Verse aus der heutigen Lesung doch einmal auf dich einwirken. Beziehe die Verse auf dich persönlich.


·       Aus der Ferne ist mir der Herr erschienen:

·       sie werden mein Volk sein

·       ich gehe mit, um Israel zur Ruhe zu führen

·       Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt,

·       darum habe ich dir die Treue bewahrt

·       Ich baue dich wieder auf,

·       Rette, Herr, dein Volk, den Rest Israels!



Jer 31, 31–34    Donnerstag, 18. Woche              

31Siehe, Tage kommen – Spruch des Herrn —, da schließe ich mit dem Haus Israel und dem Haus Juda einen neuen Bund. 32Er ist nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern geschlossen habe an dem Tag, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen. Diesen meinen Bund haben sie gebrochen, obwohl ich ihr Gebieter war – Spruch des Herrn. 33Sondern so wird der Bund sein, den ich nach diesen Tagen mit dem Haus Israel schließe – Spruch des Herrn: Ich habe meine Weisung in ihre Mitte gegeben und werde sie auf ihr Herz schreiben. Ich werde ihnen Gott sein und sie werden mir Volk sein. 34Keiner wird mehr den andern belehren, man wird nicht zueinander sagen: Erkennt den Herrn!, denn sie alle, vom Kleinsten bis zum Größten, werden mich erkennen – Spruch des Herrn. Denn ich vergebe ihre Schuld, an ihre Sünde denke ich nicht mehr.


Alle, vom Kleinsten bis zum Größten, werden mich erkennen.

Es stellt sich mir sofort die Frage: Wie geschieht diese Gotteserkenntnis? Wie können Kleine und Große, also Kinder und Erwachsene, Gott erkennen? Bisher lief Gotteserkenntnis dadurch, dass man die Thora, also das Alte Testament, erforschte. Wer das Gesetz verinnerlicht hatte, kannte die Gebote und die Schriften und damit auch Gott.


Denn ich vergebe ihre Schuld, an ihre Sünde denke ich nicht mehr

Aber heute kommt die Wende: Die Erkenntnis des Herrn gründet auf der Erfahrung von Vergebung. Man erkennt den Herrn nicht an seinem strengen Richteramt, sondern in seiner barmherzigen, vergebenden Liebe. Erst wer erfährt, dass Schuld absolut und endgültig getilgt ist, begreift etwas vom Wesen Gottes.


Denn ich vergebe ihre Schuld, an ihre Sünde denke ich nicht mehr

Die Erfahrung von Vergebung ist kein theoretisches Wissen über Gott, sondern das existenzielle Erleben seiner Gnade. „Klein und Groß“, also jedes Individuum, unabhängig von Bildung, sozialem Status, Alter oder Vorwissen, hat den gleichen, unmittelbaren Zugang zu Gott. Jeder kann Vergebung gewähren und erfahren.