1 König

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1 Kön 2, 1–4.10–12       Donnerstag, 4. Woche

1Als die Zeit herankam, da David sterben sollte, ermahnte er seinen Sohn Sálomo: 2Ich gehe nun den Weg alles Irdischen. Sei also stark und mannhaft! 3Erfüll deine Pflicht gegen den Herrn, deinen Gott: Geh auf seinen Wegen und bewahre alle seine Satzungen, Gebote, Rechtsentscheide und Bundeszeugnisse, die in der Weisung des Mose niedergeschrieben sind! Dann wirst du Erfolg haben bei allem, was du tust, und überall, wohin du dich wendest. 4Und der Herr wird sein Wort wahr machen, das er mir gegeben hat, als er sagte: Wenn deine Söhne auf ihren Weg achten und aufrichtig mit ganzem Herzen und ganzer Seele vor mir leben, wird es dir nie an Nachkommen auf dem Thron Israels fehlen. 10David entschlief zu seinen Vätern und wurde in der Davidstadt begraben. 11Die Zeit, in der David über Israel König war, betrug vierzig Jahre. In Hebron regierte er sieben und in Jerusalem dreiunddreißig Jahre. 12Sálomo saß nun auf dem Thron seines Vaters David und seine Herrschaft festigte sich mehr und mehr.


2 Sei also stark und mannhaft!

David weiß, dass er sterben wird, und ermutigt seinen Sohn Salomon, auf Gottes Wegen zu gehen und seine Satzungen und Rechtsvorschriften zu bewahren. Der künftige König soll sich ausschließlich an Gottes Gebote binden. Er darf nicht auf die Verlockungen der Welt hören, er darf sich als König auch nicht selbst über Gottes Gesetze stellen. Der künftige König muss stark sein und er muss Manns genug sein und sich eindeutig auf die Seite Gottes stellen.


2 Sei also stark und mannhaft!

Sein Sohn Salomon soll die Fehler vermeiden, die David gemacht hat. David hat oft nicht auf Gott gehört und seine Gebote nicht beachtet. Aus eigener Erfahrung weiß er, dass die Wege Gottes Segen bringen, Entscheidungen ohne Gott jedoch in den Abgrund führen.


10 David entschlief zu seinen Vätern

Am Beginn des ersten Königsbuches wird der Tod von König David geschildert. Die Auswahl der Verse ist jedoch so, dass sein Leben in ein positives Licht gerückt wird. Die letzten Worte Davids sehen aber ganz anders aus. Leider hat man die Verse 5-10 bei der Leseordnung ausgespart. Lesen Sie einmal selbst, wie unversöhnt David gestorben ist.

1 Kön 3, 4–13   Samstag, 4. Woche       

4 In jenen Tagen ging König Sálomo nach Gíbeon, um dort zu opfern; denn hier war die größte Kulthöhe. Tausend Brandopfer pflegte Sálomo auf jenen Altar zu legen. 5In Gíbeon erschien der Herr dem Sálomo nachts im Traum und forderte ihn auf: Sprich eine Bitte aus, die ich dir gewähren soll! 6Sálomo antwortete: Du hast deinem Knecht David, mei-nem Vater, große Huld erwiesen; denn er lebte vor dir in Treue, in Gerech-tigkeit und mit aufrichtigem Herzen. Du hast ihm diese große Huld be-wahrt und ihm einen Sohn geschenkt, der heute auf seinem Thron sitzt. 7So hast du jetzt, Herr, mein Gott, deinen Knecht anstelle meines Vaters David zum König gemacht. Doch ich bin noch sehr jung und weiß nicht aus noch ein. 8Dein Knecht steht aber mitten in deinem Volk, das du er-wählt hast: einem großen Volk, das man wegen seiner Menge nicht zählen und nicht schätzen kann. 9Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unter-scheiden versteht! Wer könnte sonst dieses mächtige Volk regieren? 10Es gefiel dem Herrn, dass Sálomo diese Bitte aussprach. 11Daher antwortete ihm Gott: Weil du gerade diese Bitte ausgesprochen hast und nicht um langes Leben, Reichtum oder um den Tod deiner Feinde, sondern um Einsicht gebeten hast, um auf das Recht zu hören, 12 werde ich deine Bitte erfüllen. Sieh, ich gebe dir ein so weises und verständiges Herz, dass keiner vor dir war und keiner nach dir kommen wird, der dir gleicht. 13Aber auch das, was du nicht erbeten hast, will ich dir geben: Reichtum und Ehre, sodass zu deinen Lebzeiten keiner unter den Königen dir gleicht.



Salomon, der Nachfolger Davids auf dem Königsthron, begegnet Gott im Traum. Zwei Dinge fallen mir auf.


9 Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz

Sicher weiß Salomon, dass sein Vater David auch Momente in seinem Le-ben hatte, in denen er nicht auf Gott, sondern auf seine eigene Lust hörte. Salomon kennt die furchtbaren Konsequenzen, die manche Entscheidungen und Taten Davids nach sich zogen.


9 Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz …

Salomon möchte nicht den gleichen Fehler wie sein Vater machen und bittet gleich am Anfang seines Wirkens um ein hörendes Herz, welches das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht!

Salomon ist bereit, Gott an die erste Stelle zu setzen. Er will Israel nicht aus eigener Kraft regieren, sondern ein guter König sein, der auf Gottes Weisung hört.


 … damit er dein Volk zu regieren versteht.

Salomo bittet um ein Herz, das auf Gott hört, um richtig zu handeln.

Ich finde interessant, dass Salomon auch gleich betont, wovor er ein hören-des Herz benötigt. Er möchte seine Aufgabe gut erfüllen. Er bat Gott nicht, die Aufgabe an seiner Stelle zu erledigen.


Wir dürfen Gott um Weisheit bitten, damit wir erkennen, was zu tun ist, und um den nötigen Mut, auch nach dieser Erkenntnis zu handeln.


1 Kön 8, 1–7.9–13            Montag, 5. Woche

In jenen Tagen 1 versammelte Sálomo die Ältesten Israels, alle Stammesführer und die Häupter der israelitischen Großfamilien bei sich in Jerusalem, um die Bundeslade des Herrn aus der Stadt Davids, das ist Zion, heraufzuholen. 2Am Fest im Monat Étanim, das ist der siebte Monat, kamen alle Männer Israels bei König Sálomo zusammen. 3Alle Ältesten Israels kamen und die Priester nahmen die Lade 4und brachten sie zugleich mit dem Offenbarungszelt und den heiligen Geräten, die im Zelt waren, hinauf. Die Priester und die Leviten übernahmen den Trägerdienst. 5König Sálomo aber und die ganze Gemeinde Israels, die bei ihm vor der Lade versammelt war, schlachteten Schafe und Rinder, die man wegen ihrer Menge nicht zählen und nicht berechnen konnte. 6Darauf stellten die Priester die Bundeslade des Herrn an ihren Platz, an den hochheiligen Ort des Hauses, in das Allerheiligste, unter die Flügel der Kérubim. 7Denn die Kérubim breiteten ihre Flügel über den Ort, wo die Lade stand, und bedeckten sie und ihre Stangen von oben her. 9In der Lade befanden sich nur die zwei steinernen Tafeln, die Mose am Horeb hineingelegt hatte, die Tafeln des Bundes, den der Herr mit den Israeliten beim Auszug aus Ägypten geschlossen hatte. 10Als dann die Priester aus dem Heiligtum traten, erfüllte die Wolke das Haus des Herrn. 11Sie konnten wegen der Wolke ihren Dienst nicht verrichten; denn die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus des Herrn. 12Damals sagte Sálomo: Der Herr hat gesagt, er werde im Wolkendunkel wohnen. 13Erbaut habe ich ein fürstliches Haus für dich, eine Wohnstätte für ewige Zeiten.


1 Um die Bundeslade des Herrn aus der Stadt Davids heraufzuholen

Wie sein Vater David, veranlasste auch Salomon, die Bundeslade heraufzubringen. (Dienstag, 3. Woche -   2 Sam 6, 12b–15.17–19). David konnte einst die Lade nur in einem Zelt aufstellen, Salomon brachte die Bundeslade nun in den neuen Tempel.


9 In der Lade befanden sich nur die zwei steinernen Tafeln,

Vers 9 erwähnt, dass sich „nur“ die zwei steinernen Tafeln in der Lade befanden. Das ist auffallend, denn nach Hebr. 9,34 waren auch ein Krug mit Manna und der Stab Aarons in der Lade. Nach Ex 16, 33 und Num 17,25 ist davon auszugehen, dass der Krug und der Stab allerdings vor der Bundeslade abgelegt waren.


10 Als dann die Priester aus dem Heiligtum traten

Nach der Zeremonie geschieht etwas Unerwartetes. Die Lade wurde durch die Priester an ihren Ort gebracht und die Priester haben das Heiligtum wieder verlassen. Aber jetzt erfüllt plötzlich eine Wolke das Haus des Herrn.


11 Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus des Herrn

Die Wolke steht für die Gegenwart Gottes. Die Gegenwart Gottes erfüllte den Tempel. Mitten in der heiligen Zeremonie, von den Priestern unerwartet, offenbart sich Gott. Die Priester waren davon so gebannt, dass sie ihren Dienst nicht mehr weiter verrichten konnten. Die Zeremonie war noch nicht beendet, denn es ist noch an ein Rauchopfer zu denken. Sie waren ergriffen von der Gegenwart Gottes und konnten nur noch staunen.


Eucharistiefeier

In der Feier der Eucharistie erlebe ich meine glücklichsten Momente. Ich erfahre, wie eine „Tür nach drüben sich öffnet“ und Gott mich ganz sanft und leise versucht, tiefer in seine Gegenwart zu ziehen. Diese Momente dauern oft nur wenige Augenblicke, sind aber sehr schön und unheimlich intensiv.

Die Herrlichkeit des Herrn erfüllte meine Seele.


Eucharistiefeier

Wenn ich Eucharistie feiere, dann möchte ich diese heilige Handlung bewusst vollziehen und innerlich damit rechnen, dass Gott mit seiner Herrlichkeit den Altarraum und die ganze Kirche jederzeit erfüllen kann.


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1 Kön 8, 22–23.27–30    Dienstag, 5. Woche

In jenen Tagen 22 trat Sálomo in Gegenwart der ganzen Versammlung Israels vor den Altar des Herrn, breitete seine Hände zum Himmel aus 23und betete: Herr, Gott Israels, im Himmel oben und auf der Erde unten gibt es keinen Gott, der so wie du Bund und Huld seinen Knechten bewahrt, die mit ungeteiltem Herzen vor ihm leben. 27Wohnt denn Gott wirklich auf der Erde? Siehe, selbst der Himmel und die Himmel der Himmel fassen dich nicht, wie viel weniger dieses Haus, das ich gebaut habe. 28Wende dich, Herr, mein Gott, dem Beten und Flehen deines Knechtes zu! Höre auf das Rufen und auf das Gebet, das dein Knecht heute vor dir verrichtet! 29Halte deine Augen offen über diesem Haus bei Nacht und bei Tag, über der Stätte, von der du gesagt hast, dass dein Name hier wohnen soll! Höre auf das Gebet, das dein Knecht an dieser Stätte verrichtet! 30Achte auf das Flehen deines Knechtes und deines Volkes Israel, wenn sie an dieser Stätte beten! Höre sie im Himmel, dem Ort, wo du wohnst! Höre sie und verzeih!


23 Herr, es gibt keinen Gott, der so ist wie du.

In Israels Nachbarschaft wurde eine Vielzahl von Göttern verehrt. Im Unterschied dazu galt für Israel von Anfang an, dass Jahwe allein Israels Gott ist.

Worin aber zeigt sich Jahwes Unvergleichlichkeit? Was unterscheidet ihn von den Göttern, die die Völker ringsum verehrten?


23 Herr, es gibt keinen Gott, der so wie du Bund und Huld bewahrt.

Wie oft hatte sich das Volk von Jahwe abgewandt, aber die Erfahrung des Volkes war dann doch so, dass Gott seine Treue und seinen Bund dennoch nicht aufgekündigt hat, sondern wie versprochen weiterführte.

Der Bund wurde von Gott nicht nur treu erfüllt, solange Israel den Bund bewahrte, sondern auch dann, wenn Israel auf merkwürdigen Wegen sich von Gott abgewandt hatte.


27 Wohnt denn Gott wirklich auf der Erde?

Salomon feierte mit der ganzen Gemeinde Israels die Einweihung des Tempels als Ort der Gegenwart. Salomon ist sich aber unsicher, ob Gott wirklich unter ihnen ist, denn er formuliert diesen Satz als Frage. Wohnt denn Gott wirklich auf der Erde?


Gott wohnt wirklich auf der Erde

Ich bin unendlich dankbar über den katholischen Glauben, der sich dazu bekennt, dass Jesus in der Gestalt der Hostie im Tabernakel aufbewahrt wird. Gott wohnt wirklich auf der Erde!

1 Kön 10, 1–10  Mittwoch, 5. Woche

In jenen Tagen 1 hörte die Königin von Saba vom Ruf Sálomos und kam, um ihn mit Rätselfragen auf die Probe zu stellen. 2Sie kam nach Jerusalem mit sehr großem Gefolge, mit Kamelen, die Balsam, eine gewaltige Menge Gold und Edelsteine trugen, trat bei Sálomo ein und redete mit ihm über alles, was sie in ihrem Herzen erwogen hatte. 3Sálomo gab ihr Antwort auf alle Fragen. Es gab nichts, was dem König verborgen war und was er ihr nicht hätte sagen können. 4Als nun die Königin von Saba die ganze Weisheit Sálomos erkannte, als sie den Palast sah, den er gebaut hatte, 5die Speisen auf seiner Tafel, die Sitzplätze seiner Beamten, das Aufwarten der Diener und ihre Gewänder, seine Getränke und sein Brandopfer, das er im Haus des Herrn darbrachte, da stockte ihr der Atem. 6Sie sagte zum König: Was ich in meinem Land über dich und deine Weisheit gehört habe, ist wirklich wahr. 7Ich wollte es nicht glauben, bis ich nun selbst gekommen bin und es mit eigenen Augen gesehen habe. Und wahrlich, nicht einmal die Hälfte hat man mir berichtet; deine Weisheit und deine Vorzüge übertreffen alles, was ich gehört habe. 8Glücklich sind deine Männer, glücklich diese deine Diener, die allezeit vor dir stehen und deine Weisheit hören. 9Gepriesen sei der Herr, dein Gott, der an dir Gefallen fand und dich auf den Thron Israels setzte. Weil der Herr Israel ewig liebt, hat er dich zum König bestellt, damit du Recht und Gerechtigkeit übst. 10Sie gab dem König hundertzwanzig Talente Gold, dazu eine sehr große Menge Balsam und Edelsteine. Niemals mehr kam so viel Balsam in das Land, wie die Königin von Saba dem König Sálomo schenkte.

 

1 In jenen Tagen hörte die Königin von Saba vom Ruf Sálomos.

Die geografische Lage von Saba ist schwer zu bestimmen. Es könnte das Gebiet eines nordarabischen Stammes oder auch das mächtige Reich der Sabäer im heutigen Jemen gemeint sein. Jesus spricht in Mt 12,42 und in Lk 11,31, von einer Königin des Südens, die von den „Enden der Erde" kam, um Salomos Weisheit zu hören.


1 In jenen Tagen hörte die Königin von Saba vom Ruf Sálomos.

Saba lag also nicht gerade „um die Ecke“, und dennoch kam die Königin mit ihrem Gefolge, um Salomon zu sehen. Salomos Weisheit war bekannt geworden bis an die Enden der Erde, und das ohne Handy und soziale Medien.



1 In jenen Tagen hörte die Königin von Saba vom Ruf Sálomos.

Wenn wir unsere Gottesdienste, Gebetszeiten und Treffen schön, und ansprechend gestalten, wird sich dies herumsprechen. Wenn wir mit dem, was wir sagen und tun, in die Tiefe gehen und das Evangelium verkünden, anstatt über Klima, Yoga und Atomkraft zu sprechen, dann wird sich das durch die „Flüsterpost“ auch bis an die Enden der Erde verbreiten.


 

1 In jenen Tagen hörte die Königin von Saba vom Ruf Sálomos.

In den sozialen Medien einigermaßen auffindbar zu sein, ist in unseren Tagen wichtig. Aber nur ein Tor würde alle Chips auf Instagram, TikTok und Facebook setzen. Ohne die Bedeutung der sozialen Medien zu schmälern, wage ich doch zu behaupten, dass die persönliche Weitergabe des Evangeliums von Mensch zu Mensch fruchtbringender ist.

1 Kön 11, 4–13                 Donnerstag, 5. Woche 

4Als Sálomo älter wurde, machten seine Frauen sein Herz anderen Göttern geneigt, sodass sein Herz dem Herrn, seinem Gott, nicht mehr ungeteilt ergeben war wie das Herz seines Vaters David. 5Er verehrte Astárte, die Göttin der Sidónier, und Milkom, den Götzen der Ammoníter. 6Er tat, was böse war in den Augen des Herrn, und war ihm nicht so vollkommen ergeben wie sein Vater David. 7Damals baute Sálomo auf dem Berg östlich von Jerusalem eine Kulthöhe für Kemosch, den Götzen der Moabíter, und für Milkom, den Götzen der Ammoníter. 8Dasselbe tat er für alle seine ausländischen Frauen, die ihren Göttern Rauch- und Schlachtopfer darbrachten. 9Der Herr aber wurde zornig über Sálomo, weil sich sein Herz von ihm, dem Gott Israels, abgewandt hatte, der ihm zweimal erschienen war 10 und ihm verboten hatte, fremden Göttern zu dienen. Doch Sálomo hielt sich nicht an das, was der Herr von ihm verlangt hatte. 11Daher sprach der Herr zu ihm: Weil es so mit dir steht, weil du meinen Bund und meine Satzungen nicht bewahrt hast, die ich dir gegeben habe, werde ich dir das Königreich entreißen und es deinem Knecht geben. 12Nur deines Vaters David wegen werde ich es nicht schon zu deinen Lebzeiten tun; erst deinem Sohn werde ich es entreißen. 13Doch werde ich ihm das Königtum nicht ganz entreißen; einen Stamm lasse ich deinem Sohn wegen meines Knechtes David und wegen Jerusalem, das ich erwählt habe.


Sálomo älter wurde.

Man sollte meinen, dass mit zunehmendem Alter Weisheit, Umsicht und Klugheit wachsen. Im Alter erlahmen aber auch die Kräfte, man wird milder und gibt eher nach. Salomon war müde geworden, „nein“ zu sagen.


Sálomo älter wurde.

Mit dem alt gewordenen David beginnt in 1König die Salomon-Überlieferung. Mit dem alt gewordenen Salomo beginnt heute das letzte Kapitel über Salomo.

Dem alten David war es schwergefallen, die Nachfolgefrage rechtzeitig in aller Klarheit für Salomon zu regeln. Dem alten Salomo fiel es schwer, gegenüber seinen Frauen eindeutig zu bleiben.



Für heute:

In manchen Gruppierungen, Gremien, Räte und Teams sind oft noch die Gründungsmitglieder, die vor vielen Jahren oder Jahrzehnten diese Gruppe gegründet und ins Leben gerufen haben, in der Verantwortung und in der Leitungsposition. Sie haben es nicht geschafft, Verantwortung an Jüngere zu übertragen, und merken gar nicht, wie sie mit ihrem Starrsinn eine Entwicklung verhindern.


Ich vermute, dass manchen Menschen ein Loslassen sehr schwerfällt. Sie befürchten einen Kontrollverlust. Wenn Menschen Verantwortung abgeben, verlieren sie die direkte Kontrolle. Sie sind dann nicht mehr der Mittelpunkt, von dem alle Entscheidungen ausgehen. Man muss sie nicht mehr fragen, wenn man bestimmte Dinge tun möchte.


Ich hoffe nur, dass ich selbst den richtigen Zeitpunkt finde, um in Rente zu gehen und den Nachfolger machen zu lassen.Text





1 Kön 11, 29–32; 12, 19            Freitag, 5. Woche           

11, 29Als in jener Zeit Jeróbeam einmal aus Jerusalem herauskam, be-gegnete ihm auf dem Weg der Prophet Ahíja aus Schilo. Dieser war mit einem neuen Mantel bekleidet. Während nun beide allein auf freiem Feld waren, 30 fasste Ahíja den neuen Mantel, den er anhatte, zerriss ihn in zwölf Stücke 31und sagte zu Jeróbeam: Nimm dir zehn Stücke; denn so spricht der Herr, der Gott Israels: Ich nehme Sálomo das Königtum weg und gebe dir zehn Stämme. 32Nur ein Stamm soll ihm verbleiben wegen meines Knechtes David und wegen Jerusalem, der Stadt, die ich aus allen Stämmen Israels erwählt habe. 12, 19So überwarf sich Israel mit dem Haus David bis zum heutigen Tag.

 

Noch bevor Salomon stirbt wird der neue König, Jerobeam vorgestellt. Bei Salomos Bauarbeiten in Jerusalem war er Aufseher über die Fronarbeiter aus dem Haus Josef (1 Kön 11,28).


Der zerrissene Mantel

Der Prophet Ahija war mit einem neuen Mantel bekleidet, den er in einer symbolischen Handlung in 12 Stücke zerriss – ein Mantelstück für jeden der 12 Stämme Israels. Wenig später deutet der Prophet die Handlung. Jerobeam sollte König über 10 Stämme werden, zu Salomon sollte nur noch ein Stamm (der Stamm Juda) gehören.


Der zerrissene Mantel

Der Prophet zerreißt einen nagelneuen Mantel und deutet damit an, dass etwas völlig Neues geschehen wird. Israel wird von nun an zerrissen und seine Einheit wird zerstört sein. Israel ist nicht mehr das, was es sein sollte: das eine Volk Gottes. Die Spaltung des Volkes Gottes in ein Nordreich und in ein Südreich dauerte ca. 400 Jahre und hatte katastrophale Folgen.


10+1=11

Der Mantel wurde in zwölf Teile zerrissen, aber die Rede ist dann nur von elf Stämmen. Jerobeam bekommt zehn Stämme und Salomo einen Stamm (Juda). Der Stamm Levi hatte kein eigenes Stammesgebiet (Nu 18,20; Josua 13,33; Hes 44,28)

1 Kön 12, 26–32; 13, 33–34                       Samstag, 5. Woche       

In jenen Tagen 12, 26 dachte Jeróbeam in seinem Herzen: Das Königtum könnte wieder an das Haus David fallen. 27Wenn dieses Volk hinaufgeht, um im Haus des Herrn in Jerusalem Opfer darzubringen, wird sich sein Herz wieder seinem Herrn, dem König Rehábeam von Juda, zuwenden. Mich werden sie töten und zu Rehábeam, dem König von Juda, zurückkehren. 28So ging er mit sich zu Rate, ließ zwei goldene Kälber anfertigen und sagte: Ihr seid schon zu viel nach Jerusalem hinaufgezogen. Hier sind deine Götter, Israel, die dich aus Ägypten heraufgeführt haben. 29Er stellte das eine Kalb in Bet-El auf, das andere brachte er nach Dan.

30Dies wurde Anlass zur Sünde. Das Volk zog vor dem einen Kalb her bis nach Dan. 31Auch machte er das Haus der Kulthöhen und Priester, die aus allen Teilen des Volkes stammten und nicht zu den Söhnen Levis gehörten. 32Für den fünfzehnten Tag des achten Monats machte Jeróbeam ein Fest, das dem Fest in Juda entsprach. Er stieg zum Altar hinauf. Das tat er in Bet-El, um den Kälbern zu opfern, die er hatte machen lassen. In Bet-El ließ er auch die Priester auftreten, die er für die Kulthöhen gemacht hatte. 13, 33Jeróbeam kehrte auch nach diesem Ereignis von seinem bösen Weg nicht um. Er machte weiterhin aus allen Teilen des Volkes Priester für die Kulthöhen; jedem, der es wünschte, füllte er die Hand und er wurde ein Höhenpriester. 34Das aber wurde dem Haus Jeróbeam als Sünde angerechnet, sodass es vernichtet und vom Erdboden vertilgt wurde.


Kurz zur politischen Lage:

Das Volk Israel war in der Reichsteilung in zwei Hälften zerfallen – in ein Nordreich, in dem Jerobeam König war, und in ein Südreich (welches nur aus dem Stamm Juda bestand) mit König Rehabeam. Jerusalem, das kultische Zentrum beider Königreiche, lag im Südreich auf dem Gebiet von König Rehabeam.


Zwei goldene Kälber.

Die größte Sorge des neuen Königs Jerobeam war, dass die Leute weiterhin zum Heiligtum des Nachbarkönigs Rehabeam nach Jerusalem pilgern. Er war neidisch geworden und fürchtete um seine Machtposition. Durch die gemeinsamen Feste beider Königreiche war die Gefahr groß, dass auch die politische Einheit wieder gesucht würde. Die Leute könnten sich wieder Rehabeam zuwenden und ihn selbst töten.


Zwei goldene Kälber.

Zum politischen Bruch zwischen Israel und Juda kam der kultische Bruch. Das vereinte Königreich zerbrach politisch und kultisch vollständig in zwei Reiche. Mit dem Ziel der kultischen Selbstständigkeit traf Jerobeam Maßnahmen, die nicht Gottes Zustimmung fanden. Er stellte das Heiligtum in Bethel dem Tempel in Jerusalem gegenüber und erhob für den Tempel in Bethel denselben Anspruch.


Zwei goldene Kälber.

Die Israeliten fertigten am Fuße des Berges Sinai ein goldenes Kalb an. Jerobeam ließ zwei goldene Kälber anfertigen. Hat Jerobeam denn nach der Erfahrung am Sinai nichts gelernt? Ausdrücklich wird in Exodus 32 die Verehrung des goldenen Kalbes als große Sünde erwähnt. Müsste der König nicht aus der Geschichte genug gelernt haben? Ein Blick in die Geschichte lehrt leider, dass gleiche Fehler immer wieder gemacht werden. Frühere Erfahrungen und Gottes Wort selbst geraten in Vergessenheit. Jede Generation ist neu gefragt nach dem Gehorsam oder Ungehorsam gegenüber Gottes Wort.

(Vgl. Hartmut Schmid, Wuppertaler Studenbibel)


1 Kön 18, 41–46             Donnerstag, 10. Woche

In jenen Tagen 41sagte Elíja zu Ahab: Geh hinauf, iss und trink; denn das Rauschen des Regens ist schon hörbar. 42Während Ahab wegging, um zu essen und zu trinken, stieg Elíja zur Höhe des Karmel empor, kauerte sich auf den Boden nieder und legte seinen Kopf zwischen die Knie. 43Dann befahl er seinem Diener: Geh hinauf und schau auf das Meer hinaus! Dieser ging hinauf, schaute hinaus und meldete: Es ist nichts zu sehen. Elíja befahl: Geh sieben Mal hinauf! 44Beim siebten Mal meldete der Diener: Eine Wolke, klein wie eine Menschenhand, steigt aus dem Meer herauf. Darauf sagte Elíja: Geh hinauf und sag zu Ahab: Spanne an und fahr hinab, damit der Regen dich nicht aufhält! 45Es dauerte nicht lange, da verfinsterte sich der Himmel durch Sturm und Wolken und es fiel ein starker Regen. Ahab bestieg den Wagen und fuhr nach Jésreël. 46Über Elíja aber kam die Hand des Herrn. Er gürtete sich und lief vor Ahab her bis dorthin, wo der Weg nach Jésreël abzweigt.


Die heutige Lesung öffnet uns tiefe Einblicke in das Wesen des Gebets, der Hoffnung und der göttlichen Gnade.


Eine Wolke, klein wie eine Menschenhand

Nach dem dramatischen Sieg über die Baalspropheten zieht sich Elija auf den Gipfel des Karmel zurück. Während König Ahab feiert, beugt sich Elija zur Erde und betet beharrlich um den ersehnten Regen. Siebenmal schickt er seinen Diener aus, um nach dem Meer zu blicken. Erst beim siebten Mal steigt eine Wolke auf, „klein wie eine Menschen-hand“. Kurz darauf bricht ein gewaltiger Regen los.


Eine Wolke, klein wie eine Menschenhand

Der Diener sieht anfangs nichts, dann nur eine Wolke. Doch in dieser winzigen Wolke verbirgt sich bereits der unendliche Segen des rettenden Regens. Gott bricht meistens nicht mit lautem Getöse in unser Leben ein, sondern im Unscheinbaren, Leisen, fast Übersehbaren. Es braucht den „prophetischen Blick“, um die ersten Zeichen seines Wirkens im Alltag zu erkennen.


Die Pädagogik der Unscheinbarkeit: Wie Gott sich zeigt

In der katholischen Sakramententheologie ist uns das Prinzip zutiefst vertraut: Das Größte verbirgt sich im Kleinsten (wie Christus in einer unscheinbaren Hostie).


Am Karmel passiert genau das: Die dreieinhalbjährige, tödliche Dürre wird nicht durch einen plötzlichen, den Himmel spaltenden Blitz beendet, sondern durch ein Wölkchen, „klein wie eine Menschenhand“.


Gott zwingt nicht: Ein riesiges, bedrohliches Gewitter am Horizont würde Angst machen. Die kleine Wolke fordert den Glauben heraus. Sie ist ein sanfter Hinweis.


Das Prinzip des Senfkorns: Jesus wird dieses Prinzip später im Evangelium aufgreifen (das Reich Gottes ist wie ein Senfkorn). Gott beginnt seine größten Rettungswerke fast immer im Mikroskopischen, im Übersehbaren.


Die Wolke als Bild für Maria (Typologie)

In der katholischen Tradition (besonders stark verankert in der Spiritualität des Karmelitenordens und bei Kirchenlehrern) wird diese Stelle als Prophetie auf die Gottesmutter Maria gedeutet.


Reinheit aus dem Salzwasser: Die Wolke steigt aus dem Meer auf. Das Meer steht in der Bibel oft für das Chaos, die Sünde und die Unerlöstheit der Welt. Die Wolke aber besteht aus Süßwasser – sie steigt aus dem salzigen Meer empor, ist aber rein und frei von Bitterkeit. Das ist ein Bild für die Immaculata, die unbefleckte Empfängnis Mariens: Sie lebt inmitten der unerlösten Menschheit, bleibt aber rein von der Erbsünde.


Die Bringerin des Christus-Regens: Die Wolke selbst ist nicht der Regen, aber sie trägt ihn. Maria ist nicht die Erlösung selbst, aber sie trägt den Erlöser in sich. So wie die kleine Wolke den rettenden Regen über das verdorrte Israel bringt, so bringt die Demut Mariens den Messias in eine geistig verdorrte Welt.


Spirituelle Relevanz für unser Leben: Der „Glaube im Millimeterbereich“

Für unseren persönlichen Glaubensweg enthält die kleine Wolke eine überaus tröstliche, aber auch herausfordernde Botschaft:


Für heute

Der Diener Elijas übersieht die Wolke fast. Er sagt: „Es ist nichts zu sehen.“ Erst beim siebten Mal bemerkt er diese Winzigkeit. Wir leben oft in einer Kultur des Spektakulären. Wir warten auf die „großen“ Ergebnisse, die radikalen Gebetserhörungen, den spürbaren Durchbruch. Gott aber antwortet oft im Millimeterbereich: ein friedlicher Gedanke nach dem Gebet, ein unerwartetes freundliches Wort eines Mitmenschen, eine leise Ahnung von Trost.


Das Handeln im Vertrauen: Elija wartet nicht, bis der Himmel schwarz vor Wolken ist. Sobald er von der handgroßen Wolke hört, handelt er. Er sagt zu Ahab: „Zieh hinab, damit dich der Regen nicht aufhält!“ Das ist heroisches Vertrauen. Geistlich bedeutet das: Wenn du ein winziges Zeichen von Gottes Gnade oder einen leisen Impuls des Heiligen Geistes in dir spürst, warte nicht auf den großen Sturm. Fang an zu gehen. Vertraue darauf, dass aus der Handvoll Wolke ein Ström der Gnade wird.


Ein Gedanke zum Mitnehmen: Die kleine Wolke erinnert uns daran, dass Gott unsere Armut nicht verachtet. Unsere eigenen Fähigkeiten, unsere Liebe und unser Gebet wirken oft so klein und unbedeutend wie diese Handvoll Dunst am Horizont. Aber in den Händen Gottes reicht diese Winzigkeit aus, um das Angesicht der Erde zu erneuern.

1 Kön 19, 9a.11–16        Freitag, 10. Woche        

In jenen Tagen kam Elíja zum Gottesberg Horeb. 9aDort ging er in eine Höhle, um darin zu übernachten. Doch das Wort des Herrn erging an ihn: 11Komm heraus und stell dich auf den Berg vor den Herrn! Da zog der Herr vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben. 12Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln. 13Als Elíja es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle. 14Da vernahm er eine Stimme, die ihm zurief: Was willst du hier, Elíja? Er antwortete: Mit Leidenschaft bin ich für den Herrn, den Gott der Heerscharen, eingetreten, weil die Israeliten deinen Bund verlassen, deine Altäre zerstört und deine Propheten mit dem Schwert getötet haben. Ich allein bin übrig geblieben und nun trachten sie auch mir nach dem Leben. 15Der Herr antwortete ihm: Geh deinen Weg durch die Wüste zurück und begib dich nach Damáskus! Bist du dort angekommen, salbe Hásaël zum König über Aram! 16Jehu, den Sohn Nimschis, sollst du zum König von Israel salben und Elíscha, den Sohn Schafats aus Ábel-Mehóla, salbe zum Propheten an deiner Stelle.


Ein sanftes, leises Säuseln

In einer spektakulären Aktion mit viel Getöse und Aktion hatte Elia die Baalspropheten auf dem Berg Karmel besiegt.


Ein sanftes, leises Säuseln

Das Problem: Elia dachte, man müsste Gottes Reich mit lautem Getöse, Machtdemonstrationen und Gewalt durchsetzen.


Ein sanftes, leises Säuseln

Heute zeigt Gott dem Propheten: „Ich bin nicht im Sturm, der alles zerbricht. Ich bin nicht im Feuer des Gerichts. Ich begegne dir ganz leise.


Für heute:

Nicht jene, die am lautesten schreien, werden sich am Ende durchsetzen, sondern jene, die anfangen zu schweigen und versuchen, auf Gottes leise Stimme zu hören.


1 Kön 19, 19–21             Samstag, 10. Woche

In jenen Tagen, 19als Elíja vom Gottesberg weggegangen war, traf er Elíscha, den Sohn Schafats. Er war gerade mit zwölf Gespannen am Pflügen und er selbst pflügte mit dem zwölften. Im Vorbeigehen warf Elíja seinen Mantel über ihn. 20Sogleich verließ Elíscha die Rinder, eilte Elíja nach und bat ihn: Lass mich noch meinem Vater und meiner Mutter den Abschiedskuss geben; dann werde ich dir folgen. Elíja antwortete: Geh, kehr um! Denn was habe ich dir getan? 21Elíscha ging von ihm weg, nahm seine zwei Rinder und schlachtete sie. Mit dem Joch der Rinder kochte er das Fleisch und setzte es den Leuten zum Essen vor. Dann stand er auf, folgte Elíja und trat in seinen Dienst.


Die Ochsen schlachten

Wenn man sich die Details der Geschichte anschaut, wird deutlich, dass Elischa hier nicht einfach nur ein Abschiedsessen veranstaltet, sondern eine bewusste, unumkehrbare Entscheidung trifft. Das Verhalten von Elischa zeigt seine tiefe Bereitschaft auf drei Ebenen:


Die Ochsen schlachten - ein radikaler Bruch mit der Vergangenheit.

Elischa pflügte mit zwölf Gespannen Ochsen. Er kommt also aus einer sehr wohlhabenden Bauernfamilie. Ochsen und das hölzerne Joch waren seine wertvollsten Arbeitswerkzeuge und seine finanzielle Absicherung.


Was er tut: Er schlachtet die Ochsen und benutzt das Holz des Jochs als Brennholz, um das Fleisch zu kochen.


Die Bedeutung: Damit zerstört er buchstäblich seine bisherige Existenzgrundlage. Er behält sich kein „Hintertürchen“ offen. Falls es als Prophet nicht klappt, kann er nicht einfach zurückkehren und weiterpflügen – denn sein Werkzeug ist verbrannt und seine Tiere sind tot. Es ist der totale Point of No Return.


Die Ochsen schlachten - ein Fest der Freude und des Dienens.

Anstatt heimlich wegzugehen oder zu trauern, macht Elischa aus dem Schlachten ein großes Festmahl für die Menschen seines Dorfes. Er teilt seinen Wohlstand ein letztes Mal mit der Gemeinschaft. Es ist kein trauriger Abschied, sondern ein feierlicher Übergang. Danach heißt es im Text schlicht: „Dann stand er auf, folgte Elija und trat in seinen Dienst.“ Vom reichen Großbauern wird er freiwillig zum Diener eines wandernden Propheten.


Die Ochsen schlachten - der Vergleich zum Neuen Testament.

Diese Szene ist so prägend, dass Jesus im Lukas-Evangelium (Lk 9,62) direkt darauf anspielt, als jemand ihm nachfolgen, sich aber vorher noch von seiner Familie verabschieden will. Jesus sagt dort: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ Im Gegensatz zu dem Mann bei Jesus hat Elischa den Pflug eben nicht nur losgelassen, sondern ihn verbrannt.

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1 Kön 21, 1–16  Montag, 11. Woche      

1In jenen Tagen trug sich Folgendes zu. Nabot aus Jésreël hatte einen Weinberg in Jésreël neben dem Palast Ahabs, des Königs von Samárien. 2Ahab verhandelte mit Nabot und schlug ihm vor: Gib mir deinen Weinberg! Er soll mir als Gemüsegarten dienen; denn er liegt nahe bei meinem Haus. Ich will dir dafür einen besseren Weinberg geben. Wenn es dir aber lieber ist, bezahle ich dir den Kaufpreis in Geld. 3Doch Nabot erwiderte: Der Herr bewahre mich davor, dass ich dir das Erbe meiner Väter überlasse. 4Darauf kehrte Ahab in sein Haus zurück. Er war missmutig und verdrossen, weil Nabot aus Jésreël zu ihm gesagt hatte: Ich werde dir das Erbe meiner Väter nicht überlas-sen. Er legte sich auf sein Bett, wandte das Gesicht ab und aß nichts. 5Seine Frau Isébel kam zu ihm herein und fragte: Warum bist du missmutig und isst nichts? 6Er erzählte ihr: Ich habe mit Nabot aus Jésreël verhandelt und ihm gesagt: Verkauf mir deinen Weinberg für Geld, oder wenn es dir lieber ist, gebe ich dir einen anderen dafür. Doch er hat geantwortet: Ich werde dir meinen Weinberg nicht geben. 7Da sagte seine Frau Isébel zu ihm: Du bist doch jetzt König in Israel. Steh auf, iss und sei guter Dinge! Ich werde dir den Weinberg Nabots aus Jésreël verschaffen. 8Sie schrieb Briefe im Namen Ahabs, versah sie mit seinem Siegel und schickte sie an die Ältesten und Vornehmen, die mit Nabot zusammen in der Stadt wohnten. 9In den Briefen schrieb sie: Ruft ein Fasten aus und lasst Nabot oben vor allem Volk Platz nehmen! 10Setzt ihm aber zwei nichtswürdige Männer gegen-über! Sie sollen gegen ihn als Zeugen auftreten und sagen: Du hast Gott und den König gelästert. Führt ihn dann hinaus und steinigt ihn zu Tode! 11Die Männer der Stadt, die Ältesten und Vornehmen, die mit ihm zusammen in der Stadt wohnten, taten, was Isébel ihnen gebo-ten hatte, was in den Briefen stand, die sie ihnen gesandt hatte. 12Sie riefen ein Fasten aus und ließen Nabot oben vor allem Volk Platz nehmen. 13Es kamen aber auch die beiden nichtswürdigen Männer und setzten sich ihm gegenüber. Sie standen vor dem Volk als Zeugen gegen Nabot auf und sagten: Nabot hat Gott und den König gelästert. Sogleich führte man ihn aus der Stadt hinaus und steinigte ihn zu To-de. 14Darauf ließen sie Isébel melden: Nabot wurde gesteinigt und ist tot. 15Sobald sie hörte, dass Nabot gesteinigt wurde und tot war, sagte sie zu Ahab: Auf, nimm den Weinberg Nabots aus Jésreël in Besitz, den er dir für Geld nicht verkaufen wollte; denn Nabot lebt nicht mehr; er ist tot. 16Als Ahab hörte, dass Nabot tot war, stand er auf und ging zum Weinberg Nabots aus Jésreël hinab, um von ihm Besitz zu ergreifen.



Die Geschichte von Nabots Weinberg ist kein verstaubter Text, sondern ein zeitloses Psychogramm von Macht, Feigheit und Systemversagen.


Ahab

König Ahab will Nabots Weinberg kaufen, um daraus einen Gemüsegarten zu machen. Nabot lehnt ab, das Erbe seiner Väter ist ihm wichtiger als ein Gewinn.


Ahab

Ahab reagiert zwar wie ein Kind, ist beleidigt und schmollt im Bett, aber er akzeptiert Nabots Entscheidung. Unreife gepaart mit Macht ist eine der gefährlichsten Kombinationen der Menschheitsgeschichte.


Isebel

Die Königin wird aktiv: Sie schreibt Briefe, sucht falsche Zeugen und inszeniert einen Lügenprozess.


Ahab

Er ist noch nicht erwachsen geworden. Er schmollt, er dreht sich im Bett gegen die Wand und kommt nicht mehr zum Abendessen - wie ein Kind. Er sieht das unrechte Tun Isebels, aber er greift nicht ein. Er sieht nur zu. Er übernimmt keine Verantwortung und lässt es laufen. Er unterbindet nicht die Intrigen Isebels. Er lässt Isebel gewähren. Ahab schreitet gegen das Unrecht nicht ein und lässt damit dem Bösen einen weiten Raum.


Fazit

Ahab verkörpert einen sehr modernen Typus von Täter: den passiven Profiteur. Wenn wir Unrecht „laufen lassen“, dann entwickelt das Böse eine Eigendynamik, die am Ende nicht mehr zu bremsen ist.

  • Auch Ahab hat sich schuldig gemacht
  • Das Böse braucht nicht immer Monster; oft reicht das Schweigen derer, die es stoppen könnten.
  • „Für den Triumph des Bösen reicht es, wenn die Guten nichts tun.“ – nach Edmund Burke


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1 Kön 21, 17–29             Dienstag, 11. Woche    

Elija sagte zu Ahab: Du hast Israel zur Sünde verführt Als Nabot tot war, 17erging das Wort des Herrn an Elíja aus Tischbe: 18Mach dich auf und geh Ahab, dem König von Israel, entgegen, der in Samária seinen Wohnsitz hat! Er ist zum Weinberg Nabots hinabgegangen, um von ihm Besitz zu ergreifen. 19Sag ihm: So spricht der Herr: Hast du gemordet und auch in Besitz genommen? Weiter sag ihm: So spricht der Herr: An der Stelle, wo die Hunde das Blut Nabots geleckt haben, werden Hunde auch dein Blut lecken. 20Ahab sagte zu Elíja: Hast du mich gefunden, mein Feind? Er erwiderte: Ich habe dich gefunden. Weil du dich hergabst, das zu tun, was dem Herrn missfällt, 21werde ich Unheil über dich bringen. Ich werde dich entfernen und von Ahabs Geschlecht alles, was männlich ist, ob unmündig oder mündig, in Israel ausrotten. 22Weil du mich zum Zorn gereizt und Israel zur Sünde verführt hast, werde ich mit deinem Haus verfahren wie mit dem Haus Jeróbeams, des Sohnes Nebats, und mit dem Haus Baschas, des Sohnes Ahíjas. 23Und über Isébel verkündet der Herr: Die Hunde werden Isébel an der Mauer von Jésreël auffressen. 24Wer von der Familie Ahabs in der Stadt stirbt, den werden die Hunde fressen, und wer auf dem freien Feld stirbt, den werden die Vögel des Himmels fressen. 25Es gab in der Tat niemand, der sich wie Ahab hergab zu tun, was böse war in den Augen des Herrn, da seine Frau Isébel ihn verführte. 26Sein Tun war überaus verwerflich; er lief den Götzen nach, ganz so, wie es die Amoríter getan hatten, die der Herr vor den Israeliten vertrieben hatte. 27Als Ahab diese Drohungen hörte, zerriss er seine Kleider, trug ein Bußgewand auf dem bloßen Leib, fastete, schlief im Bußgewand und ging bedrückt umher. 28Da erging das Wort des Herrn an Elíja aus Tischbe: 29Hast du gesehen, wie Ahab sich vor mir gedemütigt hat? Weil er sich vor mir gedemütigt hat, will ich das Unglück nicht schon in seinen Tagen kommen lassen. Erst in den Tagen seines Sohnes werde ich das Unheil über sein Haus bringen.


Hast du gemordet und auch noch in Besitz genommen?

Dass der Prophet Elija Ahab mit einer Frage statt mit einer bloßen Anklage konfrontiert, ist kein rhetorischer Zufall, sondern eine psychologische Meisterleistung Gottes.


Hast du gemordet und auch noch in Besitz genommen?

Eine direkte Aussage wie „Du hast gemordet!“ hätte sicher zu einer sofortigen Abwehr und Rechtfertigung Ahabs geführt. Eine Frage hingegen zwingt ihn zu überlegen und nachzudenken.


Hast du gemordet und auch noch in Besitz genommen?

Ahab hatte sich die Hände ja scheinbar nicht schmutzig gemacht – das war seine Frau Isebel. Ahab hat „nur“ geschwiegen, weggesehen und am Ende profitiert. Die Frage reißt diese Feigenblatt-Ausrede nieder. Sie funktioniert wie ein Spiegel: Ahab muss das Unaussprechliche in Gedanken selbst aussprechen. Er wird gezwungen, der nackten Realität seines Handelns ins Auge zu blicken.


Wo bist du, Adam? Wo ist dein Bruder Abel?

Im Paradies: „Wo bist du, Adam?“ (Gen 3,9) – Gott stellte eine Frage, nicht weil Gott den Aufenthaltsort nicht wusste, sondern damit Adam seine Entfremdung spürt.

Beim ersten Brudermord: „Wo ist dein Bruder Abel? „Was hast du getan?“ (Gen 4,9–10) Kain soll nachdenken und bereuen.


Hast du gemordet und auch noch in Besitz genommen?

Gott stellt fast nie Fragen, weil er eine Information braucht – er stellt Fragen, um den Menschen zur Selbsterkenntnis zu leiten. Die Frage an Ahab ist der leidenschaftliche Versuch Gottes, das erstorbene Gewissen des Königs ein letztes Mal wachzurütteln.


Für heute.

Es ist gut, wenn in unserem, Leben Fragen auftauchen. Was soll das Ganze? Wo liegt der Sinn? welcher ist der richtige Weg? So sind wir aufgefordert, tiefer nachzudenken und Antworten zu suchen.