Worte des Herrn waren selten

ew • 14. Januar 2026
Sam 3, 1–10.19–20 Mittwoch, 1. Woche 
Der junge Sámuel versah den Dienst des Herrn unter der Aufsicht Elis. In jenen Tagen waren Worte des Herrn selten; Visionen waren nicht häufig. Eines Tages geschah es: Eli schlief auf seinem Platz; seine Augen waren schwach geworden und er konnte nicht mehr sehen. Die Lampe Gottes war noch nicht erloschen und Sámuel schlief im Tempel des Herrn, wo die Lade Gottes stand. Da rief der Herr den Sámuel und Sámuel antwortete: Hier bin ich. Dann lief er zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Eli erwiderte: Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder schlafen! Da ging er und legte sich wieder schlafen. 6Der Herr rief noch einmal: Sámuel! Sámuel stand auf und ging zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Eli erwiderte: Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder schlafen! Sámuel kannte den Herrn noch nicht und das Wort des Herrn war ihm noch nicht offenbart worden. Da rief der Herr den Sámuel wieder, zum dritten Mal. Er stand auf und ging zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Da merkte Eli, dass der Herr den Knaben gerufen hatte. Eli sagte zu Sámuel: Geh, leg dich schlafen! Wenn er dich ruft, dann antworte: Rede, Herr, denn dein Diener hört. Sámuel ging und legte sich an seinem Platz nieder. Da kam der Herr, trat heran und rief wie die vorigen Male: Sámuel, Sámuel! Und Sámuel antwortete: Rede, denn dein Diener hört. Sámuel wuchs heran und der Herr war mit ihm und ließ keines von all seinen Worten zu Boden fallen. Ganz Israel von Dan bis Beërschéba erkannte, dass Sámuel als Prophet des Herrn beglaubigt war

Worte des Herrn waren selten; Visionen waren nicht häufig.
Es fehlte alles, was den Glauben stärken und was zum Gehorsam und zur Liebe Gottes helfen sollte. Zeiten, in denen Gott schweigt, gibt es immer wieder. Die Erfahrung, dass Gott schweigt, ist nicht neu. Auch Jesus ruft am Kreuz aus: Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? In entscheidenden Momenten scheint Gott zu schweigen.

Worte des Herrn waren selten; Visionen waren nicht häufig.
Große Heilige haben das Schweigen Gottes erlebt. Von Mutter Theresa habe ich gelesen, dass sie über Jahrzehnte eine Zeit der tiefen Abwesenheit Gottes erfahren hat. Sie nannte diese Erfahrung „Die dunkle Nacht der Seele“. 

Worte des Herrn waren selten; Visionen waren nicht häufig.
Die Reihe der Heiligen, die das Schweigen Gottes schmerzhaft erlebt haben, kann man beliebig fortsetzen. Sicher haben auch Sie bereits die Erfahrung gemacht, dass Gott unendlich weit entfernt zu sein scheint. Gott schweigt, aber er hört. 

Worte des Herrn waren selten; Visionen waren nicht häufig.
Manchmal wollen wir das, was wir uns wünschen, immer sofort bekommen. Wenn etwas irgendwo auf der Welt geschieht, dann erfahren wir es innerhalb von Minuten. Wenn wir bei Amazon etwas bestellen, dann ist es am nächsten Tag schon im Briefkasten. 

Worte des Herrn waren selten; Visionen waren nicht häufig.
Oft ist mein Tagesrhythmus so eng getaktet, dass ich kaum Zeit finde für das Stundengebet. Und dann, wenn einmal eine halbe Stunde Zeit ist, dann bin ich müde oder bete eben schnell noch die mir aufgetragenen Psalmen. Ich bringe schnell mein Anliegen vor Gott und mache dann wieder weiter. Es ist wie ein Austausch zwischen Tür und Angel.

Worte des Herrn waren selten; Visionen waren nicht häufig.
Gott hat es auch nicht leicht mit mir. Er möchte keine schnellen Wortwechsel, sondern er will eine tiefere Konversation. Für mich ist es leicht, immer wieder Stoßgebete an Gott zu richten, aber Gott möchte mehr. Gott möchte tiefer gehen. Gott ruft nach einer tiefen Unterhaltung, in der er nicht nur schnell auf meine Bitten reagiert, sondern auch über andere Dinge mit mir spricht.

Bild: Pexel / Engin Akyurt

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Schriftbetrachtung

von ew 4. Februar 2026
2 Sam 24, 2.9–17 Mittwoch, 4. Woche In jenen Tagen 2 befahl der König David Joab, dem Obersten des Heeres, der bei ihm war: Durchstreift alle Stämme Israels von Dan bis Beërschéba und mustert das Volk, damit ich die Zahl des Volkes kenne! 9Und Joab gab dem König das Ergebnis der Volkszählung bekannt: Israel zählte achthunderttausend Krieger, die mit dem Schwert kämpfen konnten, und Juda fünfhunderttausend. 10Dann aber schlug David das Gewissen, nachdem er das Volk gezählt hatte, und er sagte zum Herrn: Ich habe schwer gesündigt, weil ich das getan habe. Doch vergib deinem Knecht seine Schuld, Herr; denn ich habe sehr unvernünftig gehandelt. 11Als David am Morgen aufstand, war bereits folgendes Wort des Herrn an den Propheten Gad, den Seher Davids, ergangen: 12Geh und sag zu David: So spricht der Herr: Dreierlei lege ich dir vor. Wähl dir eines davon! Das werde ich dir antun. 13Gad kam zu David, teilte ihm das Wort mit und sagte: Was soll über dich kommen? Sieben Jahre Hungersnot in deinem Land? Oder drei Monate Flucht vor deinen Feinden, die dich verfolgen? Oder drei Tage Pest in deinem Land? Überleg dir sehr genau, was ich dem, der mich gesandt hat, als Antwort überbringen soll! 14Da sagte David zu Gad: Ich habe große Angst. Wir wollen lieber in die Hand des Herrn fallen, denn seine Barmherzigkeit ist groß; den Menschen aber möchte ich nicht in die Hand fallen. 15Da ließ der Herr über Israel eine Pest kommen; sie dauerte von jenem Morgen an bis zu dem festgesetzten Zeitpunkt und es starben zwischen Dan und Beërschéba siebzigtausend Mann im Volk. 16Als der Engel seine Hand gegen Jerusalem ausstreckte, um es ins Verderben zu stürzen, reute den Herrn das Unheil und er sagte zu dem Engel, der das Volk ins Verderben stürzte: Es ist jetzt genug, lass deine Hand sinken! Der Engel war gerade bei der Tenne des Jebusíters Aráuna. 17Als David den Engel sah, der das Volk schlug, sagte er zum Herrn: Ich bin es doch, der gesündigt hat; ich bin es, der sich vergangen hat. Aber diese, die Herde, was haben denn sie getan? Erheb deine Hand gegen mich und gegen das Haus meines Vaters! Obwohl nicht genau erklärt wird, warum die Zählung falsch war, könnte sie auf Stolz oder mangelndes Vertrauen in Gottes Schutz hindeuten. Als Strafe gibt Gott David drei Wahlmöglichkeiten: Hungersnot, Krieg oder eine dreitägige Pest. David Stolz und Ehrgeiz waren der Antrieb dafür, das Volk zählen zu lassen. David wollte sich nicht auf das Eingreifen Gottes verlassen, sondern auf seine militärische Größe und eigene Verteidigungskraft. Er lässt die Größe seines Heeres zählen und setzt so mehr Vertrauen in sich als auf Gott. In ähnlicher Weise sündigen auch wir, wenn wir unsere Sicherheit auf Geld, Besitz oder unsere Stärke gründen. Ich bin es doch, der gesündigt hat. Jedes gute Wort, und jede gute Tat haben positive Folgen. Umgekehrt ist es aber auch so, dass negative Worte und Taten auch negative Konsequenzen haben. Auch wenn der Mensch die Schuld erkennt und sie in der Beichte der Barmherzigkeit Gottes übergibt, so bleiben dennoch die Folgen der Schuld bestehen. David sündigte und das ganze Volk hatte die Folgen seiner Schuld zu tragen. Ich bin es doch, der gesündigt hat. Wer sich am Abend betrinkt, wird am Morgen feststellen, dass er einen furchtbaren Kater hat. Andere leiden dann darunter, dass er mürrisch und gereizt ist. Ein Familienvater, der in seiner Trunksucht Hab und Gut verspielt, zieht seine ganze Familie in das Unglück mit hinein. Wer einen Fluch ausstößt, muss sich nicht wundern, wenn Dinge sich zum Negativen wenden. Ablass Wer seine Sünde wiedergutmachen möchte, muss auch versuchen, die Folgen seiner Schuld wiedergutzumachen. Während die Beichte die persönliche Schuld des Einzelnen zunichtemacht, wendet sich ein Ablass gegen die Folgen der Schuld. Bild: Pexel / Maruxa Lomoljo Koren
von ew 3. Februar 2026
2 Sam 18, 6.9-10.14.24–25.30-19, 3 Dienstag, 4. Woche In jenen Tagen 18, 6 zogen die Leute Davids ins Feld, den Israeliten entgegen, und im Wald Éfraim kam es zur Schlacht. 9Plötzlich kam Ábschalom in das Blickfeld der Krieger Davids; er ritt auf einem Maultier. Als das Maultier unter den Ästen einer großen Eiche hindurchlief, blieb Ábschalom mit dem Kopf fest an der Eiche hängen, sodass er zwischen Himmel und Erde schwebte und das Maultier unter ihm weglief. 10Jemand sah es und meldete Joab: Ich habe gerade Ábschalom an einer Eiche hängen sehen. 14bJoab nahm drei Spieße in die Hand und stieß sie Ábschalom, der noch lebend an der Eiche hing, ins Herz. 24David saß zwischen den beiden Toren. Der Späher aber war auf das Dach des Tores, auf die Mauer, gestiegen, und als er Ausschau hielt, sah er einen einzelnen Mann herbeilaufen. 25abDer Späher rief dem König die Meldung zu. Der König sagte: Wenn er allein ist, dann bringt er eine gute Nachricht. 30Der König befahl dem Späher: Tritt zur Seite und stell dich hierher! Der trat zur Seite und blieb dort stehen. 31Da kam ein Kuschíter und sagte: Mein Herr, der König, lasse sich die gute Nachricht bringen, dass der Herr dir heute Recht verschafft hat gegenüber allen, die sich gegen dich erhoben hatten. 32Der König fragte den Kuschíter: Geht es dem Jungen, Ábschalom, gut? Der Kuschíter antwortete: Wie dem jungen Mann möge es allen Feinden meines Herrn, des Königs, ergehen, allen, die sich in böser Absicht gegen dich erhoben haben. 19, 1Da zuckte der König zusammen, stieg in den oberen Raum des Tores hinauf und weinte. Während er hinaufging, rief er: Mein Sohn Ábschalom, mein Sohn, mein Sohn Ábschalom! Wäre ich doch an deiner Stelle gestorben, Ábschalom, mein Sohn, mein Sohn! 2Man meldete Joab: Der König weint und trauert um Ábschalom. 3So wurde der Tag der Rettung für das ganze Volk zu einem Trauertag; denn die Leute hörten an diesem Tag: Der König ist voll Schmerz wegen seines Sohnes. Ábschalom. Der dritte Sohn Davids, Abschalom, erlitt einen tragischen Tod. Der junge König war nicht nur von seinen Truppen getrennt, auch seine Begleitung, die normalerweise ständig um den König war, hatte ihn alleine gelassen. Der ehrgeizige Prinz war von Gott und der Welt verlassen. Ábschalom. Es ist fraglich, ob er sich wirklich mit seinem Haar im Geäst einer Eiche verfangen hatte. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass er sich, wie in der Lesung beschrieben, mit seinem Kopf (also mit dem Hals), in einer Astgabel hängenblieb und sich so schwer verletzte, dass er nicht mehr um Hilfe rufen konnte. Ábschalom Er hängt „zwischen Himmel und Erde“, als solle damit ausgedrückt werden, dass er für beide unzumutbar ist. Die Erde will ihn nicht halten und der Himmel will ihn nicht annehmen. Deshalb öffnet das Totenreich seinen Mund, um ihn zu empfangen (vgl. www.kingcomments.com). Ábschalom. Klaus vom Orte weist in der Wuppertaler Studienbibel darauf hin, dass nicht ein Mensch, sondern ein Stück Schöpfung, nämlich ein Baum, Abschaloms Flucht beendete. Dies erinnert durchaus daran, dass Gott selbst gelegentlich seine Schöpfung einsetzt, um unter den Menschen zu seinem Ziel zu kommen. David Sobald David hört, dass Absalom tot ist, ist er nicht mehr König seines Volkes, sondern nur noch Vater. Er fragt nichts mehr, sondern verfällt in ein leidenschaftliches Weinen. Der Dichterkönig, der sich in anderen Fällen in einem wortgewandten Klagelied äußert, kann hier nur schluchzen und stammeln: „Mein Sohn Absalom, mein Sohn, mein Sohn Absalom! … Absalom, mein Sohn, mein Sohn!“ Bis zu achtmal kommen aus den Tiefen seiner Seele die Worte „mein Sohn“ hervor. David Er zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück und gibt sich seinem Schmerz hin. Sollten wir David dafür hart angreifen? Wie würden wir reagieren, wenn wir einen solchen Sohn hätten und eine solche Nachricht erhielten? (vgl. www.kingcomments.com) Bild: Pexel / Vivian Braun
von ew 2. Februar 2026
2 Sam 15, 13–14.30; 16, 5–13a Montag, 4. Woche In jenen Tagen 15, 13 kam ein Bote und meldete David: Das Herz der Israeliten hat sich Ábschalom zugewandt! 14Da sagte David zu allen seinen Dienern, die bei ihm in Jerusalem waren: Auf, wir müssen fliehen, denn für uns gibt es keine Rettung vor Ábschalom. Beeilt euch mit dem Aufbruch, sonst kommt er und holt uns ein, bringt Unglück über uns und schlägt die Stadt mit scharfem Schwert. 30David stieg weinend und mit verhülltem Haupte den Ölberg hinauf; er ging barfuß und alle Leute, die bei ihm waren, verhüllten ihr Haupt und zogen weinend hinauf. 16, 5Als König David nach Báhurim kam, siehe, da kam aus der Stadt ein Mann heraus namens Schimi, ein Sohn Geras aus der Sippe des Hauses Saul. Er kam heraus, fluchte 6 und warf mit Steinen nach ihm und allen Dienern des Königs David, obwohl das ganze Volk und alle Krieger rechts und links um ihn standen. 7Schimi schrie und fluchte: Verschwinde, verschwinde, du Mörder, du Niederträchtiger! 8Der Herr hat all deine Blutschuld am Haus Sauls, an dessen Stelle du König geworden bist, auf dich zurückfallen lassen. Der Herr hat das Königtum in die Hand deines Sohnes Ábschalom gegeben. Nun bist du ins Unglück geraten; denn du bist ein Mörder. 9Da sagte Ábischai, der Sohn der Zerúja, zum König: Warum flucht dieser tote Hund meinem Herrn, dem König? Ich will hinübergehen und ihm den Kopf abschlagen. 10Doch der König antwortete: Was habe ich mit euch zu schaffen, ihr Söhne der Zerúja? Wenn er flucht und wenn der Herr ihm gesagt hat: Verfluch David!, wer darf dann fragen: Warum tust du das? 11Und weiter sagte David zu Ábischai und all seinen Dienern: Seht, mein leiblicher Sohn trachtet mir nach dem Leben, wie viel mehr erst der Benjaminíter. Lasst ihn fluchen! Sicherlich hat es ihm der Herr geboten. 12Vielleicht sieht der Herr mein Elend an und erweist mir Gutes für den Fluch, der mich heute trifft. 13aDavid und seine Männer setzten ihren Weg fort. Obwohl er von seinem Vater sehr geliebt wurde, versucht Abschalom diesen zu stürzen. Der Sohn will die Macht an sich reißen und wendet sich gegen den Vater. Warum nur? Es keine Rettung vor Ábschalom. Die Erklärung scheint mir einfach zu sein. Es ist nicht verwunderlich, dass sich der Sohn einfach nahm, was er wollte, er hatte es ja von seinem Vater David gelernt. David begann ein Verhältnis mit Batseba – aus Lust. David schickte deren Ehemann Uria in den Tod – um seine Sünde zu vertuschen. Rücksichtslos nahm sich David, was ihm gefiel. Abschalom lernte schnell und ahmte den Vater nach. Verschwinde, verschwinde, du Mörder Dass an den Händen Davids das Blut des Urias klebte, wird sich mittlerweile herumgesprochen haben. Laut verflucht darum Shimi den flüchtenden David, der sich diese Schmach gefallen lassen muss. Lasst ihn fluchen! David gibt sich demütig und reumütig. Er wehrt sich nicht gegen die Flüche und gegen die Steine, von denen ihn der ein oder andere sich getroffen hat. Vielleicht ist er auch wegen der Menge, die ihn begleitet und beobachtet, so bescheiden. Er will sich in der Öffentlichkeit keine weitere Blöße geben. Lasst ihn fluchen! Wie sehr diese Schmach jedoch in seinem Inneren bohrte, sieht man daran, dass David noch auf seinem Sterbebett seinem Nachfolger und Sohn Salomon aufträgt, Shimi nicht ungestraft davonkommen zu lassen. Salomon soll Shimi töten. Als letzte Amtshandlung befahl er, Shimis graues Haar blutig in die Unterwelt zu schicken. Danach starb David (1 Kön 2, 8-10). Bild: Pexel / mehrab zahedbeigi
von ew 31. Januar 2026
2 Sam 12, 1–7a.10–17 Samstag, 3. Woche In jenen Tagen 1 schickte der Herr den Natan zu David; dieser ging zu David und sagte zu ihm: In einer Stadt lebten einst zwei Männer; der eine war reich, der andere arm. 2Der Reiche besaß sehr viele Schafe und Rin-der, 3der Arme aber besaß nichts außer einem einzigen kleinen Lamm, das er gekauft hatte. Er zog es auf und es wurde bei ihm zusammen mit seinen Kindern groß. Es aß von seinem Stück Brot und es trank aus sei-nem Becher, in seinem Schoß lag es und war für ihn wie eine Tochter. 4Da kam ein Besucher zu dem reichen Mann und er brachte es nicht über sich, eines von seinen Schafen oder Rindern zu nehmen, um es für den zuzube-reiten, der zu ihm gekommen war. Darum nahm er dem Armen das Lamm weg und bereitete es für den Mann zu, der zu ihm gekommen war. 5Da geriet David in heftigen Zorn über den Mann und sagte zu Natan: So wahr der Herr lebt: Der Mann, der das getan hat, verdient den Tod. 6Das Lamm soll er vierfach ersetzen, weil er das getan und kein Mitleid gehabt hat. 7aDa sagte Natan zu David: Du selbst bist der Mann. 10Darum soll jetzt das Schwert auf ewig nicht mehr von deinem Haus weichen; denn du hast mich verachtet und dir die Frau des Hetíters genommen, damit sie deine Frau werde. 11So spricht der Herr: Ich werde dafür sorgen, dass sich aus deinem eigenen Haus das Unheil gegen dich erhebt, und ich werde dir vor deinen Augen deine Frauen wegnehmen und sie einem andern geben; er wird am hellen Tag bei deinen Frauen liegen. 12Ja, du hast es heimlich getan, ich aber werde es vor ganz Israel und am hellen Tag tun. 13Darauf sagte David zu Natan: Ich habe gegen den Herrn gesündigt. Natan ant-wortete David: Der Herr hat dir deine Sünde vergeben; du wirst nicht ster-ben. 14Weil du aber durch diese Tat den Herrn verworfen hast, muss der Sohn, der dir geboren wird, sterben. 15Dann ging Natan nach Hause. Der Herr aber ließ das Kind, das die Frau des Uríja dem David geboren hatte, schwer krank werden. 16David suchte Gott wegen des Knaben auf und fastete streng; und wenn er heimkam, legte er sich bei Nacht auf die bloße Erde. 17Die Ältesten seines Hauses kamen zu ihm, um ihn dazu zu bewe-gen, von der Erde aufzustehen. Er aber wollte nicht und aß auch nicht mit ihnen. Wieder inspiriert mich Klaus vom Orde, Wuppertaler Studienbibel In einer Stadt lebten einst zwei Männer; der eine war reich, der andere arm. Ohne Umschweife werden die beiden Akteure der Geschichte beschrieben. Dabei fällt die Beschreibung des Reichen im Verhältnis zum Armen äußerst knapp aus: „Er besaß sehr viele Schafe und Rinder.“ Eine weitere Beschrei-bung seines Charakters ist offenbar nicht nötig. Über den Armen erfahren wir dagegen viel mehr. Sein einziges kleines Lamm behandelte er fast wie einen Familienangehörigen. 7 Du selbst bist der Mann Es ist nicht sehr schwer, diese Parabel auf die doppelte Sünde Davids (Ehe-bruchs mit Batseba und Mordes an Uria) zu deuten. Natans Worte treffen voll ins Schwarze. Die Worte „du bist der Mann“ treffen David bis in die Tiefe seines Gewissens. Sie reichen aus, um ihn vollständig zu zerbrechen und ihn zu einem vollständigen Bekenntnis zu bringen. Das richtige Wort zur richtigen Zeit kann einen verirrten Gläubigen zum Bekennen bringen. 13 Darauf sagte David zu Natan: Ich habe gegen den Herrn gesündigt. Die Antwort Davids ist verblüffend kurz und unemotional. Aber ich glaube nicht, dass David hier nur ein formales Sündenbekenntnis ausgesprochen hat, sondern dass ihm die größere Konsequenz des Fehlverhaltens sehr be-wusst geworden ist. Die Einsicht Davids kommt zwar ziemlich spät, aber nicht der Zeitpunkt der Umkehr, sondern die Tatsache, dass David überhaupt umkehrt, ist vor Gott entscheidend. Ich habe gegen den Herrn gesündigt. Ich habe gegen den Herrn gesündigt. Vielleicht spüren Sie, wie dieses Be-kenntnis Sie auf einmal befreit. Sie müssen nicht Ihr Leben lang in Sack und Asche herumlaufen. Wenn Sie es sich eingestehen, dass Sie Fehler gemacht und anderen gescha-det haben, wandelt sich Ihr schlechtes Gewissen, das Sie verdrängt hatten. Sie spüren einen tiefen inneren Frieden. Denn mit dem Eingeständnis Ihrer Schuld erfahren Sie zugleich, dass Sie nicht aus der liebenden Hand Gottes fallen, sondern in sie hinein. (Anselm Grün) 14 Weil du aber durch diese Tat den Herrn verworfen hast, muss der Sohn, der dir geboren wird, sterben . Die Sünde Davids bleibt trotz Bekenntnis, Schuldvergebung und Umkehr Davids nicht ohne Folgen. Dies gehört mit zu den Aspekten der Sünde, denn jeder Sünde haftet eine doppelte Dimension an. Es ist zum einen die Schuld, die man auf sich lädt gegenüber Gott und gegenüber dem Nächsten. Dann hat jede Sünde aber auch eine Folge. Die Folge, die David durch seine Sünde zu tragen hatte, war hart. „Der Sohn, der dir geboren wird, muss sterben.“ 14 Der Sohn, der dir geboren wird, muss sterben. Es fällt mir sehr schwer, diese Konsequenz einfach hinzunehmen. Aber: Jede Sünde hat Konsequenzen. Jede Sünde verändert die Welt zum Schlechteren. Jede Sünde hat furchtbare Folgen. Pfarrer Richard Kocher hat in einer ausgezeichneten Predigt über die Sünde Davids und deren Folgen gesprochen. https://www.youtube.com/watch?v=y0aCmyhs6o8 Siehe auch seine Mittagsansprache: https://www.youtube.com/watch?v=Wstz47hUwoE Bild: Pexel / Drift Shutterbug
von ew 30. Januar 2026
2 Sam 11, 1–4ac.5–10a.13–17 Freitag, 3. Woche 1Um die Jahreswende, zu der Zeit, in der die Könige in den Krieg ziehen, schickte David Joab mit seinen Knechten und ganz Israel aus und sie verwüsteten das Land der Ammoníter und belagerten Rabba. David selbst aber blieb in Jerusalem. 2Als David einmal zur Abendzeit von seinem Lager aufstand und auf dem Flachdach des Königspalastes hin- und herging, sah er von dort aus eine Frau, die badete. Die Frau war sehr schön anzusehen. 3David schickte jemand hin, erkundigte sich nach ihr und sagte: Ist das nicht Batséba, die Tochter Ámmiëls, die Frau des Hetíters Uríja? 4aDarauf schickte David Boten zu ihr und ließ sie holen; sie kam zu ihm und er schlief mit ihr. 4cDann kehrte sie in ihr Haus zurück. 5Die Frau war aber schwanger geworden und schickte deshalb zu David und ließ ihm mitteilen: Ich bin schwanger. 6Darauf sandte David zu Joab und ließ ihm sagen: Schick den Hetíter Uríja zu mir! Und Joab schickte Uríja zu David. 7Als Uríja zu ihm kam, fragte David, ob es Joab und dem Volk gut gehe und wie es mit dem Kampf stehe. 8Dann sagte er zu Uríja: Geh in dein Haus hinab und wasch dir die Füße! Uríja verließ das Haus des Königs und es wurde ihm ein Geschenk des Königs nachgetragen. 9Uríja aber legte sich am Tor des Königs hauses bei den Knechten seines Herrn nieder und ging nicht in sein Haus hinab. 10aMan berichtete David: Uríja ist nicht in sein Haus hinabgegangen. 13David lud ihn ein, bei ihm zu essen und zu trinken, und machte ihn betrunken. Am Abend aber ging Uríja weg, um sich wieder auf seinem Lager bei den Knechten seines Herrn niederzulegen; er ging nicht in sein Haus hinab. 14Am anderen Morgen schrieb David einen Brief an Joab und ließ ihn durch Uríja überbringen. 15Er schrieb in dem Brief: Stellt Uríja nach vorn, wo der Kampf am heftigsten ist, dann zieht euch von ihm zurück, sodass er getroffen wird und den Tod findet! 16Joab hatte die Stadt beobachtet und er stellte Uríja an einen Platz, von dem er wusste, dass dort besonders tüchtige Krieger standen. 17Als dann die Leute aus der Stadt einen Ausfall machten und gegen Joab kämpften, fielen einige vom Volk, das heißt von den Kriegern Davids; auch der Hetíter Uríja fand den Tod . David sah eine Frau, die badete. Die vorherigen Kapitel gaben zwar einen historisch spannenden Einblick in die politische Entwicklung des zweiten und ersten Jahrtausends vor Christus, waren aber für eine geistliche Anwendung nur sehr indirekt Nahrung. Ganz anders die heutige Geschichte. Es ist die Geschichte eines Ehebruchs von David und Batseba und des befohlenen Mordes an ihrem Ehemann Uria. Die Erzählung gehört wohl zu den bekanntesten des ganzen Alten Testamentes. David, der eine der schwärzesten Stunden seines Lebens erlebt, dient als Beispiel menschlicher Schwachheit und Sinnhaftigkeit. David sah eine Frau, die badete. Wir könnten uns jetzt empören und sagen: Wie kann David, der gesalbte Gottes, dies nur tun? Wie kann eine solche Geschichte von Ehebruch und geplantem Mord nur in einem Heiligen Buch der Bibel stehen? Das ist doch unerhört. Aber sind wir Heutigen anders? David sah eine Frau, die badete. David hatte, nur mit einer Steinschleuder in der Hand, den Riesen Goliath besiegt und er hatte mit seinem schlagkräftigen Heer viele äußere Feinde besiegt, aber er konnte seinem „inneren Feind“ nichts entgegensetzen. Da war eine Frau, die badete, und damit begann das Verhältnis. Nicht, dass die Frau sich am Abend eines Arbeitstages wusch, war das Drama, sondern dass David seinen ersten sinnlichen Gedanken weiterentwickelte und ihm Raum gab. David sah eine Frau, die badete. Manchmal sind auch wir von dummen, verführerischen Gedanken geplagt. Das ist nicht weiter schlimm, sie kommen und gehen. Ausschlaggebend ist nicht der erste, sondern der zweite Gedanke. Spätestens als er erfuhr, dass Batseba die Frau eines seiner höchsten Offiziere war, hätte er sich einen Ruck geben müssen. Aber sind die Löwen einmal freigelassen, so reißen sie alles nieder. Lässt man den Gedanken freien Lauf, dann sind sie nach kurzer Zeit kaum noch zu bändigen. David sah eine Frau, die badete. Ich bin dankbar, dass auch solche Geschichten von unmoralischem und äußerst skandalösem Verhalten eines Königs Israels, eines Gesalbten Gottes, in der Bibel überliefert sind. Sie zeigen mir, dass niemand gegen Versuchung und Sünde gefeit ist. Nimm dich in Acht! Nimm die Versuchung nicht auf die leichte Schulter, sondern kämpfe gegen den „inneren Feind“ an. Bild: Pexel / RDNE Stock project
von ew 29. Januar 2026
2 Sam 7, 18–19.24–29 Donnerstag, 3. Woche Nachdem Natan zum König David gesprochen hatte, 18 ging dieser hin und setzte sich vor dem Herrn nieder und sagte: Wer bin ich, Herr und Gott, und was ist mein Haus, dass du mich bis hierher geführt hast? 19Weil das in deinen Augen noch zu wenig war, Herr und Gott, hast du dem Haus deines Knechtes sogar Zusagen für die ferne Zukunft gemacht. Ist das eine Weisung, wie sie einem Menschen zukommt, mein Herr und Gott? 24Du hast Israel auf ewig zu deinem Volk bestimmt und du, Herr, bist sein Gott geworden. 25Doch nun, Herr und Gott, verleih dem Wort, das du über dei-nen Knecht und über sein Haus gesprochen hast, für immer Geltung und tu, was du gesagt hast! 26Dann wird dein Name groß sein für ewige Zeiten und man wird sagen: Der Herr der Heerscharen ist Israels Gott! Und das Haus deines Knechtes David wird vor deinen Augen Bestand haben. 27Denn du, Herr der Heerscharen, Gott Israels, hast deinem Knecht offenbart: Ich will dir ein Haus bauen. Darum fand dein Knecht den Mut, so zu dir zu beten: 28Ja, Herr und Gott, du bist der einzi-ge Gott und deine Worte sind wahr. Du hast deinem Knecht ein solches Glück zugesagt. 29So segne jetzt gnädig das Haus deines Knechtes, damit es ewig vor deinen Augen Bestand hat. Denn du, Herr und Gott, hast es versprochen und mit deinem Segen wird das Haus deines Knechtes für immer gesegnet sein. David setzte sich vor dem Herrn nieder David hätte gerne ein prächtiges Haus für Gott gebaut, aber die Reaktion Gottes war anders, als David es sich erwartet hatte. Nicht er, David, sollte ein Haus für Gott bauen, sondern erst sein Sohn Salomon. Dennoch ging David nicht beleidigt weg, sondern er setzte sich vor dem Herrn nieder und begann ein Dankgebet. Frage Finde ich auch noch die Kraft, Gott zu danken, wenn meine Wege so anders verlaufen, als ich sie mir vorgestellt habe? Kann ich Gott auch noch danken, wenn er meine Bitten offensichtlich nicht erhört? Bin ich mir bewusst, dass Gott schon einen Grund haben wird, warum er manche Gebete erhört und andere nicht? Kann ich das akzeptieren? Bild: Pexel / MART PRODUCTION
von ew 28. Januar 2026
2 Sam 7, 4–17 Mittwoch, 3. Woche In jenen Tagen 4 erging das Wort des Herrn an Natan: 5Geh zu meinem Knecht David und sag zu ihm: So spricht der Herr: Du willst mir ein Haus bauen, damit ich darin wohne? 6Seit dem Tag, als ich die Israeliten aus Ägypten heraufgeführt habe, habe ich bis heute nie in einem Haus gewohnt, sondern bin in einer Zeltwohnung umhergezogen. 7Habe ich in der Zeit, als ich bei den Israeliten von Ort zu Ort zog, jemals zu einem der Stämme Israels, die ich als Hirten über mein Volk Israel ein-gesetzt hatte, ein Wort gesagt und sie gefragt: Warum habt ihr mir kein Haus aus Zedernholz ge-baut? 8Sag also jetzt meinem Knecht David: So spricht der Herr der Heerscharen: Ich habe dich von der Weide und von der Herde weggeholt, damit du Fürst über mein Volk Israel wirst, 9und ich bin überall mit dir gewesen, wohin du auch gegangen bist. Ich habe alle deine Feinde vor deinen Augen vernichtet und ich werde dir einen großen Namen machen, der dem Namen der Großen auf der Erde gleich ist. 10Ich werde meinem Volk Israel einen Platz zuweisen und es einpflanzen, damit es an seinem Ort wohnen kann und sich nicht mehr ängstigen muss und schlechte Menschen es nicht mehr unterdrücken wie früher 11und auch von dem Tag an, an dem ich Richter in meinem Volk Israel eingesetzt habe. Ich verschaffe dir Ruhe vor allen deinen Feinden. Nun verkündet dir der Herr, dass der Herr dir ein Haus bauen wird. 12Wenn deine Tage erfüllt sind und du dich zu deinen Vätern legst, werde ich deinen leiblichen Sohn als deinen Nachfolger einsetzen und seinem König-tum Bestand verleihen. 13Er wird für meinen Namen ein Haus bauen und ich werde seinem Königs-thron ewigen Bestand verleihen. 14Ich werde für ihn Vater sein und er wird für mich Sohn sein. Wenn er sich verfehlt, werde ich ihn nach Menschenart mit Ruten und mit Schlägen züchtigen. 15Nie wird sich meine Huld von ihm entfernen, wie ich sie von Saul entfernt habe, den ich vor dir entfernt habe. 16Dein Haus und dein Königtum werden vor dir auf ewig bestehen bleiben; dein Thron wird auf ewig Bestand haben. 17Natan sprach zu David genauso, wie es gesagt und offenbart worden war. Diese Lesung wird auch am 24. Dezember in der Feier der Eucharistie vorgelesen. Nach 2 Sam 6,17 stand die Bundeslade in einem Zelt, während David in einem gemauerten Palast wohnte. Davids Plan David war voller guter Absichten, und er brannte danach, für Gott einen schönen Tempel zu bauen, in dem dann die Bundeslade und damit die Anwesenheit Gottes ihren gebührenden Platz finden sollte. Gottes Plan Begeistert schildert er Natan seinen Plan, aber Gott lässt ihm durch den Propheten ausrichten, dass nicht er, sondern sein Sohn Salomo den Tempel bauen wird. Darum erstellte David nur die Baupläne und sammelte das nötige Material für den späteren Bau des Tempels. Es gefällt mir, wie David sofort seine eigenen Pläne vergisst und Gottes Plan akzeptiert. Meine Pläne Wieder habe ich einiges zu lernen. Ich muss stets bereit sein, meine eigenen Ideen im Licht Gottes zu prüfen und zu hinterfragen. Ich wünsche mir den Mut, sofort Gottes Plan anzunehmen, auch dann, wenn ich meine, dass meine Vorstellungen eigentlich ganz gut durchdacht und annehmbar sind. Bild: Pexel / Bich Tran
von ew 27. Januar 2026
2 Sam 6, 12b–15.17–19 Dienstag, 3. Woche In jenen Tagen 12b ging David hin und brachte die Lade Gottes voll Freude aus dem Haus Obed-Edoms in die Davidstadt hinauf. 13Sobald die Träger der Lade des Herrn sechs Schritte gegangen waren, opferte er einen Stier und ein Mastkalb. 14Und David tanzte mit ganzer Hingabe vor dem Herrn her und trug dabei das leinene Efod. 15So brachten David und das ganze Haus Israel die Lade des Herrn unter Jubelschall und unter dem Klang des Widderhorns hinauf. 17Man trug die Lade des Herrn in das Zelt, das David für sie aufgestellt hatte, und setzte sie an ihren Platz in der Mitte des Zeltes und David brachte dem Herrn Brandopfer und Heilsopfer dar. 18Als David mit dem Darbringen der Brandopfer und Heilsopfer fertig war, segnete er das Volk im Namen des Herrn der Heerscharen 19und ließ an das ganze Volk, an alle Israeliten, Männer und Frauen, je einen Laib Brot, einen Dattelkuchen und einen Traubenkuchen austeilen. Dann gingen alle wieder nach Hause. Die Bundeslade war für die Israeliten der Ort der Gegenwart Gottes. Sie enthielt nach Heb 9,4 die steinernen Gebotstafeln, einen Krug mit Manna und den Stab Aarons. Sie wurde von den Israeliten zusammen mit dem Bundeszelt auf der Wanderung mitgetragen. Im Bundeszelt, vor dem Allerheiligsten, wo die Bundeslade stand, sollte zum Zeichen der Gegenwart Gottes ständig eine Lampe brennen. Um der Bundeslade einen festen Platz zu geben, fand sie später ihren Standort in Silo, etwa in der Mitte des Landes Israel. Nach einer militärischen Niederlage erbeuteten die Philister die Bundeslade. Weil jedoch schreckliche Unglücke die Philister heimsuchten, gaben sie die Bundeslade an die Israeliten zurück. Sie wurde zuerst nach Bet Schemesch gebracht, war dann für viele Jahre in Kirjat-Jearim im Haus des Abinadab und stand zuletzt für drei Monate im Haus des Obed-Edom. Von hier aus wurde sie in einer feierlichen Prozession von David nach Jerusalem gebracht. Tabernakel Der Ort der Gegenwart Gottes ist für uns Katholiken der Tabernakel. In ihm wird die Hostie, der Leib des Herrn, aufbewahrt. Vor jedem Tabernakel brennt als Zeichen der Gegenwart Gottes das ewige Licht, eine rote Lampe. Damals wie heute verweist eine brennende Lampe auf die Gegenwart Gottes. Ich finde es sehr schön, wie eine uralte Tradition auch heute noch ihren Bestand hat. Bild. Pexel / MART PRODUCTION
von ew 26. Januar 2026
2 Sam 5, 1–7.10 Montag, 3. Woche In jenen Tagen 1 kamen alle Stämme Israels zu David nach Hebron und sagten: Wir sind doch dein Fleisch und Bein. 2Schon früher, als noch Saul unser König war, bist du es gewesen, der Israel hinaus und wieder nach Hause geführt hat. Der Herr hat zu dir gesagt: Du sollst der Hirt meines Volkes Israel sein, du sollst Israels Fürst werden. 3Alle Ältesten Israels kamen zum König nach Hebron; der König David schloss mit ihnen in Hebron einen Vertrag vor dem Herrn und sie salbten David zum König von Israel. 4David war dreißig Jahre alt, als er König wurde, und er regierte vierzig Jahre lang. 5In Hebron war er sieben Jahre und sechs Monate König von Juda und in Jerusalem war er dreiunddreißig Jahre König von ganz Israel und Juda. 6Der König zog mit seinen Männern nach Jerusalem gegen die Jebusíter, die in dieser Gegend wohnten. Die Jebusíter aber sagten zu David: Du kommst hier nicht herein; vielmehr werden dich die Lahmen und die Blinden vertreiben. Das sollte besagen: David wird hier nicht eindringen. 7Dennoch eroberte David die Burg Zion; sie wurde die Stadt Davids. 10David wurde immer mächtiger und der Herr, der Gott der Heerscharen, war mit ihm. In jenen Tagen 1 kamen alle Stämme Israels zu David Nun ist es also so weit: Die Geschichte vom Hirtenjungen zum König über das ganze Volk gelangt zu ihrem Höhepunkt. Der letzte Rivale aus der Familie Davids war tot. Der Weg zum Königtum war frei. Die jetzt führerlosen Stämme des nördlichen Israel kommen jetzt zu David und sie haben eine dreifache Begründung, warum David ihr neuer König werden sollte. Blutsverwandtschaft: Wir sind doch dein Fleisch und Bein. Geschichtliches Argument: Schon früher, …, bist du es gewesen, Jerusalem liegt zentral für alle Stämme des Reiches. Politisch gesehen ist es daher klug, dorthin zu gehen. Auch militärisch gesehen ist es eine gute Wahl. Jerusalem liegt hoch und ist eine gute Festung. Geistliches Argument: Der Herr hat zu dir gesagt. Neben einem guten militärischen Grund gibt es auch einen wichtigeren, eher geistlichen Grund. Der Ort, zu dem er geht, ist der Ort, an dem Abraham seinen Sohn geopfert hat, der Berg Morija. Direkt daneben liegt Zion. Sie salbten David zum König von Israel David wird nun schon zum dritten Mal zum König gesalbt. Aber jetzt wird er zum König über ganz Israel gesalbt. Das erste Mal wurde er von Samuel inmitten seiner Brüder gesalbt (1Sam 16,13a). Das zweite Mal wurde er von den Männern Judas über das Haus Juda gesalbt (2Sam 2,4a). Jerusalem Jerusalem ist der religiöse Name. Er beinhaltet das Wort Salem, das der Name der Stadt ist, in der Melchisedek König war (1Mo 14,18). Salem bedeutet „Frieden“ (Heb 7,1.2). Die Lahmen und die Blinden werden dich vertreiben. Die Jebusiter blickten von ihrer erhöhten Position aus auf König David und seine Armee herab und prahlten damit, dass Jebus (Jerusalem) niemals eingenommen werden könne. In ihrer Überheblichkeit spotteten sie gegen David und sagten voller Überheblichkeit: Lahme und Blinde werden dich vertreiben. David ließ sich nicht entmutigen, er schickte seine Soldaten durch den Hiskija-Tunnel der von der Gihonquelle außerhalb der Mauer bis zum Shiloah-Teiche innerhalb der Stadtmauer führt, und eroberte Jerusalem im Handumdrehen. Reisetipp Vor ein paar Jahren lief ich einmal mit einer Gruppe Jugendlicher durch diesen Wassertunnel. Es war fast so etwas wie ein kleines Abenteuer. Es war sehr schön, durch das etwa knietiefe, an manchen Stellen sogar bis zu 70 cm tiefe kalte Quellwasser auf den Spuren Davids zu warten. Wenn Sie einmal Jerusalem besuchen, buchen Sie eine Tour durch den Hiskija-Tunnel. Bild: Pexel / Tima Miroshnichenko
von ew 24. Januar 2026
2 Sam 1, 1-4.11f.17.19.23-27 Samstag, 2. Woche 1Als David nach dem Tod Sauls von seinem Sieg über die Amalekíter zurückgekehrt war und sich zwei Tage lang in Ziklag aufgehalten hatte, 2 kam am dritten Tag ein Mann aus dem Lager Sauls, mit zerrissenen Kleidern und Staub auf dem Haupt. Als er bei David angelangt war, warf er sich auf den Boden nieder und huldigte ihm. 3David fragte ihn: Woher kommst du? Er antwortete ihm: Ich habe mich aus dem Lager Israels gerettet. 4David sagte zu ihm: Wie stehen die Dinge? Berichte mir! Er erwiderte: Das Volk ist aus dem Kampf geflohen, viele von den Männern sind gefallen und umgekommen; auch Saul und sein Sohn Jónatan sind tot. 11Da fasste David sein Gewand und zerriss es und mit ihm alle Männer um ihn. 12Sie klagten, weinten und fasteten bis zum Abend wegen Saul, seines Sohnes Jónatan, des Volkes des Herrn und des Hauses Israel, die unter dem Schwert gefallen waren. 17Und David sang die folgende Totenklage auf Saul und seinen Sohn Jónatan: 19Israel, dein Stolz liegt erschlagen auf deinen Höhen. Ach, die Helden sind gefallen! 23Saul und Jónatan, die Geliebten und Teuren, im Leben und Tod sind sie nicht getrennt. Sie waren schneller als Adler, waren stärker als Löwen. 24Ihr Töchter Israels, weint um Saul; er hat euch in köstlichen Purpur gekleidet, hat goldenen Schmuck auf eure Gewänder geheftet. 25Ach, die Helden sind gefallen mitten im Kampf. Jónatan liegt erschlagen auf deinen Höhen. 26Weh ist mir um dich, mein Bruder Jónatan. Du warst mir sehr lieb. Wunderbarer war deine Liebe für mich als die Liebe der Frauen. 27Ach, die Helden sind gefallen, die Waffen des Kampfes verloren. 11Da fasste David sein Gewand und zerriss es und mit ihm alle Männer um ihn. Die beschriebene Trauer wirkt auf mich irgendwie gekünstelt. Ich kann nachvollziehen, dass David um Jonathan trauerte, aber dass die Männer, die bei David waren, ebenso tief erschüttert waren und aus Schmerz vor dem Tod Sauls und Jonathans ihre Kleider zerrissen, befremdet mich etwas. Ich habe eher den Eindruck, dass sie sich um Davids Willen der Trauerzeremonie widmeten. 11Da fasste David sein Gewand und zerriss es und mit ihm alle Männer um ihn Es waren ja Männer, die David dazu aufgefordert hatten, die Gunst der Stunde zu nutzen, um Saul zu töten, als dieser vor ihnen in der Höhle eingeschlafen war. Es waren Menschen, die sich wirtschaftlich etwas zuschulden hatten kommen lassen oder politisch nicht konform waren war. (Siehe 1 Samuel 22,1ff und 1 Samuel 24) Ein Trauerlied In den folgenden Versen wird ein sehr ergreifendes Trauerlied überliefert. Sicher, es war eine Art Staatsaufgabe, den Gefallenen die Ehre zu erweisen, aber doch bricht hier aus David eine ehrliche Trauer hervor. In Vers 26 nennt er ausdrücklich Jonathan als seinen Bruder, den er sehr lieb hatte. Klaus vom Orde schreibt in der Wuppertaler Studienbibel: „Aber auch in Bezug auf Saul wird man nicht davon ausgehen, dass David nur dem Grundsatz folgt, dass man über Tote nichts Böses sagen soll. Zum einen bestand ja durchaus am Anfang ein enges Verhältnis zwischen den beiden. David gehörte zum engeren Hofpersonal und musste als Saitenspieler dem König in den Phasen seiner Schwermut helfen. Weiter ist darauf hinzuweisen, dass Saul nicht nur der Vater seines Freundes Jonathan war, sondern auch sein Schwiegervater. Und schließlich muss auf das wichtigste Element in Davids Verhältnis zu Saul hingewiesen werden: Saul war der gesalbte König seines Volkes, des Volkes Gottes. Wenn David in höchster Lebensgefahr dieser Tatsache bestimmend sein ließ, den König nicht zu töten, dann ist es leicht erklärlich, dass die hier benutzten Ehrennamen in dem Trauerlied auch für Saul galten.“ Bild: Pexel / RDNE Stock project