Auf das Fleisch oder auf den Herrn vertrauen.
ew • 4. März 2026
Jer 17, 5-10 Donnerstag, 2. Fast Wo
So spricht der Herr: Verflucht der Mann, der auf Menschen vertraut, auf schwaches Fleisch sich stützt, und dessen Herz sich abwendet vom Herrn. Er ist wie ein kahler Strauch in der Steppe, der nie einen Regen kommen sieht; er bleibt auf dürrem Wüstenboden, im salzigen Land, wo niemand wohnt.
Gesegnet der Mann, der auf den Herrn sich verlässt und dessen Hoffnung der Herr ist. Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und am Bach seine Wurzeln ausstreckt: Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, unablässig bringt er seine Früchte. Arglistig ohnegleichen ist das Herz und unverbesserlich. Wer kann es ergründen? Ich, der Herr, erforsche das Herz und prüfe die Nieren, um jedem zu vergelten, wie es sein Verhalten verdient, entsprechend der Frucht seiner Taten.
Wir bleiben für einen weiteren Tag beim Propheten Jeremia, gehen aber ein Kapitel zurück: Jeremia hat eine harte Gegenüberstellung: Vertrauen auf Menschen versus Vertrauen auf Gott.
Auf Fleisch vertrauen.
Wer „auf Fleisch vertraut“, also seine letzte Sicherheit in menschlicher Stärke, Einfluss oder eigenen Fähigkeiten legt, wird mit einem Strauch in der Steppe verglichen – isoliert, ohne tiefen Halt, der das Gute kaum wahrnimmt. Menschliche Ressourcen sind begrenzt. Wer sie absolut setzt, steht am Ende leer da.
Auf den Herrn vertrauen.
Demgegenüber steht der, der auf den HERRN vertraut. Er ist „wie ein Baum am Wasser gepflanzt“. Das Entscheidende ist nicht, dass kein Leid kommt – Hitze und Dürre werden ausdrücklich genannt –, sondern dass die Wurzeln tief reichen. Vertrauen auf Gott bedeutet nicht Problemfreiheit, sondern innere Stabilität. Fruchtbarkeit entsteht aus Verwurzelung, nicht aus günstigen Umständen.
Auf das Fleisch oder auf den Herrn vertrauen.
Jesaja ruft zur Klärung unserer Lebensausrichtung auf. Worauf stütze ich mein Leben wirklich? Auf das, was vergeht – oder auf den, der trägt? Jeremia zeigt: Die Qualität unseres Vertrauens entscheidet über die Tiefe unserer Wurzeln.
Bild: Pexel / Brett Jordan
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Schriftbetrachtung

Dan 3, 25.34-43 Dienstag, 3. Fast Wo In jenen Tagen sprach Asarja mitten im Feuer folgendes Gebet: Um deines Namens willen, Herr, verwirf uns nicht für immer; löse deinen Bund nicht auf! Versag uns nicht dein Erbarmen, deinem Freund Abraham zuliebe, deinem Knecht Isaak und Israel, deinem Heiligen, denen du Nachkommen verheißen hast so zahlreich wie die Sterne am Himmel und wie der Sand am Ufer des Meeres. Ach, Herr, wir sind geringer geworden als alle Völker. In aller Welt sind wir heute wegen unserer Sünden erniedrigt. 38Wir haben in dieser Zeit weder Vorsteher noch Propheten und keinen, der uns anführt, weder Brandopfer noch Schlachtopfer, weder Speiseopfer noch Räucherwerk, noch einen Ort, um dir die Erstlingsgaben darzubringen und um Erbarmen zu finden bei dir. Du aber nimm uns an! Wir kommen mit zerknirschtem Herzen und demütigem Sinn. Wie Brandopfer von Widdern und Stieren, wie Tausende fetter Lämmer, so gelte heute unser Opfer vor dir und verschaffe uns bei dir Sühne. Denn wer dir vertraut, wird nicht beschämt. Wir folgen dir jetzt von ganzem Herzen, fürchten dich und suchen dein Angesicht. Überlass uns nicht der Schande, sondern handle an uns nach deiner Milde, nach deinem überreichen Erbarmen! Errette uns, deinen wunderbaren Taten entsprechend; verschaff deinem Namen Ruhm, Herr! Die Lesung berichtet nur vom zweiten Teil jenes Gebetes, das Asarja im Feuerofen gesprochen hat. Lesen Sie einmal nach: mitten im Feuer beginnt er ein Lobgebet, welches dann aber in ein Bitt- und Klagegebet übergeht. Das Gebet des Asarja entsteht nicht nach der Rettung, sondern mitten in der Gefahr. Der Glaube spricht hier nicht aus der Sicherheit heraus, sondern aus der Krise. Wir haben … keinen, der uns anführt Der Grund für die Krise, in der sich das Volk befindet, wird in Vers 38 genannt: "Wir haben in dieser Zeit weder Vorsteher noch Propheten und keinen, der uns anführt." Asarja beschreibt im Gebet eine Situation radikaler geistlicher Armut. Alles, was früher selbstverständlich war – Tempel, Opfer, religiöse Ordnung – ist verschwunden. Der Glaube steht gewissermaßen nackt vor Gott. Für heute Ich erlebe heute etwas Ähnliches wie das, was Asarja beschreibt: Religiöse Selbstverständlichkeiten verschwinden, kirchliche Strukturen verlieren ihre Kraft, viele wissen nicht mehr, woran sie glauben sollen. In gewisser Weise lebt der Glaube heute wieder in einer Situation ohne Tempel und ohne Opfer – zumindest ohne die kulturelle Selbstverständlichkeit des Glaubens. Für heute Der Text aus Daniel zeigt: Gerade solche Zeiten können eine Reinigung des Glaubens sein. Wenn Tradition allein nicht mehr trägt, stellt sich die eigentliche Frage neu: Vertraue ich Gott – oder nur den Strukturen, die einmal um den Glauben herum entstanden sind? Für heute Der Feuerofen ist deshalb nicht nur ein Bild für Verfolgung. Er ist auch ein Bild für Läuterung. Feuer zerstört – aber es reinigt auch Metall von Schlacken. In der Bibel wird Gott deshalb oft mit einem „läuternden Feuer“ verglichen. Das bedeutet: Wenn alle äußeren Formen zerbrechen, bleibt noch das Entscheidende – das Herz, das sich Gott neu zuwendet. Für heute Das Gebet des Asarja endet nicht mit Resignation, sondern mit Vertrauen. Er hofft nicht auf eigene Stärke, sondern auf Gottes Treue. Und genau darin liegt die eigentliche Hoffnung des Textes: Nicht der Mensch hält Gott fest – Gott hält den Menschen fest, selbst im Feuer. Bild: Pexel / Little Visuals

2 Kön 5, 1-15a Montag, 3. Fast Wo Naaman, der Feldherr des Königs von Aram, galt viel bei seinem Herrn und war angesehen; denn durch ihn hatte der Herr den Aramäern den Sieg verliehen. Der Mann war tapfer, aber an Aussatz erkrankt. Nun hatten die Aramäer bei einem Streifzug ein junges Mädchen aus dem Land Israel verschleppt. Es war in den Dienst der Frau Naamans gekommen. Es sagte zu seiner Herrin: Wäre mein Herr doch bei dem Propheten in Samaria! Er würde seinen Aussatz heilen. Naaman ging zu seinem Herrn und meldete ihm: Das und das hat das Mädchen aus Israel gesagt. Der König von Aram antwortete: So geh doch hin; ich werde dir ein Schreiben an den König von Israel mitgeben. Naaman machte sich auf den Weg. Er nahm zehn Talente Silber, sechstausend Schekel Gold und zehn Festkleider mit und überbrachte dem König von Israel das Schreiben. Es hatte folgenden Inhalt: Wenn jetzt dieser Brief zu dir gelangt, so wisse: Ich habe meinen Knecht Naaman zu dir geschickt, damit du seinen Aussatz heilst. Als der König von Israel den Brief gelesen hatte, zerriss er seine Kleider und rief: Bin ich denn ein Gott, der töten und zum Leben erwecken kann? Er schickt einen Mann zu mir, damit ich ihn von seinem Aussatz heile. Merkt doch und seht, dass er nur Streit mit mir sucht. Als der Gottesmann Elischa hörte, der König von Israel habe seine Kleider zerrissen, ließ er ihm sagen: Warum hast du deine Kleider zerrissen? Naaman soll zu mir kommen; dann wird er erfahren, dass es in Israel einen Propheten gibt. So kam Naaman mit seinen Pferden und Wagen und hielt vor dem Haus Elischas. Dieser schickte einen Boten zu ihm hinaus und ließ ihm sagen: Geh und wasch dich siebenmal im Jordan! Dann wird dein Leib wieder gesund, und du wirst rein. Doch Naaman wurde zornig. Er ging weg und sagte: Ich dachte, er würde herauskommen, vor mich hintreten, den Namen Jahwes, seines Gottes, anrufen, seine Hand über die kranke Stelle bewegen und so den Aussatz heilen. Sind nicht der Abana und der Parpar, die Flüsse von Damaskus, besser als alle Gewässer Israels? Kann ich nicht dort mich waschen, um rein zu werden? Voll Zorn wandte er sich ab und ging weg. Doch seine Diener traten an ihn heran und redeten ihm zu: Wenn der Prophet etwas Schweres von dir verlangt hätte, würdest du es tun; wie viel mehr jetzt, da er zu dir nur gesagt hat: Wasch dich, und du wirst rein. So ging er also zum Jordan hinab und tauchte siebenmal unter, wie ihm der Gottesmann befohlen hatte. Da wurde sein Leib gesund wie der Leib eines Kindes, und er war rein. Nun kehrte er mit seinem ganzen Gefolge zum Gottesmann zurück, trat vor ihn hin und sagte: Jetzt weiß ich, dass es nirgends auf der Erde einen Gott gibt außer in Isra el. Ich denke, dass die Bibelstelle sehr gut auch in die heutige Zeit passt. Naaman erwartet ein spektakuläres religiöses Ritual. Vielleicht ist er auch enttäuscht, dass Elia nicht persönlich vor ihm erscheint und eine große Handlung im Namen Gottes an ihm vollbringt. Ich kenne Menschen, die erwarten, dass der Pfarrer bei einer Trauung oder einer Taufe selbst in prächtigen Gewändern und mit imposantem Orgelspiel den Ritus vollzieht. Sie zeigen eine trotzige Reaktion, wenn dann lediglich der Kaplan eingeteilt ist. Zu einer Katastrophe kann es manchmal aber schnell kommen, wenn der Kaplan nicht akzentfrei Deutsch spricht, und erkennbar aus dem nichteuropäischen Ausland stammt. Naaman scheint zwar auf Elisas Anweisung einzugehen, versteht aber zunächst nicht, was „Glaube“ bedeutet. Für ihn ist Religion etwas Äußeres – ein Ritual, ein Ritus. Wie viele Erstkommunionen habe ich schon gefeiert, bald ist es wieder so weit. Ich habe gelernt, dass die meisten Familien keinen Glaubensweg gehen möchten, sondern für 60 Minuten am Weißen Sonntag in einem festlichen Gottesdienst einen Ritus feiern möchten. Das kann man machen und weiterhin so anbieten. Man muss sich dann aber darüber im Klaren sein, dass der wunderbare christliche Glaube zu einer Serviceleistung verkümmert. Genau das ist die Botschaft der heutigen Lesung für mich: Die Kirche steht vor der Aufgabe, den Unterschied zwischen bloßer Religiosität und echter Glaubensnachfolge deutlich zu machen. Ich habe die Hoffnung, dass wir den "Dreh" zu mehr Tiefe in unserer Kirchenentwicklung 2030 in der Erzdiözese Freiburg noch schaffen. Ich befürchte jedoch, dass wir bei der Frage nach den Strukturen stehenbleiben. Bild: Pexel / Markus Winkler

Gen 37, 3f.12f.17-28 Freitag, 2. Fast Wo Israel liebte Josef unter allen seinen Söhnen am meisten, weil er ihm noch in hohem Alter geboren worden war. Er ließ ihm einen Ärmelrock machen. Als seine Brüder sahen, dass ihr Vater ihn mehr liebte als alle seine Brüder, hassten sie ihn und konnten mit ihm kein gutes Wort mehr reden. Als seine Brüder fortgezogen waren, um das Vieh ihres Vaters bei Sichem zu weiden, sagte Israel zu Josef: Deine Brüder weiden bei Sichem das Vieh. Geh, ich will dich zu ihnen schicken. Da ging Josef seinen Brüdern nach und fand sie in Dotan. Sie sahen ihn von weitem. Bevor er jedoch nahe an sie herangekommen war, fassten sie den Plan, ihn umzubringen. Sie sagten zueinander: Dort kommt ja dieser Träumer. Jetzt aber auf, erschlagen wir ihn, und werfen wir ihn in eine der Zisternen. Sagen wir, ein wildes Tier habe ihn gefressen. Dann werden wir ja sehen, was aus seinen Träumen wird. Ruben hörte das und wollte ihn aus ihrer Hand retten. Er sagte: Begehen wir doch keinen Mord. Und Ruben sagte zu ihnen: Vergießt kein Blut! Werft ihn in die Zisterne da in der Steppe, aber legt nicht Hand an ihn! Er wollte ihn nämlich aus ihrer Hand retten und zu seinem Vater zurückbringen. Als Josef bei seinen Brüdern angekommen war, zogen sie ihm sein Gewand aus, den Ärmelrock, den er anhatte, packten ihn und warfen ihn in die Zisterne. Die Zisterne war leer; es war kein Wasser darin. Als sie dann beim Essen saßen und aufblickten, sahen sie, dass gerade eine Karawane von Ismaelitern aus Gilead kam. Ihre Kamele waren mit Tragakant, Mastix und Ladanum beladen. Sie waren unterwegs nach Ägypten. Da schlug Juda seinen Brüdern vor: Was haben wir davon, wenn wir unseren Bruder erschlagen und sein Blut zudecken? Kommt, verkaufen wir ihn den Ismaelitern. Wir wollen aber nicht Hand an ihn legen, denn er ist doch unser Bruder und unser Verwandter. Seine Brüder waren einverstanden. Midianitische Kaufleute kamen vorbei. Da zogen sie Josef aus der Zisterne heraus und verkauften ihn für zwanzig Silberstücke an die Ismaeliter. Diese brachten Josef nach Ägypte n. Israel liebte Josef In Buch Genesis 37 verdichtet sich die Familiengeschichte Jakobs zu einem Drama aus Bevorzugung, Neid und Verrat. Jakob liebt Josef mehr als seine anderen Söhne und schenkt ihm ein Gewand – ein sichtbares Zeichen der Bevorzugung. Was als Ausdruck von Liebe gemeint ist, wirkt zerstörerisch: Liebe ohne Gerechtigkeit spaltet. Israel liebte Josef Als Josef zu seinen Brüdern geschickt wird, sucht er sie hartnäckig („Ich suche meine Brüder“). Das ist mehr als eine Ortsangabe – es ist ein tragischer Unterton. Er sucht Gemeinschaft, findet aber Ablehnung. Die Brüder dagegen sehen in ihm nicht den Bruder, sondern den „Träumer“. Neid verengt den Blick. Israel liebte Josef Der Mordplan eskaliert – und wird doch abgeschwächt. Ruben verhindert die direkte Bluttat, Juda schlägt den Verkauf vor. Das Böse wird nicht ganz getan, aber es wird auch nicht wirklich überwunden. Statt Blut fließt Geld. Josef wird an ismaelitische Händler verkauft – für zwanzig Silberstücke. Der Bruder wird zur Ware. Israel liebte Josef Die Szene ist spannend: Gott wird hier nicht ausdrücklich erwähnt. Und doch bereitet sich im Verborgenen eine größere Geschichte vor. Aus Verrat wird später Rettung erwachsen. Das macht die Tat nicht gut – aber es zeigt: Schuld und Unrecht haben nicht das letzte Wort. Bild: Pexel / Julia M Cameron

Jer 18, 18-20 Mittwoch, 2. Fast Wo Meine Feinde sagten: Kommt, lasst uns gegen Jeremia Pläne schmieden! Denn nie wird dem Priester die Weisung ausgehen, dem Weisen der Rat und dem Propheten das Wort. Kommt, wir wollen ihn mit seinen eigenen Worten schlagen und Acht geben auf alles, was er sagt. Gib du, Herr, acht auf mich, und höre das Gerede meiner Widersacher! Darf man denn Gutes mit Bösem vergelten? Denn sie haben mir eine Grube gegraben. Denk daran, wie ich vor dir stand, um zu ihren Gunsten zu sprechen und deinen Zorn von ihnen abzuwenden. Wenn das Gute verdreht wird Jeremia steckt in einem Dilemma, das viele von uns kennen: Er meint es gut, er spricht die Wahrheit aus Sorge um seine Mitmenschen – doch die Reaktion ist pure Feindseligkeit. „Kommt, wir wollen Pläne gegen Jeremia schmieden“, sagen sie. Es ist die schmerzhafte Erfahrung, dass Authentizität oft Widerstand provoziert. Wer gegen den Strom schwimmt oder unbequeme Wahrheiten ausspricht, wird schnell zur Zielscheibe. Wenn das Gute verdreht wird - drei Impulse zur Vertiefung: Vom Umgang mit Undankbarkeit: Jeremia klagt: „Wird denn Gutes mit Bösem vergolten?“ In der Fastenzeit dürfen wir uns fragen: Wo tue ich Gutes, nur um Bestätigung zu ernten? Jeremia lehrt uns, dass der Wert einer guten Tat nicht von der Applaus-Quote abhängt, sondern von der Treue zu Gott. Die Versuchung der Bitterkeit: Jeremia ist menschlich. Er ist verletzt und bringt seinen Schmerz radikal vor Gott. Der Impuls hier: Friss den Ärger nicht in dich hinein. Bring die Enttäuschung über andere dorthin, wo sie hingehört – ins Gebet. Das bewahrt das Herz davor, hart und zynisch zu werden. Standhaftigkeit im "Gegenwind": Die Leute wollen Jeremia mit seinen eigenen Worten schlagen (ihm die Worte im Mund umdrehen). Wer in Gott verankert ist, definiert seinen Wert nicht über das Gerede der Leute. Wenn das Gute verdreht wird - Kernfrage für heute: Bin ich bereit, das Richtige zu tun, auch wenn ich dafür keinen Dank, sondern Kritik ernte? Bild: Pexel / Александр Крылов

Jes 1, 10.16-20 Dienstag, 2. Fast Wo Hört das Wort des Herrn, ihr Herrscher von Sodom! Vernimm die Weisung unseres Gottes, du Volk von Gomorra! Wascht euch, reinigt euch! Lasst ab von eurem üblen Treiben! Hört auf, vor meinen Augen Böses zu tun! Lernt, Gutes zu tun! Sorgt für das Recht! Helft den Unterdrückten! Verschafft den Waisen Recht, tretet ein für die Witwen! Kommt her, wir wollen sehen, wer von uns Recht hat, spricht der Herr. Wären eure Sünden auch rot wie Scharlach, sie sollen weiß werden wie Schnee. Wären sie rot wie Purpur, sie sollen weiß werden wie Wolle. Wenn ihr bereit seid zu hören, sollt ihr den Ertrag des Landes genießen. Wenn ihr aber trotzig seid und euch weigert, werdet ihr vom Schwert gefressen. Ja, der Mund des Herrn hat gesprochen. Hört das Wort des Herrn. Wenn ihr aber trotzig seid … Man kann sich noch so laut darauf berufen, dass Gott ein gnädiger Gott ist. Wer sich permanent und andauernd weigert, auf Gott zu hören, sollte sich dann aber auch nicht wundern, wenn er die Konsequenzen seines eigenen Tuns zu spüren bekommt. Wenn ihr aber trotzig seid … Wir modernen Menschen, die wir meinen Gott nicht zu brauchen, dürfen uns nicht wundern, wenn Kriege, Katastrophen und Unglücke offensichtlich zunehmen. Wenn sich Politiker und Bürger trotzig weigern, Gottes Stimme zu hören und seine Gebote zu halten, dann müssen sie auch selbst die Konsequenzen ihres eigenen Tuns tragen und verantworten. Wenn ihr aber trotzig seid … Gott schickt dann nichts Böses! Aber wenn der Mensch meint, alleine, ohne Gott auskommen zu können, dann überlässt Gott die Menschen einfach sich selbst und der Rest erledigt der Mensch. Die Konsequenzen sehen wir dann jeden Tag in der Tagesschau. Bild: Pexel / www.kaboompics.com

Dan 9, 4b-10 Montag, 2. Fast Wo Herr, du großer und Furcht erregender Gott, du bewahrst denen, die dich lieben und deine Gebote halten, deinen Bund und deine Gnade. Wir haben gesündigt und unrecht getan, wir sind treulos gewesen und haben uns gegen dich empört; von deinen Geboten und Gesetzen sind wir abgewichen. Wir haben nicht auf deine Diener, die Propheten, gehört, die in deinem Namen zu unseren Königen und Vorstehern, zu unseren Vätern und zu allen Bürgern des Landes geredet haben. Du, Herr, bist im Recht; uns aber steht bis heute die Schamröte im Gesicht, den Leuten von Juda, den Einwohnern Jerusalems und allen Israeliten, seien sie nah oder fern in all den Ländern, wohin du sie verstoßen hast; denn sie haben dir die Treue gebrochen. Ja, Herr, uns steht die Schamröte im Gesicht, unseren Königen, Oberen und Vätern; denn wir haben uns gegen dich versündigt. Aber der Herr, unser Gott, schenkt Erbarmen und Vergebung. Ja, wir haben uns gegen ihn empört. Wir haben nicht auf die Stimme des Herrn, unseres Gottes, gehört und seine Befehle nicht befolgt, die er uns durch seine Diener, die Propheten, gegeben hat. Das Buch Daniel ist ein Teil des Alten Testaments der Bibel. Es gehört im Christentum zu den sogenannten „großen Propheten“. Das Buch erzählt vom Leben des Juden Daniel, der im 6. Jahrhundert v. Chr. nach Babylon verschleppt wurde. Bekannte Ereignisse: Daniel in der Löwengrube, die drei Männer im Feuerofen, die Schrift an der Wand („Menetekel“). Im heutigen Abschnitt lesen wir das Sühne- oder Reuegebet Daniels. Uns aber steht bis heute die Schamröte im Gesicht Neben dem Dank-, Lob-, und Bittgebet kennt die Bibel auch das Reue- oder Sühnegebet, ein Gebet, in dem jemand Gott um Vergebung bittet und gleichzeitig Reue über eigene Schuld oder Sünde ausdrückt. Uns aber steht bis heute die Schamröte im Gesicht Ein Sühnegebet enthält meistens drei Elemente: Einsicht – „Ich erkenne, dass ich falsch gehandelt habe.“ Reue – „Es tut mir leid.“ Bitte um Vergebung und Erneuerung – „Vergib mir und hilf mir, es besser zu machen.“ Uns aber steht bis heute die Schamröte im Gesicht Anstatt nach anderen Sündenböcken zu suchen, bekennt Daniel, dass er sich, zusammen mit dem ganzen Volk, von Gott angewandt hat. Das ist ein Zeichen seiner inneren Größe. Er sagt nicht: IHR habt gesündigt, sondern: WIR haben gesündigt. Er stellt sich in die Reihe der Sünder. Uns aber steht bis heute die Schamröte im Gesich t Es mag eigenartig erscheinen, dass ein Mann von der geistlichen Statur eines Daniel von Sündenbewusstsein überwältigt ist; aber je näher man Gott kommt, umso deutlicher wird einem die eigene Sündhaftigkeit. Wenn Du meinst, dass Du keine Sünden hast, dann ist das eher ein Zeichen dafür, dass Du noch weit von Gott entfernt bist, als ein Hinweis auf Deine eigene Vollkommenheit. Bild: Pexel / Miguel Á. Padriñán

Dtn 26, 16-19 Samstag, 1. Fast Wo Mose sprach zum Volk: Heute, an diesem Tag, verpflichtet dich der Herr, dein Gott, diese Gesetze und die Rechtsvorschriften zu halten. Du sollst auf sie achten und sie halten mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele. Heute hast du der Erklärung des Herrn zugestimmt. Er hat dir erklärt: Er will dein Gott werden, und du sollst auf seinen Wegen gehen, auf seine Gesetze, Gebote und Rechtsvorschriften achten und auf seine Stimme hören. Und der Herr hat heute deiner Erklärung zugestimmt. Du hast ihm erklärt: Du möchtest das Volk werden, das ihm persönlich gehört, wie er es dir zugesagt hat. Du willst auf alle seine Gebote achten; er soll dich über alle Völker, die er geschaffen hat, erheben - zum Lob, zum Ruhm, zur Zierde -; und du möchtest ein Volk werden, das ihm, dem Herrn, deinem Gott, heilig ist, wie er es zugesagt hat. Heute – nur für heute! Mein Glaube soll nicht einfach nur eine oberflächliche Handlung oder Tradition sein. Der Glaube an Gott soll nicht nur mein Herz erfüllen, er soll mein Herz sein. Der Glaube ist mein Leben, mein Sinn und mein Ziel. Heute – nur für heute! Wenn man das Herz aus der Brust eines Menschen entfernen würde, dann hätte sein Leben sofort ein Ende. Wenn mir jemand den Glauben nehmen könnte, dann hätte mein Leben auch keinen Sinn mehr, alles wäre hohl und oberflächlich. Ich möchte gerne, dass mein ganzes Wesen, mein ganzes Herz, meine Gedanken, Gefühle und Taten im Einklang mit Gottes Willen stehen. Heute – nur für heute! Die Latte liegt sehr hoch, denn ich kenne auch meine Schwachheit und meine Selbstliebe. Darum bin ich dankbar für das Wörtchen „heute“ in der Lesung. Gott, gib mir die Kraft, Dir mein Leben zu schenken, nur für „heute“, dann habe ich genug zu tun.

Ez 18, 21-28 Freitag, 1. Fast Wo So spricht Gott, der Herr: Wenn der Schuldige sich von allen Sünden, die er getan hat, abwendet, auf alle meine Gesetze achtet und nach Recht und Gerechtigkeit handelt, dann wird er bestimmt am Leben bleiben und nicht sterben. Keines der Vergehen, deren er sich schuldig gemacht hat, wird ihm angerechnet. Wegen seiner Gerechtigkeit wird er am Leben bleiben. Habe ich etwa Gefallen am Tod des Schuldigen - Spruch Gottes, des Herrn - und nicht vielmehr daran, dass er seine bösen Wege verlässt und so am Leben bleibt? Wenn jedoch ein Gerechter sein rechtschaffenes Leben aufgibt, wenn er unrecht tut und all die Gräueltaten begeht, die auch der Böse verübt, sollte er dann etwa am Leben bleiben? Keine seiner gerechten Taten wird ihm angerechnet. Wegen seiner Treulosigkeit und wegen der Sünde, die er begangen hat, ihretwegen muss er sterben. Ihr aber sagt: Das Verhalten des Herrn ist nicht richtig. Hört doch, ihr vom Haus Israel: Mein Verhalten soll nicht richtig sein? Nein, euer Verhalten ist nicht richtig. Wenn der Gerechte sein rechtschaffenes Leben aufgibt und unrecht tut, muss er dafür sterben. Wegen des Unrechts, das er getan hat, wird er sterben. Wenn sich der Schuldige von dem Unrecht abwendet, das er begangen hat, und nach Recht und Gerechtigkeit handelt, wird er sein Leben bewahren. Wenn er alle Vergehen, deren er sich schuldig gemacht hat, einsieht und umkehrt, wird er bestimmt am Leben bleiben. Er wird nicht sterben. Nach Recht und Gerechtigkeit handeln Wichtig ist, dass der Mensch innerhalb seines Lebens von der Ungerechtigkeit zur »Gerechtigkeit« wechseln, »sich bekehren« kann. Tut er das, »dann soll er am Leben bleiben, dann soll er nicht sterben« Er wird also nicht auf sein Sündersein festgelegt. Hier gibt es keine Prädestination (Vorherbestimmung), sondern nur die freie Entscheidung! Keines der Vergehen, deren er sich schuldig gemacht hat, wird ihm angerechnet. Im Falle der Bekehrung spielen die früheren Sünden keine Rolle mehr. Ja, Gott sagt sogar, er werde in einem solchen Falle »aller seiner Übertretungen, die er begangen hat, nicht mehr gedenken« - ein großartiger Satz! Am Ende stehen sich also nicht mathematisch ein Prozentsatz Strafe und ein Prozentsatz Gnade gegenüber, sondern derjenige, der sich zu Gott bekehrt, wird volle, hundertprozentige Gnade empfangen! Jesaja (43,25; 44,22) und Jeremia (31,34; 33,8) verkünden dieselbe Botschaft. Die bösen Wege verlassen und am Leben bleiben Allerdings ist hier auch der andere Gesichtspunkt wichtig, dass »sich bekehren« bedeutet, wirklich ein anderes Leben zu führen, nämlich »alle« bisherigen »Sünden« zu lassen und statt dessen »alle Ordnungen« Gottes zu »beobachten In diesen Hesekiel-Versen wird die werbende Liebe Gottes stets von der ernsten Mahnung derselben göttlichen Liebe begleitet. Wir brauchen beides! Entnommen: Gerhard Maier, Der Prophet Hesekiel: Kapitel 1 bis 24, Bd. 1, Wuppertaler Studienbibel (Holzgerlingen: SCM R. Brockhaus, 2018), 250–251.. Bild: Pexel / Tima Miroshnichenko

Est 4, 17 Donnerstag, 1. Fast Wo In jenen Tagen wurde die Königin Ester von Todesangst ergriffen und suchte Zuflucht beim Herrn, und sie betete zum Herrn, dem Gott Israels: Herr, unser König, du bist der Einzige. Hilf mir! Denn ich bin allein und habe keinen Helfer außer dir; die Gefahr steht greifbar vor mir. Von Kindheit an habe ich in meiner Familie und meinem Stamm gehört, dass du, Herr, Israel aus allen Völkern erwählt hast; du hast dir unsere Väter aus allen ihren Vorfahren als deinen ewigen Erbbesitz ausgesucht und hast an ihnen gehandelt, wie du es versprochen hattest. Denk an uns, Herr! Offenbare dich in der Zeit unserer Not, und gib mir Mut, König der Götter und Herrscher über alle Mächte! Leg mir in Gegenwart des Löwen die passenden Worte in den Mund, und stimm sein Herz um, damit er unseren Feind hasst und ihn und seine Gesinnungsgenossen vernichtet. Uns aber rette mit deiner Hand! Hilf mir, denn ich bin allein und habe niemand außer dir, o Herr! Ester Das Buch Ester gehört zu den spannendsten Erzählungen des Alten Testaments. Es ist ein Buch voller Dramatik, politischer Ränkespiele, Mut und göttlicher Fügung: Ester lebt unerkannt als Jüdin in einem antijüdischen Umfeld. Als der Genozid ihres Volkes angeordnet wurde, beschloss sie unaufgefordert (was eigentlich den Tod bedeutete), zum König zu gehen und ihn um Hilfe zu bitten. Sie suchte Zuflucht beim Herrn. Zuvor aber suchte sie Zuflucht bei Gott und holte sich bei ihm die Kraft, um die geplante Ausrottung ihres Volkes abzuwenden. Die Gefahr steht greifbar vor mir. Auch heute müssen wir die Angriffe gegen die Kirche wahrnehmen. In Deutschland sind sie nicht offen, sondern subtil, unterschwellig, hintergründig und raffiniert. Ester sollte uns ein Vorbild sein, sie tat das Richtige. Halten wir lieber den Mund, um keinen Ärger zu bekommen? Auch ein Einzelner kann viel bewirken. Bild: Pexel / Eduardo Romero

Jona 3, 1-10 Mittwoch 1. Fast Woche und Dienstag, 27. Woche Das Wort des Herrn erging zum zweiten Mal an Jona: Mach dich auf den Weg, und geh nach Ninive, in die große Stadt, und droh ihr all das an, was ich dir sagen werde. Jona machte sich auf den Weg und ging nach Ninive, wie der Herr es ihm befohlen hatte. Ninive war eine große Stadt vor Gott; man brauchte drei Tage, um sie zu durchqueren. Jona begann, in die Stadt hineinzugehen; er ging einen Tag lang und rief: Noch vierzig Tage, und Ninive ist zerstört! Und die Leute von Ninive glaubten Gott. Sie riefen ein Fasten aus, und alle, groß und klein, zogen Bußgewänder an. Als die Nachricht davon den König von Ninive erreichte, stand er von seinem Thron auf, legte seinen Königsmantel ab, hüllte sich in ein Bußgewand und setzte sich in die Asche. Er ließ in Ninive ausrufen: Befehl des Königs und seiner Großen: Alle Menschen und Tiere, Rinder, Schafe und Ziegen, sollen nichts essen, nicht weiden und kein Wasser trinken. Sie sollen sich in Bußgewänder hüllen, Menschen und Tiere. Sie sollen laut zu Gott rufen, und jeder soll umkehren und sich von seinen bösen Taten abwenden und von dem Unrecht, das an seinen Händen klebt. Wer weiß, vielleicht reut es Gott wieder, und er lässt ab von seinem glühenden Zorn, so dass wir nicht zugrunde gehen. Und Gott sah ihr Verhalten; er sah, dass sie umkehrten und sich von ihren bösen Taten abwandten. Da reute Gott das Unheil, das er ihnen angedroht hatte, und er führte die Drohung nicht aus. Jona ging nach Ninive. „Hut ab“ vor dem König und den Leuten von Ninive. Jona war ja für sie ein unbekannter Prediger und in jener Region als Prophet völlig unbekannt. Wer das Wort Gottes verkündet, ist zunächst zweitrangig. Wichtig ist, dass es verkündet wird. Gestern haben wir gehört, dass das Wort Gottes die Erde zum Keimen und zum Sprossen bringt. Heute lesen wir, wie das Wort Gottes die Herzen der Menschen zum Blühen bringt. Nicht Jona bewirkte die Umkehr im Herzen der Niniviten, sondern das Wort Gottes. Und die Leute von Ninive glaubten Gott. Die Leute glaubten Jona, sie glaubten Gott. Sie mussten das, was Jona verkündigte, tief in ihrem Herzen als ein Wort Gottes wahrgenommen haben. Das Wort ist wichtiger als der Verkünder. Die heutige Lesung zeigt, wie kraftvoll das Wort Gottes ist. Bild: Pexel / Brett Jordan

