Wer bist du, Herr

ew • 23. April 2026
Apg 9, 1-20             Freitag, 3. Osterwoche 
In jenen Tagen wütete Saulus immer noch mit Drohung und Mord gegen die Jünger des Herrn. Er ging zum Hohenpriester und erbat sich von ihm Briefe an die Synagogen in Damaskus, um die Anhänger des neuen We-ges, Männer und Frauen, die er dort finde, zu fesseln und nach Jerusa-lem zu bringen. Unterwegs aber, als er sich bereits Damaskus näherte, geschah es, dass ihn plötzlich ein Licht vom Himmel umstrahlte. Er stürzte zu Boden und hörte, wie eine Stimme zu ihm sagte: Saul, Saul, warum verfolgst du mich? Er antwortete: Wer bist du, Herr? Dieser sag-te: Ich bin Jesus, den du verfolgst. Steh auf und geh in die Stadt; dort wird dir gesagt werden, was du tun sollst. Seine Begleiter standen sprachlos da; sie hörten zwar die Stimme, sahen aber niemand. Saulus erhob sich vom Boden. Als er aber die Augen öffnete, sah er nichts. Sie nahmen ihn bei der Hand und führten ihn nach Damaskus hinein. Und er war drei Tage blind, und er aß nicht und trank nicht. In Damaskus lebte ein Jünger namens Hananias. Zu ihm sagte der Herr in einer Vision: Hananias! Er antwortete: Hier bin ich, Herr. Der Herr sagte zu ihm: Steh auf und geh zur so genannten Geraden Straße, und frag im Haus des Judas nach einem Mann namens Saulus aus Tarsus. Er betet gerade und hat in einer Vision gesehen, wie ein Mann namens Hananias herein-kommt und ihm die Hände auflegt, damit er wieder sieht. Hananias ant-wortete: Herr, ich habe von vielen gehört, wie viel Böses dieser Mann deinen Heiligen in Jerusalem angetan hat. Auch hier hat er Vollmacht von den Hohenpriestern, alle zu verhaften, die deinen Namen anrufen. Der Herr aber sprach zu ihm: Geh nur! Denn dieser Mann ist mein aus-erwähltes Werkzeug: Er soll meinen Namen vor Völker und Könige und die Söhne Israels tragen. Ich werde ihm auch zeigen, wie viel er für mei-nen Namen leiden muss. Da ging Hananias hin und trat in das Haus ein; er legte Saulus die Hände auf und sagte: Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Weg hierher erschienen ist; du sollst wieder sehen und mit dem Heiligen Geist erfüllt werden. Sofort fiel es wie Schuppen von seinen Augen, und er sah wieder; er stand auf und ließ sich taufen. Und nachdem er etwas gegessen hatte, kam er wieder zu Kräften. Einige Tage blieb er bei den Jüngern in Damaskus; und sogleich verkündete er Jesus in den Synagogen und sagte: Er ist der Sohn Gottes

Ich bin Jesus, den du verfolgst - der mystische Leib Christi.
Durch die Taufe wird ein Mensch zu einem Christen. Er wird aufge-nommen in die Gemeinschaft der Gläubigen. Alle Glieder dieser Ge-meinschaft sind untereinander und mit Christus so eng und intensiv verbunden, dass die Theologen sagen: Die Gemeinschaft der Gläubigen bildet einen einzigen Leib, einen „mystischer Leib“. Dieser mystische Leib ist die Kirche. Christus ist das Haupt des Leibes und die Getauften sind die Glieder des mystischen Leibes.

Zufluchtsort Damaskus 
Vergangenen Mittwoch haben wir in Apg 8, 1b-8 noch gelesen, dass die Christen aus Angst vor einer Verfolgung aus Jerusalem flüchteten. Heute erfahren wir, dass sie auch im weit entfernten Damaskus nicht sicher waren. Paulus gab keine Ruhe, er wollte ihnen nacheilen, um sie zurück nach Jerusalem zu bringen. Die Christen müssen ausgerottet werden. Dafür ist kein Aufwand zu groß und kein Weg zu weit.

Gamaliel der Lehrer des Paulus 
Aus Apostelgeschichte 22,3 wissen wir, dass Gamaliel der Lehrer des Paulus war. Von der ausgleichenden Art Gamaliels haben wir am Freitag, 2. Osterwoche in Apg 5, 34-42 erfahren. Paulus unterschied sich jedoch hier radikal von seinem Lehrer. Dennoch hat sich Jesus aber nicht Gamaliel für die Heidenmission erwählt, sondern Paulus. Gamaliel war von seiner Persönlichkeit her eher passiv: Abwarten, Gottes Wille setzt sich durch. 

Paulus der Schüler des Gamaliel
Paulus dagegen hatte eine eher aktive innere Einstellung: Handeln, den Willen Gottes mit ganzem Einsatz umsetzen.
Der gleichen Eifer den Paulus bei der Verfolgung der Christen zeigte, trieb ihn auch später an die Botschaft vom Evangelium Jesu bis in die hintersten Winkel aller Länder zu tragen. Wenn Jesus wirklich der Mes-sias ist, dann muss man ihm mit jedem Blutstropfen dienen.

Wer bist du, Herr? 
Es war nicht nur ein Aufwallen tiefer Gefühle, oder eine Fata Morgana, die Paulus in der Nähe von Damaskus berührte. Nein, Jesus Christus offenbarte sich ihm selbst und gab ihm einen inneren, sicheren Gottes-beweis, dass Jesus Christus, Gottes Sohn, eine lebendige Wirklichkeit ist.
Eine einzige Sekunde genügte und die bisherige Existenz des Saulus zerbrach bis auf den Grund. Die große Leistung des Paulus besteht darin, dass er diese Offenbarung akzeptierte, sein altes Leben über Bord warf und von nun an Jesus, dem Messias, diente. 

Ihr Kommentar

tägliche Schriftbetrachtung

von ew 22. April 2026
Apg 8, 26-40 Donnerstag, 3. Osterwoche In jenen Tagen sagte ein Engel des Herrn zu Philippus: Steh auf und zieh nach Süden auf der Straße, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt. Sie führt durch eine einsame Gegend. Und er brach auf. Nun war da ein Äthiopier, ein Kämmerer, Hofbeamter der Kandake, der Königin der Äthiopier, der ihren ganzen Schatz verwaltete. Dieser war nach Jerusalem gekommen, um Gott anzubeten, und fuhr jetzt heimwärts. Er saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja. Und der Geist sagte zu Philippus: Geh und folge diesem Wagen. Philippus lief hin und hörte ihn den Propheten Jesaja lesen. Da sagte er: Verstehst du auch, was du liest? Jener antwortete: Wie könnte ich es, wenn mich niemand anleitet? Und er bat den Philippus, einzusteigen und neben ihm Platz zu nehmen. Der Abschnitt der Schrift, den er las, lautete: Wie ein Schaf wurde er zum Schlachten geführt; und wie ein Lamm, das verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf. In der Erniedrigung wurde seine Verurteilung aufgehoben. Seine Nachkommen, wer kann sie zählen? Denn sein Leben wurde von der Erde fortgenommen. Der Kämmerer wandte sich an Philippus und sagte: Ich bitte dich, von wem sagt der Prophet das? Von sich selbst oder von einem anderen? Da begann Philippus zu reden, und ausgehend von diesem Schriftwort verkündete er ihm das Evangelium von Jesus. Als sie nun weiterzogen, kamen sie zu einer Wasserstelle. Da sagte der Kämmerer: Hier ist Wasser. Was steht meiner Taufe noch im Weg? Er ließ den Wagen halten, und beide, Philippus und der Kämmerer, stiegen in das Wasser hinab, und er taufte ihn. Als sie aber aus dem Wasser stiegen, entführte der Geist des Herrn den Philippus. Der Kämmerer sah ihn nicht mehr, und er zog voll Freude weiter. Den Philippus aber sah man in Aschdod wieder. Und er wanderte durch alle Städte und verkündete das Evangelium, bis er nach Cäsarea kam. Steh auf und zieh nach Süden Oft lesen wir diese, oder eine ähnliche Formulierung in der Bibel. 1 Könige 17,9 (Mach dich auf und geh nach Sarepta), Jona 1,2 (Mach dich auf und geh nach Ninive), Mt 9,5 (Steh auf und geh umher.), Mk 2,11 (Steh auf, nimm deine Liege und geh), Apg 3, 6 (Steh auf und geh umher), Apg 8,26 (Steh auf und geh nach Süden) … Steh auf und zieh nach Süden Wie würde ich reagieren, wenn ein Engel zu mir spräche, um mich aufzufordern, durch eine einsame Gegend zu wandern? Würde ich sofort alles liegen und stehen lassen, oder würde ich anfangen zu argumentieren, warum ich gerade jetzt keine Zeit habe? Bild: pexels-photo-7623546 / Miriam Alonso
von ew 21. April 2026
Apg 8, 1b-8 Mittwoch, 3. Osterwoche An jenem Tag brach eine schwere Verfolgung über die Kirche in Jerusalem herein. Alle wurden in die Gegenden von Judäa und Samarien zerstreut, mit Ausnahme der Apostel. Fromme Männer bestatteten Stephanus und hielten eine große Totenklage für ihn. Saulus aber versuchte die Kirche zu vernichten; er drang in die Häuser ein, schleppte Männer und Frauen fort und lieferte sie ins Gefängnis ein. Die Gläubigen, die zerstreut worden waren, zogen umher und verkündeten das Wort. Philippus aber kam in die Hauptstadt Samariens hinab und verkündigte dort Christus. Und die Menge achtete einmütig auf die Worte des Philippus; sie hörten zu und sahen die Wunder, die er tat. Denn aus vielen Besessenen fuhren unter lautem Geschrei die unreinen Geister aus; auch viele Lahme und Krüppel wurden geheilt. So herrschte große Freude in jener Stadt. Alle wurden in die Gegenden von Judäa und Samarien zerstreut … Die Steinigung des Stephanus war der Auftakt zu einer großen Verfolgung der Christen jener Gegend. Der Schrecken unter den Christen war so groß, dass sie sich in die Gegenden von Judäa und Samaria zerstreuten. Alle wurden in die Gegenden von Judäa und Samarien zerstreut … Die Apostel jedoch blieben in Jerusalem, um jenen, die geblieben waren, beizustehen. Die Apostel blieben, weil die kleine verfolgte Gemeinde sie brauchte. Alle können fliehen, die Apostel können es nicht. Alle wurden in die Gegenden von Judäa und Samarien zerstreut … Die Jünger hatten die Freiheit zu fliehen, wie viele andere, sie hatten aber auch die Freiheit, in Jerusalem zu bleiben. Die Apostel blieben, und ich stelle mir vor, wie sie in manchen Nächten vor lauter Angst nicht schlafen konnten. … mit Ausnahme der Apostel zerstreu t. Wenn ich, während ich dies schreibe, in meinem Büro sitze, versuche ich mir für einen Augenblick vorzustellen, wie ich mich entscheiden würde, wenn in der Diözese Freiburg plötzlich eine große Christenverfolgung ausbrechen würde. Würde ich in einer Nachbardiözese fliehen? Hätte ich die Kraft zu bleiben, um für jene da zu sein, die die Schrecken der Verfolgung erleiden müssen? Wie würden Sie sich entscheiden, wenn Sie wüssten, dass die Schergen schon morgen Nacht in Ihr Haus eindringen könnten? Bild: pexels-photo-21950515 / Fuat Ertuş
von account-for-f928c7f67c604b09af1b9637b4e308b8 20. April 2026
Apg 7, 51 – 8, 1a Dienstag, 3. Osterwoche In jenen Tagen sagte Stephanus zu dem Volk, den Ältesten und den Schriftgelehrten: Ihr Halsstarrigen, ihr, die ihr euch mit Herz und Ohr immerzu dem Heiligen Geist widersetzt, eure Väter schon und nun auch ihr. Welchen der Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Sie haben die getötet, die die Ankunft des Gerechten geweissagt haben, dessen Verräter und Mörder ihr jetzt geworden seid, ihr, die ihr durch die Anordnung von Engeln das Gesetz empfangen, es aber nicht gehalten habt. Als sie das hörten, waren sie aufs äußerste über ihn empört und knirschten mit den Zähnen. Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen und rief: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen. Da erhoben sie ein lautes Geschrei, hielten sich die Ohren zu, stürmten gemeinsam auf ihn los, trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß. So steinigten sie Stephanus; er aber betete und rief: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Dann sank er in die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an! Nach diesen Worten starb er. Saulus aber war mit dem Mord einverstanden Ihr Halsstarrigen, ihr, die ihr euch … dem Heiligen Geist widersetzt. Stephanus spricht ein hartes Wort: „Ihr widersetzt euch dem Heiligen Geist.“ Das ist keine Beleidigung, sondern eine schlichte Feststellung. Sich dem Heiligen Geist zu verschließen, heißt nicht zuerst, nichts zu wissen. Es heißt: nicht hören wollen. Das Ohr ist da – aber das Wort Gottes dringt nicht mehr durch. Man hört es, aber man lässt es nicht an sich heran. Ihr Halsstarrigen, ihr, die ihr euch … dem Heiligen Geist widersetzt. Sich dem Hl. Geist zu verschließen bedeutet: nicht antworten wollen. Das Herz spürt vielleicht: Das betrifft mich. Aber man weicht aus. Man verschiebt. Man bleibt, wie man ist. Der eigentliche Widerstand gegen den Hl. Geist ist nicht Unwissenheit, sondern Verweigerung. Ihr Halsstarrigen, ihr, die ihr euch … dem Heiligen Geist widersetzt. Gott spricht – aber der Mensch bleibt stumm. Darum ist die entscheidende Frage nicht: Habe ich Gottes Wort gehört? Sondern: Habe ich darauf geantwortet?
von ew 20. April 2026
Apg 6, 8-15 Montag, 3. Osterwoche In jenen Tagen aber tat Stephanus, voll Gnade und Kraft, Wunder und große Zeichen unter dem Volk. Doch einige von der so genannten Synagoge der Libertiner und Zyrenäer und Alexandriner und Leute aus Zilizien und der Provinz Asien erhoben sich, um mit Stephanus zu streiten; aber sie konnten der Weisheit und dem Geist, mit dem er sprach, nicht widerstehen. Da stifteten sie Männer zu der Aussage an: Wir haben gehört, wie er gegen Mose und Gott lästerte. Sie hetzten das Volk, die Ältesten und die Schriftgelehrten auf, drangen auf ihn ein, packten ihn und schleppten ihn vor den Hohen Rat. Und sie brachten falsche Zeugen bei, die sagten: Dieser Mensch hört nicht auf, gegen diesen heiligen Ort und das Gesetz zu reden. Wir haben ihn nämlich sagen hören: Dieser Jesus, der Nazoräer, wird diesen Ort zerstören und die Bräuche ändern, die uns Mose überliefert hat. Und als alle, die im Hohen Rat saßen, auf ihn blickten, erschien ihnen sein Gesicht wie das Gesicht eines Engels. Stephanus voll Gnade und Kraft. Nun kommt schon der dritte Prozess gegen die Apostel. Angeklagt wird Stephanus und wir wissen jetzt schon, dass dieser Prozess mit einem blutigen Ausgang endet. Von Stephanus wird gesagt, er sei voll Gnade und Kraft. Biblische Männer sind keine Theoretiker, die weltanschauli-che oder theologische Systeme über Gott entfalten, sondern Zeugen des lebendigen Gottes, durch die er handelt. „Kraftlose Gnade hilft nichts und gnadenlose Kraft ist schrecklich“ (vgl.: Wuppertaler Studienbibel Werner Boor, Apostelgeschichte) Dieser Jesus ,... wird die Bräuche ändern. Wir sind gar nicht so arg weit von den Ältesten und Schriftgelehrten der damaligen Zeit entfernt. Ich erinnere mich, dass ich einmal auf dem Al-tar einen Blumenstrauß von links nach rechts verschieben wollte. Man-che Leute waren mir danach bitterböse, denn ich wollte einen alten Brauch verändern. Die Blumen standen und stehen immer links und auf keinen Fall rechts auf dem Altar.
von account-for-f928c7f67c604b09af1b9637b4e308b8 17. April 2026
Apg 6, 1-7 Samstag, 2. Osterwoche In jenen Tagen, als die Zahl der Jünger zunahm, begehrten die Hellenisten gegen die Hebräer auf, weil ihre Witwen bei der täglichen Versorgung übersehen wurden. Da riefen die Zwölf die ganze Schar der Jünger zusammen und erklärten: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und uns dem Dienst an den Tischen widmen. Brüder, wählt aus eurer Mitte sieben Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit; ihnen werden wir diese Aufgabe übertragen. Wir aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben. Der Vorschlag fand den Beifall der ganzen Gemeinde, und sie wählten Stephanus, einen Mann, erfüllt vom Glauben und vom Heiligen Geist, ferner Philippus und Prochorus, Nikanor und Timon, Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochia. Sie ließen sie vor die Apostel hintreten, und diese beteten und legten ihnen die Hände auf. Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger in Jerusalem wurde immer größer; auch eine große Anzahl von den Priestern nahm gehorsam den Glauben an. Wir aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben. Vor einiger Zeit sagte jemand mit Nachdruck zu mir, dass ich mich auch einmal auf dem Fußballplatz sehen lassen soll. Ich solle nicht nur am Sonntag in der Kirche, sondern auch auf der Tribüne sitzen, auch dort seien ja meine Schäfchen zu finden. Andere meinen, ich solle mich bei der Feuerwehr, oder bei der Obdachlosenhilfe engagieren, das wäre die beste und wirksamste Predigt. Wieder gefällt mir sehr, was Werner de Boor schreibt. Wir aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben. „Zumindest meinen wir weithin, heute sei die helfende Tat die einzige noch wirklich „ankommende“ Verkündigung, weil das „Wort“ entleert und machtlos sei. Und ganz selbstverständlich muten wir den „Dienern am Wort“ zu, daß sie einen erheblichen Teil ihrer Zeit und Kraft dem „Bedienen der Tische“ widmen. Wir aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben. Wir sollten es neu hören, was die Apostel mit solcher Klarheit und Bestimmtheit aussprechen. Sie nennen an erster Stelle als notwendig das Gebet! In der Tat, wieviel Zeit und Kraft erfordert das Gebetsleben des Dieners am Wort, wenn er auch nur einigermaßen allem gerecht werden soll, was allein schon in der ihm anvertrauten Gemeinde vor ihm liegt. Ob nicht die offenbare geistliche Ohnmacht unserer Kirche darin ihre eigentliche Wurzel hat, daß unsere Amtsträger vor lauter Überbelastung nicht mehr im „Gebet verharren“ können. Wir aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben. Es geht nicht darum, daß die Apostel sich vor dem „Dienen“ drücken und sich vornehm auf erbaulichen Höhen halten wollen. Sie wissen, daß Jesus sie zum „Dienen“ rief. Sie wollen nicht weniger dienen als die jetzt zu wählenden Sieben, nicht weniger „Diakone“ sein als diese. Aber ihr Dienst vollzieht sich auf einem anderen Gebiet und nimmt sie dort völlig in Anspruch. Der „Dienst am Wort“ läßt einfach nicht Zeit und Kraft für anderen Dienst übrig. Sollte das heute wirklich anders sein?“ Werner de Boor, Die Apostelgeschichte, Wuppertaler Studienbibel (Holzgerlingen: SCM R. Brockhaus, 2018), 132. Bild: pexels-photo-12585890 / BOOM 💥 Photography
von ew 16. April 2026
Apg 5, 34-42 Freitag, 2. Osterwoche In jenen Tagen erhob sich im Hohen Rat ein Pharisäer namens Gamaliël, ein beim ganzen Volk angesehener Gesetzeslehrer; er ließ die Apostel für kurze Zeit hinausführen. Dann sagte er: Israeliten, überlegt euch gut, was ihr mit diesen Leuten tun wollt. Vor einiger Zeit nämlich trat Theudas auf und behauptete, er sei etwas Besonderes. Ihm schlossen sich etwa vierhundert Männer an. Aber er wurde getötet, und sein ganzer Anhang wurde zerstreut und aufgerieben. Nach ihm trat in den Tagen der Volkszählung Judas, der Galiläer, auf; er brachte viel Volk hinter sich und verleitete es zum Aufruhr. Auch er kam um, und alle seine Anhänger wurden zerstreut. Darum rate ich euch jetzt: Lasst von diesen Männern ab, und gebt sie frei; denn wenn dieses Vorhaben oder dieses Werk von Menschen stammt, wird es zerstört werden; stammt es aber von Gott, so könnt ihr sie nicht vernichten; sonst werdet ihr noch als Kämpfer gegen Gott dastehen. Sie stimmten ihm zu, riefen die Apostel herein und ließen sie auspeitschen; dann verboten sie ihnen, im Namen Jesu zu predigen, und ließen sie frei. Sie aber gingen weg vom Hohen Rat und freuten sich, dass sie gewürdigt worden waren, für seinen Namen Schmach zu erleiden. Und Tag für Tag lehrten sie unermüdlich im Tem-pel und in den Häusern und verkündeten das Evangelium von Jesus, dem Christus Stammt es aber von Gott, so könnt ihr sie nicht vernichten Manchmal stoßen wir auf Widerstand, wenn wir für das Gute eintreten oder unseren Glauben leben. Zweifel, Kritik oder sogar Ablehnung kön-nen uns verunsichern. Doch in Apostelgeschichte 5,39 hören wir die Worte des Gamaliel: Was von Gott kommt, lässt sich nicht aufhalten. Stammt es aber von Gott, so könnt ihr sie nicht vernichten Auch wenn Menschen versuchen, etwas zu blockieren – Gottes Plan setzt sich durch. Das schenkt Kraft und Gelassenheit. Wir müssen nicht alles aus eigener Anstrengung durchsetzen. Wenn wir mit Gott gehen, dürfen wir vertrauen: Gott steht hinter dem, was wirklich Bestand hat. Stammt es aber von Gott, so könnt ihr sie nicht vernichten Lass dich nicht entmutigen. Prüfe dein Tun – und wenn du erkennst, dass es aus Gott ist, dann geh deinen Weg mit Mut weiter. Gott selbst wird ihn bereiten. Bild: pexels-photo-12980935 Quelle: M y / Ayşe İpek
von ew 15. April 2026
Apg 5, 27-33 Donnerstag, 2. Osterwoche In jenen Tagen führten der Tempelhauptmann und seine Leute die Apostel herbei und stellten sie vor den Hohen Rat. Der Hohepriester verhörte sie und sagte: Wir haben euch streng verboten, in diesem Namen zu lehren; ihr aber habt Jerusalem mit eurer Lehre erfüllt; ihr wollt das Blut dieses Menschen über uns bringen. Petrus und die Apostel antworteten: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr ans Holz gehängt und ermordet habt. Ihn hat Gott als Herrscher und Retter an seine rechte Seite erhoben, um Israel die Umkehr und Vergebung der Sünden zu schenken. Zeugen dieser Ereignisse sind wir und der Heilige Geist, den Gott allen verliehen hat, die ihm gehorchen. Als sie das hörten, gerieten sie in Zorn und beschlossen, sie zu töten Es ist interessant wie sich die Geschichte immer wiederholt. Papst Leo XIV. forderte Frieden und ein Ende des Iran-Kriegs – doch der US-Präsident griff den Heiligen Vater dafür scharf an. Seit Ostern 2026 eskaliert ein verbaler Streit zwischen dem US-Präsidenten Trump und Papst Leo XIV. Trump bezeichnete den Papst auf seiner Plattform Truth Social jüngst als „schwach“ und eine „Unverschämtheit“. Mich beeindruckt die Antwort der Apostel gegenüber den Hohenpriestern in der Lesung ebenso wie die Haltung von Papst Leo gegenüber Präsident Trump. Ich sehe Ähnlichkeiten zwischen dem, was die Apostel antworteten, und dem was Papst Leo konterte. „Ich habe keine Angst, weder vor der Trump-Regierung, noch davor, die Botschaft des Evangeliums laut zu verkünden, wofür die Kirche arbeitet.“de.euronews.com „Ich werde mich weiterhin entschieden gegen den Krieg aussprechen und mich für den Frieden einsetzen, indem ich den Dialog und den Multilateralismus zwischen den Staaten fördere, um Lösungen für Probleme zu finden.“de.euronews.com „Die Dinge, die ich sage, sind mit Sicherheit nicht als Angriffe auf irgendjemanden gedacht. Die Botschaft des Evangeliums ist sehr deutlich: Selig sind die, die Frieden stiften.“tagesschau.de „Meine Botschaft auf die gleiche Ebene zu stellen wie das, was der Präsident hier zu tun versucht hat, bedeutet meiner Meinung nach, nicht zu verstehen, was die Botschaft des Evangeliums ist.“news.de. Bild. httpscommons.wikimedia.orgwikiFilePope_Leo_XIV_7.png
von ew 14. April 2026
Apg 5, 17-26 Mittwoch, 2. Osterwoche In jenen Tagen erhoben sich voll Eifersucht der Hohepriester und alle, die auf seiner Seite standen, nämlich die Gruppe der Sadduzäer. Sie ließen die Apostel verhaften und in das öffentliche Gefängnis werfen. Ein Engel des Herrn aber öffnete nachts die Gefängnistore, führte sie heraus und sagte: Geht, tretet im Tempel auf, und verkündet dem Volk alle Worte dieses Lebens! Sie gehorchten und gingen bei Tagesanbruch in den Tempel und lehrten. Währenddessen kam der Hohepriester mit seinen Begleitern. Sie riefen den Hohen Rat und alle Ältesten der Söhne Israels zusammen; man schickte Boten zum Gefängnis, um die Apostel vorführen zu lassen. Die Diener gingen, fanden sie aber nicht im Gefängnis. Sie kehrten zurück und meldeten: Wir fanden das Gefängnis sorgfältig verschlossen und die Wachen vor den Toren stehen; als wir aber öffneten, fanden wir niemand darin. Der Tempelhauptmann und die Hohenpriester waren ratlos, als sie das hörten, und wussten nicht, was nun werden sollte. Da kam jemand und meldete ihnen: Die Männer, die ihr ins Gefängnis geworfen habt, stehen im Tempel und lehren das Volk. Da ging der Tempelhauptmann mit seinen Leuten hin und holte sie, allerdings nicht mit Gewalt; denn sie fürchteten, vom Volk gesteinigt zu werden. Sie ließen die Apostel verhaften Es gibt eine Linie, die sich durch die ganze Heilsgeschichte, angefangen von den ersten Seiten der Bibel bis in unsere Tage, zieht: Der Mensch stellt sich gegen Gott – aber Gott führt dennoch seinen Plan zum Heil. Sie ließen die Apostel verhaften Die Intrigen gegen Jesus, die uns Johannes so einprägsam schildert (Joh 11, 46-53), wiederholen sich bei jenen, die Jesus nachfolgen. Es ist wie in der Geschichte Jesu selbst: Beim Todesbeschluss gegen Jesus war die Priesterschaft führend. Die gleiche Gruppe versucht auch die Apostel wenigstens mundtot zu machen. Die theologischen Fragen waren ihr nicht so wichtig. Es ging um Eifersucht, Macht und Einfluss. Es sind dieselben eitlen Gedanken, die auch heute noch in manchen Gemeinden eine Neuevangelisierung versuchen zu unterdrücken. Aber Was der Mensch aus Angst unterdrücken will, verwandelt Gott in ein Werkzeug seines Heils. Gott setzt seinen Willen nicht gegen den Menschen durch – aber er vollendet ihn trotz des Menschen. Bild :pexels-photo-10474997.png/ Ron Lach
von ew 13. April 2026
Apg 4, 32-37 Dienstag, 2. Osterwoche Die Gemeinde der Gläubigen war ein Herz und eine Seele. Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum, sondern sie hatten alles gemeinsam. Mit großer Kraft legten die Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung Jesu, des Herrn, und reiche Gnade ruhte auf ihnen allen. Es gab auch keinen unter ihnen, der Not litt. Denn alle, die Grundstücke oder Häuser besaßen, verkauften ihren Besitz, brachten den Erlös und legten ihn den Aposteln zu Füßen. Jedem wurde davon so viel zugeteilt, wie er nötig hatte. Auch Josef, ein Levit aus Zypern, der von den Aposteln Barnabas, das heißt übersetzt Sohn des Trostes, genannt wurde, verkaufte einen Acker, der ihm gehörte, brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen. Ein Herz und eine Seele „Sie wurden alle mit dem Heiligen Geist erfüllt“, so schloss der vorige Abschnitt. Und dies zeigte sich nicht nur im freimütigen Zeugnis nach draußen. Der Geist Gottes ist nicht nur – wie es in unserer Kirche leicht erscheinen kann – ein Mittel der Verkündigung. Er gestaltet vor allem das innere Leben: „Die Gemeinde der Gläubigen war ein Herz und eine Seele.“ Wichtig ist zunächst, dass in der urchristlichen Gemeinde gelebt wurde, was andernorts nur als Ideal verkündet wird. Vielleicht ist die Einheit unter den Gläubigen die wichtigste Frucht des Hl. Geistes überhaupt. Die Einheit ist Voraussetzung und der Boden, auf dem alle anderen Charismen wachsen können. Kurz: Ohne Einheit keine Früchte, kein Wachstum, keine Zukunft. Sie hatten alles gemeinsam. So ideal sich die Lesung heute vielleicht für den ein oder anderen auch anhören mag, ohne ein gewisses Maß persönlichen Besitzes, der frei zu ihrer eigenen Verfügung bleibt, kann eine Familie und eine Gemeinschaft nicht leben. Die hier gegebene Schilderung des Lukas ist ein „Urbild, aber kein Vorbild“. Damals in Jerusalem handelte die Liebe kraftvoll in der ihr jetzt gegebenen Lage. Sie hatten alles gemeinsam. In den paulinischen Gemeinden war das anders. Darum hat Paulus das „Vorbild“ von Jerusalem nicht nachgemacht, sondern seinen Gemeinden ganz andere Regeln gegeben (vgl. 1 Thess 4, 11 f; 2 Thess 3, 6–12). Eine unmittelbare und dann notwendig „gesetzliche“ Nachahmung der Urgemeinde wäre ein Missverständnis der Schrift. Sie hatten alles gemeinsam. Aber das „Urbild“ darf uns keine Ruhe lassen. Die innere Haltung jener ersten Gemeinde Jesu darf und muss wieder die unsere werden. Welche konkreten Formen der brüderlichen Gemeinsamkeit sie dann findet, wird von der jeweiligen geschichtlichen Lage her bestimmt sein müssen. Für heute Jeder von uns kann an seinem Platz und in seiner Weise in der „Haltung“ leben, welche die heutige Lesung schildert. Niemand braucht auf eine ferne Zukunft zu warten, jeder kann noch heute damit anfangen, das gemeinschaftliche Urbild der christlichen Urgemeinde mit seinen Nachbarn umzusetzen. Ich folge in der ganzen Auslegung: Werner de Boor, Die Apostelgeschichte, Wuppertaler Studienbibel (Holzgerlingen: SCM R. Brockhaus, 2018), 107. Bild. Edgar Wunsch
von ew 13. April 2026
Apg 4, 23-31 Montag, 2. Osterwoche In jenen Tagen als Petrus und Johannes freigelassen waren, gingen sie zu den Ihren und berichteten alles, was die Hohenpriester und die Ältesten zu ihnen gesagt hatten. Als sie das hörten, erhoben sie einmütig ihre Stimme zu Gott und sprachen: Herr, du hast den Himmel, die Erde und das Meer geschaffen und alles, was dazugehört; du hast durch den Mund unseres Vaters David, deines Knechtes, durch den Heiligen Geist gesagt: Warum toben die Völker, warum machen die Nationen vergebliche Pläne? Die Könige der Erde stehen auf, und die Herrscher haben sich verbündet gegen den Herrn und seinen Gesalbten. Wahrhaftig, verbündet haben sich in dieser Stadt gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hast, Herodes und Pontius Pilatus mit den Heiden und den Stämmen Israels, um alles auszuführen, was deine Hand und dein Wille im Voraus bestimmt haben. Doch jetzt, Herr, sieh auf ihre Drohungen und gib deinen Knechten die Kraft, mit allem Freimut dein Wort zu verkünden. Streck deine Hand aus, damit Heilungen und Zeichen und Wunder geschehen durch den Namen deines heiligen Knechtes Jesus. Als sie gebetet hatten, bebte der Ort, an dem sie versammelt waren, und alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt, und sie verkündeten freimütig das Wort Gottes . Da bebte der Ort. Ich erinnere mich noch ganz gut an eine „Mehr Konferenz“, die Johannes Hartl als Organisator durchführte. Ich verfolgte diesen Abend vor dem Bildschirm zu Hause. Im Laufe der Veranstaltung versammelten sich Mitglieder aller anwesenden Konfessionen auf der Bühne und beteten gemeinsam für eine Neuevangelisierung Deutschlands. Am Ende des Gebetes wurde ein Segen gesprochen. Die positive Schockwelle dieses Segens hat mich „durch den Bildschirm hindurch“ noch getroffen. Ich habe diese Segenswelle körperlich so stark gespürt, dass ich einen kleinen Seufzer ließ und in dem Sessel nach hinten geworfen wurde. Das war eine gigantische Erfahrung. Wir lernen: im Gebet und im Segen Gottes steckt eine große Kraft, die wir noch nicht einmal ansatzweise „angezapft“ haben. Bild: AdobeStock_357942148