2 Petr 1, 2–7 Montag, 9. Woche
2Gnade sei mit euch und Friede in Fülle durch die Erkenntnis Gottes und Jesu, unseres Herrn! 3Alles, was für unser Leben und unsere Frömmigkeit gut ist, hat seine göttliche Macht uns geschenkt; sie hat uns den erkennen lassen, der uns durch seine Herrlichkeit und Kraft berufen hat. 4Durch sie sind uns die kostbaren und überaus großen Verheißungen geschenkt, damit ihr durch diese Anteil an der göttlichen Natur erhaltet und dem Verderben entflieht, das durch die Begierde in der Welt herrscht. 5Darum setzt allen Eifer daran, mit eurem Glauben die Tugend zu verbinden, mit der Tugend die Erkenntnis, 6mit der Erkenntnis die Selbstbeherrschung, mit der Selbstbeherrschung die Ausdauer, mit der Ausdauer die Frömmigkeit, 7mit der Frömmigkeit die Brüderlichkeit und mit der Brüderlichkeit die Liebe!
Anteil an der göttlichen Natur
Der Ausdruck, „Anteil an der göttlichen Natur zu erhalten“, gehört zu den kühnsten Aussagen des gesamten Neuen Testaments. Es bedeutet im Kern, dass der Mensch durch die Gnade Gottes in das innergöttliche Leben hineingezogen wird.
Anteil an der göttlichen Natur
Es bedeutet nicht, dass der Mensch selbst zu „Gott dem Allmächtigen“ wird oder sein Menschsein verliert. Es ist eine Verwandlung durch Liebe. Ein klassisches Bild der Kirchenväter ist das Eisen im Feuer: Wenn man ein Stück Eisen ins Feuer legt, nimmt es die Eigenschaften des Feuers an – es wird glühend heiß, strahlt Licht aus und brennt –, aber es bleibt im Wesen Eisen. So wird der Mensch von der Glut der göttlichen Liebe durchdrungen.
Anteil an der göttlichen Natur - Wie empfangen wir diesen Anteil?
Nach katholischem Verständnis geschieht dies auf ganz konkreten Wegen:
- Durch die Sakramente: Allen voran die Taufe und die Eucharistie. In der Kommunion empfangen wir den Leib Christi, damit wir verwandelt werden. Der hl. Augustinus sagte: „Werde, was du empfängst: der Leib Christi.“
- Durch das Leben im Heiligen Geist: Der Heilige Geist wohnt in uns wie in einem Tempel.
- Durch die Mitwirkung des Menschen: Genau deshalb schließt Petrus die „Tugendleiter“ an. Die göttliche Natur in uns drängt danach, im Alltag sichtbar zu werden – durch Geduld, Reinheit, Bruderliebe und Selbstbeherrschung.
Zusammenfassend:
Anteil an der göttlichen Natur zu haben bedeutet, dass Gott uns nicht nur als Seine Geschöpfe betrachtet, sondern uns so eng an sich bindet, dass Sein eigenes Leben, Seine Liebe und Seine Ewigkeit durch uns hindurchströmen.
2 Petr 3, 12–15a.17–18 Dienstag, 9. Woche
12Ihr müsst die Ankunft des Tages Gottes erwarten und beschleunigen! An jenem Tag werden die Himmel in Flammen aufgehen und die Elemente im Feuer zerschmelzen. 13Wir erwarten gemäß seiner Verheißung einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen die Gerechtigkeit wohnt. 14Deswegen, Geliebte, die ihr dies erwartet, bemüht euch darum, von ihm ohne Makel und Fehler in Frieden angetroffen zu werden! 15aUnd die Geduld unseres Herrn betrachtet als eure Rettung. 17Ihr aber, Geliebte, da ihr dies im Voraus wisst, gebt Acht, dass ihr nicht von dem Irrtum der Frevler mitgerissen werdet und eure eigene Standfestigkeit verliert! 18Wachset in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und Retters Jesus Christus! Ihm gebührt die Herrlichkeit, jetzt und bis zum Tag der Ewigkeit. Amen.
Einen neuen Himmel und eine neue Erde,
Dass das Alte nichts tauge, dass alles neu werden müsse, das meinen schon lange viele Menschen. Aber wer kann wahrhaft und bis in die innersten Tiefen alles neu machen? Wer kann denn die neue Welt schaffen, in der „Gerechtigkeit“ nicht nur ersehnt oder gefordert wird, sondern in der Gerechtigkeit tatsächlich „wohnt“ und alles gestaltet?
Einen neuen Himmel und eine neue Erde,
Petrus sagt es eindeutig: Wir erwarten diese neue Welt nach seiner Verheißung. Auch jetzt erhalten wir wieder keine christlichen Verbesserungspläne, sondern werden einzig auf das klare Wort Gottes gewiesen. Ob Petrus diese „seine Verheißung“ im AT fand oder ob er an die Verkündigung denkt, die er von Jesus selbst hörte, sagt er uns nicht.
Einen neuen Himmel und eine neue Erde,
Vom Aussehen der neuen Erde, von der Art unseres Lebens auf ihr, sagt Petrus kein Wort. Es genügt ihm das eine, es ist Gottes neue Welt, die voll „Gerechtigkeit“ sein wird.
Uwe Holmer und Werner de Boor, Die Briefe des Petrus und der Brief des Judas, Wuppertaler Studienbibel (Holzgerlingen: SCM R. Brockhaus, 2018), 213–214.
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