1. Brief an die Korinther

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1 Kor 1, 1-9       Donnerstag, 21. Woche              

Paulus, durch Gottes Willen berufener Apostel Christi Jesu, und der Bruder Sosthenes an die Kirche Gottes, die in Korinth ist, - an die Geheiligten in Christus Jesus, berufen als Heilige mit allen, die den Namen Jesu Christi, unseres Herrn, überall anrufen, bei ihnen und bei uns. Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.

Ich danke Gott jederzeit euretwegen für die Gnade Gottes, die euch in Christus Jesus geschenkt wurde, dass ihr an allem reich geworden seid in ihm, an aller Rede und aller Erkenntnis. Denn das Zeugnis über Christus wurde bei euch gefestigt, so dass euch keine Gnadengabe fehlt, während ihr auf die Offenbarung Jesu Christi, unseres Herrn, wartet. Er wird euch auch festigen bis ans Ende, so dass ihr schuldlos dasteht am Tag Jesu, unseres Herrn. Treu ist Gott, durch den ihr berufen worden seid zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus, unserem Herrn.


An die Kirche Gottes, die in Korinth ist.

Ich finde es interessant, dass Paulus nicht an alle Menschen in Korinth schreibt, sondern an die Kirche Gottes, die in Korinth ist. Die Gläubigen in Korinth bilden die Kirche Gottes. Sie sind Schwestern und Brüder im mystischen Leib Christi, welcher die Kirche ist. Sie treffen sich nicht zum Selbstzweck, sondern für Gott.


In aller Rede und …

Niemand hat alle Gaben, sondern jeder hat bestimmte Gaben. Jeder hat etwas, aber nicht jeder hat alles. Ich stelle eine Tendenz fest, dass jene, welche die Gabe der Rede haben, meinen, dass sie automatisch auch im Besitz aller anderen Gaben sind. (Weisheit, Unterscheidung der Geister, Erkenntnis …) Sie können, dank der Gabe der guten rhetorischen Rede, ihre eigene Meinung oft so überzeugend vertreten, dass sie überheblich nur noch ihre eigene Position gelten lassen.


So dass euch keine Gnadengabe fehlt.

Gott gibt alle Gaben, aber Früchte tragen sie nur dann, wenn unter den Christen in der Kirche Gottes kein Konkurrenzkampf besteht, sondern alle ihre besonderen Gaben einbringen können und dürfen.


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1 Kor 1, 17-25   Freitag, 21. Woche        

Brüder! Christus hat mich nicht gesandt zu taufen, sondern das Evangelium zu verkünden, aber nicht mit gewandten und klugen Worten, damit das Kreuz Christi nicht um seine Kraft gebracht wird. Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit; uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft. Es heißt nämlich in der Schrift: Ich lasse die Weisheit der Weisen vergehen und die Klugheit der Klugen verschwinden. Wo ist ein Weiser? Wo ein Schriftgelehrter? Wo ein Wortführer in dieser Welt? Hat Gott nicht die Weisheit der Welt als Torheit entlarvt? Denn da die Welt angesichts der Weisheit Gottes auf dem Weg ihrer Weisheit Gott nicht erkannte, beschloss Gott, alle, die glauben, durch die Torheit der Verkündigung zu retten. Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit. Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Denn das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen, und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen.


Das Kreuz Christi.

Es ist irgendwie schon sonderbar. Auf der einen Seite wird immer wieder gefordert, dass das Kreuz aus Schulgebäuden, Gerichtssälen und öffentlichen Amtsstuben verbannt wird. Auf der anderen Seite sehe ich viele Menschen, die sich als Schmuckstück ein Kreuz um den Hals hängen oder sich sogar ein Kreuz auf ihre Haut tätowieren lassen.


Das Kreuz Christi.

Das Kreuz war zur Zeit Jesu kein Schmuckstück, sondern ein Todesinstrument. Man kann das Kreuz vergleichen mit einem elektrischen Stuhl oder mit einer Guillotine.


Torheit oder Gottes Kraft?

Für jene, die nicht glauben, ist die Botschaft vom Kreuz wirklich nur eine Torheit und darum bleibt dieses Zeichen für sie auch lediglich ein Schmuckstück. Für einen Christen jedoch ist das Zeichen des Kreuzes das Zeichen der Erlösung.


Das Plus Gottes.

Das Kreuz ist das große Plus Gottes. Und jeden Morgen, wenn ich aufwache, mache ich zuerst, noch auf der Bettkante, das Kreuzzeichen, das Plus Gottes über meinen Leib, und danke Gott, dass er mich durch seinen Tod am Kreuz erlöst hat.


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1 Kor 1, 26-31   Samstag, 21. Woche     

Seht auf eure Berufung, Brüder! Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme, sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen. Und das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt: das, was nichts ist, um das, was etwas ist, zu vernichten, damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott. Von ihm her seid ihr in Christus Jesus, den Gott für uns zur Weisheit gemacht hat, zur Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung. Wer sich also rühmen will, der rühme sich des Herrn; so heißt es schon in der Schrift.


Das Schwache in der Welt hat Gott erwählt.

Vor anderen Menschen wollen wir oft gut dastehen. Wir rücken uns selbst ins rechte Licht, erzählen nur das, was gelungen ist, schweigen aber über unser Versagen, unser Nichtgelingen und unsere Sünden.


Ich habe noch fünf unter mir.

Vor vielen Jahren habe ich einen alten Bekannten aus der Schulzeit getroffen und nach den ersten Worten der Begrüßung sagte er sofort: „Ich arbeite da und dort und ich habe noch fünf unter mir.“ Er wollte mir offensichtlich sofort zeigen, dass er ein Boss ist, vielleicht auch, dass er über den anderen steht, mehr Geld verdient und auch etwas besser ist.


Das Schwache in der Welt hat Gott erwählt.

Vielleicht kann man sagen, dass Gott bevorzugt jene in seinen Dienst beruft, die um ihre eigene Schwachheit wissen und lieber bei Gott einen Rat suchen, als auf ihre eigene Weisheit zu vertrauen.


Es gibt nicht viele Weise.

Ich finde es erstaunlich, dass Paulus, der ja selbst eine umfassende Bildung besaß und sicher zu den Weisen seinerzeit gerechnet werden konnte, so etwas schreibt. Ich glaube, er konnte dies schreiben, weil er die Fallstricke der Weisen, der Geachteten und der Reichen gut kennengelernt hat. Zu leicht vertrauen sie nur auf sich selbst und nicht auf Gott.


Es gibt nicht viele Weise.

Vielleicht müssen wir uns dies heute von der Lesung sagen lassen.

Vertraue nicht auf deinen Einfluss, auf deine Beziehungen und auf dein Geld. Setze dein Vertrauen auf Jesus Christus, der dich berufen hat, sein Evangelium in der Welt bekannt zu machen.

1 Kor 2, 1-5       Montag, 22. Woche      

Als ich zu euch kam, Brüder, kam ich nicht, um glänzende Reden oder gelehrte Weisheit vorzutragen, sondern um euch das Zeugnis Gottes zu verkündigen. Denn ich hatte mich entschlossen, bei euch nichts zu wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten. Zudem kam ich in Schwäche und in Furcht, zitternd und bebend zu euch. Meine Botschaft und Verkündigung war nicht Überredung durch gewandte und kluge Worte, sondern war mit dem Erweis von Geist und Kraft verbunden, damit sich euer Glaube nicht auf Menschenweisheit stützte, sondern auf die Kraft Gottes.


Glänzende Reden oder gelehrte Weisheit

Vor gar nicht allzu langer Zeit hörte ich, wie sich zwei Personen über mich unterhielten. Viel bekam ich von ihrem Gespräch nicht mit, doch ein einzelner Satz, den ich im Vorübergehen aufschnappte, hat sich mir eingeprägt: „Der Pfarrer Wunsch benutzt nur ganz einfache Worte, wenn er redet.“


Glänzende Reden oder gelehrte Weisheit

Ich weiß bis heute nicht, wie genau das gemeint war – zumal der Sprecher selbst ein äußerst geschliffener Rhetoriker ist. Aber ich nehme es ihm keineswegs übel, denn im Grunde hatte er recht. Wenn ich das Wort Gottes verkünde, kann und will ich nicht mit jenen mithalten, die professionelle Rhetorikkurse besucht haben und deren Zunge zweifellos lockerer sitzt als die meine.


Glänzende Reden oder gelehrte Weisheit

Es ist auch gar nicht mein Anspruch, glänzende Reden voller Fremdwörter zu schwingen. Mein Ziel ist ein anderes: Ich möchte versuchen, die Botschaft des Evangeliums verständlich in unsere Zeit zu übersetzen und sie den Menschen in Liebe weiterzugeben. Ob mir das gelingt, das müssen letztlich andere beurteilen. 


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1 Kor 2, 10b-16               Dienstag, 22. Woche    

Brüder! Der Geist ergründet alles, auch die Tiefen Gottes. Wer von den Menschen kennt den Menschen, wenn nicht der Geist des Menschen, der in ihm ist? So erkennt auch keiner Gott - nur der Geist Gottes. Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott stammt, damit wir das erkennen, was uns von Gott geschenkt worden ist. Davon reden wir auch, nicht mit Worten, wie menschliche Weisheit sie lehrt, sondern wie der Geist sie lehrt, indem wir den Geisterfüllten das Wirken des Geistes deuten. Der irdisch gesinnte Mensch aber lässt sich nicht auf das ein, was vom Geist Gottes kommt. Torheit ist es für ihn, und er kann es nicht verstehen, weil es nur mit Hilfe des Geistes beurteilt werden kann. Der geisterfüllte Mensch urteilt über alles, ihn aber vermag niemand zu beurteilen. Denn wer begreift den Geist des Herrn? Wer kann ihn belehren?


Ich kenne sie ganz genau?

Vor einiger Zeit sagte jemand zu mir: „Herr Pfarrer Wunsch, ich kenne Sie ganz genau.“ Ich habe nicht wenig über diesen Satz gestaunt, denn dieser Mensch kann mich erst seit ungefähr zwei Jahren kennen, denn vorher sind wir uns noch nie begegnet. Er hat mich von der Ferne beobachtet, hat sicher einige Predigten von mir gehört und sich mit anderen über mich ausgetauscht. Und nun war er der Meinung, mich ganz genau zu kennen. Er wusste nichts aus meiner Lebensgeschichte, er wusste nicht von meinen Krankheiten und war mit meinen Sorgen und Nöten nicht vertraut.


Ich kenne mich ganz genau?

Durch diese Bemerkung wurde mir wieder einmal bewusst, wie wenig wir Menschen doch voneinander wissen. Manchmal kennen wir uns selbst nicht einmal und stehen erschrocken vor den Abgründen unseres eigenen Herzens. Die heutige Lesung hat recht, wenn sie die Frage aufwirft: Wer von den Menschen kennt den Menschen, wenn nicht der Geist des Menschen, der in ihm ist?


Wenn der Mensch aber sich selbst oft genug ein Rätsel ist und bleibt, welch geheimnisvolle Tiefen sind dann erst im Gott.


Ich kenne Gott ganz genau?

Adolf Pohl schreibt im Kommentar zum Korintherbrief in der Wuppertaler Studienbibel: „Wie jämmerlich klein und arm ist meist auch unser Denken über Gott. Wie einfach meinen wir den lieben Gott erkennen zu können. Wie selbstverständlich maßen wir uns an, ihn zu verstehen.“


Wir aber haben den Geist Christi.

Mit diesem Satz endet die heutige Lesung. Wenn nun aber der Geist Gottes in uns ist, dann kann Gott uns auch zeigen, wer wir selber sind, und er kann uns auch seine eigenen Tiefen offenbaren.


Heute ist wieder eine gute Chance, auf Gottes Geist, der in mir ist, zu hören.

1 Kor 3, 1-9       Mittwoch, 22. Woche

Vor euch, Brüder, konnte ich aber nicht wie vor Geisterfüllten reden; ihr wart noch irdisch eingestellt, unmündige Kinder in Christus. Milch gab ich euch zu trinken statt fester Speise; denn diese konntet ihr noch nicht vertragen. Ihr könnt es aber auch jetzt noch nicht; denn ihr seid immer noch irdisch eingestellt. Oder seid ihr nicht irdisch eingestellt, handelt ihr nicht sehr menschlich, wenn Eifersucht und Streit unter euch herrschen? Denn wenn einer sagt: Ich halte zu Paulus!, ein anderer: Ich zu Apollos!, seid ihr da nicht Menschen? Was ist denn Apollos? Und was ist Paulus? Ihr seid durch sie zum Glauben gekommen. Sie sind also Diener, jeder, wie der Herr es ihm gegeben hat: Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber ließ wachsen. So ist weder der etwas, der pflanzt, noch der, der begießt, sondern nur Gott, der wachsen lässt. Wer pflanzt und wer begießt: beide arbeiten am gleichen Werk, jeder aber erhält seinen besonderen Lohn, je nach der Mühe, die er aufgewendet hat. Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld, Gottes Bau.


Milch gab ich euch zu trinken …

Wenn ich die Zeilen der heutigen Lesung auch nur kurz in mir wirken lasse, dann frage ich mich sofort, welche Reaktionen der Zuhörer ich ernten würde, würde ich so predigen wie Paulus. Mir fehlt der Mut -also lieber nicht!


… statt fester Speise.

Und doch denke ich, dass das, was Paulus den Korinthern sagt, auch für die modernen Menschen unserer Zeit gilt. Ich wage zu behaupten, dass die Mehrheit der Katholiken sich in einem geistlichen Säuglingsalter befindet und nur nach der süßen Muttermilch verlangt, aber nicht nach fester geistlicher Nahrung.


Ihr seid immer noch irdisch eingestellt.

Auch bei uns herrschen Eifersucht und Streit. Die einen halten zu Maria 1.0 die anderen zu Maria 2.0. Die einen jubeln, wenn der synodale Weg frech voranschreitet, andere bedauern, dass man auf diesem Irrweg dabei ist, die Grundlage des katholischen Glaubens zu verlassen. Die einen hissen bunte Regenbogenfahnen, andere schlagen dabei die Hände über dem Kopf zusammen.


Wir sind also Diener.

Nur Diener zu sein und Diener sein zu wollen, ist eigentlich ein voller Gegensatz zur Art des heutigen Menschen. Die Selbstbestimmung und die Eigenständigkeit stehen hoch im Kurs.


Heute möchte ich nicht „selbstbestimmt“, sondern „fremdbestimmt“, gelenkt und geleitet durch Christus, als sein Diener diesen Tag verbringen. Sind sie auch dabei?


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1 Kor 3, 18-23  Donnerstag, 22. Woche             

Keiner täusche sich selbst. Wenn einer unter euch meint, er sei weise in dieser Welt, dann werde er töricht, um weise zu werden. Denn die Weisheit dieser Welt ist Torheit vor Gott. In der Schrift steht nämlich: Er fängt die Weisen in ihrer eigenen List. Und an einer anderen Stelle: Der Herr kennt die Gedanken der Weisen; er weiß, sie sind nichtig. Daher soll sich niemand eines Menschen rühmen. Denn alles gehört euch; Paulus, Apollos, Kephas, Welt, Leben, Tod, Gegenwart und Zukunft: alles gehört euch; ihr aber gehört Christus, und Christus gehört Gott.


Die Weisheit dieser Welt.

Die Weisheit dieser Welt hat schon viele großartigen Erfindungen hervorgebracht. Im Bereich der Technik, der Naturwissenschaften, der Medizin, hat die Weisheit der Menschen vieles erdacht, was zum Nutzen der Menschheit ist. Die Weisheit dieser Welt bringt aber auch Kriege hervor, lässt zu, dass kleine Kinder im Mutterleib getötet werden und stellt die Ordnung von Mann und Frau auf den Kopf.


Weitere Unterscheidungen

  • Weisheit dieser Welt: Schließe Kontakte mit Leuten, die dir nützlich sind und dich beruflich oder sozial weiterbringen.
  • Weisheit in den Augen Gottes: Verbringe Zeit mit Menschen, von denen du absolut keinen Vorteil hast, den Armen, Ausgestoßenen oder Kranken.


  • Weisheit dieser Welt: Verberge deine Schwächen. Wer Fehler zugibt, verliert Respekt, Macht oder den Job.
  • Weisheit in den Augen Gottes: Steh zu deinen Fehlern, gib Schwächen offen zu und bitte um Vergebung. Stärke zeigt sich nicht im Perfektsein, sondern in der Ehrlichkeit.



  • Weisheit dieser Welt: Sichere dich gegen alle Risiken ab, kontrolliere den Ablauf und verlass dich nur auf deine eigenen Pläne.
  • Weisheit in den Augen Gottes: Akzeptiere, dass du nicht alles kontrollieren kannst, lass los und vertraue darauf, dass dein Leben durch Gott getragen ist.


Sicher finden Sie noch mehr Unterscheidungskriterien


1 Kor 4, 1-5       Freitag, 22. Woche       

Als Diener Christi soll man uns betrachten und als Verwalter von Geheimnissen Gottes. Von Verwaltern aber verlangt man, dass sie sich treu erweisen. Mir macht es allerdings nichts aus, wenn ihr oder ein menschliches Gericht mich zur Verantwortung zieht; ich urteile auch nicht über mich selbst. Ich bin mir zwar keiner Schuld bewusst, doch bin ich dadurch noch nicht gerecht gesprochen; der Herr ist es, der mich zur Rechenschaft zieht. Richtet also nicht vor der Zeit; wartet, bis der Herr kommt, der das im Dunkeln Verborgene ans Licht bringen und die Absichten der Herzen aufdecken wird. Dann wird jeder sein Lob von Gott erhalten.


Richtet also nicht vor der Zeit.

Wie sollen wir die Handlung eines Menschen bewerten? Erlauben Sie mir einen kleinen Gedankengang. Stellen wir uns eine Skala von minus 100 bis plus 100 vor. Je größer das Minus, desto schlechter die Lebensbedingungen, in denen ein Mensch aufwächst. Je größer das Plus, desto besser das Lebensumfeld eines Menschen.


Richtet also nicht vor der Zeit.

Nehmen wir an, ein Mensch wird in ein Lebensumfeld von -70 hineingeboren (Drogenmilieu, Mord und Totschlag, schlechte Schulausbildung). Er bemüht sich aber, ein gutes Leben zu führen, und schafft es bis zu seinem Tod, auf der Skala bis -20 aufzusteigen.


Ein anderer wird bei +60 in wohlgeordnete Verhältnisse hineingeboren. Auch er bemüht sich um ein gutes Leben und schafft es bis zum Ende seines Lebens auf der Skala bis +80.


Richtet also nicht vor der Zeit.

Der erste überspringt 50, der zweite überspringt lediglich 20 Punkte auf der Lebensskala. Was ist besser? Wie soll man bewerten? Die Lesung gibt uns heute einen guten Rat. Niemand kennt das Leben eines anderen ganz genau. Darum: Richtet also nicht vor der Zeit; wartet, bis der Herr kommt, der das im Dunkeln Verborgene ans Licht bringen und die Absichten der Herzen aufdecken wird. Dann wird jeder sein Lob von Gott erhalten.



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Verwalter von Geheimnissen Gottes.

Wenn Paulus in 1. Korinther 4 sagt, wir seien „Verwalter von Gottes Geheimnissen“, stolpert man im Grunde schon über das erste Wort. Normalerweise verwaltet man Dinge, die greifbar sind: Geld, Immobilien, Termine oder Akten. Aber wie bitteschön soll man ein Geheimnis verwalten?


Verwalter von Geheimnissen Gottes.

Dem Verwalter von Geheimnissen Gottes ist Verantwortung übertragen. Er muss etwas bewahren, um es später an andere weitergeben zu können. Der Verwalter von göttlichen Geheimnissen muss etwas weitergeben, was größer ist als sein Verstand.


Verwalter von Geheimnissen – Geheimnis des Glaubens

In jeder Eucharistiefeier wiederhole ich unmittelbar nach der Wandlung den Satz. Geheimnis des Glaubens. Die Hl. Messe, aber auch die Feier aller Sakramente, sind Geheimnisse, die ich verwalten darf.


Von Verwaltern aber verlangt man, dass sie sich treu erweisen.

Paulus fügt in Vers 2 direkt hinzu: „Von einem Verwalter wird nur verlangt, dass er treu befunden wird.“ Das ist eine unglaubliche Entlastung. Es wird von mir nicht verlangt, dass ich das Geheimnis restlos erklären muss. Das Einzige, was verlangt wird, ist die Treue im Verwalten des Geheimnisses.


Von Verwaltern aber verlangt man, dass sie sich treu erweisen.

Darum feiere ich die Hl. Messe so, wie sie mir die Kirche vorgibt, zu feiern. Das habe ich dem Bischof bei der Priesterweihe am 19.5.1996 und damit natürlich auch Gott versprochen. Die Liturgie ist nicht mein Eigentum, das ich nach Belieben formen könnte, sondern das Eigentum der Kirche und des Herrn.

Ich könnte nicht mehr in den Spiegel schauen, wenn ich hier untreu würde.


1 Kor 4, 6b-15                Samstag, 22. Woche     

Damit ihr an uns lernt, dass der Grundsatz gilt: «Nicht über das hinaus, was in der Schrift steht», dass also keiner zugunsten des einen und zum Nachteil des andern sich wichtig machen darf. Denn wer räumt dir einen Vorrang ein? Und was hast du, das du nicht empfangen hättest? Wenn du es aber empfangen hast, warum rühmst du dich, als hättest du es nicht empfangen?

Ihr seid schon satt, ihr seid schon reich geworden, ohne uns seid ihr zur Herrschaft gelangt. Wäret ihr doch nur zur Herrschaft gelangt! Dann könnten auch wir mit euch zusammen herrschen. Ich glaube nämlich, Gott hat uns Apostel auf den letzten Platz gestellt, wie Todgeweihte; denn wir sind zum Schauspiel geworden für die Welt, für Engel und Menschen. Wir stehen als Toren da um Christi willen, ihr dagegen seid kluge Leute in Christus. Wir sind schwach, ihr seid stark; ihr seid angesehen, wir sind verachtet. Bis zur Stunde hungern und dürsten wir, gehen in Lumpen, werden mit Fäusten geschlagen und sind heimatlos. Wir plagen uns ab und arbeiten mit eigenen Händen; wir werden beschimpft und segnen; wir werden verfolgt und halten stand; wir werden geschmäht und trösten. Wir sind sozusagen der Abschaum der Welt geworden, verstoßen von allen bis heute. Nicht um euch bloßzustellen, schreibe ich das, sondern um euch als meine geliebten Kinder zu ermahnen. Hättet ihr nämlich auch ungezählte Erzieher in Christus, so doch nicht viele Väter. Denn in Christus Jesus bin ich durch das Evangelium euer Vater geworden.


Ihr seid schon satt, ihr seid schon reich geworden.

Paulus klingt heute sehr sarkastisch, wenn er in der Lesung zu den Christen in Korinth sagt: „Ihr seid schon satt. Ihr seid schon reich. Ihr seid zur Herrschaft gelangt." Paulus möchte die Christen nicht beleidigen oder sich über sie lustig machen, aber er möchte ihnen bewusstmachen, wie egoistisch und selbstherrlich sie miteinander umgehen.


Ihr seid schon satt, ihr seid schon reich geworden.

Manche sind so sehr von sich selbst überzeugt, dass andere Meinungen kaum eine Chance haben. Es sind ehrenwerte und verdienstvolle Leute, die sich schon über viele Jahre hinweg für die Gemeinde eingesetzt haben. Sie sind stolz auf ihre Leistungen. Sie lassen sich gerne in der Öffentlichkeit ehren, aber wehe, man vergisst ein einziges Mal, ihnen zum Geburtstag zu gratulieren.


Ihr seid schon satt, ihr seid schon reich geworden.

Was Paulus schreibt, ist keine Beschreibung einer alten Vergangenheit, sondern manchmal traurige Gegenwart.

1 Kor 5, 1-8       Montag, 23. Woche     

Übrigens hört man von Unzucht unter euch, und zwar von Unzucht, wie sie nicht einmal unter den Heiden vorkommt, dass nämlich einer mit der Frau seines Vaters lebt. Und da macht ihr euch noch wichtig, statt traurig zu werden und den aus eurer Mitte zu stoßen, der so etwas getan hat. Was mich angeht, so habe ich - leiblich zwar abwesend, geistig aber anwesend - mein Urteil über den, der sich so vergangen hat, schon jetzt gefällt, als ob ich persönlich anwesend wäre: Im Namen Jesu, unseres Herrn, wollen wir uns versammeln, ihr und mein Geist, und zusammen mit der Kraft Jesu, unseres Herrn, diesen Menschen dem Satan übergeben zum Verderben seines Fleisches, damit sein Geist am Tag des Herrn gerettet wird. Zu Unrecht rühmt ihr euch. Wisst ihr nicht, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert? Schafft den alten Sauerteig weg, damit ihr neuer Teig seid. Ihr seid ja schon ungesäuertes Brot; denn als unser Paschalamm ist Christus geopfert worden. Lasst uns also das Fest nicht mit dem alten Sauerteig feiern, nicht mit dem Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit den ungesäuerten Broten der Aufrichtigkeit und Wahrheit


Übrigens hört man von Unzucht unter euch.

Paulus sagt nicht, dass jemand seine Mutter geheiratet hat, sondern dass jemand mit der Frau seines Vaters lebt. Wahrscheinlich ist also, dass Paulus hier die Stiefmutter meint, die auch altersmäßig dem Sohn näherstehen konnte. Es handelt sich bei dem ganzen Vorgang nicht um eine Sünde im erotischen Rausch. Hier hat ein Mann bewusst mit seiner Stiefmutter die Ehe geschlossen.


Und da macht ihr euch noch wichtig.

Von der Frau und von dem Mann wird überhaupt nicht gesprochen, sondern von der Gemeinde und ihrem Verhalten. Die Gemeinde der Christen sieht und empfindet nämlich die Schwere der Sünde nicht mehr. Grobe sittliche Missstände werden in Korinth stillschweigend geduldet. Die Christen in Korinth waren tolerant und haben alles zugelassen. Sie waren offen für jedwede Form der Lebenspartnerschaft und vermutlich waren sie auch noch stolz auf diese Haltung. Paulus sagt (mit Kopfschütteln): Ihr macht euch auch noch wichtig.


Zu Unrecht rühmt ihr euch.

Wer heute nicht tolerant ist und alle möglichen Lebensentwürfe akzeptiert und für gutheißt, bekommt den vollen Druck der Gesellschaft, aber auch so mancher christlicher Freidenker ab. Vielleicht werden spätere Generationen über unsere Zeit ein anderes Urteil fällen, als wir es im Moment gerade tun. Vielleicht werden unsere Nachkommen aber auch einmal sagen: zu Unrecht habt ihr alles toleriert. Zu Unrecht wart ihr stolz auf eure Offenheit.


1 Kor 6, 1-11    Dienstag, 23. Woche    

Wagt es einer von euch, der mit einem anderen einen Rechtsstreit hat, vor das Gericht der Ungerechten zu gehen statt zu den Heiligen? Wisst ihr denn nicht, dass die Heiligen die Welt richten werden? Und wenn durch euch die Welt gerichtet wird, seid ihr dann nicht zuständig, einen Rechtsstreit über Kleinigkeiten zu schlichten? Wisst ihr nicht, dass wir über Engel richten werden? Also erst recht über Alltägliches. Wie könnt ihr dann jene, die im Urteil der Gemeinde nichts gelten, als Richter einsetzen, wenn ihr einen Rechtsstreit über Alltägliches auszutragen habt?

Ich sage das, damit ihr euch schämt. Gibt es denn unter euch wirklich keinen, der die Gabe hat, zwischen Brüdern zu schlichten? Statt dessen zieht ein Bruder den andern vor Gericht, und zwar vor Ungläubige. Ist es nicht überhaupt schon ein Versagen, dass ihr miteinander Prozesse führt? Warum leidet ihr nicht lieber Unrecht? Warum lasst ihr euch nicht lieber ausrauben? Nein, ihr selber begeht Unrecht und Raub, und zwar an Brüdern. Wisst ihr denn nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Täuscht euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, weder Ehebrecher noch Lustknaben, noch Knabenschänder, noch Diebe, noch Habgierige, keine Trinker, keine Lästerer, keine Räuber werden das Reich Gottes erben. Und solche gab es unter euch. Aber ihr seid reingewaschen, seid geheiligt, seid gerecht geworden im Namen Jesu Christi, des Herrn, und im Geist unseres Gottes.



Beim Lesen des Korintherbriefes enthüllt sich uns das Bild der christlichen Gemeinde jener Stadt und alles, was wir erfahren, gehört wie in einem großen Puzzlespiel zusammen.


  • Alles beginnt damit, dass die Christen in Korinth offensichtlich ihre Einheit verloren haben und Paulus die Gemeinde aufruft, keine Spaltung unter ihnen zu dulden (1 Korinther 1,10).
  • Kurz darauf wurde das Zeichen des Kreuzes von den Korinthern zugunsten einer höheren und besseren Weisheit aus der Mitte gerückt (1 Korinther 1,18).
  • Im dritten Kapitel hören wir bereits, dass Streit und Eifersucht die Gemeinde zerreißen (1 Korinther 3,3).
  • Schließlich wird die Autorität des Paulus, dem sie viel zu verdanken haben, verachtet (1Korinther 3,4).
  • Gestern haben wir gelesen, dass die Christen in Korinth sittliche Missstände nicht nur duldeten, sondern sogar noch guthießen (1 Korinther 5,1)
  • Da passt es heute gut ins Bild, dass die Christen in Korinth vor weltlichen Gerichten gegeneinander kämpften.


Paulus muss in Korinth nicht primär eine Irrlehre bekämpfen. Die Not liegt an einer anderen Stelle. Den Christen in Korinth scheint es mit ihrer eigenen "Weisheit" ganz selbstverständlich, dass Christen miteinander streiten und Prozesse führen. Es geht erneut um das große Thema der „Liebe“ die man unter den Christen in Korinth offensichtlich nicht mehr findet.


Der Untergang begann mit der Spaltung der Gemeinde in verschiedene Gruppierungen. Ist die Einheit nicht mehr gegeben, kann der Zerfall einer Gemeinde nur noch schwer aufgehalten werden.


Dieses Bild der traurigen Gemeinde in Korinth sollte uns heutigen Christen eine ernste Warnung sein.


1 Kor 7, 25-31                Mittwoch, 23. Woche  

Was die Frage der Ehelosigkeit angeht, so habe ich kein Gebot vom Herrn. Ich gebe euch nur einen Rat als einer, den der Herr durch sein Erbarmen vertrauenswürdig gemacht hat. Ich meine, es ist gut wegen der bevorstehenden Not, ja, es ist gut für den Menschen, so zu sein. Bist du an eine Frau gebunden, suche dich nicht zu lösen; bist du ohne Frau, dann suche keine. Heiratest du aber, so sündigst du nicht; und heiratet eine Jungfrau, sündigt auch sie nicht. Freilich werden solche Leute irdischen Nöten nicht entgehen; ich aber möchte sie euch ersparen. Denn ich sage euch, Brüder: Die Zeit ist kurz. Daher soll, wer eine Frau hat, sich in Zukunft so verhalten, als habe er keine, wer weint, als weine er nicht, wer sich freut, als freue er sich nicht, wer kauft, als würde er nicht Eigentümer, wer sich die Welt zunutze macht, als nutze er sie nicht; denn die Gestalt dieser Welt vergeht.


Besser unverheiratet bleiben.

Warum aber ist es so? Wo liegt denn der Grund, warum Paulus empfiehlt, unverheiratet zu bleiben? Offensichtlich gab es in der Stadt Korinth auch eine zunehmende Form der Christenverfolgung. Paulus meint darum, dass es besser sei, wegen der bevorstehenden Not unverheiratet zu bleiben.


Besser unverheiratet bleiben.

Unverheiratet zu bleiben, weil eventuell eine Not, eine Verfolgungszeit kommen könnte, ist zwar ein praktischer, aber kein hinreichender Grund, um ein zölibatäres Leben zu führen. Wenn jemand ein zölibatäres Leben führt, nur weil eine Verfolgungszeit kommen könnte, diese dann aber doch ausbleibt, so hätte er ja sein eheloses Leben umsonst geführt.


Besser unverheiratet bleiben.

Die einzige Motivation, die über die Jahre hinweg auch trägt und durchhält, sollte nichts anderes sein als die Liebe zu Gott. Gott aus Liebe zu dir schenke ich dir mein Leben ganz. Aus Liebe zu dir möchte ich ganz für dich da sein. Aus Liebe zu dir möchte ich meine Kraft und meine Zeit allein dir schenken.


Besser unverheiratet bleiben.

Die Haltung des Paulus ist den modernen Menschen fremd, weil wir nicht mehr erahnen, wie schön, wie tief und erfüllend es ist, sich Gott ganz zu schenken. Sich Gott ganz hinzugeben enthält eine Tiefe und einen Glanz, der die irdischen Dinge zwar nicht belanglos, aber zweitrangig macht.

1 Kor 8, 1b-7.11-13       Donnerstag, 23. Woche             

Die Erkenntnis macht aufgeblasen, die Liebe dagegen baut auf. Wenn einer meint, er sei zur Erkenntnis gelangt, hat er noch nicht so erkannt, wie man erkennen muss. Wer aber Gott liebt, der ist von ihm erkannt. Was nun das Essen von Götzenopferfleisch angeht, so wissen wir, dass es keine Götzen gibt in der Welt und keinen Gott außer dem einen. Und selbst wenn es im Himmel oder auf der Erde so genannte Götter gibt - und solche Götter und Herren gibt es viele -, so haben doch wir nur einen Gott, den Vater. Von ihm stammt alles, und wir leben auf ihn hin. Und einer ist der Herr: Jesus Christus. Durch ihn ist alles, und wir sind durch ihn. Aber nicht alle haben die Erkenntnis. Einige, die von ihren Götzen nicht loskommen, essen das Fleisch noch als Götzenopferfleisch, und so wird ihr schwaches Gewissen befleckt. Der Schwache geht an deiner «Erkenntnis» zugrunde, er, dein Bruder, für den Christus gestorben ist. Wenn ihr euch auf diese Weise gegen eure Brüder versündigt und ihr schwaches Gewissen verletzt, versündigt ihr euch gegen Christus. Wenn darum eine Speise meinem Bruder zum Anstoß wird, will ich überhaupt kein Fleisch mehr essen, um meinem Bruder keinen Anstoß zu geben


Götzenopferfleisch

Heute greift Paulus die Frage nach dem Götzenopferfleisch auf. Wenn wir die Frage in ihrer Tiefe verstehen wollen, müssen wir verstehen, dass zur Zeit des Paulus das Schlachten von Tieren ein religiöser Akt war. Zum Zeichen dafür wurde irgendein Stück des geschlachteten Tieres ausdrücklich einer Gottheit gebracht und auf ihrem Altar verbrannt. Alles übrige Fleisch diente dann der menschlichen Nahrung.


Erkenntnis bläht auf.

Nun gab es eine Gruppe in Korinth, die behauptete, dass sie die Erkenntnis habe, dass Götzenopferfleisch ganz gewöhnliches Fleisch sei, das man ohne Bedenken essen könne, da es für Christen ja keine Götzen gibt. Diese Gruppe in Korinth wollte ihr Leben und ihr Verhalten einfach von der Erkenntnis her regeln. Im Erkennen folgen wir unserem eigenen Denken und blicken stolz auf jene herab, die zu solchen Denkleistungen nicht fähig sind. Die Erkenntnis bläht.


Liebe baut auf.

Zum ersten Mal taucht jetzt das Wort "Liebe" auf; in Kapitel 13 wird Paulus ausführlich darüber reden. Aber jetzt stellt er der Erkenntnis/dem Wissen/dem Intellekt die Liebe entgegen. Nicht jene, die meinen, alles von der Erkenntnis her regeln zu wollen, bauen eine Gemeinde auf, sondern jene, die aus Liebe handeln und das Wohl des anderen suchen.


Liebe baut auf.

Wir sehen, dass die Lesung über das Götzenopfer Fleisch, die uns zunächst ganz fremd vorkommt, von größter Wichtigkeit auch für den modernen Menschen von heute ist.

Vielleicht kann man die heutige Lesung auf den Punkt bringen, wenn man sagt: Was für dich richtig ist, kann für deinen Glaubensbruder oder deine Glaubensschwester noch lange nicht richtig sein. Achte darum darauf, was den anderen zum Glauben und zum Leben hilft.


1 Kor 9, 16-19.22b-27 Freitag, 23. Woche  

Wenn ich das Evangelium verkünde, kann ich mich deswegen nicht rühmen; denn ein Zwang liegt auf mir. Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde! Wäre es mein freier Entschluss, so erhielte ich Lohn. Wenn es mir aber nicht frei steht, so ist es ein Auftrag, der mir anvertraut wurde. Was ist nun mein Lohn? Dass ich das Evangelium unentgeltlich verkünde und so auf mein Recht verzichte. Da ich also von niemand abhängig war, habe ich mich für alle zum Sklaven gemacht, um möglichst viele zu gewinnen. Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten. Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an seiner Verheißung teilzuhaben. Wisst ihr nicht, dass die Läufer im Stadion zwar alle laufen, aber dass nur einer den Siegespreis gewinnt? Lauft so, dass ihr ihn gewinnt. Jeder Wettkämpfer lebt aber völlig enthaltsam; jene tun dies, um einen vergänglichen, wir aber, um einen unvergänglichen Siegeskranz zu gewinnen. Darum laufe ich nicht wie einer, der ziellos läuft, und kämpfe mit der Faust nicht wie einer, der in die Luft schlägt; vielmehr züchtige und unterwerfe ich meinen Leib, damit ich nicht anderen predige und selbst verworfen werde.


Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde.

Jemand, der in meinen Kontakten gespeichert ist, hat vor ganz kurzer Zeit eine WhatsApp-Statusnachricht veröffentlicht. Voller Freude postete er, dass er Nachwuchs bekommen hat. Er und seine Frau haben ein Kind bekommen und seine Freude ist nun riesengroß. Er muss es sofort posten und jedem mitteilen: Er ist Vater geworden!


Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde.

Wenn ich an Paulus denke, dann kann ich mir gut vorstellen, wie er jedem Menschen, den er traf, voller Freude die Botschaft des Evangeliums verkündete. Ein Zwang lag auf Paulus, die Freude musste raus, die gute Nachricht musste einfach jeder hören.


Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde.

Ich wünsche mir für die Kirche von heute, dass sie wieder zurückfindet zu einer inneren Freude am Christsein und nicht anders kann, als laut der ganzen Welt die Frohe Botschaft des Evangeliums zu verkünden.

Aber die Kirche, so sagt es Mutter Teresa, das bin ich und das bist du.


Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde.

Also muss ich mich heute fragen (und Du musst dich fragen): Trage ich eine Freude am Evangelium in mir, die so groß ist, dass ich diese gute Botschaft einfach weitergeben muss.

Wehe mir, denn ich platze, wenn ich diese Freude nicht an andere weitergebe.

1 Kor 10, 14-22 Samstag, 23. Woche    

Liebe Brüder, meidet den Götzendienst! Ich rede doch zu verständigen Menschen; urteilt selbst über das, was ich sage. Ist der Kelch des Segens, über den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi? Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi? Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot. Schaut auf das irdische Israel: Haben die, welche von den Opfern essen, nicht teil am Altar? Was meine ich damit? Ist denn Götzenopferfleisch wirklich etwas? Oder ist ein Götze wirklich etwas? Nein, aber was man dort opfert, opfert man nicht Gott, sondern den Dämonen. Ich will jedoch nicht, dass ihr euch mit Dämonen einlasst. Ihr könnt nicht den Kelch des Herrn trinken und den Kelch der Dämonen. Ihr könnt nicht Gäste sein am Tisch des Herrn und am Tisch der Dämonen. Oder wollen wir die Eifersucht des Herrn wecken? Sind wir stärker als er?


Meidet den Götzendienst

Ein Götze (im religiösen Sinn) ist im Ursprung eine Götzenstatue, ein Götzenbild oder ein falscher Gott, der anstelle des wahren Gottes angebetet wird. Das Wort „Götze“ klingt nach staubigen Statuen aus vergangenen Jahrtausenden.


Meidet den Götzendienst

Aber Götzendienst ist aktueller, als wir denken. Alles, was in unserem Leben den ersten Platz einnimmt – sei es Erfolg, Geld, Status oder die Erfüllung eigener Träume …, kann zu einem Götzen werden.


Meidet den Götzendienst

Paulus bittet uns heute um ein klares Entweder-oder. Man kann nicht mit dem einen Auge nach Christus sehen und mit dem zweiten mit anderen Religionen und Kulten liebäugeln.


Meidet den Götzendienst

Mache dir bewusst, worauf du deine Hoffnung oder deine Sicherheit stützt. Frage dich: Worüber freue ich mich am meisten? Worüber mache ich mir die größten Sorgen? Daran erkennt man oft, was im Leben den ersten Platz hat.


Kor 11, 17-26.33            Montag, 24. Woche      

Wenn ich schon Anweisungen gebe: Das kann ich nicht loben, dass ihr nicht mehr zu eurem Nutzen, sondern zu eurem Schaden zusammenkommt. Zunächst höre ich, dass es Spaltungen unter euch gibt, wenn ihr als Gemeinde zusammenkommt; zum Teil glaube ich das auch. Denn es muss Parteiungen geben unter euch; nur so wird sichtbar, wer unter euch treu und zuverlässig ist. Was ihr bei euren Zusammenkünften tut, ist keine Feier des Herrenmahls mehr; denn jeder verzehrt sogleich seine eigenen Speisen, und dann hungert der eine, während der andere schon betrunken ist. Könnt ihr denn nicht zu Hause essen und trinken? Oder verachtet ihr die Kirche Gottes? Wollt ihr jene demütigen, die nichts haben? Was soll ich dazu sagen? Soll ich euch etwa loben? In diesem Fall kann ich euch nicht loben. Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis! Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt. Wenn ihr also zum Mahl zusammenkommt, meine Brüder, wartet aufeinander!


Wollt ihr jene demütigen, die nichts haben

Man kann nicht die Eucharistie feiern und sich an der innigen Gemeinschaft mit Christus freuen, aber zugleich die Schwester oder den Bruder missachten, für welche Christus auch gestorben ist. Mir gefällt was Rainero Cantalamessa in seinem lesenswerten Buch über die Eucharistie schreibt.


Wollt ihr jene demütigen, die nichts haben?

"Mein Bruder kann mir nicht länger gleichgültig sein, wenn ich Eucharistie feiere; ich kann ihn nicht zurückweisen, ohne Christus selbst zurückzuweisen und so mich selber aus der Einheit herauszulösen.


Wer bei der Kommunion vorgäbe, in Liebe zu Christus zu entbrennen, nachdem er gerade einen seiner Brüder gekränkt oder verletzt hat, ohne ihn um Verzeihung zu bitten oder dies wenigstens fest vorzuhaben, gleicht jemandem, der nach langer Zeit einen Freund trifft, sich auf die Zehenspitzen stellt, um ihn auf die Stirn zu küssen und ihm so seine ganze Liebe zu zeigen, dabei aber nicht merkt, dass er ihm gleichzeitig mit seinen Nagelschuhen auf die Füße tritt! Die Füße Jesu sind die Glieder seines Leibes, insbesondere die Ärmsten und Geringsten unter ihnen. Er liebt diese seine Füße und jedem Menschen könnte er zurufen: Du ehrst mich vergebens."

1 Kor 12, 12-14.27-31a Dienstag, 24. Woche    

Wie der Leib eine Einheit ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: so ist es auch mit Christus. Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt. Auch der Leib besteht nicht nur aus einem Glied, sondern aus vielen Gliedern. Ihr aber seid der Leib Christi, und jeder einzelne ist ein Glied an ihm. So hat Gott in der Kirche die einen als Apostel eingesetzt, die andern als Propheten, die dritten als Lehrer; ferner verlieh er die Kraft, Wunder zu tun, sodann die Gaben, Krankheiten zu heilen, zu helfen, zu leiten, endlich die verschiedenen Arten von Zungenrede. Sind etwa alle Apostel, alle Propheten, alle Lehrer? Haben alle die Kraft, Wunder zu tun? Besitzen alle die Gabe, Krankheiten zu heilen? Reden alle in Zungen? Können alle solches Reden auslegen? Strebt aber nach den höheren Gnadengaben!


Der erste Vers endet irgendwie seltsam. Eigentlich würde ich erwarten, dass Paulus schreibt: So ist es auch mit der Gemeinde. Aber schreibt: Ss ist es auch mit Christus. Was möchte Paulus hiermit sagen?


Ihr aber seid der Leib Christi.

Christus lebt nicht über den Sternen fern von einer selbstständigen Gemeinde auf der Erde. Die Gemeinde steht nicht nur in einer gewissen Beziehung zu Christus, sie ist sozusagen Christus selbst. Christus ist nicht ein Gegenüber zur Gemeinde, die Gemeinde ist Christus selbst.


Ihr aber seid der Leib Christi.

Wenn ich die Hostie in der Eucharistiefeier empfange, dann weiß ich, dass dies wirklich der Leib Christi ist. Ich muss noch tiefer betrachten, dass bei der Eucharistiefeier alle, die getauft sind, auch den Leib Christi bilden.

Wie zart und ehrfurchtsvoll versuche ich mit der Hostie umzugehen, aber wie grob und unachtsam gehe ich manchmal mit den Menschen um, von denen Paulus sagt, dass sie auch der Leib Christi sind.


Ihr aber seid der Leib Christi.

Dieses Geheimnis kann man nicht tief genug betrachten. Welche Hoheit, welche Ehre, welche Heiligkeit und welche Würde besitzt auf diesem Hintergrund dann die Gemeinde. Wenn mir ein Gemeindemitglied begegnet, dann begegnet mir Christus - gigantisch!

1 Kor 12, 31 – 13, 13     Mittwoch, 24. Woche  

Strebt nach den höheren Gnadengaben! Ich zeige euch jetzt noch einen anderen Weg, einen, der alles übersteigt: Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke. Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts. Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte, und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts. Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf. Prophetisches Reden hat ein Ende, Zungenrede verstummt, Erkenntnis vergeht. Denn Stückwerk ist unser Erkennen, Stückwerk unser prophetisches Reden; wenn aber das Vollendete kommt, vergeht alles Stückwerk. Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind und urteilte wie ein Kind. Als ich ein Mann wurde, legte ich ab, was Kind an mir war. Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin. Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.


Den heutigen Abschnitt nennen wir oft das „Hohelied der Liebe“. Aber 1 Korinther 13 ist alles andere als ein süßes Gedicht. Mit einem Lied hat dieses Kapitel nichts zu tun.


Hätte ich die Liebe nicht, so wäre ich nichts.

In Kapitel 8,1 nannte Paulus das Wort „Liebe“ zum ersten Mal. Und jetzt in Kapitel 13 stellt er die Liebe noch einmal kraftvoll in die Mitte. Aber irgendwie scheint Paulus eine spürbare Scheu zu haben, von der Liebe zu sprechen. Vielleicht vermutet er, wie leicht dieses Wort missverstanden und missbraucht werden kann.


Die „Liebe“, die Paulus meint, ist nicht das, was wir für gewöhnlich unter „Liebe“ verstehen. Ein Stück Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft bringt die Welt sehr gut auch ohne das Christentum zustande.


Der andere Weg.

Paulus wählt für „Liebe“ das Wort „Agape“, das in der Umwelt der Christenheit so gut wie gar nicht gebraucht wurde. Man kannte eigentlich nur den „Eros“, die verlangende Liebe. Mit „Agape“ jedoch meint Paulus eine Liebe, die nichts für sich will, sondern alles hingibt und opfert, auch für Feinde und für solche, die ihr nichts wiedergeben und ihr nichts wirklich danken können.


Agape!

Wir sollen nach dem streben, was in Gott ist. Wir sollen nach dem streben, was Gott ist. Pure „Agape“. Pure Hingabe, ohne etwas zu fordern oder zurückzuerwarten.


Der andere Weg

Willst du in deinem Leben Ewigkeit haben, dann liebe. Alles andere bleibt nicht. Du bist nichts wert, weil du die Liebe nicht hast.


Der andere Weg

Die heutige Lesung ist also kein liebliches Gedicht über die Liebe, sondern auch eine Art Gerichtswort über ein reiches und stolzes Gemeindeleben. Könnte es ein Gerichtswort sein, auch über unsere Gemeinde?

(Vergleiche: Wuppertaler Studienbibel, der Brief des Paulus an die Korinther)

1 Kor 15, 1-11  Donnerstag, 24. Woche              

Ich erinnere euch, Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen; es ist der Grund, auf dem ihr steht. Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet, wenn ihr an dem Wortlaut festhaltet, den ich euch verkündet habe. Oder habt ihr den Glauben vielleicht unüberlegt angenommen? Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf. Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen. Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln. Als letztem von allen erschien er auch mir, dem Unerwarteten, der „Missgeburt“. Denn ich bin der geringste von den Aposteln; ich bin nicht wert, Apostel genannt zu werden, weil ich die Kirche Gottes verfolgt habe. Doch durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und sein gnädiges Handeln an mir ist nicht ohne Wirkung geblieben. Mehr als sie alle habe ich mich abgemüht - nicht ich, sondern die Gnade Gottes zusammen mit mir. Ob nun ich verkündige oder die anderen: das ist unsere Botschaft, und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt.


entschlafen

Das Wort „entschlafen" erwähnen wir in jeder Heiligen Messe. Gedenke (aller) unserer Brüder und Schwestern, die entschlafen sind, in der Hoffnung, dass sie auferstehen. Nimm sie und alle, die in deiner Gnade aus dieser Welt geschieden sind, in dein Reich auf, wo sie dich schauen von Angesicht zu Angesicht.


entschlafen

Wir kennen im normalen, täglichen Umgang die Worte „schlafen“, „verschlafen“, „einschlafen“ … Das Wort „entschlafen“ verwenden wir in unserer Umgangssprache nicht. Im Hochgebet der Eucharistiefeier wird es verwendet, wenn wir an jene denken, die gestorben sind. Wer gestorben ist, ist nicht einfach verschwunden oder aufgelöst, er ist hinübergegangen in eine andere Wirklichkeit. Um diesen Prozess, das Hinübergehen in die neue Wirklichkeit, auszudrücken, braucht es auch einen neuen Begriff. „Entschlafen“ ist ein Hinübergleiten in eine andere, neue, himmlische Wirklichkeit.


entschlafen

Ich erinnere mich an die Sterbestunde einer Frau, die ich gut gekannt hatte. Wochenlang lag sie im Koma, schlafend im Bett. Die Augen waren geschlossen, es war nicht möglich, mit ihr auf irgendeine Weise zu kommunizieren. In der Sterbestunde konnte ich anwesend sein. Ich spürte, wie der Tod mit jeder Sekunde näher kam, und erlebte, wie im Moment des Todes ein Lachen über das Gesicht dieser Frau ging.


entschlafen

Die Augen öffneten sich und sie schaute in eine bestimmte Richtung. Es waren große, staunende Augen. Ich habe noch gesagt: „Was sehen Sie denn da? Kurz danach war sie gestorben, sie war entschlafen, hinübergegangen in die andere Wirklichkeit.


entschlafen

Wir alle gehen dieser Stunde, in der wir entschlafen, entgegen, und wenn Sie diesen Abschnitt zu Ende gelesen haben, dann sind Sie diesem wunderbaren Augenblick wieder ein paar Minuten nähergekommen.



1 Kor 15, 12-20 Freitag, 24. Woche        

Wenn verkündigt wird, dass Christus von den Toten auferweckt worden ist, wie können dann einige von euch sagen: Eine Auferstehung der Toten gibt es nicht? Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos. Wir werden dann auch als falsche Zeugen Gottes entlarvt, weil wir im Widerspruch zu Gott das Zeugnis abgelegt haben: Er hat Christus auferweckt. Er hat ihn eben nicht auferweckt, wenn Tote nicht auferweckt werden. Denn wenn Tote nicht auferweckt werden, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos, und ihr seid immer noch in euren Sünden; und auch die in Christus Entschlafenen sind dann verloren. Wenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen. Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen.


Eine Auferstehung gibt es nicht?

Wir sind im vorletzten Kapitel des Korintherbriefes angekommen. Paulus hat bereits viele Fragen der Gemeinde durchgesprochen. Aber jetzt steht er vor einer Sache, die in das Zentrum des Glaubens hineinreicht. Einige aus der Gemeinde sagen, dass es keine Auferstehung der Toten gibt.


Eine Auferstehung gibt es nicht?

Paulus ist mehr als zuvor gefordert, den zusammengebastelten Glauben der Korinther wieder zurechtzurücken. Er muss zur Frage der Auferstehung einfach Stellung nehmen. Er muss dieser Frage gründlich auf den Grund gehen. Das ganze Kapitel 15 handelt darum von der Auferstehung der Toten.


Eine Auferstehung gibt es nicht?

Paulus ist es wichtig, aufzuzeigen, dass es sich in der Frage der Auferstehung nicht um eine beliebige Auffassung handelt, die verschieden sein könnte. Es handelt sich nicht um einen einzigen Lehrpunkt, in welchem man auch anders denken kann. Hier steht das ganze Evangelium und der ganze Glaube auf dem Spiel.


Eine Auferstehung gibt es nicht?

Jene, die heute noch großmundig eine Auferstehung der Toten und das ewige Leben leugnen, werden dann, wenn es so weit ist, einmal peinlich berührt sagen: „Sorry, wir haben uns getäuscht."



 

1 Kor 15, 35-37.42-49 Samstag, 24. Woche

Es könnte einer fragen: Wie werden die Toten auferweckt, was für einen Leib werden sie haben? Was für eine törichte Frage! Auch das, was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt. Und was du säst, hat noch nicht die Gestalt, die entstehen wird; es ist nur ein nacktes Samenkorn, zum Beispiel ein Weizenkorn oder ein anderes. So ist es auch mit der Auferstehung der Toten. Was gesät wird, ist verweslich, was auferweckt wird, unverweslich. Was gesät wird, ist armselig, was auferweckt wird, herrlich. Was gesät wird, ist schwach, was auferweckt wird, ist stark. Gesät wird ein irdischer Leib, auferweckt ein überirdischer Leib. Wenn es einen irdischen Leib gibt, gibt es auch einen überirdischen. So steht es auch in der Schrift: Adam, der Erste Mensch, wurde ein irdisches Lebewesen. Der Letzte Adam wurde lebendigmachender Geist. Aber zuerst kommt nicht das Überirdische; zuerst kommt das Irdische, dann das Überirdische. Der Erste Mensch stammt von der Erde und ist Erde; der Zweite Mensch stammt vom Himmel. Wie der von der Erde irdisch war, so sind es auch seine Nachfahren. Und wie der vom Himmel himmlisch ist, so sind es auch seine Nachfahren. Wie wir nach dem Bild des Irdischen gestaltet wurden, so werden wir auch nach dem Bild des Himmlischen gestaltet werden.


Was für eine törichte Frage!

Wir können uns nicht vorstellen, wie eine Auferstehung der Toten vor sich gehen soll. Wir können uns kein Bild der neuen Leiblichkeit machen, welche die Auferstandenen haben sollen, und darum können manche auch nicht an die Auferstehung glauben.


Was für eine törichte Frage!

Der Glaube an die Auferstehung der Toten passt nicht in unser menschliches Denken und in unsere menschliche Logik hinein. Darum benutzt Paulus einen Vorgang aus unserer Welt, den wir alle kennen. Er benutzt ein Gleichnis.


Was für eine törichte Frage!

Wenn wir zum Beispiel im Frühling Gurken- oder Tomatensamen in die Erde einpflanzen, so sehen diese kleinen Samenkörner völlig anders aus als die Gurke oder die Tomaten, die ich später ernte.

Bei jedem Säen erleben wir es, dass der Same nicht bleibt, was er ist, sondern als Samenkorn enden und sterben muss, damit etwas Neues, die völlig anders gestaltete Pflanze, daraus wird. Wir säen nicht die künftige Pflanze selbst, sondern das Samenkorn.


Was für eine törichte Frage!

Die Wirklichkeit der Auferstehung der Toten zeigt tatsächlich Züge, die wir schon an Gottes Handeln in der Welt um uns herum wahrnehmen können. Wunder über Wunder stehen in der Natur vor uns. Und diesem Gott wollen wir nicht zutrauen, dass er auch der alten irdischen Existenz des Menschen eine neue überirdische Existenz und Lebendigkeit entgegensetzen kann?

 (Vergleiche: Wuppertaler Studienbibel, der Brief des Paulus an die Korinther)