Deine Frau wird zur Hure in der Stadt
Am 7, 10-17 Donnerstag, 13 Woche
In jenen Tagen 10sandte Amázja, der Priester von Bet-El, zu Jeróbeam, dem König von Israel, und ließ ihm sagen: Mitten im Haus Israel hat sich Amos gegen dich verschworen; seine Worte sind unerträglich für das Land. 11Denn so sagt Amos: Jeróbeam stirbt durch das Schwert und Israel muss in die Verbannung ziehen, fort von seinem Boden. 12Zu Amos aber sagte Amázja: Seher, geh, flieh ins Land Juda! Iss dort dein Brot und prophezeie dort! 13In Bet-El darfst du nicht mehr prophezeien; denn das hier ist das königliche Heiligtum und der Reichstempel. 14Amos antwortete Amázja: Ich bin kein Prophet und kein Prophetenschüler, sondern ich bin ein Viehhirte und veredle Maulbeerfeigen. 15Aber der Herr hat mich hinter meiner Herde weggenommen und zu mir gesagt: Geh und prophezeie meinem Volk Israel! 16Darum höre jetzt das Wort des Herrn! Du sagst: Prophezeie nicht gegen Israel und geifere nicht gegen das Haus Ísaak! 17Darum – so spricht der Herr: Deine Frau wird zur Hure in der Stadt, deine Söhne und Töchter fallen unter dem Schwert, dein Boden wird mit der Messschnur verteilt, du selbst stirbst auf unreinem Boden und Israel muss in die Verbannung ziehen, fort von seinem Boden.
Die heutige Lesung ist ein sehr hartes Gerichtswort des Alten Testaments, und beim ersten Lesen zieht sich einem alles zusammen. Das Unheil trifft den großen Gegenspieler von Amos, den Priester Amazja.
Zur Situation
Israel erlebt wirtschaftlichen Wohlstand. Doch hinter der glänzenden Fassade werden Arme unterdrückt, Recht wird gebeugt und der Gottesdienst dient oft nur noch der Absicherung der Mächtigen. Amazja verkörpert eine religiöse Elite die dem korrupten Regime dienste.
Seher, geh, flieh ins Land Juda
Amazja, der offizielle Oberpriester des königlichen Heiligtums in Bethel, will Amos mundtot machen. Er schwärzt ihn beim König an und jagt Amos weg: „Geh weg, du Seher! Verschwinde nach Juda, verdien dort dein Brot!“
Ich bin ein Viehhirte und veredle Maulbeerfeigen.
Amos wehrt sich. Er sagt: „Ich bin kein Berufsprophet, der dafür Geld will. Gott selbst hat mich von meiner Herde weggeschickt. Und weil du, Amazja, Gottes Wort verbieten willst, trifft dich und deine Familie das Gericht.“
Deine Frau wird zur Hure in der Stadt
Ich denke nicht, dass Gott aktiv eingreift und eine unschuldige Frau in die Prostitution treibt und die Söhne und Töchter des Amazia durch das Schwert töten lässt. Gott ist ein Gott der Liebe - auch im Alten Testament, und das dürfen wir niemals vergessen!
Deine Frau wird zur Hure in der Stadt
Es handelt sich um eine Voraussage der grausamen Realität eines Krieges und einer anschließenden Eroberung. Wenn Amos sagt: „Deine Frau wird zur Hure werden“, meint er kein moralisches Fehlverhalten der Frau und keinen grausamen Willensakt Gottes. Es beschreibt das Schicksal von Frauen in einer eroberten Stadt.
Deine Frau wird zur Hure in der Stadt
Gott kündigt hier also die Konsequenzen der politischen und moralischen Blindheit der Führungsschicht (zu der Amazja gehört) an. Wenn man die Warnungen ignoriert und das Land in den Ruin treibt, bricht das Chaos aus – und die Schwächsten der Gesellschaft (Frauen und Kinder) baden es aus.
Deine Frau wird zur Hure in der Stadt
Die Zukunft ist kein göttlicher Zwang, sondern die Konsequenz eines Weges den die Menschen einschlagen: Gottes Gericht zeigt sich häufig darin, dass Gott den Menschen die Folgen ihres Handelns nicht länger erspart. Er zwingt sie nicht zum Bösen, sondern lässt den Weg, den sie gewählt haben, zu seinem bitteren Ende kommen.
Deine Frau wird zur Hure in der Stadt
Amos zeigt seinem Gegner Amazia schonungslos das brutale Gesicht des kommenden Krieges, den die politische Führung durch ihre soziale Kälte und Arroganz selbst heraufbeschworen hat. Die Schwächsten der Gesellschaft baden dann die Arroganz und Gottvergessenheit derjenigen aus, die das Sagen hatten.
Bild: pexels-photo-10315129 / Mariona Gr
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