Beginnt in meinem Heiligtum

ew • 11. August 2026

Ez 9, 1-8a; 10, 18-22      Mittwoch, 19. Woche  

Gott, der Herr, schrie mir laut in die Ohren: Das Strafgericht über die Stadt ist nahe. Jeder soll sein Werkzeug zum Zertrümmern in die Hand nehmen. Da kamen sechs Männer vom oberen Tor, das im Norden liegt. Jeder hatte sein Werkzeug zum Zertrümmern in der Hand. Unter ihnen war auch ein Mann, der ein leinenes Gewand anhatte; an seinem Gürtel hing Schreibzeug. Sie kamen herein und stellten sich neben den Altar aus Bronze.

Die Herrlichkeit des Gottes Israels schwebte von den Kerubim, über denen sie war, hinüber zur Schwelle des Tempels. Er rief den Mann, der das leinene Gewand anhatte und an dessen Gürtel das Schreibzeug hing. Der Herr sagte zu ihm: Geh mitten durch die Stadt Jerusalem und schreib ein T auf die Stirn aller Männer, die über die in der Stadt begangenen Gräueltaten seufzen und stöhnen. Und ich hörte, wie er zu den anderen sagte: Geht hinter ihm her durch die Stadt, und schlagt zu! Euer Auge soll kein Mitleid zeigen, gewährt keine Schonung! Alt und jung, Mädchen, Kinder und Frauen sollt ihr erschlagen und umbringen. Doch von denen, die das T auf der Stirn haben, dürft ihr keinen anrühren. Beginnt in meinem Heiligtum!

Da begannen sie bei den Ältesten, die vor dem Tempel standen. Er sagte zu ihnen: Macht den Tempel unrein, füllt seine Höfe mit Erschlagenen! Dann geht hinaus, und schlagt in der Stadt zu! Sie schlugen zu, und ich allein blieb übrig;

Da verließ die Herrlichkeit des Herrn die Schwelle des Tempels und nahm wieder ihren Platz über den Kerubim ein. Die Kerubim bewegten ihre Flügel und hoben sich vor meinen Augen vom Boden empor. Sie gingen hinaus, und die Räder liefen an ihrer Seite mit. Vor dem östlichen Tor am Haus des Herrn blieben sie stehen. Und die Herrlichkeit des Gottes Israels schwebte über ihnen. Es waren die Lebewesen, die ich unter dem Thron des Gottes Israels am Fluss Kebar gesehen hatte, und ich erkannte, dass es Kerubim waren. Jedes dieser Lebewesen hatte vier Gesichter und vier Flügel. Unter ihren Flügeln hatten sie etwas, das wie Menschenhände aussah. Ihre Gesichter glichen den Gesichtern, die ich am Fluss Kebar gesehen hatte. Jedes Lebewesen ging in die Richtung, in die eines seiner Gesichter wies.


Beginnt in meinem Heiligtum!

Eine furchtbare Lesung voller Gewalt.

Auch wenn ich die Brutalität der heutigen Lesung nicht verstehe, so kann ich doch erkennen, dass das Gericht am Heiligtum beginnt, das zum Ort des Götzendienstes geworden ist. „Beginnt in meinem Heiligtum“


Die Herrlichkeit des Gottes schwebte, hinüber zur Schwelle des Tempels.

Gott geht zuerst zum Tempel. Er möchte sich davon überzeugen, dass er dort einen rechten Tempeldienst vorfindet. Aber bereits an der Schwelle des Tempels sieht er den Götzendienst, der sich eingeschlichen hatte.


Die Herrlichkeit des Gottes schwebte, hinüber zur Schwelle des Tempels.

In Ez 8,11 wird beschrieben, dass „siebzig Männer von den Ältesten (also der gesamte Rat der Ältesten, die das ganze Volk repräsentieren) hingebungsvoll damit beschäftigt waren, ihren Götzendienst zu praktizieren.“ Niemand war mehr da, der dem Götzendienst ein Ende setzen wollte.


Die Herrlichkeit des Gottes schwebte, hinüber zur Schwelle des Tempels. Wenn der Gottesdienst nicht mehr stimmt, dann fehlt auch der Segen auf dem Volk. Hat man Gott vergessen, dann ist der Mensch auf sich selbst geworfen und macht sich selbst zum Maß aller Dinge. Etwas Schlimmeres kann es nicht geben.


„Der Herr sieht uns nicht“,

So sagten es die Einwohner des Landes bereits ein Kapitel zuvor (Ez 8, 12). Der Herr sieht uns nicht, darum lasst uns leben nach unserer Façon. Darum lasst uns ablegen die Gebote Gottes und unserer Lust frönen, der Herr sieht uns nicht, er hat das Land verlassen.


Gott überließ sie ihren eigenen Leidenschaften und ihren eigenen Gräueltaten. Gott überlässt die Menschen den Konsequenzen ihres eigenen Tuns. Das soll der Sinn dieser Visionen sein. Es ist, als ob Gott sagt: Gut, dann nehmt eure Werkzeuge, mit denen ihr eigentlich etwas aufbauen und erschaffen sollt, und benutzt sie zum Zertrümmern.


Schreib ein T auf die Stirn aller Männer.

Wer zu Gott hält, wird von ihm gerettet. Die Sehnsucht Gottes ist zu retten. Auch wenn wir solche schrecklichen Schilderungen in der Bibel lesen, dann dürfen wir doch an Gott nicht irrewerden. Leid, Tod und Not gehen immer vom Menschen aber niemals von Gott aus. Gott ist ein Gott der retten möchte. Er möchte sein Erbarmen und seine Liebe über allen Menschen ausschütten. 


Bild: pexels-photo-30735645 / Anastasiia Klochko

Ihr Kommentar

tägliche Schriftbetrachtung

von ew • 25. September 2026
Koh 11, 9 - 12, 8 Samstag, 25. Woche Freu dich, junger Mann, in deiner Jugend, sei heiteren Herzens in deinen frühen Jahren! Geh auf den Wegen, die dein Herz dir sagt, zu dem, was deine Augen vor sich sehen. Aber sei dir bewusst, dass Gott dich für all das vor Gericht ziehen wird. Halte deinen Sinn von Ärger frei, und schütz deinen Leib vor Krankheit; denn die Jugend und das dunkle Haar sind Windhauch. Denk an deinen Schöpfer in deinen frühen Jahren, ehe die Tage der Krankheit kommen und die Jahre dich erreichen, von denen du sagen wirst: Ich mag sie nicht!, ehe Sonne und Licht und Mond und Sterne erlöschen und auch nach dem Regen wieder Wolken aufziehen: am Tag, da die Wächter des Hauses zittern, die starken Männer sich krümmen, die Müllerinnen ihre Arbeit einstellen, weil sie zu wenige sind, es dunkel wird bei den Frauen, die aus den Fenstern blicken, und das Tor zur Straße verschlossen wird; wenn das Geräusch der Mühle verstummt, steht man auf beim Zwitschern der Vögel, doch die Töne des Lieds verklingen; selbst vor der Anhöhe fürchtet man sich und vor den Schrecken am Weg; der Mandelbaum blüht, die Heuschrecke schleppt sich dahin, die Frucht der Kaper platzt, doch ein Mensch geht zu seinem ewigen Haus, und die Klagenden ziehen durch die Straßen - ja, ehe die silberne Schnur zerreißt, die goldene Schale bricht, der Krug an der Quelle zerschmettert wird, das Rad zerbrochen in die Grube fällt, der Staub auf die Erde zurückfällt als das, was er war, und der Atem zu Gott zurückkehrt, der ihn gegeben hat. Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, das ist alles Windhauch. Halte deinen Sinn von Ärger frei. Manchmal, wenn wir uns aufregen, sagen wir sehr schnell: Der oder die ärgert mich! Aber eigentlich müsste ich sagen: Ich ärgere mich. Meine Gefühle gehören doch mir. Ich ärgere mich! Der andere bringt nur das in mir zum Schwingen, was schon da ist. Wäre ich mit mir ganz im Reinen, dann bliebe ich cool und würde mich nicht ärgern. Nicht der andere ärgert mich, sondern ich ärgere mich. Der ärgert mich. Eigentlich müsste ich „dem, der mich ärgert“ dankbar sein, denn er macht mich auf etwas aufmerksam, was in mir noch der Reifung bedarf. Wenn ich mich ärgere, dann stelle ich bei mir plötzlich fest, dass ich doch noch nicht so ausgeglichen bin, wie ich es gerne hätte. Die Kratzbürste Lieber Gott, bitte segne die Kratzbürste, "die mich ärgert", denn sie zeigt mir lediglich das, was in mir ist. Meine Gefühle gehören mir und nicht „dem, der mich ärgert“. Die Kratzbürste bringt also lediglich das zum Schwingen und fördert das an die Oberfläche, was in mir immer noch da ist. Die Kratzbürste zeigt mir, wie ich wirklich bin. Danke, liebe Kratzbürste. Bild: p exels-photo-7484876 /Antoni Shkraba
von ew • 24. September 2026
Koh 3, 1-11 Freitag, 25. Woche Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen, eine Zeit zum Töten und eine Zeit zum Heilen, eine Zeit zum Niederreißen und eine Zeit zum Bauen, eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz; eine Zeit zum Steinewerfen und eine Zeit zum Steinesammeln, eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit, die Umarmung zu lösen, eine Zeit zum Suchen und eine Zeit zum Verlieren, eine Zeit zum Behalten und eine Zeit zum Wegwerfen, eine Zeit zum Zerreißen und eine Zeit zum Zusammennähen, eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden, eine Zeit zum Lieben und eine Zeit zum Hassen, eine Zeit für den Krieg und eine Zeit für den Frieden. Ich sah mir das Geschäft an, für das jeder Mensch durch Gottes Auftrag sich abmüht. Gott hat das alles zu seiner Zeit auf vollkommene Weise getan. Überdies hat er die Ewigkeit in alles hineingelegt, doch ohne dass der Mensch das Tun, das Gott getan hat, von seinem Anfang bis zu seinem Ende wieder finden könnte. Alles hat seine Stunde. Wenn alles seine Stunde hat, dann hat auch Gott seine Stunde schon geplant, in welcher er beschlossen hat, sich Dir zu offenbaren. Vielleicht ist diese Stunde bereits angebrochen, jetzt, da Du diese Zeilen liest. Alles hat seine Stunde. Auch Gott hat seine Stunde. Alles hat seine Stunde. Die Stunden dieses Tages sollen heute nicht zu schnell an mir vorbeifliegen. Ich möchte wenigstens versuchen, die Stunden bewusst zu leben, damit ich Gottes Gegenwart wahrnehmen kann. Ich schreibe früh am Morgen und ich weiß schon jetzt, dass ein volles Tagesprogramm auf mich wartet. Aber irgendwo in den Stunden dieses Tages ist der Moment, in dem Gott auf mich wartet. Ich möchte diese Stunde nicht an mir vorbeirauschen lassen, sondern jenen Moment, jene Stunde, in der Gott mich berührt, genießen. Bild: pexels-photo-31884411. / Alexas Fotos
von ew • 23. September 2026
Koh 1, 2-11 Donnerstag, 25. Woche Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch. Welchen Vorteil hat der Mensch von all seinem Besitz, für den er sich anstrengt unter der Sonne? Eine Generation geht, eine andere kommt. Die Erde steht in Ewigkeit. Die Sonne, die aufging und wieder unterging, atemlos jagt sie zurück an den Ort, wo sie wieder aufgeht. Er weht nach Süden, dreht nach Norden, dreht, dreht, weht, der Wind. Weil er sich immerzu dreht, kehrt er zurück, der Wind. Alle Flüsse fließen ins Meer, das Meer wird nicht voll. Zu dem Ort, wo die Flüsse entspringen, kehren sie zurück, um wieder zu entspringen. Alle Dinge sind rastlos tätig, kein Mensch kann alles ausdrücken, nie wird ein Auge satt, wenn es beobachtet, nie wird ein Ohr vom Hören voll. Was geschehen ist, wird wieder geschehen, was man getan hat, wird man wieder tun: Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Zwar gibt es bisweilen ein Ding, von dem es heißt: Sieh dir das an, das ist etwas Neues - aber auch das gab es schon in den Zeiten, die vor uns gewesen sind. Nur gibt es keine Erinnerung an die Früheren, und auch an die Späteren, die erst kommen werden, auch an sie wird es keine Erinnerung geben bei denen, die noch später kommen werden. Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Kohelet hat vor Tausenden von Jahren diese Frage nach der Vergänglichkeit gestellt und diese Einsicht kann auch der Mensch im 21. Jahrhundert nachvollziehen. Die Welt um uns herum kommt und sie geht. Auch jene, die nach uns kommen, werden geboren, sie leben und sterben. Es ist ein stets gleicher Kreislauf, es gibt nichts Neues unter der Sonne. Kein Mensch kann diesen Kreislauf aufhalten. Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Ich stimme diesem Satz nicht zu. Wenn ich versuche, jeden Augenblick so zu leben, dass er sich öffnet auf Gott hin, dann kann Gott auch in jedem Augenblick in mein Leben einbrechen. Die Fragen der Welt werden kleiner, wenn Gott die Seele eines Menschen berührt. Darum kann es in jedem Augenblick etwas Neues unter der Sonne geben. Gott kann sich mir in jedem Augenblick neu und tiefer offenbaren. Bild: pexels-photo-18225483 / Kali Calitz
von ew • 22. September 2026
Spr 30, 5-9 Mittwoch, 25. Woche Jede Rede Gottes ist im Feuer geläutert; ein Schild ist er für alle, die bei ihm sich bergen. Füg seinen Worten nichts hinzu, sonst überführt er dich, und du stehst als Lügner da. Um zweierlei bitte ich dich, versag es mir nicht, bevor ich sterbe: Falschheit und Lügenwort halt fern von mir; gib mir weder Armut noch Reichtum, nähr mich mit dem Brot, das mir nötig ist, damit ich nicht, satt geworden, dich verleugne und sage: Wer ist denn der Herr?, damit ich nicht als Armer zum Dieb werde und mich am Namen meines Gottes vergreife. Ein Schild ist er. Je mehr der Mensch die Begrenztheit seiner Gotteserkenntnis einsieht, desto dankbarer ist er dafür, dass Gott sich ihm geschichtlich offenbart hat, und desto fester hält er sich an Gottes Wort. Je mehr der Mensch die Fülle Gottes erkennt, desto mehr fühlt er sich zu Gott hingezogen. Ein Schild ist er. Bei Gott kann man seine Fragen abgeben und Antworten empfangen, die weiterhelfen. Bei Gott kann man sich bergen und man wird erleben, dass Gott ein schützender Schild ist. Ein Schild gegen den beängstigenden Ansturm der Welt, ein Schild gegen die Vorwürfe der Spötter, ein Schild gegen die Verzweiflung. Füg seinen Worten nichts hinzu Eigentlich ist es ja nicht zu erwarten, dass der Mensch die Vermessenheit entwickelt, Gottes Wort etwas hinzuzufügen. Aber es gehört wohl zum Wesen des Menschen, dass er, sobald er wieder etwas Oberwasser hat, versucht, Gott gleich zu werden. Er interpretiert, ergänzt oder verwirft dann das Wort Gottes. Aber die Worte Gottes sind so anzuerkennen, wie sie von ihm gemeint sind. Füg seinen Worten nichts hinzu Es ist den Menschen jedoch nicht zu raten, Gottes Wort umzubiegen, denn Gott wird den Menschen zur Rechenschaft ziehen und ihn der Lüge überführen. Und dann steht jener, der eben noch weiser und klüger als Gott erscheinen wollte, als Lügner da. (Vergleiche: Wuppertaler Studienbibel, das Buch der Sprüche) Bild: pexels-photo-30875363 / Isabelle He r
von ew • 21. September 2026
Spr 21, 1-6.10-13 Dienstag, 25. Woche Wie ein Wasserbach ist das Herz des Königs in der Hand des Herrn; er lenkt es, wohin er will. Jeder meint, sein Verhalten sei richtig, doch der Herr prüft die Herzen. Gerechtigkeit üben und Recht ist dem Herrn lieber als Schlachtopfer. Hoffart der Augen, Übermut des Herzens - die Leuchte der Frevler versagt. Die Pläne des Fleißigen bringen Gewinn, doch der hastige Mensch hat nur Mangel. Wer Schätze erwirbt mit verlogener Zunge, jagt nach dem Wind, er gerät in die Schlingen des Todes. Das Verlangen des Frevlers geht nach dem Bösen, sein Nächster findet bei ihm kein Erbarmen. Muss der Zuchtlose büßen, so wird der Unerfahrene weise, belehrt man den Weisen, so nimmt er Einsicht an. Der Gerechte handelt klug am Haus des Frevlers, wenn er die Frevler ins Unheil stürzt. Wer sein Ohr verschließt vor dem Schreien des Armen, wird selbst nicht erhört, wenn er um Hilfe ruft. Wie ein Wasserbach ist das Herz des Königs Die Bauern konnten durch ein Bewässerungssystem nach Bedarf das Wasser dorthin leiten, wo es gebraucht wurde, damit das trockene Land fruchtbar wurde und die Pflanzen gedeihen konnten. Wie ein Wasserbach ist das Herz des Königs. Ein König hat dafür zu sorgen, dass sein Land gedeiht und dass es seinem Volk gut geht. So wie der Bauer das Wasser dorthin lenkt, wo es gebraucht wird, so möchte Gott auch das Herz des Königs lenken. Er soll die Not des Volkes sehen und eingreifen, wo es nötig ist. Ein König soll mit einem guten Herzen das Land voranbringen und Wohlstand und Frieden ermöglichen. Wie ein Wasserbach ist das Herz des Königs. Für mich ist es ein schöner Gedanke, dass Gott die Herzen der Menschen lenken möchte. Bitte Gott, lenke auch mein Herz. Wie ein Wasserbach sei das Herz von Pfarrer Edgar Wunsch in deiner Hand. Lenke es, wohin du willst. Wie ein Wasserbach ist das Herz von … Möchten Sie, dass Gott auch Ihr Herz lenkt? Wenn Sie Gott das Lebensruder übergeben, dann werden Sie selbst und die Menschen um Sie herum zufriedener, friedvoller und glücklicher. Bild: pexels-photo-712520 / Syab Nymur
von ew • 20. September 2026
Spr 3, 27-35 Montag, 25. Woche Mein Sohn, versag keine Wohltat dem, der sie braucht, wenn es in deiner Hand liegt, Gutes zu tun. Wenn du jetzt etwas hast, sag nicht zu deinem Nächsten: Geh, komm wieder, morgen will ich dir etwas geben. Sinne nichts Böses gegen deinen Nächsten, der friedlich neben dir wohnt. Bring niemand ohne Grund vor Gericht, wenn er dir nichts Böses getan hat. Beneide den Gewalttätigen nicht, wähle keinen seiner Wege; denn ein Gräuel ist dem Herrn der Ränkeschmied, die Redlichen sind seine Freunde. Der Fluch des Herrn fällt auf das Haus des Frevlers, die Wohnung der Gerechten segnet er. Die Zuchtlosen verspottet er, den Gebeugten erweist er seine Gunst. Die Weisen erlangen Ehre, die Toren aber häufen Schande auf sich Für drei Tage tauchen wir in der Lesung in die Welt des Buches der Sprüche ein. Die heutige Lesung möchte zu einem liebevollen Umgang miteinander anregen. Vers 27: Es wird nicht gefordert, dass man sich völlig verausgabt, aber man soll den Bedürftigen geben, was er braucht. Vers 28: Die Lesung wandte sich zunächst an Menschen, die geben konnten, aber nicht geben wollten. Nun sind jene angesprochen, die sofort geben könnten, aber erst später geben wollen. Vielleicht wollten manche den anderen demütigen, um ihm seine Abhängigkeit zu zeigen. Oder man hofft, dass er seine Not inzwischen bei anderen lösen konnte und man ihn durch den Aufschub auf bequeme Weise loswurde. Die Lesung aber sagt: Wenn du kannst, dann gib sofort. Vers 29: Gib auf deine Gedanken acht, denn aus Gedanken werden Taten. Vers 30: Nun soll verhindert werden, dass aus bösen Gedanken böse Taten folgen. Die Anklage ist frei erfunden. Irgendein Anklagepunkt wird sich aber schon finden. Wenn sich nichts findet, dann hat man den anderen wenigstens in Unruhe versetzt. Vers 31: Die Rücksichtslosen werden schnell reich. Die Lesung mahnt uns darum: Sei nicht neidisch. Wo nämlich der Neid auf den Gewalttätigen schielt, besteht bald die Gefahr, dass man selbst gewalttätig wird. Bild: pexels-photo-4654083 / Brett Jordan
von ew • 18. September 2026
1 Kor 15, 35-37.42-49 Samstag, 24. Woche Es könnte einer fragen: Wie werden die Toten auferweckt, was für einen Leib werden sie haben? Was für eine törichte Frage! Auch das, was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt. Und was du säst, hat noch nicht die Gestalt, die entstehen wird; es ist nur ein nacktes Samenkorn, zum Beispiel ein Weizenkorn oder ein anderes. So ist es auch mit der Auferstehung der Toten. Was gesät wird, ist verweslich, was auferweckt wird, unverweslich. Was gesät wird, ist armselig, was auferweckt wird, herrlich. Was gesät wird, ist schwach, was auferweckt wird, ist stark. Gesät wird ein irdischer Leib, auferweckt ein überirdischer Leib. Wenn es einen irdischen Leib gibt, gibt es auch einen überirdischen. So steht es auch in der Schrift: Adam, der Erste Mensch, wurde ein irdisches Lebewesen. Der Letzte Adam wurde lebendigmachender Geist. Aber zuerst kommt nicht das Überirdische; zuerst kommt das Irdische, dann das Überirdische. Der Erste Mensch stammt von der Erde und ist Erde; der Zweite Mensch stammt vom Himmel. Wie der von der Erde irdisch war, so sind es auch seine Nachfahren. Und wie der vom Himmel himmlisch ist, so sind es auch seine Nachfahren. Wie wir nach dem Bild des Irdischen gestaltet wurden, so werden wir auch nach dem Bild des Himmlischen gestaltet werden. Was für eine törichte Frage! Wir können uns nicht vorstellen, wie eine Auferstehung der Toten vor sich gehen soll. Wir können uns kein Bild der neuen Leiblichkeit machen, welche die Auferstandenen haben sollen, und darum können manche auch nicht an die Auferstehung glauben. Was für eine törichte Frage! Der Glaube an die Auferstehung der Toten passt nicht in unser menschliches Denken und in unsere menschliche Logik hinein. Darum benutzt Paulus einen Vorgang aus unserer Welt, den wir alle kennen. Er benutzt ein Gleichnis. Was für eine törichte Frage! Wenn wir zum Beispiel im Frühling Gurken- oder Tomatensamen in die Erde einpflanzen, so sehen diese kleinen Samenkörner völlig anders aus als die Gurke oder die Tomaten, die ich später ernte. Bei jedem Säen erleben wir es, dass der Same nicht bleibt, was er ist, sondern als Samenkorn enden und sterben muss, damit etwas Neues, die völlig anders gestaltete Pflanze, daraus wird. Wir säen nicht die künftige Pflanze selbst, sondern das Samenkorn. Was für eine törichte Frage! Die Wirklichkeit der Auferstehung der Toten zeigt tatsächlich Züge, die wir schon an Gottes Handeln in der Welt um uns herum wahrnehmen können. Wunder über Wunder stehen in der Natur vor uns. Und diesem Gott wollen wir nicht zutrauen, dass er auch der alten irdischen Existenz des Menschen eine neue überirdische Existenz und Lebendigkeit entgegensetzen kann? (Vergleiche: Wuppertaler Studienbibel, der Brief des Paulus an die Korinther) Bild: pexels-photo-11022636 / Ann H.
von ew • 17. September 2026
1 Kor 15, 12-20 Freitag, 24. Woche Wenn verkündigt wird, dass Christus von den Toten auferweckt worden ist, wie können dann einige von euch sagen: Eine Auferstehung der Toten gibt es nicht? Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos. Wir werden dann auch als falsche Zeugen Gottes entlarvt, weil wir im Widerspruch zu Gott das Zeugnis abgelegt haben: Er hat Christus auferweckt. Er hat ihn eben nicht auferweckt, wenn Tote nicht auferweckt werden. Denn wenn Tote nicht auferweckt werden, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos, und ihr seid immer noch in euren Sünden; und auch die in Christus Entschlafenen sind dann verloren. Wenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen. Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen. Eine Auferstehung gibt es nicht? Wir sind im vorletzten Kapitel des Korintherbriefes angekommen. Paulus hat bereits viele Fragen der Gemeinde durchgesprochen. Aber jetzt steht er vor einer Sache, die in das Zentrum des Glaubens hineinreicht. Einige aus der Gemeinde sagen, dass es keine Auferstehung der Toten gibt. Eine Auferstehung gibt es nicht? Paulus ist mehr als zuvor gefordert, den zusammengebastelten Glauben der Korinther wieder zurechtzurücken. Er muss zur Frage der Auferstehung einfach Stellung nehmen. Er muss dieser Frage gründlich auf den Grund gehen. Das ganze Kapitel 15 handelt darum von der Auferstehung der Toten. Eine Auferstehung gibt es nicht? Paulus ist es wichtig, aufzuzeigen, dass es sich in der Frage der Auferstehung nicht um eine beliebige Auffassung handelt, die verschieden sein könnte. Es handelt sich nicht um einen einzigen Lehrpunkt, in welchem man auch anders denken kann. Hier steht das ganze Evangelium und der ganze Glaube auf dem Spiel. Eine Auferstehung gibt es nicht? Jene, die heute noch großmundig eine Auferstehung der Toten und das ewige Leben leugnen, werden dann, wenn es so weit ist, einmal peinlich berührt sagen: „Sorry, wir haben uns getäuscht." Bild: pexels-photo-32085031 / Ann H.
von ew • 16. September 2026
1 Kor 15, 1-11 Donnerstag, 24. Woche Ich erinnere euch, Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen; es ist der Grund, auf dem ihr steht. Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet, wenn ihr an dem Wortlaut festhaltet, den ich euch verkündet habe. Oder habt ihr den Glauben vielleicht unüberlegt angenommen? Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf. Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen. Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln. Als letztem von allen erschien er auch mir, dem Unerwarteten, der „Missgeburt“. Denn ich bin der geringste von den Aposteln; ich bin nicht wert, Apostel genannt zu werden, weil ich die Kirche Gottes verfolgt habe. Doch durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und sein gnädiges Handeln an mir ist nicht ohne Wirkung geblieben. Mehr als sie alle habe ich mich abgemüht - nicht ich, sondern die Gnade Gottes zusammen mit mir. Ob nun ich verkündige oder die anderen: das ist unsere Botschaft, und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt. entschlafen Das Wort „entschlafen" erwähnen wir in jeder Heiligen Messe. Gedenke (aller) unserer Brüder und Schwestern, die entschlafen sind, in der Hoffnung, dass sie auferstehen. Nimm sie und alle, die in deiner Gnade aus dieser Welt geschieden sind, in dein Reich auf, wo sie dich schauen von Angesicht zu Angesicht. entschlafen Wir kennen im normalen, täglichen Umgang die Worte „schlafen“, „verschlafen“, „einschlafen“ … Das Wort „entschlafen“ verwenden wir in unserer Umgangssprache nicht. Im Hochgebet der Eucharistiefeier wird es verwendet, wenn wir an jene denken, die gestorben sind. Wer gestorben ist, ist nicht einfach verschwunden oder aufgelöst, er ist hinübergegangen in eine andere Wirklichkeit. Um diesen Prozess, das Hinübergehen in die neue Wirklichkeit, auszudrücken, braucht es auch einen neuen Begriff. „Entschlafen“ ist ein Hinübergleiten in eine andere, neue, himmlische Wirklichkeit. entschlafen Ich erinnere mich an die Sterbestunde einer Frau, die ich gut gekannt hatte. Wochenlang lag sie im Koma, schlafend im Bett. Die Augen waren geschlossen, es war nicht möglich, mit ihr auf irgendeine Weise zu kommunizieren. In der Sterbestunde konnte ich anwesend sein. Ich spürte, wie der Tod mit jeder Sekunde näher kam, und erlebte, wie im Moment des Todes ein Lachen über das Gesicht dieser Frau ging. entschlafen Die Augen öffneten sich und sie schaute in eine bestimmte Richtung. Es waren große, staunende Augen. Ich habe noch gesagt: „Was sehen Sie denn da? Kurz danach war sie gestorben, sie war entschlafen, hinübergegangen in die andere Wirklichkeit. entschlafen Wir alle gehen dieser Stunde, in der wir entschlafen, entgegen, und wenn Sie diesen Abschnitt zu Ende gelesen haben, dann sind Sie diesem wunderbaren Augenblick wieder ein paar Minuten nähergekommen. Bild: pexels-photo-8963669 / Ivan S.
von ew • 15. September 2026
1 Kor 12, 31 – 13, 13 Mittwoch, 24. Woche Strebt nach den höheren Gnadengaben! Ich zeige euch jetzt noch einen anderen Weg, einen, der alles übersteigt: Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke. Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts. Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte, und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts. Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf. Prophetisches Reden hat ein Ende, Zungenrede verstummt, Erkenntnis vergeht. Denn Stückwerk ist unser Erkennen, Stückwerk unser prophetisches Reden; wenn aber das Vollendete kommt, vergeht alles Stückwerk. Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind und urteilte wie ein Kind. Als ich ein Mann wurde, legte ich ab, was Kind an mir war. Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin. Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe. Den heutigen Abschnitt nennen wir oft das „Hohelied der Liebe“. Aber 1 Korinther 13 ist alles andere als ein süßes Gedicht. Mit einem Lied hat dieses Kapitel nichts zu tun. Hätte ich die Liebe nicht, so wäre ich nichts. In Kapitel 8,1 nannte Paulus das Wort „Liebe“ zum ersten Mal. Und jetzt in Kapitel 13 stellt er die Liebe noch einmal kraftvoll in die Mitte. Aber irgendwie scheint Paulus eine spürbare Scheu zu haben, von der Liebe zu sprechen. Vielleicht vermutet er, wie leicht dieses Wort missverstanden und missbraucht werden kann. Die „Liebe“, die Paulus meint, ist nicht das, was wir für gewöhnlich unter „Liebe“ verstehen. Ein Stück Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft bringt die Welt sehr gut auch ohne das Christentum zustande. Liebe oder Agape? Paulus wählt für „Liebe“ das Wort „Agape“, das in der Umwelt der Christenheit so gut wie gar nicht gebraucht wurde. Man kannte eigentlich nur den „Eros“, die verlangende Liebe. Mit „Agape“ jedoch meint Paulus eine Liebe, die nichts für sich will, sondern alles hingibt und opfert, auch für Feinde und für solche, die ihr nichts wiedergeben und ihr nichts wirklich danken können. Agape! Wir sollen nach dem streben, was in Gott ist. Wir sollen nach dem streben, was Gott ist. Pure „Agape“. Pure Hingabe, ohne etwas zu fordern oder zurückzuerwarten. Die Liebe hört niemals auf. Willst du in deinem Leben Ewigkeit haben, dann liebe. Alles andere bleibt nicht. Du bist nichts wert, weil du die Liebe nicht hast. So wäre ich nichts. Die heutige Lesung ist also kein liebliches Gedicht über die Liebe, sondern auch eine Art Gerichtswort über ein reiches und stolzes Gemeindeleben. Könnte es ein Gerichtswort sein, auch über unsere Gemeinde? (Vergleiche: Wuppertaler Studienbibel, der Brief des Paulus an die Korinther) Bild: pexels-photo-33515234 / Harri Hofer