Die Seelsorgeeinheit des Paulus

ew • 4. Mai 2026

Apg 14, 19-28 Dienstag, 5. Osterwoche 

In jenen Tagen kamen Juden von Antiochia und Ikonion und überredeten die Volksmenge. Und sie steinigten den Paulus und schleiften ihn zur Stadt hinaus, in der Meinung, er sei tot. Als aber die Jünger ihn umringten, stand er auf und ging in die Stadt. Am anderen Tag zog er mit Barnabas nach Derbe weiter. Als sie dieser Stadt das Evangelium verkündet und viele Jünger gewonnen hatten, kehrten sie nach Lystra, Ikonion und Antiochia zurück. Sie sprachen den Jüngern Mut zu und ermahnten sie, treu am Glauben festzuhalten; sie sagten: Durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen. In jeder Gemeinde bestellten sie durch Handauflegung Älteste und empfahlen sie mit Gebet und Fasten dem Herrn, an den sie nun glaubten. Nachdem sie durch Pisidien gezogen waren, kamen sie nach Pamphylien, verkündeten in Perge das Wort und gingen dann nach Attalia hinab. Von dort fuhren sie mit dem Schiff nach Antiochia, wo man sie für das Werk, das sie nun vollbracht hatten, der Gnade Gottes empfohlen hatte. Als sie dort angekommen waren, riefen sie die Gemeinde zusammen und berichteten alles, was Gott mit ihnen zusammen getan und dass er den Heiden die Tür zum Glauben geöffnet hatte. Und sie blieben noch längere Zeit bei den Jüngern.


Lystra, Ikonion, Antiochia, Pysidien, Pamphylien

Im Internet finden Sie ganz leicht Landkarten, auf denen die Missionsreisen des Paulus eingezeichnet sind. Sie finden alle Orte und Landschaften wieder, die in der heutigen Lesung erwähnt werden. Paulus hat sie alle besucht. So groß war also die Seelsorgeeinheit des heiligen Paulus.


Frage: Bin ich bereit, am Sonntag 6 km in die Nachbargemeinde zur Feier der Eucharistie zu fahren?


Bild: pexels-photo-7368307 / Vlada Karpovich

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tägliche Schriftbetrachtung

von ew 19. Juni 2026
2 Chr 24, 17–25 Samstag, 11. Woche 17Nach dem Tod des Priesters Jojáda kamen die führenden Männer Judas zum König und warfen sich vor ihm nieder. Dieser hörte damals auf sie, 18sodass sie den Bund des Herrn, des Gottes ihrer Väter, ver-ließen und die Kultpfähle und Götzenbilder verehrten. Wegen dieser Schuld kam ein Zorngericht über Juda und Jerusalem. 19Der Herr schickte Propheten zu ihnen, um sie zur Umkehr zum Herrn zu bewegen, aber man hörte nicht auf ihre Warnung. 20Da kam der Geist Got-tes über Sechárja, den Sohn des Priesters Jojáda. Er trat vor das Volk und hielt ihm vor: So spricht Gott: Warum übertretet ihr die Gebote des Herrn? So könnt ihr kein Glück mehr haben. Weil ihr den Herrn verlassen habt, wird er euch verlassen. 21Sie aber taten sich gegen ihn zusammen und steinigten ihn auf Befehl des Königs im Hof des Hau-ses des Herrn. 22König Joasch dachte nicht mehr an die Treue, die ihm Jojáda, sein Vater, erwiesen hatte, sondern ließ dessen Sohn töten. Dieser aber rief sterbend aus: Der Herr möge es sehen und vergelten. 23Um die Jahreswende zog das Heer der Aramäer gegen Joasch. Sie drangen nach Juda und Jerusalem vor und machten alle führenden Männer des Volkes nieder. Ihre gesamte Beute brachte man zum König von Damáskus. 24Mit nur wenig Kriegern war das Heer der Aramäer gekommen; aber der Herr gab ein sehr großes Heer in ihre Hand, weil die Israeliten den Herrn, den Gott ihrer Väter, verlassen hatten. So vollzogen die Aramäer an Joasch das Strafgericht. 25Als sie abzogen und ihn schwerkrank zurückließen, verschworen sich seine Diener gegen ihn wegen der Blutschuld am Sohn des Priesters Jojáda und erschlugen ihn auf seinem Bett. Man begrub ihn in der Davidstadt, aber nicht in den Gräbern der Könige. Die Lesung beschreibt den tiefen Fall des Königs Joasch. Solange sein Mentor, der gütige und gottesfürchtige Hohepriester Jojada, lebte, tat Joasch, was dem Herrn gefiel. Doch nach Jojadas Tod bricht das geistli-che Fundament des Königs in sich zusammen. Die Schmeichler Kaum ist Jojáda, der geistliche Vater tot, tauchen falsche Ratgeber auf. Sie schmeicheln dem König, fallen vor ihm nieder und Joasch erliegt der Versuchung, Menschen mehr gefallen zu wollen als Gott. Man nennt das einen Mangel an persönlicher Glaubensüberzeugung. Joaschs Glaube war geliehen – er war der Glaube Jojadas, nicht sein eigener. Sobald die äußere Stütze wegbrach, reichte ein wenig gesellschaftlicher Druck, und der König verließ das Haus Gottes, um Götzen (die Kultpfähle der Aschera) anzubeten. Warum übertretet ihr die Gebote des Herrn Gott lässt Joasch nicht einfach fallen. Er schickt Propheten, darunter Secharja, den Sohn des verstorbenen Jojada. Erfüllt vom Heiligen Geist ruft Secharja: „Warum übertretet ihr die Gebote des Herrn?“ Zorn statt Umkehr Die Reaktion des Königs ist erschütternd: Statt Reue zeigt er blanken Zorn. Er vergisst die Treue, die Jojada ihm einst erwiesen hatte, und lässt dessen Sohn im Vorhof des Tempels steinigen. (Jesus selbst bezieht sich im Matthäusevangelium 23,35 auf diesen grausamen Mord). Zorn statt Umkehr Wenn der Mensch tief in der Sünde steckt, wird ihm das prophetische Wort – die Wahrheit – unerträglich. Um die eigene Sünde zu rechtferti-gen, muss die Stimme des Gewissens zum Schweigen gebracht werden. Der geliehene“ Glaube Viele Menschen heute haben den Glauben durch ihre Erziehung, ihre Eltern oder ein traditionelles Umfeld (ihren „Jojada“) mitbekommen. Solange das Umfeld stabil war, funktionierte der Glaube. Doch heute leben wir in einer tief säkularisierten Welt. Der „geliehene“ Glaube Wenn die Tradition wegbricht, stehen viele Katholiken vor derselben Dynamik wie Joasch: Die „führenden Männer“ unserer Zeit – der Zeit-geist, die Medien, der Druck der Peer-Group – kommen, schmeicheln uns oder fordern Anpassung. Wer keinen inneren, und im Gebet verwur-zelten Glauben hat, verbeugt sich oft recht schnell vor dem was der „Zeitgeist“ fordert..nt source. Bild: pexels-photo-13779931. / Marian Florinel Condruz
von ew 18. Juni 2026
2 Kön 11, 1–4.9–18.20 Freitag, 11. Woche In jenen Tagen, 1als Atálja, die Mutter Ahásjas, sah, dass ihr Sohn tot war, ging sie daran, die ganze Nachkommenschaft der königlichen Familie auszurotten. 2Doch Joschéba, die Tochter des Königs Joram und Schwester Ahásjas, nahm Joasch, den Sohn Ahásjas, aus dem Kreis der Königssöhne, die ermordet werden sollten, weg und brachte ihn mit seiner Amme in die Bettenkammer. Dort versteckte sie ihn vor Atálja, sodass er nicht getötet wurde. 3Er blieb sechs Jahre bei ihr im Haus des Herrn verborgen, während Atálja das Land regierte. 4Im siebten Jahr bestellte der Priester Jojáda die Hundertschaftsführer der Karer und Läufer zu sich. Er führte sie in das Haus des Herrn, schloss mit ihnen ein Abkommen, ließ sie im Haus des Herrn schwören und zeigte ihnen den Sohn des Königs. 9Die Führer der Hundertschaften befolgten alle Gebote des Priesters Jojáda. Jeder holte seine Leute, sowohl jene, die am Sabbat aufzogen, als auch jene, die am Sabbat abzogen. Sie kamen zum Priester Jojáda 10und dieser gab den Anführern der Hundertschaften die Lanzen und Schilde, die dem König David gehört hatten und sich jetzt im Haus des Herrn befanden. 11Die Läufer stellten sich mit der Waffe in der Hand von der Südseite des Tempels bis zur Nordseite vor dem Altar und dem Tempel rings um den König auf. 12Dann führte Jojáda den Königssohn heraus und überreichte ihm den Stirnreif und das Bundeszeugnis. So machten sie ihn zum König, salbten ihn, klatschten in die Hände und riefen: Es lebe der König! 13Als Atálja das Geschrei des Volkes hörte, kam sie zu den Leuten in das Haus des Herrn. 14Da sah sie den König am gewohnten Platz bei der Säule stehen; die Obersten und die Trompeter waren bei ihm und alle Bürger des Landes waren voller Freude und bliesen die Trompeten. Atálja zerriss ihre Kleider und schrie: Verrat, Verrat! 15Doch der Priester Jojáda befahl den Hundertschaftsführern, die das Kommando über die Truppen hatten: Führt sie durch die Reihen hinaus und schlagt jeden mit dem Schwert nieder, der ihr folgen will; denn – so sagte der Priester – sie soll nicht im Haus des Herrn getötet werden. 16Da legte man Hand an sie, und als sie an den Weg kam, auf dem man die Pferde zum Palast des Königs führt, wurde sie dort getötet. 17Jojáda schloss den Bund zwischen dem Herrn und dem König und dem Volk. Sie versprachen, dass sie das Volk des Herrn sein wollten, und auch zwischen König und Volk schloss er den Bund. 18Darauf zogen alle Bürger des Landes zum Baalstempel und rissen ihn nieder. Sie zertrümmerten seine Altäre und Bilder vollständig und erschlugen den Baalspriester Mattan vor den Altären. Auch stellte Jojáda Posten vor das Haus des Herrn. 20Alle Bürger des Landes waren voll Freude und die Stadt blieb ruhig. Atálja aber hatte man vor dem Palast des Königs mit dem Schwert umgebracht. Die Geschichte von Atalja in der heutigen Lesung ist ein Königsdrama par excellence: Machtgier, der Mord an der eigenen Familie, ein Putsch und am Ende die gewaltsame Hinrichtung der Tyrannin. Es liest sich streckenweise wie ein antiker Polit-Thriller. Das Alte Testament ist ein "Spiegel der menschlichen Abgründe ohne Gott" Fir finden im AT einen radikalen Realismus statt Schönrednerei. Das Alte Testament unterscheidet sich von vielen anderen antiken Heldengeschichten dadurch, dass es nichts beschönigt. Die biblischen Autoren untermauern genau das, was du sagst: Wenn der Mensch sich selbst zum Maßstab aller Dinge macht (wie die machthungrige Königin Atalja), bricht das Chaos aus. Das AT ist kein Buch, das Gewalt gutheißt, sondern eines, das Gewalt dokumentiert. Die Erzählungen des alten Testamentes zeigen ungeschminkt die Konsequenzen, wenn Menschen – selbst die gewählten Könige – Gottes Gebote von Recht, Gerechtigkeit und Schutz der Schwachen ignorieren. Der Kontrast: Gottes Pläne vs. Menschenpläne Der Menschenplan Atalja versucht, die gesamte königliche Linie auszurotten, um ihre eigene Macht zu sichern. Das ist die pure menschliche Autonomie im negativen Sinne. Der Plan Gottes Im Hintergrund wird der kleine Prinz Joasch gerettet und im Tempel versteckt. Gott hält an seinem Versprechen fest (der Linie Davids), selbst wenn die menschliche Geschichte um ihn herum in Blut versinkt. Das Buch der Könige zeigt: Menschliche Pläne, die auf Gewalt basieren, sind zwar kurzfristig erfolgreich, zerstören sich am Ende aber immer selbst (Atalja wird am Ende selbst gestürzt).  Das AT als "pädagogisches" Buch Man kann das AT auch als ein langes Lehrbuch darüber lesen, wozu der Mensch fähig ist, wenn er die Orientierung verliert. Die Propheten im AT betonen das immer wieder: Die Gewalt im Land ist kein Zeichen dafür, dass Gott grausam ist, sondern dass das Volk Gott und damit die soziale Gerechtigkeit verlassen hat. Die Gewalt ist sozusagen die logische Quittung für die Gottlosigkeit. Fazit: Ja, das Alte Testament zeigt drastisch, wozu der Mensch fähig ist. Aber es tut dies als Warnung, nicht als Vorbild. Es hält der Menschheit den Spiegel vor und zeigt: "Schaut her, das passiert, wenn ihr eure eigenen, egoistischen Pläne über das Recht und die Liebe Gottes stellt." Es ist ein Ruf zur Umkehr, gerade weil die Realität ohne Gott so düster aussieht. Bild: pexels-photo-29947581 / Freddy Rezvanian
von ew 18. Juni 2026
Sir 48, 1–14 Donnerstag, 11. Woche In jenen Tagen 1stand Elíja auf, ein Prophet wie Feuer, sein Wort brannte wie eine Fackel. 2Er ließ über sie eine Hungersnot hereinbrechen und verringerte sie mit seinem Eifer; 3durch das Wort des Herrn verschloss er den Himmel, ebenso ließ er dreimal Feuer herabfallen. 4Wie wurdest du verherrlicht, Elíja, durch deine Wunder! Wer wird sich gleich dir rühmen können? 5Der einen Verstorbenen auferweckt hat vom Tod und aus dem Hades durch ein Wort des Höchsten; 6der Könige in die Vernichtung geführt hat und Berühmte weg von ihrem Lager; 7der am Sínai eine Zurechtweisung hört und am Horeb Urteile der Vergeltung; 8der Könige salbt zur Vergeltung und ihm nachfolgende Propheten; 9der mit einem Wirbelsturm aus Feuer hinweggenommen wurde in einem Wagen mit feurigen Pferden; 10der aufgeschrieben ist für Zurechtweisungen für künftige Zeiten, um den Zorn vor dem Ausbruch zu besänftigen, um das Herz des Vaters dem Sohn zuzuwenden und um die Stämme Jakobs aufzurichten. 11Selig, die dich gesehen haben und die in Liebe entschlafen sind; denn auch wir werden gewiss leben. 12Elíja – er wurde vom Wirbelsturm verhüllt und Elíscha wurde mit seinem Geist erfüllt; zu seiner Zeit wurde er von keinem Herrscher ins Wanken gebracht und niemand hatte Macht über ihn. 13Kein Wort ging über seine Kraft und noch im Tod hat sein Leib prophezeit. 14In seinem Leben hat er Wunder getan und im Tod waren seine Werke erstaunlich. Die Lesung wirft einen faszinierenden Blick auf das Leben des Propheten Elija und seines Nachfolgers Elischa. Wenn wir diesen Text nicht nur als historische Erzählung lesen, sondern als Spiegel für unsere eigene Seele, entfaltet er eine enorme spirituelle Wucht. Elíja, ein Prophet wie Feuer Der Text beginnt nicht mit einer Biografie, sondern mit einem Zustand: Feuer. Elija tritt auf wie ein Feuer. In einer spirituellen Krise, in der der Glaube lauwarm und angepasst geworden ist, brennt dieser Mensch. Für unseren eigenen Weg stellt das eine radikale Frage: Wofür brenne ich? Ist mein Glaube zu einer reinen Gewohnheit geworden, oder spüre ich noch das Feuer der göttlichen Sehnsucht? Er brachte Hungersnot über sie... Elija entzieht dem Land den Regen. Was grausam klingt, ist im spirituellen Sinne das Prinzip der Wüste. Manchmal lässt Gott in unserem Leben Phasen der spirituellen Trockenheit zu. Die Quellen, aus denen wir sonst Bestätigung, Trost oder Ablenkung schöpfen, versiegen. Er brachte Hungersnot über sie... Diese „Hungersnot der Seele“ ist oft ein Segen im Gewand der Krise. Erst wenn der äußere Strom an Ablenkungen versiegt, werden wir gezwungen, nach der inneren, unversiegbaren Quelle zu suchen. Das Schließen des Himmels ist die Einladung, in der Stille auf das „leise, sanfte Sausen“ zu hören, in dem Gott sich Elija später offenbaren wird. Der einen Verstorbenen auferweckt hat vom Tod Vers 5 ist ein direkter Rückblick auf eine berühmte Erzählung aus 1 Kön 17. Dort hält sich Elija bei einer armen Witwe in Sarepta auf. Als deren kleiner Sohn schwer krank wird und stirbt, betet Elija zu Gott und fleht um das Leben des Kindes. Elija ging damit als der erste Prophet in die Geschichte Israels ein, durch den ein Toter wieder lebendig wurde. Bild: pexels-photo-4820991 / Michael Noel
von ew 17. Juni 2026
2 Kön 2, 1.4b.6–14 Mittwoch, 11. Woche 1An dem Tag, da der Herr Elíja im Wirbelsturm in den Himmel auf-nehmen wollte, ging Elíja mit Elíscha von Gilgal weg. 4bSo kamen sie nach Jéricho 6Elíja aber bat Elíscha: Bleib hier; denn der Herr hat mich an den Jordan gesandt. Elíscha erwiderte: So wahr der Herr lebt und so wahr du lebst: Ich verlasse dich nicht. So gingen beide mitei-nander. 7Fünfzig Prophetenjünger folgten ihnen und blieben dann seitwärts in einiger Entfernung stehen. Die beiden traten an den Jor-dan. 8Hier nahm Elíja seinen Mantel, rollte ihn zusammen und schlug mit ihm auf das Wasser. Dieses teilte sich nach beiden Seiten und sie schritten trockenen Fußes hindurch. 9Als sie drüben angekommen waren, sagte Elíja zu Elíscha: Sprich eine Bitte aus, die ich dir erfüllen soll, bevor ich von dir weggenommen werde! Elíscha antwortete: Möchten mir doch zwei Anteile deines Geistes zufallen. 10Elíja ent-gegnete: Du hast etwas Schweres erbeten. Wenn du siehst, wie ich von dir weggenommen werde, wird es dir zuteilwerden. Sonst aber wird es nicht geschehen. 11Während sie miteinander gingen und redeten, er-schien ein feuriger Wagen mit feurigen Pferden und trennte beide voneinander. Elíja fuhr im Wirbelsturm zum Himmel empor. 12Elíscha sah es und rief laut: Mein Vater, mein Vater! Wagen Israels und seine Reiter! Als er ihn nicht mehr sah, fasste er sein Gewand und riss es mitten entzwei. 13Dann hob er den Mantel auf, der Elíja entfallen war, kehrte um und trat an das Ufer des Jordan. 14Er nahm den Mantel, der Elíja entfallen war, schlug mit ihm auf das Wasser und rief: Wo ist der Herr, der Gott des Elíja? Als er auf das Wasser schlug, teilte es sich nach beiden Seiten und Elíscha ging hinüber. Im Wirbelsturm? Dass Elija ausgerechnet in einem Wirbelsturm und begleitet von einem feurigen Wagen in den Himmel aufgenommen wird, ist kein zufälliges Detail. In der Bildsprache der Bibel und der altorientalischen Umwelt hat diese Schilderung eine tiefe theologische Bedeutung. Der Sturm als Zeichen für das Erscheinen Gottes Im AT ist der Wirbelsturm das klassische Begleitphänomen, wenn Gott selbst in Macht und Herrlichkeit erscheint. Wenn Gott mit Menschen spricht oder eingreift, bebt oft die Erde, Feuer fällt herab oder ein gewal-tiger Sturm zieht auf. Gott antwortet Hiob aus einem Wirbelsturm (Hiob 38,1) und auch der Prophet Hesekiel sieht Gottes Thronwagen inmitten eines großen Sturms und Feuers (Hesekiel 1,4). Der Wirbelsturm bei Elijas Entrückung signalisiert den Lesern sofort: Hier handelt Gott selbst. Es ist ein direktes, feierliches Eingreifen der himmlischen Welt in die irdische. Der endgültige Sieg über den Wettergott Baal Elijas gesamte Lebensaufgabe bestand darin, das Volk Israel von dem kanaanäischen Gott Baal wegzubringen und zurück zu Jahwe, dem Gott Israels zu führen. Der entscheidende Punkt dabei: Baal wurde im alten Orient als der Gott des Sturms, des Wetters, des Blitzes und des Regens verehrt. Er galt als derjenige, der auf den Wolken reitet. Die Schilderung von Elijas Abschied setzt dem Ganzen die Krone auf: Nicht Baal beherrscht die Wolken, Blitze und Stürme, sondern Jahwe. Gott nutzt den Wirbelsturm und feurige Wagen wie ein königliches Taxi, um seinen treuen Propheten abzuholen. Es ist der Beweis, dass Jahwe der wahre Herr über die Naturgewalten ist – und nicht der von König Ahab verehrte Baal. Bild: pexels-photo-15597521 / Davide Rotondi
von ew 15. Juni 2026
1 Kön 21, 1–16 Montag, 11. Woche 1In jenen Tagen trug sich Folgendes zu. Nabot aus Jésreël hatte einen Weinberg in Jésreël neben dem Palast Ahabs, des Königs von Samárien. 2Ahab verhandelte mit Nabot und schlug ihm vor: Gib mir deinen Weinberg! Er soll mir als Gemüsegarten dienen; denn er liegt nahe bei meinem Haus. Ich will dir dafür einen besseren Weinberg geben. Wenn es dir aber lieber ist, bezahle ich dir den Kaufpreis in Geld. 3Doch Nabot erwiderte: Der Herr bewahre mich davor, dass ich dir das Erbe meiner Väter überlasse. 4Darauf kehrte Ahab in sein Haus zurück. Er war missmutig und verdrossen, weil Nabot aus Jésreël zu ihm gesagt hatte: Ich werde dir das Erbe meiner Väter nicht überlas-sen. Er legte sich auf sein Bett, wandte das Gesicht ab und aß nichts. 5Seine Frau Isébel kam zu ihm herein und fragte: Warum bist du missmutig und isst nichts? 6Er erzählte ihr: Ich habe mit Nabot aus Jésreël verhandelt und ihm gesagt: Verkauf mir deinen Weinberg für Geld, oder wenn es dir lieber ist, gebe ich dir einen anderen dafür. Doch er hat geantwortet: Ich werde dir meinen Weinberg nicht geben. 7Da sagte seine Frau Isébel zu ihm: Du bist doch jetzt König in Israel. Steh auf, iss und sei guter Dinge! Ich werde dir den Weinberg Nabots aus Jésreël verschaffen. 8Sie schrieb Briefe im Namen Ahabs, versah sie mit seinem Siegel und schickte sie an die Ältesten und Vornehmen, die mit Nabot zusammen in der Stadt wohnten. 9In den Briefen schrieb sie: Ruft ein Fasten aus und lasst Nabot oben vor allem Volk Platz nehmen! 10Setzt ihm aber zwei nichtswürdige Männer gegen-über! Sie sollen gegen ihn als Zeugen auftreten und sagen: Du hast Gott und den König gelästert. Führt ihn dann hinaus und steinigt ihn zu Tode! 11Die Männer der Stadt, die Ältesten und Vornehmen, die mit ihm zusammen in der Stadt wohnten, taten, was Isébel ihnen gebo-ten hatte, was in den Briefen stand, die sie ihnen gesandt hatte. 12Sie riefen ein Fasten aus und ließen Nabot oben vor allem Volk Platz nehmen. 13Es kamen aber auch die beiden nichtswürdigen Männer und setzten sich ihm gegenüber. Sie standen vor dem Volk als Zeugen gegen Nabot auf und sagten: Nabot hat Gott und den König gelästert. Sogleich führte man ihn aus der Stadt hinaus und steinigte ihn zu To-de. 14Darauf ließen sie Isébel melden: Nabot wurde gesteinigt und ist tot. 15Sobald sie hörte, dass Nabot gesteinigt wurde und tot war, sagte sie zu Ahab: Auf, nimm den Weinberg Nabots aus Jésreël in Besitz, den er dir für Geld nicht verkaufen wollte; denn Nabot lebt nicht mehr; er ist tot. 16Als Ahab hörte, dass Nabot tot war, stand er auf und ging zum Weinberg Nabots aus Jésreël hinab, um von ihm Besitz zu ergreifen. Die Geschichte von Nabots Weinberg ist kein verstaubter Text, sondern ein zeitloses Psychogramm von Macht, Feigheit und Systemversagen. Ahab König Ahab will Nabots Weinberg kaufen, um daraus einen Gemüsegarten zu machen. Nabot lehnt ab, das Erbe seiner Väter ist ihm wichtiger als ein Gewinn. Ahab Ahab reagiert zwar wie ein Kind, ist beleidigt und schmollt im Bett, aber er akzeptiert Nabots Entscheidung. Unreife gepaart mit Macht ist eine der gefährlichsten Kombinationen der Menschheitsgeschichte. Isebel Die Königin wird aktiv: Sie schreibt Briefe, sucht falsche Zeugen und inszeniert einen Lügenprozess. Ahab Er ist noch nicht erwachsen geworden. Er schmollt, er dreht sich im Bett gegen die Wand und kommt nicht mehr zum Abendessen - wie ein Kind. Er sieht das unrechte Tun Isebels, aber er greift nicht ein. Er sieht nur zu. Er übernimmt keine Verantwortung und lässt es laufen. Er unterbindet nicht die Intrigen Isebels. Er lässt Isebel gewähren. Ahab schreitet gegen das Unrecht nicht ein und lässt damit dem Bösen einen weiten Raum. Fazit Ahab verkörpert einen sehr modernen Typus von Täter: den passiven Profiteur. Wenn wir Unrecht „laufen lassen“, dann entwickelt das Böse eine Eigendynamik, die am Ende nicht mehr zu bremsen ist. • Auch Ahab hat sich schuldig gemacht • Das Böse braucht nicht immer Monster; oft reicht das Schweigen derer, die es stoppen könnten. • „Für den Triumph des Bösen reicht es, wenn die Guten nichts tun.“ – nach Edmund Burke Bild: pexels-photo-36763329 / Vitalie Gariev
von ew 12. Juni 2026
Kön 19, 19–21 Samstag, 10. Woche In jenen Tagen, 19als Elíja vom Gottesberg weggegangen war, traf er Elíscha, den Sohn Schafats. Er war gerade mit zwölf Gespannen am Pflügen und er selbst pflügte mit dem zwölften. Im Vorbeigehen warf Elíja seinen Mantel über ihn. 20Sogleich verließ Elíscha die Rinder, eilte Elíja nach und bat ihn: Lass mich noch meinem Vater und meiner Mutter den Abschiedskuss geben; dann werde ich dir folgen. Elíja antwortete: Geh, kehr um! Denn was habe ich dir getan? 21Elíscha ging von ihm weg, nahm seine zwei Rinder und schlachtete sie. Mit dem Joch der Rinder kochte er das Fleisch und setzte es den Leuten zum Essen vor. Dann stand er auf, folgte Elíja und trat in seinen Dienst. Die Ochsen schlachten Wenn man sich die Details der Geschichte anschaut, wird deutlich, dass Elischa hier nicht einfach nur ein Abschiedsessen veranstaltet, sondern eine bewusste, unumkehrbare Entscheidung trifft. Das Verhalten von Elischa zeigt seine tiefe Bereitschaft auf drei Ebenen: Die Ochsen schlachten - ein radikaler Bruch mit der Vergangenheit. Elischa pflügte mit zwölf Gespannen Ochsen. Er kommt also aus einer sehr wohlhabenden Bauernfamilie. Ochsen und das hölzerne Joch waren seine wertvollsten Arbeitswerkzeuge und seine finanzielle Absicherung. Was er tut: Er schlachtet die Ochsen und benutzt das Holz des Jochs als Brennholz, um das Fleisch zu kochen. Die Bedeutung: Damit zerstört er buchstäblich seine bisherige Existenzgrundlage. Er behält sich kein „Hintertürchen“ offen. Falls es als Prophet nicht klappt, kann er nicht einfach zurückkehren und weiterpflügen – denn sein Werkzeug ist verbrannt und seine Tiere sind tot. Es ist der totale Point of No Return. Die Ochsen schlachten - ein Fest der Freude und des Dienens. Anstatt heimlich wegzugehen oder zu trauern, macht Elischa aus dem Schlachten ein großes Festmahl für die Menschen seines Dorfes. Er teilt seinen Wohlstand ein letztes Mal mit der Gemeinschaft. Es ist kein trauriger Abschied, sondern ein feierlicher Übergang. Danach heißt es im Text schlicht: „Dann stand er auf, folgte Elija und trat in seinen Dienst.“ Vom reichen Großbauern wird er freiwillig zum Diener eines wandernden Propheten. Die Ochsen schlachten - der Vergleich zum Neuen Testament. Diese Szene ist so prägend, dass Jesus im Lukas-Evangelium (Lk 9,62) direkt darauf anspielt, als jemand ihm nachfolgen, sich aber vorher noch von seiner Familie verabschieden will. Jesus sagt dort: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ Im Gegensatz zu dem Mann bei Jesus hat Elischa den Pflug eben nicht nur losgelassen, sondern ihn verbrannt. Bild. Pexel / Mushfiqur Rahman
von ew 12. Juni 2026
1 Kön 19, 9a.11–16 Freitag, 10. Woche In jenen Tagen kam Elíja zum Gottesberg Horeb. 9aDort ging er in eine Höhle, um darin zu übernachten. Doch das Wort des Herrn erging an ihn: 11Komm heraus und stell dich auf den Berg vor den Herrn! Da zog der Herr vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben. 12Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln. 13Als Elíja es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle. 14Da vernahm er eine Stimme, die ihm zurief: Was willst du hier, Elíja? Er antwortete: Mit Leidenschaft bin ich für den Herrn, den Gott der Heerscharen, eingetreten, weil die Israeliten deinen Bund verlassen, deine Altäre zerstört und deine Propheten mit dem Schwert getötet haben. Ich allein bin übrig geblieben und nun trachten sie auch mir nach dem Leben. 15Der Herr antwortete ihm: Geh deinen Weg durch die Wüste zurück und begib dich nach Damáskus! Bist du dort angekommen, salbe Hásaël zum König über Aram! 16Jehu, den Sohn Nimschis, sollst du zum König von Israel salben und Elíscha, den Sohn Schafats aus Ábel-Mehóla, salbe zum Propheten an deiner Stelle. Ein sanftes, leises Säuseln In einer spektakulären Aktion mit viel Getöse und Aktion hatte Elia die Baalspropheten auf dem Berg Karmel besiegt. Ein sanftes, leises Säuseln Das Problem: Elia dachte, man müsste Gottes Reich mit lautem Getöse, Machtdemonstrationen und Gewalt durchsetzen. Ein sanftes, leises Säuseln Heute zeigt Gott dem Propheten: „Ich bin nicht im Sturm, der alles zerbricht. Ich bin nicht im Feuer des Gerichts. Ich begegne dir ganz leise. Für heute: Nicht jene, die am lautesten schreien, werden sich am Ende durchsetzen, sondern jene, die anfangen zu schweigen und versuchen, auf Gottes leise Stimme zu hören. Bild. pexels-photo-12181936 / Beyza Eve
von ew 11. Juni 2026
Donnerstag, 10. Woche 1 Kön 18, 41–46 In jenen Tagen 41sagte Elíja zu Ahab: Geh hinauf, iss und trink; denn das Rauschen des Regens ist schon hörbar. 42Während Ahab wegging, um zu essen und zu trinken, stieg Elíja zur Höhe des Karmel empor, kauerte sich auf den Boden nieder und legte seinen Kopf zwischen die Knie. 43Dann befahl er seinem Diener: Geh hinauf und schau auf das Meer hinaus! Dieser ging hinauf, schaute hinaus und meldete: Es ist nichts zu sehen. Elíja befahl: Geh sieben Mal hinauf! 44Beim siebten Mal meldete der Diener: Eine Wolke, klein wie eine Menschenhand, steigt aus dem Meer herauf. Darauf sagte Elíja: Geh hinauf und sag zu Ahab: Spanne an und fahr hinab, damit der Regen dich nicht aufhält! 45Es dauerte nicht lange, da verfinsterte sich der Himmel durch Sturm und Wolken und es fiel ein starker Regen. Ahab bestieg den Wagen und fuhr nach Jésreël. 46Über Elíja aber kam die Hand des Herrn. Er gürtete sich und lief vor Ahab her bis dorthin, wo der Weg nach Jés-reël abzweig t. Eine Wolke, klein wie eine Menschenhand Nach dem dramatischen Sieg über die Baalspropheten zieht sich Elija auf den Gipfel des Karmel zurück. Während König Ahab feiert, beugt sich Elija zur Erde und betet beharrlich um den ersehnten Regen. Siebenmal schickt er seinen Diener aus, um nach dem Meer zu blicken. Erst beim siebten Mal steigt eine Wolke auf, „klein wie eine Menschen-hand“. Kurz darauf bricht ein gewaltiger Regen los. Eine Wolke, klein wie eine Menschenhand Der Diener sieht anfangs nichts, dann nur eine Wolke. Doch in dieser winzigen Wolke verbirgt sich bereits der unendliche Segen des retten-den Regens. Gott bricht meistens nicht mit lautem Getöse in unser Leben ein, sondern im Unscheinbaren, Leisen, fast Übersehbaren. Es braucht den „prophetischen Blick“, um die ersten Zeichen seines Wirkens im Alltag zu erkennen. Für heute Die kleine Wolke erinnert uns daran, dass Gott unsere Armut nicht verachtet. Unsere eigenen Fähigkeiten, unsere Liebe und unser Gebet wirken oft so klein und unbedeutend wie diese Handvoll Dunst am Horizont. Aber in den Händen Gottes reicht diese Winzigkeit aus, um das Angesicht der Erde zu erneuern. Bild: Pexel
von ew 10. Juni 2026
Sir 48, 1–14 Donnerstag, 11. Woche In jenen Tagen 1stand Elíja auf, ein Prophet wie Feuer, sein Wort brannte wie eine Fackel. 2Er ließ über sie eine Hungersnot hereinbrechen und verringerte sie mit seinem Eifer; 3durch das Wort des Herrn verschloss er den Himmel, ebenso ließ er dreimal Feuer herabfallen. 4Wie wurdest du verherrlicht, Elíja, durch deine Wunder! Wer wird sich gleich dir rühmen können? 5Der einen Verstorbenen auferweckt hat vom Tod und aus dem Hades durch ein Wort des Höchsten; 6der Könige in die Vernichtung geführt hat und Berühmte weg von ihrem Lager; 7der am Sínai eine Zurechtweisung hört und am Horeb Urteile der Vergeltung; 8der Könige salbt zur Vergeltung und ihm nachfolgende Propheten; 9der mit einem Wirbelsturm aus Feuer hinwegge nommen wurde in einem Wagen mit feurigen Pferden; 10der aufgeschrieben ist für Zurechtweisungen für künftige Zeiten, um den Zorn vor dem Ausbruch zu besänftigen, um das Herz des Vaters dem Sohn zuzuwenden und um die Stämme Jakobs aufzurichten. 11Selig, die dich gesehen haben und die in Liebe entschlafen sind; denn auch wir werden gewiss leben. 12Elíja – er wurde vom Wirbelsturm verhüllt und Elíscha wurde mit seinem Geist erfüllt; zu seiner Zeit wurde er von keinem Herrscher ins Wanken gebracht und niemand hatte Macht über ihn. 13Kein Wort ging über seine Kraft und noch im Tod hat sein Leib prophezeit. 14In seinem Leben hat er Wunder getan und im Tod waren seine Werke erstaunlich. Ein Prophet wie Feuer, seine Worte waren wie ein brennender Ofen. Manchmal wünschte ich mir wenigstens ein kleiner Elija zu sein. Ich wünschte mir, dass meine Predigtworte, so wie bei Elija, wie ein brennender Ofen die Herzen der Menschen ergreifen würde. Das wäre etwas! Ich wünschte mir, dass ich durch Wunderzeichen die Aufmerksamkeit der Menschen erreichen könnte. Das wäre etwas! Ich wünschte mir, dass ich auch einmal bei einer Veranstaltung durch ein einziges Wort Feuer vom Himmel niederfallen lassen könnte. Das wäre etwas! Ein Prophet wie Feuer, seine Worte waren wie ein brennender Ofen. Wenn ich lese, was Elija oder auch die anderen Propheten an Wunder gewirkt haben, dann werde ich neidisch. Ich staune, welche Wunder die Apostel oder auch so manche Heiligen gewirkt haben, und spüre wieder Neid in meiner Brust. Ein Prophet wie Feuer, seine Worte waren wie ein brennender Ofen. Ich staune, wenn ich manche Bücher lese, die von einer Wiederwiederbelebung einer katholischen Gemeinde berichten. (Divine Renovation - Wenn Gott sein Haus saniert von James Mallon, oder Rebuilt - Die Geschichte einer katholischen Pfarrgemeinde von Michael White). Mir gelingt dies trotz Einsatz aller meiner Kräfte nicht. Alle meine Worte, Predigten und Vorträge haben nicht die Wikrung wie Feuer, sondern scheinen sich wie kalte Luft einfach zu verflüchtigen - und wieder werde ich neidisch. Bild: pexels-photo-6156518 / Laker
von ew 9. Juni 2026
1 Kön 21, 17–29 Dienstag, 11. Woche Elija sagte zu Ahab: Du hast Israel zur Sünde verführt Als Nabot tot war, 17erging das Wort des Herrn an Elíja aus Tischbe: 18Mach dich auf und geh Ahab, dem König von Israel, entgegen, der in Samária seinen Wohnsitz hat! Er ist zum Weinberg Nabots hinabgegangen, um von ihm Besitz zu ergreifen. 19Sag ihm: So spricht der Herr: Hast du gemordet und auch in Besitz genommen? Weiter sag ihm: So spricht der Herr: An der Stelle, wo die Hunde das Blut Nabots geleckt haben, werden Hunde auch dein Blut lecken. 20Ahab sagte zu Elíja: Hast du mich gefunden, mein Feind? Er erwiderte: Ich habe dich gefunden. Weil du dich hergabst, das zu tun, was dem Herrn missfällt, 21werde ich Unheil über dich bringen. Ich werde dich entfernen und von Ahabs Geschlecht alles, was männlich ist, ob unmündig oder mündig, in Israel ausrotten. 22Weil du mich zum Zorn gereizt und Israel zur Sünde verführt hast, werde ich mit deinem Haus verfahren wie mit dem Haus Jeróbeams, des Sohnes Nebats, und mit dem Haus Baschas, des Sohnes Ahíjas. 23Und über Isébel verkündet der Herr: Die Hunde werden Isébel an der Mauer von Jésreël auffressen. 24Wer von der Familie Ahabs in der Stadt stirbt, den werden die Hunde fressen, und wer auf dem freien Feld stirbt, den werden die Vögel des Himmels fressen. 25Es gab in der Tat niemand, der sich wie Ahab hergab zu tun, was böse war in den Augen des Herrn, da seine Frau Isébel ihn verführte. 26Sein Tun war überaus verwerflich; er lief den Götzen nach, ganz so, wie es die Amoríter getan hatten, die der Herr vor den Israeliten vertrieben hatte. 27Als Ahab diese Drohungen hörte, zerriss er seine Kleider, trug ein Bußgewand auf dem bloßen Leib, fastete, schlief im Bußgewand und ging bedrückt umher. 28Da erging das Wort des Herrn an Elíja aus Tischbe: 29Hast du gesehen, wie Ahab sich vor mir gedemütigt hat? Weil er sich vor mir gedemütigt hat, will ich das Unglück nicht schon in seinen Tagen kommen lassen. Erst in den Tagen seines Sohnes werde ich das Unheil über sein Haus bringen. Hast du gemordet und auch noch in Besitz genommen? Dass der Prophet Elija Ahab mit einer Frage statt mit einer bloßen Anklage konfrontiert, ist kein rhetorischer Zufall, sondern eine psychologische Meisterleistung Gottes. Hast du gemordet und auch noch in Besitz genommen? Eine direkte Aussage wie „Du hast gemordet!“ hätte sicher zu einer sofortigen Abwehr und Rechtfertigung Ahabs geführt. Eine Frage hingegen zwingt ihn zu überlegen und nachzudenken. Hast du gemordet und auch noch in Besitz genommen? Ahab hatte sich die Hände ja scheinbar nicht schmutzig gemacht – das war seine Frau Isebel. Ahab hat „nur“ geschwiegen, weggesehen und am Ende profitiert. Die Frage reißt diese Feigenblatt-Ausrede nieder. Sie funktioniert wie ein Spiegel: Ahab muss das Unaussprechliche in Gedanken selbst aussprechen. Er wird gezwungen, der nackten Realität seines Handelns ins Auge zu blicken. Wo bist du, Adam? Wo ist dein Bruder Abel? Im Paradies: „Wo bist du, Adam?“ (Gen 3,9) – Gott stellte eine Frage, nicht weil Gott den Aufenthaltsort nicht wusste, sondern damit Adam seine Entfremdung spürt. Beim ersten Brudermord: „Wo ist dein Bruder Abel? „Was hast du getan?“ (Gen 4,9–10) Kain soll nachdenken und bereuen. Hast du gemordet und auch noch in Besitz genommen? Gott stellt fast nie Fragen, weil er eine Information braucht – er stellt Fragen, um den Menschen zur Selbsterkenntnis zu leiten. Die Frage an Ahab ist der leidenschaftliche Versuch Gottes, das erstorbene Gewissen des Königs ein letztes Mal wachzurütteln. Für heute. Es ist gut, wenn in unserem, Leben Fragen auftauchen. Was soll das Ganze? Wo liegt der Sinn? welcher ist der richtige Weg? So sind wir aufgefordert, tiefer nachzudenken und Antworten zu suchen. Bild: P exels-photo-5428835 / Leelo the First