Zivilcourage

ew • 31. Juli 2026

Jer 26, 11–16.24             Samstag, 17. Woche     

In jenen Tagen 11sagten die Priester und Propheten zu den Beamten und zum ganzen Volk: Jeremía hat den Tod verdient; denn er hat gegen diese Stadt geweissagt, wie ihr mit eigenen Ohren gehört habt. 12Jeremía aber erwiderte allen Beamten und dem ganzen Volk: Der Herr hat mich gesandt, damit ich als Prophet gegen dieses Haus und diese Stadt alle Worte verkünde, die ihr gehört habt. 13Nun also, bessert euer Verhalten und euer Tun und hört auf die Stimme des Herrn, eures Gottes, dass sich der Herr des Unheils gereut, das er euch angedroht hat! 14Siehe, ich selbst bin in eurer Hand; macht mit mir, was ihr für gut und recht haltet! 15Aber ihr sollt wissen: Wenn ihr mich tötet, bringt ihr unschuldiges Blut über euch, über diese Stadt und ihre Einwohner. Denn der Herr hat mich wirklich zu euch gesandt, damit ich euch alle diese Worte in die Ohren rufe. 16Da sagten die Beamten und das ganze Volk zu den Priestern und Propheten: Dieser Mann hat den Tod nicht verdient; denn er hat zu uns im Namen des Herrn, unseres Gottes, geredet. 24Áhikam, der Sohn Schafans, beschützte Jeremía, sodass man ihn nicht dem Volk auslieferte, das ihn töten wollte


13 Nun also, bessert euer Verhalten und euer Tun

Jeremia verteidigt sich nicht mit Ausreden oder Beschwichtigungen. Seine Worte sind ganz klar. Man braucht nicht zwischen den Zeilen zu lesen. Bessert euer Verhalten und euer Tun.


14 Siehe, ich bin in eurer Macht

Jeremia übergibt sich ganz in die Hände seiner Gegner. Jeremia ist innerlich ganz frei geworden. Er möchte nur noch Gott gehören und gehorchen. Genau in diesem Moment, wo alles verloren scheint, regt sich plötzlich das Gewissen seiner Gegner und sie widersprechen dem Todesurteil:


Zivilcourage

Geistlicher Widerstand stirbt nicht leicht. Oft reicht das Zeugnis eines standhaften Menschen aus, um in anderen das vergrabene Gewissen wieder wachzurufen. Ein Einzelner, der versucht, auf Gott zu hören und auf seinen Wegen zu gehen, kann viel bewirken.


Zivilcourage

Oft bricht ein Unrecht nur deshalb so schnell aus, weil alle mitmachen oder schweigen aus Angst. Es braucht meistens nur eine Stimme, die den Mut hat, innezuhalten und zu sagen: "Halt, so geht das nicht." Diese eine Stimme erinnert andere fast augenblicklich an ihr eigenes, verschüttetes Gewissen.


Zivilcourage

Wer nicht zwingend gewinnen oder um jeden Preis recht haben muss, strahlt eine Kraft aus, die andere irritiert und gleichzeitig beeindruckt. Jeremias’ Satz „Siehe, ich selbst bin in eurer Hand; macht mit mir, was ihr für gut und recht haltet!“ ist kein Ausdruck von Schwäche, sondern von seiner inneren Gewissheit, im Auftrag Gottes zu handeln. Er macht sich unangreifbar, weil er seine Würde nicht von der Gunst der Menge abhängig macht, sondern von Gott.


Zivilcourage

Zivilcourage beginnt dort, wo wir es nicht bei der bequemen Anpassung belassen, sondern das Rückgrat haben, für die Wahrheit oder für jemanden einzustehen, der gerade ungerecht behandelt wird.


Für heute

Bitte schwimme nicht mit der Menge, sondern höre auf Gott und zeige Zivilcourage, wenn es darum geht, Gott und seine Kirche zu verteidigen


Bild: pexels-photo-5723318 / Anete Lusina


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tägliche Schriftbetrachtung

von ew 14. September 2026
1 Kor 12, 12-14.27-31a Dienstag, 24. Woche Wie der Leib eine Einheit ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: so ist es auch mit Christus. Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt. Auch der Leib besteht nicht nur aus einem Glied, sondern aus vielen Gliedern. Ihr aber seid der Leib Christi, und jeder einzelne ist ein Glied an ihm. So hat Gott in der Kirche die einen als Apostel eingesetzt, die andern als Propheten, die dritten als Lehrer; ferner verlieh er die Kraft, Wunder zu tun, sodann die Gaben, Krankheiten zu heilen, zu helfen, zu leiten, endlich die verschiedenen Arten von Zungenrede. Sind etwa alle Apostel, alle Propheten, alle Lehrer? Haben alle die Kraft, Wunder zu tun? Besitzen alle die Gabe, Krankheiten zu heilen? Reden alle in Zungen? Können alle solches Reden auslegen? Strebt aber nach den höheren Gnadengaben! Der erste Vers endet irgendwie seltsam. Eigentlich würde ich erwarten, dass Paulus schreibt: So ist es auch mit der Gemeinde. Aber schreibt: Ss ist es auch mit Christus. Was möchte Paulus hiermit sagen? Ihr aber seid der Leib Christi. Christus lebt nicht über den Sternen fern von einer selbstständigen Gemeinde auf der Erde. Die Gemeinde steht nicht nur in einer gewissen Beziehung zu Christus, sie ist sozusagen Christus selbst. Christus ist nicht ein Gegenüber zur Gemeinde, die Gemeinde ist Christus selbst. Ihr aber seid der Leib Christi. Wenn ich die Hostie in der Eucharistiefeier empfange, dann weiß ich, dass dies wirklich der Leib Christi ist. Ich muss noch tiefer betrachten, dass bei der Eucharistiefeier alle, die getauft sind, auch den Leib Christi bilden. Wie zart und ehrfurchtsvoll versuche ich mit der Hostie umzugehen, aber wie grob und unachtsam gehe ich manchmal mit den Menschen um, von denen Paulus sagt, dass sie auch der Leib Christi sind. Ihr aber seid der Leib Christi. Dieses Geheimnis kann man nicht tief genug betrachten. Welche Hoheit, welche Ehre, welche Heiligkeit und welche Würde besitzt auf diesem Hintergrund dann die Gemeinde. Wenn mir ein Gemeindemitglied begegnet, dann begegnet mir Christus - gigantisch! Bild: pexels-photo-31874011 / Helena Jankovičová Kováčová
von ew 14. September 2026
Kor 11, 17-26.33 Montag, 24. Woche Wenn ich schon Anweisungen gebe: Das kann ich nicht loben, dass ihr nicht mehr zu eurem Nutzen, sondern zu eurem Schaden zusammenkommt. Zunächst höre ich, dass es Spaltungen unter euch gibt, wenn ihr als Gemeinde zusammenkommt; zum Teil glaube ich das auch. Denn es muss Parteiungen geben unter euch; nur so wird sichtbar, wer unter euch treu und zuverlässig ist. Was ihr bei euren Zusammenkünften tut, ist keine Feier des Herrenmahls mehr; denn jeder verzehrt sogleich seine eigenen Speisen, und dann hungert der eine, während der andere schon betrunken ist. Könnt ihr denn nicht zu Hause essen und trinken? Oder verachtet ihr die Kirche Gottes? Wollt ihr jene demütigen, die nichts haben? Was soll ich dazu sagen? Soll ich euch etwa loben? In diesem Fall kann ich euch nicht loben. Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis! Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt. Wenn ihr also zum Mahl zusammenkommt, meine Brüder, wartet aufeinander! Wollt ihr jene demütigen, die nichts haben Man kann nicht die Eucharistie feiern und sich an der innigen Gemeinschaft mit Christus freuen, aber zugleich die Schwester oder den Bruder missachten, für welche Christus auch gestorben ist. Mir gefällt was Rainero Cantalamessa in seinem lesenswerten Buch über die Eucharistie schreibt. Wollt ihr jene demütigen, die nichts haben? "Mein Bruder kann mir nicht länger gleichgültig sein, wenn ich Eucharistie feiere; ich kann ihn nicht zurückweisen, ohne Christus selbst zurückzuweisen und so mich selber aus der Einheit herauszulösen. Wer bei der Kommunion vorgäbe, in Liebe zu Christus zu entbrennen, nachdem er gerade einen seiner Brüder gekränkt oder verletzt hat, ohne ihn um Verzeihung zu bitten oder dies wenigstens fest vorzuhaben, gleicht jemandem, der nach langer Zeit einen Freund trifft, sich auf die Zehenspitzen stellt, um ihn auf die Stirn zu küssen und ihm so seine ganze Liebe zu zeigen, dabei aber nicht merkt, dass er ihm gleichzeitig mit seinen Nagelschuhen auf die Füße tritt! Die Füße Jesu sind die Glieder seines Leibes, insbesondere die Ärmsten und Geringsten unter ihnen. Er liebt diese seine Füße und jedem Menschen könnte er zurufen: Du ehrst mich vergebens." Bild: pexels-photo-5583070 / Polina Tankilewtch
von ew 11. September 2026
1 Kor 10, 14-22 Samstag, 23. Woche Liebe Brüder, meidet den Götzendienst! Ich rede doch zu verständigen Menschen; urteilt selbst über das, was ich sage. Ist der Kelch des Segens, über den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi? Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi? Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot. Schaut auf das irdische Israel: Haben die, welche von den Opfern essen, nicht teil am Altar? Was meine ich damit? Ist denn Götzenopferfleisch wirklich etwas? Oder ist ein Götze wirklich etwas? Nein, aber was man dort opfert, opfert man nicht Gott, sondern den Dämonen. Ich will jedoch nicht, dass ihr euch mit Dämonen einlasst. Ihr könnt nicht den Kelch des Herrn trinken und den Kelch der Dämonen. Ihr könnt nicht Gäste sein am Tisch des Herrn und am Tisch der Dämonen. Oder wollen wir die Eifersucht des Herrn wecken? Sind wir stärker als er? Meidet den Götzendienst Ein Götze (im religiösen Sinn) ist im Ursprung eine Götzenstatue, ein Götzenbild oder ein falscher Gott, der anstelle des wahren Gottes angebetet wird. Das Wort „Götze“ klingt nach staubigen Statuen aus vergangenen Jahrtausenden. Meidet den Götzendienst Aber Götzendienst ist aktueller, als wir denken. Alles, was in unserem Leben den ersten Platz einnimmt – sei es Erfolg, Geld, Status oder die Erfüllung eigener Träume …, kann zu einem Götzen werden. Meidet den Götzendienst Paulus bittet uns heute um ein klares Entweder-oder. Man kann nicht mit dem einen Auge nach Christus sehen und mit dem zweiten mit anderen Religionen und Kulten liebäugeln. Meidet den Götzendienst Mache dir bewusst, worauf du deine Hoffnung oder deine Sicherheit stützt. Frage dich: Worüber freue ich mich am meisten? Worüber mache ich mir die größten Sorgen? Daran erkennt man oft, was im Leben den ersten Platz hat. Bild: pexels-photo-33461875. / Orlando S. 
von ew 11. September 2026
1 Kor 9, 16-19.22b-27 Freitag, 23. Woche Wenn ich das Evangelium verkünde, kann ich mich deswegen nicht rühmen; denn ein Zwang liegt auf mir. Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde! Wäre es mein freier Entschluss, so erhielte ich Lohn. Wenn es mir aber nicht frei steht, so ist es ein Auftrag, der mir anvertraut wurde. Was ist nun mein Lohn? Dass ich das Evangelium unentgeltlich verkünde und so auf mein Recht verzichte. Da ich also von niemand abhängig war, habe ich mich für alle zum Sklaven gemacht, um möglichst viele zu gewinnen. Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten. Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an seiner Verheißung teilzuhaben. Wisst ihr nicht, dass die Läufer im Stadion zwar alle laufen, aber dass nur einer den Siegespreis gewinnt? Lauft so, dass ihr ihn gewinnt. Jeder Wettkämpfer lebt aber völlig enthaltsam; jene tun dies, um einen vergänglichen, wir aber, um einen unvergänglichen Siegeskranz zu gewinnen. Darum laufe ich nicht wie einer, der ziellos läuft, und kämpfe mit der Faust nicht wie einer, der in die Luft schlägt; vielmehr züchtige und unterwerfe ich meinen Leib, damit ich nicht anderen predige und selbst verworfen werde. Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde. Jemand, der in meinen Kontakten gespeichert ist, hat vor ganz kurzer Zeit eine WhatsApp-Statusnachricht veröffentlicht. Voller Freude postete er, dass er Nachwuchs bekommen hat. Er und seine Frau haben ein Kind bekommen und seine Freude ist nun riesengroß. Er muss es sofort posten und jedem mitteilen: Er ist Vater geworden! Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde. Wenn ich an Paulus denke, dann kann ich mir gut vorstellen, wie er jedem Menschen, den er traf, voller Freude die Botschaft des Evangeliums verkündete. Ein Zwang lag auf Paulus, die Freude musste raus, die gute Nachricht musste einfach jeder hören. Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde. Ich wünsche mir für die Kirche von heute, dass sie wieder zurückfindet zu einer inneren Freude am Christsein und nicht anders kann, als laut der ganzen Welt die Frohe Botschaft des Evangeliums zu verkünden. Aber die Kirche, so sagt es Mutter Teresa, das bin ich und das bist du. Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde. Also muss ich mich heute fragen (und Du musst dich fragen): Trage ich eine Freude am Evangelium in mir, die so groß ist, dass ich diese gute Botschaft einfach weitergeben muss. Wehe mir, denn ich platze, wenn ich diese Freude nicht an andere weitergebe. Bild: pexels-photo-4330070. / Wendy van Zyl
von ew 10. September 2026
1 Kor 8, 1b-7.11-13 Donnerstag, 23. Woche Die Erkenntnis macht aufgeblasen, die Liebe dagegen baut auf. Wenn einer meint, er sei zur Erkenntnis gelangt, hat er noch nicht so erkannt, wie man erkennen muss. Wer aber Gott liebt, der ist von ihm erkannt. Was nun das Essen von Götzenopferfleisch angeht, so wissen wir, dass es keine Götzen gibt in der Welt und keinen Gott außer dem einen. Und selbst wenn es im Himmel oder auf der Erde so genannte Götter gibt - und solche Götter und Herren gibt es viele -, so haben doch wir nur einen Gott, den Vater. Von ihm stammt alles, und wir leben auf ihn hin. Und einer ist der Herr: Jesus Christus. Durch ihn ist alles, und wir sind durch ihn. Aber nicht alle haben die Erkenntnis. Einige, die von ihren Götzen nicht loskommen, essen das Fleisch noch als Götzenopferfleisch, und so wird ihr schwaches Gewissen befleckt. Der Schwache geht an deiner «Erkenntnis» zugrunde, er, dein Bruder, für den Christus gestorben ist. Wenn ihr euch auf diese Weise gegen eure Brüder versündigt und ihr schwaches Gewissen verletzt, versündigt ihr euch gegen Christus. Wenn darum eine Speise meinem Bruder zum Anstoß wird, will ich überhaupt kein Fleisch mehr essen, um meinem Bruder keinen Anstoß zu geben Liebe baut auf. Zum ersten Mal taucht jetzt das Wort "Liebe" im Kotintherbrief auf; in Kapitel 13 wird Paulus ausführlich darüber reden. Aber jetzt stellt er der Erkenntnis/dem Wissen/dem Intellekt die Liebe entgegen. Nicht jene, die meinen, alles von der Erkenntnis her regeln zu wollen, bauen eine Gemeinde auf, sondern jene, die aus Liebe handeln und das Wohl des anderen suchen. Liebe baut auf. Vielleicht kann man die heutige Lesung auf den Punkt bringen, wenn man sagt: Was für dich richtig ist, kann für deinen Glaubensbruder oder deine Glaubensschwester noch lange nicht richtig sein. Achte darum darauf, was den anderen zum Glauben und zum Leben hilft. Bild: pexels-photo-15959713 / Omran Soliman
von ew 8. September 2026
1 Kor 7, 25-31 Mittwoch, 23. Woche Was die Frage der Ehelosigkeit angeht, so habe ich kein Gebot vom Herrn. Ich gebe euch nur einen Rat als einer, den der Herr durch sein Erbarmen vertrauenswürdig gemacht hat. Ich meine, es ist gut wegen der bevorstehenden Not, ja, es ist gut für den Menschen, so zu sein. Bist du an eine Frau gebunden, suche dich nicht zu lösen; bist du ohne Frau, dann suche keine. Heiratest du aber, so sündigst du nicht; und heiratet eine Jungfrau, sündigt auch sie nicht. Freilich werden solche Leute irdischen Nöten nicht entgehen; ich aber möchte sie euch ersparen. Denn ich sage euch, Brüder: Die Zeit ist kurz. Daher soll, wer eine Frau hat, sich in Zukunft so verhalten, als habe er keine, wer weint, als weine er nicht, wer sich freut, als freue er sich nicht, wer kauft, als würde er nicht Eigentümer, wer sich die Welt zunutze macht, als nutze er sie nicht; denn die Gestalt dieser Welt vergeht. Besser unverheiratet bleiben. Warum aber ist es so? Wo liegt denn der Grund, warum Paulus empfiehlt, unverheiratet zu bleiben? Offensichtlich gab es in der Stadt Korinth auch eine zunehmende Form der Christenverfolgung. Paulus meint darum, dass es besser sei, wegen der bevorstehenden Not unverheiratet zu bleiben. Besser unverheiratet bleiben. Unverheiratet zu bleiben, weil eventuell eine Not, eine Verfolgungszeit kommen könnte, ist zwar ein praktischer, aber kein hinreichender Grund, um ein zölibatäres Leben zu führen. Wenn jemand ein zölibatäres Leben führt, nur weil eine Verfolgungszeit kommen könnte, diese dann aber doch ausbleibt, so hätte er ja sein eheloses Leben umsonst geführt. Besser unverheiratet bleiben. Die einzige Motivation, die über die Jahre hinweg auch trägt und durchhält, sollte nichts anderes sein als die Liebe zu Gott. Gott aus Liebe zu dir schenke ich dir mein Leben ganz. Aus Liebe zu dir möchte ich ganz für dich da sein. Aus Liebe zu dir möchte ich meine Kraft und meine Zeit allein dir schenken. Besser unverheiratet bleiben. Die Haltung des Paulus ist den modernen Menschen fremd, weil wir nicht mehr erahnen, wie schön, wie tief und erfüllend es ist, sich Gott ganz zu schenken. Sich Gott ganz hinzugeben enthält eine Tiefe und einen Glanz, der die irdischen Dinge zwar nicht belanglos, aber zweitrangig macht. Bild: exels-photo-6276729 / Cottonbro studio
von ew 7. September 2026
1 Kor 6, 1-11 Dienstag, 23. Woche Wagt es einer von euch, der mit einem anderen einen Rechtsstreit hat, vor das Gericht der Ungerechten zu gehen statt zu den Heiligen? Wisst ihr denn nicht, dass die Heiligen die Welt richten werden? Und wenn durch euch die Welt gerichtet wird, seid ihr dann nicht zuständig, einen Rechtsstreit über Kleinigkeiten zu schlichten? Wisst ihr nicht, dass wir über Engel richten werden? Also erst recht über Alltägliches. Wie könnt ihr dann jene, die im Urteil der Gemeinde nichts gelten, als Richter einsetzen, wenn ihr einen Rechtsstreit über Alltägliches auszutragen habt? Ich sage das, damit ihr euch schämt. Gibt es denn unter euch wirklich keinen, der die Gabe hat, zwischen Brüdern zu schlichten? Statt dessen zieht ein Bruder den andern vor Gericht, und zwar vor Ungläubige. Ist es nicht überhaupt schon ein Versagen, dass ihr miteinander Prozesse führt? Warum leidet ihr nicht lieber Unrecht? Warum lasst ihr euch nicht lieber ausrauben? Nein, ihr selber begeht Unrecht und Raub, und zwar an Brüdern. Wisst ihr denn nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden? Täuscht euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, weder Ehebrecher noch Lustknaben, noch Knabenschänder, noch Diebe, noch Habgierige, keine Trinker, keine Lästerer, keine Räuber werden das Reich Gottes erben. Und solche gab es unter euch. Aber ihr seid reingewaschen, seid geheiligt, seid gerecht geworden im Namen Jesu Christi, des Herrn, und im Geist unseres Gottes. Beim Lesen des Korintherbriefes enthüllt sich uns das Bild der christlichen Gemeinde jener Stadt und alles, was wir erfahren, gehört wie in einem großen Puzzlespiel zusammen. Alles beginnt damit, dass die Christen in Korinth offensichtlich ihre Einheit verloren haben und Paulus die Gemeinde aufruft, keine Spaltung unter ihnen zu dulden (1 Korinther 1,10). Kurz darauf wurde das Zeichen des Kreuzes von den Korinthern zugunsten einer höheren und besseren Weisheit aus der Mitte gerückt (1 Korinther 1,18). Im dritten Kapitel hören wir bereits, dass Streit und Eifersucht die Gemeinde zerreißen (1 Korinther 3,3). Schließlich wird die Autorität des Paulus, dem sie viel zu verdanken haben, verachtet (1Korinther 3,4). ·Gestern haben wir gelesen, dass die Christen in Korinth sittliche Missstände nicht nur duldeten, sondern sogar noch guthießen (1 Korinther 5,1) ·Da passt es heute gut ins Bild, dass die Christen in Korinth vor weltlichen Gerichten gegeneinander kämpften. Paulus muss in Korinth nicht primär eine Irrlehre bekämpfen. Die Not liegt an einer anderen Stelle. Den Christen in Korinth scheint es mit ihrer eigenen "Weisheit" ganz selbstverständlich, dass Christen miteinander streiten und Prozesse führen. Es geht erneut um das große Thema der „Liebe“ die man unter den Christen in Korinth offensichtlich nicht mehr findet. Der Untergang begann mit der Spaltung der Gemeinde in verschiedene Gruppierungen. Ist die Einheit nicht mehr gegeben, kann der Zerfall einer Gemeinde nur noch schwer aufgehalten werden. Dieses Bild der traurigen Gemeinde in Korinth sollte uns heutigen Christen eine ernste Warnung sein. Bild: : pexels-photo-8693379. / Towfiqu barbhuiya
von ew 6. September 2026
1 Kor 5, 1-8 Montag, 23. Woche Übrigens hört man von Unzucht unter euch, und zwar von Unzucht, wie sie nicht einmal unter den Heiden vorkommt, dass nämlich einer mit der Frau seines Vaters lebt. Und da macht ihr euch noch wichtig, statt traurig zu werden und den aus eurer Mitte zu stoßen, der so etwas getan hat. Was mich angeht, so habe ich - leiblich zwar abwesend, geistig aber anwesend - mein Urteil über den, der sich so vergangen hat, schon jetzt gefällt, als ob ich persönlich anwesend wäre: Im Namen Jesu, unseres Herrn, wollen wir uns versammeln, ihr und mein Geist, und zusammen mit der Kraft Jesu, unseres Herrn, diesen Menschen dem Satan übergeben zum Verderben seines Fleisches, damit sein Geist am Tag des Herrn gerettet wird. Zu Unrecht rühmt ihr euch. Wisst ihr nicht, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert? Schafft den alten Sauerteig weg, damit ihr neuer Teig seid. Ihr seid ja schon ungesäuertes Brot; denn als unser Paschalamm ist Christus geopfert worden. Lasst uns also das Fest nicht mit dem alten Sauerteig feiern, nicht mit dem Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit den ungesäuerten Broten der Aufrichtigkeit und Wahrheit Übrigens hört man von Unzucht unter euch. Paulus sagt nicht, dass jemand seine Mutter geheiratet hat, sondern dass jemand mit der Frau seines Vaters lebt. Wahrscheinlich ist also, dass Paulus hier die Stiefmutter meint, die auch altersmäßig dem Sohn näherstehen konnte. Es handelt sich bei dem ganzen Vorgang nicht um eine Sünde im erotischen Rausch. Hier hat ein Mann bewusst mit seiner Stiefmutter die Ehe geschlossen. Und da macht ihr euch noch wichtig. Von der Frau und von dem Mann wird überhaupt nicht gesprochen, sondern von der Gemeinde und ihrem Verhalten. Die Gemeinde der Christen sieht und empfindet nämlich die Schwere der Sünde nicht mehr. Grobe sittliche Missstände werden in Korinth stillschweigend geduldet. Die Christen in Korinth waren tolerant und haben alles zugelassen. Sie waren offen für jedwede Form der Lebenspartnerschaft und vermutlich waren sie auch noch stolz auf diese Haltung. Paulus sagt (mit Kopfschütteln): Ihr macht euch auch noch wichtig. Zu Unrecht rühmt ihr euch. Wer heute nicht tolerant ist und alle möglichen Lebensentwürfe akzeptiert und für gutheißt, bekommt den vollen Druck der Gesellschaft, aber auch so mancher christlicher Freidenker ab. Vielleicht werden spätere Generationen über unsere Zeit ein anderes Urteil fällen, als wir es im Moment gerade tun. Vielleicht werden unsere Nachkommen aber auch einmal sagen: zu Unrecht habt ihr alles toleriert. Zu Unrecht wart ihr stolz auf eure Offenheit. Bild: pexels-photo-11587594 / Olena B ohovyk
von ew 4. September 2026
1 Kor 4, 6b-15 Samstag, 22. Woche Damit ihr an uns lernt, dass der Grundsatz gilt: «Nicht über das hinaus, was in der Schrift steht», dass also keiner zugunsten des einen und zum Nachteil des andern sich wichtig machen darf. Denn wer räumt dir einen Vorrang ein? Und was hast du, das du nicht empfangen hättest? Wenn du es aber empfangen hast, warum rühmst du dich, als hättest du es nicht empfangen? Ihr seid schon satt, ihr seid schon reich geworden, ohne uns seid ihr zur Herrschaft gelangt. Wäret ihr doch nur zur Herrschaft gelangt! Dann könnten auch wir mit euch zusammen herrschen. Ich glaube nämlich, Gott hat uns Apostel auf den letzten Platz gestellt, wie Todgeweihte; denn wir sind zum Schauspiel geworden für die Welt, für Engel und Menschen. Wir stehen als Toren da um Christi willen, ihr dagegen seid kluge Leute in Christus. Wir sind schwach, ihr seid stark; ihr seid angesehen, wir sind verachtet. Bis zur Stunde hungern und dürsten wir, gehen in Lumpen, werden mit Fäusten geschlagen und sind heimatlos. Wir plagen uns ab und arbeiten mit eigenen Händen; wir werden beschimpft und segnen; wir werden verfolgt und halten stand; wir werden geschmäht und trösten. Wir sind sozusagen der Abschaum der Welt geworden, verstoßen von allen bis heute. Nicht um euch bloßzustellen, schreibe ich das, sondern um euch als meine geliebten Kinder zu ermahnen. Hättet ihr nämlich auch ungezählte Erzieher in Christus, so doch nicht viele Väter. Denn in Christus Jesus bin ich durch das Evangelium euer Vater geworden. Ihr seid schon satt, ihr seid schon reich geworden. Paulus klingt heute sehr sarkastisch, wenn er in der Lesung zu den Christen in Korinth sagt: „Ihr seid schon satt. Ihr seid schon reich. Ihr seid zur Herrschaft gelangt." Paulus möchte die Christen nicht beleidigen oder sich über sie lustig machen, aber er möchte ihnen bewusstmachen, wie egoistisch und selbstherrlich sie miteinander umgehen. Ihr seid schon satt, ihr seid schon reich geworden. Manche sind so sehr von sich selbst überzeugt, dass andere Meinungen kaum eine Chance haben. Es sind ehrenwerte und verdienstvolle Leute, die sich schon über viele Jahre hinweg für die Gemeinde eingesetzt haben. Sie sind stolz auf ihre Leistungen. Sie lassen sich gerne in der Öffentlichkeit ehren, aber wehe, man vergisst ein einziges Mal, ihnen zum Geburtstag zu gratulieren. Ihr seid schon satt, ihr seid schon reich geworden. Was Paulus schreibt, ist keine Beschreibung einer alten Vergangenheit, sondern manchmal traurige Gegenwart. Bild: pexels-photo-7594637 / Pavel Danilyok
von ew 3. September 2026
1 Kor 4, 1-5 Freitag, 22. Woche Als Diener Christi soll man uns betrachten und als Verwalter von Geheimnissen Gottes. Von Verwaltern aber verlangt man, dass sie sich treu erweisen. Mir macht es allerdings nichts aus, wenn ihr oder ein menschliches Gericht mich zur Verantwortung zieht; ich urteile auch nicht über mich selbst. Ich bin mir zwar keiner Schuld bewusst, doch bin ich dadurch noch nicht gerecht gesprochen; der Herr ist es, der mich zur Rechenschaft zieht. Richtet also nicht vor der Zeit; wartet, bis der Herr kommt, der das im Dunkeln Verborgene ans Licht bringen und die Absichten der Herzen aufdecken wird. Dann wird jeder sein Lob von Gott erhalten. Verwalter von Geheimnissen Gottes. Wenn Paulus in 1. Korinther 4 sagt, wir seien „Verwalter von Gottes Geheimnissen“, stolpert man im Grunde schon über das erste Wort. Normalerweise verwaltet man Dinge, die greifbar sind: Geld, Immobilien, Termine oder Akten. Aber wie bitteschön soll man ein Geheimnis verwalten? Verwalter von Geheimnissen Gottes. Dem Verwalter von Geheimnissen Gottes ist Verantwortung übertragen. Er muss etwas bewahren, um es später an andere weitergeben zu können. Der Verwalter von göttlichen Geheimnissen muss etwas weitergeben, was größer ist als sein Verstand. Verwalter von Geheimnissen – Geheimnis des Glaubens In jeder Eucharistiefeier wiederhole ich unmittelbar nach der Wandlung den Satz. Geheimnis des Glaubens. Die Hl. Messe, aber auch die Feier aller Sakramente, sind Geheimnisse, die ich verwalten darf. Von Verwaltern aber verlangt man, dass sie sich treu erweisen. Paulus fügt in Vers 2 direkt hinzu: „Von einem Verwalter wird nur verlangt, dass er treu befunden wird.“ Das ist eine unglaubliche Entlastung. Es wird von mir nicht verlangt, dass ich das Geheimnis restlos erklären muss. Das Einzige, was verlangt wird, ist die Treue im Verwalten des Geheimnisses. Von Verwaltern aber verlangt man, dass sie sich treu erweisen. Darum feiere ich die Hl. Messe so, wie sie mir die Kirche vorgibt, zu feiern. Das habe ich dem Bischof bei der Priesterweihe am 19.5.1996 und damit natürlich auch Gott versprochen. Die Liturgie ist nicht mein Eigentum, das ich nach Belieben formen könnte, sondern das Eigentum der Kirche und des Herrn. Ich könnte nicht mehr in den Spiegel schauen, wenn ich hier untreu würde. Bild: pexels-photo-9841932. / Anton Kudryhashof