Philiper
Phil 1, 1-11 Freitag, 30. Woche
1Paulus und Timotheus, Knechte Christi Jesu, an alle Heiligen in Christus Jesus, die in Philippi sind, mit ihren Bischöfen und Diakonen. 2Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. 3Ich danke meinem Gott jedes Mal, wenn ich an euch denke; 4immer, wenn ich für euch alle bete, tue ich es mit Freude 5und danke Gott dafür, dass ihr euch gemeinsam für das Evangelium eingesetzt habt vom ersten Tag an bis jetzt. 6Ich vertraue darauf, dass er, der bei euch das gute Werk begonnen hat, es auch vollenden wird bis zum Tag Christi Jesu. 7Es ist nur recht, dass ich so über euch alle denke, weil ich euch ins Herz geschlossen habe. Denn ihr alle habt Anteil an der Gnade, die mir durch meine Gefangenschaft und die Verteidigung und Bekräftigung des Evangeliums gewährt ist. 8Gott ist mein Zeuge, wie ich mich nach euch allen sehne mit der herz-lichen Liebe, die Christus Jesus zu euch hat. 9Und ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher an Einsicht und Verständnis wird, 10damit ihr beurteilen könnt, worauf es ankommt. Dann werdet ihr rein und ohne Tadel sein für den Tag Christi, 11reich an der Frucht der Gerechtigkeit, die Jesus Christus gibt, zur Ehre und zum Lob Gottes.
Phil 1, 18b-26 Samstag, 30. Woche
18bAuf jede Weise, ob in unlauterer oder lauterer Absicht, wird Christus verkündigt, und darüber freue ich mich. Aber ich werde mich auch in Zukunft freuen. 19Denn ich weiß: Das wird zu meiner Rettung führen durch euer Gebet und durch die Hilfe des Geistes Jesu Christi. 20Darauf warte und hoffe ich, dass ich in keiner Hinsicht beschämt werde, dass vielmehr Christus in aller Öffentlichkeit - wie immer, so auch jetzt - durch meinen Leib verherrlicht wird, ob ich lebe oder sterbe. 21Denn für mich ist Chris-tus das Leben, und Sterben Gewinn. 22Wenn ich aber weiterleben soll, bedeutet das für mich fruchtbare Arbeit. Was soll ich wählen? Ich weiß es nicht. 23Es zieht mich nach beiden Seiten: Ich sehne mich danach, aufzu-brechen und bei Christus zu sein - um wie viel besser wäre das! 24Aber euretwegen ist es notwendiger, dass ich am Leben bleibe. 25Im Vertrauen darauf weiß ich, dass ich bleiben und bei euch allen ausharren werde, um euch im Glauben zu fördern und zu erfreuen, 26damit ihr euch in Christus Jesus umso mehr meiner rühmen könnt, wenn ich wieder zu euch komme.
Phil 2, 1-4 Montag, 31. Woche
Wenn es Ermahnung in Christus gibt, Zuspruch aus Liebe, eine Gemeinschaft des Geistes, herzliche Zuneigung und Erbarmen, dann macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, einander in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig, dass ihr nichts aus Ehrgeiz und nichts aus Prahlerei tut. Sondern in Demut schätze einer den andern höher ein als sich selbst. Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen.
Einander in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig.
Wenn man diese Zeilen liest, dann spürt man richtig, wie Paulus um die Einheit, die volle und die tiefe Einheit, der Gemeinde in Philippi ringt.
Wie beschämt muss unsere zerklüftete Kirche lesen, wie sehr es Paulus auf die wirkliche und gelebte Einheit einer Gemeinde ankam.
Einander in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig.
In Joh 15,2 lesen wir: Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten.
Vielleicht erfüllen sich unsere Bitten so selten, weil wir nicht in der Einheit mit dem Herrn und noch viel weniger in der Einheit mit dem Bruder und der Schwester in unseren Gemeinden stehen.
Einander in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig.
Die Dinosaurier sind vor vielen Jahrtausenden ausgestorben, weil ihnen das natürliche Futter, die natürliche Nahrungsquelle ausgegangen ist. Wir erleben heute so wenig Wunder und Gebetserhöhungen, weil die natürliche Grundlage hierfür, einträchtige Liebe, nicht mehr gegeben ist.
Einander in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig.
Unsere Gesellschaft lebt nach der Devise: Jeder denkt an sich, nur ich denke an mich.
Heute habe ich die Gelegenheit dies zu ändern und in Demut all jene die mir begegnen höher einzuschätzen als mich selbst.
Phil 2, 5-11 Dienstag, 31. Woche
Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht: Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: „Jesus Christus ist der Herr“ - zur Ehre Gottes, des Vaters.
Er entäußerte sich.
Man könnte diesen Hymnus noch weiterschreiben und sagen: Er wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich - und - er wurde sogar den Dingen gleich!! Gott hat sich entäußert zuerst in einen Menschen. Er hat sich dann aber noch viel weiter entäußert. Gott hat sich entäußert in eine tote Sache, in ein Stückchen Brot hinein. In der Eucharistie begegnen wir Gott, der sich so weit entäußert, dass wir ihn als Brot essen können. Weiter kann man sich nicht entäußern, als in eine tote Sache, mit der wir machen können, was wir wollen.
Er entäußerte sich.
Als Mensch konnte Jesus noch weggehen, als sie ihn den Abhang hinunter-stürzen wollten. Aber in der Hostie liefert sich Gott den Menschen völlig schutzlos aus.
Gott möchte sich ganz für uns dahingegeben, er entzieht sich selbst der Möglichkeit sich in irgendeiner Form noch wehren zu können, er vertraut uns blind. Gott hat sich selbst die Hände gebunden und sagt zu uns: Tu mit mir was du willst, ich gebe mich dir hin. Ganz!
Er entäußerte sich
Wenn ich mich nur auch so Gott hingeben könnten. Ganz!
Phil 2, 12-18 Mittwoch, 31. Woche
Liebe Brüder - ihr wart ja immer gehorsam, nicht nur in meiner Gegen-wart, sondern noch viel mehr jetzt in meiner Abwesenheit -: müht euch mit Furcht und Zittern um euer Heil! Denn Gott ist es, der in euch das Wollen und das Vollbringen bewirkt, noch über euren guten Willen hin-aus. Tut alles ohne Murren und Bedenken, damit ihr rein und ohne Tadel seid, Kinder Gottes ohne Makel mitten in einer verdorbenen und verwirrten Generation, unter der ihr als Lichter in der Welt leuchtet. Haltet fest am Wort des Lebens, mir zum Ruhm für den Tag Christi, damit ich nicht vergeblich gelaufen bin oder mich umsonst abgemüht habe. Wenn auch mein Leben dargebracht wird zusammen mit dem Opfer und Gottesdienst eures Glaubens, freue ich mich dennoch, und ich freue mich mit euch allen. Ebenso sollt auch ihr euch freuen; freut euch mit mir
Ihr wart ja immer gehorsam.
Für Paulus gehören Glauben und Gehorsam zusammen. Man kann beide Worte in der meinen Begriff „Glaubensgehorsam“ zusammenbringen. Der-jenige der glaubt vertraut dem, dem man nur gehorchend vertrauen kann.
Ihr wart ja immer gehorsam.
Wir Heutigen haben jedoch allen Grund hier aufzuhorchen! Wir sind durch eine einseitige Verkündigung daran gewöhnt, dass im Christentum alles nur noch ein Geschenk und alles nur noch Gnade ist. Wir verbinden eine Nach-folge Jesu mit Gefühlen und Stimmungen. Die Religion soll uns erbauen und erheben und uns in schwerer Zeit Trost zusprechen.
Ihr wart ja immer gehorsam.
Es fällt uns schwer für eine solch nüchterne und harte Sache wie „Gehorsam“ aufgeschlossen zu sein. Hier müssen wir ein in der Gemeinde tief eingewurzeltes falsches Denken überwinden. Glauben hat auch etwas mit "Gehorchen" zu tun. Wer an Christus glaubt, muss auch Christus gehorchen. Ich muss aber auch der Kirche gehorchen, die nichts anderes als der mystische Leib Jesu ist.
(vgl.: Werner de Boor, Wuppertaler Studienbibel)
Phil 3, 3-8a Donnerstag, 31. Woche
Die Beschnittenen sind wir, die wir im Geist Gottes dienen und uns in Christus Jesus rühmen und nicht auf irdische Vorzüge vertrauen, obwohl ich mein Vertrauen auch auf irdische Vorzüge setzen könnte. Wenn ein anderer meint, er könne auf irdische Vorzüge vertrauen, so könnte ich es noch mehr. Ich wurde am achten Tag beschnitten, bin aus dem Volk Isra-el, vom Stamm Benjamin, ein Hebräer von Hebräern, lebte als Pharisäer nach dem Gesetz, verfolgte voll Eifer die Kirche und war untadelig in der Gerechtigkeit, wie sie das Gesetz vorschreibt. Doch was mir damals ein Gewinn war, das habe ich um Christi Willen als Verlust erkannt. Ja noch mehr: ich sehe alles als Verlust an, weil die Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, alles übertrifft.
Was mir damals ein Gewinn war, das habe ich um Christi Willen als Verlust erkannt.
Wir missverstehen diesen Satz von Paulus gewöhnlich und nehmen ihm dadurch auch seine eigentliche Schärfe und Tiefe. Wir kennen ja nur die Bekehrung der Sünder. Wir denken darum bei dem, was als „Gewinn“ und „Verlust“ gehalten wird an irdische, sündhafte Verhaltensweisen und Ge-nüsse, mit dem der Christ zu brechen hat.
Was mir damals ein Gewinn war, das habe ich um Christi Willen als Verlust erkannt.
Es ist aber bei weitem nicht so, dass alle Freuden der Welt automatisch schlecht und sündhaft seien, aber doch verlieren sie im Lichte Christi ihr Gewicht. Das Leben mit Christus ist so total anders, so neu und so herrlich, dass alle irdischen Werte dagegen verblassen. Die weltlichen Genüsse wirken fad im Vergleich zur inneren Freude und Freiheit die eine Nachfolge in Christus schenkt.
Was mir damals ein Gewinn war, das habe ich um Christi Willen als Verlust erkannt.
Vor einiger Zeit erzählte mir eine Ordensschwester über ihre Beweggründe, als junge Frau einem Orden beizutreten. Sie sagte sinngemäß:
Damals suchte ich nach Freiheit. Ich war in einer guten Ausbildung und ich fuhr leidenschaftlich gerne mit meinem Motorrad durch die Gegend. Aber auch das Motorradfahren brachte mir keine wirkliche innere Freiheit. Erst als ich mich dazu durchringen konnte, Gott mein Leben ganz als Ordens-schwester zu schenken war ich plötzlich innerlich völlig frei.
Was mir damals ein Gewinn war, das habe ich um Christi Willen als Verlust erkannt.
Es ist mir wichtig zu betonen, dass die Freuden und die Vergnügungen dieser Welt nicht schlecht oder sündhaft sind. Das, was Jesus schenkt, ist jedoch tiefer und macht im Grunde des Herzens einen Menschen freier als alle Vergnügungen der Welt.
Was mir damals ein Gewinn war, das habe ich um Christi Willen als Verlust erkannt.
Ahnen wir Christen von heute überhaupt noch etwas von dieser Größe und Einzigartigkeit Jesu?
Phil 3, 17 - 4, 1 Freitag, 31. Woche
Ahmt auch ihr mich nach, Brüder, und achtet auf jene, die nach dem Vorbild leben, das ihr an uns habt. Denn viele - von denen ich oft zu euch gesprochen habe, doch jetzt unter Tränen spreche - leben als Feinde des Kreuzes Christi. Ihr Ende ist das Verderben, ihr Gott der Bauch; ihr Ruhm besteht in ihrer Schande; Irdisches haben sie im Sinn. Unsere Heimat aber ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter, der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes, in der Kraft, mit der er sich alles unterwerfen kann. Darum, meine geliebten Brüder, nach denen ich mich sehne, meine Freude und mein Ehrenkranz, steht fest in der Gemeinschaft mit dem Herrn, liebe Brüder.
Ahmt auch ihr mich nach.
Auch in diesem Abschnitt geht es um das, was den ersten Christen ganz anders wichtig war, als es uns katholischen Christen meist ist: um einen Wandel, um das tatsächlich gelebte Christentum. Besonders in der Deut-schen Kirche hat der eigentümlich akademische Zug dazu geführt, dass man nur danach strebte eine hohe „Professorentheologie“ zu lehren. Ob jemand der sagte: „Ich glaube“, auch wirklich dem Herrn sein Herz gegeben hat, war eher zweitrangig.
Ahmt auch ihr mich nach.
Paulus gibt der Gemeinde als Richtschnur nicht ein Lehrschreiben, oder ein kleines Kompendium der christlichen Ethik mit auf den Weg, sondern Personen als anschauliches und lebendiges Beispiel. Die wenigsten Menschen sind „Büchermenschen“. Aber unvergessen bleibt es dem Kind bis ins Alter und bis in seine hohe Lebensstellung hinein, wie seine einfache Mutter oder Großmutter glaubte, betete, handelte und litt.
Ahmt auch ihr mich nach.
Der Typus eines Christen muss anschaulich vor uns stehen. In unserer kompliziert gewordenen Welt wird nicht mehr die Predigt des Theologen, sondern nur das Vorbild eines Christen zeigen können, wie man in schwierigen Verhältnissen als Christ zu stehen und zu leben vermag.
(vgl.: Werner de Boor, Wuppertaler Studienbibel)
Phil 4, 10-19 Samstag, 31. Woche
Ich habe mich im Herrn besonders gefreut, dass ihr eure Sorge für mich wieder einmal entfalten konntet. Ihr hattet schon daran gedacht, aber es fehlte euch die Gelegenheit dazu. Ich sage das nicht, weil ich etwa Man-gel leide. Denn ich habe gelernt, mich in jeder Lage zurechtzufinden: Ich weiß Entbehrungen zu ertragen, ich kann im Überfluss leben. In jedes und alles bin ich eingeweiht: in Sattsein und Hungern, Überfluss und Entbehrung. Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt. Trotzdem habt ihr recht daran getan, an meiner Bedrängnis teilzunehmen. Ihr wisst selbst, ihr Philipper, dass ich beim Beginn der Verkündigung des Evangeliums, als ich aus Mazedonien aufbrach, mit keiner Gemeinde durch Geben und Nehmen verbunden war außer mit euch und dass ihr mir in Thessalonich und auch sonst das eine und andere Mal etwas geschickt habt, um mir zu helfen. Es geht mir nicht um die Gabe, es geht mir um den Gewinn, der euch mit Zinsen gutgeschrieben wird. Ich habe alles empfangen und habe jetzt mehr als genug. Mir fehlt nichts mehr, seit ich von Epaphroditus eure Gaben erhielt, ein schönes Opfer, eine angenehme Opfergabe, die Gott gefällt. Mein Gott aber wird euch durch Christus Jesus alles, was ihr nötig habt, aus dem Reichtum seiner Herrlichkeit schenken.
Es geht mir nicht um die Gabe.
Paulus bedankt sich für eine Gabe, die ihm die Gemeinde zu seiner persönlichen Unterstützung geschickt hat. Paulus hatte es eigentlich abgelehnt sich von den Gemeinden finanziell unterhalten zu lassen. Nur den Philip-pern erlaubte er es eine Rechnung für die erbrachte Predigerarbeit in der Gemeinde aufzumachen.
Es geht mir nicht um die Gabe.
In der Regel jedoch erarbeitete er sich seinen Lebensunterhalt mit der Arbeit seiner eigenen Hände. Ich stelle mir vor, dass zum Dienst des Paulus auch Entbehrungen, Armut und Leiden gehörten. In Vers 11 dringt dies ja deutlich durch, er hatte keine gesicherte Einkunft, so wie die Pfarrer in unseren Tagen in Deutschland.
Es geht mir nicht um die Gabe.
Aber in anderen Ländern sieht das schon wieder anders aus. Philipp Omenukwa, ein Priester aus Nigeria der schon seit Jahren als Ferienvertreter zu uns kommt, arbeitet als Dr. Dr. an einer Universität in Nigeria. Sein monatliches Einkommen beträgt umgerechnet gerade einmal 80 € was für eine Tankfüllung Sprit genügt.
Es geht mir nicht um die Gabe.
Die deutsche Kirche ist immer noch eine sehr reiche Kirche und ich bin dankbar, dass durch unzählige Projekte die ärmeren Brüder und Schwestern in der ganzen Welt unterstützt werden können. Das Kirchensteuer System in Deutschland hilft nicht nur uns, sondern auch jenen die auf Hilfe angewiesen sind.


