Die Blume im Gras

ew • 27. Mai 2026

Petr 1, 18–25    Mittwoch, 8. Woche

18Ihr wisst, dass ihr aus eurer nichtigen, von den Vätern ererbten Lebensweise nicht um einen vergänglichen Preis losgekauft wurdet, nicht um Silber oder Gold, 19sondern mit dem kostbaren Blut Christi, des Lammes ohne Fehl und Makel. 20Er war schon vor Grundlegung der Welt dazu ausersehen und euretwegen ist er am Ende der Zeiten erschienen. 21Durch ihn seid ihr zum Glauben an Gott gekommen, der ihn von den Toten auferweckt und ihm die Herrlichkeit gegeben hat, sodass ihr an Gott glauben und auf ihn hoffen könnt. 22Der Wahrheit gehorsam, habt ihr euer Herz rein gemacht für eine aufrichtige geschwisterliche Liebe; darum hört nicht auf, einander von Herzen zu lieben. 23Ihr seid neu gezeugt worden, nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen: durch Gottes Wort, das lebt und das bleibt. 24Denn: Alles Sterbliche ist wie Gras und all seine Schönheit ist wie die Blume im Gras. Das Gras verdorrt und die Blume verwelkt; 25doch das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit. Dies aber ist das Wort, das euch als frohe Botschaft verkündet worden ist.


Die gestrige Lesung endete mit Vers 16, die heutige beginnt mit Vers 18. Ich frage mich, warum man Vers 17 aus der Leseordnung gestrichen hat.


Die Blume im Gras

Die Lesung spricht hier treffend von der Schönheit, die wie eine Blume abfällt. Alles, worauf wir oft so stolz sind – Jugend, Erfolg, Besitz, Einfluss –, ist flüchtig wie eine Sommerwiese. Die Blume vergeht – Gottes Wort nicht. Menschen ändern sich, Gefühle schwanken, Sicherheiten brechen weg. Doch Gottes Zusage bleibt bestehen. Petrus verbindet das mit der Wiedergeburt des Menschen: Christen leben nicht nur aus dem, was vergeht, sondern aus etwas, das Bestand hat.


Die Blume im Gras

Das Bild der verblühenden Blume kann deshalb auch tröstlich sein. Es erinnert daran, dass wir unsere Hoffnung nicht an Dinge hängen müssen, die zwangsläufig vergehen. Nicht Leistung, Schönheit oder Erfolg tragen letztlich das Leben, sondern Gottes bleibendes Wort und seine Liebe.


Vielleicht liegt darin die eigentliche Schönheit der Blume im Gras:

Sie blüht nur kurz – aber sie verweist auf den, der ewig ist.


Bild: Pexel / Thomas Mengwasser

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tägliche Schriftbetrachtung

von ew 11. Juli 2026
Samstag, 14 Woche Jes 6, 1-8 Im Todesjahr des Königs Usíja, da sah ich den Herrn auf einem hohen und erhabenen Thron sitzen und die Säume seines Gewandes füllten den Tempel aus. 2Sérafim standen über ihm. Sechs Flügel hatte jeder: Mit zwei Flügeln bedeckte er sein Gesicht, mit zwei bedeckte er seine Füße und mit zwei flog er. 3Und einer rief dem anderen zu und sagte: Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen. Erfüllt ist die ganze Erde von seiner Herrlichkeit. 4Und es erbebten die Türzapfen in den Schwellen vor der Stimme des Rufenden und das Haus füllte sich mit Rauch.5Da sagte ich: Weh mir, denn ich bin verloren. Denn ein Mann unreiner Lippen bin ich und mitten in einem Volk unreiner Lippen wohne ich, denn den König, den Herrn der Heerscharen, haben meine Augen gesehen.6Da flog einer der Sérafim zu mir und in seiner Hand war eine glühende Kohle, die er mit einer Zange vom Altar genommen hatte. 7Er berührte damit meinen Mund und sagte: Siehe, dies hat deine Lippen berührt, so ist deine Schuld gewichen und deine Sünde gesühnt. 8Da hörte ich die Stimme des Herrn, der sagte: Wen soll ich senden? Wer wird für uns gehen? Ich sagte: Hier bin ich, sende mich! Nachdem wir die ganze Woche über Abschnitte aus dem Buch des Propheten Hosea betrachtet haben gehen wir nun zum Propheten Jesaja über. Die Lesung aus Jesaja 6 beschreibt seine Berufung und bildet einen perfekten, Auftakt für die Jesaja-Lesungen der kommenden Woche. Heilig, Heilig, Heilig, Jesaja war der erste Mensch der das Sanctus hören durfte. Unzählige Musiker haben später dieses Drei Mal Heilig vertont. In jeder Heiligen Messe singen wir das „Heilig unmittelbar vor der Wandlung Genauer gesagt besteht das Sanctus aus zwei biblischen Quellen: Der erste Teil stammt direkt aus Jesaja 6, 3: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen. Erfüllt ist die ganze Erde von seiner Herrlichkeit.“ Der zweite Teil („Hosanna in der Höhe...“) stammt aus dem Neuen Testament (Mt 21, 9), dem Ruf der Menschen beim Einzug Jesu in Jerusalem. Wenn wir in jeder Messe das Sanctus singen oder sprechen, tun wir im Grunde genau das, was Jesaja im Tempel sah: Wir stimmen ein in den ewigen Lobgesang der Engel vor dem Thron Gottes Bild: pexels-photo-16948153 / Vladimir Sreijber 
von ew 10. Juli 2026
Hos 14, 2-10 Freitag, 14 Woche So spricht der Herr: 2Kehr um, Israel, zum Herrn, deinem Gott! Denn du bist zu Fall gekommen durch deine Schuld. 3Nehmt Worte der Reue mit euch, kehrt um zum Herrn und sagt zu ihm: Nimm alle Schuld hinweg und nimm an, was gut ist: Anstelle von Stieren bringen wir dir unsere Lippen dar. 4Assur kann uns nicht retten, wir wollen nicht mehr auf Pferden reiten und zum Machwerk unserer Hände sagen wir nie mehr: Unser Gott. Denn nur bei dir findet ein Waisenkind Erbarmen. So spricht der Herr: 5Ich will ihre Untreue heilen und sie aus freiem Willen wieder lieben. Denn mein Zorn hat sich von Israel abgewandt. 6Ich werde für Israel da sein wie der Tau, damit es sprosst wie die Lotusblüte und seine Wurzeln schlägt wie der Líbanon. 7Seine Zweige sollen sich ausbreiten, sodass seine Pracht wie die des Ölbaums wird und sein Duft wie der des Líbanon. 8Die in seinem Schatten wohnen, bauen wieder Getreide an und sie sprossen wie der Weinstock, dessen Wein so berühmt ist wie der Wein vom Líbanon. 9Éfraim, was habe ich noch mit den Götzen zu tun? Ich, ja, ich habe ihm geantwortet und achte auf ihn: Ich bin wie der grünende Wacholder, an mir findest du reiche Frucht. 10Wer weise ist, begreife dies alles, wer klug ist, erkenne es. Ja, die Wege des Herrn sind gerade; die Gerechten gehen auf ihnen, Ich habe den Eindruck, als ob Hosea hier einen Menschen beschreibt, der zur Beichte geht. Man erkennt Schritt für Schritt den Weg eines Menschen, der die Versöhnung mit Gott wieder sucht. Vers 2: Denn du bist gestürzt. Der Weg zur Beichte beginnt damit, dass ein Mensch erkennt, dass er gestürzt ist. Der Mensch realisiert: Ich bin gefallen und liege am Boden. Er erforscht sein Gewissen und fragt sich, warum dies gekommen ist. Vers 3: Worte der Reue Der Mensch bereut seine Tat. Wenn wir Reue empfinden, blicken wir zurück und wünschen uns, wir hätten uns in einer bestimmten Situation anders verhalten, Vers 3: sagt zu ihm. Die Sünde flüstert uns oft zu: Mach das mit dir selbst aus. Gott aber fordert uns auf, Worte zu finden und unsere Schuld auch auszusprechen. Vers 3: Nimm alle Schuld weg Wer beichtet, weiß, dass er sich nicht selbst lossprechen kann. Er bittet Gott darum, die Schuld zu vernichten. Vers 4: Wir wollen nicht mehr auf Pferden reiten. Ein gültiges Sakrament verlangt den guten Vorsatz. Wer beichtet, braucht den festen Willen, die Sünde und ihre Gelegenheiten künftig zu meiden. Vers 4: Assur, Pferde und das Machwerk unserer Hände In der Beichte sollten wir uns unserer Hautversuchungen bewusst sein. Assur steht für die fremde Macht, die mich kontrolliert und bestimmt. Flucht in Ablenkungen, Süchte, Abhängigkeiten. Pferde stehen für die militärische/eigene Kraft: Da ist der Stolz und der Irrglaube, man brauche Gott nicht, um gerettet zu werden. Das Werk der Hände steht für den Götzendienst: Karriere, Besitz, Geld … Vers 5: Ich will ihre Untreue heilen. Bei Hosea in der Lesung sagt Gott: Ich will ihre Untreue heilen und sie bereitwillig lieben. In der Beichte spricht Gott durch den Priester zum Beichtenden: "Ich spreche dich los von deinen Sünden". Das Sakrament der Beichte heilt Wunden, die ich mir durch meine Sünden selbst zugefügt habe. Vers 6: Ich werde für Israel da sein wie der Tau Der Tau kommt leise in der Stille der Nacht. Die Gnade, die das Bußsakrament schenkt, entfaltet ihre Wirkung auch oft in der Stille. Nach einer Zeit merke ich, wie die Kraft der Versuchung schwindet und der Heilungsprozess eintritt. Vers 10: Die Wege des Herrn. An die beichte schließt sich der Vorsatz an: Ich will nun auf den Wegen des Herrn gehen. Bild: Edgar Wunsch
von ew 8. Juli 2026
Hos 11, 1-4. 8c-9 Donnerstag, 14 Woche So spricht der Herr: 1Als Israel jung war, gewann ich ihn lieb, ich rief meinen Sohn aus Ägypten. 2Je mehr man sie rief, desto mehr liefen sie vor den Rufen weg: Den Baalen brachten sie Schlachtopfer dar, den Götterbildern Räucheropfer. 3Ich war es, der Éfraim gehen lehrte, der sie nahm auf seine Arme. Sie aber haben nicht erkannt, dass ich sie heilen wollte. 4Mit menschlichen Fesseln zog ich sie, mit Banden der Liebe. Ich war da für sie wie die, die den Säugling an ihre Wangen heben. Ich neigte mich ihm zu und gab ihm zu essen. 8acWie könnte ich dich preisgeben, Éfraim, wie dich ausliefern, Israel? Gegen mich selbst wendet sich mein Herz, heftig entbrannt ist mein Mitleid. 9Ich will meinen glühenden Zorn nicht vollstrecken und Éfraim nicht noch einmal vernichten. Denn ich bin Gott, nicht ein Mensch, der Heilige in deiner Mitte. Darum komme ich nicht in der Hitze des Zorns. Ich lese den heutigen Bibeltext als eine Art Familiendrama zwischen Gott und seinem Volk Israel. Israel durchlebt hierbei alle Phasen des Erwachsenwerdens. Es ist wie im Gleichnis vom verlorenen Sohn in Lk 15: Ein Vater liebt sein Kind, muss aber zusehen, wie es sich von ihm entfernt und eigene Wege geht. Am Ende wartet der Vater voller Sehnsucht auf sein Kind. Vers 1: Die Erwählung "Als Israel jung war, gewann ich ihn lieb..." Der Vater liebt sein Kind und befreit es aus der Knechtschaft Ägyptens. Vers 2: Die Enttäuschung Je mehr Gott sein Kind ruft, desto weiter läuft es weg – hin zu anderen Göttern. Israel durchlebt das klassische Drama der Pubertät. Es sucht eigene Wege und muss eigene schmerzhafte Erfahrungen machen. Verse 3–4: Die zärtliche Fürsorge Trotz der Abkehr beschreibt Gott, wie er dem Kind das Laufen beibrachte, es auf die Arme nahm und ihm Wunden heilte. Vers 8: Mitleid "Mein Herz wendet sich gegen mich, mein Mitleid lodert auf." Gott will und kann sein Kind nicht einfach aufgeben, er ist voller Mitleid Vers 9: „Ich bin Gott, nicht ein Mensch." Obwohl Israel (wie der verlorene Sohn) die Gaben Gottes missbraucht hat (vgl. Lesung von gestern), ist er nicht nachtragend. Ein Mensch würde vielleicht nachtragend bleiben – Gott nicht. Seine Göttlichkeit zeigt sich genau darin, dass seine Treue menschliches Maß übersteigt. Haben wir nicht einen wunderbaren Gott! Fazit Das Alte und das Neue Testament sprechen im Kern dieselbe Sprache: Gott ist ein Gott der Liebe, der voller Sehnsucht auf seine Kinder wartet. Bild: pexels-photo-9945625 / Alex Urezkov
von ew 7. Juli 2026
Hos 10, 1-3. 7-8. 12 Mittwoch, 14 Woche Israel war ein üppiger Weinstock, der seine Frucht brachte. Je fruchtbarer er war, desto zahlreicher machte man die Altäre. Je schöner sein Land wurde, umso schöner schmückten sie die Steinmale. 2Ihr Herz ist geteilt, jetzt müssen sie büßen: Er selbst wird ihre Altäre zerbrechen, ihre Steinmale verwüsten. 3Dann werden sie sagen: Wir haben keinen König mehr; denn wir haben den Herrn nicht gefürchtet. Aber auch ein König – was könnte er für uns tun? 7Vernichtet ist Samária, sein König – wie ein abgebrochener Zweig auf dem Wasser. 8Verwüstet werden die Kulthöhen von Awen, die Sünde Israels: Dornen und Disteln werden ihre Altäre überwuchern. Dann wird man zu den Bergen sagen: Deckt uns zu! und zu den Hügeln: Fallt auf uns! 12Sät für euch in Gerechtigkeit, erntet in Liebe! Nehmt Neuland unter den Pflug! Es ist Zeit, den Herrn zu suchen; dann wird er kommen Der Prophet Hosea spricht im 8. Jahrhundert v. Chr. in eine Zeit hinein, die unserer heutigen erstaunlich ähnlich ist: Es herrschte wirtschaftlicher Wohlstand, der jedoch von tiefer sozialer Ungerechtigkeit und innerer Entfremdung von Gott begleitet war. Kurz vor dem Untergang des Nordreichs Israel durch die Assyrer (722 v. Chr.) zieht Hosea in Kapitel 10 Bilanz. Die Wohlstandsfalle - Je fruchtbarer er war, desto zahlreicher machte man die Altäre - Wohlstand und Reichtum an sich sind nicht verwerflich. Wohlstand kann aber eine Illusion von Unabhängigkeit und Autonomie schaffen. Das Tragische ist, dass Israel den Segen Gottes nimmt, um damit Götzenaltäre zu bauen. Heute bauen wir keine steinernen Altäre mehr, aber wir vertrauen auf Geld, Gesundheit, Statussymbole. Je mehr wir davon haben, desto lauter flüstert die Stimme in uns: „Ich habe mir das selbst erarbeitet, ich brauche niemanden“. Ihr Herz ist geteilt Man vergisst Gott nicht von einem Augenblick auf den anderen, es ist einschleichender Prozess. Man will beides: Gottes Segen und die Annehmlichkeiten der Welt. Aber ein geteiltes Herz verliert am Ende den Glauben ganz. Dann wird man zu den Bergen sagen: Deckt uns zu! Wenn das Gericht (hier die assyrische Invasion) hereinbricht, wird die Lebenslüge des Volkes sichtbar. Der König schwimmt weg wie ein „abgebrochener Zweig auf dem Wasser“ (Vers 7). Die prunkvollen Altäre werden von Dornen und Disteln überwuchert (Vers 8). In diesem Moment erkennt das Volk den Abgrund der eigenen Gottverlassenheit. Dann wird man zu den Bergen sagen: Deckt uns zu! Wenn die Illusionen des Wohlstands und der falschen Sicherheit zerbrechen, stehen die Menschen plötzlich nackt und ungeschützt vor der Realität ihres Lebens und vor Gott. Die Masken fallen. Der Wunsch, dass die Berge auf sie fallen, ist der Wunsch, sich vor diesem Blick Gottes zu verstecken. Es ist eine tiefe Scham – ähnlich wie bei Adam und Eva, die sich nach dem Sündenfall im Busch versteckten. Man hält die eigene Wahrheit nicht mehr aus. Dann wird man zu den Bergen sagen: Deckt uns zu! Der Satz bedeutet wörtlich: „Es wäre mir lieber, lebendig unter Tonnen von Gestein begraben zu werden, als diesen Moment der Abrechnung und des Zusammenbruchs miterleben zu müssen.“ Die Scham über die eigenen Lebenslügen wird so groß, dass man den eigenen Tod vorzieht. Dann wird man zu den Bergen sagen: Deckt uns zu! Dieses Bild ist so stark, dass es im Neuen Testament zweimal aufgegriffen wird: Lk 23,30: Auf dem Kreuzweg benutzt Jesus dieses Wort aus Hosea als Warnung vor dem kommenden Gericht über Jerusalem. Offb 6,16: Als das sechste Siegel geöffnet wurde, geraten die Menschen in Panik, als sie begreifen, dass sie ihr Leben auf Sand gesetzt haben. Der Ausweg - Es ist Zeit, den Herrn zu suchen; dann wird er kommen. Es ist Zeit, den HERRN zu suchen". Das ist die eigentliche Antwort auf das Problem der vielen Altäre: nicht eine äußere Frömmigkeit, sondern die Rückkehr zu einer einzigen, echten Beziehung zu Jesus. Bild: Edgar Wunsch
von ew 6. Juli 2026
Hos 8, 4-7. 11-13 Dienstag, 14 Woche So spricht der Herr: 4Sie setzen in Israel Könige ein, aber gegen meinen Willen; sie wählen Regierende aus, doch ich erkenne sie nicht an. Sie machen sich Götzen aus ihrem Silber und Gold – damit es vernichtet wird. 5Samária, dein Kalb ist verworfen. Mein Zorn ist entbrannt gegen sie; wie lange noch sind sie unfähig zur Reinheit? 6Denn von Israel kommt es: Ein Handwerker hat es gemacht – ein Gott ist es nicht. Ja, zu Splittern soll es werden, das Kalb von Samária. 7Denn Wind säen sie und ernten Sturm. Ein Halm ohne Ähren bringt kein Mehl. Und wenn er es brächte – verschlingen würden es Fremde. 11Éfraim hat viele Altäre gebaut, um zu sündigen, ja, Altäre zum Sündigen sind sie ihm geworden. 12Wieder und wieder schreibe ich meine Weisung auf für ihn – angesehen wird sie wie die eines Fremden. 13Schlachtopfer, die mir dargebracht werden sollen, schlachten sie und essen das Fleisch selbst. Der Herr hat kein Gefallen an ihnen. Jetzt wird er ihrer Schuld gedenken und sie heimsuchen wegen ihrer Sünden: Denn Wind säen sie und ernten Sturm Vers 7 formuliert ein Gesetz, das fast naturhaft klingt: Was man sät, das erntet man – nur eben verstärkt. Wind wird zu Sturm. Es ist keine willkürliche Strafe von außen, sondern die innere Konsequenz eines Lebens, Denn Wind säen sie und ernten Sturm Das, was wir sagen, und das, was wir tun, hat eine Wirkung. Kleine Entscheidungen bleiben nicht klein. Was wir heute säen – Worte, Gedanken, Gewohnheiten –, wächst. Denn Wind säen sie und ernten Sturm Auch Schweigen hat eine Wirkung. Oft möchten wir den Ball flachhalten um keinen Sturm zu entfesseln. Aber wer gegenüber dem Unrecht schweigt, erntet später den Sturm mit, den er nicht selbst entfacht, aber auch nicht aufgehalten hat. Schweigen ist nie neutral. Denn Wind säen sie und ernten Sturm Jemand hat einmal gesagt: Der Wind der kleinen Kompromisse wird später zum Sturm der Zerstörung: ein bisschen die Wahrheit verbiegen, Konflikten aus dem Weg gehen, ein wenig schmeicheln, um zu gefallen. Das fühlt sich im Moment leicht an wie ein Lüftchen. Aber irgendwann bricht der Sturm los. Bild: pexels-photo-7977145. / Rai Bilcliff
von ew 5. Juli 2026
Hos 2, 16. 17b-18. 21-22 Montag, 14 Woche So spricht der Herr: 16bIch werde Israel, meine treulose Braut, in die Wüste gehen lassen und ihr zu Herzen reden. 17bDort wird sie mir antworten wie in den Tagen ihrer Jugend, wie am Tag, als sie aus dem Land Ägypten heraufzog. 21Ich verlobe dich mir auf ewig; ich verlobe dich mir um den Brautpreis von Gerechtigkeit und Recht, von Liebe und Erbarmen, 22ich verlobe dich mir um den Brautpreis der Treue: Dann wirst du den Herrn erkennen. In dieser Woche folgen wir dem Propheten Hosea. Er hat eine wunderbare Botschaft für heute. Es ist unschwer zu erkennen, dass die Braut für das Volk Israel steht, das auf Abwege geraten ist. Aber: Die Braut bin aber auch ich selbst! Ich werde Israel, meine treulose Braut, in die Wüste gehen lassen. Die Braut rennt ihren Liebhabern nach (Hos 2,7-10) und Gott lässt sie gewähren. Er greift nicht ein. Warum? Gott möchte eine Braut und keine Sklavin. Liebe kann nicht erzwungen werden; sie muss frei geschenkt werden. Gottes "Nicht-Eingreifen" ist kein Desinteresse, sondern Respekt vor Freiheit der Menschen. Ich werde Israel, meine treulose Braut, in die Wüste gehen lassen. Die Wüste entsteht paradoxerweise erst dadurch, dass die Braut ihren eigenen Weg zu Ende geht. Sie merkt plötzlich: Die falschen Liebhaber (die Welt, der Konsum, die Bestätigung durch andere) beuten sie nur aus. Die Quellen versiegen. Ich werde Israel, meine treulose Braut, in die Wüste gehen lassen. Aber Gott schaut nicht schadenfroh aus der Ferne zu. Er wartet voller Sehnsucht, bis die Braut am Ende ihres Weges in der Wüste angekommen ist. Ich werde Israel, meine treulose Braut, in die Wüste gehen lassen. Wenn der Mensch am Ende seiner eigenen Möglichkeiten angekommen ist, dann verwandelt Gott diese selbstverschuldete Wüste in einen Ort der Begegnung. Er möchte der Braut (also Dir, lieber Leser, liebe Leserin) neu begegnen. Nicht mit Vorwürfen, sondern mit den Worten: „Ich will ihr zu Herzen reden.“ Bild: pexels-photo-38192532. / Sani Maikatanga
von ew 3. Juli 2026
Fülle statt Mangel: Wenn die Verheißung das Herz erreicht
von ew 2. Juli 2026
Am 8, 4-6. 9-12 Freitag, 13 Woche 4 Hört dies, die ihr den Armen nachstellt und die Gebeugten im Land vernichten wollt! 5 Ihr sagt: Wann ist der Neumond vorbei, damit wir Getreide verkaufen, und der Sabbat, damit wir Korn anbieten können? Wir wollen das Efa kleiner und das Sola größer machen und die Waage fälschen. 6 Wir wollen die Hilflosen für Geld kaufen und den Armen für ein Paar Sandalen; sogar den Abfall des Korns wollen wir verkaufen. 9 An jenem Tag wird es geschehen – Spruch des HERRN, meines Gottes –: Da lasse ich die Sonne am Mittag untergehen und bringe über die Erde Verfinsterung am hellen Tag. 10 Ich verwandle eure Feste in Trauer und all eure Lieder in Totenklage. Ich lege um alle Hüften das Trauergewand und schere jeden Kopf kahl. Ich bringe Trauer über das Land wie die Trauer um den Einzigen und das Ende davon wird sein wie der bittere Tag.11Siehe, es kommen Tage – Spruch Gottes, des Herrn -,da schicke ich Hunger ins Land, nicht Hunger nach Brot, nicht Durst nach Wasser, sondern danach, die Worte des Herrn zu hören. 12Dann wanken sie von Meer zu Meer von Norden nach Osten ziehen sie, um das Wort des Herrn zu suchen ;doch sie werden es nicht finden. Von Meer zu Meer Amos sagt am Ende der Lesung voraus, dass es eine Zeit geben wird, in der die Menschen von Meer zu Meer wanken werden, um das Wort Gottes zu suchen - ohne es zu finden. Das Wort Gottes ist sehr nahe In jeder Heiligen Messe wird das Wort Gottes verkündet. Wenn du jeden Tag die Messe besuchst, dann hast du in drei Jahren die wichtigsten Stellen aus dem Alten und aus dem Neuen Testament gehört. Irgendwo in deinem Zimmer steht vielleicht eine Bibel. Nimm sie und lies, es ist das Wort Gottes. Das Wort Gottes ist sehr nahe Vers 12 erinnert mich sehr an das, was Paulus in Röm 10,8 schreibt: „Das Wort ist dir nahe, in deinem Mund und in deinem Herzen.“ Oder an Jesus, der sagt: „Das Reich Gottes ist mitten unter euch“ (Lk 17,21). Von Meer zu Meer Warum also beschreibt Amos diesen Zustand des verzweifelten, aber erfolglosen Suchens? Warum finden manche Menschen das Wort Gottes nicht, obwohl es ihnen so nahe ist? Bild: pexels-photo-37559997 / Klaus G
von ew 1. Juli 2026
Am 7, 10-17 Donnerstag, 13 Woche In jenen Tagen 10sandte Amázja, der Priester von Bet-El, zu Jeróbeam, dem König von Israel, und ließ ihm sagen: Mitten im Haus Israel hat sich Amos gegen dich verschworen; seine Worte sind unerträglich für das Land. 11Denn so sagt Amos: Jeróbeam stirbt durch das Schwert und Israel muss in die Verbannung ziehen, fort von seinem Boden. 12Zu Amos aber sagte Amázja: Seher, geh, flieh ins Land Juda! Iss dort dein Brot und prophezeie dort! 13In Bet-El darfst du nicht mehr prophezeien; denn das hier ist das königliche Heiligtum und der Reichstempel. 14Amos antwortete Amázja: Ich bin kein Prophet und kein Prophetenschüler, sondern ich bin ein Viehhirte und veredle Maulbeerfeigen. 15Aber der Herr hat mich hinter meiner Herde weggenommen und zu mir gesagt: Geh und prophezeie meinem Volk Israel! 16Darum höre jetzt das Wort des Herrn! Du sagst: Prophezeie nicht gegen Israel und geifere nicht gegen das Haus Ísaak! 17Darum – so spricht der Herr: Deine Frau wird zur Hure in der Stadt, deine Söhne und Töchter fallen unter dem Schwert, dein Boden wird mit der Messschnur verteilt, du selbst stirbst auf unreinem Boden und Israel muss in die Verbannung ziehen, fort von seinem Boden. Die heutige Lesung ist ein sehr hartes Gerichtswort des Alten Testaments, und beim ersten Lesen zieht sich einem alles zusammen. Das Unheil trifft den großen Gegenspieler von Amos, den Priester Amazja. Zur Situation Israel erlebt wirtschaftlichen Wohlstand. Doch hinter der glänzenden Fassade werden Arme unterdrückt, Recht wird gebeugt und der Gottesdienst dient oft nur noch der Absicherung der Mächtigen. Amazja verkörpert eine religiöse Elite die dem korrupten Regime dienste. Seher, geh, flieh ins Land Juda Amazja, der offizielle Oberpriester des königlichen Heiligtums in Bethel, will Amos mundtot machen. Er schwärzt ihn beim König an und jagt Amos weg: „Geh weg, du Seher! Verschwinde nach Juda, verdien dort dein Brot!“ Ich bin ein Viehhirte und veredle Maulbeerfeigen. Amos wehrt sich. Er sagt: „Ich bin kein Berufsprophet, der dafür Geld will. Gott selbst hat mich von meiner Herde weggeschickt. Und weil du, Amazja, Gottes Wort verbieten willst, trifft dich und deine Familie das Gericht.“ Deine Frau wird zur Hure in der Stadt Ich denke nicht, dass Gott aktiv eingreift und eine unschuldige Frau in die Prostitution treibt und die Söhne und Töchter des Amazia durch das Schwert töten lässt. Gott ist ein Gott der Liebe - auch im Alten Testament, und das dürfen wir niemals vergessen! Deine Frau wird zur Hure in der Stadt Es handelt sich um eine Voraussage der grausamen Realität eines Krieges und einer anschließenden Eroberung. Wenn Amos sagt: „Deine Frau wird zur Hure werden“, meint er kein moralisches Fehlverhalten der Frau und keinen grausamen Willensakt Gottes. Es beschreibt das Schicksal von Frauen in einer eroberten Stadt. Deine Frau wird zur Hure in der Stadt Gott kündigt hier also die Konsequenzen der politischen und moralischen Blindheit der Führungsschicht (zu der Amazja gehört) an. Wenn man die Warnungen ignoriert und das Land in den Ruin treibt, bricht das Chaos aus – und die Schwächsten der Gesellschaft (Frauen und Kinder) baden es aus. Deine Frau wird zur Hure in der Stadt Die Zukunft ist kein göttlicher Zwang, sondern die Konsequenz eines Weges den die Menschen einschlagen: Gottes Gericht zeigt sich häufig darin, dass Gott den Menschen die Folgen ihres Handelns nicht länger erspart. Er zwingt sie nicht zum Bösen, sondern lässt den Weg, den sie gewählt haben, zu seinem bitteren Ende kommen. Deine Frau wird zur Hure in der Stadt Amos zeigt seinem Gegner Amazia schonungslos das brutale Gesicht des kommenden Krieges, den die politische Führung durch ihre soziale Kälte und Arroganz selbst heraufbeschworen hat. Die Schwächsten der Gesellschaft baden dann die Arroganz und Gottvergessenheit derjenigen aus, die das Sagen hatten. Bild: pexels-photo-10315129 / Mariona Gr
von ew 30. Juni 2026
Am 5, 14-15. 21-24 Mittwoch, 13 Woche 14Sucht das Gute, nicht das Böse; dann werdet ihr leben und dann wird, wie ihr sagt, der Herr, der Gott der Heerscharen, bei euch sein. 15Hasst das Böse, liebt das Gute und bringt im Tor das Recht zur Geltung! Vielleicht ist der Herr, der Gott der Heerscharen, dem Rest Josefs dann gnädig. 21Ich hasse eure Feste, – so spricht der Herr —, ich verabscheue sie und kann eure Feiern nicht riechen. 22Wenn ihr mir Brandopfer darbringt, ich habe kein Gefallen an euren Gaben und eure fetten Heilsopfer will ich nicht sehen. 23Weg mit dem Lärm deiner Lieder! Dein Harfenspiel will ich nicht hören, 24sondern das Recht ströme wie Wasser, die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach. Die heutige Lesung ist eine zeitlose Warnung vor einer „bequemen“ Religiosität. Sie erinnert daran, dass der Glaube an Gott und soziale Verantwortung gegenüber den Mitmenschen untrennbar zusammengehören. Ein Gottesdienst, der die Augen vor der Ungerechtigkeit der Welt verschließt, verfehlt seinen Sinn und wird – wie Amos es drastisch formuliert – von Gott nicht gehört. Ich hasse eure Feste Um zu verstehen, warum die Worte so hart sind, muss man ins 8. Jahrhundert v. Chr. blicken. Das Nordreich Israel erlebte unter König Jerobeam II. eine wirtschaftliche und politische Blütezeit. Es herrschte Frieden, die Oberschicht war reich, und die Tempel waren voll. Ich hasse eure Feste Doch dieser Wohlstand hatte eine Kehrseite: Er basierte auf der brutalen Ausbeutung der armen Landbevölkerung. Die Oberschicht bereicherte sich durch Rechtsbeugung, Bestechung und Wucher. Gleichzeitig dachten die Menschen, solange sie Gott opferten, prachtvolle Feste feierten und Lieder sangen, sei alles in bester Ordnung Ich hasse eure Feste Gott verabscheut diese Feste, weil sie eine Beziehung vortäuschen, die im realen Leben nicht existiert. Wenn die Hände, die im Tempel zum Gebet erhoben werden, draußen die Armen ausbeuten, wird der Gottesdienst zur Heuchelei. Weg mit dem Lärm deiner Lieder Musik und Gesang gehörten zum Tempelgottesdienst. Normalerweise sind sie Ausdruck von Lob und Freude. Hier aber nennt Gott sie "Lärm", weil zwischen den gesungenen Worten und dem tatsächlichen Handeln der Menschen ein Widerspruch besteht. Die Menschen preisen Gottes Gerechtigkeit, handeln aber ungerecht. Die Lieder werden dadurch unehrlich. Gott hört nicht nur auf den Klang, sondern auf das Leben der Sänger und Sängerinnen.  Bild: P exels-photo-4923033. / Ekaterina Belinskaya