Die Blume im Gras

ew • 27. Mai 2026

Petr 1, 18–25    Mittwoch, 8. Woche

18Ihr wisst, dass ihr aus eurer nichtigen, von den Vätern ererbten Lebensweise nicht um einen vergänglichen Preis losgekauft wurdet, nicht um Silber oder Gold, 19sondern mit dem kostbaren Blut Christi, des Lammes ohne Fehl und Makel. 20Er war schon vor Grundlegung der Welt dazu ausersehen und euretwegen ist er am Ende der Zeiten erschienen. 21Durch ihn seid ihr zum Glauben an Gott gekommen, der ihn von den Toten auferweckt und ihm die Herrlichkeit gegeben hat, sodass ihr an Gott glauben und auf ihn hoffen könnt. 22Der Wahrheit gehorsam, habt ihr euer Herz rein gemacht für eine aufrichtige geschwisterliche Liebe; darum hört nicht auf, einander von Herzen zu lieben. 23Ihr seid neu gezeugt worden, nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen: durch Gottes Wort, das lebt und das bleibt. 24Denn: Alles Sterbliche ist wie Gras und all seine Schönheit ist wie die Blume im Gras. Das Gras verdorrt und die Blume verwelkt; 25doch das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit. Dies aber ist das Wort, das euch als frohe Botschaft verkündet worden ist.


Die gestrige Lesung endete mit Vers 16, die heutige beginnt mit Vers 18. Ich frage mich, warum man Vers 17 aus der Leseordnung gestrichen hat.


Die Blume im Gras

Die Lesung spricht hier treffend von der Schönheit, die wie eine Blume abfällt. Alles, worauf wir oft so stolz sind – Jugend, Erfolg, Besitz, Einfluss –, ist flüchtig wie eine Sommerwiese. Die Blume vergeht – Gottes Wort nicht. Menschen ändern sich, Gefühle schwanken, Sicherheiten brechen weg. Doch Gottes Zusage bleibt bestehen. Petrus verbindet das mit der Wiedergeburt des Menschen: Christen leben nicht nur aus dem, was vergeht, sondern aus etwas, das Bestand hat.


Die Blume im Gras

Das Bild der verblühenden Blume kann deshalb auch tröstlich sein. Es erinnert daran, dass wir unsere Hoffnung nicht an Dinge hängen müssen, die zwangsläufig vergehen. Nicht Leistung, Schönheit oder Erfolg tragen letztlich das Leben, sondern Gottes bleibendes Wort und seine Liebe.


Vielleicht liegt darin die eigentliche Schönheit der Blume im Gras:

Sie blüht nur kurz – aber sie verweist auf den, der ewig ist.


Bild: Pexel / Thomas Mengwasser

Ihr Kommentar

tägliche Schriftbetrachtung

von ew 25. August 2026
2 Thess 2, 1-3a.14-17 Dienstag, 21. Woche Brüder, wir schreiben euch über die Ankunft Jesu Christi, unseres Herrn, und unsere Vereinigung mit ihm und bitten euch: Lasst euch nicht so schnell aus der Fassung bringen und in Schrecken jagen, wenn in einem prophetischen Wort oder einer Rede oder in einem Brief, der angeblich von uns stammt, behauptet wird, der Tag des Herrn sei schon da. Lasst euch durch niemand und auf keine Weise täuschen! Dazu hat er euch durch unser Evangelium berufen; ihr sollt nämlich die Herrlichkeit Jesu Christi, unseres Herrn, erlangen. Seid also standhaft, Brüder, und haltet an den Überlieferungen fest, in denen wir euch unterwiesen haben, sei es mündlich, sei es durch einen Brief. Jesus Christus aber, unser Herr, und Gott, unser Vater, der uns seine Liebe zugewandt und uns in seiner Gnade ewigen Trost und sichere Hoffnung geschenkt hat, tröste euch und gebe euch Kraft zu jedem guten Werk und Wort. Wie sich die Zeiten doch ändern. Offensichtlich hatten die Christen in Thessaloniki von irgendeinem Lehrer gehört, dass der Tag des Herrn nahe ist und dass Christus bald wiederkommen wird. Um das, was sie lehrten, zu untermauern, beriefen sie sich sogar darauf, dass sie diese Lehre von Paulus hätten. Paulus hatte dann allerhand Mühe, den Leuten in Thessaloniki die Angst vor einem baldigen Kommen Christi wieder zu nehmen. Wie sich die Zeiten doch ändern. Heute ist es gerade umgekehrt. Heute gibt es zwar auch falsche Lehrer, aber im Gegensatz zur Zeit des Paulus möchten sie uns heute weismachen, dass es kein Leben nach dem Tode gibt und dass mit dem letzten Schnaufer auf dem Sterbebett alles aus ist. In unseren Tagen hat man allerhand Mühe, die Leute davon zu überzeugen, dass es ein Weiterleben nach dem Tode gibt und dass Christus am Ende der Zeiten wiederkommen wird. Wie sich die Zeiten doch ändern. Christus kam vor 2000 Jahren im Stall zu Bethlehem zu uns Menschen. Christus wird am Ende der Zeiten wiederkommen, um die Welt zu richten. Ihm werde ich in meiner Todesstunde begegnen und diese kann in einigen Jahren oder in wenigen Augenblicken schon sein. Angst vor einer Begegnung mit Christus habe ich nicht. Ganz im Gegenteil. Ich kann es kaum erwarten, Christus von Angesicht zu Angesicht zu sehen, mich seinem Gericht zu stellen, um mich dann von seiner Liebe ganz erfüllen zu lassen. Bild: pexels-photo-9260443 / Antlantic Ambience
von ew 24. August 2026
2 Thess 1, 1-5.11-12 Montag, 21. Woche Paulus, Silvanus und Timotheus an die Gemeinde von Thessalonich, die in Gott, unserem Vater, und in Jesus Christus, dem Herrn, ist: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Wir müssen Gott euretwegen immer danken, Brüder, wie es recht ist, denn euer Glaube wächst, und die gegenseitige Liebe nimmt bei euch allen zu. Wir können in den Gemeinden Gottes mit Stolz auf euch hinweisen, weil ihr im Glauben standhaft bleibt bei aller Verfolgung und Bedrängnis, die ihr zu ertragen habt. Dies ist ein Anzeichen des gerechten Gerichtes Gottes; ihr sollt ja des Reiches Gottes teilhaftig werden, für das ihr leidet. Darum beten wir auch immer für euch, dass unser Gott euch eurer Berufung würdig mache und in seiner Macht allen Willen zum Guten und jedes Werk des Glaubens vollende. So soll der Name Jesu, unseres Herrn, in euch verherrlicht werden und ihr in ihm, durch die Gnade unseres Gottes und Herrn Jesus Christus. Ermutigung Paulus ermutigt die Thessalonicher, die trotz aller Bedrängnis und Verfolgung treu geblieben und in der Liebe gewachsen sind. Wir alle brauchen Ermutigung. Auch die Ermutiger brauchen hin und wieder Ermutigung. Ermutigung durch Anerkennung Paulus redet die Not der Gemeinde nicht klein, sondern er sieht sie. Er zollt ihnen Respekt für ihre Standhaftigkeit. Schon dadurch, dass wir die Sorge der anderen erkennen und ernst nehmen, können wir "Ermutigter" sein Ermutigung durch den Blick auf das Wachstum Paulus zeigt den Thessalonichern, dass ihr Glaube und ihre Liebe trotz des Gegenwinds wachsen. Paulus dankt nicht für die Abwesenheit von Leid, sondern für das Wachstum mitten im Leid: Ermutigung durch Gebet Am Ende betet Paulus für die Gemeinde, statt ihr nur gute Ratschläge zu geben. Für jemanden vor Gott einzutreten, ist vielleicht die tiefste Form der Ermutigung. Paulus bittet, dass Gott selbst das gute Wollen und das Werk des Glaubens in ihnen vollendet. Bild: pexels-photo-32887426-1a63ad8b / Soc Nang Dong
von ew 21. August 2026
Ez 43, 1-7a Samstag, 20. Woche Der Mann, der mich begleitete, führte mich zu einem der Tore, dem Tor, das im Osten lag. Da sah ich, wie die Herrlichkeit des Gottes Israels aus dem Osten herankam. Ihr Rauschen war wie das Rauschen gewaltiger Wassermassen, und die Erde leuchtete auf von seiner Herrlichkeit. Die Erscheinung, die ich sah, war wie die Erscheinung, die ich damals sah, als er kam, um die Stadt zu vernichten, und wie die Erscheinung, die ich am Fluss Kebar gesehen hatte. Da fiel ich nieder auf mein Gesicht. Und die Herrlichkeit des Herrn zog in den Tempel ein durch das Tor, das im Osten lag. Der Geist hob mich empor und brachte mich in den Innenhof. Und die Herrlichkeit des Herrn erfüllte den Tempel. Dann hörte ich vom Tempel her, während der Mann neben mir stand, einen, der mit mir redete; er sagte zu mir: Menschensohn, das ist der Ort, wo mein Thron steht, und der Ort, wo meine Füße ruhen; hier will ich für immer mitten unter den Israeliten wohnen . Wo ist die Wohnung Gottes? Gott wohnte nicht im Paradies, denn aus der Schrift wissen wir, dass Gott Adam und Eva damals nur besuchte. (Gen 3,8). Immer wenn sich Gott den Menschen offenbarte (Abraham bei den Eichen von Mamre, Moses im Dornbusch oder ….), war er stets nur für eine kurze Zeit zu Besuch. Aber niemand wusste, wo Gott wohnte. So bauten sich die Israeliten das Bundeszelt und später den Tempel. Der heilige Raum, das Allerheiligste, das lediglich der Hohepriester betreten durfte, galt als die Wohnung Gottes unter den Menschen. Tabernakel In jeder katholischen Kirche ist ein Tabernakel. Im Tabernakel wird das Allerheiligste aufbewahrt, der Leib des Herrn. Jesus ist bei uns, und von Jesus sagen wir: Er ist Emmanuel – Gott mit uns. Im Bundeszelt oder später auch im Tempel waren der Krug mit dem Manna, der Stab Aarons und die Tafeln der Gebote nur ein Hinweis auf Gott. Die Hostie im Tabernakel jedoch ist Gott – der Leib des Herrn. Jede katholische Kirche ist eine Wohnung Gottes. Der Tabernakel ist der Ort der Gegenwart Gottes. Wenn wir vor dem Tabernakel treten, dann stehen wir vor der Wohnung Gottes. Die rote Lampe weist uns den Weg. Bild: pexels-photo-6736317 / Andrew Charle s
von ew 20. August 2026
Ez 37, 1-14 Freitag, 20. Woche In jenen Tagen legte sich die Hand des Herrn auf mich, und der Herr brachte mich im Geist hinaus und versetzte mich mitten in die Ebene. Sie war voll von Gebeinen. Er führte mich ringsum an ihnen vorüber, und ich sah sehr viele über die Ebene verstreut liegen; sie waren ganz ausgetrocknet. Er fragte mich: Menschensohn, können diese Gebeine wieder lebendig werden? Ich antwortete: Herr und Gott, das weißt nur du. Da sagte er zu mir: Sprich als Prophet über diese Gebeine, und sag zu ihnen: Ihr ausgetrockneten Gebeine, hört das Wort des Herrn! So spricht Gott, der Herr, zu diesen Gebeinen: Ich selbst bringe Geist in euch, dann werdet ihr lebendig. Ich spanne Sehnen über euch und umgebe euch mit Fleisch; ich überziehe euch mit Haut und bringe Geist in euch, dann werdet ihr lebendig. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin. Da sprach ich als Prophet, wie mir befohlen war; und noch während ich redete, hörte ich auf einmal ein Geräusch: Die Gebeine rückten zusammen, Bein an Bein. Und als ich hinsah, waren plötzlich Sehnen auf ihnen, und Fleisch umgab sie, und Haut überzog sie. Aber es war noch kein Geist in ihnen. Da sagte er zu mir: Rede als Prophet zum Geist, rede, Menschensohn, sag zum Geist: So spricht Gott, der Herr: Geist, komm herbei von den vier Winden! Hauch diese Erschlagenen an, damit sie lebendig werden. Da sprach ich als Prophet, wie er mir befohlen hatte, und es kam Geist in sie. Sie wurden lebendig und standen auf - ein großes, gewaltiges Heer. Er sagte zu mir: Menschensohn, diese Gebeine sind das ganze Haus Israel. Jetzt sagt Israel: Ausgetrocknet sind unsere Gebeine, unsere Hoffnung ist untergegangen, wir sind verloren. Deshalb tritt als Prophet auf, und sag zu ihnen: So spricht Gott, der Herr: Ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf. Ich bringe euch zurück in das Land Israel. Wenn ich eure Gräber öffne und euch, mein Volk, aus euren Gräbern heraufhole, dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin. Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig, und ich bringe euch wieder in euer Land. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin. Ich habe gesprochen, und ich führe es aus - Spruch des Herrn. Ein Schlachtfeld voller Gebeine Heute geht es im Buch des Propheten Ezechiel etwas gruselig zu. Ezechiel sieht eine mit ausgetrockneten Gebeinen übersäte Ebene, ein Schlachtfeld voller Knochen von Erschlagenen. Hier hat ein grausames Massaker stattgefunden: Es ist kein Leben mehr da, und es gibt niemanden mehr, der die Toten begraben könnte. Ezechiel blickt auf eine völlig trostlose Szene. Keine Hoffnung auf Leben? Dann fragt der Herr den Propheten, ob diese Gebeine wieder lebendig werden können. Ezechiel hält die Wiederbelebung für völlig unmöglich und antwortet deshalb etwas verlegen und diplomatisch: „Der Herr weiß es.“ Ein unmöglicher Auftrag Nun soll er zu den verdorrten Knochen sprechen und ihnen ankündigen, dass im Auftrag des Herrn wieder Leben in sie einkehren wird. (Das muss man sich einmal bildlich vorstellen!) Vom Tod zum Leben Zum Glück traut sich Ezechiel, diesen unmöglichen Auftrag auszuführen, und schließlich darf er sehen, wie Sehnen, Fleisch und Haut die Knochen überziehen. Am Ende hauchte Gott ihnen sogar noch seinen Geist ein, sodass die Gebeine lebendig wurden. Ein Bild für die Kirche unserer Tage Damals war Israel gemeint, heute ist es unsere Kirche. Ich trage die Hoffnung in mir, dass Gott aus den Überresten einer einst lebendigen Kirche wieder eine neue, geisterfüllte Glaubensgemeinschaft erwecken kann. Gottes Geist konnte damals die vertrockneten Gebeine mit neuem Leben füllen, und derselbe Heilige Geist kann auch heute einer im Sterben liegenden Kirche wieder neue Lebendigkeit hauchen. Bild: pexels-photo-4825689 / Rachel Cl aire
von ew 19. August 2026
Ez 36, 23-28 Donnerstag, 20. Woche So spricht der Herr: Meinen großen, bei den Völkern entweihten Namen, den ihr mitten unter ihnen entweiht habt, werde ich wieder heiligen. Und die Völker - Spruch Gottes, des Herrn - werden erkennen, dass ich der Herr bin, wenn ich mich an euch vor ihren Augen als heilig erweise. Ich hole euch heraus aus den Völkern, ich sammle euch aus allen Ländern und bringe euch in euer Land. Ich gieße reines Wasser über euch aus, dann werdet ihr rein. Ich reinige euch von aller Unreinheit und von allen euren Götzen. Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch. Ich lege meinen Geist in euch und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Gebote achtet und sie erfüllt. Dann werdet ihr in dem Land wohnen, das ich euren Vätern gab. Ihr werdet mein Volk sein, und ich werde euer Gott sein. Die heutige Lesung löst eine große Sehnsucht in mir aus. Ein neues Herz. Ein Herz aus Stein ist unempfänglich für Gottes Wirken und schaut auch nicht auf die Nöte und Sorgen der Mitmenschen, sondern nur auf das eigene Befinden. Gott möchte mir ein neues Herz, ein Herz aus Fleisch, schenken, in dem er wohnen kann. Bitte, Gott, schenke mir ein Herz aus Fleisch. Einen neuen Geist. Das neue Herz ist offen für Gott. Erst in ein offenes Herz kann Gott dann auch einen neuen Geist hineinlegen. Und Gott verspricht sogar, dass er seinen Geist in uns, in mich hineinlegen wird. Bitte, Gott, schenke mir deinen Heiligen Geist. Eine neue Bereitschaft. Gerne folge ich Gottes Geboten. Oft genug mache ich jedoch mein eigenes Ding. Gott verspricht zu bewirken, dass ich seinen Gesetzen folge und auf seine Gebote achte und sie erfülle. Bitte Gott, hilf mir, deine Gebote zu erfüllen. Täglich neu. Das Versprechen Gottes gegenüber Ezechiel ist kein vorübergehendes Versprechen, sondern ein fortwährendes und unveränderbares Versprechen. Was für ein Glück, dass Gottes Geduld so groß ist und er dieses Versprechen täglich erneuert! Bild: pexels-photo-38931900 / Jueon Kim 김주언
von ew 18. August 2026
Ez 34, 1-11 Mittwoch, 20. Woche Das Wort des Herrn erging an mich: Menschensohn, sprich als Prophet gegen die Hirten Israels, sprich als Prophet, und sag zu ihnen: So spricht Gott, der Herr: Weh den Hirten Israels, die nur sich selbst weiden. Müssen die Hirten nicht die Herde weiden? Ihr trinkt die Milch, nehmt die Wolle für eure Kleidung und schlachtet die fetten Tiere; aber die Herde führt ihr nicht auf die Weide. Die schwachen Tiere stärkt ihr nicht, die kranken heilt ihr nicht, die verletzten verbindet ihr nicht, die verscheuchten holt ihr nicht zu rück, die verirrten sucht ihr nicht, und die starken misshandelt ihr. Und weil sie keinen Hirten hatten, zerstreuten sich meine Schafe und wurden eine Beute der wilden Tiere. Meine Herde irrte auf allen Bergen und Höhen umher und war über das ganze Land verstreut. Doch keiner kümmerte sich um sie; niemand suchte sie. Darum ihr Hirten, hört das Wort des Herrn: So wahr ich lebe - Spruch Gottes, des Herrn: Weil meine Herde geraubt wurde und weil meine Schafe eine Beute der wilden Tiere wurden - denn sie hatten keinen Hirten - und weil meine Hirten nicht nach meiner Herde fragten, sondern nur sich selbst und nicht meine Herde weideten, darum, ihr Hirten, hört das Wort des Herrn: So spricht Gott, der Herr: Nun gehe ich gegen die Hirten vor und fordere meine Schafe von ihnen zurück. Ich setze sie ab, sie sollen nicht mehr die Hirten meiner Herde sein. Die Hirten sollen nicht länger nur sich selbst weiden: Ich reiße meine Schafe aus ihrem Rachen, sie sollen nicht länger ihr Fraß sein. Denn so spricht Gott, der Herr: Jetzt will ich meine Schafe selber suchen und mich selber um sie kümmern. Weh den Hirten Als Pfarrer ist mir aufgetragen, mich um die Menschen in meiner Kirchengemeinde zu kümmern. Darum muss ich die Drohworte des Propheten Ezechiel gegen die Hirten seines Volkes heute tief in mein Herz hineinlassen und mich fragen: Weh den Hirten. Weide ich mich selbst? Führe ich die Herde zur Weide (zeige ich den Menschen den Weg zu Jesus und führe ich sie zu den Sakramenten)? Stärke ich die Schwachen (habe ich für jene ein aufmunterndes Wort, die schwach und krank sind)? Hole ich die Verscheuchten zurück (kümmere ich mich um jene, die aus der Kirche aus lauter Frust und Enttäuschung ausgetreten sind)? Suche ich die Verirrten (kümmere ich mich um jene, die nicht mehr wissen, was sie glauben sollen)? Überlasse ich die Herde den wilden Tieren (also jenen, die nur sich selbst verkünden, aber nicht das Evangelium auf dem Hintergrund der katholischen Lehre)? Gott, segne alle Hirten! Bild: pexels-photo-6267371 / cottonbro studio
von ew 17. August 2026
Ez 28, 1-10 Dienstag, 20. Woche 1Das Wort des Herrn erging an mich: 2Menschensohn, sag zum Fürs-ten von Tyrus: So spricht Gott, der Herr: Weil sich dein Herz überhoben hat und du sagtest: Ich bin ein Gott, einen Wohnsitz für Götter bewohne ich im Herzen der Meere. Doch du bist ein Mensch und kein Gott, obwohl du dein Herz dem Herzen eines Gottes gleichgestellt hast. 3Siehe, du bist weiser als Daniel. Kein Geheimnis war dir zu dunkel. 4Durch deine Weisheit und Einsicht schufst du dir Reichtum. Mit Gold und Silber fülltest du deine Kammern. 5Durch deine gewaltige Weisheit, durch deinen Handel hast du deinen Reichtum vermehrt. Doch dein Herz hat sich erhoben wegen all deines Reichtums. 6Darum – so spricht Gott, der Herr: Weil du dein Herz dem Herzen eines Gottes gleichgemacht hast, 7darum, siehe, bringe ich Fremde über dich, tyrannische Nationen. Sie zücken ihre Schwerter gegen all deine prächtige Weisheit, entweihen deinen strahlenden Glanz. 8Sie stoßen dich hinab in das Grab; wie einer durchbohrt wird und stirbt, so stirbst du im Herzen der Meere. 9Wirst du dann angesichts deiner Mörder noch sagen: Ich bin ein Gott? Du bist ein Mensch und kein Gott in der Hand derer, die dich durchbohren. 10Wie Unbeschnittene sterben, so stirbst du durch Fremde; denn ich habe gesprochen – Spruch Gottes, des Herr n. Du bist ein Mensch und kein Gott Die antike Handelsmetropole Tyrus war reich und mächtig. Der Fürst von Tyrus hatte sich ein Imperium aufgebaut und daraus den Schluss gezogen: „Ich bin ein Gott, ich throne wie ein Gott mitten im Meer.“ Du bist ein Mensch und kein Gott Aber Gott konfrontiert den Fürsten von Tyrus in Vers 2 mit der harten Realität: „Du bist ein Mensch und kein Gott, obwohl du dein Herz dem Herzen eines Gottes gleichgestellt hast“. Siehe, du bist weiser als Daniel Gott bestreitet nicht die Fähigkeiten des Fürsten. Im Gegenteil, er bestätigt sie sogar: „Du bist weiser als Daniel“ (V. 3). Das Problem ist nicht die Begabung, sondern das, was der Mensch daraus macht. Du bist ein Mensch und kein Gott Die Pointe des Textes ist letztlich keine reine Kritik an Macht oder Reichtum als solchen, sondern an dem Irrglauben, dass meine Talente und Begabungen mein Eigentum sind. Eigentum bedeutet: Ich verfüge. Ich bestimme. Ich schulde niemandem Rechenschaft. Alles gehört mir. Ich throne wie ein Gott mitten in meinem Büro. Du bist ein Mensch und kein Gott Nicht, dass ein Mensch tolle Begabungen und Talente besitzt, ist das Problem, sondern dass der Mensch oft seine Fähigkeiten nur noch für sich selbst nutzt und vergisst, dass er sie eigentlich auch vor Gott verantworten muss. Auch nicht der Reichtum selbst ist das Problem, sondern wenn ich vergesse, dass er mir anvertraut wurde und nicht wirklich mir gehört. Bild: pexels-photo-5486199-ac544b1d / Maksim Goncharenok
von ew 17. August 2026
Ez 24, 15-24 Montag 20. Woche Das Wort des Herrn erging an mich: Menschensohn, ich nehme dir die Freude deiner Augen durch einen jähen Tod. Doch du sollst weder klagen noch weinen. Keine Träne darfst du vergießen, nur leise stöhnen. Keine Trauerfeier sollst du halten. Binde deinen Kopfbund um, und zieh deine Schuhe an! Verhülle deinen Bart nicht, und iss kein Trauerbrot! Ich redete am Morgen zum Volk. Meine Frau starb am Abend, und ich tat am Morgen, was mir befohlen war. Da sagte das Volk zu mir: Willst du uns nicht erklären, was dein Verhalten für uns zu bedeuten hat? Ich antwortete ihnen: Das Wort des Herrn ist an mich ergangen. Sag zum Haus Israel: So spricht Gott, der Herr: Ich will mein Heiligtum entweihen, den Zufluchtsort, auf den ihr so stolz seid, die Freude eurer Augen und die Sehnsucht eurer Seele. Eure Söhne und Töchter, die ihr zurückgelassen habt, werden unter dem Schwert fallen. Dann werdet ihr genauso handeln wie ich: Ihr werdet den Bart nicht verhüllen und kein Trauerbrot essen. Euren Kopfbund werdet ihr auf dem Kopf behalten und eure Schuhe an den Füßen. Ihr werdet weder klagen noch weinen, sondern wegen eurer Sünden dahinsiechen und miteinander stöhnen. Ezechiel wird ein Mahnzeichen für euch sein. Genauso wie er gehandelt hat, werdet ihr handeln; wenn das eintrifft, werdet ihr erkennen, dass ich Gott, der Herr, bin. Die Freude deiner Augen Ezechiel erhält heute eine schockierende Botschaft: Seine Frau, „die Freude seiner Augen“, das Liebste und Teuerste was er hat, wird eines plötzlichen Todes sterben. Das Volk fordert daraufhin eine Erklärung. Der Zufluchtsort, auf den ihr so stolz seid Das Volk hatte sich zu sehr darauf verlassen: „Uns kann nichts passieren, wir haben Gott einen großen und prächtigen Tempel gebaut – jetzt muss Gott uns einfach segnen.“ Sie waren stolz auf den Tempel, den sie ja selbst gebaut hatten. Sie vertrauten auf das Zeichen mehr als auf den, auf den das Zeichen hinwies. Der Zufluchtsort, auf den ihr so stolz seid Der Tempel war prachtvoll, über Generationen hinweg gebaut und erhalten. Er war das architektonische und nationale Herzstück Judas. Es ist menschlich, auf etwas stolz zu sein, das man sieht, anfassen und vorzeigen kann. Aber dennoch: Sie vertrauten auf den Tempel mehr als auf den für den dieses Gebäude gebaut wurde. Die Kirche auf die ihr so stolz seid Ich stelle mit Verwundung fest, dass in unseren historischen Kirchen die Menschen bewundernd vor den Gemälden und Altären der Geschichte stehen bleiben, aber vor dem Tabernakel, dem Ort der Gegenwart Gottes, achtlos vorübergehen. Auch in unseren Tagen schenken manche Menschen dem Kirchengebäude und seinen Kunstwerken mehr Aufmerksamkeit als dem Herrn selbst, für den dies alles ja gemacht wurde. Bild: Pexel / Patrick
von ew 14. August 2026
Ez 18, 1-10.13b.30-32 Samstag, 19. Woche Das Wort des Herrn erging an mich: Wie kommt ihr dazu, im Land Israel das Sprichwort zu gebrauchen: Die Väter essen saure Trauben, und den Söhnen werden die Zähne stumpf? So wahr ich lebe - Spruch Gottes, des Herrn -, keiner von euch in Israel soll mehr dieses Sprichwort gebrauchen. Alle Menschenleben sind mein Eigentum, das Leben des Vaters ebenso wie das Leben des Sohnes, sie gehören mir. Nur wer sündigt, soll sterben. Ist jemand gerecht, so handelt er nach Recht und Gerechtigkeit. Er hält auf den Bergen keine Opfermahlzeiten ab. Er blickt nicht zu den Götzen des Hauses Israel auf. Er schändet nicht die Frau seines Nächsten. Einer Frau tritt er nicht nahe während ihrer Blutung. Er unterdrückt niemand. Er gibt dem Schuldner das Pfand zurück. Er begeht keinen Raub. Dem Hungrigen gibt er von seinem Brot, und den Nackten bekleidet er. Er leiht nicht gegen Zins und treibt keinen Wucher. Er hält seine Hand vom Unrecht fern. Zwischen Streitenden fällt er ein gerechtes Urteil. Er lebt nach meinen Gesetzen, er achtet auf meine Rechtsvorschriften und befolgt sie treu. Er ist gerecht, und deshalb wird er am Leben bleiben - Spruch Gottes, des Herrn. Angenommen aber, er zeugt einen Sohn, der gewalttätig wird, der Blut vergießt oder eine andere von diesen Sünden begeht, soll der dann am Leben bleiben? Er soll nicht am Leben bleiben. Er hat alle diese Gräueltaten verübt, darum muss er sterben. Er ist selbst schuld an seinem Tod. Darum will ich euch richten, jeden nach seinem Verhalten, ihr vom Haus Israel - Spruch Gottes, des Herrn. Kehrt um, wendet euch ab von all euren Vergehen! Sie sollen für euch nicht länger der Anlass sein, in Sünde zu fallen. Werft alle Vergehen von euch, die ihr verübt habt! Schafft euch ein neues Herz und einen neuen Geist! Warum wollt ihr sterben, ihr vom Haus Israel? Ich habe doch kein Gefallen am Tod dessen, der sterben muss – Spruch Gottes, des Herrn. Kehrt um, damit ihr am Leben bleibt. Viele Fragezeichen Ich verstehe vieles nicht, was in den verschiedenen Büchern der Bibel überliefert ist. So manche Texte sind mir fremd und ich bleibe ohne Erklärung. Auch die heutige Lesung enthält wieder eine harte Aussage, zu der mir eine Auslegung zunächst schwerfällt. Warum muss zum Beispiel derjenige sterben, der die beschriebenen Gräueltaten verübt hat? Warum muss der sterben, der Blut vergossen hat? Warum ordnet der Prophet im Auftrag Gottes solche Sachen an? Nicht „wegtheologisieren“ Ich lasse solche Stellen einfach einmal stehen, ohne weiter darüber nachzugrübeln. Ich streiche sie nicht aus der Leseordnung oder versuche sie "wegzutheologisieren". Die gleiche Lesung wird in zwei Jahren wieder gelesen und vielleicht verstehe ich dann etwas besser. Lebe, was du verstehst. Die heutige Lesung bietet viele Aussagen, die ich verstehe und die ich in meinem Leben sofort und ohne nachzudenken umsetzen kann. Unterdrücke niemand. Begehe keinen Raub. Gib dem Hungrigen dein Brot. Bekleide den Nackten Das ist leicht zu verstehen, und ich staune, dass die Werke der Barmherzigkeit, die ich aus dem Testament kenne, schon hier im Alten Testament von Ezechiel gefordert werden. Wenn ich versuche, das umzusetzen, was ich aus der Lesung verstehe, dann habe ich für heute genug zu tun. Bild: pexels-photo-7298466 / My / Kindel Media
von ew 13. August 2026
Ez 16, 1-15.60.63 Freitag, 19. Woche Das Wort des Herrn erging an mich: Menschensohn, mach Jerusalem seine Gräueltaten bewusst! Sag: So spricht Gott, der Herr, zu Jerusalem: Deiner Herkunft und deiner Geburt nach stammst du aus dem Land der Kanaaniter. Dein Vater war ein Amoriter, deine Mutter eine Hetiterin. Bei deiner Geburt, als du geboren wurdest, hat man deine Nabelschnur nicht abgeschnitten. Man hat dich nicht mit Wasser abgewaschen, nicht mit Salz eingerieben, nicht in Windeln gewickelt. Nichts von all dem hat man getan, kein Auge zeigte dir Mitleid, niemand übte Schonung an dir, sondern am Tag deiner Geburt hat man dich auf freiem Feld ausgesetzt, weil man dich verabscheute. Da kam ich an dir vorüber und sah dich in deinem Blut zappeln; und ich sagte zu dir, als du blutverschmiert dalagst: Bleib am Leben! Wie eine Blume auf der Wiese ließ ich dich wachsen. Und du bist herangewachsen, bist groß geworden und herrlich aufgeblüht. Deine Brüste wurden fest; dein Haar wurde dicht. Doch du warst nackt und bloß. Da kam ich an dir vorüber und sah dich, und siehe, deine Zeit war gekommen, die Zeit der Liebe. Ich breitete meinen Mantel über dich und bedeckte deine Nacktheit. Ich leistete dir den Eid und ging mit dir einen Bund ein - Spruch Gottes, des Herrn -, und du wurdest mein. Dann habe ich dich gebadet, dein Blut von dir abgewaschen und dich mit Öl gesalbt. Ich kleidete dich in bunte Gewänder, zog dir Schuhe aus Tahasch-Leder an und hüllte dich in Leinen und kostbare Gewänder. Ich legte dir prächtigen Schmuck an, legte dir Spangen an die Arme und eine Kette um den Hals. Deine Nase schmückte ich mit einem Reif, Ohrringe hängte ich dir an die Ohren und setzte dir eine herrliche Krone auf. Mit Gold und Silber konntest du dich schmücken, in Byssus, Seide und bunte Gewebe dich kleiden. Feinmehl, Honig und Öl war deine Nahrung. So wurdest du strahlend schön und wurdest sogar Königin. Der Ruf deiner Schönheit drang zu allen Völkern; denn mein Schmuck, den ich dir anlegte, hatte deine Schönheit vollkommen gemacht - Spruch Gottes, des Herrn. Doch dann hast du dich auf deine Schönheit verlassen, du hast deinen Ruhm missbraucht und dich zur Dirne gemacht. Jedem, der vorbeiging, hast du dich angeboten, jedem bist du zu Willen gewesen. Aber ich will meines Bundes gedenken, den ich mit dir in deiner Jugend geschlossen habe, und will einen ewigen Bund mit dir eingehen. Dann sollst du dich erinnern, sollst dich schämen und vor Scham nicht mehr wagen, den Mund zu öffnen, weil ich dir alles vergebe, was du getan hast - Spruch Gottes, des Herrn. Bleib am Leben. In Bildern beschreibt Ezechiel die ganze Geschichte Israels. Gott hat sich des Volkes angenommen, es behütet und gepflegt. Die Geschichte Gottes mit seinem Volk ist eine Liebesbeziehung, in der Gott seine Treue gegenüber dem Volk niemals infrage stellt. Du bist zur Dirne geworden Ganz anders jedoch das Volk Gottes. Kaum war es erwachsen, wollte es die Hilfe und die Pflege Gottes nicht mehr und wurde untreu. Israel gebärdet sich als Eigentümer seiner Gaben, bietet sich anderen an, und bei anderen sucht es auch Hilfe, wenn es in Not ist. Ezechiel benutzt darum scharfe Worte. Er sagt: Du bist zur Dirne geworden. Allem und jedem läufst du nach. Wie ist es denn heute? Laufen wir in unserer Gesellschaft nicht auch jedem Trend nach? Wollen wir nicht auch alle neuen Ideologien ausprobieren? Sind uns manche Dinge nicht auch wichtiger als Gott? Wie ist es mit mir? Aber auch heute gilt: Nicht auf die Anderen schauen, nicht auf die Gesellschaft, nicht auf die Großen, die Einflussreichen, die Idole und die Weltverbesserer. Immer muss ich mich fragen: Wie ist es mit mir? Wem laufe ich nach? Wem gehört mein Herz? Bild: pexels-photo-5020304 / C ottonbro Studio