Das Ende aller Dinge ist nahe - Hurra!

ew • 29. Mai 2026

1 Petr 4, 7–13    Freitag, 8. Woche           

7Das Ende aller Dinge ist nahe. Seid also besonnen und nüchtern und betet! 8Vor allem haltet beharrlich fest an der Liebe zueinander; denn die Liebe deckt viele Sünden zu. 9Seid untereinander gastfreundlich, ohne zu murren! 10Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat! 11Wer redet, der rede mit den Worten, die Gott ihm gibt; wer dient, der diene aus der Kraft, die Gott verleiht. So wird in allem Gott verherrlicht durch Jesus Christus. Sein ist die Herrlichkeit und die Macht in alle Ewigkeit. Amen. 12Geliebte, lasst euch durch die Feuersglut, die zu eurer Prüfung über euch gekommen ist, nicht verwirren, als ob euch etwas Ungewöhnliches zustoße! 13Stattdessen freut euch, dass ihr Anteil an den Leiden Christi habt; denn so könnt ihr auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit voll Freude jubeln.


Das Ende aller Dinge ist nahe - Hurra.

Dieser Vers weckt in mir eine große Sehnsucht. Es ist eine eindeutige Botschaft der ganzen Heiligen Schrift, dass diese Welt ein Ende haben wird: „Himmel und Erde werden vergehen“ (Mt 24, 35; 1Kor 10, 11; 1Tim 4, 1; 1Jo 2, 18 …).


Wir warten gemäß seiner Verheißung auf einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen die Gerechtigkeit wohnt. (2 Petrus 3, 13).


Als Jesus nach seiner Versuchung in der Wüste zu predigen begann, war sein erstes Wort: „Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe. (Mt 4, 17).


Das Ende aller Dinge ist nahe- Hurra.

Damit ist zweierlei gemeint: Das Reich Gottes ist in Jesus schon da; und: Das Reich Gottes ist im Kommen, seine Vollendung rückt immer näher. So ist auch unsere Stelle zu verstehen.


Das Ende von allem ist in Jesus schon da. Die Endzeit hat begonnen mit seinem Kommen auf die Erde.


Zugleich aber gilt: Das Ende von allem steht noch bevor und kommt immer näher. Mit der Ankunft Jesu wird die Endzeit ihren Höhepunkt erreichen und dann werden wir voller Freude jubeln.


Bild: Pexel,  pexels-photo-36863341 / Mathias Sogorski


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tägliche Schriftbetrachtung

von ew 13. Juli 2026
Jes 7, 1-9 Dienstag, 15 Woche 1 Es geschah in den Tagen des Ahas, des Sohnes Jotams, des Sohnes Usijas, des Königs von Juda: Da zogen Rezin, der König von Aram, und Pekach, der Sohn Remaljas, der König von Israel, nach Jerusalem hinauf, um gegen es Krieg zu führen; er konnte es aber nicht erobern. 2 Als dem Haus David gemeldet wurde: Aram hat sich in Ephraim niedergelassen!, da bebte sein Herz und das Herz seines Volkes, wie die Bäume des Waldes vor dem Wind beben. 3 Da sprach der HERR zu Jesaja: Geh hinaus, Ahas entgegen, du und dein Sohn Schear-Jaschub, an das Ende der Wasserleitung des Oberen Teiches, zur Straße des Walkerfeldes, 4 und sag zu ihm: Hüte dich und bleibe ruhig! Fürchte dich nicht und dein Herz sei nicht verzagt vor diesen beiden rauchenden Brandscheitstümpfen, vor dem glühenden Zorn Rezins und Arams und des Sohnes Remaljas! 5 Weil Aram Böses gegen dich beschlossen hat, Ephraim und der Sohn Remaljas, indem sie sagten: 6 Wir wollen gegen Juda heraufziehen, es in Schrecken versetzen, es für uns erobern und den Sohn Tabeels darin zum König machen!, 7 so spricht der HERR, mein Gott: Es kommt nicht zustande und es geschieht nicht. 8 Denn das Haupt von Aram ist Damaskus und das Haupt von Damaskus ist Rezin; und noch fünfundsechzig Jahre, dann ist Ephraim so zertrümmert, dass es kein Volk mehr ist. 9 Und das Haupt Ephraims ist Samaria und das Haupt Samarias ist der Sohn Remaljas. Wenn ihr nicht glaubt, bleibt ihr nicht bestehen. 1. Geschichtlicher Hintergrund Die Szene spielt um 734 v. Chr., in einer akuten politischen Krise Judas. Das winzige Südreich Juda unter König Ahas wird von zwei Nachbarkönigen bedroht, die Jerusalem belagern wollen. Am Hof herrscht nackte Panik 2. Die Antwort Gottes? Gott schickt den Propheten Jesaja mit einer klaren Botschaft in die Krise: Entwarnung: Gott nennt die bedrohlichen Feinde bloß „rauchende Brandscheite“ – sie haben keine Zukunft. Aufforderung: „Hüte dich und bleibe still; fürchte dich nicht. Wenn ihr nicht glaubt, bleibt ihr nicht bestehen.“ 3 Für Heute Wenn wir Nachrichten schauen oder persönliche Krisen durchleben, fühlen wir uns oft wie Ahas: Das Herz bebt wie die Bäume im Wind. Die Lesung lädt dazu ein, die Perspektive zu wechseln. Aus Gottes Sicht sind viele Dinge, die uns heute Angst machen, letztlich nur "rauchende Brandscheite" Morgen sind sie nicht mehr da Bild: pexels-photo-13783086 / Alexis Ricardo Alaurin
von ew 12. Juli 2026
Jes 1, 10-17 Montag, 15 Woche 10 Hört das Wort des HERRN, ihr Herrscher von Sodom! Vernehmt die Weisung unseres Gottes, du Volk von Gomorra! 11 Was soll ich mit der Menge eurer Opfer? – spricht der HERR. Ich bin der Brandopfer von Widdern und des Fettes von Mastvieh überdrüssig; das Blut von Stieren, Lämmern und Böcken mag ich nicht. 12 Wenn ihr kommt, um mein Angesicht zu schauen – wer hat das von euch verlangt, meine Vorhöfe zu zertreten? 13 Bringt nicht länger sinnlose Speiseopfer! Das Räucherwerk ist mir ein Gräuel. Neumond und Sabbat, das Ausrufen von Festversammlungen: Frevel und Festfeier ertrage ich nicht. 14 Eure Neumonde und eure Festzeiten hasst meine Seele; sie sind mir zur Last geworden, ich bin es müde, sie zu tragen. 15 Wenn ihr eure Hände ausbreitet, verhülle ich meine Augen vor euch. Selbst wenn ihr noch so viel betet, höre ich nicht. Eure Hände sind voll Blut. 16 Wascht euch, reinigt euch! Schafft mir eure bösen Taten aus den Augen! Hört auf, Böses zu tun! 17 Lernt Gutes zu tun! Sucht das Recht! Helft den Unterdrückten! Schafft Recht den Waisen, führt den Rechtsstreit der Witwen! Die heutige Lesung hat eine große inhaltliche Nähe zur Lesung am Mittwoch, 13 Woche Am 5, 14-15. 21-24. Vielleicht kann man beide Lesungen zusammenfassen unter dem Gedanken: Gott widerstrebt ein Glaube, der nur aus einer frommen Kulisse besteht. Eure Festzeiten hasst meine Seele; sie sind mir zur Last geworden, Die Menschen dachten: Wenn wir die Rituale richtig ausführen, ist Gott zufrieden, und wir können im Alltag leben, wie wir wollen. Die Propheten entlarven diese Trennung zwischen Liturgie und Leben als Illusion. Gott lässt sich nicht mit Riten abspeisen, wenn das Herz nicht dabei ist. Wenn ihr eure Hände ausbreitet, verhülle ich meine Augen vor euch. Das Gebet verpufft, weil die Hände, die im Tempel erhoben werden, im Alltag leer bleiben und den Überfluss nicht mit den Armen teilen. Selbst wenn ihr noch so viel betet, höre ich nicht Christlicher Glaube erschöpft sich nicht im Besuch der Kirche oder im gesprochenen Gebet. Er will unser Denken und Handeln prägen. Jede Tat der Gerechtigkeit, jedes Wort der Versöhnung und jede Hilfe für einen Menschen in Not ist ein Gottesdienst, der Gott gefällt. Selbst wenn ihr noch so viel betet, höre ich nicht Vielleicht ist dies auch ein Grund, warum uns Gott manchmal so weit entfernt zu sein scheint. Vielleicht ist hier ein Hinweis darauf zu finden, warum Gott unsere Gebete so oft nicht erhört. Selbst wenn ihr noch so viel betet, höre ich nicht Diese harten Worte enthalten vielleicht die Antwort auf eine Frage, die viele von uns quält: Warum scheint Gott manchmal so unendlich weit weg zu sein? Es ist ein Hinweis darauf, dass das Schweigen Gottes nicht an seinem Desinteresse liegt, sondern daran, dass unsere eigenen Taten im Alltag die Verbindung zu Gott erschweren. Selbst wenn ihr noch so viel betet, höre ich nicht Oft suchen wir die Schuld für Gottes Ferne bei Gott selbst. Die Lesung dreht den Spiegel um und zeigt: Die Ferne ist manchmal hausgemacht. Man könnte auch sagen: Hausgemachte Funkstille Die Lesung bietet heute einen wunderbaren Ausgangspunkt, um über den Unterschied zwischen bloßen Lippenbekenntnissen und meinem gelebten Glauben nachzudenken. Bild: pexels-photo-25079011 / Rai Raimondo
von ew 11. Juli 2026
Samstag, 14 Woche Jes 6, 1-8 Im Todesjahr des Königs Usíja, da sah ich den Herrn auf einem hohen und erhabenen Thron sitzen und die Säume seines Gewandes füllten den Tempel aus. 2Sérafim standen über ihm. Sechs Flügel hatte jeder: Mit zwei Flügeln bedeckte er sein Gesicht, mit zwei bedeckte er seine Füße und mit zwei flog er. 3Und einer rief dem anderen zu und sagte: Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen. Erfüllt ist die ganze Erde von seiner Herrlichkeit. 4Und es erbebten die Türzapfen in den Schwellen vor der Stimme des Rufenden und das Haus füllte sich mit Rauch.5Da sagte ich: Weh mir, denn ich bin verloren. Denn ein Mann unreiner Lippen bin ich und mitten in einem Volk unreiner Lippen wohne ich, denn den König, den Herrn der Heerscharen, haben meine Augen gesehen.6Da flog einer der Sérafim zu mir und in seiner Hand war eine glühende Kohle, die er mit einer Zange vom Altar genommen hatte. 7Er berührte damit meinen Mund und sagte: Siehe, dies hat deine Lippen berührt, so ist deine Schuld gewichen und deine Sünde gesühnt. 8Da hörte ich die Stimme des Herrn, der sagte: Wen soll ich senden? Wer wird für uns gehen? Ich sagte: Hier bin ich, sende mich! Nachdem wir die ganze Woche über Abschnitte aus dem Buch des Propheten Hosea betrachtet haben gehen wir nun zum Propheten Jesaja über. Die Lesung aus Jesaja 6 beschreibt seine Berufung und bildet einen perfekten, Auftakt für die Jesaja-Lesungen der kommenden Woche. Heilig, Heilig, Heilig, Jesaja war der erste Mensch der das Sanctus hören durfte. Unzählige Musiker haben später dieses Drei Mal Heilig vertont. In jeder Heiligen Messe singen wir das „Heilig unmittelbar vor der Wandlung Genauer gesagt besteht das Sanctus aus zwei biblischen Quellen: Der erste Teil stammt direkt aus Jesaja 6, 3: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen. Erfüllt ist die ganze Erde von seiner Herrlichkeit.“ Der zweite Teil („Hosanna in der Höhe...“) stammt aus dem Neuen Testament (Mt 21, 9), dem Ruf der Menschen beim Einzug Jesu in Jerusalem. Wenn wir in jeder Messe das Sanctus singen oder sprechen, tun wir im Grunde genau das, was Jesaja im Tempel sah: Wir stimmen ein in den ewigen Lobgesang der Engel vor dem Thron Gottes Bild: pexels-photo-16948153 / Vladimir Sreijber 
von ew 10. Juli 2026
Hos 14, 2-10 Freitag, 14 Woche So spricht der Herr: 2Kehr um, Israel, zum Herrn, deinem Gott! Denn du bist zu Fall gekommen durch deine Schuld. 3Nehmt Worte der Reue mit euch, kehrt um zum Herrn und sagt zu ihm: Nimm alle Schuld hinweg und nimm an, was gut ist: Anstelle von Stieren bringen wir dir unsere Lippen dar. 4Assur kann uns nicht retten, wir wollen nicht mehr auf Pferden reiten und zum Machwerk unserer Hände sagen wir nie mehr: Unser Gott. Denn nur bei dir findet ein Waisenkind Erbarmen. So spricht der Herr: 5Ich will ihre Untreue heilen und sie aus freiem Willen wieder lieben. Denn mein Zorn hat sich von Israel abgewandt. 6Ich werde für Israel da sein wie der Tau, damit es sprosst wie die Lotusblüte und seine Wurzeln schlägt wie der Líbanon. 7Seine Zweige sollen sich ausbreiten, sodass seine Pracht wie die des Ölbaums wird und sein Duft wie der des Líbanon. 8Die in seinem Schatten wohnen, bauen wieder Getreide an und sie sprossen wie der Weinstock, dessen Wein so berühmt ist wie der Wein vom Líbanon. 9Éfraim, was habe ich noch mit den Götzen zu tun? Ich, ja, ich habe ihm geantwortet und achte auf ihn: Ich bin wie der grünende Wacholder, an mir findest du reiche Frucht. 10Wer weise ist, begreife dies alles, wer klug ist, erkenne es. Ja, die Wege des Herrn sind gerade; die Gerechten gehen auf ihnen, Ich habe den Eindruck, als ob Hosea hier einen Menschen beschreibt, der zur Beichte geht. Man erkennt Schritt für Schritt den Weg eines Menschen, der die Versöhnung mit Gott wieder sucht. Vers 2: Denn du bist gestürzt. Der Weg zur Beichte beginnt damit, dass ein Mensch erkennt, dass er gestürzt ist. Der Mensch realisiert: Ich bin gefallen und liege am Boden. Er erforscht sein Gewissen und fragt sich, warum dies gekommen ist. Vers 3: Worte der Reue Der Mensch bereut seine Tat. Wenn wir Reue empfinden, blicken wir zurück und wünschen uns, wir hätten uns in einer bestimmten Situation anders verhalten, Vers 3: sagt zu ihm. Die Sünde flüstert uns oft zu: Mach das mit dir selbst aus. Gott aber fordert uns auf, Worte zu finden und unsere Schuld auch auszusprechen. Vers 3: Nimm alle Schuld weg Wer beichtet, weiß, dass er sich nicht selbst lossprechen kann. Er bittet Gott darum, die Schuld zu vernichten. Vers 4: Wir wollen nicht mehr auf Pferden reiten. Ein gültiges Sakrament verlangt den guten Vorsatz. Wer beichtet, braucht den festen Willen, die Sünde und ihre Gelegenheiten künftig zu meiden. Vers 4: Assur, Pferde und das Machwerk unserer Hände In der Beichte sollten wir uns unserer Hautversuchungen bewusst sein. Assur steht für die fremde Macht, die mich kontrolliert und bestimmt. Flucht in Ablenkungen, Süchte, Abhängigkeiten. Pferde stehen für die militärische/eigene Kraft: Da ist der Stolz und der Irrglaube, man brauche Gott nicht, um gerettet zu werden. Das Werk der Hände steht für den Götzendienst: Karriere, Besitz, Geld … Vers 5: Ich will ihre Untreue heilen. Bei Hosea in der Lesung sagt Gott: Ich will ihre Untreue heilen und sie bereitwillig lieben. In der Beichte spricht Gott durch den Priester zum Beichtenden: "Ich spreche dich los von deinen Sünden". Das Sakrament der Beichte heilt Wunden, die ich mir durch meine Sünden selbst zugefügt habe. Vers 6: Ich werde für Israel da sein wie der Tau Der Tau kommt leise in der Stille der Nacht. Die Gnade, die das Bußsakrament schenkt, entfaltet ihre Wirkung auch oft in der Stille. Nach einer Zeit merke ich, wie die Kraft der Versuchung schwindet und der Heilungsprozess eintritt. Vers 10: Die Wege des Herrn. An die beichte schließt sich der Vorsatz an: Ich will nun auf den Wegen des Herrn gehen. Bild: Edgar Wunsch
von ew 8. Juli 2026
Hos 11, 1-4. 8c-9 Donnerstag, 14 Woche So spricht der Herr: 1Als Israel jung war, gewann ich ihn lieb, ich rief meinen Sohn aus Ägypten. 2Je mehr man sie rief, desto mehr liefen sie vor den Rufen weg: Den Baalen brachten sie Schlachtopfer dar, den Götterbildern Räucheropfer. 3Ich war es, der Éfraim gehen lehrte, der sie nahm auf seine Arme. Sie aber haben nicht erkannt, dass ich sie heilen wollte. 4Mit menschlichen Fesseln zog ich sie, mit Banden der Liebe. Ich war da für sie wie die, die den Säugling an ihre Wangen heben. Ich neigte mich ihm zu und gab ihm zu essen. 8acWie könnte ich dich preisgeben, Éfraim, wie dich ausliefern, Israel? Gegen mich selbst wendet sich mein Herz, heftig entbrannt ist mein Mitleid. 9Ich will meinen glühenden Zorn nicht vollstrecken und Éfraim nicht noch einmal vernichten. Denn ich bin Gott, nicht ein Mensch, der Heilige in deiner Mitte. Darum komme ich nicht in der Hitze des Zorns. Ich lese den heutigen Bibeltext als eine Art Familiendrama zwischen Gott und seinem Volk Israel. Israel durchlebt hierbei alle Phasen des Erwachsenwerdens. Es ist wie im Gleichnis vom verlorenen Sohn in Lk 15: Ein Vater liebt sein Kind, muss aber zusehen, wie es sich von ihm entfernt und eigene Wege geht. Am Ende wartet der Vater voller Sehnsucht auf sein Kind. Vers 1: Die Erwählung "Als Israel jung war, gewann ich ihn lieb..." Der Vater liebt sein Kind und befreit es aus der Knechtschaft Ägyptens. Vers 2: Die Enttäuschung Je mehr Gott sein Kind ruft, desto weiter läuft es weg – hin zu anderen Göttern. Israel durchlebt das klassische Drama der Pubertät. Es sucht eigene Wege und muss eigene schmerzhafte Erfahrungen machen. Verse 3–4: Die zärtliche Fürsorge Trotz der Abkehr beschreibt Gott, wie er dem Kind das Laufen beibrachte, es auf die Arme nahm und ihm Wunden heilte. Vers 8: Mitleid "Mein Herz wendet sich gegen mich, mein Mitleid lodert auf." Gott will und kann sein Kind nicht einfach aufgeben, er ist voller Mitleid Vers 9: „Ich bin Gott, nicht ein Mensch." Obwohl Israel (wie der verlorene Sohn) die Gaben Gottes missbraucht hat (vgl. Lesung von gestern), ist er nicht nachtragend. Ein Mensch würde vielleicht nachtragend bleiben – Gott nicht. Seine Göttlichkeit zeigt sich genau darin, dass seine Treue menschliches Maß übersteigt. Haben wir nicht einen wunderbaren Gott! Fazit Das Alte und das Neue Testament sprechen im Kern dieselbe Sprache: Gott ist ein Gott der Liebe, der voller Sehnsucht auf seine Kinder wartet. Bild: pexels-photo-9945625 / Alex Urezkov
von ew 7. Juli 2026
Hos 10, 1-3. 7-8. 12 Mittwoch, 14 Woche Israel war ein üppiger Weinstock, der seine Frucht brachte. Je fruchtbarer er war, desto zahlreicher machte man die Altäre. Je schöner sein Land wurde, umso schöner schmückten sie die Steinmale. 2Ihr Herz ist geteilt, jetzt müssen sie büßen: Er selbst wird ihre Altäre zerbrechen, ihre Steinmale verwüsten. 3Dann werden sie sagen: Wir haben keinen König mehr; denn wir haben den Herrn nicht gefürchtet. Aber auch ein König – was könnte er für uns tun? 7Vernichtet ist Samária, sein König – wie ein abgebrochener Zweig auf dem Wasser. 8Verwüstet werden die Kulthöhen von Awen, die Sünde Israels: Dornen und Disteln werden ihre Altäre überwuchern. Dann wird man zu den Bergen sagen: Deckt uns zu! und zu den Hügeln: Fallt auf uns! 12Sät für euch in Gerechtigkeit, erntet in Liebe! Nehmt Neuland unter den Pflug! Es ist Zeit, den Herrn zu suchen; dann wird er kommen Der Prophet Hosea spricht im 8. Jahrhundert v. Chr. in eine Zeit hinein, die unserer heutigen erstaunlich ähnlich ist: Es herrschte wirtschaftlicher Wohlstand, der jedoch von tiefer sozialer Ungerechtigkeit und innerer Entfremdung von Gott begleitet war. Kurz vor dem Untergang des Nordreichs Israel durch die Assyrer (722 v. Chr.) zieht Hosea in Kapitel 10 Bilanz. Die Wohlstandsfalle - Je fruchtbarer er war, desto zahlreicher machte man die Altäre - Wohlstand und Reichtum an sich sind nicht verwerflich. Wohlstand kann aber eine Illusion von Unabhängigkeit und Autonomie schaffen. Das Tragische ist, dass Israel den Segen Gottes nimmt, um damit Götzenaltäre zu bauen. Heute bauen wir keine steinernen Altäre mehr, aber wir vertrauen auf Geld, Gesundheit, Statussymbole. Je mehr wir davon haben, desto lauter flüstert die Stimme in uns: „Ich habe mir das selbst erarbeitet, ich brauche niemanden“. Ihr Herz ist geteilt Man vergisst Gott nicht von einem Augenblick auf den anderen, es ist einschleichender Prozess. Man will beides: Gottes Segen und die Annehmlichkeiten der Welt. Aber ein geteiltes Herz verliert am Ende den Glauben ganz. Dann wird man zu den Bergen sagen: Deckt uns zu! Wenn das Gericht (hier die assyrische Invasion) hereinbricht, wird die Lebenslüge des Volkes sichtbar. Der König schwimmt weg wie ein „abgebrochener Zweig auf dem Wasser“ (Vers 7). Die prunkvollen Altäre werden von Dornen und Disteln überwuchert (Vers 8). In diesem Moment erkennt das Volk den Abgrund der eigenen Gottverlassenheit. Dann wird man zu den Bergen sagen: Deckt uns zu! Wenn die Illusionen des Wohlstands und der falschen Sicherheit zerbrechen, stehen die Menschen plötzlich nackt und ungeschützt vor der Realität ihres Lebens und vor Gott. Die Masken fallen. Der Wunsch, dass die Berge auf sie fallen, ist der Wunsch, sich vor diesem Blick Gottes zu verstecken. Es ist eine tiefe Scham – ähnlich wie bei Adam und Eva, die sich nach dem Sündenfall im Busch versteckten. Man hält die eigene Wahrheit nicht mehr aus. Dann wird man zu den Bergen sagen: Deckt uns zu! Der Satz bedeutet wörtlich: „Es wäre mir lieber, lebendig unter Tonnen von Gestein begraben zu werden, als diesen Moment der Abrechnung und des Zusammenbruchs miterleben zu müssen.“ Die Scham über die eigenen Lebenslügen wird so groß, dass man den eigenen Tod vorzieht. Dann wird man zu den Bergen sagen: Deckt uns zu! Dieses Bild ist so stark, dass es im Neuen Testament zweimal aufgegriffen wird: Lk 23,30: Auf dem Kreuzweg benutzt Jesus dieses Wort aus Hosea als Warnung vor dem kommenden Gericht über Jerusalem. Offb 6,16: Als das sechste Siegel geöffnet wurde, geraten die Menschen in Panik, als sie begreifen, dass sie ihr Leben auf Sand gesetzt haben. Der Ausweg - Es ist Zeit, den Herrn zu suchen; dann wird er kommen. Es ist Zeit, den HERRN zu suchen". Das ist die eigentliche Antwort auf das Problem der vielen Altäre: nicht eine äußere Frömmigkeit, sondern die Rückkehr zu einer einzigen, echten Beziehung zu Jesus. Bild: Edgar Wunsch
von ew 6. Juli 2026
Hos 8, 4-7. 11-13 Dienstag, 14 Woche So spricht der Herr: 4Sie setzen in Israel Könige ein, aber gegen meinen Willen; sie wählen Regierende aus, doch ich erkenne sie nicht an. Sie machen sich Götzen aus ihrem Silber und Gold – damit es vernichtet wird. 5Samária, dein Kalb ist verworfen. Mein Zorn ist entbrannt gegen sie; wie lange noch sind sie unfähig zur Reinheit? 6Denn von Israel kommt es: Ein Handwerker hat es gemacht – ein Gott ist es nicht. Ja, zu Splittern soll es werden, das Kalb von Samária. 7Denn Wind säen sie und ernten Sturm. Ein Halm ohne Ähren bringt kein Mehl. Und wenn er es brächte – verschlingen würden es Fremde. 11Éfraim hat viele Altäre gebaut, um zu sündigen, ja, Altäre zum Sündigen sind sie ihm geworden. 12Wieder und wieder schreibe ich meine Weisung auf für ihn – angesehen wird sie wie die eines Fremden. 13Schlachtopfer, die mir dargebracht werden sollen, schlachten sie und essen das Fleisch selbst. Der Herr hat kein Gefallen an ihnen. Jetzt wird er ihrer Schuld gedenken und sie heimsuchen wegen ihrer Sünden: Denn Wind säen sie und ernten Sturm Vers 7 formuliert ein Gesetz, das fast naturhaft klingt: Was man sät, das erntet man – nur eben verstärkt. Wind wird zu Sturm. Es ist keine willkürliche Strafe von außen, sondern die innere Konsequenz eines Lebens, Denn Wind säen sie und ernten Sturm Das, was wir sagen, und das, was wir tun, hat eine Wirkung. Kleine Entscheidungen bleiben nicht klein. Was wir heute säen – Worte, Gedanken, Gewohnheiten –, wächst. Denn Wind säen sie und ernten Sturm Auch Schweigen hat eine Wirkung. Oft möchten wir den Ball flachhalten um keinen Sturm zu entfesseln. Aber wer gegenüber dem Unrecht schweigt, erntet später den Sturm mit, den er nicht selbst entfacht, aber auch nicht aufgehalten hat. Schweigen ist nie neutral. Denn Wind säen sie und ernten Sturm Jemand hat einmal gesagt: Der Wind der kleinen Kompromisse wird später zum Sturm der Zerstörung: ein bisschen die Wahrheit verbiegen, Konflikten aus dem Weg gehen, ein wenig schmeicheln, um zu gefallen. Das fühlt sich im Moment leicht an wie ein Lüftchen. Aber irgendwann bricht der Sturm los. Bild: pexels-photo-7977145. / Rai Bilcliff
von ew 5. Juli 2026
Hos 2, 16. 17b-18. 21-22 Montag, 14 Woche So spricht der Herr: 16bIch werde Israel, meine treulose Braut, in die Wüste gehen lassen und ihr zu Herzen reden. 17bDort wird sie mir antworten wie in den Tagen ihrer Jugend, wie am Tag, als sie aus dem Land Ägypten heraufzog. 21Ich verlobe dich mir auf ewig; ich verlobe dich mir um den Brautpreis von Gerechtigkeit und Recht, von Liebe und Erbarmen, 22ich verlobe dich mir um den Brautpreis der Treue: Dann wirst du den Herrn erkennen. In dieser Woche folgen wir dem Propheten Hosea. Er hat eine wunderbare Botschaft für heute. Es ist unschwer zu erkennen, dass die Braut für das Volk Israel steht, das auf Abwege geraten ist. Aber: Die Braut bin aber auch ich selbst! Ich werde Israel, meine treulose Braut, in die Wüste gehen lassen. Die Braut rennt ihren Liebhabern nach (Hos 2,7-10) und Gott lässt sie gewähren. Er greift nicht ein. Warum? Gott möchte eine Braut und keine Sklavin. Liebe kann nicht erzwungen werden; sie muss frei geschenkt werden. Gottes "Nicht-Eingreifen" ist kein Desinteresse, sondern Respekt vor Freiheit der Menschen. Ich werde Israel, meine treulose Braut, in die Wüste gehen lassen. Die Wüste entsteht paradoxerweise erst dadurch, dass die Braut ihren eigenen Weg zu Ende geht. Sie merkt plötzlich: Die falschen Liebhaber (die Welt, der Konsum, die Bestätigung durch andere) beuten sie nur aus. Die Quellen versiegen. Ich werde Israel, meine treulose Braut, in die Wüste gehen lassen. Aber Gott schaut nicht schadenfroh aus der Ferne zu. Er wartet voller Sehnsucht, bis die Braut am Ende ihres Weges in der Wüste angekommen ist. Ich werde Israel, meine treulose Braut, in die Wüste gehen lassen. Wenn der Mensch am Ende seiner eigenen Möglichkeiten angekommen ist, dann verwandelt Gott diese selbstverschuldete Wüste in einen Ort der Begegnung. Er möchte der Braut (also Dir, lieber Leser, liebe Leserin) neu begegnen. Nicht mit Vorwürfen, sondern mit den Worten: „Ich will ihr zu Herzen reden.“ Bild: pexels-photo-38192532. / Sani Maikatanga
von ew 3. Juli 2026
Fülle statt Mangel: Wenn die Verheißung das Herz erreicht
von ew 2. Juli 2026
Am 8, 4-6. 9-12 Freitag, 13 Woche 4 Hört dies, die ihr den Armen nachstellt und die Gebeugten im Land vernichten wollt! 5 Ihr sagt: Wann ist der Neumond vorbei, damit wir Getreide verkaufen, und der Sabbat, damit wir Korn anbieten können? Wir wollen das Efa kleiner und das Sola größer machen und die Waage fälschen. 6 Wir wollen die Hilflosen für Geld kaufen und den Armen für ein Paar Sandalen; sogar den Abfall des Korns wollen wir verkaufen. 9 An jenem Tag wird es geschehen – Spruch des HERRN, meines Gottes –: Da lasse ich die Sonne am Mittag untergehen und bringe über die Erde Verfinsterung am hellen Tag. 10 Ich verwandle eure Feste in Trauer und all eure Lieder in Totenklage. Ich lege um alle Hüften das Trauergewand und schere jeden Kopf kahl. Ich bringe Trauer über das Land wie die Trauer um den Einzigen und das Ende davon wird sein wie der bittere Tag.11Siehe, es kommen Tage – Spruch Gottes, des Herrn -,da schicke ich Hunger ins Land, nicht Hunger nach Brot, nicht Durst nach Wasser, sondern danach, die Worte des Herrn zu hören. 12Dann wanken sie von Meer zu Meer von Norden nach Osten ziehen sie, um das Wort des Herrn zu suchen ;doch sie werden es nicht finden. Von Meer zu Meer Amos sagt am Ende der Lesung voraus, dass es eine Zeit geben wird, in der die Menschen von Meer zu Meer wanken werden, um das Wort Gottes zu suchen - ohne es zu finden. Das Wort Gottes ist sehr nahe In jeder Heiligen Messe wird das Wort Gottes verkündet. Wenn du jeden Tag die Messe besuchst, dann hast du in drei Jahren die wichtigsten Stellen aus dem Alten und aus dem Neuen Testament gehört. Irgendwo in deinem Zimmer steht vielleicht eine Bibel. Nimm sie und lies, es ist das Wort Gottes. Das Wort Gottes ist sehr nahe Vers 12 erinnert mich sehr an das, was Paulus in Röm 10,8 schreibt: „Das Wort ist dir nahe, in deinem Mund und in deinem Herzen.“ Oder an Jesus, der sagt: „Das Reich Gottes ist mitten unter euch“ (Lk 17,21). Von Meer zu Meer Warum also beschreibt Amos diesen Zustand des verzweifelten, aber erfolglosen Suchens? Warum finden manche Menschen das Wort Gottes nicht, obwohl es ihnen so nahe ist? Bild: pexels-photo-37559997 / Klaus G