Die Kirche auf die ihr so stolz seid
Ez 24, 15-24 Montag 20. Woche
Das Wort des Herrn erging an mich: Menschensohn, ich nehme dir die Freude deiner Augen durch einen jähen Tod. Doch du sollst weder klagen noch weinen. Keine Träne darfst du vergießen, nur leise stöhnen. Keine Trauerfeier sollst du halten. Binde deinen Kopfbund um, und zieh deine Schuhe an! Verhülle deinen Bart nicht, und iss kein Trauerbrot! Ich redete am Morgen zum Volk. Meine Frau starb am Abend, und ich tat am Morgen, was mir befohlen war.
Da sagte das Volk zu mir: Willst du uns nicht erklären, was dein Verhalten für uns zu bedeuten hat? Ich antwortete ihnen: Das Wort des Herrn ist an mich ergangen.
Sag zum Haus Israel: So spricht Gott, der Herr: Ich will mein Heiligtum entweihen, den Zufluchtsort, auf den ihr so stolz seid, die Freude eurer Augen und die Sehnsucht eurer Seele. Eure Söhne und Töchter, die ihr zurückgelassen habt, werden unter dem Schwert fallen. Dann werdet ihr genauso handeln wie ich: Ihr werdet den Bart nicht verhüllen und kein Trauerbrot essen. Euren Kopfbund werdet ihr auf dem Kopf behalten und eure Schuhe an den Füßen. Ihr werdet weder klagen noch weinen, sondern wegen eurer Sünden dahinsiechen und miteinander stöhnen.
Ezechiel wird ein Mahnzeichen für euch sein. Genauso wie er gehandelt hat, werdet ihr handeln; wenn das eintrifft, werdet ihr erkennen, dass ich Gott, der Herr, bin.
Die Freude deiner Augen
Ezechiel erhält heute eine schockierende Botschaft: Seine Frau, „die Freude seiner Augen“, das Liebste und Teuerste was er hat, wird eines plötzlichen Todes sterben. Das Volk fordert daraufhin eine Erklärung.
Der Zufluchtsort, auf den ihr so stolz seid
Das Volk hatte sich zu sehr darauf verlassen: „Uns kann nichts passieren, wir haben Gott einen großen und prächtigen Tempel gebaut – jetzt muss Gott uns einfach segnen.“ Sie waren stolz auf den Tempel, den sie ja selbst gebaut hatten. Sie vertrauten auf das Zeichen mehr als auf den, auf den das Zeichen hinwies.
Der Zufluchtsort, auf den ihr so stolz seid
Der Tempel war prachtvoll, über Generationen hinweg gebaut und erhalten. Er war das architektonische und nationale Herzstück Judas. Es ist menschlich, auf etwas stolz zu sein, das man sieht, anfassen und vorzeigen kann. Aber dennoch: Sie vertrauten auf den Tempel mehr als auf den für den dieses Gebäude gebaut wurde.
Die Kirche auf die ihr so stolz seid
Ich stelle mit Verwundung fest, dass in unseren historischen Kirchen die Menschen bewundernd vor den Gemälden und Altären der Geschichte stehen bleiben, aber vor dem Tabernakel, dem Ort der Gegenwart Gottes, achtlos vorübergehen. Auch in unseren Tagen schenken manche Menschen dem Kirchengebäude und seinen Kunstwerken mehr Aufmerksamkeit als dem Herrn selbst, für den dies alles ja gemacht wurde.
Bild: Pexel / Patrick
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