Du bist ein Mensch und kein Gott
Ez 28, 1-10 Dienstag, 20. Woche
1Das Wort des Herrn erging an mich: 2Menschensohn, sag zum Fürs-ten von Tyrus: So spricht Gott, der Herr: Weil sich dein Herz überhoben hat und du sagtest: Ich bin ein Gott, einen Wohnsitz für Götter bewohne ich im Herzen der Meere. Doch du bist ein Mensch und kein Gott, obwohl du dein Herz dem Herzen eines Gottes gleichgestellt hast. 3Siehe, du bist weiser als Daniel. Kein Geheimnis war dir zu dunkel. 4Durch deine Weisheit und Einsicht schufst du dir Reichtum. Mit Gold und Silber fülltest du deine Kammern. 5Durch deine gewaltige Weisheit, durch deinen Handel hast du deinen Reichtum vermehrt. Doch dein Herz hat sich erhoben wegen all deines Reichtums. 6Darum – so spricht Gott, der Herr: Weil du dein Herz dem Herzen eines Gottes gleichgemacht hast, 7darum, siehe, bringe ich Fremde über dich, tyrannische Nationen. Sie zücken ihre Schwerter gegen all deine prächtige Weisheit, entweihen deinen strahlenden Glanz. 8Sie stoßen dich hinab in das Grab; wie einer durchbohrt wird und stirbt, so stirbst du im Herzen der Meere. 9Wirst du dann angesichts deiner Mörder noch sagen: Ich bin ein Gott? Du bist ein Mensch und kein Gott in der Hand derer, die dich durchbohren. 10Wie Unbeschnittene sterben, so stirbst du durch Fremde; denn ich habe gesprochen – Spruch Gottes, des Herrn.
Du bist ein Mensch und kein Gott
Die antike Handelsmetropole Tyrus war reich und mächtig. Der Fürst von Tyrus hatte sich ein Imperium aufgebaut und daraus den Schluss gezogen: „Ich bin ein Gott, ich throne wie ein Gott mitten im Meer.“
Du bist ein Mensch und kein Gott
Aber Gott konfrontiert den Fürsten von Tyrus in Vers 2 mit der harten Realität: „Du bist ein Mensch und kein Gott, obwohl du dein Herz dem Herzen eines Gottes gleichgestellt hast“.
Siehe, du bist weiser als Daniel
Gott bestreitet nicht die Fähigkeiten des Fürsten. Im Gegenteil, er bestätigt sie sogar: „Du bist weiser als Daniel“ (V. 3). Das Problem ist nicht die Begabung, sondern das, was der Mensch daraus macht.
Du bist ein Mensch und kein Gott
Die Pointe des Textes ist letztlich keine reine Kritik an Macht oder Reichtum als solchen, sondern an dem Irrglauben, dass meine Talente und Begabungen mein Eigentum sind. Eigentum bedeutet: Ich verfüge. Ich bestimme. Ich schulde niemandem Rechenschaft. Alles gehört mir. Ich throne wie ein Gott mitten in meinem Büro.
Du bist ein Mensch und kein Gott
Nicht, dass ein Mensch tolle Begabungen und Talente besitzt, ist das Problem, sondern dass der Mensch oft seine Fähigkeiten nur noch für sich selbst nutzt und vergisst, dass er sie eigentlich auch vor Gott verantworten muss. Auch nicht der Reichtum selbst ist das Problem, sondern wenn ich vergesse, dass er mir anvertraut wurde und nicht wirklich mir gehört.
Bild:
pexels-photo-5486199-ac544b1d / Maksim Goncharenok
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