Danke, liebe Kratzbürste
Koh 11, 9 - 12, 8 Samstag, 25. Woche
Freu dich, junger Mann, in deiner Jugend, sei heiteren Herzens in deinen frühen Jahren! Geh auf den Wegen, die dein Herz dir sagt, zu dem, was deine Augen vor sich sehen. Aber sei dir bewusst, dass Gott dich für all das vor Gericht ziehen wird. Halte deinen Sinn von Ärger frei, und schütz deinen Leib vor Krankheit; denn die Jugend und das dunkle Haar sind Windhauch. Denk an deinen Schöpfer in deinen frühen Jahren, ehe die Tage der Krankheit kommen und die Jahre dich erreichen, von denen du sagen wirst: Ich mag sie nicht!, ehe Sonne und Licht und Mond und Sterne erlöschen und auch nach dem Regen wieder Wolken aufziehen: am Tag, da die Wächter des Hauses zittern, die starken Männer sich krümmen, die Müllerinnen ihre Arbeit einstellen, weil sie zu wenige sind, es dunkel wird bei den Frauen, die aus den Fenstern blicken, und das Tor zur Straße verschlossen wird; wenn das Geräusch der Mühle verstummt, steht man auf beim Zwitschern der Vögel, doch die Töne des Lieds verklingen; selbst vor der Anhöhe fürchtet man sich und vor den Schrecken am Weg; der Mandelbaum blüht, die Heuschrecke schleppt sich dahin, die Frucht der Kaper platzt, doch ein Mensch geht zu seinem ewigen Haus, und die Klagenden ziehen durch die Straßen - ja, ehe die silberne Schnur zerreißt, die goldene Schale bricht, der Krug an der Quelle zerschmettert wird, das Rad zerbrochen in die Grube fällt, der Staub auf die Erde zurückfällt als das, was er war, und der Atem zu Gott zurückkehrt, der ihn gegeben hat. Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, das ist alles Windhauch.
Halte deinen Sinn von Ärger frei.
Manchmal, wenn wir uns aufregen, sagen wir sehr schnell: Der oder die ärgert mich! Aber eigentlich müsste ich sagen: Ich ärgere mich. Meine Gefühle gehören doch mir. Ich ärgere mich! Der andere bringt nur das in mir zum Schwingen, was schon da ist. Wäre ich mit mir ganz im Reinen, dann bliebe ich cool und würde mich nicht ärgern.
Nicht der andere ärgert mich, sondern ich ärgere mich.
Der ärgert mich.
Eigentlich müsste ich „dem, der mich ärgert“ dankbar sein, denn er macht mich auf etwas aufmerksam, was in mir noch der Reifung bedarf. Wenn ich mich ärgere, dann stelle ich bei mir plötzlich fest, dass ich doch noch nicht so ausgeglichen bin, wie ich es gerne hätte.
Die Kratzbürste
Lieber Gott, bitte segne die Kratzbürste, "die mich ärgert", denn sie zeigt mir lediglich das, was in mir ist. Meine Gefühle gehören mir und nicht „dem, der mich ärgert“. Die Kratzbürste bringt also lediglich das zum Schwingen und fördert das an die Oberfläche, was in mir immer noch da ist. Die Kratzbürste zeigt mir, wie ich wirklich bin. Danke, liebe Kratzbürste.
Bild: pexels-photo-7484876 /Antoni Shkraba
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