Man hört von Unzucht unter euch
1 Kor 5, 1-8 Montag, 23. Woche
Übrigens hört man von Unzucht unter euch, und zwar von Unzucht, wie sie nicht einmal unter den Heiden vorkommt, dass nämlich einer mit der Frau seines Vaters lebt. Und da macht ihr euch noch wichtig, statt traurig zu werden und den aus eurer Mitte zu stoßen, der so etwas getan hat. Was mich angeht, so habe ich - leiblich zwar abwesend, geistig aber anwesend - mein Urteil über den, der sich so vergangen hat, schon jetzt gefällt, als ob ich persönlich anwesend wäre: Im Namen Jesu, unseres Herrn, wollen wir uns versammeln, ihr und mein Geist, und zusammen mit der Kraft Jesu, unseres Herrn, diesen Menschen dem Satan übergeben zum Verderben seines Fleisches, damit sein Geist am Tag des Herrn gerettet wird. Zu Unrecht rühmt ihr euch. Wisst ihr nicht, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert? Schafft den alten Sauerteig weg, damit ihr neuer Teig seid. Ihr seid ja schon ungesäuertes Brot; denn als unser Paschalamm ist Christus geopfert worden. Lasst uns also das Fest nicht mit dem alten Sauerteig feiern, nicht mit dem Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit den ungesäuerten Broten der Aufrichtigkeit und Wahrheit
Übrigens hört man von Unzucht unter euch.
Paulus sagt nicht, dass jemand seine Mutter geheiratet hat, sondern dass jemand mit der Frau seines Vaters lebt. Wahrscheinlich ist also, dass Paulus hier die Stiefmutter meint, die auch altersmäßig dem Sohn näherstehen konnte. Es handelt sich bei dem ganzen Vorgang nicht um eine Sünde im erotischen Rausch. Hier hat ein Mann bewusst mit seiner Stiefmutter die Ehe geschlossen.
Und da macht ihr euch noch wichtig.
Von der Frau und von dem Mann wird überhaupt nicht gesprochen, sondern von der Gemeinde und ihrem Verhalten. Die Gemeinde der Christen sieht und empfindet nämlich die Schwere der Sünde nicht mehr. Grobe sittliche Missstände werden in Korinth stillschweigend geduldet. Die Christen in Korinth waren tolerant und haben alles zugelassen. Sie waren offen für jedwede Form der Lebenspartnerschaft und vermutlich waren sie auch noch stolz auf diese Haltung. Paulus sagt (mit Kopfschütteln): Ihr macht euch auch noch wichtig.
Zu Unrecht rühmt ihr euch.
Wer heute nicht tolerant ist und alle möglichen Lebensentwürfe akzeptiert und für gutheißt, bekommt den vollen Druck der Gesellschaft, aber auch so mancher christlicher Freidenker ab. Vielleicht werden spätere Generationen über unsere Zeit ein anderes Urteil fällen, als wir es im Moment gerade tun. Vielleicht werden unsere Nachkommen aber auch einmal sagen: zu Unrecht habt ihr alles toleriert. Zu Unrecht wart ihr stolz auf eure Offenheit.
Bild: pexels-photo-11587594 / Olena Bohovyk
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