Klagen ist wichtig
Ijob 3, 1-3.11-17.20-23 Dienstag, 26. Woche
Ijob tat seinen Mund auf und verfluchte seinen Tag. Ijob ergriff das Wort und sprach: Ausgelöscht sei der Tag, an dem ich geboren bin, die Nacht, die sprach: Ein Mann ist empfangen. Warum starb ich nicht vom Mutterschoß weg, kam ich aus dem Mutterleib und verschied nicht gleich? Weshalb nur kamen Knie mir entgegen, wozu Brüste, dass ich daran trank? Still läge ich jetzt und könnte rasten, entschlafen wäre ich und hätte Ruhe bei Königen, bei Ratsherren im Land, die Grabkammern für sich erbauten, oder bei Fürsten, reich an Gold, die ihre Häuser mit Silber gefüllt. Wie die verscharrte Fehlgeburt wäre ich nicht mehr, Kindern gleich, die das Licht nie geschaut. 17Dort hören Frevler auf zu toben, dort ruhen aus, deren Kraft erschöpft ist. 20Warum schenkt er dem Elenden Licht und Leben denen, die verbittert sind? Sie warten auf den Tod, der nicht kommt, sie suchen ihn mehr als verborgene Schätze. Sie würden sich freuen über einen Hügel; fänden sie ein Grab, sie würden frohlocken. Wozu Licht für den Mann auf verborgenem Weg, den Gott von allen Seiten einschließt?
Das Unglück hat Hiob hart getroffen. Innerhalb eines einzigen Tages verlor er alles, was ihm lieb und teuer war. Seine Kinder und seine Diener starben, seine Tiere wurden ihm von umerziehenden Räuberbanden geraubt. Hiob muss ohne einen ersichtlichen Grund leiden und erleidet schuldlos schlimme Dinge. Ich kann nachvollziehen, warum er nun in eine tiefe Sinnkrise stürzt und sogar den Tag seiner eigenen Geburt verflucht. Er geht sogar so weit, dass er sich wünscht, nie geboren worden zu sein.
Loben, bitten, klagen.
Irgendwo habe ich einmal gelesen, dass das Gebet folgende Struktur haben soll. Zuerst soll man Gott loben, dann bitten und dann darf man erst klagen.
Bei Hiob aber lerne ich etwas Anderes. Er schreit sein ganzes Leid und seine ganze Klage Gott entgegen. Er muss erst einmal Dampf ablassen. Später werden wir dann sehen, dass sich sein Gebet ändert und er Gott, nachdem er sich durch Klagen den ganzen Frust von der Seele geredet hat, auch danken und loben kann.
Klagen, danken, bitten.
Haben Sie keine Angst, Gott auch Ihren ganzen Frust, Ihren ganzen Ärger und Ihr ganzes Sorgenpaket entgegenzuhalten. Wenn es jemanden gibt, vor dem wir sein dürfen, wie wir sind, dann ist es Gott. Machen Sie es wie Hiob und reden Sie sich alles von der Seele, solange, bis Sie merken und spüren, dass wieder ein kleiner Sonnenstrahl auf den Grund Ihrer Seele hindurchdringt.
Bild: exels-photo-4584538. / Ketut Subjanto
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