Milch oder feste Speise
1 Kor 3, 1-9 Mittwoch, 22. Woche
Vor euch, Brüder, konnte ich aber nicht wie vor Geisterfüllten reden; ihr wart noch irdisch eingestellt, unmündige Kinder in Christus. Milch gab ich euch zu trinken statt fester Speise; denn diese konntet ihr noch nicht vertragen. Ihr könnt es aber auch jetzt noch nicht; denn ihr seid immer noch irdisch eingestellt. Oder seid ihr nicht irdisch eingestellt, handelt ihr nicht sehr menschlich, wenn Eifersucht und Streit unter euch herrschen? Denn wenn einer sagt: Ich halte zu Paulus!, ein anderer: Ich zu Apollos!, seid ihr da nicht Menschen? Was ist denn Apollos? Und was ist Paulus? Ihr seid durch sie zum Glauben gekommen. Sie sind also Diener, jeder, wie der Herr es ihm gegeben hat: Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber ließ wachsen. So ist weder der etwas, der pflanzt, noch der, der begießt, sondern nur Gott, der wachsen lässt. Wer pflanzt und wer begießt: beide arbeiten am gleichen Werk, jeder aber erhält seinen besonderen Lohn, je nach der Mühe, die er aufgewendet hat. Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld, Gottes Bau.
Milch gab ich euch zu trinken …
Wenn ich die Zeilen der heutigen Lesung auch nur kurz in mir wirken lasse, dann frage ich mich sofort, welche Reaktionen der Zuhörer ich ernten würde, würde ich so predigen wie Paulus. Mir fehlt der Mut -also lieber nicht!
… statt fester Speise.
Und doch denke ich, dass das, was Paulus den Korinthern sagt, auch für die modernen Menschen unserer Zeit gilt. Ich wage zu behaupten, dass die Mehrheit der Katholiken sich in einem geistlichen Säuglingsalter befindet und nur nach der süßen Muttermilch verlangt, aber nicht nach fester geistlicher Nahrung.
Ihr seid immer noch irdisch eingestellt.
Auch bei uns herrschen Eifersucht und Streit. Die einen halten zu Maria 1.0 die anderen zu Maria 2.0. Die einen jubeln, wenn der synodale Weg frech voranschreitet, andere bedauern, dass man auf diesem Irrweg dabei ist, die Grundlage des katholischen Glaubens zu verlassen. Die einen hissen bunte Regenbogenfahnen, andere schlagen dabei die Hände über dem Kopf zusammen.
Wir sind also Diener.
Nur Diener zu sein und Diener sein zu wollen, ist eigentlich ein voller Gegensatz zur Art des heutigen Menschen. Die Selbstbestimmung und die Eigenständigkeit stehen hoch im Kurs.
Heute möchte ich nicht „selbstbestimmt“, sondern „fremdbestimmt“, gelenkt und geleitet durch Christus, als sein Diener diesen Tag verbringen. Sind sie auch dabei?
Bild: pexels-photo-5946720 / Charlotte May
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