Unterscheidung der Geister
Edgar Wunsch • 7. Juni 2025
Ich sende euch den heiligen Geist. Aber wie kann man den heiligen Geist
vom unheiligen Geist unterscheiden.
Anbei ein paar Kriterien.
Der Heilige Geist
Verstößt nie gegen die Liebe.
Macht uns bereit zu uneigennütziger Liebe.
Schenkt innere Ruhe, Kraft und Sicherheit.
Erscheint nie forsch, fordernd oder ungeduldig.
Setzt uns nicht unter Druck.
Gebraucht nie Angst, Furcht oder Drohung.
Strahlt Ruhe, Kraft und Sicherheit aus.
Führt einen geraden, einsichtigen Weg.
Gibt klare Anweisungen.
Entscheidet nie sprunghaft.
Gibt wichtige Anweisungen auch ein zweites Mal, wenn ich ihn darum bitte.
Führt uns wie Kinder, die Hilfe brauchen.
Lässt uns in Freiheit echte Kinder Gottes sein.
Handelt nie gegen die göttlichen Gesetze.
Lässt reifen und wachsen.
Lässt uns Zeit.
Bittet, regt an, führt zum gefestigten Nachdenken.
Gibt uns Anstöße zum Tätigwerden.
Weckt auf wenn wir trödeln oder bummeln wollen.
Lässt uns mitwirken an der Schöpfung.
Macht uns hellhörig für jede Sünde.
Zeigt uns unsere Fehler und Schwächen so, dass wir uns gern ändern wollen.
Schenkt uns neuen Mut und neue Hoffnung.
Gibt uns befreiende Anweisungen.
Weist uns zärtlich und liebevoll auf Ungerechtigkeiten, Unkorrektheiten, Unwahrhaftigkeiten und Lieblosigkeiten hin.
Führt uns zu Jesus hin, nie von ihm weg.
Erweckt echte Demut, das heißt: Mut zum Dienen an den Menschen und Mut zum Dienen für Jesus.
Will keine außergewöhnlichen Leistungen, sondern vor allem Frieden, Liebe und Vertrauen
Führt zum Handeln „aus Liebe zu Jesus“.
Führt zur Vergebung und Versöhnung.
Zeigt den Weg zur Befreiung aus Sünde und Schuld.
Führt zur Versöhnung mit Gott in der Beichte.
Macht feinfühlig für die Sorge der anderen.
Führt zum Wesentlichen.
Die Geister der Verwirrung
Führen zu Hass, Neid, Eifersucht und Streit.
Fördern Rechthaberei und Besserwisserei.
Verstoßen gegen die christliche Liebe.
Schaffen ein schlechtes, beunruhigendes Gewissen.
Treten bewusst und fordernd auf.
Erwecken einen falschen Leistungsdruck.
Drohen Strafen und Versäumnisse an.
Stellen Forderungen, die Unruhe, Unsicherheit oder Mutlosigkeit erzeugen.
Wählen oft verworrene Zick-Zack-Wege.
Drücken sich gern verwaschen und unklar aus.
Ändern sehr oft ihre Meinung.
Wollen Übereifer und damit Überforderung erzeugen.
Geben oft widersinnige, unnatürliche Anweisungen.
Bedrängen und stellen ultimative Forderungen.
Weisen auf „schlimme Versäumnisse“ hin.
Lähmen unser Handeln.
Führen zu Passivität.
Verharmlosen wichtige Aufgaben.
Halten uns ab von notwendiger Mitarbeit.
Machen uns rechthaberisch, lieblos, verbittert.
Stellen unsere Fehler und Schwächen in ein so trübes Licht, dass wir hoffnungslos und passiv werden.
Lassen uns unnütz und hilflos erscheinen.
Erzeugen Angst und Furcht.
Bewirken Hilflosigkeit, Ratlosigkeit und Verzweiflung.
Führen uns von Jesus weg.
Fordern außergewöhnliche Bußleistungen und besondere Gebete.
Weisen auf „unsere Rechte“ hin.
Führen zu Trotzköpfigkeit und Starrsinn.
Zeigen uns, dass „auch wir“ ein Mensch sind, der einmal einen Anspruch stellen kann.
Stellen unsere Fehler und Sünden als schlimme Vergehen hin, die nie mehr gutzumachen sind.
Beharren auf unwesentlichen, unwichtigen Dingen
Ihr Kommentar
tägliche Schriftbetrachtung

Ez 37, 1-14 Freitag, 20. Woche In jenen Tagen legte sich die Hand des Herrn auf mich, und der Herr brachte mich im Geist hinaus und versetzte mich mitten in die Ebene. Sie war voll von Gebeinen. Er führte mich ringsum an ihnen vorüber, und ich sah sehr viele über die Ebene verstreut liegen; sie waren ganz ausgetrocknet. Er fragte mich: Menschensohn, können diese Gebeine wieder lebendig werden? Ich antwortete: Herr und Gott, das weißt nur du. Da sagte er zu mir: Sprich als Prophet über diese Gebeine, und sag zu ihnen: Ihr ausgetrockneten Gebeine, hört das Wort des Herrn! So spricht Gott, der Herr, zu diesen Gebeinen: Ich selbst bringe Geist in euch, dann werdet ihr lebendig. Ich spanne Sehnen über euch und umgebe euch mit Fleisch; ich überziehe euch mit Haut und bringe Geist in euch, dann werdet ihr lebendig. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin. Da sprach ich als Prophet, wie mir befohlen war; und noch während ich redete, hörte ich auf einmal ein Geräusch: Die Gebeine rückten zusammen, Bein an Bein. Und als ich hinsah, waren plötzlich Sehnen auf ihnen, und Fleisch umgab sie, und Haut überzog sie. Aber es war noch kein Geist in ihnen. Da sagte er zu mir: Rede als Prophet zum Geist, rede, Menschensohn, sag zum Geist: So spricht Gott, der Herr: Geist, komm herbei von den vier Winden! Hauch diese Erschlagenen an, damit sie lebendig werden. Da sprach ich als Prophet, wie er mir befohlen hatte, und es kam Geist in sie. Sie wurden lebendig und standen auf - ein großes, gewaltiges Heer. Er sagte zu mir: Menschensohn, diese Gebeine sind das ganze Haus Israel. Jetzt sagt Israel: Ausgetrocknet sind unsere Gebeine, unsere Hoffnung ist untergegangen, wir sind verloren. Deshalb tritt als Prophet auf, und sag zu ihnen: So spricht Gott, der Herr: Ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf. Ich bringe euch zurück in das Land Israel. Wenn ich eure Gräber öffne und euch, mein Volk, aus euren Gräbern heraufhole, dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin. Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig, und ich bringe euch wieder in euer Land. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin. Ich habe gesprochen, und ich führe es aus - Spruch des Herrn. Ein Schlachtfeld voller Gebeine Heute geht es im Buch des Propheten Ezechiel etwas gruselig zu. Ezechiel sieht eine mit ausgetrockneten Gebeinen übersäte Ebene, ein Schlachtfeld voller Knochen von Erschlagenen. Hier hat ein grausames Massaker stattgefunden: Es ist kein Leben mehr da, und es gibt niemanden mehr, der die Toten begraben könnte. Ezechiel blickt auf eine völlig trostlose Szene. Keine Hoffnung auf Leben? Dann fragt der Herr den Propheten, ob diese Gebeine wieder lebendig werden können. Ezechiel hält die Wiederbelebung für völlig unmöglich und antwortet deshalb etwas verlegen und diplomatisch: „Der Herr weiß es.“ Ein unmöglicher Auftrag Nun soll er zu den verdorrten Knochen sprechen und ihnen ankündigen, dass im Auftrag des Herrn wieder Leben in sie einkehren wird. (Das muss man sich einmal bildlich vorstellen!) Vom Tod zum Leben Zum Glück traut sich Ezechiel, diesen unmöglichen Auftrag auszuführen, und schließlich darf er sehen, wie Sehnen, Fleisch und Haut die Knochen überziehen. Am Ende hauchte Gott ihnen sogar noch seinen Geist ein, sodass die Gebeine lebendig wurden. Ein Bild für die Kirche unserer Tage Damals war Israel gemeint, heute ist es unsere Kirche. Ich trage die Hoffnung in mir, dass Gott aus den Überresten einer einst lebendigen Kirche wieder eine neue, geisterfüllte Glaubensgemeinschaft erwecken kann. Gottes Geist konnte damals die vertrockneten Gebeine mit neuem Leben füllen, und derselbe Heilige Geist kann auch heute einer im Sterben liegenden Kirche wieder neue Lebendigkeit hauchen. Bild: pexels-photo-4825689 / Rachel Cl aire

Ez 36, 23-28 Donnerstag, 20. Woche So spricht der Herr: Meinen großen, bei den Völkern entweihten Namen, den ihr mitten unter ihnen entweiht habt, werde ich wieder heiligen. Und die Völker - Spruch Gottes, des Herrn - werden erkennen, dass ich der Herr bin, wenn ich mich an euch vor ihren Augen als heilig erweise. Ich hole euch heraus aus den Völkern, ich sammle euch aus allen Ländern und bringe euch in euer Land. Ich gieße reines Wasser über euch aus, dann werdet ihr rein. Ich reinige euch von aller Unreinheit und von allen euren Götzen. Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch. Ich lege meinen Geist in euch und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Gebote achtet und sie erfüllt. Dann werdet ihr in dem Land wohnen, das ich euren Vätern gab. Ihr werdet mein Volk sein, und ich werde euer Gott sein. Die heutige Lesung löst eine große Sehnsucht in mir aus. Ein neues Herz. Ein Herz aus Stein ist unempfänglich für Gottes Wirken und schaut auch nicht auf die Nöte und Sorgen der Mitmenschen, sondern nur auf das eigene Befinden. Gott möchte mir ein neues Herz, ein Herz aus Fleisch, schenken, in dem er wohnen kann. Bitte, Gott, schenke mir ein Herz aus Fleisch. Einen neuen Geist. Das neue Herz ist offen für Gott. Erst in ein offenes Herz kann Gott dann auch einen neuen Geist hineinlegen. Und Gott verspricht sogar, dass er seinen Geist in uns, in mich hineinlegen wird. Bitte, Gott, schenke mir deinen Heiligen Geist. Eine neue Bereitschaft. Gerne folge ich Gottes Geboten. Oft genug mache ich jedoch mein eigenes Ding. Gott verspricht zu bewirken, dass ich seinen Gesetzen folge und auf seine Gebote achte und sie erfülle. Bitte Gott, hilf mir, deine Gebote zu erfüllen. Täglich neu. Das Versprechen Gottes gegenüber Ezechiel ist kein vorübergehendes Versprechen, sondern ein fortwährendes und unveränderbares Versprechen. Was für ein Glück, dass Gottes Geduld so groß ist und er dieses Versprechen täglich erneuert! Bild: pexels-photo-38931900 / Jueon Kim 김주언

Ez 34, 1-11 Mittwoch, 20. Woche Das Wort des Herrn erging an mich: Menschensohn, sprich als Prophet gegen die Hirten Israels, sprich als Prophet, und sag zu ihnen: So spricht Gott, der Herr: Weh den Hirten Israels, die nur sich selbst weiden. Müssen die Hirten nicht die Herde weiden? Ihr trinkt die Milch, nehmt die Wolle für eure Kleidung und schlachtet die fetten Tiere; aber die Herde führt ihr nicht auf die Weide. Die schwachen Tiere stärkt ihr nicht, die kranken heilt ihr nicht, die verletzten verbindet ihr nicht, die verscheuchten holt ihr nicht zu rück, die verirrten sucht ihr nicht, und die starken misshandelt ihr. Und weil sie keinen Hirten hatten, zerstreuten sich meine Schafe und wurden eine Beute der wilden Tiere. Meine Herde irrte auf allen Bergen und Höhen umher und war über das ganze Land verstreut. Doch keiner kümmerte sich um sie; niemand suchte sie. Darum ihr Hirten, hört das Wort des Herrn: So wahr ich lebe - Spruch Gottes, des Herrn: Weil meine Herde geraubt wurde und weil meine Schafe eine Beute der wilden Tiere wurden - denn sie hatten keinen Hirten - und weil meine Hirten nicht nach meiner Herde fragten, sondern nur sich selbst und nicht meine Herde weideten, darum, ihr Hirten, hört das Wort des Herrn: So spricht Gott, der Herr: Nun gehe ich gegen die Hirten vor und fordere meine Schafe von ihnen zurück. Ich setze sie ab, sie sollen nicht mehr die Hirten meiner Herde sein. Die Hirten sollen nicht länger nur sich selbst weiden: Ich reiße meine Schafe aus ihrem Rachen, sie sollen nicht länger ihr Fraß sein. Denn so spricht Gott, der Herr: Jetzt will ich meine Schafe selber suchen und mich selber um sie kümmern. Weh den Hirten Als Pfarrer ist mir aufgetragen, mich um die Menschen in meiner Kirchengemeinde zu kümmern. Darum muss ich die Drohworte des Propheten Ezechiel gegen die Hirten seines Volkes heute tief in mein Herz hineinlassen und mich fragen: Weh den Hirten. Weide ich mich selbst? Führe ich die Herde zur Weide (zeige ich den Menschen den Weg zu Jesus und führe ich sie zu den Sakramenten)? Stärke ich die Schwachen (habe ich für jene ein aufmunterndes Wort, die schwach und krank sind)? Hole ich die Verscheuchten zurück (kümmere ich mich um jene, die aus der Kirche aus lauter Frust und Enttäuschung ausgetreten sind)? Suche ich die Verirrten (kümmere ich mich um jene, die nicht mehr wissen, was sie glauben sollen)? Überlasse ich die Herde den wilden Tieren (also jenen, die nur sich selbst verkünden, aber nicht das Evangelium auf dem Hintergrund der katholischen Lehre)? Gott, segne alle Hirten! Bild: pexels-photo-6267371 / cottonbro studio

Ez 28, 1-10 Dienstag, 20. Woche 1Das Wort des Herrn erging an mich: 2Menschensohn, sag zum Fürs-ten von Tyrus: So spricht Gott, der Herr: Weil sich dein Herz überhoben hat und du sagtest: Ich bin ein Gott, einen Wohnsitz für Götter bewohne ich im Herzen der Meere. Doch du bist ein Mensch und kein Gott, obwohl du dein Herz dem Herzen eines Gottes gleichgestellt hast. 3Siehe, du bist weiser als Daniel. Kein Geheimnis war dir zu dunkel. 4Durch deine Weisheit und Einsicht schufst du dir Reichtum. Mit Gold und Silber fülltest du deine Kammern. 5Durch deine gewaltige Weisheit, durch deinen Handel hast du deinen Reichtum vermehrt. Doch dein Herz hat sich erhoben wegen all deines Reichtums. 6Darum – so spricht Gott, der Herr: Weil du dein Herz dem Herzen eines Gottes gleichgemacht hast, 7darum, siehe, bringe ich Fremde über dich, tyrannische Nationen. Sie zücken ihre Schwerter gegen all deine prächtige Weisheit, entweihen deinen strahlenden Glanz. 8Sie stoßen dich hinab in das Grab; wie einer durchbohrt wird und stirbt, so stirbst du im Herzen der Meere. 9Wirst du dann angesichts deiner Mörder noch sagen: Ich bin ein Gott? Du bist ein Mensch und kein Gott in der Hand derer, die dich durchbohren. 10Wie Unbeschnittene sterben, so stirbst du durch Fremde; denn ich habe gesprochen – Spruch Gottes, des Herr n. Du bist ein Mensch und kein Gott Die antike Handelsmetropole Tyrus war reich und mächtig. Der Fürst von Tyrus hatte sich ein Imperium aufgebaut und daraus den Schluss gezogen: „Ich bin ein Gott, ich throne wie ein Gott mitten im Meer.“ Du bist ein Mensch und kein Gott Aber Gott konfrontiert den Fürsten von Tyrus in Vers 2 mit der harten Realität: „Du bist ein Mensch und kein Gott, obwohl du dein Herz dem Herzen eines Gottes gleichgestellt hast“. Siehe, du bist weiser als Daniel Gott bestreitet nicht die Fähigkeiten des Fürsten. Im Gegenteil, er bestätigt sie sogar: „Du bist weiser als Daniel“ (V. 3). Das Problem ist nicht die Begabung, sondern das, was der Mensch daraus macht. Du bist ein Mensch und kein Gott Die Pointe des Textes ist letztlich keine reine Kritik an Macht oder Reichtum als solchen, sondern an dem Irrglauben, dass meine Talente und Begabungen mein Eigentum sind. Eigentum bedeutet: Ich verfüge. Ich bestimme. Ich schulde niemandem Rechenschaft. Alles gehört mir. Ich throne wie ein Gott mitten in meinem Büro. Du bist ein Mensch und kein Gott Nicht, dass ein Mensch tolle Begabungen und Talente besitzt, ist das Problem, sondern dass der Mensch oft seine Fähigkeiten nur noch für sich selbst nutzt und vergisst, dass er sie eigentlich auch vor Gott verantworten muss. Auch nicht der Reichtum selbst ist das Problem, sondern wenn ich vergesse, dass er mir anvertraut wurde und nicht wirklich mir gehört. Bild: pexels-photo-5486199-ac544b1d / Maksim Goncharenok

Ez 24, 15-24 Montag 20. Woche Das Wort des Herrn erging an mich: Menschensohn, ich nehme dir die Freude deiner Augen durch einen jähen Tod. Doch du sollst weder klagen noch weinen. Keine Träne darfst du vergießen, nur leise stöhnen. Keine Trauerfeier sollst du halten. Binde deinen Kopfbund um, und zieh deine Schuhe an! Verhülle deinen Bart nicht, und iss kein Trauerbrot! Ich redete am Morgen zum Volk. Meine Frau starb am Abend, und ich tat am Morgen, was mir befohlen war. Da sagte das Volk zu mir: Willst du uns nicht erklären, was dein Verhalten für uns zu bedeuten hat? Ich antwortete ihnen: Das Wort des Herrn ist an mich ergangen. Sag zum Haus Israel: So spricht Gott, der Herr: Ich will mein Heiligtum entweihen, den Zufluchtsort, auf den ihr so stolz seid, die Freude eurer Augen und die Sehnsucht eurer Seele. Eure Söhne und Töchter, die ihr zurückgelassen habt, werden unter dem Schwert fallen. Dann werdet ihr genauso handeln wie ich: Ihr werdet den Bart nicht verhüllen und kein Trauerbrot essen. Euren Kopfbund werdet ihr auf dem Kopf behalten und eure Schuhe an den Füßen. Ihr werdet weder klagen noch weinen, sondern wegen eurer Sünden dahinsiechen und miteinander stöhnen. Ezechiel wird ein Mahnzeichen für euch sein. Genauso wie er gehandelt hat, werdet ihr handeln; wenn das eintrifft, werdet ihr erkennen, dass ich Gott, der Herr, bin. Die Freude deiner Augen Ezechiel erhält heute eine schockierende Botschaft: Seine Frau, „die Freude seiner Augen“, das Liebste und Teuerste was er hat, wird eines plötzlichen Todes sterben. Das Volk fordert daraufhin eine Erklärung. Der Zufluchtsort, auf den ihr so stolz seid Das Volk hatte sich zu sehr darauf verlassen: „Uns kann nichts passieren, wir haben Gott einen großen und prächtigen Tempel gebaut – jetzt muss Gott uns einfach segnen.“ Sie waren stolz auf den Tempel, den sie ja selbst gebaut hatten. Sie vertrauten auf das Zeichen mehr als auf den, auf den das Zeichen hinwies. Der Zufluchtsort, auf den ihr so stolz seid Der Tempel war prachtvoll, über Generationen hinweg gebaut und erhalten. Er war das architektonische und nationale Herzstück Judas. Es ist menschlich, auf etwas stolz zu sein, das man sieht, anfassen und vorzeigen kann. Aber dennoch: Sie vertrauten auf den Tempel mehr als auf den für den dieses Gebäude gebaut wurde. Die Kirche auf die ihr so stolz seid Ich stelle mit Verwundung fest, dass in unseren historischen Kirchen die Menschen bewundernd vor den Gemälden und Altären der Geschichte stehen bleiben, aber vor dem Tabernakel, dem Ort der Gegenwart Gottes, achtlos vorübergehen. Auch in unseren Tagen schenken manche Menschen dem Kirchengebäude und seinen Kunstwerken mehr Aufmerksamkeit als dem Herrn selbst, für den dies alles ja gemacht wurde. Bild: Pexel / Patrick

Ez 18, 1-10.13b.30-32 Samstag, 19. Woche Das Wort des Herrn erging an mich: Wie kommt ihr dazu, im Land Israel das Sprichwort zu gebrauchen: Die Väter essen saure Trauben, und den Söhnen werden die Zähne stumpf? So wahr ich lebe - Spruch Gottes, des Herrn -, keiner von euch in Israel soll mehr dieses Sprichwort gebrauchen. Alle Menschenleben sind mein Eigentum, das Leben des Vaters ebenso wie das Leben des Sohnes, sie gehören mir. Nur wer sündigt, soll sterben. Ist jemand gerecht, so handelt er nach Recht und Gerechtigkeit. Er hält auf den Bergen keine Opfermahlzeiten ab. Er blickt nicht zu den Götzen des Hauses Israel auf. Er schändet nicht die Frau seines Nächsten. Einer Frau tritt er nicht nahe während ihrer Blutung. Er unterdrückt niemand. Er gibt dem Schuldner das Pfand zurück. Er begeht keinen Raub. Dem Hungrigen gibt er von seinem Brot, und den Nackten bekleidet er. Er leiht nicht gegen Zins und treibt keinen Wucher. Er hält seine Hand vom Unrecht fern. Zwischen Streitenden fällt er ein gerechtes Urteil. Er lebt nach meinen Gesetzen, er achtet auf meine Rechtsvorschriften und befolgt sie treu. Er ist gerecht, und deshalb wird er am Leben bleiben - Spruch Gottes, des Herrn. Angenommen aber, er zeugt einen Sohn, der gewalttätig wird, der Blut vergießt oder eine andere von diesen Sünden begeht, soll der dann am Leben bleiben? Er soll nicht am Leben bleiben. Er hat alle diese Gräueltaten verübt, darum muss er sterben. Er ist selbst schuld an seinem Tod. Darum will ich euch richten, jeden nach seinem Verhalten, ihr vom Haus Israel - Spruch Gottes, des Herrn. Kehrt um, wendet euch ab von all euren Vergehen! Sie sollen für euch nicht länger der Anlass sein, in Sünde zu fallen. Werft alle Vergehen von euch, die ihr verübt habt! Schafft euch ein neues Herz und einen neuen Geist! Warum wollt ihr sterben, ihr vom Haus Israel? Ich habe doch kein Gefallen am Tod dessen, der sterben muss – Spruch Gottes, des Herrn. Kehrt um, damit ihr am Leben bleibt. Viele Fragezeichen Ich verstehe vieles nicht, was in den verschiedenen Büchern der Bibel überliefert ist. So manche Texte sind mir fremd und ich bleibe ohne Erklärung. Auch die heutige Lesung enthält wieder eine harte Aussage, zu der mir eine Auslegung zunächst schwerfällt. Warum muss zum Beispiel derjenige sterben, der die beschriebenen Gräueltaten verübt hat? Warum muss der sterben, der Blut vergossen hat? Warum ordnet der Prophet im Auftrag Gottes solche Sachen an? Nicht „wegtheologisieren“ Ich lasse solche Stellen einfach einmal stehen, ohne weiter darüber nachzugrübeln. Ich streiche sie nicht aus der Leseordnung oder versuche sie "wegzutheologisieren". Die gleiche Lesung wird in zwei Jahren wieder gelesen und vielleicht verstehe ich dann etwas besser. Lebe, was du verstehst. Die heutige Lesung bietet viele Aussagen, die ich verstehe und die ich in meinem Leben sofort und ohne nachzudenken umsetzen kann. Unterdrücke niemand. Begehe keinen Raub. Gib dem Hungrigen dein Brot. Bekleide den Nackten Das ist leicht zu verstehen, und ich staune, dass die Werke der Barmherzigkeit, die ich aus dem Testament kenne, schon hier im Alten Testament von Ezechiel gefordert werden. Wenn ich versuche, das umzusetzen, was ich aus der Lesung verstehe, dann habe ich für heute genug zu tun. Bild: pexels-photo-7298466 / My / Kindel Media

Ez 16, 1-15.60.63 Freitag, 19. Woche Das Wort des Herrn erging an mich: Menschensohn, mach Jerusalem seine Gräueltaten bewusst! Sag: So spricht Gott, der Herr, zu Jerusalem: Deiner Herkunft und deiner Geburt nach stammst du aus dem Land der Kanaaniter. Dein Vater war ein Amoriter, deine Mutter eine Hetiterin. Bei deiner Geburt, als du geboren wurdest, hat man deine Nabelschnur nicht abgeschnitten. Man hat dich nicht mit Wasser abgewaschen, nicht mit Salz eingerieben, nicht in Windeln gewickelt. Nichts von all dem hat man getan, kein Auge zeigte dir Mitleid, niemand übte Schonung an dir, sondern am Tag deiner Geburt hat man dich auf freiem Feld ausgesetzt, weil man dich verabscheute. Da kam ich an dir vorüber und sah dich in deinem Blut zappeln; und ich sagte zu dir, als du blutverschmiert dalagst: Bleib am Leben! Wie eine Blume auf der Wiese ließ ich dich wachsen. Und du bist herangewachsen, bist groß geworden und herrlich aufgeblüht. Deine Brüste wurden fest; dein Haar wurde dicht. Doch du warst nackt und bloß. Da kam ich an dir vorüber und sah dich, und siehe, deine Zeit war gekommen, die Zeit der Liebe. Ich breitete meinen Mantel über dich und bedeckte deine Nacktheit. Ich leistete dir den Eid und ging mit dir einen Bund ein - Spruch Gottes, des Herrn -, und du wurdest mein. Dann habe ich dich gebadet, dein Blut von dir abgewaschen und dich mit Öl gesalbt. Ich kleidete dich in bunte Gewänder, zog dir Schuhe aus Tahasch-Leder an und hüllte dich in Leinen und kostbare Gewänder. Ich legte dir prächtigen Schmuck an, legte dir Spangen an die Arme und eine Kette um den Hals. Deine Nase schmückte ich mit einem Reif, Ohrringe hängte ich dir an die Ohren und setzte dir eine herrliche Krone auf. Mit Gold und Silber konntest du dich schmücken, in Byssus, Seide und bunte Gewebe dich kleiden. Feinmehl, Honig und Öl war deine Nahrung. So wurdest du strahlend schön und wurdest sogar Königin. Der Ruf deiner Schönheit drang zu allen Völkern; denn mein Schmuck, den ich dir anlegte, hatte deine Schönheit vollkommen gemacht - Spruch Gottes, des Herrn. Doch dann hast du dich auf deine Schönheit verlassen, du hast deinen Ruhm missbraucht und dich zur Dirne gemacht. Jedem, der vorbeiging, hast du dich angeboten, jedem bist du zu Willen gewesen. Aber ich will meines Bundes gedenken, den ich mit dir in deiner Jugend geschlossen habe, und will einen ewigen Bund mit dir eingehen. Dann sollst du dich erinnern, sollst dich schämen und vor Scham nicht mehr wagen, den Mund zu öffnen, weil ich dir alles vergebe, was du getan hast - Spruch Gottes, des Herrn. Bleib am Leben. In Bildern beschreibt Ezechiel die ganze Geschichte Israels. Gott hat sich des Volkes angenommen, es behütet und gepflegt. Die Geschichte Gottes mit seinem Volk ist eine Liebesbeziehung, in der Gott seine Treue gegenüber dem Volk niemals infrage stellt. Du bist zur Dirne geworden Ganz anders jedoch das Volk Gottes. Kaum war es erwachsen, wollte es die Hilfe und die Pflege Gottes nicht mehr und wurde untreu. Israel gebärdet sich als Eigentümer seiner Gaben, bietet sich anderen an, und bei anderen sucht es auch Hilfe, wenn es in Not ist. Ezechiel benutzt darum scharfe Worte. Er sagt: Du bist zur Dirne geworden. Allem und jedem läufst du nach. Wie ist es denn heute? Laufen wir in unserer Gesellschaft nicht auch jedem Trend nach? Wollen wir nicht auch alle neuen Ideologien ausprobieren? Sind uns manche Dinge nicht auch wichtiger als Gott? Wie ist es mit mir? Aber auch heute gilt: Nicht auf die Anderen schauen, nicht auf die Gesellschaft, nicht auf die Großen, die Einflussreichen, die Idole und die Weltverbesserer. Immer muss ich mich fragen: Wie ist es mit mir? Wem laufe ich nach? Wem gehört mein Herz? Bild: pexels-photo-5020304 / C ottonbro Studio

Ez 12, 1-12 Donnerstag, 19. Woche Das Wort des Herrn erging an mich: Menschensohn, du wohnst mitten unter einem widerspenstigen Volk, das Augen hat, um zu sehen, und doch nicht sieht, das Ohren hat, um zu hören, und doch nicht hört; denn sie sind ein widerspenstiges Volk. Du, Menschensohn, pack deine Sachen, als würdest du verschleppt, und geh am hellen Tag vor ihren Augen weg, als ob du vor ihren Augen von deinem Wohnsitz an einen andern verschleppt würdest. Vielleicht sehen sie es; aber sie sind ja ein widerspenstiges Volk. Trag dein Gepäck bei Tag vor ihren Augen hinaus, wie ein Mann, der verschleppt wird. Am Abend aber geh selbst vor ihren Augen hinaus, wie die Leute, die in die Verbannung ziehen. Brich dir vor ihren Augen ein Loch in die Wand, und kriech hindurch! Vor ihren Augen nimm das Gepäck auf die Schulter! Bring es in der Dunkelheit weg! Verhülle dein Gesicht, damit du das Land nicht mehr siehst. Denn ich habe dich zum Mahnzeichen für das Haus Israel gemacht. Ich tat, was mir befohlen wurde. Bei Tag trug ich mein Gepäck hinaus, wie ein Mann, der verschleppt wird. Am Abend brach ich mit den Händen ein Loch durch die Wand; in der Dunkelheit kroch ich hindurch. Dann nahm ich vor ihren Augen das Gepäck auf die Schulter. Am nächsten Morgen erging das Wort des Herrn an mich: Menschensohn, hat nicht das Haus Israel, das widerspenstige Volk, zu dir gesagt: Was machst du da? Sag zu ihnen: So spricht Gott, der Herr: Dieses drohende Wort gilt dem Fürsten von Jerusalem und dem ganzen Volk Israel, das in Jerusalem wohnt. Sag: Ich bin ein Mahnzeichen für euch: Was ich getan habe, das wird mit ihnen geschehen; in die Verbannung, in die Gefangenschaft werden sie ziehen. Ihr Fürst wird in der Dunkelheit sein Gepäck auf die Schulter nehmen und hinausgehen. In die Mauer wird man ein Loch brechen, um hindurchzugehen. Er wird sein Gesicht verhüllen, um mit seinen Augen das Land nicht zu sehen. Pack deine Sachen Ezechiel soll einen Auftrag ausführen. Er soll seine Sachen packen und vor den Augen der Israeliten weggehen, so als würde er in die Verbannung gehen und nicht mehr zurückkommen. Das Volk soll nicht nur hören, was er sagt, sie sollen auch am Leben des Ezechiel mit den Augen sehen und erkennen, was Gott von ihnen fordert. Gott ist ein guter Pädagoge. Er weiß, dass Worte sehr schnell wieder vergessen werden, dass aber ein Lebensbeispiel, ein Lebenszeugnis beeindruckt und besser im Gedächtnis haften bleibt. Was machst du da? Ezechiel soll solange sein Gepäck packen und vor den Augen des Volkes weggehen bis sie anfangen zu frage: Was tust du denn da. Was soll denn das. Worin liegt der Sinn? Lebst du auch was du glaubst und verkündest? Mehr als Worte beeindruckt sicher das Lebenszeugnis eines Menschen, darum soll auch ein Christ vor allem durch sein Leben den Menschen um ihn herum ein Zeugnis seines Glaubens geben. Solange bis sie anfangen zu fragen: Warum machst du das? Warum gehst du am Sonntag in die Kirche, warum töten Christen keine kleinen Kinder im Mutterleib … So stellt mir die heutige Lesung die Frage: Lebst du auch was du glaubst und verkündest? Bild: pexels-photo-9185813 / Timur Weber

Ez 9, 1-8a; 10, 18-22 Mittwoch, 19. Woche Gott, der Herr, schrie mir laut in die Ohren: Das Strafgericht über die Stadt ist nahe. Jeder soll sein Werkzeug zum Zertrümmern in die Hand nehmen. Da kamen sechs Männer vom oberen Tor, das im Norden liegt. Jeder hatte sein Werkzeug zum Zertrümmern in der Hand. Unter ihnen war auch ein Mann, der ein leinenes Gewand anhatte; an seinem Gürtel hing Schreibzeug. Sie kamen herein und stellten sich neben den Altar aus Bronze. Die Herrlichkeit des Gottes Israels schwebte von den Kerubim, über denen sie war, hinüber zur Schwelle des Tempels. Er rief den Mann, der das leinene Gewand anhatte und an dessen Gürtel das Schreibzeug hing. Der Herr sagte zu ihm: Geh mitten durch die Stadt Jerusalem und schreib ein T auf die Stirn aller Männer, die über die in der Stadt begangenen Gräueltaten seufzen und stöhnen. Und ich hörte, wie er zu den anderen sagte: Geht hinter ihm her durch die Stadt, und schlagt zu! Euer Auge soll kein Mitleid zeigen, gewährt keine Schonung! Alt und jung, Mädchen, Kinder und Frauen sollt ihr erschlagen und umbringen. Doch von denen, die das T auf der Stirn haben, dürft ihr keinen anrühren. Beginnt in meinem Heiligtum! Da begannen sie bei den Ältesten, die vor dem Tempel standen. Er sagte zu ihnen: Macht den Tempel unrein, füllt seine Höfe mit Erschlagenen! Dann geht hinaus, und schlagt in der Stadt zu! Sie schlugen zu, und ich allein blieb übrig; Da verließ die Herrlichkeit des Herrn die Schwelle des Tempels und nahm wieder ihren Platz über den Kerubim ein. Die Kerubim bewegten ihre Flügel und hoben sich vor meinen Augen vom Boden empor. Sie gingen hinaus, und die Räder liefen an ihrer Seite mit. Vor dem östlichen Tor am Haus des Herrn blieben sie stehen. Und die Herrlichkeit des Gottes Israels schwebte über ihnen. Es waren die Lebewesen, die ich unter dem Thron des Gottes Israels am Fluss Kebar gesehen hatte, und ich erkannte, dass es Kerubim waren. Jedes dieser Lebewesen hatte vier Gesichter und vier Flügel. Unter ihren Flügeln hatten sie etwas, das wie Menschenhände aussah. Ihre Gesichter glichen den Gesichtern, die ich am Fluss Kebar gesehen hatte. Jedes Lebewesen ging in die Richtung, in die eines seiner Gesichter wies. Beginnt in meinem Heiligtum! Eine furchtbare Lesung voller Gewalt. Auch wenn ich die Brutalität der heutigen Lesung nicht verstehe, so kann ich doch erkennen, dass das Gericht am Heiligtum beginnt, das zum Ort des Götzendienstes geworden ist. „Beginnt in meinem Heiligtum“ Die Herrlichkeit des Gottes schwebte, hinüber zur Schwelle des Tempels. Gott geht zuerst zum Tempel. Er möchte sich davon überzeugen, dass er dort einen rechten Tempeldienst vorfindet. Aber bereits an der Schwelle des Tempels sieht er den Götzendienst, der sich eingeschlichen hatte. Die Herrlichkeit des Gottes schwebte, hinüber zur Schwelle des Tempels. In Ez 8,11 wird beschrieben, dass „siebzig Männer von den Ältesten (also der gesamte Rat der Ältesten, die das ganze Volk repräsentieren) hingebungsvoll damit beschäftigt waren, ihren Götzendienst zu praktizieren.“ Niemand war mehr da, der dem Götzendienst ein Ende setzen wollte. Die Herrlichkeit des Gottes schwebte, hinüber zur Schwelle des Tempels. Wenn der Gottesdienst nicht mehr stimmt, dann fehlt auch der Segen auf dem Volk. Hat man Gott vergessen, dann ist der Mensch auf sich selbst geworfen und macht sich selbst zum Maß aller Dinge. Etwas Schlimmeres kann es nicht geben. „Der Herr sieht uns nicht“, So sagten es die Einwohner des Landes bereits ein Kapitel zuvor (Ez 8, 12). Der Herr sieht uns nicht, darum lasst uns leben nach unserer Façon. Darum lasst uns ablegen die Gebote Gottes und unserer Lust frönen, der Herr sieht uns nicht, er hat das Land verlassen. Gott überließ sie ihren eigenen Leidenschaften und ihren eigenen Gräueltaten. Gott überlässt die Menschen den Konsequenzen ihres eigenen Tuns. Das soll der Sinn dieser Visionen sein. Es ist, als ob Gott sagt: Gut, dann nehmt eure Werkzeuge, mit denen ihr eigentlich etwas aufbauen und erschaffen sollt, und benutzt sie zum Zertrümmern. Schreib ein T auf die Stirn aller Männer. Wer zu Gott hält, wird von ihm gerettet. Die Sehnsucht Gottes ist zu retten. Auch wenn wir solche schrecklichen Schilderungen in der Bibel lesen, dann dürfen wir doch an Gott nicht irrewerden. Leid, Tod und Not gehen immer vom Menschen aber niemals von Gott aus. Gott ist ein Gott der retten möchte. Er möchte sein Erbarmen und seine Liebe über allen Menschen ausschütten. Bild: pexels-photo-30735645 / Anastasiia Klochk o

Ez 2, 8 - 3, 4 Dienstag, 19. Woche So spricht der Herr: Du, Menschensohn, höre, was ich zu dir sage. Sei nicht widerspenstig wie dieses widerspenstige Volk! Öffne deinen Mund, und iss, was ich dir gebe. Und ich sah: Eine Hand war ausgestreckt zu mir; sie hielt eine Buchrolle. Er rollte sie vor mir auf. Sie war innen und außen beschrieben, und auf ihr waren Klagen, Seufzer und Weherufe geschrieben. Er sagte zu mir: Menschensohn, iss, was du vor dir hast. Iss diese Rolle! Dann geh, und rede zum Haus Israel! Ich öffnete meinen Mund, und er ließ mich die Rolle essen. Er sagte zu mir: Menschensohn, gib deinem Bauch zu essen, fülle dein Inneres mit dieser Rolle, die ich dir gebe. Ich aß sie, und sie wurde in meinem Mund süß wie Honig. Er sagte zu mir: Geh zum Haus Israel, Menschensohn, und sprich mit meinen Worten zu ihnen! Sei nicht widerspenstig. Das könnte Gott auch zu mir sagen: Edgar, sei nicht widerspenstig. Du weißt, was zu tun ist. Fange endlich an, dein Christsein ernst zu nehmen, und lebe nicht mit Halbheiten. Öffne deinen Mund, und iss, was ich dir gebe. Es ist leicht zu verstehen, was Gott hier meint. Ezechiel soll die Buchrolle, das Wort Gottes, in sich aufnehmen. In einer Tropfsteinhöhle kann man gut sehen, dass viele Tropfen Wasser über die Zeit große Stalagmiten und Stalaktiten wachsen lassen können. Wenn wir täglich das Wort Gottes in uns aufnehmen, dann kann auch in uns geistlich etwas wachsen. Auch wir müssen die Buchrolle, das Wort Gottes, essen. Sie wurde in meinem Mund süß wie Honig Die Buchrolle, die Ezechiel essen muss, enthält nichts als Klagen, Seufzer und Weherufe, aber dennoch schmeckt sie Ezechiel süß wie Honig. Bei aller Bitterkeit, die ihm bevorsteht, weiß sich der Pro-phet auf der Seite Gottes. Er weiß, dass Gott es gut mit ihm meint, egal ob er lobt oder tadelt, ob er sich über meine Taten freut, oder ob es da etwas zum Beklagen gibt. Sprich mit meinen Worten zu ihnen! Das ist eine Herausforderung auch für mich. Auch ich (und du, lieber Leser, liebe Leserin) soll nicht meine eigenen Vorstellungen von Glaube und Kirche verkünden, sondern das, was Gott gefällt und das, was die Kirche lehrt. Wir sehen: Auch heute ist die Lesung wieder ganz konkret. Bild: pexels-photo-8550727 / Kindel Media

