Bevor ich dich im Mutterleib formte

ew • 21. Juli 2026

Jer 1, 1. 4-10            Mittwoch, 16 Woche 

  1 Worte Jeremias, des Sohnes Hilkijas, aus der Priesterschaft von Anatot im Land Benjamin. 4 Das Wort des HERRN erging an mich: 5 Bevor ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich erkannt, und bevor du aus dem Schoß hervorkamst, habe ich dich geheiligt; zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt. 6 Da sagte ich: Ach, Herr, HERR! Siehe, ich verstehe nicht zu reden, denn ich bin noch zu jung. 7 Aber der HERR sagte zu mich: Sag nicht: Ich bin noch zu jung! Denn zu allen, zu denen ich dich sende, sollst du gehen, und alles, was ich dir gebiete, sollst du reden. 8 Fürchte dich nicht vor ihnen! Denn ich bin mit dir, um dich zu retten – Spruch des HERRN. 9 Und der HERR streckte seine Hand aus, berührte meinen Mund und der HERR sagte zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. 10 Siehe, ich bestelle dich am heutigen Tag über die Völker und über die Königreiche, um auszureißen und niederzureißen, um zu vernichten und zu zertrümmern, um zu bauen und zu pflanzen.

   

Wir gehen heute zum Propheten Jeremia über, der ein Jahrhundert nach Micha im Südreich wirkte. Die Worte, die Jeremia am Anfang seiner Berufung von Gott hören durfte, dürfen wir auch auf uns selbst beziehen:

 

 Bevor ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich erkannt.

Die Welt neigt dazu, dich an deiner Leistung, deiner Effizienz und deinem Nutzwert zu messen. Was bringst du? Was leistest du? Wie produktiv bist du? Aber wenn du dich nur durch das definierst, was du leistest, dann wirst du ständig mit Erwartungen konfrontiert, die du nie ganz erfüllen kannst. Es gibt immer noch mehr zu tun, noch jemanden, der schneller, besser, erfolgreicher ist.

 

Bevor ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich erkannt.

Bitte beziehe diesen Vers ganz persönlich auf dich selbst. Du bist kein Zufallsprodukt, keine Laune der Natur, kein Nebenprodukt von Umständen. Du bist gewollt – und von Ewigkeit her von Gott gedacht und geliebt, noch bevor du das geringste geleistet hast..

 

Bevor ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich erkannt.

Du bist gewollt, noch bevor du eine einzige Aufgabe erfüllt hast. Es gibt ein schönes Lied, das diesen Gedanken aufgreift. Vielleicht kennst du es, wenn nicht, kannst du einmal googeln. Es heißt: „Vergiss es nie“.


Bild: pexels-photo-9264586  / Анастасия Триббиани



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tägliche Schriftbetrachtung

von ew 22. Juli 2026
Jer 2, 1-3. 7-8. 12-13 Donnerstag, 16 Woche 1Das Wort des Herrn erging an mich: 2Auf! Ruf Jerusalem laut ins Ohr: So spricht der Herr: Ich gedenke deiner Jugendtreue, der Liebe deiner Brautzeit, wie du mir in der Wüste gefolgt bist, im Land ohne Aussaat. 3Heilig war Israel dem Herrn, Erstlingsfrucht seiner Ernte. Wer davon aß, machte sich schuldig, Unheil kam über ihn – Spruch des Herrn. 7Ich brachte euch dann in das Gartenland, um euch seine Früchte und Güter genießen zu lassen. Aber kaum seid ihr dort gewesen, da habt ihr mein Land entweiht und mein Eigentum zum Abscheu gemacht. 8Die Priester fragten nicht: Wo ist der Herr? Die Hüter der Weisung kannten mich nicht, die Hirten des Volkes wurden mir untreu. Die Propheten prophezeiten bei Baal und liefen unnützen Götzen nach. 12Entsetzt euch darüber, ihr Himmel, erschaudert gewaltig! – Spruch des Herrn. 13Denn mein Volk hat doppeltes Unrecht verübt: Mich hat es verlassen, den Quell des lebendigen Wassers, um sich Zisternen zu graben, Zisternen mit Rissen, die das Wasser nicht halten. 2 Ich gedenke deiner Jugendtreue Wie ein Verliebter ruft Gott seiner Braut zu: Weißt du denn nicht mehr, du warst meine Jugendtreue, du bist mir in die Wüste gefolgt. Gemeinsam haben wir Schwierigkeiten überwunden. 2 Du bist mir in die Wüste gefolgt Die Liebe war so stark, dass sie die Unbequemlichkeit und die Herausforderung der Wüste ausgehalten hat. Gemeinsam stellte sich Gott mit seinem Volk allen Widrigkeiten. 7 Aber: Im Gartenland wurdest du untreu Doch die Situation änderte sich dramatisch, als das Volk in das „Gartenland“ (Kanaan). Plötzlich war alles im Überfluss da, es gab feste Häuser und gefüllte. Es ist eine paradoxe Tragödie der Menschheitsgeschichte: Krisen schweißen zusammen, aber der Wohlstand entfremdet. 8 Die Priester fragten nicht: Wo ist der Herr? Bemerkenswert ist, wen der Text konkret anklagt: die Priester! Es ist kein Versagen "des Volkes", sondern ein Versagen der geistlichen Verantwortungsträger. Entfremdung von Gott beginnt oft leise, an der Spitze, bevor sie sich in der Breite zeigt. 13 Gott, Quell des lebendigen Wassers Gott bietet sich selbst als Quelle für alles Lebensnotwendige an. Man muss nur hingehen und kann dann mühelos daraus trinken. 13 Zisternen mit Rissen Aber die Menschen brauchen die Quelle nicht, sie graben sich mühevoll Zisternen, die dazu noch rissig sind und das Wasser nicht halten können. Quelle oder Zisterne? Der Kontrast in der Lesung ist genau durchdacht: Eine Zisterne muss man selbst in den Felsen hauen. Aber sie sammelt nur, was einmal hineinfließt. Bekommt eine Zisterne Risse, verliert man am Ende alles, trotz der ganzen investierten Mühe. Eine Quelle sprudelt von selbst, ist Geschenk, erneuert sich ständig, man kann sie nicht besitzen, nur an ihr trinken. Selbstgebaute Zisternen Es ist nicht schwer herauszufinden, wo wir uns heute selbst Zisternen bauen. Das Bild lässt sich gut auf Dinge übertragen, die wir selbst bauen. Die Zisterne: "ich bin, was ich schaffe". Hält eine Weile, bis Krankheit, Alter oder Scheitern kommen. Da sind aber auch jene Zisternen, die ständig neu befüllt werden müssen, weil sie nie wirklich sättigen: Konsum und Ablenkung … Für heute Wo merke ich aktuell in meinem Leben, dass meine „Zisterne“ Risse bekommt? Wo spüre ich die Erschöpfung, weil ich versuche, mir selbst Halt zu geben? Bild: pexels-photo-35647385 / Smadar Bergmann
von ew 20. Juli 2026
Dienstag, 16 Woche Mi 7, 14-15. 18-20 Herr, unser Gott, weide dein Volk mit deinem Stab, die Herde, die dein Erbbesitz ist, die einsam im Wald wohnt mitten im fruchtbaren Land! Sie sollen wieder im Baschan und in Gílead weiden wie in den Tagen der Vorzeit. 15Wie in den Tagen, als du aus dem Land Ägypten auszogst, lass uns deine Wunder schauen! 18Wer ist Gott wie du, der Schuld verzeiht und an der Verfehlung vorübergeht für den Rest seines Erbteils! Nicht hält er auf ewig fest an seinem Zorn, denn er hat Wohlgefallen daran, gütig zu sein. 19Er wird sich unser wieder erbarmen, er wird niedertreten unsere Schuld. Ja, du wirst in die Tiefen des Meeres werfen alle ihre Sünden. 20Du wirst Jakob Treue und Abraham Liebe erweisen, wie du unseren Vätern geschworen hast in den Tagen der Vorzeit Der Liedermacher Albert Frey hat ein wunderbares Lied komponiert das sich an der heutigen Bibelstelle orientiert. „Wer ist ein Gott wie Du?“ Anbei der Liedtext, den es sich lohnt, wie die Bibelstelle selbst, immer wieder zu meditieren Du hast Erbarmen und zertrittst all meine Schuld, du hilfst mir auf in deiner Treue und Geduld. Du nimmst mir meine Last, nichts ist für dich zu schwer, du wirfst all meine Sünde tief hinab ins Meer. Wer ist ein Gott wie du? Der die Sünde verzeiht und das Unrecht vergibt. Wer ist ein Gott wie du? Nicht für immer bleibt dein Zorn bestehn, denn du liebst es gnädig zu sein. Du hast Erbarmen und zertrittst all meine Schuld, du hilfst mir auf in deiner Treue und Geduld. Du nimmst mir meine Last, nichts ist für dich zu schwer, du wirfst all meine Sünde tief hinab ins Meer. Wer ist ein Gott wie du? Der die Sünde verzeiht und das Unrecht vergibt. Wer ist ein Gott wie du? Nicht für immer bleibt dein Zorn bestehn, denn du liebst es gnädig zu sein. Bild: pexels-photo-34656479 / Soc Nang Dong
von ew 19. Juli 2026
Mi 6, 1-4. 6-8 Montag, 16 Woche 1 Hört doch, was der HERR sagt: Mach dich auf, führe den Rechtsstreit vor den Bergen und die Hügel sollen deine Stimme hören! 2 Hört, ihr Berge, den Rechtsstreit des HERRN, und ihr Unerschütterlichen, ihr Fundamente der Erde! Denn der HERR hat einen Rechtsstreit mit seinem Volk und mit Israel will er rechtrechten. 3 Mein Volk, was habe ich dir getan und womit habe ich dich ermüdet? Antworte mir! 4 Ich habe dich doch aus dem Land Ägypten heraufgeführt und dich aus dem Sklavenhaus freigekauft; und ich habe Mose, Aaron und Mirjam vor dir hergesandt. 6 Womit soll ich vor den HERRN treten, mich beugen vor dem Gott der Höhe? Soll ich vor ihn treten mit Brandopfern, mit einjährigen Kälbern? 7 Hat der HERR Gefallen an Tausenden von Widdern, an zehntausend Bächen von Öl? Soll ich meinen Erstgeborenen geben für mein Verbrechen, die Frucht meines Leibes für die Sünde meiner Seele? 8 Es ist dir gesagt worden, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: Nichts als Recht tun, Liebe üben und demütig wandeln mit deinem Gott. 1. Micha spricht - Vers 1: Hört doch! Micha eröffnet im Auftrag Gottes einen Rechtsstreit. Berge und Hügel werden als Zeugen aufgerufen, die Fundamente der Erde, die dauerhaftesten, unbestechlichsten Zeugen der Schöpfung. 2. Gott spricht - Vers 3: Mein Volk, was habe ich dir getan? Fast hilflos spricht Gott zu den Menschen. Was habe ich Dir getan? Ich habe dich doch aus Ägypten heraufgeführt. Ich habe dich getan was du wolltest. Das ist die Frage eines Liebenden, der nicht versteht, warum die Beziehung so kalt geworden ist 3. Der Mensch spricht - Vers 6: Womit soll ich vor den HERRN treten Diese Stimme steigert sich fieberhaft von Brandopfern über Widder und Öl bis zur schockierenden Frage nach dem Erstgeborenen. Es ist die Stimme des Menschen, der verzweifelt nach dem richtigen Ausweg für seine Schuld sucht. 4. Micha spricht - Vers 8: Es ist dir gesagt worden was gut ist Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir erwartet: Nichts anderes als Recht tun, Güte lieben und in Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott. 5. Frage: Wie können wir heute, liebe Leserin, lieber Leser, in unserem Alltag Gerechtigkeit, Liebe und Demut lebendig werden lassen. Bild: pexels-photo-32887426 / my / Soc Nang Dong
von ew 17. Juli 2026
Mi 2, 1-5 Samstag, 15 Woche 1 Wehe denen, die Unheil planen und Böses vorbereiten auf ihren Lagern! Am Morgen, wenn es hell wird, führen sie es aus, weil es in der Macht ihrer Hand steht. 2 Sie begehren Felder und rauben sie, Häuser und nehmen sie weg; sie übervorteilen den Mann und sein Haus, den Menschen und sein Erbteil. 3 Darum, so spricht der HERR: Siehe, ich plane gegen dieses Geschlecht ein Unheil, aus dem ihr eure Hälse nicht herausziehen werdet; und ihr werdet nicht mehr stolz einhergehen, denn es wird eine böse Zeit sein. 4 An jenem Tag wird man über euch ein Spottlied anstimmen und eine bittere Klage klagen; man wird sagen: Wir sind völlig verwüstet! Das Erbteil meines Volkes vertauscht er. Wie entreißt er es mir! Unseren Feldern teilt er den Abtrünnigen zu. 5 Darum wirst du keinen haben, der die Messschnur wirft in der Gemeinde des HERRN. Heute wechseln wir wieder den Blickwinkel. Ein weiterer Prophet, Micha, bewertet die Situation der damaligen Gesellschaft im Südreich Juda. Historischer Hintergrund Der Prophet Micha wirkte im 8. Jahrhundert v. Chr. im Südreich Juda, in einer Zeit des wirtschaftlichen Umbruchs und des politischen Drucks durch das aufstrebende Assyrerreich. Sie begehren Felder und rauben sie Eine kleine, einflussreiche Oberschicht bereicherte sich auf Kosten der bäuerlichen Bevölkerung. Die traditionelle Ordnung, in der jedes Familienoberhaupt ein von Gott gegebenes Stück Land als Erbe besaß, wurde durch Gewalt und juristische Tricks untergraben. Sie raubten Häuser und Äcker, was für die Betroffenen den sozialen und existenziellen Ruin bedeutete. Für heute Micha bezeugt einen Gott, der nicht wegsieht, wenn Schwächere unterdrückt werden. Die Botschaft bleibt eine Warnung vor einer moralischen Verrohung, die meint, man könne sich Sicherheit durch Besitz erkaufen, während man die göttlichen Gebote von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit ignoriert. Die Lesung ist eine Mahnung, die uns daran erinnert, dass unsere Handlungen Konsequenzen haben und Gott das Unrecht nicht ungesühnt lässt. Bild: p exels-photo-6899136 /Anna Shvets
von ew 16. Juli 2026
Jes 38, 1-6. 21-22. 7-8 Freitag, 15 Woche 1 In jenen Tagen wurde Hiskija sterbenskrank. Da kam der Prophet Jesaja, der Sohn des Amoz, zu ihm und sagte zu ihm: So spricht der HERR: Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben und nicht am Leben bleiben! 2 Da wandte Hiskija sein Angesicht zur Wand und betete zum HERRN 3 und sagte: Ach, HERR, gedenke doch daran, dass ich vor deinem Angesicht in Treue und mit ungeteiltem Herzen gewandelt bin und getan habe, was gut ist in deinen Augen! Und Hiskija weinte laut. 4 Da erging das Wort des HERRN an Jesaja: 5 Geh und sag zu Hiskija: So spricht der HERR, der Gott deines Vaters David: Ich habe dein Gebet gehört, ich habe deine Tränen gesehen. Siehe, ich füge deinen Tagen fünfzehn Jahre hinzu. 6 Und aus der Hand des Königs von Assur werde ich dich und diese Stadt retten; ich werde diese Stadt beschützen. 21 Jesaja aber sagte: Man nehme einen Feigenkuchen und lege ihn als Pflaster auf das Geschwür, damit er gesund werde! 22 Und Hiskija sagte: Was ist das Zeichen, dass ich zum Haus des HERRN hinaufgehen werde? 7 Und dies ist dir das Zeichen vom HERRN, dass der HERR dieses Wort erfüllen wird, das er gesprochen hat: 8 Siehe, ich lasse den Schatten an den Stufen, die er am Sonnenzeiger des Ahas hinabgegangen ist, um zehn Stufen zurückgehen. Und die Sonne ging am Sonnenzeiger um zehn Stufen zurück, die sie hinabgegangen hatte. Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben König Hiskia ist sterbenskrank. Wenig sensibel sagt Jesaja zu ihm. „Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben und nicht am Leben bleiben.“ Das klare Wort des Propheten hilft Hiskia und er beginnt über sein Leben nachzudenken. Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben Die meisten Menschen denken nicht an das Sterben. Sie denken: Später, irgendwann einmal, aber nicht heute. Aber der Tod ist unausweichlich und wir haben die Freiheit, wie wir unsere verbleibende Zeit gestalten. Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben Der Zeitpunkt des Todes ist eine wichtige Stunde in meinem Leben, es ist die Stunde, in der ich heimkehre zu Gott. Wenn es irgend geht, sollte man sich bewusst auf diese wichtigste Stunde des Lebens vorbereiten. Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben – und dann wirst du Gott begegnen. Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben Wir sollten unsere Tage so gestalten, als ob unser Leben in jedem Moment zu Ende sein könnte. Kann ich sagen: „Mein Haus bestellt. Ich bin mit mir, mit Gott und mit meinen Nächsten im Reinen.“ Wer sein Haus bestellt, während er noch lebt, muss den Tod nicht als plötzlichen Einbruch erleben, sondern kann ihm als jemand begegnen, der seine Angelegenheiten bereits in die Hand genommen hat. Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben Es ist das Paradoxon des Glaubens: Indem ich das Ende akzeptiere, werde ich frei für das Leben. Wer sich auf das Ziel vorbereitet, kann den Weg dazwischen bewusster gehen. Bild: pexels-photo-15750972 / Emmaluel Codden
von ew 16. Juli 2026
Jes 26, 7-9. 12. 16-19 Donnerstag, 15 Woche Der Pfad des Gerechten ist Geradheit, gerade ist die Bahn des Gerechten, die du ebnest. 8Fürwahr, auf dem Pfad deiner Gerichte, Herr, haben wir auf dich gehofft. Deinen Namen anzurufen und deiner zu gedenken, ist der Seele Verlangen. 9Meine Seele verlangt nach dir in der Nacht, auch mein Geist in meinem Innern ist voll Sehnsucht nach dir. Denn wann immer deine Gerichte die Erde treffen, lernten die Bewohner des Erdkreises Gerechtigkeit. 12Herr, du wirst uns Frieden schaffen; denn auch all unsere Taten hast du für uns gemacht. 16Herr, in der Not haben sie nach dir Ausschau gehalten; sie schrien in der Bedrängnis, als deine Züchtigung sie traf. 17Wie eine Schwangere, die kurz davor ist, zu gebären, sich windet und schreit in ihren Wehen, so waren wir, Herr, vor deinem Angesicht. 18Wir waren schwanger und lagen in Wehen, doch als wir gebaren, war es Wind. Heil verschaffen wir nicht dem Land und Erdenbewohner sind keine geboren. 19Deine Toten werden leben, die Leichen stehen wieder auf. Wacht auf und jubelt, ihr Bewohner des Staubes! Denn ein Tau von Lichtern ist dein Tau und die Erde gebiert die Schatten. Meine Seele verlangt nach dir in der Nacht Heute Nacht konnte ich nicht sehr gut schlafen. Es war heute nicht zu warm, auch weckte mich kein Partylärm, ich wachte einfach auf, und dann war an Schlaf nicht mehr zu denken. Psalm 63 kam mir in den Sinn: Ich denke an dich auf nächtlichem Lager und sinne über dich nach, wenn ich wache. Meine Seele verlangt nach dir in der Nacht Jesaja verwendet einen ähnlichen Vers: „Meine Seele verlangt nach dir in der Nacht". Anstatt Schäfchen zu zählen, habe ich mir diesen Satz immer wieder gesagt. Und irgendwann bin ich dann doch eingeschlafen. Meine Seele verlangt nach dir in der Nacht Die schlaflose Stunde heute Nacht war damit mehr als ein sinnloses Aushalten, sondern wurde zu Gebet. Tipp: Wenn Sie einmal nicht schlafen können, rezitieren Sie doch diesen Satz: Meine Seele verlangt nach dir in der Nacht Bild: Pe xels-photo-14223882. / Vladimir Srejber
von ew 14. Juli 2026
Jes 10, 5-7. 13-16 Mittwoch, 15 Woche 5 Wehe Assur, dem Stock meines Zorns! Ein Stecken in ihrer Hand ist mein Grimm. 6 Gegen ein gottloses Volk sende ich ihn, gegen das Volk meines Übermuts entbiete ich ihn, um Beute zu erbeuten und Plünderung zu plündern und es zu zertreten wie den Schlamm der Gassen. 7 Er aber meint es nicht so und sein Herz denkt nicht so; sondern Vertilgung ist in seinem Sinn und Völker auszurotten, nicht wenige. 13 Denn er hat gesagt: Durch die Kraft meiner Hand habe ich es getan und durch meine Weisheit, denn ich bin klug. Ich habe die Grenzen der Völker verschoben, ihre Vorräte geplündert und wie ein Mächtiger die Thronenden hinabgestürzt. 14 Meine Hand hat nach dem Reichtum der Völker gegriffen wie nach einem Nest; und wie man verlassene Eier zusammensucht, so habe ich die ganze Erde zusammengerafft. Da war keiner, der mit den Flügeln schlug oder den Schnabel öffnete und tschilpte. 15 Rühmt sich etwa die Axt gegen den, der mit ihr hackt, oder tut die Säge groß gegen den, der sie zieht? Als ob ein Stock den schwingt, der ihn hebt, als ob ein Stecken den hebt, der nicht aus Holz ist! 16 Darum wird der Herr, der HERR der Heerscharen, unter seine Starken die Abzehrung senden und unter seiner Herrlichkeit wird ein Brand brennen wie ein Feuerbrand. Rühmt sich etwa die Axt gegen den, der mit ihr hackt Im 8. Jahrhundert v. Chr. war Assyrien die unaufhaltsame Supermacht des Nahen Ostens; 722 v. Chr. eroberte es das Nordreich Israel. In dieser Bedrohungslage nennt Jesaja Assur die "Rute meines Zorns" – ein Werkzeug, das Gott gegen sein untreues Volk einsetzt. Doch Assur will gar nicht Gottes Auftrag erfüllen, sondern eigenmächtig das Südreich Juda erobern. Dies wird ausgedrückt durch Vers 13: Durch meine Kraft hab ich's getan, durch meine Klugheit. Jesaja hält dagegen: Kann sich die Axt rühmen gegenüber dem, der mit ihr haut? Ein Werkzeug hat keine eigene Macht. Für heute Keine Macht hat das letzte Wort in der Geschichte. Gott verliert die Fäden der Geschichte nicht aus der Hand. Er kann selbst die Pläne von Menschen, die gar nichts von ihm wissen wollen, in seinen großen Heilsplan einweben. . Bild: pexels-photo-9629957 / Ivan S
von ew 13. Juli 2026
Jes 7, 1-9 Dienstag, 15 Woche 1 Es geschah in den Tagen des Ahas, des Sohnes Jotams, des Sohnes Usijas, des Königs von Juda: Da zogen Rezin, der König von Aram, und Pekach, der Sohn Remaljas, der König von Israel, nach Jerusalem hinauf, um gegen es Krieg zu führen; er konnte es aber nicht erobern. 2 Als dem Haus David gemeldet wurde: Aram hat sich in Ephraim niedergelassen!, da bebte sein Herz und das Herz seines Volkes, wie die Bäume des Waldes vor dem Wind beben. 3 Da sprach der HERR zu Jesaja: Geh hinaus, Ahas entgegen, du und dein Sohn Schear-Jaschub, an das Ende der Wasserleitung des Oberen Teiches, zur Straße des Walkerfeldes, 4 und sag zu ihm: Hüte dich und bleibe ruhig! Fürchte dich nicht und dein Herz sei nicht verzagt vor diesen beiden rauchenden Brandscheitstümpfen, vor dem glühenden Zorn Rezins und Arams und des Sohnes Remaljas! 5 Weil Aram Böses gegen dich beschlossen hat, Ephraim und der Sohn Remaljas, indem sie sagten: 6 Wir wollen gegen Juda heraufziehen, es in Schrecken versetzen, es für uns erobern und den Sohn Tabeels darin zum König machen!, 7 so spricht der HERR, mein Gott: Es kommt nicht zustande und es geschieht nicht. 8 Denn das Haupt von Aram ist Damaskus und das Haupt von Damaskus ist Rezin; und noch fünfundsechzig Jahre, dann ist Ephraim so zertrümmert, dass es kein Volk mehr ist. 9 Und das Haupt Ephraims ist Samaria und das Haupt Samarias ist der Sohn Remaljas. Wenn ihr nicht glaubt, bleibt ihr nicht bestehen. 1. Geschichtlicher Hintergrund Die Szene spielt um 734 v. Chr., in einer akuten politischen Krise Judas. Das winzige Südreich Juda unter König Ahas wird von zwei Nachbarkönigen bedroht, die Jerusalem belagern wollen. Am Hof herrscht nackte Panik 2. Die Antwort Gottes? Gott schickt den Propheten Jesaja mit einer klaren Botschaft in die Krise: Entwarnung: Gott nennt die bedrohlichen Feinde bloß „rauchende Brandscheite“ – sie haben keine Zukunft. Aufforderung: „Hüte dich und bleibe still; fürchte dich nicht. Wenn ihr nicht glaubt, bleibt ihr nicht bestehen.“ 3 Für Heute Wenn wir Nachrichten schauen oder persönliche Krisen durchleben, fühlen wir uns oft wie Ahas: Das Herz bebt wie die Bäume im Wind. Die Lesung lädt dazu ein, die Perspektive zu wechseln. Aus Gottes Sicht sind viele Dinge, die uns heute Angst machen, letztlich nur "rauchende Brandscheite" Morgen sind sie nicht mehr da Bild: pexels-photo-13783086 / Alexis Ricardo Alaurin
von ew 12. Juli 2026
Jes 1, 10-17 Montag, 15 Woche 10 Hört das Wort des HERRN, ihr Herrscher von Sodom! Vernehmt die Weisung unseres Gottes, du Volk von Gomorra! 11 Was soll ich mit der Menge eurer Opfer? – spricht der HERR. Ich bin der Brandopfer von Widdern und des Fettes von Mastvieh überdrüssig; das Blut von Stieren, Lämmern und Böcken mag ich nicht. 12 Wenn ihr kommt, um mein Angesicht zu schauen – wer hat das von euch verlangt, meine Vorhöfe zu zertreten? 13 Bringt nicht länger sinnlose Speiseopfer! Das Räucherwerk ist mir ein Gräuel. Neumond und Sabbat, das Ausrufen von Festversammlungen: Frevel und Festfeier ertrage ich nicht. 14 Eure Neumonde und eure Festzeiten hasst meine Seele; sie sind mir zur Last geworden, ich bin es müde, sie zu tragen. 15 Wenn ihr eure Hände ausbreitet, verhülle ich meine Augen vor euch. Selbst wenn ihr noch so viel betet, höre ich nicht. Eure Hände sind voll Blut. 16 Wascht euch, reinigt euch! Schafft mir eure bösen Taten aus den Augen! Hört auf, Böses zu tun! 17 Lernt Gutes zu tun! Sucht das Recht! Helft den Unterdrückten! Schafft Recht den Waisen, führt den Rechtsstreit der Witwen! Die heutige Lesung hat eine große inhaltliche Nähe zur Lesung am Mittwoch, 13 Woche Am 5, 14-15. 21-24. Vielleicht kann man beide Lesungen zusammenfassen unter dem Gedanken: Gott widerstrebt ein Glaube, der nur aus einer frommen Kulisse besteht. Eure Festzeiten hasst meine Seele; sie sind mir zur Last geworden, Die Menschen dachten: Wenn wir die Rituale richtig ausführen, ist Gott zufrieden, und wir können im Alltag leben, wie wir wollen. Die Propheten entlarven diese Trennung zwischen Liturgie und Leben als Illusion. Gott lässt sich nicht mit Riten abspeisen, wenn das Herz nicht dabei ist. Wenn ihr eure Hände ausbreitet, verhülle ich meine Augen vor euch. Das Gebet verpufft, weil die Hände, die im Tempel erhoben werden, im Alltag leer bleiben und den Überfluss nicht mit den Armen teilen. Selbst wenn ihr noch so viel betet, höre ich nicht Christlicher Glaube erschöpft sich nicht im Besuch der Kirche oder im gesprochenen Gebet. Er will unser Denken und Handeln prägen. Jede Tat der Gerechtigkeit, jedes Wort der Versöhnung und jede Hilfe für einen Menschen in Not ist ein Gottesdienst, der Gott gefällt. Selbst wenn ihr noch so viel betet, höre ich nicht Vielleicht ist dies auch ein Grund, warum uns Gott manchmal so weit entfernt zu sein scheint. Vielleicht ist hier ein Hinweis darauf zu finden, warum Gott unsere Gebete so oft nicht erhört. Selbst wenn ihr noch so viel betet, höre ich nicht Diese harten Worte enthalten vielleicht die Antwort auf eine Frage, die viele von uns quält: Warum scheint Gott manchmal so unendlich weit weg zu sein? Es ist ein Hinweis darauf, dass das Schweigen Gottes nicht an seinem Desinteresse liegt, sondern daran, dass unsere eigenen Taten im Alltag die Verbindung zu Gott erschweren. Selbst wenn ihr noch so viel betet, höre ich nicht Oft suchen wir die Schuld für Gottes Ferne bei Gott selbst. Die Lesung dreht den Spiegel um und zeigt: Die Ferne ist manchmal hausgemacht. Man könnte auch sagen: Hausgemachte Funkstille Die Lesung bietet heute einen wunderbaren Ausgangspunkt, um über den Unterschied zwischen bloßen Lippenbekenntnissen und meinem gelebten Glauben nachzudenken. Bild: pexels-photo-25079011 / Rai Raimondo
von ew 11. Juli 2026
Samstag, 14 Woche Jes 6, 1-8 Im Todesjahr des Königs Usíja, da sah ich den Herrn auf einem hohen und erhabenen Thron sitzen und die Säume seines Gewandes füllten den Tempel aus. 2Sérafim standen über ihm. Sechs Flügel hatte jeder: Mit zwei Flügeln bedeckte er sein Gesicht, mit zwei bedeckte er seine Füße und mit zwei flog er. 3Und einer rief dem anderen zu und sagte: Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen. Erfüllt ist die ganze Erde von seiner Herrlichkeit. 4Und es erbebten die Türzapfen in den Schwellen vor der Stimme des Rufenden und das Haus füllte sich mit Rauch.5Da sagte ich: Weh mir, denn ich bin verloren. Denn ein Mann unreiner Lippen bin ich und mitten in einem Volk unreiner Lippen wohne ich, denn den König, den Herrn der Heerscharen, haben meine Augen gesehen.6Da flog einer der Sérafim zu mir und in seiner Hand war eine glühende Kohle, die er mit einer Zange vom Altar genommen hatte. 7Er berührte damit meinen Mund und sagte: Siehe, dies hat deine Lippen berührt, so ist deine Schuld gewichen und deine Sünde gesühnt. 8Da hörte ich die Stimme des Herrn, der sagte: Wen soll ich senden? Wer wird für uns gehen? Ich sagte: Hier bin ich, sende mich! Nachdem wir die ganze Woche über Abschnitte aus dem Buch des Propheten Hosea betrachtet haben gehen wir nun zum Propheten Jesaja über. Die Lesung aus Jesaja 6 beschreibt seine Berufung und bildet einen perfekten, Auftakt für die Jesaja-Lesungen der kommenden Woche. Heilig, Heilig, Heilig, Jesaja war der erste Mensch der das Sanctus hören durfte. Unzählige Musiker haben später dieses Drei Mal Heilig vertont. In jeder Heiligen Messe singen wir das „Heilig unmittelbar vor der Wandlung Genauer gesagt besteht das Sanctus aus zwei biblischen Quellen: Der erste Teil stammt direkt aus Jesaja 6, 3: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen. Erfüllt ist die ganze Erde von seiner Herrlichkeit.“ Der zweite Teil („Hosanna in der Höhe...“) stammt aus dem Neuen Testament (Mt 21, 9), dem Ruf der Menschen beim Einzug Jesu in Jerusalem. Wenn wir in jeder Messe das Sanctus singen oder sprechen, tun wir im Grunde genau das, was Jesaja im Tempel sah: Wir stimmen ein in den ewigen Lobgesang der Engel vor dem Thron Gottes Bild: pexels-photo-16948153 / Vladimir Sreijber